Susanne Bienwald – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 25 Jun 2021 14:57:20 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Rechtsextremismus in der Südheide https://www.tiefgang.net/rechtsextremismus-in-der-suedheide/ Fri, 25 Jun 2021 22:55:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8134 [...]]]> Gleich zu Beginn stand der Theologe Wilfried Manneke mit seinem Buch „Guter Hirte – Braune Wölfe“ zum Rechtsextremismus in der Südheide auf dem Programm der SuedLese-Literaturtage. Die Nachfrage zum Thema wurde dadurch aber erst geweckt. Grundgenug also für einen Zweittermin samt Autorengespräch.

Wilfried Manneke hat es am eigen Leib und Seele erfahren, wie rechtsextremistische Kräfte mit Einschüchterungen und Drohungen sich in der Südheide breit machen und die Gesellschaft verunsichern. Die Lesung samt Autorengespräch und auf Einladung des Harburger Café Refugio  stand recht früh auf dem SuedLese-Programm. Da aber viele erst später vom Thema erfuhren und nachfragten, entschloss sich das SuedLese-Team nun am Sonntag, 27. Juni um 19 Uhr eine weitere Online-Lesung samt Live-Gespräch mit dem Autoren selbst anzuberaumen.

„Es gab auch einige technische Probleme beim ersten Online-Termin, die wir nun weitestgehend in den Griff bekamen und das Statement Mannekes ist derart stark, dass wir es regelrecht für erforderlich halten, den Diskurs aufs neue anzugehen“, so SuedLese-Projektleiterin Anne Lamsbach. Zur Online-Lesung findet man über das SuedLese-Portal über suedlese.de/guter-hirte-braune-woelfe.

Aber noch weitere junge Autor*innen fanden erst während der SuedLese zu dem Format und fragten nach, ob nicht auch sie noch Platz im Programm finden könnten. „Das war natürlich schon gedruckt. Aber es ist eine Art Selbstverständnis der Initiative SuedKultur ihre lokalen Kreativen zu unterstützen, so dass wir im Online-Bereich schnell weiteren Platz geschaffen haben“, so Lamsbach.

So ist am Sonntag, 27. Juni um 10h eine Haiku-Werkstatt rund um den Harburger Hafen unter dem Titel „Auf neuen Wegen“ von der Volkhochschule Harburg anberaumt worden. Haiku sind japanische Kurzgedichte, die in ihrer traditionellen Form im Deutschen als Dreizeiler mit einer festgelegten Anzahl von fünf – sieben – fünf Silben wiedergegeben werden. Hierzu ist vorab eine Anmeldung erforderlich unter: suedlese.de/Haiku-Werkstatt

Auch die Debutautorin Jana Jung ist mit ihrer Online-Lesung samt Live-Gespräch am Mi. 30. Juni um 18h neu hinzugekommen. Ihr Debutroman ist ein Reisebericht ihrer Jakobswegwanderung, die besondere Erlebnisse ans Tageslicht bringt. Der Titel „keep on going – alles ist möglich!“. Hier zum Online-Termin.

Und die SuedLese-Interessierten bestens bekannte Autorin Susanne Bienwald mit ihrem Buch „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“ – Ansichten eines klugen Hundes“ konnte noch neu für den Mi., 30. Juni, 18 Uhr angesetzt werden, weil die Kontaktbeschränkungen gelockert wurden. Das Besondere der „Lesung“: Sie findet als literarischer Spaziergang im Harburger Stadtpark statt und samt Buch-Protagonistin Hündin Mina. Eine Anmeldung ist nötig unter suedlese.de/ich-mina-aus-der-gaertnerstrasse.

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Leinen Los https://www.tiefgang.net/leinen-los/ Fri, 11 Jun 2021 22:33:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8007 [...]]]> Die SuedLese-Literaturtage bieten immer Überraschungen. So kommt nun am Mi., 30. Jun., noch ein literarischer Spaziergang am Außenmühlenteich und mit einer Hündin dazu. Wir fragten nach …

 Susanne Bienwald begegnete ich das erste Mal bei der SuedLese 2018, als sie aus ihrem Buch „Da geht einer“ in der Deichdiele in Wilhelmsburg vorlas. Seiner Zeit ging es um Friedrich Hebbel.

