Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr https://www.tiefgang.net Wed, 22 Apr 2020 08:03:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Zwischen Coronakrise und Jubiläum https://www.tiefgang.net/zwischen-coronakrise-und-jubilaeum/ Fri, 24 Apr 2020 22:00:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6809 [...]]]> In diesem Jahr wollte die Kunststätte Bossard eigentlich ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Daraus wird nun nichts.

Jesteburg. Hierfür waren ein besonderes Jubiläumsprogramm mit einem Jubiläumsauftakt sowie ein Jubiläumsfest, Marktwochenenden wie „Künstler.Garten.Kunst.“ oder „Land.Lust.Lecker.“, einem Museumssonntag, verschiedenen Kreativkursen und vieles mehr geplant. Da das Land Niedersachsen alle Großveranstaltungen bis Ende August 2020 abgesagt hat, müssen auch einige große Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr ausfallen.

Großveranstaltungen werden bis Ende August und kleinere Veranstaltungen bis zum 3. Mai 2020 abgesagt . „Die Coronakrise trifft unser kleines Museum sehr hart, aber die Gesundheit und der Schutz unserer Besucher und Mitwirkenden hat höchste Priorität. Unter diesen Umständen können wir unser Jubiläumsjahr leider nicht wie geplant stattfinden lassen“, so Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr. Die Kunststätte sagt in der Folge nun alle größeren Veranstaltungen, bei welchen mehrere Hundert bis Tausend Besucher erwartet wurden, bis zum 31. August 2020 ab. Davon sind am 9. und 10. Mai der Pflanzen- und Gartenkunstmarkt „Künstler.Garten.Kunst.“, am 17. Mai der Museumssonntag „Oskar Kokoschka, Reisestationen“, am 6. Juni die Veranstaltung „Gut vorgesorgt!“, am 21. Juni der Kulinarische Markt „Land.Lust.Lecker.“ sowie der Jazz-Frühschoppen des Freundeskreises ebenfalls am 21. Juni betroffen. Museumsleiterin Mayr bedauert: „Es ist schmerzlich, dass wir in Folge der Krise nun allen Künstlern, Ausstellern und Mitwirkenden absagen müssen. Wir wissen, wie viele Existenzen hiervon abhängen. Unser Team befindet sich gerade in der Planung, welche Veranstaltungen eventuell in das nächste Jahr verlegt werden können.“ Kleinere Veranstaltungen wie Führungen, Vorführungen, Kreativkurse werden erst einmal bis zum 3. Mai abgesagt. Bis dahin bleibt auch das Museum vorerst geschlossen. „Wir werden in den folgenden Wochen sehr genau beobachten, welche Veranstaltungen vertretbar sind und uns hierbei natürlich auf Experten Rat und die Verordnungen des Landes Niedersachsen beziehen“, sagt Mayr. Aktuelle Informationen hierzu sind auf der Homepage des Museums www.bossard.de zu finden.

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„Bossard neu denken“ https://www.tiefgang.net/bossard-neu-denken/ Fri, 29 Nov 2019 23:14:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6115 [...]]]> Mitte November kam die frohe Kunde: der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte über 5 Mio. Euro für den Ausbau der Kunststätte Bossard in Jesteburg. Und das ist nicht alles …

Am Donnerstag, dem 14.11.2019, kam die sensationelle Nachricht: Der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte für die Kunststätte Bossard einen Zuschuss in Höhe von 5.380.000 €. Mit dem Geld des Bundes, das in gleicher Höhe gegenfinanziert werden muss, wird ein Zukunftskonzept samt einer Neubauplanung angestrebt. Dazu Landrat Rainer Rempe, Stiftungsratsvorsitzender der Kunststätte Bossard: „Ich freue mich sehr, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags für dieses zukunftsweisende Projekt im Landkreis Harburg eine solche Summe bewilligt hat und möchte mich ausdrücklich bei unseren Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer und Svenja Stadler für ihren Einsatz und ihre Unterstützung bedanken. Gleichzeitig geht mein Dank an Prof. Dr. Rolf Wiese für sein Konzept zur Weiterentwicklung der Kunststätte Bossard, das er in enger Abstimmung mit Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr erstellt hat.“

