Kunstleihe Harburg https://www.tiefgang.net Mon, 10 Aug 2026 13:10:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Der Weg zu Hamburgs größter Ausstellung https://www.tiefgang.net/das-wohnzimmer-als-kunst-labor-2/ https://www.tiefgang.net/das-wohnzimmer-als-kunst-labor-2/#respond Sat, 15 Aug 2026 11:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14307 [...]]]> Das wahre Kunstabenteuer beginnt dort, wo der Rahmen nicht an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Yasmin Delaneuve macht sich in einer vierteiligen Serie auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Ein Blick in die Statistik der städtischen Depots ist oft ein trauriger Moment für die Kunst. Da lagern hunderte, tausende Werke – Zeugnisse schöpferischer Kraft, von denen die Öffentlichkeit nie etwas erfährt, weil sie im Dunkeln auf ihren nächsten, meist nie stattfindenden großen Auftritt warten. Denn sie für eine Ausstellung aufzubereiten kostet – zusätzlich zu den hoffnungsweise klimatisch gut konditionierten Depots. Doch was wäre, wenn man den starren Rahmen großer, ehrfurchtserbietender Museen sprengte und Kunst dorthin brächte, wo das Leben stattfindet? Die Antwort führt direkt zu einem Gedankenexperiment, das den Betrieb von Artotheken und Kunstleihen vom kaufmännischen Fundament bis zur utopischen Vision durchdenkt: Was würde Hamburg gewinnen, wenn es sich dieses Prinzip zu eigen machte?

Rechnet man die Realität herunter auf das, was eine Kommune oder Stadt für ein solches Projekt kalkulieren müsste oder bereits tut, zerstäubt das oft vorgeschobene Argument mangelnder Finanzierbarkeit. Raumkosten für Miete und Nebenkosten schlagen je nach Standort mit etwa 28.000 Euro zu Buche, Personalkosten für den laufenden Betrieb belaufen sich auf rund 30.000 Euro, ergänzt durch einen jährlichen Ankaufetat von 5.000 Euro sowie gut 1.500 Euro für Verpackungen und konservatorisches Material. Ob in Köln, Kiel, Bremen oder Buxtehude – die finanziellen Dimensionen bewegen sich auf überschaubarem Terrain.

Und dennoch entfalten diese Einrichtungen einen gesellschaftlichen und kulturpolitischen Wert, der auf keiner Bilanzseite vollständig abbildbar ist. Durch den niedrigschwelligen Verleih von Originalen fungieren Artotheken als lebendige Schnittstelle, die breite Bevölkerungsschichten an zeitgenössische Kunst heranführt und Berührungsängste abbaut. Gleichzeitig übernehmen sie eine zentrale Rolle bei der direkten Förderung von Künstler*innen sowie des künstlerischen Nachwuchses, indem durch regelmäßige Ankäufe finanzielle Stützung und dringend benötigte Sichtbarkeit geschaffen werden.

Besonders für jene Kunstschaffenden der zweiten und dritten Reihe, die abseits des großen Marktrummels oft auf prekäre Nebenzweige angewiesen sind und wenig gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, würde ein solches System eine spürbare Aufwertung bedeuten. Ihre Arbeit würde nicht in der Anonymität verstauben, sondern im Alltag verankert. Für die hiesige Kunstszene wäre es aber auch eine lohnenswerte Ergänzung, denn in Zeiten von Instagram und Künstlicher Intelligenz kann kaum besser an die analoge Kunst und ihr Können herangeführt werden als durch eine intensive Selbstauseinandersetzung mit ihr.

Also, spinnen wir den Faden weiter: Was wäre, wenn unter dem Dach einer zentralen Kunstleihe in jedem Hamburger Bezirk eine eigene Dependance bestünde? Wie mir Heiko Langanke am Beispiel der Harburger Kunstleihe erläutert, ist dieses Modell vom Vereinskonstrukt und selbst der Webseite her schon so angelegt, dass eine solche Ausweitung jederzeit und ohne bürokratische Ungeheuer gelingen könnte. Die Wandsbeker können am besten über ihre lokalen Künstler*innen erzählen, die Harburger über ihre. Stile, Motive, Techniken und Kunstpositionen – „um so mehr, um so besser“, konstatiert Sabine Schnell von der Harburger Kunstleihe.

Hamburg stünde also plötzlich da mit einer Publicity, die ihresgleichen sucht: Eine Metropole, die ihren Bürger*innen Kunst als leistbares, flexibles „Geschenk auf Zeit“ anbietet, bricht mit allen elitären Konventionen. Mehr noch: Man könnte den oft beklagten Leerstand an prominenter Stelle in den Innenstädten und Quartieren nutzen, um diese Kunstleihstationen als leuchtende Publikumsbringer zu etablieren. Schaufenster, die sonst von Tristesse zeugen, würden zu offenen Galerien der Nachbarschaft.

Und was könnte Hamburg verlieren? Bequemlichkeit, die das Verwalten des Status quo so pflegeleicht macht? Ginge der etablierten Hochkultur etwa ein Stück Exklusivität verloren?

Am Ende würde vielleicht eher die Vision von Kunstleihe-Initiator Heiko Langanke real: Hamburgs größte Kunstausstellung – keine, die in sterilen Hallen stattfindet, sondern eine, die schnell mit mehr als 1.000 Werken in privaten Wohnungen, Arztpraxen, Handwerksbetrieben und Anwaltskanzleien glänzte. Immerhin sind allein durch die Harburger Kunstleihe schon jetzt gut 200 Werke stets in ständiger privater Ausstellung …

Ist das alles absurd? Keineswegs. Absurd ist vielmehr, dass wir eine Stadtgesellschaft haben, die nach Kultur hungert, 15 Euro oder mehr Eintritt für die Kunsthalle zahlt, während gleichzeitig in ihren Kellern die Kunst verstaubt, weil niemand den Mut hat, sie einfach freizulassen.

Wer Interesse am Konzept und an der Kunst selbst hat: Kunstleihe Hamburg e.V., Meyerstr. 26, 21075 Hamburg, www.kunstleihe-harburg.de. Wer Artotheken an anderen Orten sucht, findet auf der Webseite des Deutschen Artothekenverbandes gute Orientierung: artothek.org/

Teil 1: Sharing-Geist ohne Kunst?

Teil 2: Die Ästhethik des Teilens

Teil 3.: Das Wohnzimmer als Kunst-Labor


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Das Wohnzimmer als Kunst-Labor https://www.tiefgang.net/das-wohnzimmer-als-kunst-labor/ https://www.tiefgang.net/das-wohnzimmer-als-kunst-labor/#respond Sat, 08 Aug 2026 11:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14294 [...]]]> Das wahre Kunstabenteuer beginnt dort, wo der Rahmen nicht an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Yasmin Delaneuve macht sich in einer vierteiligen Serie auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Wer den Schritt wagt und sich das erste Mal ein Original aus der Harburger Kunstleihe unter den Arm klemmt, betritt ein ästhetisches und sehr persönliches Experimentierfeld. Denn das Erlebnis der Leihenden unterscheidet sich grundlegend von dem Flüchtigen in einem Museum und erst recht dem Kauf eines standardisierten Posterdrucks im Möbelhaus. Hier zieht kein totes Dekorationsobjekt ins eigene Zuhause ein, sondern ein Gegenstand mit Ecken, Kanten und einer eigenen Persönlichkeit.

