Johann Scheerer https://www.tiefgang.net Mon, 23 Apr 2018 12:42:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Der „Angehörige“ liest https://www.tiefgang.net/der-angehoerige-liest/ Thu, 29 Mar 2018 22:29:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3303 [...]]]> Sein Buch ´Wir sind dann wohl die Angehörigen` wird gerade allerorten besprochen und gelobt, obwohl die Geschichte mehr als 20 Jahre her ist. Jetzt liest Johann Scheerer im Rahmen der SuedLese.

„Jan Philipp ist entführt worden. Die Entführer wollen 20 Millionen D-Mark. Die Polizei hat einen Krisenstab eingerichtet. Christian Schneider ist auf dem Weg hierher. Ich weiß ganz sicher, dass es gut ausgehen wird, aber bis dahin wird es schwer für uns werden.“ Mit diesem Satz wird der 13jährige Johannes an einem Tag im Jahre 1996 morgens von seiner Mutter geweckt. Jan Philipp ist sein Vater. Mit dem Satz ändert sich alles. Nicht nur in der Wahrnehmung des Teenies, sondern ganz konkret. Das eigene Haus wird zur Polizeizentrale, privat gibt es auf einmal nicht mehr.  Dafür Warten, Stille, Leere und viele Gedanken. „Ich dachte: Ok, er ist entführt und ist jetzt entweder tot oder wird sehr bald sterben, wird ermordet werden. Ich habe das die ganze Zeit gedacht – von der ersten bis zur letzten Sekunde.“

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.

„Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten.“ Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde? Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf? Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

Johann Scheerer wurde 1982 geboren. Im heutigen Leben ist er vor allem Musiker und Musikproduzent. Er gründete mit fünfzehn Jahren seine erste Band, nahm mit »Score!« 1999 sein erstes Album auf und ging auf Deutschlandtour. Nach dem Abitur bekam er einen Plattenvertrag für sein Soloprojekt »Karamel«, gründete 2003 das Tonstudio »Rekordbox« und 2005 »Clouds Hill Recordings«.

Mittlerweile konnte er die einhundertste Veröffentlichung als Musiker und Produzent feiern, u.a. mit Faust, Gallon Drunk, Bosnian Rainbows, Rocko Schamoni, James Johnston, Peter Doherty und aktuell At the Drive-In. » It´s magic what this young German did to my songs. He saved my life.« Peter Doherty // The Libertines, Babyshambles.

„Ein ebenso kluges Buch, aber es gibt die Distanz auf, die durch die Rationalität des Betrachters entsteht.“ (Thomas Andre, Hamburger Abendblatt v. 5. März 2018)

„Johann Scheerer ist ein besonderes Buch gelungen. Es erzählt auf mehreren Ebenen die Geschichte einer Entführung. Gleichzeitig schafft er es, absolut glaubwürdig von der Gefühlswelt eines bedrängten Teenagers zu berichten – und, oft mit indirekter Beleuchtung, einen Familienroman zu erzählen. Und nicht zuletzt ist das Buch eine Liebeserklärung an seinen Vater, den Intellektuellen, der jede freie Minute mit Lesen verbringt, aber auch den Sohn nachts um 2 Uhr weckt, weil ein Boxkampf übertragen wird.“ (Patric Seibel, NDR Info – Lesezeit am 1. Mrz. 2018)

„Seine Sätze sind kurz, schnörkellos, reduziert auf das Wesentliche; sein Ton unsentimental, seine Betrachtungsweise hypersensibel. Und so gelingt es ihm, eine Ebene des Erzählens zu finden, die mit scheinbarer Beiläufigkeit einen ganzen Resonanzraum von Bedeutungen zum Klingen bringt.“ (Julia Encke, FAZ v. 28. Feb. 2018)

Johannes Scheerer im Interview beim NDR

Termin: Di, 24. April, 19.30 Uhr, Eintritt: 10 €

Buchhandlung am Sand, Hölertwiete 5, 21073 Hamburg-Harburg, Tel.: 040 / 77 19 08, www.amsand.de

Karten sollten unbedingt im Vorverkauf gesichert werden!

Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen – Die Geschichte einer Entführung

erschienen am 01.03.2018, 240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-492-05909-1; Preis: 20,- €

Das Pendant aus der Sicht des Vaters stammt von 1997 und ist mittlerweile in meheren Auflagen

erschienen. Und: Jan-Philipp Reemtsma ist ein brillanter Wortbeherrscher, die Sichtweise und Sphäre zum selben Fall als Pendant absolut empfehlenswert.

Jan-Philipp Reemtsma: Im Keller; ISBN: 978-3-499-22221-4, Preis: 16,- € (Taschenbuch 8,99 €)

 

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3. SuedLese überzeugt mit Vielfalt https://www.tiefgang.net/3-suedlese-ueberzeugt-mit-vielfalt/ Fri, 09 Mar 2018 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3256 [...]]]> Zum dritten Mal bereits finden im Hamburger Süden Literaturtage ´SuedLese` statt. Im ´Tiefgang` stellen wir Ihnen ab heute vorab etliche Bücher und Autor*innen vor.

