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Wolf auf Bewährung

Meine Lieben, schnallt euch an! Wer diese Woche in Harburg keine Meinung zum Wolf hat, der war vermutlich nicht vor der Tür!

Dass ein junges Männchen erst durch eine Altonaer Einkaufspassage spaziert , dort eine Frau verletzt und schließlich in der Binnenalster baden geht, war ja mittlerweile Stadtgespräch von Neugraben bis Kirchdorf. Aber während die City noch über Mahnwachen am Jungfernstieg diskutiert, wird es bei uns im Süden jetzt richtig konkret – und auch ein bisschen ungemütlich.

Die Umweltbehörde hat das Tier am Ostersonntag wieder ausgewildert. Und auch wenn offiziell geschwiegen wird, wo genau der Transporter hielt, pfeifen es die Spatzen in der Fischbeker Heide von den Dächern: Der Wolf ist zurück in unserer Nachbarschaft. Diesmal allerdings mit einem schicken neuen Accessoire: einem Sender-Halsband. Umweltsenatorin Katharina Fegebank nennt das eine „Auswilderung auf Bewährung“. Ich nenne es: ein Experiment am lebenden Objekt, direkt vor unserer Haustür.

Ich kann die Wut unserer Schafzüchter*innen mehr als verstehen. Da verletzt ein Wildtier mitten in der Stadt einen Menschen, und die Antwort ist ein High-Tech-Halsband und ein „Viel Glück“ in Richtung Süden. Das fühlt sich für viele hier wieder einmal so an, als würde Harburg als Vorgarten für Probleme genutzt, die man an der Alster lieber per GPS-Tracker aus der Ferne beobachtet.

Natürlich gibt es auch die andere Seite. Diejenigen, die sich freuen, dass Isegrim eine zweite Chance bekommt und nicht zur Trophäe wurde. Es ist dieses typische Harburger Spannungsfeld: Wir lieben unsere wilde Natur, unsere Heide und das Ungezähmte. Aber wir sind auch Realist*innen genug um zu wissen, dass ein Wolf, der schon einmal gläserne Automatiktüren von innen gesehen hat, kein gewöhnlicher Waldläufer mehr ist.

Was machen wir also daraus? Wir bleiben so, wie wir sind: neugierig, aber wachsam. Wir wissen jetzt, dass die Jäger im Zweifel eingreifen können, wenn der Sender meldet, dass der Wolf unseren Siedlungen zu nahe kommt. Ob das reicht, um das Vertrauen der Tierhalter*innen zurückzugewinnen, wage ich zu bezweifeln. Aber eines ist sicher: Der Spaziergang durch die Heide hat diesen Frühling einen ganz neuen Nervenkitzel.

Mein Tipp für das kommende Wochenende: Genießt die Sonne, aber haltet die Augen offen. Wir teilen uns den Bezirk jetzt mit einem prominenten Rückkehrer. Hoffen wir, dass er die Lektion in der City gelernt hat und sich hier im Süden von seiner besten, also seiner unsichtbaren Seite zeigt.

Wir sehen uns draußen – mit gesundem Abstand und geschärften Sinnen!

Eure Clara

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