Wie die Ehrenamtlichen der Kunstleihe im Gespräch erzählen, beginnt die Reise oft ganz pragmatisch und fast harmlos: Da ist eine kahle Stelle an der Wand, vielleicht genau über dem roten Sofa. Man sucht etwas Dekoratives, das farblich passt – Rottöne im Bild sollen die Töne des Sofas aufgreifen. Doch schon bei den ersten Schritten der Auswahl passiert etwas Unerwartetes: Viele Leihende stellen rasch fest, dass sich die Raumwirkung durch ein echtes Werk fundamental verändert. Plötzlich bekommt Kunst einen ganz anderen Stellenwert: Sie ist nun prägend, beeinflussend und charakterbildend.

„Nach dieser anfänglichen „Deko-Phase“ werden die Menschen meist mutiger“, erklärt Heiko Langanke von der Kunstleihe Harburg. Das Experimentieren mit ungewohnten Techniken, kräftigen Farben, fremden Motiven oder neuen Formaten beginnt. Schließlich weiß man: Wenn das Experiment im eigenen Wohnzimmer misslingt oder nach ein paar Monaten ausdiskutiert ist, kann man das Werk unkompliziert wieder tauschen und das ästhetische Abenteuer in eine neue Richtung lenken.

Wie tiefgreifend dieser Prozess sein kann, zeigt sich in Rückmeldungen der Leihenden, die die Kunstleihe für ihren Blog der Webseite nutzt. So ist die Aktion „kunst@home“, bei der Leihende Fotos ihrer heimischen Wände mit den entliehenen Werken einreichen und auf dem Blog der Kunstleihe teilen, ein besonders lebendiger Beleg dafür. Diese Aufnahmen zeigen eindrücklich, wie sehr Kunstobjekte Räume transformieren – und umgekehrt: Der private Raum bricht die strenge, sterile Neutralität eines Ausstellungsraums auf und bettet das Werk in den echten, ungekünstelten Alltag ein.

Nachbarn, Diskurse und die Frage nach dem Wer

Die Anwesenheit eines Originals im privaten Raum wirkt aber über die eigenen vier Wände hinaus. Wenn Nachbar*innen oder Freund*innen zu Besuch kommen, fällt der Blick unweigerlich auf das neue Bild an der Wand. Sätze wie „Hast du das neu?“ sind oft der Startschuss für lange, überraschende Gespräche über Ästhetik, persönliche Anschauungen und Weltbilder. Manchmal laden Leihende ihren Bekanntenkreis sogar bewusst zu einer kleinen, privaten „Vernissage“ ein, wenn ein neues Werk eingezogen ist. Mundpropaganda in reinster Form!

Bemerkenswert ist dabei ein psychologischer Effekt, den die Kunstleihe-Macher*innen immer wieder beobachten: Wenn die Leihfrist sich dem Ende neigt und die Frage im Raum steht, ob man das Werk noch einmal verlängern kann, folgt fast immer sofort die Frage: „Von wem ist das eigentlich?“ Hinter dieser scheinbar schlichten Neugier – oder vorherigen Ignoranz ?! – verbirgt sich im Grunde aber eine tiefe Wertschätzung für das Werk an sich. Im Gegensatz zum Namedropping großer Galerien und Kunstauktionen zählt hier nämlich offenbar und zuerst die unmittelbare Faszination des Ergebnisses. Erst danach entsteht das echte Interesse an der Person hinter der Staffelei.


Fakten und Zahlen zu Artotheken und Kunstverleihen

Schaut man auf die Geschäftsberichte von Städten wie Köln, Kiel, Bremen oder Buxtehude bewegen sich die Kosten eines Kunstverleihs je nach Einbindung in die jeweilige kommunale oder städtische Verwaltung in einem ähnlichen Bereich. Die Kunstleihe Harburg – bisher vorwiegend auf eigene Kappe arbeitend – schätzt die Raumkosten (Miete und Nebenkosten) je nach Standort auf etwa 28.000 Euro. Die Personalkosten für den laufenden Betrieb betragen etwa 30.000 Euro. Ein jährlicher Ankaufsetat zur Erweiterung des Bestands könnte bei etwa 5.000 Euro schon kleine Wunder vollbringen. Die Ausgaben für Materialien wie Verpackungen und konservatorischen Bedarf betragen etwa 1.500 Euro pro Jahr. Die Leihentgelte für die Nutzenden variieren je nach Laufzeit, wie beispielsweise in Buxtehude mit 6,00 Euro für drei Monate oder 12,00 Euro für sechs Monate. Tritt die Einrichtung bei einem Verkauf von Kunstwerken als Kommissionär auf, wird bei einigen Artotheken eine Provision von etwa 10 Prozent des Bildwertes einkalkuliert. Die Kunstleihe Harburg tut dies nicht, schon um mit den lokalen Galerien nicht in Wettbewerb zu treten.


Generationenübergreifendes Entdecken

Die Erfahrung des Leihens schert sich beim Blick auf die Schar der Leihenden nicht um Altersgrenzen. Junge Menschen, die oft durch Studium oder Beruf neu in die Stadt gezogen sind, nutzen die Kunstleihe ebenso selbstverständlich, wie sie es vielleicht aus ihren Heimatorten kannten. Getreu dem modernen Gedanken der Share Economy – wenn man Autos, Räder und Werkzeuge problemlos teilt, warum dann nicht auch Kunst? –, passt dieses Modell perfekt zu einer Generation, deren Etats oft anders gewichtet sind und die den authentischen Wert eines Originals dem seelenlosen Massenprodukt vorzieht.

Besonders charmant ist die Beteiligung der Jüngsten: Junge Eltern nehmen ihre Kinder oft einfach mit auszuwählen. Die Sprösslinge erleben das Kunstwerk fortan rund um die Uhr, äußern ganz unbefangen ihr Gefallen oder ihr Unbehagen und stoßen damit in der Familie plötzlich Dialoge an, die man in keinem Schulbuch findet. Über die Jahre reift so der eigene Geschmack – und ganz nebenbei wächst eine neue Generation heran, für die Kunst kein abgehobenes Elitenphänomen oder unnahbar ist, sondern eine selbstverständliche Begleiterin des Lebens.

Konfrontiert man die Macher*innen der Kunstleihe mit der bangen Frage: „Ist das denn versichert?“, fällt die Antwort überraschend unkonventionell aus. Im Gespräch wird deutlich, dass man dort mittlerweile bewusst auf klassische Versicherungen verzichtet. Die Argumentation ist pragmatisch: Statt jährliche Versicherungssummen zu zahlen, investiert man das Geld lieber direkt in den Ankauf neuer Werke, wodurch im seltenen Schadensfall weder die Kunstleihe noch die Kunstschaffenden in ein unlösbares Dilemma geraten. Kleinere Schäden am Rahmen oder Glas wurden bisher unkompliziert von den Leihenden aus eigener Tasche oder über deren Haftpflichtversicherung geregelt. Bei einem Totalschaden durch Feuer oder Wassereinbruch stünde ohnehin die schmerzhafte Tatsache im Vordergrund, dass das unwiederbringliche Werk aus der Welt ist, während der Aufwand für teure Wertgutachten bei Werken bis zu 2.000 Euro in keinem Verhältnis stünde. Zudem hat eine süddeutsche Artothek ihren Blick auf einen weit pragmatischeren Weg gelenkt: Gemeinsam mit der städtischen Kämmerei wurde die Kunst dort als Gebrauchskunst und Inventar – ähnlich wie PCs oder Büromöbel – festgeschrieben, bei der durch die häufige Leihe eine buchhalterische Wertminderung (ähnlich der AfA-Abschreibung) angesetzt wird. So entfällt der gigantische juristische Streit- und Versicherungsapparat, und an seine Stelle tritt ein unaufgeregter, realitätsnaher Umgang mit den kleinen und großen Risiken des Kulturalltags. „Am besten wäre, die Kunst gehört uns. Dann gibt es ideellen Schmerz – aber die Kunstschaffenden wären auf der sicheren Seite“, so Heiko Langanke, vom Hamburger Leihbetrieb.

