Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg https://www.tiefgang.net Fri, 25 Oct 2024 16:02:10 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Notfallverbund für Kulturgutschutz https://www.tiefgang.net/notfallverbund-fuer-kulturgutschutz/ Fri, 25 Oct 2024 22:55:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11291 [...]]]> Kulturgut im Notfall gemeinsam zu schützen und zu erhalten – das ist das Ziel des Notfallverbunds für Kulturgutschutz, der kürzlich in Hamburg gegründet wurde.

Unter der Führung des Staatsarchivs haben zahlreiche Museen der Hansestadt, die Gedenkstätten und die Staatsbibliothek einen Vertrag unterzeichnet, in dem sie sich die gegenseitige Unterstützung in Notfällen zusichern. Im Notfallverbund schließen sich kulturgutbewahrende Institutionen zusammen, um sich zu vernetzen, Wissen miteinander zu teilen, sich zusammen auf Notfälle vorzubereiten und sich zu unterstützen, wenn eine Einrichtung einen Notfall, wie zum Beispiel Hochwasser, Unwetter oder Brände, nicht allein bewältigen kann.

Die Gründungsmitglieder des Verbunds sind neben dem Staatsarchiv Hamburg das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, die Deichtorhallen Hamburg, die Hamburger Kunsthalle, das MARKK – Museum am Rothenbaum, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen sowie die Stiftung Historische Museen Hamburg.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Museen, Archive und Bibliotheken bewahren die kulturellen Schätze unserer Stadt. Diese Schätze auch in Notfällen zu schützen, ist eine zentrale Aufgabe der Institutionen. Mit der Gründung des Notfallverbundes hat Hamburg jetzt einen wichtigen Schritt für den bestmöglichen Schutz der Kulturgüter gemacht, denn auch dabei gilt, dass wir gemeinsam stärker sind. Die Mitglieder des Verbunds werden sich gegenseitig unterstützen, und das nicht nur im Notfall, sondern auch beim Entwickeln von Notfallplänen oder bei gemeinsamen Übungen. So können sie im Ernstfall schnell reagieren, um unser wertvolles Kulturgut zu schützen und zu erhalten.“

Der Hamburger Notfallverbund hat verschiedene konkrete Ziele:

  • Die Mitglieder unterstützen sich schnellstmöglich in Notfällen, in denen Kulturgut betroffen ist. Sie sichern sich im Rahmen ihrer fachlichen und personellen Möglichkeiten zu, sich organisatorisch, konservatorisch, materiell, technisch und logistisch zu helfen, insbesondere dabei, betroffenes Kulturgut zu bergen und zu sichern und Ausweichdepotflächen zur Verfügung zu stellen. Dabei unterstützen sie sich bei Bedarf auch mit Personal.
  • Ein Kompetenznetzwerk zum Thema Kulturguterhalt für Hamburg soll aufgebaut werden. Der Notfallverbund ist ein einmaliges Netzwerk von Kulturgut bewahrenden Einrichtungen in der Hansestadt, in dem unterschiedliche fachliche Expertisen zusammenkommen. Der Notfallverbund stellt den Wissenstransfer zwischen den Einrichtungen sicher.
  • Standards und Routinen im Bereich der Notfallvorsorge für Kulturgut sollen gemeinsam entwickelt werden. Hierzu zählen auch regelmäßige gemeinsame Notfallübungen und die Vereinheitlichung der Notfallplanung und -vorsorge in den beteiligten Institutionen.
  • Das Thema Notfallvorsorge für Kulturgut soll auch im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. Außerdem sollen die Grundlagen für die Notfallprävention optimiert werden. Der Verbund soll Themen bündeln und gezielt Kontakte und Netzwerke mit weiteren Beteiligten wie der Feuerwehr oder dem THW aufbauen. Hierdurch sollen Synergien geschaffen und die Akzeptanz für die Notfallvorsorge für Kulturgut erhöht werden.

Der Notfallverbund beginnt ab sofort mit der gemeinsamen Arbeit. Perspektivisch können auch weitere Institutionen in öffentlicher Trägerschaft aufgenommen werden.

Bereits in zahlreichen Städten und Regionen wurden in den letzten Jahren Notfallverbünde zum Schutz des Kulturguts gegründet. Eine Übersicht gibt es hier: www.kek-spk.de/notfallverbundkarte/#/. Ziel der Verbände ist es auch, sich überregional miteinander zu vernetzen und auszutauschen (gemeinsames Portal: www.notfallverbund.de).

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#seeforfree 2024 https://www.tiefgang.net/see-for-free-2024/ Fri, 18 Oct 2024 22:45:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11263 [...]]]> Am diesjährigen Tag der Reformation öffnen 47 Museen und Ausstellungsorte ihre Türen bei freiem Eintritt – das sind mehr Häuser als in den Jahren zuvor.

Für den Aktionstag haben die Museen, Ausstellungshäuser, Lern- und Gedenkorte wieder ein umfangreiches Programm mit Führungen in verschiedenen Sprachen, Veranstaltungen für Kinder und Familien oder Mitmachaktionen zusammengestellt, um am Tag der Reformation alle Hamburgerinnen und Hamburger einzuladen und ihnen ein besonders vielfältiges Angebot zu machen. Die Bürgerschaft hatte den freien Zugang zu den Museen am Tag der Reformation beschlossen, um eine Brücke zwischen Religionen und Weltanschauungen zu schlagen und allen Menschen ein spannendes Kulturerlebnis zu ermöglichen. Das Achilles-Stiftung Glasmuseum, das FC St. Pauli Museum, das Film- und Fernsehmuseum Hamburg, das WasserForum in Rothenburgsort sowie das Woods Art Institute sind zum ersten Mal dabei.