Die Lesung gefiel mir ausgesprochen gut und war gewissermaßen der Beginn persönlicher Verbundenheit durch die Liebe zur Sprache. In Susanne Bienwald lernte ich eine Schriftstellerin kennen und schätzen, die ebenso feinfühlig wie vielseitig ist. Besonders die Lektüre ihres Romans „Wittensee“ hat mich tief berührt. Gerne hätte ich mir daraus von ihr vorlesen lassen, z. B. bei einer „Lesung unterm Kirschbaum“ die von Anja Schwennsen als Begegnungsort ins Leben gerufen wurde. Allerdings verpasste ich jene Lesung, besuchte dafür jedoch im Mai eine von Jan Christophersen, der mit seinem Roman „Ein anständiger Mensch“ zu Gast war. Ein wunderschöner Ort der Worte, den ich wärmstens empfehlen möchte. Bevor ich weiterschwärme und vom Stöckchen zum Steinchen komme, zurück zu Susanne Bienwald und ihrem aktuellen Beitrag zur SuedLese 2021, die unter ausgefallenen Umständen geplant wurde.

Tiefgang (TG): Liebe Susanne, schön, dass du neben deinen freiberuflichen Verpflichtungen die Zeit gefunden hast, ein paar Fragen zu beantworten. Die Corona-Krise dürfte dich vor besondere Herausforderungen gestellt haben. Magst du erzählen, wie es dir damit ergangen ist? Was war besonders schwierig für dich und was würdest du gegebenenfalls positiv bewerten?

Susanne Bienwald: Ich lebe ja, wie übrigens die meisten Schriftsteller auch, von Lesungen und Vorträgen. Im letzten Frühjahr habe ich allein am 13. März (einem Freitag!) mehr als die Hälfte meines Jahreseinkommens verloren. Das war hart. Allerdings habe ich auch viel Solidarität erfahren, Hilfestellungen und hinter meinem Rücken organisierte Buchverkäufe. Da war ich fassungslos, wie mir völlig Unbekannte sich zusammentaten, um zu helfen. Danke an dieser Stelle an die vielen Unbekannten. Und: Die Stille in der Stadt, der heruntergefahrene Betrieb, das habe ich auch als wohltuend empfunden.

TG: Deine Lesung soll draußen stattfinden, im Harburger Stadtpark. Im Programmheft fehlt dieser Termin, weil er vorsichtshalber wegen vorläufiger Kontaktbeschränkungen ins digitale Format verlegt werden sollte. Wieso kam das für dich nicht in Frage?

Susanne Bienwald: Der Charme der Veranstaltung besteht für mich darin, dass mein kleiner Hund mit von der Partie ist und so die einzelnen Kapitel besonders lebendig werden. Ich habe Mina gefragt. Sie wollte sich nicht digitalisieren lassen.

TG: Nun kann die Lesung zum Glück ja doch noch unter freiem Himmel mit Auslauf stattfinden.

Susanne Bienwald: Ja, ich freu mich. Und hoffe trotz fehlender Ankündigung auf interessierte ZuhörerInnen.

 TG: Das wird schon klappen. Das Programmheft ist ja zum Glück nicht die einzige Möglichkeit, sich über die Veranstaltungen zu informieren. Es gibt auch Pressemitteilungen und im ganzen Gebiet verteilte Plakate, die auf die Website www.suedlese.de hinweisen. Zu deinem letzten Buch: Es unterscheidet sich erheblich von deinen anderen Werken. Was hat dich dazu animiert, und welche Leserschaft hattest du im Sinn? Muss man Herrchen oder Frauchen sein, um sich angesprochen zu fühlen?