Nächste Woche Teil 4: Der Weg zu Hamburgs größter Ausstellung

Teil 1: Sharing-Geist ohne Kunst?

Teil 2: Die Ästhethik des Teilens


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Die Ästhetik des Teilens https://www.tiefgang.net/die-asthethik-des-teilens/ https://www.tiefgang.net/die-asthethik-des-teilens/#respond Sat, 01 Aug 2026 09:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14280 [...]]]> Das wahre Kunstabenteuer beginnt dort, wo der Rahmen nicht an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Yasmin Delaneuve macht sich in einer vierteiligen Serie auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Man kommt aus der S-Bahn-Station Heimfeld ans Tageslicht, biegt links in die Bansenstraße und landet unmittelbar im charmanten, fast unerwartet schönen gründerzeitlichen Meyer-Viertel in Heimfeld. An der nächsten Ecke betritt man durch eine schmale Tür die Kunstleihe Harburg, des in Hamburg einzigartigen nichtkommerziellen Kunst-Verleihs, und betritt keinen sterilen Ausstellungsraum, sondern einen lebendigen Mikrokosmos voller kreativer Fundstücke. Kaum hat man den Raum betreten, zieht ein imposantes Kunstwerk sofort den Blick an: eine großformatige Arbeit von rund 150 mal 200 Zentimetern, gefertigt aus Papier und in Acryl gehalten, stammend von der international renommierten Tapisserie-Künstlerin Erika Sellmann-Büsching aus dem Osnabrücker Land. „Das Werk wurde uns angeboten und obwohl es zum Verleih eigentlich zu groß ist, konnten wir nicht Nein sagen“, beschreibt Sabine Schnell vom Verein Kunstleihe Hamburg diese schwelgerische Ausnahme. Hat man die räumlichen Kapazitäten dafür, ist dies ein Kunstwerk, das schlicht jeden Raum um ein Vielfaches aufwertet.

Der Blick wandert weiter durch den Raum und bleibt an einer vertrauten Miniatur hängen: Zwischen den hunderten Arbeiten im Bestand entdeckt man genau jene kleine, gerahmte Kostbarkeit wieder – Ewald Matarés „liegende Kuh nach rechts I“ – die den Bogen zur großen Museumswelt des Barlach-Hauses schlägt.

Diese faszinierende Mischung aus lokaler Verwurzelung, hochkarätigen Schenkungen und dem direkten Draht zu den Menschen markiert den Kern des Artotheken-Prinzips. Was in Hamburg-Heimfeld im kleinen Rahmen zivilgesellschaftlich getragen wird, blickt im übrigen Bundesgebiet auf eine lange, strukturierte Tradition zurück.

Kunst als demokratisches Grundrecht

Die Geburtsstunde moderner Artotheken ist untrennbar mit den Aufbruchsbewegungen der späten 1960er- und 1970er-Jahre verbunden, in denen Kulturelle Teilhabe als demokratisches Grundrecht verstanden wurde. Ob Horst Dietzes Graphothek in Berlin-Reinickendorf (1968) oder die Kölner Artothek (1973) als Teil der Stadtbibliothek – die Idee war stets dieselbe: Originalgrafiken, Fotografien und Gemälde sollten aus den elitären Depots direkt in den Alltag der Bevölkerung wandern. Durch Verleih.

Heute existieren gut 140 Artotheken in der gesamten Bundesrepublik – von großen Metropolen bis hin zu engagierten Mittelzentren. Das Spektrum zeigt, wie pragmatisch Kultur funktionieren kann. Auch der Bundestag verfügt über eine eigene Artothek, in der Abgeordnete für ihre Legislatur sich mit eindrucksvoller Kunst umgeben können. Zum einen sind Kunstverleihe oft an Bibliotheken angebunden. Die Artotheken nutzen dabei bestehende Infrastrukturen, senken ihre Kosten und holen genau jene Laufkundschaft ab, die ohnehin zum Lesen kommt. Für kommunale Kulturämter dienen die Kunstverleihe meist als Instrument der doppelten Förderung – finanzielle Unterstützung lokaler Künstler*innen beim Ankauf und gleichzeitige Vermittlung an die bürgerliche Gesellschaft. Oft sind es aber auch unabhängige Träger und Vereine, die diese Rolle einnehmen – wie in Hamburg: Sie schlagen mit minimalen Budgets die Brücke zwischen den Ateliers und dem Publikum.

Kunst für die Hohe Politik: Grafik von Josua Reichert (1937-2020), PT 42 - Komposition mit J, 1968, Handpressendruck, Holztypen (© DBT/Julia Nowak)
Kunst für die Hohe Politik: Grafik von Josua Reichert (1937-2020), PT 42 – Komposition mit J, 1968, Handpressendruck, Holztypen aus der Artothek des Deutschen Bundestages (© DBT/Julia Nowak)

In diesen Städten ist der Griff zum Original so alltäglich wie das Ausleihen eines Buches. Man nimmt das Werk für ein paar Monate mit nach Hause, lässt es im eigenen Wohnzimmer wirken, um es schließlich gegen eine neue ästhetische Position einzutauschen. Es ist diese ständige Zirkulation, die den musealen Staub von der zeitgenössischen Kunst wischt und zeigt, dass das Verleih-Prinzip längst ein bewährter Standard der Kulturvermittlung ist. Und – wie ich erfahre – ist ein Kauf bei größter Liebe zu einem Werk trotz Leihprinzip kein Tabu. „Wir stellen bei Interesse gerne den Kontakt zur Künstlerin oder Künstler her“, so Sabine Schnell von der Hamburger Kunstleihe. „Und meist bekommen wir dann eben ein neues, anderes Werk. Nur Werke von verstorbenen Künstler*innen – da ist es uns meist wichtiger, dass möglichst viele noch ihrer Kunst gedenken.“

Netzwerk statt Verwaltung

Und die Arbeit der Kunstleihe Harburg erschöpft sich nicht in der bescheidenen Ausgabe von gerahmten Bildern. Aus dem gewachsenen, engen Netzwerk zur aktiven Kunstszene in Hamburg erwachsen Aktionen und Veranstaltungsformate, die weit über das klassische Verleihgeschäft hinausgehen. Es ist eine kulturelle Energie, die mit reinen behördlichen Fördergeldern und standardisierten Etat-Töpfen schlicht nicht freigesetzt würde.

„Es geht darum, Kunst direkt zu den Menschen zu bringen und Barrieren abzubauen“, erklärt Heiko Langanke von der Kunstleihe die Philosophie. Wenn Magazine wie Hinz&Kunzt über das Projekt berichten, wird regelmäßig hervorgehoben, mit wie viel Herzblut und unbezahltem Engagement hier ein sozialer Raum geschaffen wird, den die offizielle Stadtverwaltung schlicht vermissen lässt: „Hier wird Kultur nicht verwaltet, sondern gelebt“, heißt es dort etwa. Und das sieht man auch daran, was dieser Kreis in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Während in den Ausstellungshäusern der Stadt während des Corona-Lockdowns die Rollläden heruntergingen, stemmte das Netzwerk mit SuedArt 2022 ein starkes Lebenszeichen mitten aus der Krise heraus. 40 Künstler*innen stellten zusammen aus und initiierten ein gemeinsames Kunstevent. Als kraftvolle Fortführung wurde mit der SuedArt24 eine Tour von Stade bis Harburg – entlang der S-Bahnlinie S5 – mit Kunstinstitutionen wie dem Schloss Agathenburg, dem Kunsthaus Stade, dem Marschtorzwinger Buxtehude oder der Falckenberg-Sammlung in Harburg inszeniert, der weit über seine geografischen Bezirksgrenzen hinausstrahlte. Mit dem Format des Kunstsalons schuf die Kunstleihe einen geschützten, diskursiven Ort für den intensiven Austausch über Kunst, Haltung und das kreative Handwerk jenseits des elitären Kunstmarkt-Geschehens. Und mit Rundgängen unter dem Slogan Kunst vor Ort führte man über Jahre an die erstaunlich vielseitige Kunst direkt im Harburger Stadtraum heran.

