Anna Herbst – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 13 Jan 2026 10:48:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Entschleunigung am Spinnrad https://www.tiefgang.net/13106-2/ Wed, 14 Jan 2026 10:40:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13106 [...]]]> Wer an ein Krankenhausfoyer denkt, hat meistens sterile Emsigkeit, das leise Quietschen von Gummirollen und eine gewisse Anspannung vor Augen. Doch am 25. Januar wird alles anders.

Das Museum im Marstall bricht aus seinen historischen Mauern aus und bringt eine ordentliche Portion norddeutsche Seele direkt dorthin, wo man sie am wenigsten erwartet: in das Krankenhaus Winsen.

Von 14 bis 16 Uhr wird das Warten zur Nebensache. Unter dem Titel „Kulturpause“ verwandelt sich das Foyer in eine lebendige Aktionsfläche für traditionelle Handwerkstechniken. Es ist die zweite von insgesamt sechs geplanten Begegnungen zwischen Kultur und Medizin, gefördert durch die GiRoWi-Stiftung und den Förderverein des Krankenhauses.

Ehrenamtliche der Spinngruppe und der Museumsweberei zeigen, was passiert, wenn Handwerk auf Leidenschaft trifft. Wo heute sterile Textilien den Alltag bestimmen, wurde früher aus Flachs mühsam Leinen gewonnen. Es ist eine Rückbesinnung auf eine Zeit, in der das Spinnen nicht nur Arbeit war, sondern das soziale Schmiermittel der Region – ein Ort für Austausch, Gespräche und Gemeinschaft.

Besucher*innen können den Weber*innen über die Schulter schauen oder beobachten, wie an den Spinnrädern aus loser Wolle ein fester Faden entsteht. Es geht dabei um mehr als nur Nostalgie. Es geht um Digital Literacy des Analogen: Wie entsteht eigentlich das, was wir auf der Haut tragen?

Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an alle – Patient*innen, Mitarbeiter*innen, Angehörige und neugierige Winsener*innen, die Lust auf einen Plausch jenseits des Krankenbett-Alltags haben. Informationstafeln ergänzen die Vorführungen, während die Ehrenamtlichen bereitstehen, um jede Fachfrage mit Herzblut zu beantworten.

Kultur als Brücke

Dass ein Museum seine Schätze in ein Krankenhaus trägt, ist ein starkes Zeichen für eine Stadtgesellschaft, die zusammenrückt. Es zeigt, dass Kultur überall dort hingehört, wo Menschen sind. Wer also Lust auf eine kleine Flucht aus dem Alltag hat oder einfach nur wissen will, wie ein historischer Webrahmen funktioniert, sollte diesen Sonntagnachmittag im Marstall-Stil im Kalender markieren.

Sonntag, 25. Januar, 14 bis 16 Uhr: Vorführung traditioneller Handwerkstechniken (Spinnen & Weben)

Foyer des Krankenhauses Winsen, Friedrich-Lichtenauer-Straße 22, 21423 Winsen (Luhe) | www.museum-im-marstall.de

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Hilfe für Harburgs Kreative https://www.tiefgang.net/hilfe-fuer-harburgs-kreative/ Sat, 03 Jan 2026 15:10:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13079 [...]]]> Das Netzwerk SuedKultur schickt jetzt einen Rettungsanker in Form von Beratungsgutscheinen aus, damit aus kleinen Fehlern keine großen Krisen werden.

Denn: Kreativität braucht Freiheit, aber sie braucht auch ein Fundament. In Harburg wissen wir: Die besten Ideen entstehen oft in kleinen Vereinen oder bei engagierten Einzelpersonen. Doch wer sich zwischen Urheberrecht, Künstlersozialkasse und Steuerrecht verheddert, verliert schnell die Lust am Gestalten.

Es ist ein altbekanntes Problem: Jurist*innen und Steuerberater*innen kosten Geld, das in der freien Kulturszene oft an allen Ecken fehlt. Die Folge? Wichtige Entscheidungen werden auf Basis von Halbwissen getroffen. Das ist gefährlich. SuedKultur-Sprecher Jan Schröder bringt es auf den Punkt: Wer einmal schlecht beraten wurde, kommt nur schwer wieder auf die Beine.

Um genau diese finanzielle Barriere einzureißen, stellt das Netzwerk in Kooperation mit der Harburger Politik ein Budget von 5.000 Euro für das Jahr 2026 bereit. Das Ziel ist klar: Rechtssicherheit schaffen, damit die Kunst im Vordergrund stehen kann.