Susanne Bienwald: Bei meinen Spaziergängen mit Mina habe ich oft überlegt, was sie wohl denken mag. Da ich vorher auch biografisch geschrieben habe, war es dann kein weiter Weg, mich in den Kopf meiner kleinen Hündin hineinzudenken. Außerdem hat es mich gereizt, einmal auf unterhaltsame Weise, menschliche Unzulänglichkeiten auf die Schippe zu nehmen. Man muss also kein glühender Hundefan sein, um das Buch zu mögen.

TG: Worauf freust du dich am meisten, wenn du an die SuedLese denkst? Sind es die Orte der Worte oder der Klang der Sprache? Die Resonanz bei der persönlichen Begegnung und ein möglicher Gedankenaustausch?

Susanne Bienwald: Nach der langen Durststrecke freue ich mich besonders auf die Begegnung en, die Fragen und Gespräche rund um die Lesung. Haben wir das nicht alle gerade nötig?

TG: Autor*innen müssen auch von etwas leben, sprich: Geld verdienen. Würdest du sagen, dass die Literaturtage dazu beitragen, über den Unterhaltungswert hinaus den Kulturschaffenden und ihren Werken mehr Gehör und Anerkennung zu verschaffen?

Susanne Bienwald: Auf jeden Fall. Es tut gut, seine Leser einmal persönlich kennenzulernen. So wie das mit uns beiden ja geschehen ist. Darüber hinaus ist die SuedLese eine Möglichkeit, mediale Aufmerksam zu bekommen. Wie etwa mit diesem Interview.

TG: Vielen Dank für den kurzen Einblick. Wir drücken die Daumen, dass das Wetter am 30. Juni genau richtig sein wird für einen gedanklichen Streifzug ohne Leinenzwang.

Susanne Bienwald: Ich danke dir. Vielleicht sehen wir uns im Stadtpark wieder? Meine Mina kennst du ja schon.

Termin: Mi., 30. Jun 2021, 18:00 Uhr, von der Hamburger Volkshochschule in Harburg, Eintritt: 10€

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Suanne Bienwald: „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“ – Ansichten eines klugen Hundes

Ein literarischer Spaziergang durch den Harburger Stadtpark im Rahmen der 6. SuedLese

Zum Inhalt:

„Ich halte mich nur an Regeln, die ich gut finde“. Mina, eine selbstbewusste Mischlingshündin, hat ihre eigene Sicht auf die Welt. In ihrem Buch spürt sie den Fragen nach, die sie umtreiben: Wo gibt es den besten Döner? Was ist dran an der Relativitätstheorie? Warum leiden Menschen unter Rassenwahn? Wozu gibt es Killer-Enten? Und wann begreift ihre Begleiterin Susanne endlich, dass Hunde Langschläfer sind? Ein heiter-philosophisches Buch, in dem ein Hund die Welt erklärt, wie sie wirklich ist. Die Autorin auf vier Pfoten ist selbstverständlich bei dem literarischen Spaziergang im Harburger Stadtpark dabei. Ihre Begleiterin, Susanne Bienwald, darf lesen. Und so wandern wir gemeinsam lauschend durch den Stadtpark von der Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland bis zur Freilichtbühne.

Der Kurs findet im Rahmen von „SuedLese – Literaturtage im Süden“ statt.

Anmeldung erforderlich unter Tel. 040 / 4284 1 4284 oder www.vhs-hamburg.de

Kursnummer 0538SHH01, 1 Termine, 2 UStd., Entgelt 10 €

Treffpunkt: Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland, Gotthelfweg 2 a

Mi., 30.6.21, 18-19.30 Uhr

 

Veranstaltung im Rahmen der Suedlese. Treffpunkt: Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland (Bus 146), gemeinsamer Endpunkt: Freilichtbühne im Harburger Stadtpark

Infos: https://suedlese.de/lesungen/ich-mina-aus-der-gaertnerstrasse-ansichten-eines-klugen-hundes/

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

 

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Wertvoll für den Süden https://www.tiefgang.net/wertvoll-fuer-den-sueden/ Fri, 21 Feb 2020 23:32:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6383 [...]]]> Literaturtage nur zum passiven Konsum? Das reicht dem neuen Leitungsteam der Harburger VHs nicht und so bietet sie etliche Kurse rund ums Wort. Wir haben nachgefragt …