Hinzu kommen punktuelle Lichtblicke institutionalisierter Zusammenarbeit – wie etwa die Kooperation des Stadtmuseums Harburg (AMH) mit der Kunstleihe, bei der Leihgaben von Werken wie des Harburger Künstlers Carl Ihrke gezeigt wurden. Und aktuell werden Glasvitrinen einer Passage in der Harburger Innenstadt durch Künstler*innen des Kunstleihe-Netzwerkes ausgestellt. „So es sich ergibt, wollen wir unsere lokalen Künstler*innen einfach mehr Aufmerksamkeit schenken“, so Sabine Schnell.

Nächste Woche Teil 3: Das Wohnzimmer als Kunst-Labor

  1. Teil: Sharing-Geist ohne Kunst?

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Sharing-Geist ohne Kunst? https://www.tiefgang.net/sharing-geist-ohne-kunst/ https://www.tiefgang.net/sharing-geist-ohne-kunst/#comments Sat, 25 Jul 2026 11:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14268 [...]]]> Das wahre Kunstabenteuer beginnt dort, wo der Rahmen nicht an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Yasmin Delaneuve macht sich in einer vierteiligen Serie auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Da steht man im Hamburger Ernst Barlach Haus, umgeben von der edlen Stille des weihevollen White Cube, und bewundert die meisterhaften, holzgeschnitzten Tiere und feinen Grafiken von Ewald Mataré. Die Retrospektive „Nichts ohne Natur“ (noch bis 11. Okt.) feiert den 1887 geborenen Bildhauer und Grafiker als einen der Großen der Klassischen Moderne – eine Ausstellung von Rang, für die Kulturbegeisterte gerne Eintritt zahlen und die in den Feuilletons gefeiert wird. Man schaut auf diese skulpturalen Meisterwerke, lässt den Blick über die Formen gleiten und ertappt sich unwillkürlich bei einem ganz alltäglichen, fast ketzerischen Gedanken: Wie würde sich dieses Tier aus Holz oder dieser feine Holzschnitt eigentlich im eigenen Wohnzimmer machen? Über dem Sofa? Im schlichten Flur, wo das Morgenlicht auf die Maserung fällt?

Im normalen Museumsbetrieb bleibt dieser Wunsch eine edle Illusion. Kunst gehört hier hinter Glas, auf Sockel, an die staatsmännisch beleuchtete Wand – konserviert, geschützt und für den alltäglichen Berührungskontakt tabu. Doch wer in Hamburg den Blick ein klein wenig weitet und sich aus den Hochglanzhallen der großen Institutionen in den Süden der Stadt wagt, dürfte überrascht sein. Denn nur ein paar S-Bahn-Stationen und eine Elbquerung weiter, versteckt in einer unscheinbaren Altbau-Ladenwohnung die Kunstleihe Harburg.

Hier schließt sich ein Kreis, den die offizielle Hamburger Kulturpolitik seit Jahrzehnten schlicht ignoriert. Wer dort seinen Blick über die vollbehangenen Wände streifen lässt oder direkt vor den Regalen blättert, traut seinen Augen kaum: Zwischen gut vierhundert Arbeiten meist lokaler Kunstschaffender tauchen plötzlich sie auf – zwei originale, authentische Kleinodien von ebenjenem Ewald Mataré: „Liegende Kuh nach rechts I“ (Holzschnitt, 1958) und „Kälbchen“ (Holzschnitt, 1934).

Kein millionenschwerer Museumsankauf, der im Tresor verschwindet, sondern handfeste, erlebbare Kultur. „Kunst auf Zeit, Zeit für Kunst“, so lautet das einfache, aber für die Kaufmannsstadt Hamburg revolutionäre Credo der Macher*innen vor Ort. Hier, in einer engen Ladenwohnung in einem durchaus inspirierenden Altbauviertel in Hamburg-Heimfeld, kann man sich genau diese Kunst für eine Handvoll Euro Leihgebühr einpacken, unter den Arm klemmen und mit nach Hause nehmen.

Der Kontrast könnte schärfer nicht sein. Während die Hamburger Kulturbehörde zigtausende Euro in den internationalen Kunstmarkt pumpt – man denke an die jüngste Erwerbung in Höhe von 2,4 Millionen Euro eines René Magrittes Le Palais de Rideaux der Hamburger Kunsthalle für den musealen Hochpreissektor –, geht die lebendige, lokale Basis leer aus. Aus dem zentralen Ankaufsetat werden Hamburger Künstler*innen kaum gezielt gefördert; wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der Hamburger Bürgerschaft (Drs. 23/912 vom Juli 2025) einräumten musste, wird die Herkunft der Kreativen im Ankaufsetat „nicht gesondert statistisch auswertbar erfasst“.

Zwischen gut 400 leihbaren Kunstwerken findet sich wie selbstverständlich auch Ewald Matarés „Kuh rechts liegend“ (Foto: Y. Delaneuve)

Die Behörde für Kultur und Medien (BKM) ließ in der Vergangenheit auch so keinen Zweifel daran, was sie von einem städtisch gestützten Verleihmodellen hält: Man winkte ab und tat das Konzept intern als „nicht mehr zeitgemäß“ ab, nachzulesen in einer Anfrage (Drs. 20-2843.01) des Bezirks Harburg von 2017. Eine bemerkenswerte intellektuelle Volte in einer Stadt, die sich ansonsten gerne als hippe Metropole des modernen Sharing-Geistes inszeniert. Wenn Hamburg den Verleih von E-Rollern, Autos und Lastenrädern als zukunftsweisend feiert und die städtischen Bücherhallen längst eine florierende „Bibliothek der Dinge“ betreiben, in der vom Akkuschrauber bis zur Nähmaschine alles geteilt wird, was das Herz begehrt, soll ausgerechnet das Originalkunstwerk nicht in diesen Zeitgeist passen?

Die Kunstleihe Harburg zeigt seit nunmehr sieben Jahren und jeden Tag aufs Neue, dass das Modell mehr als aktuell ist. Sie zeigt, wie nah Kunst am Menschen sein kann, wenn man sie nur von der Kette lässt. Während also in den großen Museen die Mataré-Ausstellung bestaunt wird, beweist die kleine Ladenwohnung im Süden: Das wahre Kunstabenteuer beginnt eigentlich erst dort, wo der Rahmen nicht mehr an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Und damit sind sie keine Wegbereiter. Denn der Verleih von Kunst ist anderswo lange schon Alltag und kulturelles Selbstverständnis mancher Städte und Kommunen. In einer vierteiligen Serie mache ich mich daher auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Nächste Woche Teil 2: Die Ästhetik des Teilens


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Die Natur zieht in die City https://www.tiefgang.net/die-natur-zieht-in-die-city/ https://www.tiefgang.net/die-natur-zieht-in-die-city/#respond Fri, 24 Jul 2026 16:09:34 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14260 [...]]]> Es ist ein wunderbarer Kontrast, der den Alltag im Herzen Harburgs für einen Moment zum Stillstehen bringt. Wo sonst das geschäftige Treiben zwischen Lüneburger Straße und Harburger Ring den Takt vorgibt, zieht plötzlich eine tiefe, organische Ruhe ein.