Alle Informationen zu den teilnehmenden Häusern und dem Begleitprogramm gibt es unter www.seeforfree.de. Eine individuelle Museumstour für den Tag der Reformation kann man sich unter www.seeforfree.de/meine-tour zusammenstellen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „seeforfree 2024 wird mit freiem Eintritt in 47 Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten der bisher umfangreichste Aktionstag seit seiner Einführung werden: Fast doppelt so viele Häuser wie zum Beginn im Jahr 2018 können in diesem Jahr am 31. Oktober bei freiem Eintritt besucht werden. Das zeigt, wie erfolgreich sich die Idee von seeforfree entwickelt hat. Die Hamburger Museen und Ausstellungsorte bieten am Tag der Reformation besonders vielfältige Anlässe zum Entdecken, zum Austausch und zur Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen. Ob auf der ‚Peking‘ zurück in die Vergangenheit reisen, mit Pippi Langstrumpf die Kolonialgeschichte verstehen oder queere Blickwinkel auf die Kunstgeschichte entdecken – seeforfree bietet Inspiration und neue Perspektiven bei freiem Eintritt für alle.“

Neben den ständigen Sammlungen der Museen können auch aktuelle Sonderausstellungen wie zum Beispiel „Flowers Forever“ im Bucerius Kunst Forum, „Isa Mona Lisa“ in der Kunsthalle, „Pippis Papa“ im MARKK oder „Deutschland um 1980“ im Altonaer Museum besucht werden.

Neu dabei sind diese Häuser:

  • das Achilles-Stiftung Glasmuseum, das in Barmbek seit 2022 zeitgenössische Glaskunst präsentiert,
  • das FC St. Pauli Museum im Millerntor-Stadion, das sich mit Dauer- und Sonderausstellungen ganz der Geschichte und Gegenwart des Hamburger Fußballvereins widmet,
  • das Film- und Fernsehmuseum Hamburg, in dem spannende Ausstellungsstücke zur Geschichte des Films und des Fernsehens in Hamburg und Umgebung ausgestellt werden,
  • das WasserForum, das im ehemaligen Pumpenhaus in Rothenburgsort aus dem Jahr 1848 Norddeutschlands größte Ausstellung zur heutigen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zeigt, sowie
  • das Woods Art Institute, in dem Arbeiten aus der Sammlung Reinking zu entdecken sind, von klassischen Positionen der Gegenwartskunst bis hin zu Beiträgen der jüngsten Künstler- und Künstlerinnengeneration.

Einzigartig am Tag der Reformation ist das umfangreiche Sonderprogramm:

So bietet die Kunsthalle ein buntes Programm mit Führungen über queere Perspektiven in der Kunstgeschichte und mit verschiedenen Welcome-Führungen für Geflüchtete in verschiedenen Sprachen. In der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gibt es eine Führung für Menschen mit Lernschwierigkeiten in einfacher Sprache und das WasserForum hat ein vielfältiges Programm für Kinder und Familien. Auch das Deutsche Hafenmuseum spricht insbesondere Familien mit einem Programm unter dem Motto „Genuss im Hafen“ an. Im Museum der Arbeit gibt es viele Vorführungen, Mitmachaktionen und Führungen durch die Sonderausstellung „Dein Paket ist da. Shoppen auf Bestellung“, das Universitätsmuseum bietet Formate wie „Fakt oder Fiktion?“, „Campus Schnipseljagd“ und „Beats, Rhymes & History“. Im Woods Art Institute gibt es Führungen, kreative Mitmachformate und Blicke hinter die Kulissen.

Neben Führungen auf Deutsch werden Führungen auf Englisch, Spanisch, Arabisch, Farsi, Ukrainisch, Russisch, Plattdeutsch und in Deutscher Gebärdensprache angeboten.

Seit dem Bürgerschaftsbeschluss aus dem Jahre 2018 bieten die staatlichen Museen in Hamburg am Tag der Reformation grundsätzlich kostenfreien Eintritt an. Der Feiertag soll somit dazu dienen, gesellschaftlichen Debatten nachzuspüren und in den gemeinsamen Austausch zu treten. In den letzten Jahren haben sich immer mehr private Museen der Initiative angeschlossen.

Der Museumsdienst Hamburg koordiniert im Auftrag der Behörde für Kultur und Medien diesen Aktionstag.

Folgende Museen bieten am Tag der Reformation freien Eintritt:

  • Altonaer Museum
  • Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg
  • Bargheer Museum
  • Bergedorf Museum
  • Bucerius Kunst Forum
  • Computer-Museum der Universität Hamburg
  • Deichtorhallen Hamburg
  • denk.mal Hannoverscher Bahnhof
  • Deutsches Hafenmuseum (im Aufbau) – Standort Schuppen 50A
  • Deutsches Zollmuseum
  • Deutsches Zusatzstoffmuseum
  • FC St. Pauli Museum
  • Film- und Fernsehmuseum Hamburg
  • Freilichtmuseum Rieck Haus
  • Gedenkstätte Bullenhuser Damm
  • Gedenkstätte Fuhlsbüttel
  • Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel
  • Gefängnismuseum Hamburg
  • Geschichtsort Stadthaus
  • Gipsabgusssammlung der Universität Hamburg
  • Hamburger Genossenschafts-Museum
  • Hamburger Kunsthalle
  • Hamburger Schulmuseum
  • Helmut-Schmidt-Forum
  • HSV-Museum
  • Informationszentrum Energieberg Georgswerder
  • Jenisch Haus
  • KomponistenQuartier Hamburg
  • Kunsthaus Hamburg
  • Kunstverein Harburger Bahnhof
  • Kunstverein in Hamburg
  • KZ-Gedenkstätte Neuengamme
  • Medizinhistorisches Museum Hamburg
  • MONTBLANC HAUS
  • Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK)
  • Museum der Arbeit
  • Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Museum Mahnmal St. Nikolai
  • Retro Spiele Club
  • Sammlung Falckenberg
  • Stiftung Hamburg Maritim
  • Universitätsmuseum Hamburg
  • vor—gänge. museum für alternative stadt
  • WasserForum
  • Woods Art Institute
  • Zaubermuseum Bellachini