Ab sofort können Kulturschaffende aller Sparten im Bezirk Harburg – egal ob Solokünstler*innen, Gruppen oder Vereine – einen der rund 15 Beratungsgutscheine ergattern. Jeder Gutschein hat einen Wert von bis zu 300 Euro und sichert eine professionelle Erstberatung.

Das Verfahren ist erfreulich unbürokratisch:

  1. Konkretes Problem benennen.
  2. Vertraulich an kontakt@sued-kultur.de wenden.
  3. Gemeinsam passende Expert*innen finden.
  4. Beratung wahrnehmen und Rechnung zur Erstattung einreichen.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Einziger Haken: Das Kontingent ist begrenzt. Da es nur 15 dieser Gutscheine gibt, heißt es jetzt: Schnell sein! Sobald das Budget ausgeschöpft ist, wird dies über das Netzwerk bekannt gegeben.

SuedKultur beweist mit dieser Aktion einmal mehr, dass es das Rückgrat der Harburger Kulturszene ist. Es geht nicht nur um glanzvolle Events wie die Music-Night, sondern um die harte Basisarbeit, die das kulturelle Überleben im Hamburger Süden erst möglich macht. Also: Sichert euch diese Unterstützung und lasst euch nicht von Paragrafen ausbremsen!

Kontakt und Infos: E-Mail: kontakt@sued-kultur.de Web: www.sued-kultur.de

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Denkmal für den „Winsener Anzeiger“ https://www.tiefgang.net/denkmal-fuer-den-winsener-anzeiger/ Fri, 02 Jan 2026 12:09:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13055 [...]]]> Cognac am Schreibtisch, rauchende Köpfe in der Setzerei und ein Rollenbild, das heute mindestens für hochgezogene Augenbrauen sorgt: Willkommen in den 1970er Jahren. Willkommen in Störenbek. Doch wer genau hinsieht, erkennt hinter dem fiktiven Namen der Kultserie „Lokalseite unten links“ ein sehr reales Gesicht: Winsen (Luhe).

Das Museum im Marstall lädt am So., 11. Januar zur mittlerweile traditionellen Serienschau und beweist einmal mehr, dass Geschichte nicht immer staubig sein muss – manchmal flimmert sie auch charmant über die Leinwand.

Die Serie, die einst ein Millionenpublikum vor die Bildschirme lockte, ist für Winsen weit mehr als nur Unterhaltung. Sie ist ein konserviertes Stück Stadtgeschichte. Die Szenen, die in der Druckerei der Lokalzeitung spielen, wurden in den damaligen Räumen des Winsener Anzeigers gedreht. Wer die Folgen heute sieht, blickt direkt in das Maschinenraum-Herz der Stadt, wie es vor fast 50 Jahren schlug.

Es ist dieser hohe Grad an Erinnerungskultur, der den Filmnachmittag so wertvoll macht. Wenn die Protagonist*innen mit dem Auto durch die Marktstraße brausen, sieht man im Hintergrund Stadtansichten, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind. Es ist eine visuelle Archäologie des Alltags.

Gezeigt werden diesmal zwei besondere Leckerbissen: Die allererste Folge mit dem vielsagenden Titel „Alarm“ und die Folge 37, „Besuch von Drüben“. Dabei geht es nicht nur um Nostalgie für jene, die damals schon dabei waren. Auch für Jüngere bietet die Vorführung einen faszinierenden, manchmal amüsierten Blick auf den Lebensstil einer Ära, die uns heute seltsam fremd und doch vertraut erscheint.

Ob die ehemalige Kaserne, die Winsener Geschäfte oder die weiten Szenen am Deich – „Lokalseite unten links“ fängt das Lebensgefühl der Elbmarsch ein, wie es kaum ein anderes Dokument vermag.

Da die Plätze im historischen Marstall begehrt sind und die Serienschau regelmäßig für ein volles Haus sorgt, ist der Vorverkauf an der Museumskasse mehr als nur eine Empfehlung – er ist fast schon Pflicht für alle, die sich diesen nostalgischen Trip nicht entgehen lassen wollen.

Sonntag, 11. Januar, 14.30 Uhr: Historischer Filmabend „Lokalseite unten links“ (Folgen: „Alarm“ & „Besuch von Drüben“), Museum im Marstall, Schlossplatz 11, 21423 Winsen (Luhe)

Eintritt: 6 Euro für Erwachsene (Kinder bis 18 Jahre und Vereinsmitglieder frei)

Info: www.museum-im-marstall.de

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Raus auf die Bühnen! https://www.tiefgang.net/raus-auf-die-buehnen/ Fri, 19 Dec 2025 23:02:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13030 [...]]]> Buxtehude hat einen Puls, und der schlägt im Takt von Bassdrums und Synthesizern. Wer glaubt, dass die große Musik-Karriere nur in den schummrigen Clubs der Reeperbahn startet, sollte den Blick Richtung Süden wenden.

