Jens Brauer – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 10 Dec 2019 08:19:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Altes neu entdecken https://www.tiefgang.net/altes-neu-entdecken/ Fri, 06 Dec 2019 23:51:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6128 [...]]]> Harburg hat viel Geschichte – vor allem aus den letzten 150 Jahren. Sie neu zu entdecken, ist spannend und kann nun analog oder digital erfolgen. Nah bleibt sie immer.

Harburg hat eine reichhaltige Geschichte, vor allem mit der Entwicklung der Industrialisierung und der einhergehenden Bevölkerungsexplosion. Ob analog oder digital, mit dem neuen Buch „Harburger Geschichtspfad“ und der digitalen Plattform „Kultur-Routen Harburg“ kann diese spannende Stadtgeschichte Harburgs nun neu oder auch wieder entdeckt werden.

Anfang der Woche stellten Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Prof. Dr. Weiss, Direktor des Archäologischen Museums und Stadtmuseums Harburg sowie Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg und Dr. Michael Merkel, Leiter der Digitalisierungsprozesse beider Harburger Museen im Harburger Rathaus gemeinsam die neue digitale Plattform sowie ein neu erschienenes Buch zur Harburger Stadtgeschichte vor.

Der „Harburger Geschichtspfad“ und die „Kultur-Routen Harburg“ (www.kulturrouten-harburg.de) laden zu einer historischen Entdeckungstour ein, die von den Anfängen der bis 1937 selbständigen Stadt, bis in die Gegenwart des südlichsten Hamburger Bezirkes führt. Die neue digitale Plattform “Kultur-Routen Harburg” bündelt außerdem bereits existierende Angebote und Kurzführer zur Harburger Stadtgeschichte, zur Kunst im öffentlichen Raum sowie zur Geschichte des Binnenhafens und des Alten Friedhofs. Die Inhalte können über Smartphone und Tablet abgerufen werden. Der Harburger Geschichtspfad ist ab sofort Teil dieser Plattform und gleichzeitig als Buch erhältlich. Beide Projekte sind ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtmuseums Harburg und des Bezirksamts Harburg.

Mit der digitalen Plattform „Kultur-Routen Harburg“ kann die Geschichte Harburgs im Rahmen eines multimedialen Rundgangs entdeckt werden. Die kostenlose Web-App ist auf mobilen Geräten, aber natürlich auch zu Hause am PC nutzbar. Und so funktioniert´s: man entscheidet, welche Themen auf der interaktiven Karte angezeigt werden: ob Kunst, Geschichte, Hafen oder Alter Friedhof (samt namhafter Biografien der Stadtgeschichte). Die Auswahl trifft man im einfach im Themenmenü und durch einen Klick. Und schon hat man entweder alle oder die die einzelnen Angebote in der Ansicht. Der eigene Standort – so auf dem tablet oder smartphone aktiviert –  wird auf der Karte mit der Standortposition angezeigt. Und los geht’s. Da Harburgs Route recht fußläufig ist und sonst auch mit E-Roller oder Stadtrad ergänzt werden kann, ist es eher die Qual der Wahl, was man alles an Harburg wieder- oder neu entdecken kann. Es lohnt sich allemal.

Wer möchte, kann sich aber auch mit dem gedruckten Führer zum Harburger Geschichtspfad auf den Weg machen. Es ist auch ein guter Einstieg, wenn man neu nach Harburg gezogen ist oder den Nachbarn mal eine Freude machen will. Das Buch im handlichen Format stellt 36 Stationen des Pfades vor. Der Pfad führt von den Anfängen der Stadt bis in die Gegenwart und informiert über Gebäude, Plätze und Straßen. Die Web-App sowie das Buch erzählen bekannte Geschichten und eröffnen neue Einsichten in die lange Geschichte Harburgs.

So natürlich vom Harburger Schloß und der Schlossstraße, vom Rathaus und auch dem Museum. Aber auch vom Bassinplatz oder der Straßenbahn oder dem Harburger, der als drei(!)-spurige Einbahn(!)straße in den 1980er Jahren eröffnet wurde. Gute 100 Seiten mit Bildern aus den Archiven und Texten auf Deutsch aber auch in englischen Kurzfassungen.

