https://www.tiefgang.net Sat, 29 Aug 2026 11:30:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Termeh Yaghoubi und das Häuten der Erinnerung https://www.tiefgang.net/termeh-yaghoubi-und-das-haeuten-der-erinnerung/ https://www.tiefgang.net/termeh-yaghoubi-und-das-haeuten-der-erinnerung/#respond Mon, 31 Aug 2026 22:21:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14471 [...]]]> Zwischen Teheran und Hamburg: Wenn man den Raum betritt, den Termeh Yaghoubi mit ihrer Kunst öffnet, spürt man sofort dieses feine, elektrische Knistern zwischen Ankommen und Verlorensein. Nun stellt sie in Harburg aus.

Die 1989 in Teheran geborene Künstlerin, die sich über ihre Malerei, Grafik und Lyrik eine neue Existenz erkämpft hat, malt keine gefälligen Landschaften. Sie kartiert die Geographie des Inneren. „Ich hinterfrage den Zustand der Identität auf individueller, kollektiver und biologischer Ebene“, beschreibt Yaghoubi den Kern ihrer Arbeit. Ihre Leinwände sind Schauplätze eines unerbittlichen Ringens: Überlieferte Zeichen ihrer iranischen Heimat verschmelzen mit den abrupten Brüchen des Exils zu einer visuellen Wucht, die niemanden unberührt lässt.

Unter dem programmatischen Titel Second Skin verdichtet sich Yaghoubis aktuelles Schaffen nun in einer abschließenden Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof zu einer eindringlichen Materialschlacht der Gefühle. Nach gefeierten Stationen – etwa im Frühjahr in der Kunstklinik Eppendorf, wo ihre mehrfachen Serien bereits das Publikum in den Bann zogen – zeigt sich im September im Hamburger Süden die ganze Reife dieses Prozesses. Ihre Bilder funktionieren wie eine epidermale Membran: Sie atmen, sie schmerzen, sie zeigen die Narben von Migration und politischer Repression. Es ist jene kompromisslose Ehrlichkeit, die den schnellen, energischen Stil der Künstlerin auszeichnet. Hier wird Malerei zur physischen Notwendigkeit, zu einer zweiten Haut, die den Schmerz des Verlassenseins aushält und in pure, widerständige Schönheit transformiert.

Dass Yaghoubi diese radikale künstlerische Handschrift in Hamburg ungehindert entfalten kann, ist keineswegs selbstverständlich, sondern das Resultat einer solidarischen Kulturpolitik. Getragen vom INTRO-Förderprogramm der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, haben vor allem der Verein Künstler zu Gast in Harburg und der Kunstverein Harburger Bahnhof einen geschützten Raum geschaffen. Sie beweisen, dass die Hansestadt mehr sein kann als nur ein administrativer Transitort: Sie wird zum echten Exil für die Kunst. Harburg etabliert sich damit einmal mehr als lebendiger Außenposten für internationale, widerständige Stimmen, die den globalen Diskurs bereichern.

Wenn sich vom 11.-20. September nun die Türen für das große Finale von Second Skin im Kunstverein Harburger Bahnhof (über Fernzuggleis 3+4) öffnen, schließt sich ein Kreis aus Residenz, Schmerz und kreativer Selbstermächtigung. Es ist eine der dringendsten Ausstellungen dieses Herbstes – nahbar, politisch und von einer elektrisierenden ästhetischen Dringlichkeit.

Termeh Yaghoubi – Second Skin (Finale Werkschau der Residenz)

Kunstverein Harburger Bahnhof, Im Fernbahnhof über Gleis 3/4, Hannoversche Straße 85, 21079 Hamburg

Die Ausstellung läuft vom 11.-20. September. Informationen zu Öffnungszeiten und Eintritt finden Sie direkt auf der Website des Kunstvereins unter www.kvhbf.de.

auf Tiefgang dazu auch: „Ein Exil für die Kunst“ (26.07.2025) und Wer werden wir? (10.02.2026)


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Frisches Geld für Visionen! https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/ https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/#respond Sun, 30 Aug 2026 22:43:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14468 [...]]]> Die Behörde für Kultur und Medien hat die Förderentscheidungen für den Elbkulturfonds 2027 bekanntgegeben. Insgesamt 500.000 Euro fließen in sechs herausragende Vorhaben der Freien Szene, die zeigen, wie lebendig, wandlungsfähig und mutig die Kunst in unserer Stadt pulsiert.

