Westerbork https://www.tiefgang.net Thu, 16 Nov 2017 18:54:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Die Todesfabrik https://www.tiefgang.net/die-todesfabrik/ Fri, 17 Nov 2017 23:28:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2540 [...]]]> Von Harburg zog sie in die Niederlande, doch auch dort wüteten die Nationalsozialisten: Bertha Themans.

Bertha Seckel kam am 31. Jan. 1859 in Harburg und als Tochter des jüdischen Rohlederhändlers Joseph Seckel und seiner Ehefrau zur Welt. Kurz nach dem Beitritt des Königreiches Hannover zum Deutschen Zollverein, der die Industrialisierung ihrer Geburtsstadt explosionsartig beschleunigte. Die Neue Straße, in der die junge Familie in dieser Zeit wohnte, verlief auch damals schon parallel zur Schlossstraße (heute: Harburger Schlossstraße), die das alte Zentrum Harburgs um die ehemalige Zitadelle und den Hafen mit den neuen Ansiedlungen um den Sand verband und die Richtung der weiteren Stadtentwicklung aufzeigte. Hier ragte der Kirchturm der Dreifaltigkeitskirche, der Hauptkirche der Stadt, in den Himmel, und hier reihte sich ein Geschäft an das andere. Auch das Leben auf der Straße spiegelte die zentrale Bedeutung dieser wichtigen Zufahrt zum Kaufhaus im Harburger Hafen wider.

Umzug in die Niederlande

Bertha Seckel verzog nach ihrer Heirat 1890 in die Niederlande, wo sie mit ihrem Ehemann Salomon Themans in Amelo eine Familie gründete. Ihr Ehemann starb 30 Jahre später. Über Bertha Themans Leben nach seinem Tod wissen wir ebenso wenig wie über die Jahre davor. Dass die Besetzung der neutralen Niederlande durch deutsche Truppen im Mai 1940 mit tiefgreifenden Veränderungen ihres Lebens verbunden war, ist nicht weiter verwunderlich.

Nach der Entlassung aller jüdischen Beamten und Angestellten aus dem öffentlichen Dienst mussten alle Juden, die in den Niederlanden lebten, sich registrieren lassen. Schlag auf Schlag folgten weitere antijüdische Anordnungen. Im April 1942 wurden alle Juden in den Niederlanden dazu aufgefordert, ihre Kleidung mit dem Gelben Stern zu kennzeichnen, und bald darauf verließen die ersten Deportationszüge das Land in Richtung Osten.

Sammellager Westerbork

Bertha Themans musste sich am 18. Mai 1943 von ihrer Enkelin Bertha Rika de Vries-Suskind, die sie aufgenommen hatte, verabschieden, und im Sammellager Westerbork melden. Eine Woche später wurde sie von dort nach Sobibor im „Generalgouvernement“ deportiert.

An dieser entlegenen Gegend hatten die nationalsozialistischen Besatzer Anfang 1942 ein riesiges Vernichtungslager errichtet, das im Sommer 1942 seiner Bestimmung übergeben wurde. Gleich nach der Ankunft der Züge wurden die Neuankömmlinge in die Gepäckbaracken geführt, wo ihnen ihre Koffer und Rucksäcke abgenommen wurden; dann mussten sie sich entkleiden und den Gang in die als Duschräume getarnten Gaskammern antreten.

Todesfabrik Sobibor

In 15 Monaten wurden mehr als 150.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer in dieser „Todesfabrik“ von ca. 30 SS-Leuten und 120 – zumeist ukrainischen – Hilfskräften ermordet. Die Gebeine der Ermordeten wurden anschließend in Gruben verscharrt, auf denen bald Kiefern den Boden bedeckten, um alle Spuren dieses Verbrechens zu verwischen. Bertha Themans war 83 Jahre alt, als ihr Leben in Sobibor ausgelöscht wurde.