In den vorherigen Jahren holte die VHS in Kooperation mit der Bücherhalle prominente Gäste wie Heinz Strunk und Carmen Korn nach Harburg zu den Literaturtagen. Im diesjährigen Programm finden sich zudem Angebote, die dazu einladen, vom Zuhörer zum aktiven Teilnehmer zu werden. Wir fragten beim Leitungsteam der Region Harburg/ Finkenwerder, Ilker Ipek und Julia Hoffmann, nach, was für eine Idee dahintersteckt.

Tiefgang (TG): Die SuedLese entstand, um der Literatur eine besondere Bühne zu bieten und das Interesse an Büchern zu fördern. Die Hamburger Volkshochschule war von Anfang an Kooperationspartner. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?

Ilker Ipek: Wir waren von Anfang an von genau dieser Idee der Suedlese begeistert. Die Suedlese bringt Institutionen und Kulturschaffende zusammen und es entstehen neue Kooperationen, neue Ideen und neue Angebote für die Menschen im Stadtteil. Das ist für den Süden Hamburgs sehr wertvoll.

TG: Betrachtet die VHS Lesen und Schreiben ganz grundsätzlich als Kernkompetenzen, die es explizit zu fördern gilt?

Ilker Ipek: Die Hamburger Volkshochschule betrachtet Lesen und Schreiben als unabdingbare Grundvoraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe. Die VHS bietet seit 1986 Kurse an, in denen Menschen das Lesen und Schreiben lernen. Darüber hinaus finden Teilnehmende in unserem offenen Programm Lesungen, Schreibwerkstätten, Literaturgesprächskreise und vieles mehr.

TG: Welche Erfahrungen werden bei deren Vermittlung gemacht? Welche Rolle spielt die persönliche Ansprache?

Ilker Ipek: Im Bereich Grundbildung ist eine persönliche Ansprache sehr wichtig. Für viele ist der erste Schritt zu einem Kurs aus vielerlei Gründen nicht einfach. Wir freuen uns aber immer wieder zu sehen, mit welcher Freude die Teilnehmenden die Kurse besuchen nach dem sie den ersten Schritt gemacht haben.

TG: Susanne Bienwald wird dieses Mal als Autorin keine Lesung mit einem ihrer Bücher machen, sondern versuchen, gemeinsam mit Teilnehmenden dem Geheimnis guter erster Sätze auf die Spur zu kommen. Ist dies ein eigens erdachter Ansatz anlässlich der SuedLese?

Ilker Ipek: Die konkrete Planung für die Kurse hat meine Kollegin Frau Hoffmann koordiniert. Sie kann die Fragen zu den konkreten Angeboten viel besser beantworten.

Julia Hoffmann: Die Idee zu diesem Kurs hat Susanne Bienwald eigens für die Suedlese entwickelt! Gerade die ersten Sätze sind ja die entscheidenden. Daher war Ihre Überlegung, einen Kurs anzubieten der sich besonders dem Einstieg in eine Erzählung widmet. Die Veranstaltung lautet daher auch: Erste Sätze finden – eine ganz besondere Textwerkstatt. („Hut ab“, sagte der Verleger nach dem Lesen des ersten Satzes.).

TG: Bei einem anderen Angebot werden Buchstaben selbst zum sinnlichen Erlebnis. Kalligraphie erinnert an die ursprünglich hohe Kunst der Schriftsprache, die wesentlich zur Weitergabe von Wissen beiträgt, also Bildung im eigentlichen Sinn.

Julia Hoffmann: Die Bedeutung der Schrift für die Bildung ist natürlich fundamental. Bei diesem Kurs geht es uns auch darum in Zeiten des digitalen Wandels, in denen ein großer Teil der Kommunikation im Alltag digital stattfindet ein Angebot vorzuhalten, welches genau auf die Kunst der analogen Schrift setzt. Ich denke, dass diese Kurse wirklich ein Ausgleich zum digitalen Alltag bieten und daher bei unseren Teilnehmenden sehr beliebt sind.