Der Elbkulturfonds wurde 2013 ins Leben gerufen, um freischaffenden Künstler*innen den nötigen Rückenwind für großformatige, spartenübergreifende Ideen zu geben.

Die Auswahl der Jury ist stark, gesellschaftlich am Puls der Zeit und voller energetischer Klang- und Erlebensräume:

  • „Unity in Diversity: A Pan-African Dialogue Across Time“ (M.Bassy e. V.): Mit 110.000 Euro gefördert. Ein gewaltiges Musiktheaterprojekt, das historische Reden panafrikanischer Vordenker*innen durch internationale Acts wie Dead Prez, Sammus und Somi in einen vibrierenden Dialog aus Konzert, Performance und Installation übersetzt.
  • „Educate The Scene“ (Gifty Lartey): Erhält 105.000 Euro. Ein achtmonatiges, barrierefreies Tanz- und Bildungsprogramm in der Villa Viva, das die politischen Wurzeln Schwarzer Tanzkulturen wie House, Voguing, Afrofusion und Dancehall feiert.
  • „Ecotron“ (Claudius Schulze): Erhält 90.000 Euro. Eine Hafenschute wird zum begehbaren, computergesteuerten Gewächshaus, das Starkregen und Hitzewellen simuliert – ein drängendes, kühnes Experiment an der Schnittstelle von Natur und Stadt.
  • „Der Hamburger Friedensgipfel – eine performative Friedensforschung“ (Fundus Theater): Gefördert mit 79.850 Euro. Kinder erarbeiten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen ihre Visionen von Frieden und tragen diese in einer bunten Kinderfriedensparade durch Hamburg.
  • „Blumen für Otello“ (Ensemble Resonanz): Erhält 65.000 Euro. Auf Kampnagel verschmelzen traditionelle türkische Trauerlieder (Ağıt) mit zeitgenössischer Musik zu einem tief berührenden Konzertprojekt im Gedenken an das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü.
  • „A WORLD OF VAST EMPTY SPACES“ (Daniel Dominguez Teruel): Mit 50.150 Euro gefördert. Eine klangstarke Performance-Installation im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle, die das Publikum in eine vielstimmige Reflexion über Rituale und kollektive Identität einhüllt.

Ein Blick auf die Landkarte der Hamburger Kulturförderung regt jedoch auch zum Nachdenken an: Wer die Historie des Fonds durchgeht, entdeckt schnell, dass aus dem Bezirk Harburg es bisher erst ein einziges Projekt in die Elbkulturfonds-Förderung schaffte – 2015 ein avantgardistisches Kammermusikprojekt im Speicher am Kaufhauskanal. Das liegt aber offenbar weniger an den Jury-Entscheidungen als vielmehr an den Bewerbungen, die aus dem Süden gar nicht erst eingereicht werden. Kann Harburg Elbkultur nicht?

Dabei zeigt der Jahrgang 2027 eindrucksvoll, welch transformative Kraft im Zusammenspiel aus Musik, Performance und gesellschaftlichem Diskurs steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese sechs neuen Welten Hamburg verändern werden – und wie künftig noch mehr Impulse aus allen Ecken der Stadt ihren Weg in diese große Bühne finden können.


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Lebendige Bauten https://www.tiefgang.net/lebendige-bauten/ https://www.tiefgang.net/lebendige-bauten/#respond Sat, 29 Aug 2026 22:59:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14457 [...]]]> Vom 11. bis 13. September 2026 lädt der Tag des offenen Denkmals wieder dazu ein, Hamburgs Denkmäler neu zu entdecken. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ öffnen rund 175 Denkmalorte ihre Türen. Auch in Harburg.