An den einzelnen Stationen kann das Gestern und Heute nebeneinander erlebt werden. Fotos und kurze Porträts der historischen Orte erzählen, wie sich Harburg entwickelt und gewandelt hat. An vielen Punkten des Geschichtspfades werden dadurch Brüche sichtbar, die der Zweite Weltkrieg, der wirtschaftliche Strukturwandel oder die Stadtplanung im Stadtbild hinterlassen haben. Es werden aber auch einige neue Standorte vorgestellt, wie zum Beispiel eben das Harburger Schloss, in dessen Gewölbekeller demnächst als neue Museumsfiliale des Stadtmuseums Harburg eröffnet werden soll.

Die digitale Plattform „Kultur-Routen Harburg“ bündelt viele bereits existierende Angebote zur Harburger Stadtgeschichte und zur Kunst im öffentlichen Raum. Alle sind attraktiv bebildert, so dass sich ein Ausflug an die geschichtsträchtigen Orte schon von der Couch aus lohnt. Ebenso viel Spaß macht es allerdings, die „Kultur-Routen Harburg“ direkt vor Ort anzuwenden. Die Nutzung der Plattform ist einfach: Durch das Scannen eines QR-Codes gelangt man auf die Webseite der „Kultur-Routen Harburg“. Hier können verschiedene Themen ausgewählt werden und mit Hilfe einer Karte wird man dann von Ort zu Ort geführt.

Das Gemeinschaftsprojekt wurde mit Mitteln der Bezirksversammlung Harburg sowie aus dem Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung mit rd. 30.000 € gefördert.

Das analoge Büchlein ist für 5,- € im Stadtmuseum Harburg und auch dem Shop des Citymanagements erhältlich sowie online im Museumshops: shop.amh.de.

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Schaufenster vergangener Zeit https://www.tiefgang.net/schaufenster-vergangener-zeit/ Fri, 15 Feb 2019 23:19:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4888 [...]]]> Einen letzten Blick zurück gibt es in Kürze in der Friedrich-Ebert-Halle. In der Ausstellung “Schaufenster der Geschichte“. Er lohnt sich.

In der Mitteilung des Museums heißt es:

Das Archäologische Museum Hamburg präsentiert am Donnerstag, dem 28. Februar um 18 Uhr einen Vortrag in der Reihe “Schaufenster der Geschichte“ (´Tiefgang` berichtete).

Diesmal wird der neue Leiter der Abteilung Stadtgeschichte am Stadtmuseum Harburg, Jens Brauer, einen Rückblick auf sein erstes Ausstellungsprojekt geben. Im Herbst 2018 zeigte das Museum die Ausstellung „Zeitwende“ mit Fotos des bekannten Harburger Fotografen Kurt Foige (1888–1965), die auf große Resonanz bei den Besuchern traf.  Jens Brauer blickt in seinem Vortrag auf die Schau zurück und stellt auch einige neugewonnenen Erkenntnisse vor.

Bis Dezember 2018 war im Stadtmuseum Harburg die Sonderausstellung „Zeitwende“ zu sehen, die sich einem bedeutenden Bauwerk Harburgs widmet, dem Friedrich-Ebert-Gymnasium mit der angeschlossenen Friedrich-Ebert-Halle. Mit dieser Ausstellung hob der neue Leiter der Abteilung Stadtgeschichte am Stadtmuseum Harburg, Jens Brauer, einen Fotoschatz aus dem Museumsarchiv, der bisher noch nie gezeigt worden war: Fotos des bekannten Harburger Fotografen Kurt Foige (1888–1965), der den neuen Gebäudekomplex mit der städtischen Festhalle unmittelbar nach der Fertigstellung fotografisch dokumentierte. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium und war am originalen Ort im Foyer der Friedrich-Ebert-Halle zu sehen. Sie wurde gemeinsam mit Schülern entwickelt und zeigte in beeindruckender Weise die Verbindung von Geschichte und Architektur eines Gebäudes. Schon während der Ausstellungslaufzeit bekam Jens Brauer viele Rückmeldungen und Anregungen von den Besuchern der Ausstellung. In seinem Vortrag blickt er nun auf die Ausstellung zurück und stellt einige neue und Aspekte zur architektonischen und historischen Einordnung des Gebäudekomplexes vor.

