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Weltpolizei oder Größenwahn?

Hey ihr Lieben,

die Nachrichten überschlagen sich gerade mal wieder. Seit Donald Trump wieder im Weißen Haus sitzt, weht auf der Weltbühne ein anderer Wind. Mich erreichen viele Nachrichten zu den aktuellen Ereignissen in Venezuela, die zeigen, wie verwirrend Weltpolitik sein kann. Eine Frage bringt die aktuelle Verunsicherung auf den Punkt: „Hey Doc! Ich blicke nicht mehr durch. Überall steht, dass US-Präsident Trump den Staatschef von Venezuela quasi ‚entmachtet‘ hat. Wie kann das sein? Ich dachte immer, jedes Land ist für sich selbst verantwortlich. Kann der amerikanische Präsident jetzt einfach entscheiden, wer in anderen Ländern regiert, wenn ihm die Nase nicht passt? Ist er jetzt der Chef der Welt?“

Das ist eine verdammt gute Frage! Sie trifft den Kern dessen, was man „Völkerrecht“ nennt – und zeigt, wie dieses Recht gerade auf die Probe gestellt wird. Es fühlt sich an, als würden die Regeln, die wir im Kleinen lernen (man mischt sich nicht ungefragt in die Angelegenheiten anderer ein), im Großen plötzlich nicht mehr gelten.

Lass uns das mal sortieren, denn hier prallen Theorie und harte Realität aufeinander.

Die Theorie: Jedes Land ist sein eigener Chef (Souveränität)

Zum einen hast du im Prinzip völlig recht. Das Grundprinzip der internationalen Ordnung heißt staatliche Souveränität. Das ist ein bisschen wie in einem Wohnhaus mit vielen verschiedenen Wohnungen:

Stell dir vor, die Welt ist dieses Haus und jedes Land ist eine Wohnung. Deutschland hat eine, die USA eine, Venezuela eine. Die Regel lautet: In deiner Wohnung bist du der Chef. Du entscheidest, welche Möbel du kaufst und wer bei dir zu Besuch kommen darf. Dein Nachbar darf nicht einfach die Tür eintreten und sagen: „Dein Sofa ist hässlich, ich tausche das jetzt aus und übrigens, dein Mitbewohner fliegt raus.“

Das steht sogar in der Charta der Vereinten Nationen (UN): Das Nichteinmischungsprinzip. Kein Staat hat das Recht, direkt die Regierung eines anderen souveränen Staates abzusetzen. Das wäre ein Bruch des Völkerrechts.

Die Realität: Das Recht des Stärkeren

Zum anderen – und jetzt wird es kompliziert und im Jahr 2026 sehr aktuell – sieht die Realität oft anders aus, besonders wenn eine Supermacht wie die USA im Spiel ist.

Wenn es heißt, Trump habe den venezolanischen Chef „entmachtet“, bedeutet das meist nicht, dass er ein Kündigungsschreiben geschickt hat (das kann er rechtlich gar nicht). Es bedeutet, dass die USA ihre massive Macht nutzen, um Fakten zu schaffen:

  1. Härtester wirtschaftlicher Druck: Die USA können Sanktionen verhängen, die das Land quasi vom Welthandel abschneiden, sodass der Regierung das Geld ausgeht.
  2. Anerkennung von Gegnern: Der US-Präsident kann einfach erklären: „Wir erkennen den aktuellen Chef nicht mehr an, sondern unterstützen seinen politischen Gegner als rechtmäßigen Präsidenten.“ Wenn die mächtigste Nation der Welt das tut, ziehen oft andere Länder nach. Das isoliert den Machthaber extrem.
  3. Militärische Drohungen: Allein die Drohung, das US-Militär könnte eingreifen, kann Regierungen zum Aufgeben zwingen.

Das Dilemma ist oft: Der Staatschef, der „entmachtet“ wird (wie oft in Venezuela der Fall), ist selbst oft ein Diktator, der Menschenrechte verletzt und Wahlen fälscht. Viele würden sagen: „Ist doch gut, wenn der weg ist!“

Aber aus demokratischer Sicht ist das Vorgehen der USA hochproblematisch. Denn wenn eine Supermacht einfach entscheidet, Regierungen auszutauschen, gilt nicht mehr das Recht des Gesetzes (Völkerrecht), sondern das Recht des Stärkeren. Das ist „Wilder Westen“ auf globaler Ebene.

Eine demokratische Weltordnung bräuchte eigentlich gemeinsame Lösungen (z.B. über die UN), um Diktatoren zu stoppen, statt Alleingänge einer Supermacht. Was wir 2026 erleben, ist eine Rückkehr zur reinen Machtpolitik: Wer die größten Muskeln (Wirtschaft und Militär) hat, macht die Regeln.

Fazit: Nein, Trump ist nicht der offizielle „Chef der Welt“. Rein rechtlich darf er keinen anderen Staatschef feuern. Aber er hat die Macht, das Leben dieses Staatschefs so unmöglich zu machen, dass es auf das Gleiche hinausläuft. Und das ist eine Entwicklung, die uns alle angeht, die an Regeln statt an reine Macht glauben.

Bleibt kritisch und hinterfragt die Nachrichten!

Euer Dr. Sommer der Demokratie

Ob Aufklärung über populistische Parolen, Hintergrundwissen zu den Grundrechten oder Hilfe bei politischen Fragen: Dr. Sommer der Demokratie ist für dich da! Schreib ihm mit Betreff an „Dr. Sommer der Demokratie“ an tiefgang@sued-kultur.de [1]

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