Der Beton vibriert. Nicht jenes ohrenbetäubende Beben der Großbaustellen, sondern ein leises, fast sakrales Summen, das tief aus dem Untergrund heraufkriecht. Wir leben in einer Epoche, die dem Augenblick huldigt. Alles muss glatt sein, frisch gewienert, schnurlos und ohne Patina. Doch unter dem Pflaster, hinter den verrußten Backsteinfassaden und in den rostenden Adern unserer Städte pulsiert eine andere Zeitrechnung: die der Netzwerke.

Wenn sich im Spätsommer wieder die Pforten des Tag des Denkmals öffnen, feiern wir keine museale Leichenschau verstaubter Steine. Das diesjährige Motto – NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur – führt uns an den Ort zurück, an dem Geschichte nicht ausgestellt, sondern gemacht wurde. Es geht um die physischen Leitungen, die Rohre, die Schienen und die unsichtbaren Bänder, die das Gemeinwesen einst zusammenkneteten und bis heute im Verborgenen halten.

Denkmäler sind keine Denkmäler, weil sie alt sind. Sie sind es, weil sie stumme Zeugen davon sind, wie wir miteinander ins Geschäft kamen, wie Wasser floss, wie Energie fließend wurde und wie Mobilität die Enge des Raumes sprengte. Sie sind die seismografischen Spuren unserer Herkunft. Ein Plädoyer für den Blick in die zweite Reihe – dorthin, wo die Metropole ihre rauen, ehrlichen Kanten zeigt, wo der Schweiß der Arbeiter in den Mörtel drang und wo das urbane Nervensystem freiliegt. Wer bereit ist, genauer hinzusehen, entdeckt in diesen funktionalen Kathedralen der Technik eine eigene, fast schmerzhafte Poesie.

Doch um diese Poesie zu finden, müssen wir den Blick weiten und den gewohnten Horizont hinter uns lassen. Wer in Hamburg vom urbanen Kosmos spricht, meint meist die feine Kante der Alster, die gläsernen Kuben der Speicherstadt oder die piekfeinen Villenviertel im Nordwesten. Doch jenseits der großen Ströme, dort, wo die Elbe ihre Arme weit ausbreitet, liegt ein Territorium, das im kollektiven Bewusstsein allzu oft als blinder Fleck gehandelt wird: der Süden. Ein Sprung über die Elbbrücken ist immer auch ein Sprung in eine andere Dimension der HafenCity.

Harburg. Allein der Klang des Namens ruft bei manchen Großstädtern ein vages Schulterzucken hervor – verbunden mit der psychologischen Schranke des Südens, der vermeintlich hinter dem Strom im Schatten liegt. Ein Irrtum, der kaum größer sein könnte. Denn während an der Binnenalster flaniert und parliert wurde, goss man hier draußen das fundamentale Rückgrat des industriellen Aufstiegs.

Hier regiert eine ganz eigene Souveränität. Der Süden Hamburgs hat sich seine zupackende, zähleibige Identität bewahrt. Hier riecht die Luft noch nach Arbeit, nach Geschichte und nach dem Stolz einer eigenständigen Stadt, die ihre Eingemeindung in das große Hamburg zwar schlucken musste, aber ihren kernigen Charakter nie verloren hat. Wer sich auf den Weg über das Wasser macht, verlässt das postmoderne Hochglanzpapier und betritt das Archiv der harten Arbeit, wo Ziegelstein noch Bedeutung hat und der Wind von den Werften und Kaianlagen weht.

Konkrete Begegnungen im Süden

Wer sich auf Spurensuche im Harburger Terrain begibt, stolpert unweigerlich über Orte, die im Vorübergehen leicht übersehen werden, bei genauerem Hinsehen aber ganze Epochen offenbaren.