(Stand: November 2016)

© Klaus Möller

(leichte Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

Quellen: Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Gedenkbuch, Jürgen Sielemann, Paul Flamme (Hrsg.), Hamburg 1995; Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, Bundesarchiv (Hrsg.), Koblenz 2006; Yad Vashem. The Central Database of Shoa Victims´ Names: www.yadvashem.org; Harburger Opfer des Nationalsozialismus, Bezirksamt Harburg (Hrsg.), Hamburg 2003; Herinnerungscentrum Kamp Westerbork; Helms-Museum, Harburger Adressbücher; Jules Schelvis, Vernichtungslager Sobibor, Münster/Hamburg 2003

Weiterführende Links: stolpersteine-hamburg.de, www.gedenken-in-harburg.de

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Von Westerbork nach Auschwitz https://www.tiefgang.net/von-westerbork-nach-auschwitz/ Sat, 19 Aug 2017 06:32:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1853 [...]]]> Seine Liebe galt einer Niederländerin. Aber auch das bot keinen Schutz …

Isaak Eduard Falck kam am 21. Juli 1905 als Sohn des jüdischen Inhabers des Haushaltswarengeschäftes Ferdinand Falck und seiner Ehefrau zur Welt – kurz vor der Eingemeindung des Dorfes Lauenbruch in die Stadt Harburg an der Elbe. Die Wilstorfer Straße, in der die Familie an der Ecke zum Krummholzberg wohnte, führte auch damals schon an den Harburger Phoenixwerken vorbei, dem großen Arbeitgeber der Stadt, und verband die Innenstadt mit dem Stadtteil Wilstorf.

1929 heiratete Isaak Falck die Niederländerin Johanna Dame (geb. 2. Feb. 1913) und zog zunächst zu ihr nach Amsterdam, wo am 1. Sept. 1935 auch ihr gemeinsamer Sohn Henk das Licht der Welt erblickte.

Auch Amsterdam unsicher

Als die Niederlande am 10. Mai 1940 von deutschen Truppen ohne Kriegserklärung besetzt wurden, begann auch hier die Verfolgung der dort lebenden jüdischen Bevölkerung. Eine der ersten Maßnahmen betraf die Entlassung aller Juden aus dem öffentlichen Dienst. In den folgenden Wochen und Monaten riss die Kette weiterer antijüdischer Verordnungen und Gesetze nicht ab.

Im Frühjahr 1942 verstärkten die deutschen Besatzer ihre Vorbereitungen zur Deportation der niederländischen Juden. In Westerbork bauten sie das bisherige Flüchtlingslager zu einem zentralen jüdischen Sammel- und Durchgangslager aus. Im Sommer 1942 bestiegen die ersten jüdischen Insassen einen Zug, der in ein Vernichtungslager im Osten fuhr. Insgesamt wurden in den nächsten beiden Jahren mehr als 107.000 Juden aus Westerbork in den Osten deportiert. Nur etwa 5000 von ihnen überlebten und kehrten zurück.

107.000 Juden deportiert

Isaak Falck war nicht darunter. Er wurde am 5. Februar 1944 in das Durchgangslager Westerbork gebracht und von dort am 3. März 1944 mit 731 anderen Juden in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau transportiert. Die näheren Umstände seines Todes sind ungeklärt.

© Klaus Möller

Quellen: Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Gedenkbuch, Jürgen Sielemann, Paul Flamme (Hrsg.), Hamburg 1995; Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, Bundesarchiv (Hrsg.), Koblenz 2006; Yad Vashem. The Central Database of Shoa Victims´ Names: www.yadvashem.org; Harburger Opfer des Nationalsozialismus, Bezirksamt Harburg (Hrsg.), Hamburg 2003; Herinnerungscentrum Kamp Westerbork; Helms-Museum, Harburger Adressbücher; Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek 1989.

(leichte Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

stolpersteine-hamburg.de

 

Standort Wilstorfer Straße: google/maps

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