Winfried Ziemann – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 24 Apr 2026 09:53:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Stimmen der Gegenwart https://www.tiefgang.net/stimmen-der-gegenwart/ Sat, 25 Apr 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13690 [...]]]> Wenn in Buxtehude jährlich die Shortlist für den Buxtehuder Bullen präsentiert wird, ist es immer auch ein lokales Bekenntnis zur Leseförderung und zum Dialog zwischen den Generationen. Am 23. April wurde nun die Liste für den 55. Bullen offiziell vorgestellt.

Aus rund 80 Titeln hat die Jury fünf Favoriten ausgewählt, die nun um die renommierte Stahltrophäe und das Preisgeld von 5.000 Euro konkurrieren.

Das Herzstück dieses Jugendliteraturpreises ist seit seiner Gründung durch Winfried Ziemann im Jahr 1971 die absolute Augenhöhe. Elf Jugendliche und elf Erwachsene bilden eine paritätische Jury. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Auswahl nicht über die Köpfe der Zielgruppe hinweg getroffen wird, sondern mitten aus ihrer Lebensrealität heraus entsteht. Dass der Preis heute durch die Stadtbibliothek und Förderer wie die Else und Heinrich Klindworth-Stiftung getragen wird, unterstreicht die tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft.

Die diesjährige Shortlist ist ein Spiegelbild globaler und persönlicher Krisen, verpackt in mitreißende Narrative. Jedes der fünf Bücher fordert seine Leser*innen heraus, die Perspektive zu wechseln.

Basma Hallak greift in Please Unfollow (Arctis, 416 Seiten, 19 Euro) das Thema Sharenting auf. Die Geschichte der 17-jährigen Sherry, deren Leben ungefragt auf Social Media vermarktet wurde, ist ein hochaktuelles Plädoyer für das Recht auf die eigene Identität in einer digitalisierten Welt.

Mit Hilde Myklebusts Auch am Tag leuchten die Sterne (CARLSEN, 256 Seiten, 15 Euro; übersetzt von Meike Blatzheim) weht ein norwegischer Wind durch die Auswahl. Die Erzählung über Mia, die zwischen Musical-Träumen und einer schweren Krankheitsdiagnose im Freundeskreis ihren Weg finden muss, besticht durch eine feine Balance zwischen Melancholie und Hoffnung.

Nina Scheweling führt uns mit Academy of Lies – Anatomie einer Verschwörung (LOEWE, 400 Seiten, 16,95 Euro) in die Welt der Elite-Internate. Hier verbindet sich das Thema Organtransplantation mit einem packenden Thriller-Plot, der die moralischen Grenzen wissenschaftlichen Ehrgeizes auslotet.

Einen harten Blick in die Geschichte wirft Moritz Seibert in seinem Debüt Das letzte Aufgebot (Karibu, 320 Seiten, 16,99 Euro). Er erzählt vom Schicksal eines 15-Jährigen in der Hitler-Jugend am Ende des Zweiten Weltkriegs – eine mahnende Erinnerung daran, wie zerbrechlich Frieden und Unschuld sind.

Schließlich lenkt Tara Sullivan mit The Bitter Side of Sweet (Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 14 Euro; übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessica Komina) den Fokus auf die moderne Sklaverei auf Kakaoplantagen. Es ist eine Geschichte über Mut und Widerstand, die uns schmerzhaft bewusst macht, welchen Preis unser täglicher Konsum anderswo fordert.

„Es sind (Jugend-) Romane, die bewegen und Denkanstöße geben. Toll, wenn Bücher oder Geschichten das schaffen. Mit der Shortlist laden wir Jung und Alt dazu ein, mit den Protagonist*innen mitzudenken und mitzufühlen und vielleicht dabei auch die eigene Perspektive zu reflektieren“, so Melanie Hainke, Verantwortliche des Bullen-Projektteams. Für die Buxtehuder*innen und ihre Gäste wird die Literatur so in den kommenden Wochen im gesamten Stadtbild präsent sein. Von Mai bis Juli laden verschiedene Leseplätze in der Altstadt dazu ein, in die nominierten Werke hineinzuschnuppern. Ob in der Altstadtbuchhandlung, im Galerie Café Baham oder direkt am BULLEvard – die Stadt wird zur Leselounge.

