Ein Beitrag von Helga Weise, Museumsverein Harburg:

Luther in Harburg?

Martin Luther zeigt auch in Harburg Präsenz. (Foto: Helga Weise)

Zum Lutherjahr 2017 möchte der Museumsverein dem Reformator seine Reverenz erweisen. Tatsächlich reiste Martin Luther in Deutschland viel umher wie sonst nur Goethe – doch bis Harburg kam er nicht.

Wir müssen uns mit seinem Weggefährten Philipp Melanchthon begnügen, der allerdings auch nie in Harburg war. Aber Melanchthon (1497 als Philipp Schwartzerdt geboren) unterhielt Beziehungen zum Harburger Herzog Otto I. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Ausstellung des Helms-Museums im Jahr 1997, zu der ein bebildertes Begleitbuch erschien (von Ralf Busch und Jens-Martin Kruse). Otto von Braunschweig und Lüneburg, geboren 1495, studierte ab 1511 – sehr jung – an der Universität Wittenberg.

Martins Rat für Otto

Ab 1512 lehrte dort Martin Luther und 1518 wurde Melanchthon nach Wittenberg berufen. Es ist zu vermuten, dass der spätere Herzog vom Reformationsgeschehen beeinflusst worden ist. Otto stand 1521 vor einer schweren Entscheidung: Sollte er die nicht standesgemäße Metta (manchmal auch „Meta“) von Campe heiraten oder das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg übernehmen? Er holte sich geistlichen Rat auch bei Martin Luther, und er heiratete seine Verlobte. Zunächst kehrte er 1519 nach dem Wittenberger Studium nach Celle zurück, dem Sitz der Regierung des Fürstentums. Auf Empfehlung Luthers wurde der ehemalige Benediktinermönch Gottschalk Kruse nach Celle geholt. Der Protestantismus konnte sich verbreiten. Als Abfindung für den erzwungenen Austritt aus der Regierung erhielt Otto im Jahr 1527 den Herrschaftsbereich Harburg. Herzog Otto I. setzte in Harburg den Landtagsbeschluss von 1527 zur Einführung der lutherischen Konfession im Fürstentum Lüneburg um.

Luthertum in Wilstorf

Das damalige Harburg besaß die Marienkirche und die Harburger Schlosskirche mit der Mutterkirche, der Wilstorfer Kirche. Otto I. berief Gottschalk Kruse als Prediger nach Harburg, und so kam das Luthertum in unsere Stadt. Wenig ist darüber bekannt.

Der Fürst brachte aus Celle seine Bücher mit, er kaufte neue Werke dazu, literarische, geschichtliche, geografische und naturwissenschaftliche Publikationen. Auch wenn er selbst kein Theologe war, zeigen die theologischen Schriften, dass er Interesse am Fortgang der Reformation hatte.

Die Museumsbibliothek des neu gegründeten Heimatmuseums übernahm im Jahr 1900 die Fürstenbibliothek als Sonderbestand. 188 Bücher stammen aus dem 16. Jahrhundert, aus der Reformationszeit. In einige dieser Bücher schrieb Philipp Melanchthon umfangreiche Widmungen an Herzog Otto I. Dem Sohn Otto II. wurden sogar 14 Bände mit handschriftlicher Zueignung gewidmet. In der Harburger Museumsbibliothek sollen 18 Werke Melanchthons und zwei Lutherschriften erhalten sein.

Helga Weise

Vorstand Museumsverein Harburg

(Juni 2017)

amh.de/museumsverein

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