TG: Ähnlich ist das Angebot „Handlettering“. Hier kann man etwas über die Bandbreite der Schrifttypen erfahren und mit der Wirkung experimentieren. Welche Zielgruppe wird hiermit erfahrungsgemäß besonders angesprochen?

Julia Hoffmann: Unsere Kurse richten sich ganz nach unserem Motto „Bildung für alle!“ an eine sehr breite Zielgruppe. Jede oder jeder kann an diesen Kursen teilnehmen.

TG: Speziell etwas für Jüngere ist das Angebot „Comics zeichnen“, denn diese Form der Literatur erfreut sich besonders bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit. Früher eher belächelt und oftmals unterschätzt, genießt sie mittlerweile bisweilen Kultstatus, auch in erwachsenen Kreisen. Die Verknüpfung der Elemente Bild & Sprache bietet sehr viel kreativen Spielraum.

Versteht sich die VHS als Brückenbauerin, wenn sie Mittel und Wege zeigt, wie schon junge Menschen kulturschaffend sein können?

Ilker Ipek: Wir denken, dass Maßnahmen der kulturellen Bildung besonders wichtig für die Persönlichkeitsbildung und Selbstmotivation der Jugendlichen sind. Aus diesem Grund veranstaltet die Junge VHS seit Jahren den talentCAMPus. Das ist ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 18 Jahren. Er richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche, die wegen ihrer finanziellen, familiären oder sonstigen Situation bildungsbenachteiligt sind.

TG: „Stadtgeschichten“ schulen die eigene Beobachtungsgabe und sollen dazu verlocken, diese in Worte zu fassen. Durchaus denkbar, dass Teilnehmende auf den Geschmack kommen und weiterentwickeln, was beim Verfassen kurzer Texte seinen Anfang nahm. Vielleicht wird der eine oder andere noch Geschichte schreiben…

Julia Hoffmann: Genau das passiert tatsächlich in unseren Kursen. Die tollen Ergebnisse sehen wir jedes Jahr in der Veranstaltung „Hamburg schreibt – ein VHS-Leseabend“. In dieser Veranstaltung bekommen Teilnehmende aus unseren Schreibkursen und Literaturwerkstätten die Möglichkeit ihre Texte einem breiten Publikum vorzustellen. Das ist wirklich eine tolle Sache.

TG: Alle diese Angebote laden dazu ein, sich selbstwirksam mit dem Akt des Schreibens auseinanderzusetzen, also aktiv zu werden, statt nur Zuschauer bzw. Zuhörer zu sein. Eine schöne Idee, die SuedLese um einen zusätzlichen Aspekt zu erweitern. Diese Ergänzung dürfte den Besuchern und Besucherinnen noch mehr Lust auf Literatur machen und auch einmal mehr aufzeigen, wie vielseitig die Hamburger Volkshochschule ist!

(das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

Das Kursangebot der Volkshochschule während der Literaturtage findet sich im SuedLese-Programmheft auf den Seiten 63-67.

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Der schreibende Hund https://www.tiefgang.net/der-schreibende-hund/ Fri, 15 Mar 2019 23:24:48 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4855 [...]]]> Susanne Bienwald lebt und arbeitet als Biografin. Die Spaziergänge mit ihrer Hündin Mina verleitete sie nun zu einer tierisch guten Biografie der anderen Art. 

Susanne Bienwald ist gebürtige Eutinerin und kam nach Auslandsaufenthalten in der Türkei, Griechenland und Spanien nach Hamburg, wo sie seit 2001 als Autorin und Lektorin arbeitet. Im Writers‘ Room in der Stresemannstraße 374 E bietet sie jeden ersten Sonntag im Monat eine offene Textwerkstatt an. Sie ist vom Fach, versteht ihr Handwerk, hat Erfahrung und gehört wohl auch aus diesen Gründen zur Hauptjury des Walter-Kempowski-Literaturpreises.