Die Kunstleihe Harburg schickt ihr gefeiertes und erfolgreiches einjähriges Ausstellungsformat der „Kunstpassage“ in der City Galerie in die finale Runde. Nach den großen Erfolgen von Frank Vaders, Thomas Behrens und Yvonne Lautenschläger übernimmt nun keine Geringere als die in Moorburg verwurzelte Künstlerin Antje Gerdts die prominenten Glasvitrinen. Bis Ende September 2026 verwandelt sich der urbane Durchgang in eine grüne Oase, die Passanten dazu einlädt, innezuhalten und die Natur aus einer völlig neuen, künstlerischen Perspektive zu betrachten.

Wer Antje Gerdts begegnet, spürt sofort, dass diese Kunst keine bloße Atelierarbeit ist, sondern aus einer lebenslangen Verbundenheit wächst. Schon als Kind streifte sie durch Wiesen und Wälder, entdeckte jedes vierblättrige Kleeblatt und nahm die feinsten Details am Wegesrand wahr. Was vor fast vierzig Jahren mit Malerei auf historischen Kaffeesäcken aus dem Hamburger Freihafen begann – getragen von der Faszination für den pflanzlichen Malgrund und dessen ganz eigener Geschichte –, hat sich über die Jahrzehnte zu einer tiefgreifenden, eigenständigen Ausdrucksform entwickelt.

Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die Künstlerin auf Leinwänden direkt mit echten Pflanzen. Dabei geht es ihr nie um eine simple, botanische Abbildung. Es ist ein schöpferischer Austausch, eine echte Begegnung im Malprozess. Die Technik entwickelt sich dabei organisch mit der jeweiligen Pflanze, um deren ureigene Kraft und Ausstrahlung für den Betrachter spürbar zu machen. Die aktuellen Vitrinen-Ansichten in der City Galerie zeugen von dieser intensiven Zwiesprache: Sie zeigen eine beeindruckende Bandbreite von filigranen Strukturen und skulpturalen Elementen bis hin zu großflächigen, naturinspirierten Farbkompositionen.

Die Ausstellung von Antje Gerdts markiert den vierten und vorerst letzten Teil der diesjährigen Kunstpassage. Die von der Eigentümergemeinschaft unterstützte Aktion hat sich im Viertel als echter Publikumsmagnet erwiesen und eindrucksvoll bewiesen, wie ungenutzter Leerstand im öffentlichen Raum mit Leben, Sinn und Ästhetik gefüllt werden kann.

Wie bei allen Stationen schlägt auch dieses Finale eine Brücke zum Kernanliegen des Vereins: Die Kunstleihe Hamburg e. V. setzt sich seit 2019 unermüdlich dafür ein, zeitgenössische lokale Kunst durch den echten Verleih, kuratierte Führungen wie „Kunst vor Ort“ oder Großprojekte wie die SuedArt für alle zugänglich zu machen und den Hamburger Süden nachhaltig zu bereichern.

Wer sich verzaubern lassen möchte, kann die „Pflanzenkunst“ von Antje Gerdts noch bis Ende September 2026 kostenfrei und rund um die Uhr im Durchgang der City Galerie besichtigen. Weitere Einblicke in das Schaffen der Künstlerin bietet ihre Website antje-gerdts.de.

Und wer die ehrenamtliche Arbeit der Kunstleihe unterstützen möchte, findet alle Informationen sowie die Möglichkeit zur Beteiligung direkt unter kunstleihe-harburg.de. Offenbar wird bislang nicht an eine Fortführung des Projektes gedacht …


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Bullen, Bücher und Blamagen https://www.tiefgang.net/bullen-buecher-und-blamagen/ Mon, 22 Dec 2025 23:46:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13027 [...]]]> Das Jahresende 2025 entwickelte sich im Hamburger Süden zu einem furiosen Finale, das noch einmal alle Facetten dieses widersprüchlichen Jahres vereinte: Eigensinn, Leidenschaft und der unerschütterliche Wille, sich den öffentlichen Raum zurückzuerobern.

Während die City im herbstlichen Grau oft mit sich selbst beschäftigt war, zündete Harburg ein kulturelles Feuerwerk, das weit über die Bezirksgrenzen hinausstrahlte.

Der Oktober begann mit einer klaren Ansage an die sterile Konsumwelt: Die Kunst eroberte die Harburger City Galerie. In der neuen Kunstpassage präsentierte der Heimfelder Künstler Frank Vaders seine „Köpfe mit Ecken und Kanten“ – kraftvolle, expressive Werke, die das menschliche Antlitz dekonstruieren und neu zusammensetzen. Es war ein kluger Schachzug der Kunstleihe Harburg, die Kunst direkt in den täglichen Strom zwischen Einkauf und S-Bahn zu stellen und so zu zeigen, dass kulturelle Kraftorte keinen weißen Museumsbau brauchen. Passend zu dieser Entdeckerlust lieferte Bärbel Wegner mit ihrem Werk „Harburg. Das Buch.“ das ideale erzählerische Zeitdokument. Ohne die typischen Postkartenmotive, dafür mit einem intimen Blick auf die Netzwerke der Menschen, lud sie dazu ein, die Vielfalt südlich der Elbe neu zu lieben.

Diese Liebe zur Vielfalt fand ihren lautstarken Widerhall in einem Highlight, das die musikalische DNA des Bezirks im vierten Quartal wie kein zweites Event zum Schwingen brachte: die 15. SuedKultur Music-Night am 11. Oktober. Während die einstige große „Lange Nacht der Clubs“ in der Hamburger City oft mit weiten Wegen und Anonymität zu kämpfen hatte, bewies Harburg einmal mehr den Vorteil der Nähe. 14 Locations, über 40 Acts und das alles für einen fast schon symbolischen Preis – fußläufig und intensiv. Es war eine Nacht der Entdeckungen, die neugierig und begeisterungsfähig machte. Das Programm spiegelte die gesamte kulturelle Bandbreite des Südens wider: Von Groove-Jazz und Funk in der Fischhalle über Deutschrock in der Auferstehungskirche Marmstorf bis hin zu experimentellen Klängen im ligeti zentrum. Besonders beeindruckend war die Kooperation in der Sauerkrautfabrik, wo der Harburger Integrationsrat Rap-Musik der candyboiclique mit traditioneller Weltmusik auf der orientalischen Längsflöte zusammenbrachte. Diese Mischung ist Harburg pur – ein Ort, an dem Gegensätze nicht nur nebeneinander existieren, sondern gemeinsam gefeiert werden. Jan Schröder, Sprecher von SuedKultur, brachte es auf den Punkt: Das Festival ist ein Gemeinschaftserlebnis, das das vielfältige Netzwerk des Bezirks lebendig hält.

In einem Jahr, das so oft von Leerstand und Krisen sprach, war diese Nacht ein energischer Beweis für die Kraft der Harburger Club- und Kulturszene, die sich ihren Raum mit Leidenschaft zurückerobert. Dass Harburgs Charakter aber nicht nur im lautstarken Erfolg, sondern auch in der heroischen Niederlage und im Durchhaltevermögen glänzt, bewies ein Ereignis aus Moorburg, das es sogar bis in die FAZ schaffte: Das 0:66-Debakel des Moorburger TSV. Mit nur sieben Spieler*innen traten sie an, verweigerten den Abbruch und spielten bis zum bitteren Ende durch. Es war eine Liebeserklärung an den Amateurfußball und den Harburger Galgenhumor – ein Beweis dafür, dass Haltung wichtiger ist als das nackte Ergebnis.

