Volker Maaßen https://www.tiefgang.net Sat, 28 Nov 2020 16:01:16 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 ZANSHIN https://www.tiefgang.net/zanshin/ Fri, 27 Nov 2020 23:01:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7423 [...]]]> für Volker Maaßen

Immer wenn sich für kurze Zeit das Schwarze Loch öffnet, das alle und alles verschlingt, frage ich mich, ob es einen Sinn hat, dem so Verschwundenen noch etwas hinterher zu rufen. Sicher nicht.

Wenn überhaupt, mache ich es für mich als in erster Linie schon jetzt notwendige persönliche Erinnerung und als Selbstvergewisserung nach dem wiederkehrenden Schock und Schwindel angesichts der Ver-nicht-ung. Das hätte Dich vielleicht inspiriert, lieber Volker  – die Bedeutung der Entdeckung des Nichts, der  Null vor langer Zeit in Indien für unser Rechnen und Denken überhaupt.

Zweierlei fällt mir ein, für mich und vielleicht andere.

Freundschaft und Poesie.

In meinem Verhältnis zu Volker Maaßen fiel beides schließlich und zuletzt zusammen, erklärte und bedingte sich gegenseitig. In der Poesie wird in einem sprachlichen Bild verdichtet, was sonst anders nicht ausdrückbar ist, sei es ein Gefühl, ein Glaube, eine Gewißheit, eine Epiphanie oder eine Mischung von allem diesem – und von noch mehr, darüber hinaus weisend und jenseits davon.

In der Suche nach diesem Ausdruck waren wir uns verwandt. So ein gemeinsames Interesse und Suchen kann Freundschaft begründen, Volker hat es als erster  ausformuliert, wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod, als er mir schrieb „… Freund möchte ich dich nennen, nicht aus gewachsener Verbundenheit, sondern aus einer eigenartigen Gedankenähnlichkeit…“

Ich der Bauer habe Volker vor vielen Jahren zunächst auf einem anderen Feld kennen gelernt. Ich traf ihn in seiner Eigenschaft als Klinikchef und Krebsarzt, nicht als ersten der Disziplin, denn diese heimtückische Krankheit hatte in meinem Leben schon mittelbar gewütet und Betroffenheit hinterlassen. Mir begegnete ein Arzt und Mensch, der sich weit über das übliche Maß hinaus für seine Patientinnen im wahren Sinne des Wortes besorgt zeigte und sich auch nach der unvermeidlichen Operation für die Verheilung der entstandenen körperlichen und seelischen Narben verantwortlich fühlte. Ich erinnere mich an ein Vorgespräch, in dem er versuchte, den Verlust einer weiblichen Brust, einer Mamma, als neue ungewöhnliche ästhetische Wahrnehmung zu vermitteln. In solchen Gesprächen stellte er einmal die Frage: woher kommt die Intuition? Woher die Inspiration? was mich aufhorchen ließ. Da wußte ich noch nichts von seinem Schreiben und Dichten. Damals blieb ich ihm wohl aus anderer Sorge die Antwort schuldig. In seinem, unserem Denken könnte sie jetzt und hier lauten: Intuition und dann auch Inspiration entsteht als überspringender Funke der Neuronen bei besonders dichter und komplexer Verschaltung der Synapsen, mit Verbindungen über entfernte und kaum verwandte Bereiche hinweg, zu paradoxen und widersprüchlichen Verknüpfungen, die parallel existieren und zu merk-würdigen Assoziationen, regelrechten Geistes-Blitzen führen. Auch unter Künstlern begegnen einem dazu aufgeschlossene und bereite Menschen nicht sofort. Wie bei dem Semiotiker Umberto Eco zu lesen, am ehesten noch bei solchen, die in mehreren Sprachen und Zeichensystemen beheimatet sind.