Seit über einem Jahrzehnt beweist die Konzertreihe „My Six Stages“, dass die wahre Energie oft direkt vor der Haustür entsteht – im Freizeithaus Buxtehude.

Jetzt geht der Ruf wieder raus: Bis zum 5. Januar 2026 können sich Bands und Solokünstler*innen für die kommende Staffel bewerben. Es ist die Chance, den Proberaum-Muff gegen das Rampenlicht einer professionellen Arena zu tauschen.

Was „My Six Stages“ so besonders macht, ist das kompromisslose Bekenntnis zur Qualität. Hier wird kein „Jugendzentrum-Sound“ serviert. Wer hier auf die Bühne tritt, bekommt das volle Paket: Eine erstklassige PA-Anlage, professionelle Mikrofone und eine Lichtshow, die auch gestandene Festival-Acts blass aussehen lässt.

Für viele Newcomer*innen aus dem Landkreis Stade und Umgebung ist das der Moment der Wahrheit. Wenn der Sound perfekt ist, zählt nur noch die Musik – und der Mut, sie einem echten Publikum zu präsentieren.

Das Konzept der Veranstalter*innen von Buxte Sounds und der Stadtjugendpflege Buxtehude ist so simpel wie genial: Zwischen dem 2. Februar und dem 14. März 2026 verwandelt sich die Arena an sechs Abenden in einen Schmelztiegel der Genres. Pro Abend teilen sich bis zu drei Acts die Bühne.

Dabei gibt es keine Berührungsängste. In der Vergangenheit traf hier Metalcore auf sanftes Liedermaching, Hip Hop auf Indie-Pop. Es ist genau diese Unvorhersehbarkeit, die das Publikum seit Jahren anlockt. Es geht nicht darum, in eine Schublade zu passen, sondern darum, die eigene Nische mit Leidenschaft auszufüllen.

Die Macher*innen betonen: Bewerben kann sich jede*r! Zwar liegt der Fokus auf Talenten aus der Region Stade, Harburg und Umgebung, doch gute Musik kennt keine Grenzen. Wer den nächsten Schritt wagen will, muss jetzt liefern.

Der Fahrplan:

  • Bewerbungsschluss: 5. Januar 2026 online unter www.mysixstages.de
  • Was: Infos, Audio-Files oder Videos einreichen.

Reihen wei Six Stages wie diese sind das Rückgrat unserer Szene. Sie sind der Ort, an dem aus „Vielleicht-Musiker*innen“ echte Performer*innen werden. Man darf gespannt sein, wer 2026 die Arena zum Beben bringt. Meldet euch an – Buxtehude wartet auf euren Sound!

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Unterrichtsfach ´Straßennamen` https://www.tiefgang.net/unterrichtsfach-strassennamen/ Fri, 05 Dec 2025 23:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12976 [...]]]> Die Debatte um Hamburgs koloniale Straßennamen ist festgefahren, laut und meistens auf der Straße oder in politischen Gremien zu Hause. Nicht aber im Unterricht.

Denn was passiert, wenn die Diskussion nicht im Rathaus, sondern direkt am Schul-Rechner beginnt? Die Stadt zieht die Auseinandersetzung nun mitten in den Unterricht – und holt sich dafür Expertise aus dem Hamburger Süden.

Mit „Museana“ startet ein digitales Bildungsangebot, das Lehrkräften multimediale, fundierte Materialien an die Hand gibt. Es ist ein Versuch, die Vergangenheit nicht nur zu beleuchten, sondern sie aktiv in die Gegenwart zu zerren.

Es geht um große, komplexe Fragen: Die Rolle der Hamburger Kauffamilien, der globale Kolonialismus, Widerstand und die heikle Frage, wie wir heute mit öffentlichen Erinnerungsorten umgehen. Dafür hat sich die Kulturbehörde mit starken Partnern zusammengetan. Neben dem Freilichtmuseum am Kiekeberg ist es das Archäologische Museum Hamburg – jenes Haus mit Sitz in Harburg, das normalerweise die tiefen Wurzeln der norddeutschen Geschichte erforscht. Die wissenschaftliche Begleitung wiederum lag bei Dr. Tania Mancheno von der Universität Hamburg. Diese Beteiligung ist ein klares Statement: Die Auseinandersetzung mit dem globalen Erbe endet nicht an der Elbbrücke, sondern ist zentrale Aufgabe der gesamten Stadtkultur.