Den krönenden Abschluss bildet der Preisentscheid am Dienstag, den 23. Juni 2026, um 19 Uhr im Stieglitzhaus. Dort wird sich zeigen, welches Werk die Jury am stärksten überzeugt hat. Ein Tag im 55. Jahr, in dem Buxtehude einmal mehr beweist, dass gute Geschichten keine Altersgrenzen kennen, sondern Menschen verbinden können. Wer neugierig auf die Stimmen von morgen ist, sollte sich diesen Termin rot im Kalender markieren.

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50 Jahre Buxtehuder Bulle https://www.tiefgang.net/50-jahre-buxtehuder-bulle/ Fri, 23 Jul 2021 22:54:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8238 [...]]]> Auch ein Preis, der für die Jugned bestimmt ist, kann in die Tage kommen. Jetzt feiert der Buxtehuder „Bulle“  seinen 50. Jahrestag.

Buxtehude. Zusammengeschweißt aus Fensterbeschlägen, schwarz lackiert und dennoch eindeutig die Form eines Bullen – so sah der Prototyp der Skulptur des Buxtehuder Bullen aus. Die vom Bildhauer Reinhardt Güthling gefertigte Skulptur ist ein Teil der Geschichte, die sich um die Entstehung des Jugendliteraturpreises Buxtehuder Bulle vor 50 Jahren erzählen lässt.

Unter dem Titel „Winfried Ziemann und der Buxtehuder Bulle: 50 Jahre internationaler Jugendliteraturpreis“ gewähren das Kulturforum und das Team um den altehrwürdigen Literaturpreis ab Samstag, 4. September in einer Ausstellung Einblick in Entstehungsgeschichte und Zeitgeist der Gründerjahre 1971.

Wenig altehrwürdig klingt es allerdings, wenn Dieter Klar – Mitinitiator des Buxtehuder Bullen und Kenner des Preises seit erster Stunde – in Erinnerungen schwelgt. Von Wein-und Cannabisgenuss ist da die Rede, von dem Buxtehuder Modell, Rudi Dutschke und einem engagierten Buchhändler, der dem konservativen Deutschen Jugendbuchpreis den Kampf ansagte. „Ziemann hat in einer verrückten Zeit den Bullen auf die Bühne geschoben“, sagt Dieter Klar.

Dass es dazu ausgerechnet in Buxtehude kam, erläutert Bernd Utermöhlen. Der ehemalige Stadtarchivar und Historiker sieht die Erfindung eines Preises, bei dem die Jury in gleichen Teilen aus Erwachsenen und Jugendlichen besteht, in Zeitgeist und den Vorgängen in Buxtehude begründet: An der Halepaghen-Schule war das gleichberechtigte Mitbestimmungsrecht der Schülerinnen und Schüler eingeführt worden, die Schule selbst sei Sinnbild des freien Lernens gewesen (die Pennäler konnten Fachkombination und Lehrer selbst wählen) und hat durch einen aktiven Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) sogar Rudi Dutschke nach Buxtehude gelockt. „Mit der Ausstellung wollen wir auch den Gründervater des Bullen, Winfried Ziemann, auf einen Sockel heben“, sagt Utermöhlen.

Ordentlich aufbereitet und mit vielen fotografischen Zeugnissen wird die Ausstellung bis zum 9. Januar 2022 im Kulturforum (Hafenbrücke 1, 21614 Buxtehude) zu sehen sein.

Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt begrüßt diese im vom Literaturpreis geprägten Jahr 2021 geplante Ausstellung: „Wir feiern den Preis dieses Jahr in so tollen und unterschiedlichen Formaten.“ Eine Idee haben die Initiatoren noch: Ein Gemeinschaftsfoto der Jury. Aufgerufen sind alle aktuellen und ehemaligen Jury-Mitglieder, am Samstag, 4. September ab 11 Uhr zum Kulturforum zu kommen.

Geplant sind neben einem Gemeinschaftsfoto exklusive Führungen über die Short-List Leseplätze des 50. Buxtehuder Bullen, ein Film über den Bullen wird gezeigt und die vom Buxtehuder Musiker Guido Jäger komponierte „Bullenhymne“ hat Uraufführung. Alle Jurymitglieder, die am 4. September dabei sein wollen, sind eingeladen, sich per E-Mail anzumelden unter buxbulle@stadt.buxtehude.de oder telefonisch unter T 04161/501-4160.

 

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