Klosterkammer Hannover https://www.tiefgang.net Sat, 03 Dec 2022 14:15:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Kleines Musem digital ganz groß https://www.tiefgang.net/kleines-musem-digital-ganz-gross/ Fri, 02 Dec 2022 23:03:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9549 [...]]]> Wie schaffen auch kleinere Museen den Sprung in das digitale Zeitalter und wie können sie die Möglichkeiten moderner Medien nutzen?Das Museum im Marstall Winsen sucht nun Antworten …

Unter dem Titel „Kleines Museum als digitaler Möglichkeitsraum“ arbeitet das Museum im Marstall mit verschiedenen kleinen Museen aus der Region und ganz Niedersachsen zusammen. Gemeinsam wollen sie in vielen einzelnen Projekten die Digitalisierung in allen Arbeitsbereichen des Museums vorantreiben. Ein erstes Treffen fand nun im Museum im Marstall statt, bei dem die teilnehmenden Museen Ideen austauschten und über das Thema Digitalisierung diskutierten.

„Vor allem der Bereich der Vermittlung in Museen hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt“, so der Leiter des Projekts, Tammo Hinrichs, gleichzeitig Medienpädagoge am Museum im Marstall. „Exponate werden verstärkt in ihren Kontext gesetzt, dafür werden beispielsweise multimediale Inhalte genutzt.“ Das Museum im Marstall hat selbst in den letzten beiden Jahren Medienstationen in seiner neuen Dauerausstellung geschaffen. „Es wäre bedauerlich, wenn Museen digitale Möglichkeiten nicht nutzen würden. Das gilt nicht nur für die großen Museen, die das oft bereits sehr spannend umsetzen, sondern natürlich auch für die vielen kleinen Museen“, so der 1. Vorsitzende des Heimat- und Museumvereins Winsen, Prof. Dr. Rolf Wiese, der die Idee zu dem Projekt hatte. Am heimischen PC oder mit dem Tablet auf dem Sofa könnten sich Interessierte über das Museum und die gezeigten Inhalte informieren. Dies wird bereits rege genutzt, beweist Wiese anhand aktueller Zahlen: „Statistisch gesehen kommen auf einen Besucher im Museum sieben Besucher auf der Website und 15 Aufrufe in den sozialen Medien.“

Das Museum im Marstall arbeitet bereits an verschiedenen Projekten, um sich digital breiter aufzustellen. „In einem ersten Projekt wollen wir in kleinen Filmen darstellen, wie das museumspädagogische Angebot des Museums im Marstall aussieht“, so Medienpädagoge Hinrichs. Für die stadtgeschichtliche Ausstellung wird zurzeit außerdem ein Medienguide geschaffen, so dass weitere Informationen über Ausstellungsstücke per Scannen eines QR-Codes in der Ausstellung auf dem eigenen Handy dargestellt werden können. Aber auch von zuhause können sich Interessierte dann zu jeder Uhrzeit die Informationen abrufen und sich bei Interesse anschließend das Objekt im Museum real anschauen.

Besonderen Wert wird dabei auf eine einfache technische Umsetzung gelegt: „Alles soll zwar optisch ansprechend und für die Besucher einfach zu bedienen, in der technischen Umsetzung aber möglichst niedrigschwellig umsetzbar sein“, meint Medienpädagoge Hinrichs. Damit sollen Beispiele geschaffen werden, wie kleine Museen mit einfachen Mitteln und geringem Budget ihr Angebot erweitern können. „Das Ziel soll sein, dass auch kleine, oft ehrenamtlich geführte Museen digitale Angebote in allen Bereichen der Museumsarbeit schaffen können und dafür keine teuren Profis nutzen müssen“, so Prof. Dr. Rolf Wiese.