Sie studierte Philosophie, Germanistik, Romanistik und Soziologie in Konstanz, Berlin und Hamburg. Nachdem sie die Idee hatte, eine Biografie über den Dramatiker Hans Erich Nossack zu schreiben, wirkte sie zunächst federführend bei der Verfilmung im Auftrag vom Südwestrundfunk mit, und “Hans Erich Nossack. Innenansichten eines Außenseiters” gewann 2002 den Preis der LiteraVision, München.

Erst danach entstand das biografische Werk, das bei Hoffmann und Campe unter dem Titel „Hans Erich Nossack. Nachts auf der Lombardsbrücke“ (2007) erschien. Mit dem gleichen Verlag veröffentlichte sie 2008 dann auch die Biografie „Friedrich Hebbel und Hamburg. Lauter zerrissene Verhältnisse“.

Mit Friedrich Hebbel befasste sie sich nochmals in ihrem Roman „Da geht einer“ und versetzte sich in den seinerzeit noch unbekannten Dichter und schildert seine Hoffnungen und Zweifel während des beschwerlichen Fußmarsches von München nach Hamburg-Harburg.

Im Roman „Wittensee“ greift sie das Thema Hochsensibilität auf. Die Geschichte der Xenia erzählt einfühlsam vom Druck eines sensiblen und introvertierten Menschen, der sich jahrelang verstellte, um den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen.

Ihre Geschichten gehen nahe. Sie sind berührend und tiefsinnig.

Nun wandelt die gestandene Autorin überraschend auf vier Pfoten. In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch “Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“ versetzt sie sich nämlich einmal in das helle Köpfchen ihrer Mischlingshündin und beschreibt, was der beste Freund des Menschen wohl über uns denken mag. Es entstand ein humorvolles Buch wider den tierischen Ernst mit allerlei Gedankengut.

“Als Biografin ist es ja mein täglich Brot, mich in andere Köpfe zu begeben. Warum also nicht in den meines kleinen Hundes?”, sagt Bienwald. Normalerweise arbeite sie kontinuierlich an einem Werk. Wenn sie ein Thema habe, beginne eine literarische Recherche, es entstehe ein vorläufiges Exposé, dann folge die Schreibtischarbeit. Das “Mina-Buch” sei dagegen über drei, vier Jahre hinweg nebenbei beim Spaziergang durch Eimsbüttel entstanden.

„Seit Loriot wissen wir, dass Hunde sprechen können, jetzt der erneute Quantensprung: Sie können schreiben! Und wie!“ meint Wolfgang Knuth, ein begeisterter Leser aus Sylt.

Freuen wir uns also auf eine völlig neue Seite der Autorin und tierische Einsichten auf hohem Niveau.

Termin bei der 4. SuedLese: 28. März, 20h – Susanne Bienwald : „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“, Kulturcafé „Komm du“, Buxtehuder Straße 13, 21073 Hamburg-Harburg, Eintritt frei / Hutspende

Weiterführend: www.schattenblick.de/infopool/d-brille/veranst/dbvl6293.html

Das Buch:

Susanne Bienwald: „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“, Roman, EBOOK, 108 SEITEN, LIT VERLAG EXPEDITIONEN, VÖ: 04. Nov. 2018, ISBN 13: 978-3-947911-06-6, PREIS: € 3,99

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Eine halbe Meile noch bis Harburg https://www.tiefgang.net/eine-halbe-meile-noch-bis-harburg/ Fri, 23 Mar 2018 23:22:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3079 [...]]]> Die Hamburger Autorin Susanne Bienwald eröffnet bei der 3. SuedLese einen neuen Leseort – die Wilhelmsburger „Deichdiele“. Passend dazu ihr Buch „Da geht einer“. Wir haben vorab mit ihr gesprochen …

Susanne Bienwald stammt aus Eutin und ist seit 2001 als freie Autorin und Lektorin in Hamburg tätig. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik, Romanistik und Soziologie in Konstanz, Berlin und Hamburg.