Die Vortragsreihe geht weiter: Am 28. März 2019 präsentiert Dr. Rüdiger Kelm, Leiter des Steinzeitparks Dithmarschen einen Vortrag. Sein Thema lautet: „Neuigkeiten aus der Steinzeit – Aktuelle Forschungen zur Megalithkultur in Westholstein“.“

Termin: Donnerstag, 28. Februar 2019 um 18.00 Uhr. Referent: Jens Brauer, Leiter Abteilung Stadtgeschichte am Stadtmuseum Harburg Ort: Archaeologicum des Archäologischen Museums Hamburg, Harburger Rathausstraße 5, 21073 Hamburg, Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 3 Euro

Quelle: www.amh.de

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Entdecke Dich durch Kunst https://www.tiefgang.net/entdecke-dich-durch-kunst/ Fri, 25 Jan 2019 23:05:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4805 [...]]]> Was ein Auflauf! Vergangenen Mittwoch lud die Initiative SuedKultur zur Einweihung der Kunstleihe für Harburg und ganz Hamburg und der Andrang war groß! Ab Sonntag darf dann jeder leihen.Im Obergeschoss des Kulturprojektes „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche Neue Str. 44 im Harburger Zentrum wurde es kurz nach 18 Uhr sichtlich eng. Das Team vom Irish Pub „The Old Dubliner“ aus der Nachbarschaft reichte Sekt und Häppchen, ein Quartett der Akademie für Musik und Kultur aus Harburgs Hafen spielte auf und knapp hundert Menschen tummelten sich inmitten von Kunst verschiedenster Machart. SuedKultur  im wahrsten Sinne.

v.l. Metin Hakverdi, Heiko Langanke, Dr. Jenny Svensson, Ansgar Wimmer (Foto: Muammer Kazanci)

Unter den Gästen fanden sich neben den sich für die Kunstleihe engagierten Institutionen Stiftungen Alfred Toepfer Stiftung, Ansgar Wimmer, Dr. Jenny Svensson von der Claussen Simon Stiftung , Joachim Bode vom Eisenbahner Bauverein wie auch Anke de Vries vom einstigen Kunstverein Kobalt Kunst international auch Prominenz wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi.

Aus der örtlichen Bezirkspolitik glänzten Heinke Ehlers und Jürgen Marek von den Grünen, aus der Bürgerschaft kam Norbert Hackbusch von der Linken. Für die Verwaltung kam stellvertretend für die Bezirksamtsleiterin Sonja Fredenhagen die auch für Kulturfragen zuständige Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann, vom Berufsverband der Bildenden Künste der Vorsitzende Alfred Stephan Mattes und auch das Präsidium samt Mitgliedern der dort aktiven Kunstinitiative der Technischen Universität Hamburg mit Dr. Ralf Grote oder auch Jens Brauer vom Stadtmuseum Harburg waren zugegen. Aus Buxtehude kam die Leiterin der Artothek Buxtehude, Susanne Wiegel und vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein kam Stephan Tresp. Und etliche Kunstinteressierte mehr kamen zusammen.

Jürgen Marek und Jürgen Havlik

Und am Sonntag (27. Januar) von 12 bis 17h ist nun die Kunstleihe erstmals der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich und wer will kann dann „Kunst auf Zeit“ für Zuhause, das Büro, die Kanzlei oder andere Orte entleihen.

Besonders wichtig ist den Initiator*innen der bildungsrelevante Ansatz. Mit Kunst seine persönlichen Erfahrungen zu machen, sie einfach mal in den eigenen vier Wänden, in KiTas, im Büro, der Arztpraxis oder Anwaltskanzlei über eine längere Zeit „wirken“ zu lassen, rufe bei den meisten ganz automatisch Veränderungen hervor. War es bei der spontanen Auswahl vielleicht noch die passende Farbe zum Sofa, ist es wenige Tage später doch vielleicht die Vieldeutigkeit des Motivs, die Technik oder Wirkung in unterschiedlichen Launen oder Lichtern.