Die verantwortliche Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr freut sich: „Das ist ein echter Meilenstein für uns. Die Museumsbesucher dürfen sich zukünftig mit dem geplanten Neubau und der Neukonzeption des Unternehmens auf mehr Service in vielen Bereichen freuen. Vor allem sollen Ausstellungen, Bildung und Vermittlung einen neuen Stellenwert erhalten, damit das einzigartige Gesamtkunstwerk besser erfahrbar wird.“ Bereits im Juni dieses Jahres hat der Stiftungsrat der Kunststätte Bossard Prof. Dr. Rolf Wiese mit der Vorbereitungsplanung für einen Neubau sowie der Erstellung eines Zukunftskonzeptes beauftragt. Zielsetzung: die Kunststätte Bossard breitenwirksamer bekannt und für Besucher attraktiver zu machen. Mit seinem vorliegenden Konzept unter dem Motto „Bossard neu denken“ hat Rolf Wiese dieses Zielbündel aufgegriffen und gekonnt umgesetzt. „Besonders schön finde ich es, dass ich 25 Jahre nach der Stiftungsgründung, an der ich damals auch mitgewirkt habe, dieses Konzept erstellen durfte“, so Wiese. „Es ist die Chance, die Kunststätte Bossard zu einem Museum mit nationalem Anspruch zu entwickeln.“ Zusammen mit dem Architekten Christoph Frenzel (Buxtehude) konzipierte Rolf Wiese eine Vision eines Neubaus.

Das Konzept

Das Konzept sieht für die „Kunsthalle der Lüneburger Heide“ ein neues Eingangs- und Ausgangsgebäude vor. In diesem Gebäude sollen den Besuchern eine Einführung in die Welt von Johann und Jutta Bossard und eine Dauerausstellung zur Kunst und Kulturgeschichte der Lüneburger Heide präsentiert werden. Darüber hinaus stehen Räumlichkeiten für Sonderausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Den Museumsbesuchern wird in einem Wohlfühl-Ambiente eine attraktive Infrastruktur mit Kreativlabor, Laden, Café und Informationsbereich geboten. Die Neukonzeption orientiert sich hierbei vor allem am Schaffen von Johann und Jutta Bossard im Sinne der „Lebensreform“. Das Leben im Gesamtkunstwerk, inmitten der expressionistisch gestalteten Gebäude, der Gartenkunst und der Skulpturen, kombiniert mit der eigenen, kleinen Landwirtschaft war den Bossards besonders wichtig. Dieser Vision folgt Rolf Wiese. Das Außengelände erfährt im Sinne des Künstlerehepaars eine Aufwertung. Die Obst- und Gemüsegärten, die ehemalige Landwirtschaft mit einem großen Getreidefeld, die dort gehaltenen Tierarten wie Schweine, Milchschafe, Heidschnucken, Hühner, Enten und Bienen, aber auch ein Kinderspielplatz werden das alltägliche Leben der Bossards verdeutlichen. Ein buntes Aktionsprogramm im Sommer sowie im Winter wird das Gesamtkunstwerk für Groß und Klein erfahrbar machen.

Das Gesamtkunstwerk

Die Kunststätte Bossard gilt als eine Attraktion im Landkreis Harburg. Wie in einem Märchen, tief im Wald bei Jesteburg versteckt, liegt das Anwesen der Bossards. Ab 1911 erschuf Johann Bossard zusammen mit seiner Frau Jutta Bossard-Krull seine Vision eines Gesamtkunstwerks. Auf einem 3 ha großen Grundstück verwirklichten die beiden Künstler ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der verschiedene Künste – Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst – zu einer Einheit verschmelzen. Zur besonderen Vision der Bossards gehört es, im Sinne der „Lebensreformbewegung“ Kunst und Leben in Einklang mit Natur und Landwirtschaft zu bringen. Bis zu Johann Michael Bossards Tod (1950) arbeiteten beide unermüdlich an diesem Werk. Heute gilt die Kunststätte Bossard als ein einzigartiger Ort, an dem expressionistische Wandmalerei und Raumausstattung im ursprünglichen Zusammenhang erhalten geblieben sind. Die Kunststätte Bossard wurde 2012 mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe (Europa-Nostra-Preis) ausgezeichnet.

 Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, www.bossard.de

 

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Flächenbrand Expressionismus https://www.tiefgang.net/flaechenbrand-expressionismus/ Fri, 10 May 2019 22:38:48 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5239 [...]]]> In den 1910 und 1920er Jahren änderte sich in der Kunst vieles rasant. Prägnant waren Holzschnitte, die nun auch in Jesteburg gezeigt werden.

In der Mitteilung heißt es:

„Jesteburg. Unter dem Titel „Flächenbrand Expressionismus“ präsentiert die Kunststätte Bossard ab dem 12. Mai (Eröffnung um 11 Uhr) bislang noch nicht gezeigte Holzschnitte des Expressionismus. Die Ausstellung wurde von den Machern der beliebten „Malweiber von Paris“ konzipiert, die 2016 für Besucherrekorde an der Kunststätte Bossard gesorgt hatten.

„Intensiver kann man dem Expressionismus in seiner ganzen Vielfalt kaum begegnen“, erklärt Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr begeistert, wenn sie von der nächsten Ausstellung an der Kunststätte Bossard spricht. Vom 12. Mai bis zum 11. August 2019 wird sich in den Räumlichkeiten des Neuen Atelier ein „Flächenbrand“ ausbreiten. Ungefähr 80 bislang noch nicht gezeigte Holzschnitte des Expressionismus aus der Sammlung Joseph Hierling werden ausgestellt. Unter den ausgewählten Werke werden Holzschnitte von Wassily Kandinsky und Ernst Ludwig Kirchner, aber auch von weniger bekannten Künstlern zu sehen sein. Die Holzschnitte machen die große und überraschende Vielfalt der Bewegung des Expressionismus sichtbar.

Das Medium des Holzschnitts war für die weite Verbreitung und die Popularität des Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg und in der Kultur der Zwanziger Jahre maßgeblich verantwortlich. Es war die Zeit, in der im ganzen deutschsprachigen Kulturgebiet von expressionistischer Musik, expressionistischem Tanz, expressionistischem Film und sogar von expressionistischer Politik gesprochen und geschrieben wurde. Der Holzschnitt, als verhältnismäßig leicht zu bearbeitendes Medium, unterstrich dabei das Gefühl von Spontanität und Ursprünglichkeit, das zugleich mit Wahrhaftigkeit verbunden wurde. Er wurde zu „dem“ expressionistischen Ausdrucksmedium. So entfaltete sich in den 1910er und 1920er Jahren eine überraschende stilistische Breite, eine Art „Flächenbrand“, der sich anhand der Privatsammlung Joseph Hierling exemplarisch darstellen lässt. Sie wird nun erstmals im Raum Hamburg öffentlich gezeigt.

Die Ausstellung wird eröffnet von Udo Heitmann, Bürgermeister der Gemeinde Jesteburg und Mitglied des Stiftungsrats der Kunststätte Bossard, sowie von der Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr. Musikalisch wird diese Veranstaltung gestaltet von der Claussen Simon-Stiftung, Hamburg. Die Sopranistin Lena Marie Hildebrandt und der Pianistin Yibiao Meng werden Stücke von Brahms bis Beethoven musikalisch präsentieren.

Daten zur Ausstellung: Eröffnung: Sonntag, 12. Mai um 11 Uhr; Ausstellungsdauer: 13. Mai bis 11. August 2019

Ort: Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, Tel. 04183 / 9759235 (Mo, Di, Do), www.bossard.de

(Hinweis für Freunde des expressionistischen Holzschnittes: etliche Holzschnitte aus der Zeit finden sich auch in der Kunstleihe Hamburg-Harburg – u.a. aus der Sammlung Gerd Gruber aber auch einer Sammlung niederrheinischer Künstler. www.sued-kultur.de/kunstleihe)

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Die Faszination ist geblieben https://www.tiefgang.net/die-faszination-ist-geblieben/ Fri, 15 Feb 2019 23:57:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4848 [...]]]> Über 10 Jahre war sie die „rechte Hand“ der Museumsleitung. Nun geht es für sie auf zu neuen Ufern: Magdalena Schulz-Ohm.