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Tanz im Dialog https://www.tiefgang.net/tanz-im-dialog/ Fri, 09 Aug 2024 22:56:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11087 [...]]]> Tanz im Dialog mit Bildender Kunst: ein ganztägiger Performance-Parcours lädt in alle sechs Häusern der Hamburger Kunstmeile.

Auf Einladung der Kunstmeile Hamburg kuratiert Saïdo Lehlouh, einer der aktuell spannendsten Choreografen und Performancekünstler Europas, am Samstag, 17. August 2024 einen ganztägigen Tanzparcours in allen sechs Ausstellungshäusern der Kunstmeile im Zusammenspiel mit dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel. Lehlou ist bekannt für seine virtuosen und ästhetisch intensiven Choreografien, die auf der Hip-Hop Kultur fußen und in die Zukunft des zeitgenössischen Tanzes weisen.

Ausgehend von seiner kollektiven Arbeitspraxis lädt die Kunstmeile Lehlouh und weitere zwölf namhafte Künstler*innen und Choreograf*innen ein, individuelle Tanz- und Performance-Arbeiten zum Thema CORE zu erarbeiten und in den Institutionen der Kunstmeile in Ihren jeweiligen Sammlungen und aktuellen Ausstellungen zu präsentieren.

So zieht Lehlouh eine vielfältige choreografische Verbindungslinie zwischen den sechs Häusern mit ihren künstlerischen Präsentationen und dem die Kunstmeile umgebenden Stadtraum, die im Dialog mit anderen ästhetischen Formen neue Möglichkeiten der Begegnung schafft.
Dieser Kunstmeilen-Parcours mit zahlreichen zum Teil zeitgleich stattfinden Performances führt durch die gesamte Hamburger Innenstadt, beginnend um 11 Uhr in der Hamburger Kunsthalle, und wandert dann über das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Kunsthaus Hamburg, den Kunstverein in Hamburg, die Deichtorhallen Hamburg, das Bucerius Kunst Forum bis zum großen Abschluss auf dem Rathausmarkt. Das Programm erstreckt sich über einen ganzen Tag und endet in einer großen fulminanten Abschlusschoreografie um 19 Uhr mit über 100 Performer*innen auf dem Rathausmarkt.
Es gibt einen Einblick über eine vielfältige europäische Szene, die neue, häufig genresprengende Impulse für den zeitgenössischen Tanz liefert. Der Eintritt zu allen Perfomances in den Häusern der Kunstmeile ist frei. Ein zeitlicher Ein- und Ausstieg in die Performances ist jederzeit möglich (Programm siehe unten). In den
jeweiligen Häusern ist der Performance-Ort ausgeschildert.
Nähere Infos zu den einzelnen Performances, Orten und Uhrzeiten: kunstmeile-hamburg.de/saido-lehlouh

Ablauf
Hamburger Kunsthalle: Ndoho Ange & Sophye Soliveau, 11:00 & 17:00 Uhr
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: Mackenzy Bergile – AUTOTHÉRAPIE, 13:00 / 14:00 / 15:00 / 16:00 / 17:00 / 18:00 Uhr
Kunsthaus Hamburg: Linda Hayford & Marina de Remeiros – PROCESSING, 14:00 & 16:00 Uhr
Kunstverein in Hamburg: Johanna Faye & Karim Khouader – DRINK THE SEA INSIDE OF ME, 13:00 & 15:00 Uhr
Kunstverein in Hamburg: Israel Galván & Mathias Rassin, 13:45 & 15:45 Uhr
Deichtorhallen Hamburg: Johanna Faye & Saïdo Lehlouh – EARTHBOUND, 14:30 Uhr
Bucerius Kunst Forum: Kaê Brown Carvalho & Jerson Diasonama – JOGO DE DENTRO 16:00 & 18:00 Uhr
Rathausmarkt: Saïdo Lehlouh – FACE TO FACE (Abschlusschoreografie mit über 100 Performer*innen), 19:00 Uhr

Saïdo Lehlouh aka Darwin

Mitte der 90er Jahre verblüffte der von der Pariser B-Boy-Szene entwickelte Stil die Welt mit einer neuen Vision des Breakdance. Als Saïdo Lehlouh Teil dieser Szene wird, zeichnet er sich vor allen durch seine flüssigen Bewegungen und seine besondere katzenhafte Raffinesse aus. Seine Erfahrung als Breaker in der Bad Trip Crew prägt die Aufrichtigkeit seiner Gesten. Indem er den Boden durch Berührungen zähmt, baut Saïdo Lehlouh kontinuierlich ein körperliches Vokabular auf, das auf die Bedürfnisse des Augenblicks reagiert. Er tanzte bei der berühmten Bad Trip Crew und gehört zum Leitungsteam des Centre choregraphique national de Rennes et de Bretagne, dem collectif FAIR-E. Zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 kreiert der Choreograf Lehlouh im Rahmen der Kulturolympiade eine noch nie dagewesene Show auf der Bühne der prestigeträchtigen Opéra Garnier. Dem Hamburger Publikum ist er durch mehrere Auftritte auf Kampnagel bekannt. Nur wenige Tage vor dem Kunstmeilen-Auftritt ist sein Werk TÈMOIN dort im Rahmen des Sommerfestivals zu erleben.