Die Kunstleihe Harburg legt den Schwerpunkt dabei vor allem auf die zeitgenössische Kunst und auf die regionalen Künstler*innen. Denn so wie die Kunstvermittlung auf der einen Seite wirke, ist es zugleich eine Würdigung der lokalen Akteur*innen auf der anderen Seite. Im Bezirk Harburg, so ergab u.a. die einjährige Recherche der Initiator*innen, gibt es rund 100 Künstler*innen , die hier leben und / oder arbeiten und ausstellen. Ihnen mehr Wahrnehmung zu verschaffen und abseits der ohnehin statt findenden Einzelausstellungen Hilfestellung bei der Präsentation ihrer Kunst zu geben, ist eines der Ziele der Kunstleihe.

Dr. Ralf Grote (rechts) vom Präsidium der TUHH überreicht ein Werk für die Kunstleihe.

Denn Harburg kann auf eine große Kunsttradition pochen. Es sind nicht allein die bundes- oder landesweiten relevanten Kunstorte wie die Falckenberg-Sammlung, der Kunstverein Harburger Bahnhof oder die Reihe „Kunst verbindet“ des hit-Technologieparks in Harburg, die das Kunstleben von Hamburgs Süden bestimmen. Es gibt auch etliche Ausstellungen und recht regelmäßige Orte auf lokaler Ebene. Ob vom Kunst- und Kulturverein „Alles wird schön“, die seit 40 Jahren stattfindenden Ausstellungen in der Bücherhalle Harburg, seit 15 Jahren der Harburger Kulturtag, das Atelier Seils, Kunst im Kulturhaus Süderelbe, Kulturcafé komm Du, der Kulturwerkstatt Harburg, der Fischhalle, des Ateliers Malrausch, im AKH Krankenhaus Harburg, der Kunstinitiative der Technischen Universität TUHH, den Moorburger Vereinen eldbeich e.V. oder Moorburger Art e.V.  oder der Initiative wattenbergArt – sie alle präsentieren alltäglich Kunstwerke vornehmlich lokaler Künstler*innen und haben auch ein Publikum dafür. Die Recherche ergab, dass über 70.000 Menschen jährlich allein deren Ausstellungen aber auch Kunstkurse frequentieren. Und umso größer die Wahrnehmung dieser Kunst, um so eher ist natürlich auch gegeben, dass diese Kunst gekauft wird.

Kunstleihen – meist als Artothek bezeichnet – gibt es seit den 80er Jahren in der ganzen Bundesrepublik. Als Pendant zu Biblio-, Video- oder Mediatheken kann man bei ihnen Kunst leihen. In Hamburg gab es das bisher nicht, was die Initiative SuedKultur über die Kunstleihe HH-Harburg nun ändert.

Zu leihen sind vorwiegend Werke lokaler Künstler*innen und in Formaten, die eben leihbar sind. Ob Drucke, Fotos, Stiche, Acryl- oder Ölbilder oder auch kleinere Plastiken – die Vielzahl ist nicht nur in den Techniken als auch in den Motiven und Stilisten breit aufgestellt. Und die Kunstleihe startet mit rund 100 Werken.

Das ist auch bei der zu den Ausstellungen ergänzend startenden Kunstleihe ein wünschenswerter Effekt, damit Kunst eben nicht brotlos bleibt. Ihr vorrangiges Ziel ist es aber nicht. Es ist wirklich die Auseinandersetzung mit Kunst auf Zeit. Immer mal etwas anderes an der Wand hängen zu haben, ist immer eine neue Auseinandersetzung. Und wenn es mal nicht gefällt, tauscht man es einfach schnell gegen ein anderes.

Impuls & Vorgeschichte:

Der Impuls zur ersten Hamburger Kunstleihe kam im Januar 2017 in einer Sitzung des bezirklichen Kulturausschusses. Dort lag eine Anfrage eines Verwaltungsmitarbeiters vor. Dieser hatte in den Verwaltungsgebäuden ein ihn offenbar beeindruckendes Werk gesehen, das aber leicht beschädigt war. Da er nicht wusste, wem es überhaupt gehört, ließ er auf dem Amtsweg nach Eigentümer und der Möglichkeit der Reparatur fragen. Es stellte sich heraus, dass es dem Harburger Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ gehört, der jährlich Stipendiaten als „artists in residence“ nach arburgHarburg einlädt. Zum Ende ihrer Arbeitsphase erwirbt der Verein von ihnen zudem eines der zu der Zeit geschaffenen  Werke und überlässt sie dem Bezirk, um etwa Büroräume aufzuwerten. Eine Art interne Artothek. Aber warum nur für Behörden? Und schon war die Idee geboren.