Später begannen wir beide ungefähr gleichzeitig, uns auch unter künstlerischen, das heißt poetischen Aspekten wahrzunehmen und füreinander zu interessieren. Ich ging zu seinen Lesungen, er besuchte meine, wir äußerten Anerkennendes. Da war die von Viola Livera organisierte „Straße der Poesie“, wo ich in Harburg vor der Heimfelder Pauluskirche gleich neben meiner alten Schule gelesen hatte. Bei dieser Gelegenheit entstand ein gemeinsames Foto, Volker mit rotem Schal und Baskenmütze, ich daneben rund einen Kopf kleiner mit gelbem Schal. Natürlich kannten wir beide jenes Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec von 1892, das Aristide Bruant zeigt und nicht erst 100 Jahre später dazu führte, daß man immer wieder in der Kunstszene auf Herren mit großen schwarzen Hüten und rotem Schals traf. Oh ja, wir spielten das Spiel vom Jahrmarkt „Vanity Fair“, spielten es gern und durchschauten es, Volker sprach oft von den eitlen Affen und zählte sich durchaus dazu. Name dropping, auch das. So beeindruckte er mich damit, daß er Harry Rowohlt getroffen hätte, Harry, der die gleiche Schule im gleichen Jahrgang wie ich besucht hatte. Oder Robert Gernhardt, der soetwas wie ein Lehrer und Mentor für Volker Maaßen gewesen ist. In der Tat haben viele Verse von Volker, die er auch gern gegen Rezept verordnete, einiges von Robert Gernhardts Prägnanz, Schärfe und beißendem Witz. Das verleitete mich mehr als einmal dazu, mit ihm sarkastisch die Feder zu kreuzen. Er ging darauf ein und so flogen in den sozialen Medien die angespitzten Repliken spielerisch hin und her. Für das „Federlesen“ in der Harburger Kulturkirche „Dreifalt“ haben wir das ende 2018 auch gemeinsam öffentlich vorgetragen und anschließend publiziert. Hat Spaß gemacht.

Volker Maaßen und Ulrich Lubda (Foto: Morvae Frank)

Aber da war noch mehr. Mehr als Spaß und Gesplänkel. Volker wußte es, ich ahnte es. Ihm war aufgefallen, daß bei ähnlichen Gedanken in unserem Schreiben darüber verwandte Bilder und Metaphern entstanden, sogar sich ähnelnde Rhythmen und Klänge. Nicht verwunderlich, denke ich, waren es doch oft die klassischen, universalen Themen der Literatur, die uns gedanklich beschäftigten – das Aufleuchten des Frühlings im Herbst und der herbstliche Verfall schon im Frühling, das Ende im Anfang, der neue, junge Keim, der den Tod schon in sich trägt. Kreislauf des Lebens. Interessant, daß das auch an einem Text deutlich wurde, den ich vor mehr als zwanzig Jahren auf englisch geschrieben hatte („Omdurman Road“) und den Volker mit einem Gedicht verglich, das er über sich und seinen Schatten verfaßt hatte. So kam es dazu, daß Volker vor einiger Zeit die Frage an mich herantrug, ob ich eine Sammlung seiner Gedichte ins Englische übersetzen könnte. Vielleicht war es der Gedanke an die ihm noch verbleibende Zeit, Volker hatte den Wunsch, seine neuesten Gedichte einer breiteren, internationalen Leserschaft vorzustellen. Über persönliche Kontakte war eine russische Übersetzung im Netz herausgekommen und kurz darauf erschien eine zweisprachige Buchveröffentlichung in der Ukraine. Zunächst hatte ich erhebliche Bedenken, denn Englisch ist nicht meine Muttersprache, obwohl ich sie seit fast 60 Jahren pflege und überhaupt – Lyrik ist nicht übersetzbar. Genau das ist der Punkt, sagte Volker, ich möchte, daß du meine Gedichte auf deine Art nachdichtest, neu schreibst und dabei in die andere Sprache überträgst.

Wenige Tage vor seinem Tod schickte mir Volker eine WhatsApp-Nachricht nach Dänemark und bat mich um einen Telefonanruf, denn nach einem Schlaganfall fiel ihm Lesen und Schreiben schwer. Wir sprachen über Möglichkeiten, das zu kompensieren und auch über das Übersetzen. Der Ton ist sehr wichtig, sagte Volker, ich achte immer auch auf den Klang. Auch sprachen wir über neue alte Themen, über das Wetter, Ebbe und Flut und den Kreislauf des Wassers und des Lebens. „Ebbe und Flut, beruhigend wie der Atem der Natur, verwirrend aber doch, wenn das Wasser verschwunden ist und man nicht sicher sein kann, daß es wiederkommt“, schrieb er.