Da ist etwa der alte Wartesaal im Harburger Hauptbahnhof. Wo heute der Kunstverein Harburger Bahnhof residiert, wehte einst der Wind des Aufbruchs. Reisen in der Ersten Klasse bedeutete Genießen im feinen Salon, während auf der anderen Seite (heute Club Stellwerk) man auf harten Holzbänken, eingehüllt in Ruß, Dampf und die nervöse Erwartung des Nächsten wartete. Heute schlägt in diesen Hallen der Puls der Gegenwartskunst. Künstler*innen bespielen genau jenes Dazwischen, jenen Zustand des Übergangs, der Bahnhöfen seit jeher innewohnt. Es ist eine faszinierende Symbiose: Die historische Hülle atmet den Geist des Schienennetzes, während drinnen Fragen an unsere heutige Existenz gestellt werden.

Nur ein paar Schritte weiter tut sich ein noch gewaltigerer Schnitt auf. Das Phoenix-Viertel mit seinen imposanten Werksanlagen erinnert an jene Jahrzehnte, als hier Kautschuk verarbeitet wurde, als die Räder nie stillstanden und der Geruch von Gummi über den Straßenzügen lag. Inmitten dieses Industrieareals befindet sich die Sammlung Falckenberg. Der Wandel von der schweißtreibenden Produktionsstätte zum lichten Ausstellungsraum wirkt wie ein urbanes Wunder. Die Hallen haben ihre Narben nicht weggeschminkt; die stählernen Stützen und rau verputzten Wände erzählen vom Lebensalltag Tausender Arbeiter*innen. Wo einst Maschinen dröhnten, fordert die Kunst nun zum Innehalten heraus. Transformation gelingt hier nicht durch Glattbügeln, sondern durch das sichtbare Weiterleben der Vergangenheit.

Doch Harburg erschöpft sich keineswegs im Industriezeitalter. Wer tiefer gräbt und den Weg in das historische Herz rings um die Schlossstraße einschlägt, trifft auf das Kanzlerhaus (Neue Straße 59). Ein Bauwerk, das an jene Ära erinnert, als Harburg noch herzogliche Residenz und politisches Zentrum war. Die roten Backsteine künden von Macht, Verwaltung und den frühen handelsbezogenen Verflechtungen der Region. Es bildet den historischen Ankerpunkt in einem Viertel, das sich über die Jahrhunderte hinweg ständig neu erfunden hat.

Diese Orte zeigen eindrücklich: Infrastruktur ist nicht bloß graue Logistik. Sie ist das kulturelle Gedächtnis, das im Hamburger Süden besonders vielschichtig verankert ist.

Der Tag des Denkmals ist mehr als ein bloßes Event für Nostalgiker. Er ist eine Einladung, den mentalen Autopilot des Alltags abzuschalten, die gewohnten Trampelpfade zu verlassen und den Blick für jene unsichtbaren Texturen zu schärfen, die unsere gebaute Umwelt durchziehen. Wer sich auf den Weg macht, begreift: Geschichte ist kein Museum, das hinter Glas verstaubt. Sie ist das Fundament, auf dem wir heute stehen, atmen und handeln. Der Süden Hamburgs zeigt uns, dass gerade dort, wo einst gearbeitet, geschwitzt und gerungen wurde, die packendsten Geschichten lauern – man muss sie nur lesen wollen.

Überblick

  • Das offizielle und vollständige Gesamtprogramm des Aktionstages mitsamt allen Detailzeiten und Anmeldemöglichkeiten für Führungen im Bezirk Harburg finden Sie direkt auf der Website der Hamburger Denkmalstiftung.
  • Spezifische geschichtliche Stadtteil-Rundgänge, thematische Führungen (wie zu Harburgs Industrie- und Kolonialgeschichte) sowie Anmeldungen organisiert die Geschichtswerkstatt Harburg.
  • Informationen zu Ausstellungen, Führungen und Öffnungszeiten der Sammlung Falckenberg sowie des Kunstverein Harburger Bahnhof sind über deren jeweilige institutionelle Webseiten abrufbar.

