Ralf Busch https://www.tiefgang.net Tue, 30 Apr 2019 10:45:50 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 Harburger Fundstücke https://www.tiefgang.net/harburger-fundstuecke/ Fri, 03 May 2019 22:38:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5211 [...]]]> Zum 24. Mal ist das Harburger Jahrbuch erschienen. Und es würdigt erneut Harburger Persönlichkeiten der Kultur.

Die Publikation stellt diesmal bedeutende Künstler vor, die in den letzten fünf Jahrzehnten in Harburg ihre Spuren hinterlassen haben, unter anderem am Harburger Theater. Der noch druckfrische Band ist ab sofort im Museum erhältlich.

Bei der abwechslungsreichen Lektüre des neuen Harburger Jahrbuches erhält man zum Beispiel einen Einblick in das künstlerische Schaffen von Hans Fitze, der 49 Jahre lang das Harburger Theater geleitet hat. Autor Ernst Brennecke, lange Jahre als Feuilleton-Redakteur der Harburger Anzeigen und Nachrichten tätig, zeichnet Lebenslauf und Lebenswerk des seinerzeit dienstältesten Intendanten der Welt nach.

Ohne das Harburger Theater wäre auch die Arbeit der Theaterfotografin Jutta Ungelenk-Stamp nicht denkbar gewesen, deren Portrait sich ebenfalls im neuen Harburger Jahrbuch findet. Sie war die Frau, die rund zwei Jahrzehnte jede Produktion des Theaters fotografierte und für jene Aufnahmen sorgte, die in den Foyers hingen sowie in den Programmheften und den Tageszeitungen abgedruckt wurden. Kurz: Sie war die Harburger und Hamburg Theaterfotografin. Das Harburger Jahrbuch zeigt eine Vielzahl ihrer Aufnahmen, die sich im Besitz des Museums befinden. Die Fotos lassen Inszenierungen des Harburger Theaters wieder lebendig werden und wecken die Erinnerung an zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler, die teilweise viele Jahre am Harburger Theater tätig waren. Darüber hinaus wird auch die ganze Bandbreite des Theaters deutlich, die vom klassischen Drama über Zeitstücke und Komödien bis hin zum Weihnachtsmärchen reichte.

In einem weiteren umfangreichen biografischen Porträt stellt Ernst Brennecke den Dirigenten, Komponisten, Pianisten und Arrangeur Richard Müller-Lampertz vor. Er ist national und international der bekannteste der hier vorgestellten Künstler. Einem breiten Publikum in Deutschland war er als Meister der „gehobenen Unterhaltungsmusik“ bekannt, während er im Ausland überwiegend das klassische Repertoire dirigierte. Ein Werkverzeichnis und eine Diskographie runden den Beitrag ab. Müller-Lampertz wurde in Berlin geboren und kam schon in den 1930er-Jahren nach Hamburg. Er hat zwischenzeitlich in Harburg gewohnt, bis es ihn nach Luhmühlen im Landkreis Harburg zog.

Das Harburger Jahrbuch 2019 bietet auch einen neuen Beitrag in der Rubrik „Neue Fundstücke zur Harburger Stadtgeschichte“. Der langjährige Direktor des Museums, Ralf Busch, stellt zum Beispiel eine bisher unbekannte Ansicht der Harburger Schloßstraße vor.

Das Harburger Jahrbuch 2019 ist ab sofort zum Preis von 19,90 Euro an den Kassen des Museums erhältlich.

 

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Luther in Harburg? https://www.tiefgang.net/luther-in-harburg/ Sat, 24 Jun 2017 06:33:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1446 [...]]]> Zum Lutherjahr 2017 möchte der Museumsverein dem Reformator seine Reverenz erweisen. Tatsächlich reiste Martin Luther in Deutschland viel umher wie sonst nur Goethe – doch bis Harburg kam er nicht.

Wir müssen uns mit seinem Weggefährten Philipp Melanchthon begnügen, der allerdings auch nie in Harburg war. Aber Melanchthon (1497 als Philipp Schwartzerdt geboren) unterhielt Beziehungen zum Harburger Herzog Otto I. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Ausstellung des Helms-Museums im Jahr 1997, zu der ein bebildertes Begleitbuch erschien (von Ralf Busch und Jens-Martin Kruse). Otto von Braunschweig und Lüneburg, geboren 1495, studierte ab 1511 – sehr jung – an der Universität Wittenberg.

Martins Rat für Otto

Ab 1512 lehrte dort Martin Luther und 1518 wurde Melanchthon nach Wittenberg berufen. Es ist zu vermuten, dass der spätere Herzog vom Reformationsgeschehen beeinflusst worden ist. Otto stand 1521 vor einer schweren Entscheidung: Sollte er die nicht standesgemäße Metta (manchmal auch „Meta“) von Campe heiraten oder das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg übernehmen? Er holte sich geistlichen Rat auch bei Martin Luther, und er heiratete seine Verlobte. Zunächst kehrte er 1519 nach dem Wittenberger Studium nach Celle zurück, dem Sitz der Regierung des Fürstentums. Auf Empfehlung Luthers wurde der ehemalige Benediktinermönch Gottschalk Kruse nach Celle geholt. Der Protestantismus konnte sich verbreiten. Als Abfindung für den erzwungenen Austritt aus der Regierung erhielt Otto im Jahr 1527 den Herrschaftsbereich Harburg. Herzog Otto I. setzte in Harburg den Landtagsbeschluss von 1527 zur Einführung der lutherischen Konfession im Fürstentum Lüneburg um.

Luthertum in Wilstorf

Das damalige Harburg besaß die Marienkirche und die Harburger Schlosskirche mit der Mutterkirche, der Wilstorfer Kirche. Otto I. berief Gottschalk Kruse als Prediger nach Harburg, und so kam das Luthertum in unsere Stadt. Wenig ist darüber bekannt.

Der Fürst brachte aus Celle seine Bücher mit, er kaufte neue Werke dazu, literarische, geschichtliche, geografische und naturwissenschaftliche Publikationen. Auch wenn er selbst kein Theologe war, zeigen die theologischen Schriften, dass er Interesse am Fortgang der Reformation hatte.

Die Museumsbibliothek des neu gegründeten Heimatmuseums übernahm im Jahr 1900 die Fürstenbibliothek als Sonderbestand. 188 Bücher stammen aus dem 16. Jahrhundert, aus der Reformationszeit. In einige dieser Bücher schrieb Philipp Melanchthon umfangreiche Widmungen an Herzog Otto I. Dem Sohn Otto II. wurden sogar 14 Bände mit handschriftlicher Zueignung gewidmet. In der Harburger Museumsbibliothek sollen 18 Werke Melanchthons und zwei Lutherschriften erhalten sein.

Helga Weise

Vorstand Museumsverein Harburg

(Juni 2017)

amh.de/museumsverein

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