Prof. Manuel J. Hartung https://www.tiefgang.net Tue, 29 Jul 2025 08:40:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Hamburgs „House of Truth“ gegen Deepfakes https://www.tiefgang.net/hamburgs-house-of-truth-gegen-deepfakes/ Fri, 01 Aug 2025 22:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12199 [...]]]> Die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt zusehends. Hamburg will nun gegenhalten. Mit Fotos.

Das Standbild, das Abbild eines Einzelmoments, dieses scheinbar unverrückbare Abbild der Realität, steht in Hamburg bald selbst im Zentrum einer bemerkenswerten Transformation. Die DEICHTORHALLEN HAMBURG und die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS haben nun eine Initiative angekündigt, die sich dem widmet, was sich als die visuelle Ästhetik der Täuschung beschreiben lässt: Sie gründen im HAUS DER PHOTOGRAPHIE das erste Zentrum für Bild- und Medienkompetenz in Deutschland.

Für die Medien wurde das umfassende Projekt nun skizziert. Das Zentrum zielt auf die „innovative Erforschung und niedrigschwellige Förderung von Medienkompetenzen“ ab, die Fotografie und visuelle Informationen mit algorithmischen Ordnungen „zusammendenkt“. Hier geht es nicht nur darum, alte Bilder zu katalogisieren, sondern die komplexe Wechselwirkung zwischen Wirklichkeit und Medium in unserer vernetzten Gesellschaft zu beleuchten. Wo das fotografische Bild einst als unbestechlicher Zeuge galt, agiert es heute in sozialen Medien oft als Mittäter bei gezielter Fehlinformation und Manipulation. Es ist, als hätte sich die Rolle eines Darstellers radikal gewandelt.

Dieses neue Zentrum, dessen Eröffnung für 2028 geplant ist, soll ein Ort des Austauschs und der Debatte werden. Dirk Luckow, Intendant der DEICHTORHALLEN HAMBURG, fasste die Kernfrage prägnant zusammen: „Welche Bedeutung kommt der Fotografie im Zeitalter von KI, Deepfakes und Desinformation zu? Wie wandelt sich das Medium – einst das Leitbild visueller Wahrhaftigkeit – unter den Bedingungen digitaler Transformation?“ Es ist, als würde man die Lichtführung eines Klassikers hinterfragen, nur um festzustellen, dass das Licht selbst manipuliert wurde. Die Kooperation mit der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS sei ein „deutliches Signal für eine zeitgemäße Aufklärung“.

Der Fokus des Zentrums ist weit gefasst: Neben künstlerisch-wissenschaftlicher Recherche und Produktion wird es ein innovatives Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm geben. Geplant sind Workshops, Symposien und Vorträge. Vor allem aber sollen aktivierende Bildungsformate unterschiedlichen Zielgruppen, insbesondere Jugendlichen und älteren Menschen, einen niedrigschwelligen Zugang zu diesen essenziellen Kompetenzen ermöglichen. Es geht darum, das Publikum zu befähigen, Bilder „lesen“ und Fake von Realität unterscheiden zu können – eine Fähigkeit, die in einer „wehrhaften Demokratie“ unverzichtbar sei, wie Prof. Manuel J. Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, unterstrich. Man könnte dies als die Charakterentwicklung des aufgeklärten Bürger*in in der digitalen Ära bezeichnen.

Die Kuratorin des HAUSES DER PHOTOGRAPHIE, Nadine Isabelle Henrich, die auch die Leitung des neuen Zentrums übernehmen wird, arbeitet bereits seit Februar 2024 an der Neuausrichtung. Ihre Ausstellungs- und Diskursreihe „Viral Hallucinations“ sowie begleitende Workshops und Symposien haben das Terrain bereitet und ein „wachsendes kritisches Glossar“ erstellt. Diese Initiativen werden nun im neuen Zentrum zusammenlaufen. Es entsteht ein physischer Raum zwischen Kreativlab und Haupteingang, ausgestattet mit Bibliothek und technischer Infrastruktur, der zu Kollaboration und Diskussion einlädt.

Zudem wird die digitale Bildungs- und Rechercheplattform „Photography Expanded“ entstehen. Sie soll als Bildarchiv und Diskursraum fungieren, Inhalte wie Essays, Tutorials, Videos und Lehrmaterialien online einem breiten Publikum zugänglich machen. Ein strategischer Schachzug, der das Analoge mit dem Digitalen verbindet und die Reichweite des Projekts exponentiell erhöht.

Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS leistet dabei eine „substanzielle Förderung“ und bringt ihre Expertise in den Bereichen Nachrichten- und Medienkompetenz ein. Diese Allianz aus kultureller Institution und Stiftung verspricht, ein gewichtiges Gegengewicht zu den Kräften der Desinformation zu schaffen. Die Eröffnung 2028 markiert den Auftakt eines neuen, vielleicht des wichtigsten Kapitels in der Geschichte der visuellen Medienkompetenz. Die Initiative ist ein notwendiges Signal, dass die visuelle Alphabetisierung eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit ist. Hamburg liefert hier nicht nur ein Bildungsprojekt ab, sondern eine essenzielle Antwort auf die komplexen Bildwelten des 21. Jahrhunderts.