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Mehr als eine Million Besucher*innen https://www.tiefgang.net/mehr-als-eine-million-besucherinnen/ Fri, 16 Feb 2024 23:25:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10590 [...]]]> Für die einen völlig überfüllt, für die anderen ein anständiger Erfolg: die Hamburger Kunstmeile hat 2023 übe reine Millionen Besuchende gehabt …

Mehr als eine Million Besucher*innen nutzten im Jahr 2023 die Gelegenheit, die Ausstellungen in den fünf beteiligten Häuser der Kunstmeile Hamburg zu erleben. Der Verbund aus Bucerius Kunst Forum, Deichtorhallen Hamburg Hamburger Kunsthalle, Kunstverein in Hamburg und Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg konnte damit im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Besucher*innenzuwachs verzeichnen.
Die Ausstellungen 2024 versprechen wieder eine spannende Bandbreite von Kunstwerken, die von renommierten Künstler*innen bis zu aufstrebenden Talenten reichen, von klassischer Malerei über zeitgenössische Installationen bis hin zu fesselnden Fotografien bieten die Häuser der Kunstmeile ein breites Spektrum an künstlerischem Schaffen.

Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg und derzeitiger Geschäftsführer der Kunstmeile, ist zufrieden mit diesem Ergebnis: „Das letzte Jahr war eines der besten Jahre für die Kunstmeile. Alle fünf Häuser haben viel Zuspruch erfahren, nicht zuletzt wegen der zahlreichen großen, wichtigen und qualitätvollen Ausstellungen im Jahr 2023/24. Die Zusammenarbeit der fünf Häuser ist in jeder Hinsicht eine Bereicherung nicht nur für die Besucher*innen, sondern hilft auch sehr, Hamburg weiterhin als Kunst- und Kulturstandort auf der internationalen Landkarte auszubauen.“
 
Auch Dr. Kathrin Baumstark, Direktorin des Bucerius Kunst Forums, zeigt sich erfreut: „Das erfolgreiche Ausstellungsjahr 2023 für die Häuser der Kunstmeile hat gezeigt, dass die Menschen Lust haben, Kunst zu erleben, sich mit neuen künstlerischen und damit verbunden gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Nach herausfordernden Jahren für die Kultur blicken wir sehr zufrieden auf die Vielseitigkeit der vergangenen Ausstellungen und freuen uns, auch nach wie vor das breite Kulturangebot Hamburgs mit der Kunstmeile feiern zu können.“

Im Jahr 2024 können sich die Besucher*innen auf historische und zeitgenössische Kunst sowie auf vielfältige und gesellschaftlich aktuelle Themen freuen – vom Europa des 19. Jahrhunderts über Bestandsaufnahmen des menschlichen Verhaltens im Hier und Jetzt bis hin zu Zukunftsfragen in Zeiten des Klimawandels und gesellschaftlicher Umbrüche.

Das Schaffen der niedersächsischen Künstlerin Silke Otto-Knapp (1970–2022) wird vom 27. Januar bis zum 14. April 2024 in der Schau „Bühnenbilder“ im Kunstverein in Hamburg gezeigt. Seit Mitte der 1990er befasste sich Otto-Knapp in ihrer Malerei mit Schauspiel und Tanz mit Fokus auf ritualisierte Formen des Zusammenkommens auf der Bühne. Im Zentrum der Ausstellung steht Otto-Knapps Werkzyklus Versammlung (2022), der zu Lebzeiten von der Künstlerin für den Kunstverein in Hamburg entstand.

Die Ausstellung „Water Pressure. Gestaltung für die Zukunft“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vom 15. März bis zum 13. Oktober 2024 präsentiert Gestaltungsideen, die das Potenzial haben, unsere Zukunft radikal zu ändern. Die innovativen Arbeiten aus den Bereichen Design, Architektur, Kunst und Wissenschaft gehen vielfach auf Prinzipien der Natur zurück und eröffnen so neue Wege aus der aktuellen Lage.

Die Deichtorhallen Hamburg realisieren vom 18. Mai bis zum 3. November 2024 das visionäre Ausstellungsprojekt „Survival in the 21. Century”, das mit künstlerischen Mitteln danach fragt, wie der Mensch im 21. Jahrhundert leben wird. Die Grundfragen menschlicher Existenz und die radikalen Brüche, die uns bevorstehen, werden reflektiert: der Klimawandel, die digitale Revolution, die wachsende Ungerechtigkeit im nationalen und globalen Maßstab, die Krise der Demokratie, die Frage von Gemeinschaft.

Die Hamburger Kunsthalle präsentiert vom 14. Juni bis 8. September 2024 mit „William Blakes Universum“ das erstaunliche Œuvre des englischen Zeichners und Graphikers William Blake (1757–1827). Die Schau zeigt das um 1800 vor dem Hintergrund von Revolution und Krieg in Europa, von Sklaverei in den europäischen Kolonien und von der Unterdrückung im heimischen Großbritannien geschaffene Werk und setzt es in Bezug zu ausgewählten Arbeiten europäischer Zeitgenossen.

Im Bucerius Kunst Forum wird vom 15. Juni bis 22. September 2024 das Werk des berühmten Fotografen und Mitbegründer der Fotoagentur Magnum Henri Cartier-Bresson ausgestellt. In verschiedenen Kapiteln werden neben den frühen, surrealistisch geprägten Aufnahmen und Filmarbeiten sowie den Fotoreportagen auch Cartier-Bressons Porträts bekannter Künstler*innen und Schriftsteller*innen gezeigt, ebenso wie seine späteren Fotografien, in denen der Fokus auf dem menschlichen Alltagsverhalten liegt.