Draußen im Wald an der dänischen Westküste fand ich ich Zeit zum Übersetzen  und schickte Volker eine erste Probe von den „Erinnerungsnähten“, als Sprachnachricht – eines seiner besten und berührendsten Gedichte, wie ich finde. Kurz zuvor hatte er den Text nocheinmal überarbeitet und mir geschickt. Er war karger und knapper und auch mehrdeutig geworden. Die Antwort kam prompt, er war zufrieden, jedenfalls mit dem Klang. „Die Übersetzung hat den Worten einen ganz eigenen, wunderbaren Klang gegeben.“ Es folgte nochmals die Bitte, alle Gedichte auf diese Weise zu übertragen, die nun für mich zum Vermächtnis geworden ist.

Zwei Tage später schickte ich eine weitere Sprachnachricht mit weiteren Ergebnissen nach Hamburg. Sie blieb tagelang ungeöffnet. Ich machte mir Sorgen. Am Tag meiner Abreise, der mit Gewitter, Hagelsturm und sehr viel Wasser begann, sah ich, daß die Nachricht geöffnet und abgehört worden war. Dann ist ja alles gut, dachte ich. Das war auch der Tag der Abreise von Volker Maaßen, dem Arzt und Dichter.

Ich möchte das Gedicht „Erinnerungsnähte“ an den Schluß stellen, aus dem bezeichnenderweise auch wieder der Chirurg spricht. Meine Übersetzung existiert bisher nur als Tondatei, sie soll erst erscheinen, wenn alle Gedichte des Bandes „Zanshin“ übersetzt sind. „Zanshin“ ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhidmus, erklärte mir Volker, er meint den Moment des Loslassens, wenn der Bogenschütze den Pfeil freigegeben hat.

Ulrich Lubda 11/2020

 

Erinnerungsnähte

Nahe Worte,

die ich lang schon kannte,

bis spät

von ihnen

kaum ein Flüstern blieb.

Kraniche waren wir,

unzertrennlich

aus dem Fluge abgestürzt

von einem

in ein anderes Leben.

Nur Erinnerungsnähte

blieben uns,

im Raume unserer Zeit

spürbar,

geformt

zwischen Daumen

und Zeigefinger

aus dem Kerzenwachs

am Rande des Feuers.

Es bleiben deine Bitte,

den Reißverschluß

nach oben zu ziehen

und der Moment,

wenn mein Blick

über deine

Nackenwirbel gleitet.

VM © 8/2020

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Bitterleichte Lyrik als Medizin https://www.tiefgang.net/bitterleichte-lyrik-als-medizin/ Sat, 25 Feb 2017 08:00:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=656 [...]]]> Lyrik auf Rezept: Volker Maaßen ist nicht der erste Arzt, der sich auch als Lyriker und Literat einen Namen gemacht hat. Robert Gernhardt war sein Lehrmeister, Ringelnatz und Kästner seine Vorbilder. Und so ist auch der Sound seiner Gedichte. „Tiefgang“ sprach mit ihm …

Der bekannte deutsche Lyriker Anton G. Leitner umschrieb das Werk und die Person Maaßens einmal wie folgt:

„Wer so oft mit Geburt und Tod konfrontiert war wie Volker Maaßen, der begegnet dem Phänomen Sprache mit dem Mikroskop und dem Seziermesser. Er wiegt die Metaphern und Rhythmen genau ab, betrachtet sie von innen und lässt sie anschließend wieder frei, damit er ihnen beim Fliegen zusehen darf. Und manchmal danken sie es ihm mit ein paar Zeilen, die sich auf seinem Schreibtisch zu einem Gedicht zusammenfügen. Zu Versen über die tiefen Gegensätze der menschlichen Existenz, die auch die Anziehungs- und Abstoßungseffekte einer Paarbeziehung ins zahnradgetriebene Werk der großen Weltenuhr einbetten: „Ich // bin der große / Zeiger einer Uhr // auf Sternengrund / und du / zeigst dich nur wenig // von der Zeit / zu zweit / bewegt“.

Tiefgang: Herr Maaßen, Sie beteiligen sich am 25. März an der SuedLese, den Literaturtagen in Harburg. Hatten Sie jemals das Gefühl, auf der „falschen“ Seite von der Elbe zu leben?

