Studie des Deutschen Musikinformationszentrums – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 11 Apr 2025 15:50:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Amateurmusik in Deutschland im Aufschwung https://www.tiefgang.net/amateurmusik-in-deutschland-im-aufschwung/ Fri, 11 Apr 2025 22:43:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11677 [...]]]> Musik zu machen liegt voll im Trend. Eine Studie belegt, dass jede*r Fünfte in Deutschland musiziert.

Der Landesmusikrat Hamburg (LMR HH) setzt sich nachhaltig für die Amateurmusik in Hamburg und  den niedrigschwelligen Zugang zur Musik ein. Er sieht seine Aktivitäten und Anliegen durch die Ergebnisse einer gestern veröffentlichten bundesweiten Studie „Amateurmusizieren in Deutschland“ bestätigt.  Die neue Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), einer Einrichtung des Deutschen Musikrates, belegt einen deutlichen Aufwärtstrend: Jede*r Fünfte in Deutschland musiziert in der Freizeit – das sind 16,3 Millionen Menschen, also 21% der Bevölkerung ab sechs Jahren. Dies ist eine Steigerung um  2 Millionen Menschen im Vergleich zu 2021. Dieser deutliche Zuwachs unterstreicht die immense Bedeutung der Amateurmusik für das gesellschaftliche Leben in Deutschland. Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Befragung, die vom Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach im Auftrag des miz durchgeführt wurde.

Die Studie bietet einen differenzierten Überblick über Altersgruppen, geschlechts- und schichtspezifische Unterschiede sowie über Zugangswege, Herausforderungen und das ehrenamtliche Engagement der Musizierenden. Die meisten Freizeitmusizierenden spielen ein Musikinstrument (81 Prozent), etwa halb so viele singen (41 Prozent); rund 20 Prozent machen beides. Zu den Kernresultaten der Studie zählt auch das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement der Amateurmusiker*innen und der hohe Anteil ehrenamtlich Tätiger im Amateurmusikbereich. „Eine vielfältige und lebendige Amateurmusikszene ist ein wesentlicher Bestandteil kultureller Teilhabe – sie stiftet Gemeinschaft, fördert Kreativität und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei“, sagt Stephan Schulmeistrat, Leiter des miz. „Unsere Studie zeigt auch, welchen persönlichen Wert das Musizieren für viele Menschen hat: Wohlbefinden, soziale Nähe und kreative Entfaltung sind zentrale Motive. Umso wichtiger ist es, den Zugang zu musikalischem Engagement offen, niedrigschwellig und vielfältig zu gestalten. Mit dieser Studie wollen wir die Bedeutung der Amateurmusik sichtbar machen und Impulse für ihre nachhaltige Förderung geben.“

Thomas Prisching, Geschäftsführer des Landesmusikrats Hamburg, betont: „Die Förderung der Amateurmusik ist für uns in Hamburg eine Herzensangelegenheit. Die Freude am gemeinsamen Musizieren ist ungebrochen und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum sozialen und kulturellen Zusammenhalt unserer (Stadt-)Gesellschaft. Die positive Entwicklung, die die bundesweite Studie zeigt, motiviert uns, unsere Anstrengungen weiter zu intensivieren und in enger Zusammenarbeit mit der Politik und der Behörde für Kultur und Medien Hamburg die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Amateurmusik in unserer Stadt zu schaffen. Mit unseren  Kompetenzzentrum der Hamburger Amateurmusik schaffen wir gezielte Angebote, um diese Entwicklung zu unterstützen und die vielfältige Amateurmusikszene in Hamburg weiter zu stärken.“

Seit 2018 fanden Fachforen und Fachtagungen statt. 2023 konnte erstmals das Förderprogramm „Music4All“ ausgeschrieben werden, das vielfältige Projekte und Initiativen im Bereich der Amateurmusik unterstützt. Seitdem fördert der Landesmusikrat jedes Jahr rund 40 Ensembles und Chöre.  Der neue Landesjugendchor bietet jungen musikalischen Talenten eine Plattform für gemeinsames Musizieren auf hohem Niveau Ziel des Landesmusikrates ist es, die Sichtbarkeit der Amateurmusik in der Hamburger Gesellschaft zu erhöhen und Hilfestellung für die Ensemblearbeit zu geben. Unsere „Digitale Wunderkammer“ ist dabei ein innovatives Online-Tool, das die Amateurmusiker bei der Vernetzung, Organisation und Durchführung ihrer musikalischen Aktivitäten unterstützt.