Im Kern des neuen Moduls steht die Aufforderung an die Schüler*innen, selbst aktiv zu werden: Sie sollen Biografien kolonialer Akteure und Widerstandsfiguren recherchieren, Quellen sichten und die Umbenennung von Straßen kritisch diskutieren. Geschichte wird hier nicht konsumiert, sondern erarbeitet.

Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda spricht von einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“. Doch es ist Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, der Direktor des Archäologischen Museums, der den entscheidenden Punkt hervorhebt: Die vielschichtigen, digitalen Anwendungsformen verschaffen dem Thema eine neue Relevanz in der jungen Zielgruppe. Und Dr. Tania Mancheno ergäntt: „Die Unterrichtsmaterialien über den deutschen und europäischen Kolonialismus, die bei Museana verfügbar sind, fördern ein kritisches Denken bei Lehrenden und Schüler*innen, indem sie die Bedeutung der Kolonialgeschichte durch Bezüge auf die Gegenwart erklären, illustrieren und diskutieren.

Genau das ist die Stärke dieses Projekts: Es liefert nicht nur Fakten, sondern den „lebensweltnahen Lernzugang“. Wo herkömmlicher Geschichtsunterricht oft abstrakt bleibt, knüpft Museana direkt an das Umfeld der Jugendlichen an. Plötzlich geht es nicht um ferne Länder, sondern um die Namen von Straßen, an denen man täglich vorbeiläuft. Die Vergangenheit wird persönlich, die Debatte wird konkret.

Diese digitale Offensive in der politischen Bildung ist längst überfällig. Sie liefert den Lehrkräften aller Schulformen das Rüstzeug, um die Diskussionen um Kolonialismus und heutigen Rassismus nicht nur zuzulassen, sondern zu lenken. Harburgs Museum hat sich damit nicht nur in die digitale Welt katapultiert, sondern auch mitten in die wichtigsten gesellschaftlichen Gespräche unserer Stadt. Die Choreografie der Zukunft beginnt eben auch hier – am Rechner, mit einem Klick auf die Spuren der Vergangenheit.

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Wer tanzt Hamburgs Zukunft im Nebel? https://www.tiefgang.net/wer-tanzt-hamburgs-zukunft-im-nebel/ Fri, 07 Nov 2025 23:14:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12822 [...]]]> Die Veddel ist Hamburgs Labor. Ein Ort, an dem sich die Wucht des Hafens, die Herausforderungen des sozialen Miteinanders und die drängendsten Klimafragen der Stadt auf engstem Raum verdichten. Nun wird es auch ein Ort für Utopien.

Mit dem Performance-Projekt „Choreographing Fair Future“ laden zwei zwei Künstlerinnen zur aktiven Zukunftsforschung ein. Und zwar tanzend. Es geht darum, die Veddel nicht nur zu bewohnen, sondern sie durch Bewegung, Klang und Imagination neu zu erfinden.

Hinter dem ambitionierten Plan stehen die Choreografin und Ökosystem-Forscherin Verena Steiner sowie die Performance- und Community-Expertin Angela Kecinski. Ihre Mission: Sie wollen die Veddel-Community – Schüler*innen, Anwohner*innen, Migrant*innen – mit professionellen Künstler*innen zusammenbringen, um gemeinsam „imaginäre Oasen der Zukunft“ zu erfinden.

Steiner bringt die wissenschaftliche Perspektive aus ihrer Promotion über fragile Ökosysteme mit, Kecinski die Erfahrung aus der direkten partizipativen Arbeit im Quartier. Gemeinsam schlagen sie eine Brücke zwischen akademischer Tiefe und Street-Smartness.

Das Ergebnis soll in etwa anderthalb Jahren Hamburgs vielleicht aufregendste Performance werden: ein „choreographierter Nebel-Spaziergang“.

Die Veddel soll zur Bühne und zum Forschungsraum werden. Es geht darum, soziale und ökologische Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern sie durch den Körper zu durchleben und in eine neue Form des Miteinanders zu übersetzen.

Wer kann mitmachen? Gesucht werden explizit professionelle Einzelkünstler*innen aller Genres, die entweder auf oder nahe der Veddel wohnen/arbeiten oder eine klare Verbindung zum Stadtteil haben. Das Projekt ist offen für:

  • Tänzer*innen und Performer*innen
  • (Instrumental-)Musiker*innen und Komponist*innen
  • Sänger*innen und Digital-Musikproduzent*innen

Besonders willkommen sind Perspektiven aus Urban Styles! Wer den Rhythmus der Veddel im Blut hat, ist hier genau richtig.