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Ab Dienstag öffnen staatliche Museen und Ausstellungshäuser https://www.tiefgang.net/ab-dienstag-oeffnen-staatliche-museen-und-ausstellungshaeuser/ Fri, 14 May 2021 22:31:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7924 [...]]]> Auf und zu und … am Dienstag, dem 18. Mai, öffnen die staatlichen Hamburger Museen und Ausstellungshäuser.

Die Öffnung der Museen und Ausstellungshäuser zählt zu den ersten Öffnungsschritten, die der Senat kürzlich beschlossen hatte. Mit umfassenden Hygienekonzepten, Test- oder Impfnachweisen, Kontaktnachverfolgung und klugem Einlassmanagement wird sichergestellt, dass der Museumsbesuch ein sicheres Kulturerlebnis wird. Um Wartezeiten zu vermeiden, wird eine Terminbuchung empfohlen. Besucherinnen und Besucher können sich ab Montag, 17. Mai 2021, telefonisch oder online über die Websites der Museen und Ausstellungshäuser anmelden.

Private Museen und Ausstellungshäuser legen ihre Eröffnungstermine individuell fest. Außerdem dürfen Galerien ab dem 17. Mai 2021 wieder öffnen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es ist ein wichtiges Signal, dass in Hamburg die Museen zu den ersten Orten gehören, die wieder geöffnet werden. Die lange Schließzeit hat Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Miteinander. Deshalb bin ich sehr froh, dass das Infektionsgeschehen nun erste Öffnungen möglich macht. Die Museen und Ausstellungshäuser erfüllen alle Voraussetzungen, um den Besuch zu einem sicheren Kulturerlebnis zu machen. Sie haben einmal mehr Motivation und Durchhaltevermögen bewiesen, indem sie unter großen Anstrengungen den Betrieb am Laufen gehalten haben, um so schnell es geht wieder zu öffnen und ihren Besucherinnen und Besuchern ein attraktives Ausstellungsprogramm zu bieten. Es wird Zeit, dass Kunst und Kultur und mit ihnen Inspiration und Irritation wieder Einzug in unseren Alltag halten.“

Regeln für den Besuch von Museen und Ausstellungshäusern

Alle Museen und Ausstellungshäuser haben umfassende Hygienekonzepte. Neu ist, dass Besucherinnen und Besucher einen negativen Coronatest (PCR: nicht älter als 48 Stunden oder Schnelltest: nicht älter als 12 Stunden) oder einen Impfnachweis vorlegen müssen. Kinder unter sechs Jahren sind davon ausgenommen.

Die Museen und Ausstellungshäuser stellen nach wie vor die Kontaktnachverfolgung sicher. Das ist nun zusätzlich auch per App (zum Beispiel Luca) möglich. Es gelten die bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Besucherinnen und Besucher müssen medizinische Masken tragen. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher wird – je nach Größe der Fläche – begrenzt.

Unter anderem folgende Häuser öffnen ab Dienstag, 18. Mai 2021 ihre Türen (weitere werden folgen – bitte jeweils auf den Websites der Museen aktuell informieren): Altonaer Museum (SHMH), Archäologisches Museum Hamburg / Stadtmuseum Harburg, Deichtorhallen Hamburg, Hamburger Kunsthalle, Jenisch Haus (SHMH), KZ-Gedenkstätte Neuengamme (SHGL), Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK), Museum der Arbeit (SHMH), Museum für Hamburgische Geschichte (SHMH), Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte (SHGL), Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH)

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Ende einer langen Reise https://www.tiefgang.net/ende-einer-langen-reise/ Fri, 11 Oct 2019 22:35:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5936 [...]]]> Die Kolonialzeit hat ihre Spuren hinterlassen. Eine davon wurde nun an ihre Heimat zurück gegeben. Endlich.

 In der Pressemitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Am 8. Oktober gab das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) ein Wandpaneel aus Marmor an die Islamische Republik Afghanistan zurück. Abdul Jabar Ariyaee, Geschäftsträger der Afghanischen Botschaft in Berlin, nahm das Paneel in Hamburg in Empfang. Damit ist das MKG eines der ersten deutschen Museen, das ein Kunstwerk nach Afghanistan zurückgibt. Über die Prüfung von Fragen zum Kunstraub im Nationalsozialismus und kolonialen Sammlungen hinaus befasst sich das MKG auch verstärkt mit jüngeren Erwerbungen. Die erforschte Zugangsgeschichte und die sich daraus ergebende Rückgabe des Paneels machen die Verantwortung der Museen und des internationalen Kunsthandels und ihren Umgang mit Objekten aus Raubgrabungen einmal mehr deutlich.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Hamburg: „Viel zu lange wurden die Augen vor den Herkunftsgeschichten von Kulturgütern verschlossen. Auf unterschiedlichsten Ebenen stellen wir uns derzeit der wichtigen Aufgabe, die Herkunft unserer Sammlungen und gegebenenfalls die Rückgabe zu regeln. Dank dieses dringend notwendigen Bewusstseinswandels und der intensiven Provenienzforschung in den Häusern kann nun auch das historische Marmorpaneel aus dem MKG an Afghanistan zurückgegeben werden. Ich danke dem MKG für den kritischen Blick auf die eigene Sammlung. Mit der Rückgabe an Afghanistan erhalten die dort lebenden Menschen wieder Zugang zu diesem Objekt, das zu ihrem kulturellen Erbe gehört.“