Nach Auslandsaufenthalten in der Türkei, in Griechenland und Spanien und einem kurzen Zwischenspiel im Schuldienst arbeitete sie für den SWR in Baden-Baden. Mit dem Film „Innenansichten eines Außenseiters“ gewann sie 2002 den Münchener Preis der LiteraVision.

Später veröffentlichte sie beim Verlag  Hoffmann und Campe und dann im Literaturverlag Expeditionen ihre Künstlernovelle „Da geht einer“. Im Kadera-Verlag erschien zuletzt der Roman „Wittensee“ – ein Buch, das sich dem Thema ´Hochsensibilität` beschäftigt. Dies stellte sie 2017 bei der 2. SuedLese in der Kulturwerkstatt Harburg vor. Auch ist sie Mitglied und im Vorstand der Autor*innen-Vereinigung ´Writers’ Room`in Hamburg.

Tiefgang (TG): Du hattest schon 2017 in der Kulturwerkstatt gelesen. Wie war Dein Eindruck von der SuedLese? Ein Format das gefällt?

Susanne Bienwald: Gefallen hat mir die freundliche, ja fast familiäre Atmosphäre, die vor, während und nach meiner Lesung zu spüren war. Es schien mir so, als würden die ZuhörerInnen sich Zuhause fühlen. Viele kannten sich offenbar. Sprachen miteinander. Das ist natürlich auch für jeden Lesenden schön, wenn solch eine Stimmung herrscht. – Jetzt aber denke ich daran, wie ich mit Rüdiger Käßner draußen stand und dachte, wie schmal und verletzlich er doch aussah. Und dass er nicht krank werden dürfte … Es ist für alle, die ihn kannten und für die Hamburger Literaturszene ein Verlust, dass Rüdiger gestorben ist.

(Rüdiger Käßner (´Tiefgang` berichtete) war Autor und auch Literaturveranstalter in Hamburg, arbeitete viel auch in und mit der Kulturwerkstatt Harburg und las selbst dort im Rahmen der 2. SuedLese. Anfang Februar diesen Jahres verstarb er, Anm. d. Red.)

TG: In „Wittensee“ geht es um die Studentin Xenia, die mit Extrovertiertheit und Hochsensibilisierung zu kämpfen hat und in der Einsamkeit einen inneren Wandel vollzieht. Bei der aktuellen Lesung ist es ein „Marsch“ auf der Suche nach der inneren Berufung. Ist die innere Gespaltenheit oder Unsicherheit – könnten man es so nennen? – ein Grundthema deiner Bücher?

Bienwald: Ja, da bist du wahrscheinlich auf der richtigen Spur. Ich würde es so sehen: Mich bewegen inneren Vorgänge; die Zweifel, Ängste, Traumata, Freuden eines Menschen. Die tieferen, oft verborgenen Gründe für Entscheidungen und Verhalten. Und da wir wahrscheinlich alle mehr oder weniger Rollen spielen – so empfinde ich es jedenfalls -, sind es Verdrängungen und Spaltungen, die dann mit ans Licht kommen.

TG: Du eröffnest der SuedLese mit Deiner Lesung am 8. April erstmals die Türen zur Wilhelmsburger „Deichdiele“. Schon mal dagewesen?

Bienwald: Eine Freundin von mir lebt in Wilhelmsburg. Mit der war ich schon mal in der Deichdiele. Sie freut sich über meine Lesung „um die Ecke“ und wird sicher kommen.

TG: Was hälst Du von der SuedLese-Idee, vor allem lokalen Literat*innen mit Lesungen an neuen Orten zu würdigen?

Bienwald: Ich bin ja bekennende Lokalpatriotin (wenn auch für Ostholstein). „Wittensee“ ist auch eine Hommage an meine norddeutsche Heimat. Den lokalen Bezug also finde ich großartig. Durch die Wahl der Orte werden hoffentlich auch Schwellen gesenkt, sowohl bei den Zuhörern („ach, die Kneipe kenn` ich, da seh` ich mal vorbei, obwohl ich sonst nicht zu Lesungen gehe“), als auch bei den Veranstaltern, die plötzlich neues Publikum in ihren Räumen haben. Ja, und dann ist natürlich so eine Art Stolz vorhanden. Was wir hier Tolles auf die Beine stellen. Ich hab ja schon letztes Jahr erlebt, dass sich meine Zuhörer miteinander unterhalten haben. Und da haben sich einige gleich zur nächsten Veranstaltung verabredet. Das fand ich richtig gut.