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35.000 Euro für ukrainische Kulturschaffende https://www.tiefgang.net/35-000-euro-fuer-ukrainische-kulturschaffende/ Fri, 16 Sep 2022 22:56:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9329 [...]]]> Zwei Spendenaktionen des Bucerius Kunst Forums und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius haben im Zeitraum von März bis 11. September 2022 insgesamt 35.000 Euro Spenden für den Culture of Solidarity Fund Ukraine der European Cultural Foundation generiert.

 Während der Ausstellungen Minimal Art. Körper im Raum und Herbert List. Das magische Auge konnten Besucher:innen des Bucerius Kunst Forums das sogenannte Solidaritätsticket alternativ zum regulären Ausstellungsticket für den doppelten Preis kaufen. Zudem war am 18. März der ukrainisch-russische Künstler Aljoscha mit seiner Installation Der evolutionäre Optimismus zu Gast. Freund:innen des Bucerius Kunst Forums spendeten über 11.000 Euro zu diesem Anlass. Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Trägerin des Hamburger Ausstellungshauses, hat die so erzielten Spenden von insgesamt 17.000 Euro um 18.000 Euro ergänzt.

Prof. Manuel J. Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius: „Gerade jetzt, nach einem halben Jahr Krieg, ist es wichtig, den Menschen in der Ukraine weiter beizustehen. Deshalb bin ich froh, dass wir mit den Spenden der vielen Besucher:innen und Freund:innen des Bucerius Kunst Forums Kulturschaffende in der Ukraine unterstützen können und jene, die geflüchtet sind. Mit der European Cultural Foundation haben wir dafür einen erfahrenen Partner an unserer Seite.“

Prof. Dr. Andreas Hoffmann, Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums: „Der solidarische Geist und die Bereitschaft, die Spendenaktionen in kürzester Zeit umzusetzen, war sowohl bei Aljoscha als auch im ganzen Team zu spüren. Wir freuen uns, dass sich unsere Besucher:innen durch das Solidaritätsticket angesprochen fühlten und danken unseren Freund:innen, die mit großzügigen Spenden auf die erschreckende Situation reagierten.“

Die European Cultural Foundation und eine Reihe weiterer Stiftungen aus ganz Europa haben mit dem Culture of Solidarity Fund Ukraine bis zum 31. August 2022 85 Projekte mit einer Gesamtsumme von 1.350.000 Euro gefördert. Direkt zu Beginn des Krieges hat das Expertenteam des Fonds über Kontakte in der Ukraine Nothilfeinitiativen und künstlerische Solidaritätsaktionen vor Ort ermittelt und mit größeren Spenden unterstützt. Dazu gehörte z.B. der Ukrainian Emergency Art Fund, der vom MOCA Museum of Contemporary Art, dem ukrainischen Medien Start-up Zaborana, der Kiewer Kunstgalerie The Naked Room und dem Kultur- und Museumskomplex Mystetskyi Arsenal eingerichtet wurde, um ukrainische Kulturprojekte durch einmalige Zahlungen oder Langzeit-Stipendien für Kulturschaffende aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus hat der Fonds verschiedene Initiativen gefördert, die Desinformation und Propaganda in den Medien und im Internet bekämpfen und hat Kultureinrichtungen in der Ukraine und ganz Europa dabei unterstützt, sichere Zufluchts- und Produktionsräume für ukrainische Künstler und Kulturschaffende bereit zu stellen. Dazu zählt z.B. die Initiative des Projektes Massia in Estland. Massia ist ein Ort in ländlicher Umgebung an dem Künstler:innen, Praktiker:innen, Wissenschaftler:innen, Aktivisten:innen und Forscher:innen, ihre Arbeitsbedingungen selbst bestimmen. Die Verantwortlichen heißen Künstler:innen und Kulturschaffende aus der Ukraine, aber auch politische Künstler:innen, Aktivist:innen oder Journalist:innen, die Russland aus Angst vor Verfolgung verlassen müssen, willkommen und bieten Residencies an. Die Förderungsaktivitäten des Culture of Solidarity Fonds für die Ukraine werden im September zusammen mit weiteren Partner:innen fortgesetzt und eine Reihe von Kulturveranstaltungen mit Künstler:innen und Kulturschaffenden aus der Ukraine unterstützt.

Quelle: buceriuskunstforum.de

 

 

Mehr Informationen zu den geförderten Projekten des Culture of Solidarity Fund Ukraine:

https://culturalfoundation.eu/stories/culture-of-solidarity-fund-ukraine-edition-grantees/

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