Prof. Tulga Beyerle, Direktorin des MKG: „Dass sich ein Museum, konkret das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, zu seinen Fehlern öffentlich bekennt, halte ich für einen wichtigen Schritt. Meine Vorgängerin Dr. Sabine Schulze hat damit einen Maßstab im Umgang mit Raubkunst gesetzt. Denn es geht nicht nur um die sorgfältige Provenienzforschung und die potentielle Rückgabe von Kunstgut, welches schon lange im Bestand ist, sondern auch um das Eingeständnis, selbst bei kürzlich angekauften Objekten Fehler gemacht zu haben, und um die Bereitschaft, diese zu korrigieren.“

Mohammad Fahim Rahimi, Direktor des Afghanischen Nationalmuseums Kabul: „Tausende bewegliche Artefakte wurden sowohl aus Ghazni wie aus dem Nationalmuseum Afghanistans geraubt, insbesondere die weißen Marmorplatten aus dem Palast Mas’uds III. Wir freuen uns darauf, das Paneel aus Hamburg bald wieder in unserer Sammlung zu haben. Daher möchte ich meine Dankbarkeit gegenüber dem MKG für die Unterstützung bei dieser Rückgabe zum Ausdruck bringen. Ich appelliere an andere Museen und Privatsammlungen, uns bei der Rückholung geraubter Kunstgegenstände aus Afghanistan behilflich zu sein.“

Das Paneel gehört zu einem 78-teiligen Fries aus dem 12. Jahrhundert, der aus dem Innenhof des Königspalastes von Sultan Mas’ud III. in der Stadt Ghazni stammt. Ende der 1970er Jahre wurde das Paneel aus dem dortigen Rawza Museum of Islamic Art geraubt. Nach Jahren der Recherche, unterstützt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Hamburg und der Sapienza Universitá di Roma, sowie der intensiven Zusammenarbeit deutscher und afghanischer Behörden, kann das Paneel nun seinen rechtmäßigen Eigentümerinnen und Eigentümern übergeben werden. Vorerst soll es im Afghanischen Nationalmuseum in Kabul aufbewahrt werden. Mit dessen Museumsdirektor, Mohammad Fahim Rahimi, steht das MKG in vertrauensvollem Kontakt. Seit November 2018 ist das Paneel in der Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG“ zu sehen: Halb verpackt steht es in einer Transportkiste zur Rückgabe bereit. Die recherchierte Verlust- und Erwerbungsgeschichte des Paneels hat das MKG im vierten Band seiner „Raubkunst?“-Reihe veröffentlicht.

2013 hatte das MKG das Marmorpaneel gutgläubig auf einer Auktion in Paris erworben. Nachdem die Provenienz zunächst unbedenklich erschien, stellte sich bei der Bearbeitung des Objektes heraus, dass es sich um Raubgut aus dem Rawza Museum of Islamic Art in Ghazni handelt. Das Paneel konnte einer Ausgrabung zugeordnet werden, die afghanische und italienische Archäologinnen  und Archäologen von 1957 bis 1966 durchführten. Die Grabungsfunde wurden damals dem Rawza Museum of Islamic Art in Ghazni übergeben und sind dort als Museumsbestand dokumentiert. In Folge der Destabilisierung Afghanistans 1978 und dem Einmarsch der Sowjetarmee 1979 kam es zu einer Auslagerung der Museumssammlung. Währenddessen ist das Paneel, das sich zurzeit noch im MKG befindet, gestohlen oder verbracht worden und tauchte Anfang der 1990er Jahre im Pariser Kunsthandel auf. Viele internationale Museen besitzen Objekte aus Afghanistan, die ebenfalls aus diesen Ausgrabungen in Ghazni stammen.

Seit 2014 bemüht sich das MKG unter Einschaltung des Kulturgutschutzes und des Auswärtigen Amtes um die Rückgabe des Paneels. Im Sommer 2018 kam es zu einem ersten Gespräch zwischen dem MKG, Vertreterinnen und Vertretern der afghanischen Botschaft in Berlin und deutschen Behörden. Nun kann das MKG als erstes deutsches Museum ein Objekt nach Afghanistan zurückgeben. Bereits 2006 restituierte das Pariser Musée Guimet Stücke an das Afghanische National-museum. Im Juli 2019 kündigte das British Museum die Rückgabe von Buddha-Skulpturen an, die vermutlich durch die Taliban in den Kunsthandel gebracht wurden und 2002 an einem Londoner Flughafen beschlagnahmt wurden.

Publikation: „Raubkunst? Ein Marmorpaneel aus dem afghanischen Königspalast in Ghazni in der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg“, hrsg. von Sabine Schulze und Silke Reuther, mit Beiträgen von Julio Bendezu-Sarmiento, Claus-Peter Haase, Stefan Heidemann, Frank Hildebrandt, Tobias Mörike, Mohammad Fahim Rahimi, Silke Reuther und Sabine Schulze, mit Illustrationen von Moshtari Hilal, 84 Seiten, mit ca. 85 Abbildungen, ISBN 978-3-923859887, 9,90 Euro“

Quelle: www.hamburg.de/bkm 

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Die geklaute Kunst https://www.tiefgang.net/die-geklaute-kunst/ Fri, 02 Mar 2018 23:58:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3181 [...]]]> Mächtig was los rund ums Museum für Kunst und Gewerbe. Zum einen ist es zum Vorreiter geworden, wenn es um die Aufarbeitung seines postkolonialen Vermächtnisses angeht. Zum anderen steht ihm Ende des Jahres ein Führungswechsel bevor.  

Unter dem Titel „Raubkunst? Die Bronzen aus Benin“ eröffnete das Museum in der Nähe des Hauptbahnhofs nun eine Ausstellung, die sich ausführlich mit der Provenienzforschung beschäftigt.