Der LMR HH leistet dank der kontinuierlichen Unterstützung durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg wichtige Hilfestellung. Die Vermittlung von Proberäumen und die Unterstützung bei der Organisation von Ensemble-Arbeit sind hierbei zentrale Bausteine. Hierfür hat der Landesmusikrat gemeinsam mit der Amateurmusik-Szene die

Projektleiterin Pia Metzing erklärt: „Die ‚Digitale Wunderkammer‘ ist ein niedrigschwelliges und praxisnahes Angebot, das die Ensemblearbeit in Hamburg auf vielfältige Weise erleichtert. Von der Suche nach Mitmusizierenden und Probenräumen über Informationen zu Förderungen und Themen zur Vereinsarbeit – die digitale Plattform bündelt wichtige Informationen und trägt so dazu bei, die Rahmenbedingungen für die Amateurmusik in unserer Stadt weiter zu verbessern.“

Die Chormusik in deutschen Amateurchören sowie das instrumentale Laien- und Amateurmusizieren zählen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Die Pressemitteilung des Deutschen Musikrats zur miz-Studie finden Sie hier:
https://www.musikrat.de/media/aktuelles/meldung/neue-studie-zum-amateurmusizieren-in-deutschland

Die vollständige Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz) ist abrufbar unter: https://miz.org/de/fokus/amateurmusizieren-in-deutschland

Hier geht es direkt zur Digitalen Wunderkammer: https://digitalewunderkammer.de

 

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Das Pfeifen auf dem letzten Loch https://www.tiefgang.net/das-pfeifen-auf-dem-letzten-loch/ Fri, 21 Apr 2023 22:03:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9887 [...]]]> Fast jede*r dritte Musikschaffende übt aber auch eine Tätigkeit aus, die nichts mit Musik zu tun hat, und dies überwiegend aus finanziellen Gründen. Dies belegt nun eine Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz).

Die Mehrheit der Berufsmusizierenden in Deutschland geht nicht nur ihrer musikalisch-künstlerischen Tätigkeit nach: Lediglich 30 Prozent leben ausschließlich von der Musik – zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Erhebung des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), die nun veröffentlicht und in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde. Fast die Hälfte der Musiker*innen geht zusätzlich musikpädagogischen und knapp ein Drittel nicht-musikalischen Tätigkeiten nach, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das monatliche Nettoeinkommen insgesamt liegt im Schnitt bei 2.660 Euro, allerdings verdient jede*r fünfte Berufsmusizierende weniger als 1.500 Euro. Prof. Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, betont anlässlich der Studien-Veröffentlichung: „Repräsentative Daten zu Arbeitsrealität und Einkommenssituation von Berufsmusizierenden haben lange gefehlt. Mit der miz-Studie verfügen wir nach der Corona-Pandemie über eine valide Diskussionsgrundlage, die die Daten der Künstlersozialkasse, des Mikrozensus und Einzeluntersuchungen zur sozialen Lage von Kulturschaffenden maßgeblich ergänzt. Nun gilt es für die Verantwortlichen in Kulturpolitik und Kulturinstitutionen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.“

Durchgeführt wurde die Untersuchung im Auftrag des miz auf der Grundlage einer bundesweiten, genreübergreifenden Befragung vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD). Sie stützt sich auf rund 650 mündlich-persönliche Interviews vom November und Dezember 2022. Im Zentrum des Interesses stand die Situation nach der Corona-Pandemie.

57 Prozent derer, die neben der Berufsmusik auch einer nicht-musikalischen beruflichen Tätigkeit nachgehen, kämen laut eigener Aussage ohne diese Tätigkeit finanziell nicht über die Runden. Durchgängig zeigen die Ergebnisse, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Versicherungsstatus und der Einkommenssituation gibt: Berufsmusizierende, die überihre musikalische Tätigkeit versicherungspflichtig beschäftigt sind, erzielen mit durchschnittlich
2.920 Euro im Monat ein weit überdurchschnittliches Einkommen. Diejenigen jedoch, die über die Künstlersozialkasse versichert sind, verfügen mit durchschnittlich
2.450 Euro im Monat über vergleichsweise geringe monatliche Einkünfte.

Der Radio-Sender RBB nahm sich auch dem Thema an und sprach mit dem Leiter des miz, Stephan Schulmeistrat,über die Einkommenssituation und die Berufsvoraussetzungen:

Die gesamte Studie steht hier zum Download: miz.org

 

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