Genau diese unerschütterliche Haltung trug auch den November, als der 22. Harburger Kulturtag das Zepter übernahm. Unter der Federführung von Harburg Marketing wagte die Tradition einen mutigen Neuanfang. Trotz knapper Kassen pulsierte das Leben an 28 Kulturorten. Ob Lindy Hop, Street Art oder das Laternenbasteln – der Kulturtag bewies, dass Gemeinschaft die stärkste Ressource des Bezirks ist. Zeitgleich wurde in Buxtehude mit der Verleihung des 54. Buxtehuder Bullen an Maja Nielsen für „Der Tunnelbauer“ ein starkes politisches Zeichen gesetzt. Die Auszeichnung würdigte den Einsatz für Freiheit und Demokratie – Themen, die durch die Anwesenheit des Zeitzeugen Joachim Neumann eine beklemmende Tiefe erhielten.

Den Bogen von der gelebten Gegenwart zur reflektierten Geschichte spannte schließlich der Dezember mit einem Blick zurück und nach vorn zugleich. In Winsen lädt das Museum im Marstall mit der Ausstellung „Pinsel, Stein und Stift“ zu einer Reise durch 150 Jahre Kunstgeschichte ein. Über 40 Künstler*innen zeigten dort, wie die Landschaft an der Luhe seit jeher Kreativität freisetzt. Doch Harburg blieb auch digital am Puls der Zeit: Mit dem Projekt Museana brachte das Archäologische Museum die Debatte um koloniale Straßennamen direkt in die Klassenzimmer. Es ist dieser lebensweltnahe Zugang, der die Geschichte aus den Archiven holt und sie mitten in die aktuellen gesellschaftlichen Gespräche stellt.

Doch während die Museen die Vergangenheit digital bändigten, vollzog sich auf politischer Ebene ein Prozess, der für die Zukunft des Bezirks wegweisend sein sollte: der Runde Tisch Kulturpolitik und Kulturentwicklungsplan. In vier intensiven Workshops rangen Akteur*innen aus Kultur, Politik und Verwaltung um eine Strategie, wie die Harburger Infrastruktur langfristig gesichert werden kann. Das Abschlussdokument liest sich wie eine Bestandsaufnahme der Harburger Seele – es fordert mehr Sichtbarkeit, eine bessere Vernetzung und vor allem eine verlässliche Förderung für die freie Szene. Doch während die Kulturschaffenden im vierten Quartal mit Events wie der Music-Night oder dem Kulturtag Fakten schufen, herrscht hinter den Kulissen des Runden Tisches eine gewisse Ernüchterung. Der Plan liegt vor, das Starter-Kit mit prioritären Maßnahmen ist geschnürt, doch die konkrete Umsetzung etwa durch die Bezirksversammlung lässt auf sich warten. Für viele Beteiligte fühlt es sich an, als stünde man vor einem fertig gedeckten Tisch, an dem jedoch niemand Platz nehmen darf. Dieser Kontrast prägte das Jahr 2025: Auf der einen Seite die unbändige Energie der Szene, die den Bezirk belebt, und auf der anderen Seite ein zäher administrativer Prozess, der nun beweisen muss, dass er mehr ist als nur eine gut moderierte Absichtserklärung.

Rückblickend schließt sich mit diesem Quartal ein Kreis, der im Januar mit den leuchtenden Wortspielen am Karstadt-Leerstand begann. Das Jahr 2025 war für Harburg eine Zeit, in der die großen Themen – die Sorge um den Leerstand der Innenstadt, das Ringen um die freie Szene nach dem Miskatonic-Brand und die Suche nach demokratischem Dialog in der Reihe Dr. Sommer der Demokratie – immer wieder auf die Kraft der Gemeinschaft trafen. Während in der Hamburger City über Ballett-Zäsuren und Milliardenprojekte gestritten wurde, setzten Harburger Künstler*innen, Architekt*innen der Stadtgesellschaft und Bürger*innen auf Nahbarkeit und klare Argumente. Ob beim Sommer im Park oder in den Kunst-Führungen der Kunstleihe – Harburg hat 2025 bewiesen, dass es kein Problembezirk ist, sondern ein Laboratorium für die Zukunft der Stadtkultur.

Wir verabschieden dieses Jahr neugierig und begeisterungsfähig: Harburg ist nicht nur ein Ort auf der Karte, sondern ein Versprechen an alle, die Kultur als lebendigen Dialog begreifen.

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Ein Sommer der Kunst https://www.tiefgang.net/ein-sommer-der-kunst/ Sat, 20 Dec 2025 23:47:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13020 [...]]]> Der Übergang vom Frühling in den Sommer 2025 markierte in der Hamburger Kulturlandschaft eine Phase, in der die Fassaden der Hochglanzprojekte Risse bekamen, während im Süden der Elbe mit bemerkenswerter Resilienz gegen den drohenden Stillstand angearbeitet wurde.

Es war ein Quartal, das uns schmerzhaft vor Augen führte, dass kulturelle Teilhabe kein Selbstläufer ist. Vielmehr ist es ein permanentes Aushandeln zwischen politischem Willen und bürgerschaftlichem Engagement.

Es begann im April mit einer fast schon gespenstischen Stille im Harburger Zentrum, wo die sogenannten Karstadt-Geister umgingen. Während in der HafenCity die Verträge für einen prunkvollen Opern-Neubau ohne jede Bürgerbeteiligung und unter Ausschluss der Öffentlichkeit bis zur Unterschriftsreife gebracht wurden, kämpfte man in Harburg mit einer Mauer aus Schweigen. Die Fraktion der Linken hatte versucht, Licht in das Dunkel der Betriebskosten für das ehemalige Karstadt-Gebäude zu bringen, doch die Antworten der Finanzbehörde blieben vage und nebelhaft. Es ist die bittere Ironie einer Stadtentwicklung, die im Norden Milliarden für neue „Leuchttürme“ mobilisiert, während im Süden eine bereits existierende Immobilie, die als „Planet Harburg“ ein pulsierendes Zentrum für Theater, Kino und Literatur werden könnte, durch bürokratische Intransparenz blockiert wird. Der kalte Wind, der den Harburger Visionär*innen hier entgegenschlug, war weit mehr als nur eine Verwaltungsglosse; er war ein Symptom für die Vernachlässigung der kulturellen Basisarbeit zugunsten von Prestigeprojekten.

Doch Harburg antwortete auf diese eiskalte Schulter der Verwaltung im Mai mit einer beeindruckenden Rückbesinnung auf seine eigene Identität. Im Stadtmuseum Harburg wurde die Ausstellung des Stadtmalers Ralf Schwinge zum emotionalen Ankerpunkt. Schwinge, der als Chronist mit Skizzenblock und wachem Auge durch die Straßen zieht, dokumentiert nicht nur den Abriss und Neubau, sondern vor allem die Menschen, die diesen Bezirk prägen. In seinen rund 150 Werken wurde deutlich, dass die Seele eines Stadtteils nicht in gläsernen Opernhäusern wohnt, sondern auf dem geschäftigen Wochenmarkt und in den alltäglichen Momenten der Nachbarschaft. Diese Authentizität bildete den wohltuenden Gegenpol zum zeitgleichen Beben in der Hamburger Staatsoper. Dort war der Hoffnungsträger Demis Volpi nach nur einem halben Jahr als Ballettchef zurückgetreten. Sein jäher Abschied legte die Wunden offen, die das gigantische Erbe John Neumeiers hinterlassen hatte. Die Debatte um Volpis Abgang drehte sich um weit mehr als nur künstlerische Differenzen; sie stellte die Frage nach sozialer Kompetenz und moderner Menschenführung in erstarrten Institutionen – eine Diskussion, die in Harburg, wo man aufgrund mangelnder Mittel ohnehin auf engste Kooperation angewiesen ist, fast wie aus einer anderen Welt wirkte.

