kulturelle Umnutzung von Kirchengebäuden https://www.tiefgang.net Fri, 25 Nov 2022 17:08:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von Kirche zu Campus https://www.tiefgang.net/von-kirche-zu-campus/ Fri, 25 Nov 2022 23:03:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9528 [...]]]> Diese Woche wurde mit dem Malteser Campus St. Maximilian Kolbe ein quartierbezogenes interkulturelles Bürgerzentrum für Jung und Alt eröffnet. Im Mittelpunkt des Campus steht  das gleichnamige denkmalgeschützte Kirchengebäude.

Der außergewöhnliche Sakralbau von 1974 mit seinem auffälligen Betonspiralturm sollte ursprünglich abgerissen werden und konnte dank des Engagements der Malteser, engagierter Bürgerinnen und Bürger und des Denkmalschutzamtes gerettet und denkmalgerecht instandgesetzt werden. Ziel war es, die besonderen Qualitäten des denkmalgeschützten Kirchengebäudes innen wie außen zu erhalten und die nötigen Eingriffe in den Bau zu minimieren. Der heutige Campus ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem sich 2014 viele Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger zu der Frage beteiligt haben, wie das entweihte Kirchengebäude in Zukunft nachhaltig genutzt werden kann.

Die denkmalgerechte Instandsetzung des Kirchengebäudes und der Innenausbau erfolgten nach einem Entwurf des Architekturbüros Landwehr Henke + Partner mdB. Dieses ging als Gewinner aus einem Wettbewerb hervor und schafft durch das „Haus-in-Haus-Prinzip“ Räume für die neue Nutzung, wobei der beeindruckende Innenraum des Kirchengebäudes weiter erlebbar bleibt. 2018 erhielt das Projekt einen von drei Preisen des Bundeswettbewerbs „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“. Ausgelobt worden war der Wettbewerb durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018. Etwa 1,5 Millionen Euro investierten die Malteser in den Innenausbau der ehemaligen St. Maximilian Kolbe Kirche. An der Finanzierung der 900.000 Euro teuren Außensanierung der Kirche beteiligte sich der Bund mit 400.000 Euro, das Denkmalschutzamt Hamburg mit 350.000 Euro, davon 100.000 Euro aus einer zweckgebundenen privaten Zuwendung an das Amt, und die Hamburger Stiftung Denkmalpflege mit 50.000 Euro. Das Erzbistum Hamburg engagierte sich mit 100.000 Euro.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Erhalt der wertvollen Architektur der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche ist für die Stadt von hoher Bedeutung. Mit ihrer markanten Spiralform ist die Kirche ein wichtiges städtebauliches Wahrzeichen in Wilhelmsburg und zugleich ein sozialer Anker für das Quartier. Es ist ein schöner Erfolg für den Denkmalschutz, dass hier gemeinsam ein guter Weg für eine Umnutzung der Kirche gefunden wurde und durch die Instandsetzung Räume entstanden sind, die den Bedürfnissen des Stadtteils und der Arbeit der Malteser gerecht werden. Herzlichen Dank an alle, die sich für den Erhalt des Denkmals eingesetzt haben und die Zukunft des Campus gestalten.“

Dr. Elmar Pankau, Vorstand der Geschäftsführung der Malteser Deutschland GmbH: „Es freut mich sehr, dass wir durch den Erhalt des ehemaligen Kirchengebäudes den dringend benötigten Raum für interkulturelle und generationenübergreifende Begegnungen in Wilhelmsburg schaffen. Mit den sozialen und kultursensiblen Angeboten, die wir Malteser hier nun anbieten und weiterentwickeln wollen, setzen wir unseren Auftrag, für hilfebedürftige, kranke und alte Menschen da zu sein, auf ganz besondere Weise um.“

Ministerialrat Matthias Vollmer vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nahm im Rahmen der Eröffnungsfeier vor rund 130 geladenen Gästen Bezug auf die umfassende Unterstützung durch den Bund und die Förderung der interkulturellen Arbeit in Wilhelmsburg. Manouchehr Shamsrizi, Vorsitzender des Fachbeirats Malteser Campus St. Maximilian Kolbe, erläuterte die wissenschaftliche Begleitung des aufwendigen Projektes.