Die Behörde für Kultur und Medien Hamburg teilte dazu kürzlich mit:

„Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat die Herkunftsgeschichte der drei Benin-Bronzen aus seiner Sammlung erforscht und die Rolle des Gründungsdirektors Justus Brinckmann in diesem Zusammenhang offengelegt. Die Ergebnisse präsentiert das MKG ab dem 16. Februar 2018 im Rahmen der Ausstellung Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG und in einer begleitenden Publikation.

Die amtierende Direktorin Sabine Schulze: „Museen müssen lernen“. (Foto: Marcelo Hernandez)

Dass es sich bei den Bronzen um Raubkunst handelt, steht heute außer Frage. Britische Truppen beschlagnahmten sie 1897 zusammen mit anderen Objekten im Königspalast von Benin und verbrachten sie nach Europa. Justus Brinckmann erkannte die künstlerische Kraft und Präzision der Einzelstücke sofort. Als erster deutscher Museumsdirektor erwarb er Bronzen und setzte durch Vorträge und Veröffentlichungen eine intensive Erforschung der Benin-Kunst in Gang. Brinckmanns Begeisterung weckte auch das Interesse anderer Museen und löste einen regen, von Hamburg ausgehenden Handel aus. In der Hafenstadt Hamburg mit den in Afrika verankerten Handelsfirmen saß Brinckmann an zentraler Stelle und trat als Vermittler auf. Von den rund 50 Bronzen, die durch seine Hände gingen, blieben drei im MKG. Ein großer Teil wurde in die Sammlung des Museums für Völkerkunde Hamburg abgegeben, anderes war zum Weiterverkauf bestimmt.

Raubkunst auch online käuflich. (Bild: ebay)

Für das eigene Haus hatte Brinckmann wenige Objekte vorgesehen, die einen beispielhaften handwerklichen und künstlerischen Umgang mit dem Material Bronze veranschaulichen sollten. Da die Sammlung des MKG auch zu Lehrzwecken der im Museum ansässigen Kunstgewerbeschule genutzt wurde, hatte die kunsthandwerkliche Qualität der Objekte oberste Priorität. Mit dem Auszug der Kunstgewerbeschule Anfang des 20. Jahrhunderts ging diese didaktische Anbindung jedoch verloren. Es gibt heute keinerlei Hinweis darauf, ob und wie die Bronzen damals ausgestellt waren. Zuletzt waren sie 2010 in der Epochen und Kulturen übergreifenden Sammlungspräsentation Body & Soul zu sehen und 2012 als Gäste in der neu aufgestellten Antiken-Sammlung einbezogen.

In der Kultur ihres Heimatlandes, dem Königreich Benin in Nigeria, werden sie nicht nur als Kunstwerke angesehen, sondern haben eine identitätsstiftende Bedeutung. Dieser Umstand verlangt nach einer angemessenen Würdigung ihrer ursprünglichen Bestimmung, die das Museum für Völkerkunde Hamburg im Kontext seiner Sammlungen besser leisten kann. Deshalb werden sie im Anschluss an ihre Präsentation im Rahmen der Raubkunst?-Ausstellung im MKG an das Museum für Völkerkunde Hamburg übergeben, das vor dem Hintergrund seiner umfangreichen Sammlung afrikanischer Kulturgüter und seiner ausgewiesenen Kompetenz den notwendigen Zusammenhang für die weitere Erforschung der Herkunftsgeschichte und den transnationalen Austausch mit Nigeria und dem Königshaus bietet.

„Größter kolonialer Kunstraub“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es ist sinnvoll und wichtig, dass die Provenienzforschung auf Objekte ausgeweitet wird, die in der Kolonialzeit erworben wurden. Als bedeutende Hafen- und Handelsstadt profitierte Hamburg jahrhundertelang von der europäischen Expansion nach Übersee und entwickelte sich schließlich zur Kolonialmetropole des deutschen Kaiserreichs. Auch im Zusammenhang mit einem der wohl größten Kunstraube der Kolonialgeschichte – der Plünderung des Königspalasts von Benin-City 1897 durch die britische Kolonialarmee – kommt Hamburg als Drehscheibe des internationalen (Kunst-)Handels eine zentrale Rolle zu. Die vom MKG erforschten Objektbiografien veranschaulichen die Komplexität der kolonialen Verflechtungsgeschichte, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.“

„Museen werden lernen müssen“

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Die besondere künstlerische Qualität der Bronzen aus Benin hat Brinckmann treffend eingeschätzt, in Publikationen und Vorträgen hat er die Kenntnis der Bildwerke in Europa verbreitet und damit auch die anhaltende Wertschätzung dieser Kunstwerke mit etabliert. Durch diese Leistung des Gründungsdirektors bleiben die drei Objekte in der Geschichte des Museums verankert, auch wenn wir sie jetzt an die ethnologische Sammlung übergeben. Nicht alles, was wir schätzen und interpretierend in unseren kulturellen Horizont aufnehmen, müssen wir auch physisch besitzen. Museen werden in Zukunft lernen müssen, sich von Beständen zu trennen, denen sie in der Gegenwart nicht mehr gerecht werden.“

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des Museums für Völkerkunde Hamburg: „Wir haben in Hamburg heute die Chance, eine Vorreiterrolle im Umgang mit dem schwierigen Erbe der Benin-Kunstschätze einzunehmen. Damit könnten wir das Vermächtnis Justus Brinckmanns, als jenem, der die Initialzündung zum Forschungs- und Sammelinteresse im deutschsprachigen Raum gegeben hat, in eine neue Richtung lenken und Schritte zur Verständigung einleiten. Ich freue mich, diesen Prozess im Auftrag der Stadt aktiv anzugehen und zu lenken.“