Auch die anderen teilnehmenden Museen haben bereits konkrete Ideen für digitale Projekte, beispielsweise die Inventarisierung von Museumsobjekten mittels „kuniweb“, einer Erfassungsdatenbank für Museumsbestände, die den Museen vom Land Niedersachsen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Andere Museen stellen historische Aufnahmen aus der Region online oder möchten weiterführende Informationen über Ausstellungsobjekte mit einem QR-Code abrufbar machen. Ideen sind viele vorhanden, über die Umsetzung tauschen sich die Teilnehmer in ihrem Netzwerk aus.

„Das erste Treffen war bereits sehr lebendig und informativ, wir freuen uns auf das gemeinsame Projekt“, so Hinrichs. Interessierte Museen aus Niedersachsen und Bremen sind jederzeit willkommen, bei dem Projekt mitzumachen. Anfragen bitte an Tammo Hinrichs per Mail an hinrichs@museum-im-marstall.de oder telefonisch unter 04171 6690753.

Das Projekt „Kleines Museum als digitaler Möglichkeitsraum“ wird durch den Landkreis Harburg, die VGH-Stiftung, die Sparkasse Harburg-Buxtehude, die Klosterkammer Hannover und die Stiftung Niedersachsen gefördert. Zum Ende des Projekts 2024 erarbeitet das Museum im Marstall mit den teilnehmenden Museen einen „digitalen Werkzeugkasten“, auf den die kleinen, oft ehrenamtlich geführten Museen in Niedersachsen und Bremen zurückgreifen können, um ihre Digitalisierung voranzutreiben. Unterstützung bei der Verbreitung und Informationsweitergabe erhält das Museum im Marstall durch eine Kooperation mit dem Museumsverband für Niedersachsen und Bremen.

Das Museum im Marstall liegt im Herzen der Stadt Winsen (Luhe). Im herzoglichen Marstall von 1599 informiert das Museum auf vier Ebenen über regionale Besonderheiten der Elbmarsch und Persönlichkeiten der Stadt. Eine Außenstelle befindet sich im Turm des Wasserschlosses. Sonderausstellungen und Veranstaltungen ergänzen das Angebot. Betrieben wird das Museum vom Heimat- und Museumverein Winsen (Luhe) und Umgebung e.V.

Weitere Informationen unter: www.museum-im-marstall.de

 

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„Niedersächsische Landesidentität“ https://www.tiefgang.net/niedersaechsische-landesidentitaet/ Fri, 30 Nov 2018 23:54:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4579 [...]]]> „Peine, Paris, Pattensen“ wird gerne neckisch und umgangssprachlich für Anmaßung aber auch Umwege genutzt. Mit der indirekten Übernahme eines Welfenschlosses durch das Land Niedersachsen kommt nun eine dritte Dimension hinzu.

Indirekt übernimmt das Land Niedersachsen das Welfenschloss Marienburg. Für den Wert des symbolischen eines Euros – sonst nur für ausgewiesene Schrottimmobilien üblich – übernimmt eine Tochterfirma der Klosterkammer Hannover das Schloss. In der Pressemitteilung des niedersächsischens Ministeriums für Wissenschaft und Kultur heißt es:

„Als anerkanntes Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung zählt Schloss Marienburg zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Niedersachsens. Doch mehr als 150 Jahre bewegter Geschichte sind auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Der Sanierungsbedarf ist hoch. Um das Schloss dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten, hat das Land Niedersachsen, gemeinsam mit dem bisherigen Eigentümer Ernst August Erbprinz von Hannover, ein Modell entwickelt, das die Zukunft der Marienburg sichern soll:

Das Schloss geht in die öffentliche Hand über. Das Eigentum am Schloss wird die Liemak Immobilien GmbH, eine Immobilienprojektgesellschaft der Klosterkammer Hannover, übernehmen. Es wird ein symbolischer Kaufpreis in Höhe von 1 Euro gezahlt. Zudem erwirbt das Landesmuseum Hannover – unterstützt von verschiedenen Stiftungen – rund 100 für das Land besonders wertvolle Stücke aus dem kulturhistorischen Inventar im Wert von 2 Millionen Euro. Weitere Gegenstände im Wert von rund 6 Millionen Euro bringt Erbprinz von Hannover in eine gemeinnützige Kunststiftung ein, die eigens zu diesem Zweck gegründet wird.

