Techno https://www.tiefgang.net Tue, 10 Apr 2018 16:48:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Mehr Trubel hinter als auf der Bühne https://www.tiefgang.net/mehr-trubel-hinter-als-auf-der-buehne/ Fri, 13 Apr 2018 22:36:35 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3453 [...]]]> Die Freilichtbühne war in den letzten Jahren in aller Munde aber selten benutzt. Das soll sich nun ändern. Ändern könnte sich aber so manches mehr …

Einst regelmäßige Kultstätte (siehe z.B. Hamburger Abendblatt vom Juli 2010) der weit bekannten „Keine Knete trotzdem Fete“  kam sie 2012 und prompt im Bezirks-Wahlkampf unter die politischen Räder (Hamburger Abendblatt vom Juli 2012). Beschwert hatten sich Anwohner über Lärm und Dreck und von politischer Seite wurde bestimmt, dass elektrisch verstärkte Veranstaltungen nur noch selten und nur über wenige Stunden hin statt finden dürfen. Das Problem dabei: wer auch immer die Bühne nutzen will, muss sich selbst um Genehmigung, Gebühren, WCs, Wasseranschluss kümmern. Dazu eben dann Programm, Werbung, Abgaben und auf gutes Wetter hoffen. So lag es auf der Hand, dass zunehmend Veranstaltungen statt fanden, die eben auch eine Refinanzierung durch Getränkeumsatz ermöglichten: Techno-Parties und ähnliches. Durch die Beschränkungen, die sich eben gegen genau diese Art Veranstaltungen wandten, suchten sich die Veranstalter andere Plätze. Und fanden sie – auch in Süderelbe. Nämlich auf Privatgrundstücken, auf denen weder Gebühren, Anträge, Bestimmungen und anderes für Unmut sorgten.

So verwaiste die Bühne zusehends, bis dann 2015 gar noch eine Denkmalsanierung folgte – für gut 300.000,- €. (siehe Hamburger Abendblatt vom Juni 2013)

Nun also wieder eine schöne Bühne – leider aber ohne Nutzer.

Die Initiative SuedKultur freut sich natürlich grundsätzlich, wenn im Süden Hamburgs Kulturflächen genutzt werden können. Einige SuedKulturler hatten auch nach der Sanierung mit Teilender Verwaltung Harburgs bereits erste Ideen geschmiedet, wie es klappen könnte. Doch der Kulturausschuss der Bezirksversammlung entdeckte seinerzeit die Hamburger Kreativgesellschaft, die Flächen wie den Wilhelmsburger Elbinselpark „betreut“. Ihre „Dienste“ kosten nichts, weil es schon eine städtische Gesellschaft ist. Aber schon damals  war klar: mehr als die Nutzung per E-Mail-Verteiler feilbieten, werde auch dort nicht geleistet werden können. Und so gingen wieder zwei Jahre ins Land, in denen wenig und wenn dann eben doch Techno-Events zum Zuge kamen. (siehe Hamburger Abendblatt vom Okt. 2017)

Nun also – nach gut sechs Jahren – ein weiterer Versuch vom Bezirk selbst. Auch diesmal begrüßt die Initiative SuedKultur das Unterfangen. Sollte es dann auch noch nachfolgend möglich sein, die Restriktionen hinsichtlich Nutzungsdauer und Lautstärke wieder aufzuheben, wäre immerhin aus Fehlern gelernt.  Noch besser wäre, man nähme sich auch gleich offensiv der Thematik „Lärmschutzinteressen von Anwohner versus urbanen Veranstaltungen in zunehmend eng besiedelten Gebieten“ an. Damit  wäre vermutlich allen am meisten geholfen. Denn dass es allerorten in Hamburg Reibungsflächen gibt, ist bei zunehmender Bebauung und Zuzug von Menschen mit gleichzeitig steigender Nachfrage nach Unterhaltung und Kultur zwangsläufig. Und: es wird auch Harburg treffen. Ein Verzicht auf Gebühren zur Bühnennutzung könnte zudem den bezirklichen Willen unterstreichen, so dass auch Freiluft-Theater etc. bei Wetterkapriolen zumindest nicht mehr Schaden davon tragen als nötig. Andernorts wird dies durchaus praktiziert.

Aber seien wir realistisch: Harburg wäre nicht Harburg, würde es nicht stets auch Harburger Wege gehen. In diesem Sinne: Glück auf!