Stephan Tresp übermittelt Glückwünsche.

Entwicklung:

Es bildete sich so im Frühjahr 2017 von der Initiative SuedKultur, in der sich rund 50 Kulturinstitutionen des Hamburger Südens vereinen, schnell eine mehrköpfige Arbeitsgruppe, die das Thema genauer ergründete. Recht bald stand auch fest: offenbar hatte seit den 80er Jahren in den wenigsten Fällen eine Artothek aus Kostengründen wohl aber aufgrund mangelnder Leidenschaft der Akteur*innen geschlossen. Andererseits gibt es viele Arten von Kunstleihen und –ansätzen. Wie würde es also am besten für Hamburg passen?

Ein Antrag im bezirklichen Kulturausschuss, von dem man sich erhoffte, das Thema zumindest mit ein wenig Reisekosten unterstützt zu bekommen, lief ins Leere; Doch die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung FVS zeigte sich dem Thema gegenüber offen und bewilligte einstweilen 2.000,- €. Und so wurde alsbald Norbert Weber vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein eingeladen, um weitere Möglichkeiten, Probleme aber auch Aspekte der Kooperation sowie inhaltliche Facetten zu beleuchten. Es folgten ein Besuch der Stadtgalerie und Stadtbilderei Kiel, die erfolgreich und enthusiastisch eine Kunstleihe auch für Firmen und ihre Büros betreibt. Ein Besuch in der nahegelegenen Artothek in Buxtehude schärfte die Perspektive für die lokalen Künstler*innen und die fundamentale Vermittlungsarbeit für die Kunst. Die Jahrestagung der Schleswig-Holsteinischen Artotheken im süddänischen Apenrade folgten wie auch der Besuch des Kunst- und Kulturzentrums sowie ihrer Artothek in Sonderburg. Am Ende standen nicht nur eine Vielzahl an Eindrücken sondern auch konkreter Austausch, Möglichkeiten der Ausrichtung sowie der Machbarkeit zur Verfügung.

Die Harburger Kunstgruppe wurde 2017 zudem auf die leerstehende Kantine des Rathauses Harburg aufmerksam gemacht, die aber dann 2018 auf einmal nicht mehr zur Verfügung stand, da dort auf Dauer Akten gelagert werden.

In dem Umwidmungsprojekt „3falt“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Harburg Neue Str. 44 kam dann im Sommer 2018 plötzlich ein Raum in Betracht, der hinsichtlich Lage, Größe und Möglichkeiten nahezu ideal scheint und auch schnell von weiteren Bildenden Künstler*innen für Kunst-Workshops und –Kurse adaptiert wurde.

Volles Haus zur Einweihung.

Alsbald ergab auch der Austausch mit der Kunstinitiative der TUHH, dass diese selbst auch Kunstwerke ihrer Ausstellungen erwirbt und ihren Studierenden und Mitarbeitenden für ihre Arbeitsräume zur Verfügung stellen will. Eines brachte Dr. Ralf Grote vom Präsidium der TUHH auch gleich mit. „Die Kunstleihe ist eine wunderbare Aktion, die wir liebend gerne unterstützen“, so Grote bei der Einweihung. „Auch wir haben ja jede Menge Kunstausstellungen in unseren Institutsräumen und meist behalten wir von den Künstlerinnen und Künstlern eines bei uns“. Und so übergab er eine Fotoarbeit von Monika Vollmer, die Ende letzten Jahres mit der Ausstellung „Wandel – Verwandlung“ sich mit dem aktuellen Thema Braunkohle und Klimawandel beschäftigte. Ebenso als Eröffnungsgabe hatte Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg einen Druck des Merians mit einer Harburger Stadtansicht des 17. Jahrhunderts mitgebracht. Darauf besonders schön zu sehne, die einstige Dreifaltigkeitskirche, in der die Kunstleihe nun eröffnet.