„Das erklärte Ziel aller Beteiligten war und ist es, das Gesamtkunstwerk Schloss Marienburg als Kulturdenkmal und Erinnerungsort mit großer Bedeutung für die niedersächsische Landesidentität dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen“, sagte Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler im Rahmen der Pressekonferenz auf Schloss Marienburg. Die Gespräche zwischen dem Land und Erbprinz von Hannover dauern bereits seit mehreren Jahren an – das Wissenschaftsministerium hatte die Gesprächsführung als fachlich zuständiges Ministerium auf Wunsch der Staatskanzlei im Januar 2018 übernommen. Der Sicherungs- und Sanierungsbedarf an der Marienburg müsse rechtzeitig behoben werden, sagte Thümler. „Um die Bausubstanz und damit den öffentlichen Zugang dauerhaft zu erhalten, müssen die notwendigen Sanierungsmaßnahmen rechtzeitig geplant und durchgeführt werden. Deshalb ist die Notwendigkeit zeitnah eine abschließende Lösung zu finden, dringlicher geworden“, so Thümler weiter. 

Schloss Marienburg

„Der heutige Tag ist für mich von großer Bedeutung. Das gemeinsam entwickelte Modell sichert Schloss Marienburg und sein Inventar dauerhaft für die Öffentlichkeit. Das war von Anfang an eine Herzensangelegenheit von mir. Deshalb bin ich der Niedersächsischen Landesregierung sehr dankbar“, erklärte Erbprinz von Hannover.

 Als neuen Betreiber des Gastronomie und Veranstaltungsbereichs der Marienburg konnten die in diesem Bereich erfahrenen Unternehmer Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning gewonnen werden, die bereits erfolgreich mehrere kulturtouristische Destinationen in Niedersachsen betreiben.

Mit Unterstützung des Bundes wird das Land Niedersachsen in den kommenden Jahren damit beginnen, die substanziellen Bauschäden und den Sanierungsrückstand zu beheben. Bereits Mitte November hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages beschlossen, für die Sanierung 13,6 Millionen Euro aus dem Kulturetat beizusteuern. Thümler: „Dass hier Bund und Land an einem Strang ziehen, spiegelt die besondere Bedeutung der Marienburg als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung wider. An dieser Stelle danke ich vor allem der zuständigen Bundestagsabgeordneten Dr. Maria Flachsbarth für ihren großen Einsatz.“  (Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur)

Zudem berichtet die F.A.Z.: „Neben dem Kauf des Schlosses ist vorgesehen, dass das Land mit Unterstützung verschiedener Stiftungen den Welfen für zwei Millionen Euro etwa hundert besonders wertvolle Inventarstücke, vor allem Gemälde, abkauft. Das Geld möchte der Erbprinz zur Tilgung von Schulden nutzen, die im Zusammenhang mit der Marienburg entstanden sind. Der Rest des Inventars, insgesamt 1700 Stücke, soll in eine gemeinnützige Kunststiftung eingehen, in deren Stiftungsrat der Erbprinz den Vorsitz hat, aber auch das Land vertreten ist. Ernst August junior kündigte an, die Verbindung des Welfenhauses zur Marienburg und nach Hannover keinesfalls kappen zu wollen. Er wolle sich langfristig engagieren und auch weiter in Hannover leben. „Darauf können Sie sich verlassen.““

Doch wie andere Medien berichten, wird zu dem Thema jede Menge Kritik laut. Spiegel online zitiert etwa den Haushaltsexperten der Grünen, Stefan Wenzel: „Die Pläne der Landesregierung und der Klosterkammer sind ein absolutes Unding“.

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