Zahlreiche Angebote für Bürgerinnen und Bürger

Im neu gestalteten Innenraum des denkmalgeschützten Kirchengebäudes werden vielfältige Angebote für Alt und Jung Platz finden. So wird dort unter anderem die Vorschule der Katholischen Bonifatiusschule in Wilhelmsburg und die Kita St. Bonifatius einziehen. Auch das Koordinierungsbüro der bereits seit 2018 im Stadtteil aktiven Malteser Hospizgruppe wird in dem ehemaligen Kirchengebäude eröffnen. Von dort aus organisieren die Malteser zum Beispiel Ehrenamtsschulungen für Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter, die in Wilhelmsburg Menschen am Lebensende begleiten und unterstützen. Der Integrationsdienst der Malteser wird Deutschkurse für Geflüchtete und verschiedene weitere Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund anbieten. In der Elternküche können Schwangere, junge Mütter und Väter mit Säuglingen und Kleinkindern gemeinsam gesund kochen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch das Mentorenprogramm „Balu und Du“, das Grundschulkindern aus dem Hamburger Süden zugute kommt, wird von hier aus koordiniert. Ein Besuchsdienst für Seniorinnen und Senioren, die unter Einsamkeit leiden, ist ebenso im Aufbau wie das Angebot von Erste-Hilfe-Kursen und sozialpflegerischen Ausbildungen.

Offen gestalteter Andachtsraum bleibt erhalten

Im Innenraum der entweihten denkmalgeschützten Kirche gibt es einen kleinen, offen gestalteten Andachtsraum. Er steht den Bewohnerinnen und Bewohnern der angrenzenden Pflegeeinrichtung ebenso zur Verfügung wie allen Interessierten – unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. So bleibt den Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburgern ein Stück ihrer Kirche erhalten.

Infos zum Campus unter: www.maltesercampus-wilhelmsburg.de

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„Entdecken, was uns verbindet” https://www.tiefgang.net/entdecken-was-uns-verbindet/ Fri, 17 Aug 2018 22:16:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4007 [...]]]> Seit Juni diesen Jahres erforschen einige Aktive der Initiative SuedKultur und Stadtkultur Hafen e.V. die Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straßen. Nun wird nach alten Fotos und Erinnerungen gesucht.

In der Mitteilung dazu heißt es:

„Seit diesem Juni erforschen und erkunden wir die Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straßen. Wir, das sind Menschen aus Harburg, die sich unter dem Dach von „Suedkultur“ seit Jahren für eine lebendige, vielfältige Kultur in Hamburgs Süden zusammen gefunden haben und in zahlreichen Vereinen und Initiativen engagieren. Unterstützt wird dies vom Verein Stadtkultur Hafen e.V., der sich auf die Erforschung und Erkundung von Bauwerken konzentriert, die städtebaulich markant sind und für kulturelle Zwecke genutzt werden können.

Grundlage ist eine Vereinbarung mit der Gemeinde. Bis Anfang kommenden Jahres wird ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept entwickelt, um das Kirchengebäude langfristig für Gemeinwohl und Kultur zu sichern.

Ursprgl. Skizze zum Vorhof. (Spengelin)

An Stelle des 1944 zerstörten barocken Vorgängerbaus wurde nach Plänen des Architektenehepaars Spengelin 1962 mit dem Neubau der Dreifaltigkeitskirche begonnen. Es entstand ein kubischer, ziegelverblendeter Bau, ein gelungenes Beispiel für den Kirchenbau der Nachkriegsmoderne mit Bezugnahme auf den Grundriss der alten Kirche. Bereits 1999 wurde das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Aus der Begründung: „Als besonders glücklicher Einfall ist die Einbeziehung der Außenwelt durch die Verglasung des Gemeinderaumes zu erwähnen. Dabei sind diese Außenräume in sich durch die strenge Fassung mit Mauern und Wänden selbst als gebaute Umwelt der Formensprache des Gesamtkomplexes eingegliedert. Eine durch Einbeziehung von Landschaft oder gar „Stadtlandschaft“ mögliche Störung der Intimität des Innenraumes wird dadurch vermieden. … Innerhalb der Nachkriegskirchenarchitektur besticht das Ensemble durch die Ausgewogenheit der Zuordnung der Baukörper und Bauteile und stellt ein herausragendes Beispiel für die Kirchenarchitektur der Nachkriegsmoderne in Harburg dar. Der ausgeschriebene Wettbewerb, der auch auf Initiative der Stadt in die Wege geleitet wurde, unterstreicht die Bedeutung, die man diesem Bauvorhaben beimaß. Somit ist sie auch aus architektur- und kirchenbaugeschichtlichen Gründen ein Baudenkmal.“