Die letzten Tage an der Jesteburger Kunststätte sind „lang und bewegend“ berichtet Magdalena Schulz-Ohm. Es ist über 10 Jahre her, dass sie als Assistentin der Museumsleitung an die Kunststätte Bossard kam. Ab dem 1. März 2019 wird sie nun ihre neue Stelle als Geschäftsführerin der Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow antreten.

Magdalena Schulz-Ohm erinnert sich noch genau an ihren ersten Besuch an der Kunststätte Bossard. Von der überbordenden Gestaltungsfülle des expressionistischen Gesamtkunstwerks von Johann und Jutta Bossard war sie überwältigt, konnte sich aber schnell für die weitreichenden Bedeutungsebenen hinter der Fassade des Gesamtkunstwerks begeistern. „Ich bin fasziniert, dass ich selbst nach einem Jahrzehnt immer noch neue Details in den Raumausstattungen von Johann Michael Bossard entdecke. Das ist wirklich besonders und macht diesen Ort so einmalig.“ Wenn sie nun die Kunststätte Bossard verlasse, dann tue sie das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freue sich auf ihre neuen beruflichen Aufgaben, sei aber auch wehmütig, denn sie habe an der Kunststätte viel lernen dürfen und die Zusammenarbeit im Team sehr geschätzt.

Ihre berufliche Laufbahn begann Magdalena Schulz-Ohm mit einem Magisterstudium der Kunstgeschichte, BWL und Informatik zunächst an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und an der University of Essex in England sowie später im Hauptstudium an der Universität Hamburg. Ab 2007 fand sie ihren Weg nach Lüllau an die Kunststätte Bossard. Seitdem stellte sie sich in ihrer Arbeit immer wieder neuen beruflichen Herausforderungen und Aufgabenfeldern. Neben der Assistenz der Geschäftsführung übernahm sie sukzessive die Bereiche des Veranstaltungsmanagement, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie des Marketings. Gemeinsam mit der Leiterin der Kunststätte, Dr. Gudula Mayr, konzipierte sie 2011 die wissenschaftliche Podiumsdiskussion „100 Jahre Kunststätte Bossard“ und arbeitete intensiv bei der aktuell laufenden Ausstellung und dem Katalog „Die Bossards im Nationalsozialismus“ mit. Neben diesen Tätigkeiten kuratierte Magdalena Schulz-Ohm in den vergangenen Jahren unter anderen 2009 die Ausstellung „Utopien von Architektur und Raum in der Moderne. Visionäre Konzepte von Johann M. Bossard“ sowie 2013 die Ausstellung „Inspiration Heide“. Intensiv beschäftigte sie sich in ihrer Zeit an der Kunststätte mit dem Phänomen des Gesamtkunstwerks und publizierte diverse Artikel und hielt nationale und internationale Vorträge zu diesem Thema. Von ihre Faszination an Johann Bossard und seinem Gesamtkunstwerk geleitet, begann sie in ihrer Zeit an der Kunststätte ihre Dissertation „Vom Künstlerhaus zum Gesamtkunstwerk. Eine exemplarische Untersuchung von Johann Michael Bossards expressionistischer Kunststätte“ zu schreiben. In dieser geht sie dem Begriff des Gesamtkunstwerks auf den Grund und legt erstmals eine umfassende wissenschaftliche Deutung von Bossards Kunststätte vor. Nach Einschätzung der Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr stellt die Dissertationsschrift „schon jetzt ein Standardwerk zu Bossard und seinem Gesamtkunstwerk“ dar. Ihre 2018 an der Universität Hamburg mit Auszeichnung abgeschlossene Dissertation wird noch in diesem Frühjahr erscheinen. Um so schmerzlicher sei es für die Kunststätte Bossard bemerkt Gudula Mayr, dass Magdalena Schulz-Ohm die Kunststätte verlasse. „Unser Team wird sie als engagierte Kollegin und Kunsthistorikerin sehr vermissen, aber wir freuen uns natürlich sehr mit ihr und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute“.