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Live ist auch Techno am schönsten https://www.tiefgang.net/live-ist-auch-techno-am-schoensten/ Tue, 03 Jan 2017 08:38:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=346 [...]]]> Während manchen Spielmannszug große Nachwuchssorgen plagen, hat ein Hamburger Jung gleich eine ganze Meute aufhetzen können. Und sie bricht mit so ziemlich allen Konventionen …

Ach wie schön war es anno dazumal mit der Musik: es gab Rock, Punk, Schlager und Volksmusik (beim Blauen Bock), Klassik, Jazz, Pop vielleicht und Reggae für einige kiffende Versprenkelte und das war es fast schon an Unterscheidungskriterien. Damit kam man ganz gut durch bis in die Achtziger. Und man hätte wohl auch zu jeder Sparte bald sagen können, wie man ihre Anhängerschaft modisch zu unterscheiden weiß. Heute ist das weit aus schwieriger.

Der Rock allein ist von Trash Metal über Gothic bis Speed so facettenreich, dass differenzierende Begriffe zu suchen fast sinnlos erscheint. Manch „unplugged“ wird gerne schon Jazz genannt, weil „ist ja rein akustisch“. Der „Singer-Songwriter“ versucht lieber gleich jede musikalische Zuordnung zu vermeiden. Hier macht eben jemand was in Musik und Text. Das reicht ja wohl als Aussage …

Man könnte meinen, jeder macht was er will,  Hauptsache es gefällt. Und wenn es erfolgreich ist, dann ist dem wohl so. Doch die neue Freiheit hat wahrlich sein Gutes, denn die Kunst muss ja stets Regeln und Strukturen brechen, um ihre Unzulänglichkeiten überhaupt erst zu verdeutlichen.

Und wenn es gar keine Regeln mehr gibt? Was tut sie dann?

Jedenfalls nicht zwangläufig nichts. Manchmal ermöglicht es eben auch erst Sprünge zwischen Genres, die einstmals aufgrund ihre Weite und Größe undenkbar, unerlaubt und vielleicht daher fast selbstmörderisch gewesen wären. Man denke sich zurück in die puristischen späten 80er. Die erste Techno-Musik (damals gerne noch Tekkno geschrieben) nahm ihren Anfang und da es nur von DJs – also nicht anerkannten Musikern sondern Zweit- oder Weiterverwertern – gespielt wurde, hatte dieses Genre es unter Live-Musik-Fans eh schon schwer. Und war das überhaupt Musik? Melodien sind da ja nicht wirklich zu finden und reine Beats als Musik zu bezeichnen, ist eben einer der Verdienste des Techno und zuweilen auch des Rap.

Das ist heute nicht mehr und hat so vermutlich erst die Basis geschaffen, dass eben nun ausgerechnet in Hamburg gleich eine ganze Meute losschlägt, den Techno mit der traditionellen Blaskappelle und irgendwie auch dem Jazz zu verbinden, im wahrsten Sinne neu einzukleiden und daraus wiederum Neues zu erschaffen. Und warum diese Kapelle dann nicht auch gleich „Meute“ nennen?

Die Idee stammt von Thomas Burhorn. Studierter Trompeter, der sich neben seinem Instrument auch noch mit Kulturmanagement befasste. Unter anderem mit Hamburgs Jazzszene.

Die Idee zum Projekt Meute“ fasst er in etwa so zusammen: elektronische Musik zu ihren Wurzeln zurück zu bringen. Oder man könnte auch lautmalern: uffta uffta kommt zurück zu rumtata rumtata. Also schnell der „Meute“ ein paar Spielmannszug-Anzüge überstreifen, den Beat zielgenau dem Techno entnehmen, ab auf die Straße und eine Kamera muß laufen. Das Video war kaum bei youtube hochgeladen traf die eine „Meute“ auf die andere: die Horde von begeisterungsfähigen Communities. Der Funke war entfacht. Die erste Techno Marching Band startete ihren Siegeszug.

Es lohnt sich im Übrigen, hierzu das Original mal im Vergleich zu hören: das Duo Âme spielte 2005 den Titel REJ ein: Hörbeispiel des Originals

Mittlerweile hat die Meute zahlreiche renommierte Festivals beglückt. Darunter das Dockville-Festival, Jazz in the City in Salzburg, „Rocken am Brocken“ oder Ueberjazz. Die „Zeit“ titelte „Die posaunen es raus“, Ina Müller nahm sie ebenso in ihre Sendung wie das NDR Kulturjournal. Die Meute ist angesagt, egal für welche Sparte.

Und das ist schon deshalb besonders, da zu jedem Auftritt immerhin 11-12 Musiker zusammen kommen müssen, dazu in 1-A-Spielmannszugklamotten. Nicht einfach und sicher nicht günstig. Und mit CDs oder mp3s wird die Kapelle wohl nicht den durchschlagenden Erfolg haben. Denn zumindest das konnte und wollte auch diese Band nicht ändern: live ist es nämlich immer noch schönsten!

Infos zur Band, Musik und auch Videos findet Ihr unter www.meute.eu und selbstredend auf facebook unter www.facebook.com/meutesound

(31.12.2016, hl)

 

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