Volker Maaßen: Sicher sind wir nicht auf der falschen Seite des Flusses, sondern auf der linken Seite. Das klingt doch schon mal freundlicher und ist mir als Alt-68er auch angemessener.

TG: Wie finden Sie die SuedKultur, deren Ziel und Sinn es ist, die Kulturangebote des Südens in ihrer Wahrnehmung zu stärken?

Maaßen: Ich bin wie Sie ebenfalls der Meinung, dass wir für die Entwicklung der Kultur hier im Süden mehr tun könnten. In Wilhelmsburg ist ja schon die Entwicklung im Fluss. Da sind wir also wieder bei der Elbe, Tiefgang kommt dann auch hinzu, wenn das mit der Vertiefung beginnen sollte.

TG: Nun zu Ihnen: Es ist sicherlich nicht sehr originell, wenn ich Sie gleich zu Beginn auf Ihren Brotberuf als Arzt anspreche. Wissen Ihre Patienten eigentlich von ihrem Doppelleben als Mediziner und Lyriker oder halten Sie sich an die ärztliche Schweigepflicht?

Maaßen: Verschweigen konnte ich meine literarischen und lyrischen Aktivitäten in Harburg  schon deshalb nicht, weil ich wiederholt im ´Hamburger Abendblatt` erwähnt wurde. In den ersten Jahren hatte ich aber bewusst auf die Nennung des Titels verzichtet, besonders, wenn ich nördlich der Elbe z.B. in der offenen Lesebühne in Altona oder den vielen anderen Lokalitäten auch in Berlin oder im Theater Puttbus auf Rügen aufgetreten bin. Auch die Seminare, so auch beim deutschen Lyrikpapst Anton Leitner, habe ich, was den Medizinberuf betraf, inkognito gemacht.

Den Kittel gegen den Schal zu tauschen, ist eine Entlastung…

TG: Müssen Sie Ihren weißen Kittel ausziehen, um lyrisch zu werden oder lassen sich beide Tätigkeiten miteinander vereinbaren?

Maaßen: Es war immer wie eine Entlastung, wenn ich den weißen Kittel gegen meinen roten Schal und die Baskenmütze austauschen konnte. Das war, wie das Ablegen einer Fußfessel. In meinen Büchern mit lustigen Segelgeschichten und meinem ersten der beiden Lyrikbände (bitterleichte Lyrik) ist kein Hinweis auf meinen Beruf zu finden. 

TG: Sie haben also nie von Ihrem Titel profitiert?

Maaßen: Eine bekannte „Vermarkterin“ eines Medienkonzeptes überredete mich, bewusst auch meinen Beruf einzusetzen, in Anlehnung an andere bekannte Lyriker, deren erlernter Beruf ebenfalls der eines Arztes ist. Nicht nur Benn. Deshalb der neue Titel: Lyrik auf Rezept.

TG: Wussten Sie, dass es im Internet eine Poesieapotheke gibt? Mit Rezept-Blog. Verordnet wird Schreiben, Lesen, Erzählen und Zuhören. Wenn ich schon einmal die Gelegenheit habe, einen Arzt dazu zu befragen: Was ist aus Ihrer Sicht dran, dass Lachen die beste Medizin ist und Schreiben bei der Selbstklärung und Verdauung mancher Probleme hilft?

Maaßen: Lachen ist die beste Medizin, naja. Jedenfalls ist es eine hilfreiche Medizin. Nachweisbar für eine Verlängerung der Überlebenszeit nach einem Krebs ist, was den Brustkrebs betrifft, richtige Ernährung, vor allem aber Bewegung. Wenn dann noch ein etwas engerer menschlicher Kontakt hinzu kommt, kann das den Erfolg noch steigern. Auch wenn wir Männer das nicht gerne hören, Tanzen erfüllt diese Voraussetzungen. Wohl auch Gedichte, besonders wenn sie in der Gemeinschaft erlebt werden. Lachen wirkt über die Freisetzung von Neurotransmittern ebenfalls  immunstimulierend. Für die Verdauung sind wohl andere Mittel hilfreich.

TG: Ist Ihre Zielgruppe auch er, sie, es, wir, ihr, Sie alle oder sprechen sie einen ausgewählten Personenkreis an?

Maaßen: Lyrikliebhaber und solche, die es werden wollen. Ich bin sicher, meine Gedichte werden viele Hörer und Leser erreichen, vielleicht aber erst, wenn ich es nicht mehr erlebe.