Im Jubiläumsjahr „25 Jahre Tag des offenen Denkmals in Deutschland” steht die Kulturaktion unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet”. Damit nimmt das Thema explizit Bezug auf den Slogan des Europäischen Kulturerbejahrs in Deutschland „Sharing Heritage”. Veranstalter wie Besucher können in diesem Jahr Fragen auf den Grund gehen wie: Welche europäischen Einflüsse lassen sich in unserer Denkmallandschaft finden? Oder welche länderübergreifend tätigen Baumeister prägten unsere Städte und Dörfer? Und welche Hinweise auf Verbindungen jedweder Art lassen sich bei archäologischen Fundorten und Fundgütern ablesen? Die Antworten geben Baustile, Stilelemente, Materialien, technische oder künstlerische Fertigkeiten.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt unserer derzeitigen Aktivitäten ist das „Verstehen“ der Architektur der Dreifaltigkeitskirche und die Geschichte des Ortes.

Wir bitten daher um Ihre Mithilfe:

Wer hat Fotos von Früher, insbesondere von den beiden Innenhöfen. Im Detail interessieren uns die Bepflanzung, Möblierung, das Wasserspiel und die Nutzung. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals wollen wir anschaulich den historischen Zustand darstellen. Daher haben wir begonnen die Höfe zu säubern und von überflüssigen Grün und Laub zu befreien.

Des Weiteren freuen wir uns über Berichte und Fotos aus den 50er Jahren, als auf dem Kirchengelände noch eine Brache und ein Kinderspielplatz war, sowie Dokumente aus der Bauphase.

Einladung: Tag des offenen Denkmals. Am Sonnabend, 8. Sept. und am Sonntag, 9. Sept. öffnen wir zwischen 10-18 Uhr die Kirche allen Interessierten und insbesondere Zeitzeugen, die uns helfen, mehr über den Bau zu erfahren. Wir bieten das Nachzeichnen von historischen Ansichten auf diverse Maluntergründe an.

Wir bieten das Nachzeichnen von historischen Ansichten auf diverse Maluntergründe an. Anne Flad, Bildende Künstlerin und Freiberufliche Kunstpädagogin aus Harburg, wird bei den zeichnerischen Aktivitäten helfend den Interessierten zur Seite stehen. Dazu gibt es Musik aus dem Entstehungsjahrzehnt der Kirche (60er Jahre) mit zeittypischen Speisen und Getränke.

Wer uns Fotos und Wissen zur Verfügung stellen will, ist vorab herzlich eingeladen am Sonntag, 2. September ab 15 Uhr uns in der Kirche zu besuchen. Wir digitalisieren dann Bildmaterial und nehmen ihre Erinnerungen auf.

Material kann auch vorab uns gerne zugesandt werden: info@dreifalt.info oder postalisch an Stadtkultur Hafen e.V., Billhorner Brückenstraße 40, 20539 Hamburg. Die Originale erhalten Sie selbstverständlich wieder zurück.

Das komplette Programm zum Tag des Offenen Denkmals ist unter www.tag-des-offenen-denkmals.de abrufbar und liegt gedruckt an den diversen teilnehmenden Denkmälern aus, u.a. das Friedrich-Ebert-Gymnasium in Heimfeld, dem Speicher am Kaufhauskanal oder dem ehem. Wartesaal Harburger Bahnhof.“

 

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