Tulga Beyerle kommt

Und nun steht fest, dass Tulga Beyerle zum 1. Dezember 2018 die neue Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg wird und somit die Nachfolge von Prof. Dr. Sabine Schulze antritt, die ihre eigentlich beendet Amtszeit noch mal um ein halbes verlängerte. Tulga Beyerle ist zur Zeit noch   Direktorin des Dresdner Kunstgewerbemuseums. Hierzu verkündete die Behörde für Kultur und Medien:

Tulga Beyerle (Bild: Katharina Gossow)

„Der Stiftungsrat des Museums für Kunst und Gewerbe unter Vorsitz von Senator Dr. Carsten Brosda hat beschlossen, Tulga Beyerle zum 1. Dezember 2018 die künstlerische und wissenschaftliche Leitung des Museums für Kunst und Gewerbe zu übertragen. Beyerle ist seit 2014 Direktorin des Dresdner Kunstgewerbemuseums, Schloss Pillnitz, einem der renommiertesten Kunstgewerbemuseen Deutschlands. Um einen guten Übergang zu gewährleisten, verlängert die derzeitige Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, Prof. Dr. Sabine Schulze, ihren Anstellungsvertrag noch einmal um sechs Monate bis 30. November 2018.

„Erfahren und innovativ“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Tulga Beyerle übernimmt eine erfahrene und zugleich innovative Museumsdirektorin die Leitung des Museums für Kunst und Gewerbe. Sie ist international anerkannt und steht für eine moderne und attraktive Museumsentwicklung. Als Direktorin des Kunstgewerbemuseums Dresden ist es ihr gelungen, dem Haus zu neuem Glanz zu verhelfen und es innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gut zu platzieren. Mit Tulga Beyerle haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die das Museum für Kunst und Gewerbe und die großartige Entwicklung, die das Haus in den letzten Jahren genommen hat, mit neuen Impulsen bereichern wird. Ich danke auch Prof. Dr. Sabine Schulze, dass sie das Haus ein weiteres halbes Jahr führen wird, um so einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.“

„Großartig aufgestelltes Haus“

Tulga Beyerle: „Prof. Dr. Sabine Schulze hinterlässt ein großartig aufgestelltes Haus, das sich in den Jahren ihrer Leitung einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. In diese Fußstapfen zu treten ist eine Herausforderung, aber auch eine große Freude und Ehre. In den letzten vier Jahren konnte ich am Kunstgewerbemuseum in Dresden, unterstützt durch den Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und mit einem großartigen Team, die Sammlung neu erschließen und ihr Aktualität und Sichtbarkeit geben. In Hamburg stellen sich, aufbauend auf der erfolgreichen bisherigen Linie, neue Aufgaben, wie zum Beispiel das Haus durchlässiger zu machen, sich lokal bis international zu vernetzen, die Forschung zu stärken. Das Museum für Kunst und Gewerbe ist mit Sicherheit das lebendigste und mit seiner Sammlung wahrscheinlich das spannendste Haus für angewandte Kunst in Deutschland und weit darüber hinaus. Dazu beizutragen, dass zentrale Themen unserer Gegenwart und Zukunft in Hamburg diskutiert werden und das Museum in dieser Diskussion führend ist, ist mein langfristiges Ziel. Das Thema ist letztlich die Gestaltung unserer Welt. In diesem Sinne trägt das Museum für Kunst und Gewerbe eine hohe Verantwortung und ist von großer Relevanz.“

Prof. Dr. Sabine Schulze: „Ich freue mich sehr über diese Wahl. Tulga Beyerle war immer meine Wunschkandidatin! Ihr Engagement für zeitgenössische Gestaltung bewundere ich, ihre Begeisterung ist ansteckend. Sie wird das Museum für Kunst und Gewerbe in eine gute Zukunft führen.“

Tulga Beyerle ist seit 2014 Direktorin des Kunstgewerbemuseums Dresden, Schloss Pillnitz, und zugleich Mitglied der Geschäftsführung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, einem der führenden Museumsverbunde Deutschlands. 2006 gründete sie die Vienna Design Week und war bis 2013 eine ihrer Leiterinnen. Zuvor war sie als selbstständige Kuratorin in Wien und Glasgow erfolgreich tätig.

Diskurs auf hohem Niveau

Ihre derzeitige Wirkungsstätte, das Dresdner Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, ist Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Museum verfügt über eine hochkarätige Sammlung und ist eines der ältesten Kunstgewerbemuseen Deutschlands. Es entstand, ebenso wie das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, ursprünglich in Verbindung mit einer Schule. Dieser programmatische Gründungsgedanke, sich durch Inspiration für die beste Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft einzusetzen, ist auch das zentrale Anliegen Tulga Beyerles, die das Museum als Möglichkeitsraum und Plattform für Diskurs und Verhandlung, möglichst ohne Schwellen, aber auf höchstem Niveau verstanden wissen möchte.

Gelernte Tischlerin

Tulga Beyerle wurde 1964 in Wien geboren. Nach einer mit Gesellenprüfung abgeschlossenen Tischlerlehre studierte sie Industrial Design in Wien und unterrichtete an der dortigen Universität für angewandte Kunst im Anschluss für rund sieben Jahre Designgeschichte und Theorie. Tulga Beyerle verfügt über hervorragende nationale wie internationale Beziehungen. Sie ist unter anderem Beiratsmitglied des Bundeskanzleramts für Kunst und Kultur in Österreich und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Mudac, dem Museum für angewandte Kunst in Lausanne.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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