Während die Staatsoper versuchte, ihre Scherben aufzusammeln, weitete der Süden seinen Blick und bewies im Juni eine beeindruckende intellektuelle Tiefe. In Stade forderte die Ausstellung AMANI im Schwedenspeicher die Besucher*innen dazu auf, die koloniale Vergangenheit radikal neu zu bewerten. Die Aufarbeitung der Sammlung des Botanikers Karl Braun, der hunderte Kulturgüter aus Tansania nach Stade gebracht hatte, wurde zum Lehrstück über kulturelle Aneignung und notwendige Restitution. Hier wurde Weltgeschichte im Lokalen verhandelt – ein Anspruch, den Harburg auch mit der Einbeziehung des Kurzfilm Festivals Hamburg im Planet Harburg unterstrich. Unter dem Motto „Provokation der Liebe“ wurde das ehemalige Kaufhaus für kurze Zeit zum Tempel des experimentellen Kinos, was einmal mehr das enorme Potenzial dieses Ortes bewies, wenn man ihn denn ließe.

Zum Abschluss des Quartals kehrte die Energie dorthin zurück, wo sie in Harburg am stärksten ist: in die Räume der freien Szene und der privaten Initiativen. In den Phoenix-Hallen feierte die Sammlung Falckenberg mit der Ausstellung How’s My Painting? das Erbe der Counter Culture. Von der Punk-Attitüde der 80er Jahre bis hin zu modernen Dekonstruktionen wurde Malerei hier als Akt der Freiheit zelebriert, der sich bewusst gegen den Mainstream stellt. Dass Projekte wie Kunst vor Ort der Harburger Kunstleihe zeitgleich Führungen zu Graffiti-Wänden und in versteckte Depots anboten, schloss den Kreis. Es war die finale Bestätigung einer Erkenntnis, die sich durch das gesamte Quartal zog: Während die Hamburger City im Großen über Prestige und glanzvolle Namen debattierte und dabei oft über die eigenen Beine stolperte, pflegte Harburg im Kleinen die Nahbarkeit. Es ist eine Kultur der kurzen Wege und der klaren Worte, die sich ihren Raum nimmt – egal, ob dieser Raum ein ausgebranntes Theater, ein blockiertes Kaufhaus oder eine graue Betonwand in Heimfeld ist. Das zweite Quartal hat gezeigt, dass Harburgs wahre Stärke in der Hartnäckigkeit seiner Akteur*innen liegt, die sich vom Glanz der City nicht blenden und vom Nebel der Bürokratie nicht aufhalten lassen.

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Köpfe mit Ecken und Kanten https://www.tiefgang.net/koepfe-mit-ecken-und-kanten/ Fri, 03 Oct 2025 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12588 [...]]]> Braucht Kunst immer einen stillen, weißen Kubus? Harburg liefert jetzt eine klare, urbane Gegenantwort: Die Kunst erobert die Harburger City Galerie und verwandelt einen einst ungenutzten Durchgang in eine lebendige »Kunstpassage«.

Ein kluger Schachzug, lokale Kunst direkt in den Trubel des Harburger Rings zu bringen und die Innenstadt mit neuer Kulturkraft aufzuladen.

Den Auftakt dieser ganzjährigen Passage liefert Frank Vaders, ein Harburger Künstler mit einer beeindruckenden internationalen Vita, dessen Werke bereits in Sammlungen von Moskau bis Tokio zu finden sind. Vaders, der in Heimfeld lebt und arbeitet, ist bekannt für seine kraftvollen, expressiven Arbeiten. Seine Ausstellung von »Köpf-Werken« und kubistischen Porträts im neuen Harburger »Schaufenster« schlägt einen Bogen von der Hochkultur zur Alltagswelt – und das im Vorbeigehen zwischen Einkauf und S-Bahn.

Vaders dekonstruiert das menschliche Antlitz. Seine Werke zeigen keine glatten, fehlerfreien Abbilder. Stattdessen sind die Köpfe in Farbfelder zerlegt, die sich überlappen, verschieben und neu zusammensetzen. Es sind Gesichter, die man auf den ersten Blick erkennen, aber nicht sofort einordnen kann.

Die Kunstleihe Harburg initiiert hier mehr als nur eine neue Ausstellungsfläche; es ist eine kulturelle Revitalisierung aus eigener Kraft. Unterstützt durch den Verfügungsfonds »Mitten in Harburg« dienen die bisher ungenutzten Glasvitrinen im Durchgang zwischen der Lüneburger Straße und dem Harburger Ring lokalen Künstler*innen nun als prominentes Forum. Harburgs Kunst wird sichtbar, zugänglich und holt die Menschen dort ab, wo sie sind.

Für Frank Vaders, der während seiner Zeit in New York von der renommierten Galerie Jason McCoy – Neffe und Nachlassverwalter von Jackson Pollock – entdeckt wurde, ist diese lokale Präsenz eine willkommene Rückkehr. Seine Werke sind eine spannungsvolle Mischung aus abstrakter Expressivität und figürlicher Dichte. Das Spiel mit kubistischen Köpfen fordert Betrachter*innen dazu auf, die gewohnte Perspektive zu verlassen und tiefer zu blicken – eine perfekte Metapher für das Harburg von heute.

Die Initiative reiht sich ein in eine beeindruckende Serie von Projekten, mit denen die ehrenamtlich arbeitende Kunstleihe Harburg seit 2019 die lokale zeitgenössische Kunst fördert. Ob mit dem »Harburger Kunstfest« auf dem Schwarzenbergplatz, der großen Ausstellung »SuedArt24«, die sich von Stade bis Harburg erstreckte, oder kuratierten Führungen zu Orten wie der Sammlung Falckenberg: Das Team der Kunstleihe agiert als Motor der südlichen Kunstszene.

Mit der neuen Kunstpassage in der City Galerie hat Harburgs Innenstadt nun einen festen, ganzjährigen Ankerpunkt für die bildende Kunst gewonnen. Er zeigt auch, dass die Attraktivität eines Zentrums nicht nur durch Handel, sondern vor allem durch mutige, öffentliche Kulturprojekte wächst.

Die »Kunstpassage« in der City Galerie (Durchgang zwischen Lüneburger Straße und Harburger Ring)

Kunstaktion von Frank Vaders – Köpfe und kubistische Köpfe

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Der 20. Harburger Kulturtag! https://www.tiefgang.net/der-20-harburger-kulturtag/ Fri, 27 Oct 2023 22:38:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10374 [...]]]> Der Harburger Kulturtag feiert am So., 5. November sein 20-jähriges Jubiläum! 