TG: Verlage sind in der Regel beim Thema Lyrik sehr zugeknöpft und in der Tat ist der Markt nicht gerade riesig. Wie sind Ihre Erfahrungen? Lässt sich Lyrik schwer vermitteln?

Maaßen: Lyrik lässt sich nur sehr schwer bei Verlagen unterbringen. Oft ist es ein Zusatzgeschäft und kann von den Verlagen nur durch eine Querfinanzierung getragen werden. Meine bereits genannte Vermarkterin hatte meine Gedichte auf einer Lesung gehört und sie war so begeistert, dass sie meinte, mir helfen zu können. Von meinen ersten beiden Büchern habe ich über 600 im Rahmen von Lesungen verkaufen können. Über 300 zählt man bei Lyrik schon als Bestseller. Bei den nächsten beiden Bänden werden es dann 200.000 – leider wohl nur Buchstaben – sein. Sie ist auch bemüht, meine weiteren Gedichte, es sind sicher noch über 250, in bekannteren Verlagen unterzubringen.

TG: Ich selber kenne mich nicht allzu gut in dem Genre aus, aber ich mag beispielsweise „Fragen“ und vieles andere von Erich Fried oder auch Christian Morgenstern. Manches nehme ich begeistert auf, anderes stößt auf taube Ohren. Glauben Sie, dass eine innere Stimme den therapeutischen Wert eines Textes auf Anhieb am Klang erkennt und dann bereitwillig die Medizin zu sich aufnimmt?

Mit Robert Gernhardt nächtelang getrunken und Gedichte besprochen

Maaßen: Morgenstern , Fried, Masha Kalenko, ja ich wäre froh, wenn meine Gedichte irgendwie dem Klang derer Gedichte ähneln würden, wohl auch Ringelnatz, ein Schuss Kästner, selbst Heinz Ehrhardt. Etwa 90 % der zurzeit von anerkannten Dichtern veröffentlichten Werke sind in freier Lyrik geschrieben. Ich beobachte aber, dass in der letzten Zeit wieder der Rhythmus und Reim zunimmt. Das Gehirn freut sich, wenn es diese Elemente erfährt, beide Sprachbesonderheiten sind als  wirksames neuronales Muster im Sprachverständnis des Gehirnes angelegt.

TG: Sehen Sie im Humor eine wichtige Befähigung, mit schwierigen Situationen und Lebenslagen umzugehen?

Maaßen: Ich habe in meiner Berliner Zeit mehrere Tage mit Robert Gernhardt zusammengesessen, getrunken und nächtelang Gedichte besprochen. Seit der Zeit sehe ich mich als Schüler der Neuen Frankfurter Schule mit den komischen Gedichten. Besonderheit dieser Gedichte ist der Tabubruch, aber auch der Einsatz von Metaphern. Viele meiner satirischen „komischen“ Gedichte beinhalten Metaphern, die auf eine unterliegende Traurigkeit verweisen, mit der ich das so häufig erlebte Leid zu verarbeiten suche

TG: Was wünschen Sie sich am allermeisten für die kommende Lesung und Ihr Wirken ganz allgemein?

Maaßen: Mir wird gesagt, meine Gedichte hätten einen aus der Menge der Gedichte herausragenden Sound. Mich würde es freuen, wenn es zuträfe.

TG: Ich freue mich auf Ihre bitterleichte Lyrik am 25. März und danke Ihnen sehr für das Gespräch!

Wer mag, findet auf Facebook die ´Mittwoch-Gedichte` von Volker Maaßen.

 Wir lassen diesen Beitrag komisch ausklingen.

 End lich

Ermattet sprach der Terrorist:

„Ich wünsch, dass es zu Ende ist.

Ich möcht nicht kämpfen oder hassen,

ich möcht die Seele baumeln lassen.

Ach hilf mir Jesus Christus“, denkt er,

schon hängt er.“ (Volker Maaßen)

 

Bisher erschienen:

 

Volker Maaßen liest am Samstag, den 25. März um 20h in der KulturWerkstatt Harburg, Kanalplatz 6, 21079 Hamburg.

(Das Gespräch führte die „Tiefgang“-Kolumnistin Philo-Sophie Selbst-Zweifel, 23. Feb. 2017)

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