Ein persönlicher Kontakt von Toepfer-Stiftungs-Vorstand Ansgar Wimmer führte dazu, dass ein privater Sammler sich von der Idee angetan zeigte und bei der altersbedingten Verkleinerung seines Haushaltes einen beträchtlichen Teil seiner Sammlungen zeitgenössischer und teils bundesweit renommierten Kunst ebenso als Leihgabe an die Kunstleihe abtrat. „Es gibt sicher viele bürgerliche Haushalte, die kaum noch wissen, wohin mit all der Kunst! Vielleicht eine gute Anregung, Kunst allen zugänglich zu machen!“

Andreas Patommel v.d. Bücherhalle Harburg (links) und Prof. Michael Ganß im Diskurs.

Der Kontakt wiederum zur renommierten Claussen-Simon-Stiftung Hamburg, die in verschiedenen Kulturgenres jährlich Stipendien vergibt, ergab eine Schenkung der Stiftung von insgesamt acht Werken aktueller Stipendiat*innen. Von denen stammt der Photograf Philipp Meuser direkt aus dem Bezirk Harburg. Zwei weitere Künstlerinnen (Linda Hollkott und Simone Karl) wiesen zumindest durch ihre Kunst einen starken regionalen Bezug auf, da sie beispielsweise in den Phoenixhallen schon ausstellten.

Ein weiterer Austausch mit der benachbarten Dependance „arts & change“ der Medical School Hamburg will sich künftig zudem einem Kursangebot an. Unter Federführung von Prof. Michael Ganß soll elementare und erlebbare Kunstvermittlung für Kleinkinder über Schulen bis hin ins hohe Alter erarbeitet werden und anhand der Kunstleihe-Werke direkt vor Ort erfahrbar machen, welche Wirkung Kunst in vielen Belangen des Alltags hat.

Und das war den ganzen Abend über zu spüren: angeregte Gespräche vor allem über Kunst aber auch das Kulturprojekt 3falt, über Harburg und sein kulturelles Miteinander allerorten.

Ziele:

Aus all den recherchierten und erfahrenen Eindrücken kam die Arbeitsgruppe zu der Überzeugung, dass es in einer Millionenstadt Hamburg am Sinnvollsten ist, die Kunstleihe bezirklich zu organisieren. Damit wäre ein unmittelbarer Bezug in die Nachbarschaft gegeben, der Austausch über Kunst wäre konkret und nahbar und die Vermittlung demnach vermutlich individueller und vor allem leidenschaftlicher. Um aber die Kunstleihe zum keinen politischen Strömungen und Wechseln auszusetzen, zum anderen optional auf ganz Hamburg ausweiten zu können, soll der Kunstfundus sowie Ausleihebetrieb alsbald in eine kleine, unabhängige Stiftung eingebracht werden. Eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei (Rose & Partner) war von der Idee angetan und erarbeitete alsbald pro bono die rechtliche Konstruktion.

Die Stiftung wird die Kunst selbst als Kapitalstock vorhalten und kann aber auch durch öffentliche Zuwendungen gefördert werden. Abhängig sollte sie aber von eben diesen nicht werden. Unter dem Dach der Stiftung könnte dann aus jedem Bezirk eine weitere Kunstleihe entstehen, die sich unabhängig organisieren, aber die Struktur der Stiftung nutzen kann.

Unterstützer:

Bisher waren es also allen voran die Alfred Toepfer-Stiftung, die nicht nur durch die erste Unterstützung zur Recherche sondern auch dem Voranbringen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht genug gedankt werden kann, aber auch die Eisenbahnbauverein Genossenschaft sowie der lokale und nun  leider aufgelöste Kunstverein „Kobalt Kunst international e.V.“ sowie die Claussen-Simon-Stiftung, ohne die das Projekt nicht zur Verwirklichung gekommen wäre. Aber es sind auch die zahlreichen Künstler*innen vor Ort gewesen, die die Idee immer weiter trieben, die unzähligen Gespräche, die die Leidenschaft und die unzähligen Aspekte von Kunst bereichernd einbrachten und bringen. Und letztlich alle Partner der Initiative SuedKultur, die seit nunmehr 12 Jahren besteht und nun neben einer jährlichen Music-Night für Musik und den Literaturtagen Suedlese nun auch einen weiteren Schwerpunkt für die Bildenden Kunst in Hamburgs Süden setzen konnte. 