Im Sommer dieses Jahres wird es nun eine Exkursion für den Freundeskreis der Kunststätte Bossard, welchen Magdalena Schulz-Ohm jahrelang betreut hat, zur Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow geben. Mit einem Lächeln im Gesicht bemerkt sie: „Ich freue mich sehr darauf die Mitglieder des Freundeskreises bei dieser Gelegenheit wieder zu sehen und ihnen meine neuen Arbeitsplatz zeigen zu können.“

Quelle: www.bossard.de

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Überm Abgrund des Nichts https://www.tiefgang.net/ueberm-abgrund-des-nichts/ Sat, 08 Dec 2018 11:49:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4589 [...]]]> Mancher war kein Nazi und buhlte doch um die Gunst der Machthabenden. Eine kritische Auseinandersetzung erfolgt nun auch mit den Bossards an ihrer Jesteburger Kunststätte.

Am vergangenen Wochenende eröffnete die Kunststätte Bossard ihre Ausstellung zu den Bossards in den 1930er und 40er Jahren. In einem ganztägigen Kolloquium diskutierten Fachleute gemeinsam mit dem Publikum das künstlerische Schaffen und die Weltanschauung des Künstlerpaars.

Fest steht nun, dass Johann Bossard zwar nie Mitglied der NSDAP war, dass er aber zwischen 1932 und Mitte 1934 mit einzelnen Inhalten der NS-Ideologie sympathisierte. In dieser Zeit versuchte er, mit Unterstützung seiner Förderer, Funktionäre der NSDAP für sein Gesamtkunstwerk zu begeistern. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos. „Nach dem missglückten Besuch Alfred Rosenbergs und der Mordwelle vom Sommer 1934 (‚Röhm-Putsch‘) brach Bossard im September 1934 die Phase der vorsichtigen Fühlungnahme zu den neuen Machthabern abrupt ab“, stellte Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr fest. „In der Folge verhielten sich die Bossards unauffällig und bewegten sich in vorsichtiger Distanz zum NS-Regime.“ Zusammenfassen lasse sich diese Haltung eines Rückzugs in die private und unpolitische Neutralität am besten mit Bossards eigenen Worten aus dem März 1937: „Die Erfolglosigkeit meiner Lebensarbeit ist kein Argument gegen den künstlerischen Wert meiner Werke. Vielleicht ist es sogar eine Gunst des Schicksals, dass wir nicht den Missbrauch guter Absichten zu erleben brauchen.“

Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll von der Universität Chemnitz bestätigte diese Einschätzung. Er kam zu dem Schluss, dass Bossard zu jenen Vertretern gehörte, die „infolge einer begrenzten Übereinstimmung mit einzelnen nationalsozialistischen Weltanschauungsinhalten dem neuen Regime zunächst mit einem gewissen Wohlwollen, dann jedoch, und zwar sehr bald schon, mit wachsender Reserve und Distanz begegneten, sich mit ihm arrangierten, ohne sich ihm anzudienen oder sich ihm umstandslos zur Verfügung zu stellen.“

Udo Bermbach, Frank Lothar Kroll, Janina Willems, Magdalena Schulz, Maike Bruhns, Roger Fornoff, GudulaMayr, Rainer Rempe, Marion Junker und Ingo Engelmann beim Symposium. (Foto: Kunststätte Bossard)

Das Team der Kunststätte Bossard und der Stiftungsvorstand beschäftigt sich schon seit Längerem mit der Geschichte der Bossards in der NS-Zeit. Landrat Rainer Rempe resümierte im Podiumsgespräch: „Ich freue mich, dass es Frau Dr. Mayr gelungen ist, hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu gewinnen. Wir zeigen, dass wir transparent und kritisch mit der Vergangenheit des Gesamtkunstwerks umgehen. Die Befürchtungen einer NS-Belastung Bossards konnten so transparent und belastbar ausgeräumt werden.“ Mit dem sehr gut besuchten Kolloquium, der Ausstellung, einem begleitenden Katalog und der Edition von Bossards theoretischen Texten werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Ein so aufwendiges Projekt konnten wir nur mit der großzügigen Förderung durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die EWE Stiftung und den Freundeskreis der Kunststätte Bossard realisieren“, bedankte sich Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr.

Die Ausstellung wird bis zum 5. Mai 2019 an der Kunststätte Bossard gezeigt. Die Schriftenedition kann ab sofort im Museumsshop oder telefonisch unter 04183 / 5112 erworben werden. Der Katalog mit den Kolloquiumsbeiträgen erscheint in Kürze.

Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, Tel. 04183 / 9759235 (Mo, Di, Fr), www.bossard.de

 

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