Die Künstlerinnen wissen: Visionen brauchen Zeit. Der Zeitplan ist daher auf zwei Jahre angelegt und wird von der Stadtteildiakonie Veddel und Kampnagel unterstützt. Die Recherchephase beginnt voraussichtlich im Frühjahr 2026. Hier entstehen die Workshops mit Schüler*innen und Anwohner*innen, in denen das künstlerische Material gesammelt wird. Die eigentliche partizipative Performance – der „choreographierte Nebel-Spaziergang“ – folgt dann voraussichtlich im Herbst 2026 oder Frühjahr 2027.

So bewirbst du dich: Wer Teil dieses Experiments werden und die Veddel aktiv mitgestalten möchte, wendet sich direkt an die Projektleitung. Die Kontaktaufnahme ist unkompliziert:

Dies ist der Moment, in dem Hamburgs Künstler*innen zeigen können, dass Kunst nicht nur kommentiert, sondern die Zukunft aktiv baut. Auf zur Veddel – die Choreografie beginnt jetzt!

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Ein Neuanfang aus Leidenschaft https://www.tiefgang.net/ein-neuanfang-aus-leidenschaft/ Fri, 31 Oct 2025 23:56:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12772 [...]]]> Wenn der 22. Harburger Kulturtag am Sonntag (2.11.) seine Pforten öffnet, ist das nicht nur ein Termin im Kalender, sondern ein starkes Bekenntnis zu Harburg. Es ist die Geschichte eines Events, das sich aus purer Leidenschaft immer wieder neu erfindet, aber dabei seine Identität neu aushandeln muss.

Über 15 Jahre lang war der Kulturtag ein geliebter Samstagstermin, initiiert und getragen vom Team des Archäologischen Museums. Doch der Kulturbetrieb ist kein Zuckerschlecken: Wegen knapper Kassen und fehlender Ressourcen musste der Tag schlucken – und auf den verkaufsoffenen Sonntag im Herbst umziehen.

Jetzt tritt erstmals Harburg Marketing an die Spitze. Und diese Premiere ist ein Signal: Die Kultur im Hamburger Süden lässt sich nicht unterkriegen! Die Verlegung von 12 bis 20 Uhr macht den Tag zu einem Fest für alle, perfekt eingebettet in einen entspannten Familiensonntag. Harburgs Zentrum und der Binnenhafen werden zur Bühne für 28 Kultureinrichtungen, deren Eintritt an diesem Tag frei ist.

Superhelden, Street Art und Lindy Hop

Was diesen Tag so unwiderstehlich macht, ist die explosive Mischung aus Geschichte, Aktivismus und purer Lebensfreude. Hier wird nicht nur konsumiert, hier wird mitgemacht! Einige Highlights:

  • Der Mythos lebt: Im Archäologischen Museum 12-16 Uhr in die fantastische Welt der „Superhelden – Von Herakles bis Superman“. Wer will sich nicht einmal den griechischen Legenden gegenüberstellen?
  • Rhythmus der 20er: Bei Atticat Swing (13-18 Uhr) am Krummholzberg heißt es: Schuhe schnüren! Die Tanzschule bietet einen Tag der offenen Tür mit Lindy Hop Schnupperkursen – ein energiegeladener Tanz, der direkt aus Harlems Jazz-Kultur stammt.
  • Wandlungen der Stadt: Die Kunst findet auf der Straße statt: Bei Walls Can Dance entdecken Besucher*innen Norddeutschlands größte Freiraumgalerie für Urban Art bei kostenlosen Touren, startend am S-Bahnhof Harburg.
  • Das Harburger Herz: Bei der Biff Harburg Frauenberatung werden unter dem Titel „Frauenbilder Sichtbar werden“ kraftvolle Collagen gezeigt, die von Mut und gelebten Biografien erzählen. Im Gegensatz dazu präsentiert Stadtmaler Ralf Schwinge in der Sparkasse Harburg „Harburg in neuen Ansichten 2.0“ – und versorgt Neugierige mit Kaffeespezialitäten vom Coffeebike (12-16 Uhr).

Auch die Harburg Info öffnet in der Hölertwiete ihre Türen für eine Lesung: „Coloured Stories“ bietet Auszüge zu Stadtthemen und Umweltschutz – nahbare Geschichten aus der Nachbarschaft.