Plakat zur Kunstleihe

Die Ausleihe

Erste offizielle Öffnungstage:

So., 27. Jan in der Zeit von 12-17 Uhr sowie Sonntag, der 3. Februar ebenso von 12-17h.

Wer Kunst dann direkt entleihen möchte, möge daran denken, seinen Personalausweis, 12 € einmalige Erfassungsgebühr sowie die Entleihgebühr in Höhe von 6,- €  je Werk und für ein ganzes Vierteljahr dabei zu haben.

Um ein Werk zu leihen, bedarf es nämlich nicht viel: einen gültigen Personalausweis und eine einmalige Gebühr für die Erstellung des Kunstleihe-Ausweises in Höhe von 12,-€. Die Leihgebühr für ein Werk und für ein Vierteljahr beträgt 6,- € und liegt damit unter dem Preis eines Tagestickets der Hamburger Verkehrsbetriebe.

Die Werke werden in eigens erstellten Kartons handlich und gut transportabel mitgegeben.

Gerne würde die Kunstleihe schon jetzt weitere Entleihtage – etwa auch in der Woche – anbieten. Da aber bisher all diese Arbeit noch unentgeltlich ehrenamtlich erfolgt (Entscheidungen über Anträge zur kommunalen Unterstützung sind noch nicht gefallen), bittet die Kunstleihe um die arg eingeschränkte Leihe um Verständnis. Ebenso ist der bisherige Internetauftritt bislang nur rudimentär unter www.sued-kultur.de/kunstleihe.

weiterführend siehe auch: Hamburger Abendblatt vom 25. Januar 2019

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Der Neue ist da! https://www.tiefgang.net/der-neue-ist-da/ Fri, 27 Oct 2017 22:20:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2397 [...]]]> Harburg war einst eine eigenständige Stadt. Nach drei Jahren wird sich nun auch wieder jemand um ihre Geschichte kümmern: Jens Brauer.

In der Pressemitteilung des Helms-Museums heißt es:

„Zum 1. Januar 2018 wird Jens Brauer (49) die Leitung der Abteilung Stadtgeschichte im Stadtmuseum Harburg/Helms-Museum übernehmen.

Der studierte Historiker verfügt über vielfältige Erfahrungen bei der Ausstellungsplanung, aber auch im Bereich der Archäologie durch seine Tätigkeit als Grabungsleiter. So hat er viele Jahre für das Landesamt für Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt sowie das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle gearbeitet. Jens Brauer tritt damit die Nachfolge von Dr. Melanie Leonhard an, die 2015 zur Arbeits- und Sozialsenatorin berufen worden ist.

„Wir sind glücklich, dass wir mit Jens Brauer einen renommierten und gut vernetzten Museums-macher für unser Haus gewonnen haben. Gemeinsam mit ihm wollen wir für die Harburger und alle Gäste die reiche Geschichte der Stadt von ihren Anfängen bis in die Gegenwart endlich wieder erlebbar machen“, so Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss.

Die in den Depots gelagerten Sammlungsschätze hat der neue Leiter bereits besichtigt: „Es gibt hier traumhaft schöne Objekte zu sehen – eine unglaubliche Sammlung, die zu neuem Leben erweckt werden muss“, sagt er. „Die Stadtgeschichte Harburgs ist auf ihre Art einzigartig und sehr spannend. Das haben nicht zuletzt die Grabungen in der Harburger Schloßstraße auf spektakuläre Weise gezeigt. Das möchte ich in meiner Arbeit aufgreifen“, so Brauer weiter.

Auf den in Uelzen geborenen Brauer warten nach seinem Amtsantritt im Januar 2018 viele neue Aufgaben. Unter anderem wird er die Konzeption der neuen Museumsdependance im Gewölbe des Harburger Schlosses sowie die Konzeption des „Geschichtspfads Harburger Innenstadt“ übernehmen.“

SuedKultur heißt ihn herzlich willkommen und wünscht ein gutes Gelingen!

Quelle: Archäologisches Museum Hamburg |Stadtmuseum Harburg | Helms-Museum

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