Kunst, Kultur, Shopping, Laternenumzug, Feuerwerk und viel Programm: zum 20. Harburger Kulturtag und am verkaufsoffenen Sonntag zeigt Harburg seine kulturelle Vielfalt in gnazer Breite! Und dieses Jubiläum ist ein wahrer Grund zum Feiern. Der Harburger Kulturtag, ein bewährtes Konzept, überzeugt die Hamburger*innen Jahr für Jahr mit einem breiten Spektrum an kulturellen Angeboten. Der Harburger Kulturtag verbindet erneut die zahlreichen Kultureinrichtungen Harburgs, die die kulturelle Anziehungskraft in Hamburgs Süden eindrucksvoll unterstreichen. Am Sonntag, dem 5. November, von 12 bis 20 Uhr präsentieren sich mehr als 25 Harburger Kulturinstitutionen mit einem speziell für diesen Tag konzipierten Jubiläumsprogramm – und das alles bei freiem Eintritt!
Zusätzlich bieten viele Harburger Schaufenster eine Fülle an Sehenswertem. Im Rahmen des Projekts „KunstSchauFenster“ der Kunstleihe Habrurg werden Werke verschiedener Künstler*innen in den Einzelhandelsgeschäften Harburgs ausgestellt, die Kunstgruppe wattenbergART präsentiert sich in der Passage der CityGalerie und selbst der ewig leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor wird zum Schauplatz einer Installation des Kunstduos well-wired-Team.

Folgende Künstler:innen und Institutionen sind am Harburger Kulturtag vertreten:
antikyno, Archäologisches Museum Hamburg, Ateliergemeinschaft Atelier 32, Alles wird schön, Electrum, Fischhalle Harburg, Freundeskreis Harburger Theater e.V., Harburg Pop Up Store, Galerie 1565, Geschichtswerkstatt Harburg, Habibi-Atelier, Harburger Theater, Harburg Info, HinZimmer, KulturKiosk Blohmstraße, Kunstleihe Harburg, Künstler zu Gast in Harburg, Kunstverein Harburger Bahnhof, KulturWerkstatt Harburg e.V., Medical School Hamburg, Paul-Gerhardt-Kirche Harburg, Sammlung Falckenberg, Sparkasse Harburg-Buxtehude, TU Hamburg,
Alle teilnehmenden Institutionen und das dazugehörige Kulturprogramm werden zeitnah auf Social Media und der Website des Harburg Marketing e.V. (www.harburg-marketing.de) kommuniziert. Die Programmflyer sind in der Harburg Info, Hölertwiete 6, zu finden.

Vor 20 Jahren hatte ein Trio um den seinerzeit neuen Chef des Archäologischen Museums, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, die Idee, Harburgs Kulturszene mal angemessen ins rechte Licht zu rücken und die Idee des Harburger Kulturtags war geboren. Ateliers, Museen und die Falckenberg-Sammlung öffneten ihre Pforten und zeigten ihre aktuellen Arbeiten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Teilnehmerzahl und tausende von Menschen nutzten das Angebot. Vor einigen Jahren dann wurde
der Kulturtag mit dem verkaufsoffenen Sonntag im November zusammengelegt. Eine Gelegenheit, Geschäfte und Kultur zusammenzubringen. Doch zunächst liefen Geschäfts- und Kulturbetrieb weitestgehend neben- statt miteinander. Die Pandemie tat ihr übriges.
Daher nahm schon im letzten Jahr die Kunstleihe Harburg die Aktion „KunstSchauFenster“ in Angriff und konnte vor allem mit dem Verband „Unternehmer ohne Grenzen“ zehn Ladengeschäfte mit KunstSchauFenstern bestücken. Zum 20. Harburger Kulturtag und dem Erfolg des letzten Jahres werden es nun zwanzig! „Dabei wurden wir auch die Vitrinen in der Galerie-Passage in der Lüneburger Straße aufmerksam gemacht“, so Sabine Schnell vom Vorstand des Vereins Kunstleihe Hamburg. „Dort wird nun die Künstler*innengruppe wattenbergART einige ihrer Werke und Künstler*innen präsentieren.“ Und auch in der Hölertwiete fiel ein Schaukasten unangenehm auf. In diesem war offenbar seit gut 30 Jahren die Modewerbung nicht getauscht. Nun prangt ein Werk der Harburger Künstlerin Petra Hagedorn dort und schafft es so wieder als Hingucker zu fungieren.
Und auch ein weiterer Lost Place fiel dem Netzwerk rund um die Kunstleihe ins Auge: der schon lange leerstehende Glaspavillon am Lüneburger Tor / Durchgang zum Harburger Ring. „Er ist ideal für eine Installation des Künstlerduos well-wired-team geeignet“, so Sabine Schnell. Was genau ab Dunkelheit zu sehen sein wird, bleibt zunächst eine Überraschung.

Kunst-Farbbildbände und Kinderbücher gibt es am HinZimmer im Hinzeweg in Heimfeld. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Spaziergang in Heimfeld, während die Kunst-Initiativen geöffnet sind. Es gibt viel zu entdecken an diesem Kulturtag Harburg. Im HinZimmer kann man zwischen 15 und 18 Uhr eine wunderschöne Sammlung von Kunstbände anschauen und gegen eine Spende mitnehmen.

 

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Ein Freitag voller Kunst https://www.tiefgang.net/ein-freitag-voller-kunst/ Fri, 04 Aug 2023 22:40:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10161 [...]]]> Der letzte Freitag im August wird in Harburg ein idealer Kunsttag. Und das bei freiem Eintritt …Denn am 25. August gibt es eine Sonderöffnung der Ausstellung ERNSTHAFT?! ALBERNHEIT UND ENTHUSIASMUS IN DER KUNST in der Sammlung Falckenberg in Hamburg Harburg. Zum Tag der offenen Tür ist ein Vermittlungsprogramm mit Führungen und Workshops geplant.

Schon zuvor lädt die Kunstleihe Harburg ab 13 Uhr im Rahmen ihrer Kunst vor Ort-Touren zur Depotführung in die Sammlung ein (Anmeldung hier: www.kunstleihe-harburg.de).

Falckenberg Koleksiyonu’nda Türkçe rehberli tur ve katılıma açık atölyeler!
Giris ücretsizdir.

Programm-Highlights des Tages:

How Social Is Your Knitting? Stricken als Soziale Praxis

Kollektiver Strickworkshop von Lola Bott, Karolina Kaiser, Sandra Schumann und Cathrin Zumhasch,
Präsentation von Schüler*innen-Arbeiten der Lessing Stadtteilschule Harburg die anlässlich der Ausstellung Ernsthaft?! entwickelt wurden.

Termine: Freitag, 25. August, 14–19 Uhr

15 Uhr

Kurzführung durch die Ausstellung Ernsthaft?! mit Steffi Reimers.

15–18 Uhr

How Social Is Your Knitting? Stricken als Soziale Praxis von Lola Bott, Karolina Kaiser, Sandra Schumann und Cathrin Zumhasch. Für alle Altersstufen und zum sofortigen Mitmachen.

16 Uhr

Kurzführung mit Fokus Sammlung Falckenberg mit Steffi Reimers.

16.30 Uhr
Präsentation von Schülerarbeiten der Lessing Stadtteilschule Harburg, die anlässlich der Ausstellung Ernsthaft?! entwickelt wurden.

17 Uhr

Kurzführung durch die Ausstellung Ernsthaft?! in türkischer Sprache mit Ceren Mağden.
Falckenberg koleksiyonu üzerine rehber eşliğinde türkçe tur.

18 Uhr
Kurzführung durch die Ausstellung Ernsthaft?! mit Ceren Mağden.

Kostenloser Eintritt.
Teilnahme am Workshop kostenfrei, keine Anmeldung erforderlich.

Ort: Sammlung Falckenberg, Phoenix Fabrikhallen
Wilstorfer Straße 71, Tor 2; 21073 Hamburg – Harburg

 www.sammlung-falckenberg.de

Und hier Podcast „Humor ist kein lustiges Werkzeug“ mit Rocko Schamoni: https://dasistkunst.podigee.io/19-humor-ist-kein-lustiges-werkzeug-rocko-schamoni

 

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