Kulturschock oder Demokratisierung? Die Gratwanderung des Harburger Tags

Doch gerade für jene, die den Kulturtag in seinen Anfangsjahren schätzten, muss dieser Wandel schmerzen. Der Tag war einst eine bewusste Antithese zum harschen Ruf Harburgs: Er pries die (Hoch-)Kultur mit der Sammlung Falckenberg an der Spitze und bot Ateliers als Rückzugsorte. Das Ziel war klar: Harburg hat eine ernstzunehmende, anspruchsvolle Szene.

Heute? Der Kulturtag findet am verkaufsoffenen Sonntag statt. Die Kunstaktion im Phoenix-Center wird mit den Lions Charitytagen verbunden. Am Abend gibt es einen Laternenumzug und ein Feuerwerk. Für Purist*innen stellt sich die Frage: Hat sich der Kulturtag selbst überlebt, indem er seine klare kulturelle Haltung zugunsten der größtmöglichen Reichweite aufgegeben hat? Wird die Kultur hier zur Dekoration für den Handel?

Die Antwort liegt vielleicht in der Demokratisierung. Harburg Marketing mag einen breiteren, zugänglicheren Ansatz verfolgen, der niedrigschwellige Angebote in den Vordergrund rückt. Wenn die Menschen über Street Art, Lindy Hop und eine Tasse Kaffee zu Ralf Schwinge in die Sparkasse gelockt werden, dann mag das Chaos sein – aber es ist ein Chaos der Begegnung. Es ist die klare Botschaft: Kultur gehört allen, nicht nur der Elite.

Nach Jahren, in denen die Inhalte auf den Flyern fast verschwanden, gibt es endlich wieder eine inhaltliche Fülle. Ob das neue, bunte Mischformat nun die „richtige“ Kultur abbildet oder lediglich ein Publikumsmagnet ist, muss jeder selbst entscheiden. Aber die Debatte – die ist kulturell wertvoll, und sie ist Harburg pur.

Ein Finale mit Feuerwerk

Der Kulturtag ist eine Hommage an die Harburger*innen selbst. Von buntem Laternen basteln in den Arcaden bis zur Kunstaktion im Pop Up Store im Phoenix-Center – an jeder Ecke pulsiert das Leben.

Den krönenden Abschluss des 22. Harburger Kulturtags bildet der Laternenlauf der Schützengilde mit einem spektakulären Feuerwerk über dem Rathausplatz. Und ja, auch die Geschäfte haben von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Harburg Marketing hat mit dieser ersten Umsetzung nicht nur eine Tradition fortgeführt, sondern sie neu aufgeladen. Es ist ein kultureller Anker, der beweist, dass Gemeinschaft und Kunst die stärksten Ressourcen sind. Gehen Sie hin – entdecken Sie, tanzen Sie, staunen Sie! Die Harburger Kultur hat ihren Platz mehr als verdient.

Das gesamte Programm zum download hier

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Hamburg öffnet 51 Türen für Null Euro https://www.tiefgang.net/hamburg-oeffnet-51-tueren-fuer-null-euro/ Fri, 17 Oct 2025 22:54:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12718 [...]]]> Am 31. Oktober 2025 verwandelt sich Hamburg in eine einzige, riesige Kunst- und Geschichtsgalerie. Der Reformationstag wird zum ultimativen Museumstag!

Unter dem Hashtag #seeforfree öffnen 51 Museen und Ausstellungsorte – mehr als jemals zuvor – ihre Türen bei freiem Eintritt. Das ist kein gemütliches Kaffeekränzchen. Das ist ein kulturelles Überangebot der Superlative, das die Stadt mit purer Neugier flutet und gezielt Brücken schlagen will. Denn das Ziel ist politisch wie menschlich: Alle Hamburger*innen sind eingeladen, sich auf Unbekanntes einzulassen und die Welt aus anderen Perspektiven zu betrachten.

Vom Polizeimuseum bis zum Krümelmonster

Die Vielfalt ist atemberaubend und zeigt, wie breit Hamburgs kultureller Horizont ist. Neben den großen, international gefeierten Häusern wie den Deichtorhallen (mit der Sonderausstellung über Huguette Caland) und der Hamburger Kunsthalle (mit dem schwedischen Superstar Anders Zorn) sind es die Neuzugänge, die den Reiz ausmachen.

Wer hätte gedacht, dass man am Reformationstag die spannende Welt der Kriminaltechnik erkunden kann? Das Polizeimuseum Hamburg ist erstmals dabei! Ebenfalls neu im Bunde:

  • Das Deutsche Maler- und Lackierer-Museum, das im 400 Jahre alten Fachwerkhaus 800 Jahre Handwerksgeschichte präsentiert.
  • Das Urbaneo – Junge Architektur Zentrum, wo man Stadt mit allen Sinnen erleben und selbst gestalten kann.
  • Die Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe, der historische Ort, von dem Hamburg ab 1893 mit sauberem Trinkwasser versorgt wurde.

Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda fängt diese Haltung perfekt ein: „Museen sind Orte, an denen wir nicht nur Geschichte und Kunst erleben, sondern auch uns selbst begegnen.“ Die Aktion stehe für Offenheit, Neugier und die Freude am gemeinsamen Entdecken.

Das Beste am #seeforfree-Tag ist das umfangreiche Sonderprogramm, das die Häuser in wahre Abenteuerspielplätze verwandelt. Hier wird nicht nur geschaut, hier wird aktiv teilgenommen:

Wo sonst kann man gleichzeitig…

  • …bei der Stiftung Hamburg Maritim mit dem Dampfschiff SCHAARHÖRN und dem Frachter BLEICHEN beim OPEN SHIP auf Tuchfühlung gehen?
  • …gerappte Ausstellungsführungen im Universitätsmuseum erleben?
  • …im WasserForum kuriose Fundstücke aus Hamburgs Abwassersielen für Kinder und Familien entdecken?
  • …im MONTBLANC HAUS das Krümelmonster aus der „Sesamstraße“ treffen und Quizaktionen testen?

Für die Geschichtsfans gibt es im Hamburger Schulmuseum Unterricht wie zu Kaisers Zeiten, inklusive Sütterlinschrift auf Schiefertafeln. Und wer auf der Suche nach einem tieferen Denkanstoß ist: Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bietet Kurzführungen und Einblicke in das Haus des Lagerkommandanten an.

Die Action ist da, der Eintritt ist frei. Wer den Überblick behalten möchte, kann sich seine individuelle Museumstour unter www.seeforfree.de/meine-tour zusammenstellen.

31. Oktober 2025 (Reformationstag): Freier Eintritt in 51 Hamburger Museen und Ausstellungsorte

Es gibt Führungen und Aktionen in neun Sprachen, darunter Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und sogar Plattdeutsch. Alle Infos und die Möglichkeit zur individuellen Tour-Erstellung finden Sie auf www.seeforfree.de.

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Stoner Rock und Jazz heben die Schwerkraft auf https://www.tiefgang.net/stoner-rock-und-jazz-heben-die-schwerkraft-auf/ Fri, 17 Oct 2025 22:47:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12669 [...]]]> Manche Bands passen in keine Schublade. Sylmar aus Cincinnati etwa. Bald im Stellwerk in Harburg.

Die Band gehört in die Kategorie musikalisches Chamäleon – mit einem leichten Hang zum Wahnsinn. Am 16. November landet die US-Band mit ihrem eklektischen Soundmix im Stellwerk in Hamburg-Harburg und verspricht einen der energetischsten Abende des Spätherbstes.

Die Band, die seit 2016 die US-Küsten bereist und sich den Ruf als eine der besten Live-Acts Cincinnatis erspielt hat, kommt nicht nur mit neuer Musik, sondern auch mit einer kompromisslosen Stilrichtung: Indie-Rock, Stoner-Jazz und Dream-Rock – eine Kombination, die so verwirrend wie unwiderstehlich ist. Statt sich in Genregrenzen zu verlieren, drehen Sylmar den Rock-Kanon durch den Fleischwolf, bewaffnet mit lauten Gitarren, dynamischen Vocals und Achterbahn-Rhythmen.

Die dunkle Fabrik und der Social-Media-Einfluss

Das musikalische Resultat klingt, als hätten Queen und Queens Of The Stone Age spontan eine Jam-Session veranstaltet, die heimlich von Radiohead und Jeff Buckley produziert wurde. Es ist ein Sound, der gleichzeitig ansteckende Hooks liefert und gleichzeitig die Zuhörer*innen mit cleveren Haken und progressiven Drum-Parts auf Trab hält.

Ihre neuen Songs vom kommenden Album Matching Caskets sind von der dunklen Atmosphäre einer 150 Jahre alten, ehemaligen Lederfabrik geprägt, in der die Platte aufgenommen wurde. Dieser intensive Sound spiegelt sich in den Texten wider, die sich der Polarität der Welt widmen: Liebe trifft auf Angst, Größenwahn auf Weltflucht.

Ein perfektes Beispiel für diesen kreativen Wahnsinn ist die aktuelle Single Canal. Inspiriert vom düsteren Film-Noir-Klassiker Chinatown (Roman Polanski) dreht sich die Story hier um einen TikTok-Influencer, der sich im kleinen Bildschirm verliert, aber den Erfolg auf der großen Leinwand sucht. Sylmar fangen diese moderne Zerrissenheit in einem Wirbelwind von Song ein – am besten genießt man diese Infektion frisch und live.