„Eine halbe Meile noch bis Harburg. Ich wünschte, ich könnte für immer dableiben.“ So heißt es in dem Roman, den ich in der Deichdiele vorstellen werde. Wenn das kein Lokalbezug ist!

TG: Du bist als Autorin  auch aktiv als Vorstandsmitglied des Writers Room Hamburg. Wie schätzt Du die literarische Szene Hamburgs aktuell ein? Wie siehst Du die Szene selbst, ihre Themen?

Bienwald: Ich meine zu beobachten, dass sich die Hamburger Szene im Augenblick öffnet für neue Formate der Präsentation von Literatur. Etwa die Ahab- Lesungen, die AutorInnen aus verschiedenen Ländern zusammenbringen; das hat es vorher so nicht gegeben.        

Vielleicht steigt in einer zunehmend digitalisierten Welt das Bedürfnis nach „analogen“ Begegnungen. Eine Lesung ist viel mehr als der Text, den man sich herunterladen kann. Man sieht den Menschen, der ihn geschrieben hat, hört seine Stimme, kann ihn befragen. Befindet sich mit anderen Interessierten im Raum. Das ist ein großer Wert.

Im Moment warten viele auf die erste Ausgabe von „Tau“; einer neuen Hamburger Literaturzeitschrift mit bundesweiten Ambitionen.

Von offizieller Seite gibt es Unterstützung, aber lange nicht genug. Man schmückt sich gern mit Literaten, aber schaffen sollen sie es am besten ohne Unterstützung. Hamburg hat da eine lange ungute Tradition. Kollegen, die in München oder Berlin gewesen sind, berichten von einer ganz anderen Wertschätzung, die man ihnen dort entgegengebracht hat. Wenn ich erzähle, dass ich Schriftstellerin bin, höre ich als erstes: „Kann man denn davon leben?“ Scheint mir ein typisch hanseatischer Satz zu sein. Einmal hätte ich wegen meines „unzuverlässigen“ Berufs fast eine Wohnung nicht bekommen. „Schriftsteller? Die verdienen doch nichts. Können Sie sich die Wohnung überhaupt leisten?“

TG: Was dürfen von Dir als nächstes erwarten?

Bienwald: Ausnahmsweise mal ein kleines heiteres Buch, „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“. Ein selbstbewusster Terrier-Mischling berichtet von Killer-Enten, kritisiert menschlichen Rassenwahn und erklärt die Relativitätstheorie.

SuedLese-Termin: So., 8. April, 18h, Deichdiele, Veringstraße 156, 21107 Hamburg

Das Buch:

In „Da geht einer“ beschreibt Bienwald einen Marsch auf mehreren Ebenen. Im März 1839 machte sich der noch unbekannte junge Autor Friedrich Hebbel zu Fuß auf den Weg von München nach Hamburg. In „Da geht Einer“ wird dieser gefährliche Marsch unmerklich zu der Reise eines Dichters auf der Suche nach seiner Berufung. Ein Mensch auf der Suche nach sich selbst, der sich dabei zwischen Himmel und Hölle, Depression und Selbstüberschätzung, Euphorie und Demütigung hin und her, hinauf und hinab bewegt. Der Roman beschreibt ein Reiseabenteuer, das nicht nur quer durch Deutschland, sondern zugleich in das Herz eines Dichters führt und nicht nur im 19. Jahrhundert, sondern in jeder Zeit spielt.

 Susanne Bienwald: Da geht einer: kartoniert / broschiert, Paperback; ISBN-13: 9783943863482, 204 Seiten, 220 x 155 mm, erschienen: 14.3.2016

(Das Interview für ´Tiefgang`führte Heiko Langanke.)

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