Die Initiative SuedKultur mit über 40 Kulturinstitutionen des Süderelbe-Bereichs würdigt seit drei Jahren die literarische Arbeit südlich der Elbe und nennt sie konsequent ´SuedLese`. Dieses Jahr bestimmt sie den ganzen Monat April vor.

Das Programm ist regelrecht ein Spiegel der Zeit: Der Auftakt zum 1. April wird scherzhaft mit einer Lesung von Texten von Hans Scheibner im Literaturcafé Striepensaal in Neuwiedenthal gemacht. Passend zur Osterzeit stellt der Schauspieler Hartmut Lange in der St. Johannis-Kirche in der Bremer Straße die Frage, ob Jesus oder Judas für uns starb. Grundlage dafür ist das Monodrama „Judas“ der flämischen Autorin Lot Vekeman (6. Apr., 20h).

In Harburgs Irish Pub „The Old Dubliner“ liest der Harburger Autor Christoph Rommel über Sex, Drogen und andere Abgründe, will aber beim Bier vor allem Hoffnung geben (10. Apr.).

Unter den Stars der SuedLese findet sich der durch die TV-Sendung „Extra 3“ bekannte Auslandsreporter Dennis Gastmann (12. Apr., Bücherhalle Harburg), aber auch der zur Zeit viel gelobte Johann Scheerer, der als Sohn von Philipp Reemtsma dessen Entführung 1996 aus Teenager-Sicht bravourös schildert (24. Apr., Buchhandlg. am Sand). Und auch die gehbehinderte Laura Gehlhaar ist bundesweit als Inklusionsverfechterin bekannt und liest am 20. April aus ihrem neuesten Buch „Kann man da noch was machen?“ (Treffpunkt Hölertwiete).

Aber auch aktuelle Themen wie Migration und Flucht sind vertreten – passenderweise im Café Refugio. Dort liest am 19.4. der einst aus Sri Lanka geflohene und mittlerweile erfolgreiche deutsche Klinikarzt Umes Arunagirinathan aus seinem Buch „Der fremde Deutsche“ und ebendort lesen am 27.4. die Brüder Thaer und Thamer Imad aus ihren Erinnerungen „Von Tod zu Tod“.

Die SuedLese ist aber vor allem eine Würdigung der lokalen Literaturarbeit. „Es ist faszinierend, wie viele publizierende Schreiberlinge weitestgehend  unentdeckt hier leben und arbeiten“, so Mit-Organisator Heiko Langanke. Denn viele der Schreibenden und Lesenden entstammen direkt der Nachbarschaft. So die Agitatoren der Harburger Schreibwerkstatt wie Heide-Marie Preuß oder Kerstin Brockmann, die auch einen Schreibwettbewerb für den Nachwuchs ausschrieb und am 22. April im Kulturverein „Alles wird schön“ unter den mehr als 40 Einsendungen verleihen wird. Oder die Macher des Harburger Szene-Magazins „heigh“, die sich und den „Poetomaten“ im neuen Kreativort „Kulturwohnzimmer“ im Gloria-Tunnel vorstellen werden (13. / 14. Apr.). Die türkischstämmige Harburgerin Kadriye Bakşi wird aus ihren Kinderbüchern auf Deutsch aber auch türkisch vorlesen (13. Apr.) und die erfolgreiche Harburger Buchautorin Birgit Storm stellt ihren druckfrisch erschienen 3. Krimi „ „Alte Schuld und neues Leid“ erstmals im Rahmen der SuedLese vor.

All das und noch viel mehr an mehr als 20 verschiedenen Orten der Literatur im Süden der Stadt. Ob in Neugraben, Neuwiedenthal, Moorburg, Heimfeld, Harburg-City oder –Hafen, Rönneburg oder Wilhelmsburg – ob in der klassischen  Buchhandlung, an der Universität, in der Kneipe oder Restaurant, im Museum oder Tunnel – es wird gelesen, was das Zeug hält!

Weit über 40 lesende Akteure sind zugange und machen den Hamburger Süden einen ganzen Monat lang zum Literaturfest.

Möglich wird all das vor allem durch Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien, der Alfred Toepfer-Stiftung FVS und auch der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg.

Das komplette Programmheft steht auch hier zum download bereit.

Die Initiative SuedKultur ist ein lockerer und ungeförderter Zusammenschluss von über 40 verschiedenen Kulturinstitutionen des Hamburger Südens. Sie besteht seit nunmehr 10 Jahren, stärkt die Wahrnehmung der Süderelbe-Kultur durch das Terminportal www.sued-kultur.de, seit acht Jahren mit einer jährlichen SuedKultur Music-Night (dieses Jahr am 20. Okt.) und eben den nunmehr dritten Literaturtagen SuedLese.

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