Sylmar ist bekannt dafür, stereotype Strophe-Refrain-Strukturen zu sprengen. Das Quintett versteht es, das Publikum nicht nur zum Tanzen zu bringen, sondern auch konstant in Erwartungshaltung zu halten. Wer auf unbändige Energie und musikalische Abenteuerlust steht, sollte sich dieses Harburger Konzert auf keinen Fall entgehen lassen.

Gewinnspiel: Tiefgang bringt dich ins Stellwerk!

Das Feuilleton »Tiefgang« verlost 2 x 2 Freikarten für dieses elektrisierende Konzert im Stellwerk.

So kannst du gewinnen: Schicke eine E-Mail mit dem Betreff „Sylma“ an tiefgang@sued-kultur.de. Einsendeschluss: 30. Oktober 2025 um 12 Uhr. Das Los entscheidet.

Termin: Sylmar, So., 16. Nov. 2025, 19 Uhr, Stellwerk, Bhf. Harburg über Fernzuggleis 3, Hannoversche Straße 85, 21079 Hamburg, Tickets: https://www.tixforgigs.com/Event/67752/sylmar-stellwerk-hamburg

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Glitzer, Glamour, Gänsehaut https://www.tiefgang.net/glitzer-glamour-gaensehaut/ Fri, 10 Oct 2025 22:55:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12646 [...]]]> Mamma Mia, Plateauschuhe raus! Der schwedische Pop-Traum kommt in den Hamburger Süden!

Manche Songs sind mehr als Musik – sie sind ein Lebensgefühl, ein Glitzerhemd-Moment, eine kollektive Erinnerung an die goldenen 70er. Genau dieses Gefühl bringt »Abba – Unforgettable« am 27. November in die Burg Seevetal. Es ist die Chance, »Dancing Queen« nicht nur zu hören, sondern zu erleben, als wäre man zurück in der Disco-Ära.

Diese Tribute-Show ist nicht einfach nur ein Cover-Konzert. Sie ist eine musikalische Zeitmaschine, die den Glamour und die emotionalen Tiefen der schwedischen Pop-Giganten detailgetreu auf die Bühne holt. Die Produzent*innen versprechen eine Performance, die selbst die Originale Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny stolz machen würde.

Das Herzstück der Show sind die vier Hauptdarsteller*innen, die mit beeindruckender Hingabe in ihre Rollen schlüpfen:

  • Agnetha wird von der norddeutschen Musical-Absolventin Janina Stiem verkörpert, die ihre Ausbildung in Hamburg absolvierte.
  • Als Anni-Frid glänzt die gebürtige Berlinerin Jessica Fendler, die ihre Vielseitigkeit bereits in Musicals wie Les Misérables und Jesus Christ Superstar bewiesen hat.
  • Björn wird von Markus Förster dargestellt, einem echten Profi an der Live-Gitarre, den Kenner*innen auch von der »Just Floyd Project«-Tribute-Band schätzen.
  • Und Benny? Er wird von Uwe Morscheck verkörpert, dem Produzenten der Show selbst. Morscheck bringt 50 Jahre Bühnenerfahrung mit und sorgt live am Piano für den authentischen Abba-Sound.

Diese Künstler*innen liefern nicht nur die Töne, sie liefern die Emotionen: Wenn »I Have a Dream« erklingt oder »Fernando« die Halle füllt, bleibt garantiert kein Herz unberührt. Die schrillen Outfits, die mitreißenden Choreografien – alles ist dabei, um das Disco-Fieber wieder zu entfachen. Und das Wichtigste: Mitsingen und Mittanzen ist ausdrücklich erlaubt!

Gewinnspiel: Tiefgang verlost Freikarten!

Sie möchten diesen Abend voller Glitzer, Emotionen und »Super Trouper« live erleben? Das Feuilleton »Tiefgang« verlost exklusiv 3 x 2 Freikarten für dieses unvergessliche Spektakel in Seevetal.

So machen Sie mit: Senden Sie eine E-Mail an tiefgang@sued-kultur.de mit dem Betreff „Abba in Seevetal“. Das Los entscheidet. Einsendeschluss ist der 1. November 2025.

Termin: Do, 27. Nov. 2025, Beginn: 20 Uhr ( Einlass: 19 Uhr) | Burg Seevetal, Am Göhlenbach 11, 21218 Seevetal

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