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Kopflos im Jubiläumsjahr https://www.tiefgang.net/harburg-wirft-sich-in-schale-2/ https://www.tiefgang.net/harburg-wirft-sich-in-schale-2/#respond Fri, 28 Aug 2026 22:45:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14464 [...]]]> Meine Lieben, habt ihr das Neueste gehört? Wir feiern dieses Jahr stolz 100 Jahre Harburger Stadtpark, und ausgerechnet mitten im Jubiläumsjahr verliert der Park sanft seinen Urvater! Die Büste von Georg Hölscher – dem Mann, dem wir die grüne Oase rund um die Außenmühle überhaupt erst zu verdanken haben – ist plötzlich spurlos kopflos.

Beim Haarewaschen meinte meine Friseurin ganz trocken zu mir: „Mensch Clara, vielleicht hat der arme Georg einfach gesehen, wie sich die Harburger*innen am Samstag beim Weißen Dinner von Kopf bis Fuß in Schale werfen, und ist schnell zum Herrenausstatter gerannt, weil ihm noch die weiße Fliege fehlte!“ Recht hat sie. Wenn sich Tausende in blütenweißem Zwirn an der Außenmühle versammeln, fällt so ein fehlender Kopf auf dem Denkmalsockel ja schließlich sofort auf.

Aber Spaß beiseite, meine Lieben: Das Schöne an Harburg ist ja, dass wir uns die Laune nicht verderben lassen. Während die Bronzebüste noch irgendwo schmollt, zeigen wir am heutigen Sonnabend wie stilvoll unser Viertel feiern kann. Das 13. „Weiße Dinner“ steht an, und der gesamte Außenmühlendamm verwandelt sich in eine edle, weiße Picknick-Meile.

Ich sage es euch, wie es ist: Wer nach all den Baustellen-Meldungen der letzten Monate mal wieder echtes Urlaubs-Feeling braucht, muss genau dorthin! Silberleuchter auf den Tisch, Stoffservietten eingepackt und bitte kein Einweggeschirr.

Und das absolute Highlight kommt ab 22 Uhr: Zum Parkjubiläum werden die Baumkronen entlang des Wassers bei der neuen Teichillumination den gesamten September über in wechselnden Farben erleuchtet. Wer braucht da noch den Urlaub im Süden, wenn das Paradies mit Live-Musik, Seifenblasen und bunten Lichtern direkt vor der Haustür liegt?

Meine Lieben, schnappt euch eure weiße Lieblingskleidung, packt den Leckereien-Korb voll und haltet beim Spaziergang im Stadtpark einfach ein bisschen Ausschau nach Georgs Kopf. Wer weiß, vielleicht sitzt er ja heimlich mit einem Glas Prosecco an der weißen Tafel und genießt die Aussicht auf die erstrahlten Baumkronen.

Bussi, eure Clara!


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Das Bild weiß mehr https://www.tiefgang.net/das-bild-weiss-mehr/ https://www.tiefgang.net/das-bild-weiss-mehr/#respond Thu, 27 Aug 2026 22:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14449 [...]]]> Kunst ist eine Sprache. Sie spricht nicht in Sätzen. Sie arbeitet mit Bildern, Formen, Farben und Assoziationen. Und manchmal bringt sie etwas zum Ausdruck, das wir mit dem bewussten, rationalen Denken nur schwer greifen können.

von Ulrike Hinrichs

Ein großer Teil unserer Wahrnehmung geschieht unmittelbar. Wir erkennen Gesichter, Stimmungen, Gefahren oder Vertrautes noch bevor wir bewusst darüber nachdenken. Ein Bild kann uns berühren, bevor wir wissen, womit genau wir in Resonanz gehen. Eine bestimmte Farbe kann eine Stimmung auslösen. Eine Form kann sich vertraut oder bedrohlich anfühlen, ohne dass wir zunächst erklären können, warum.

Sprache ermöglicht uns besonders das lineare und begriffliche Denken. Bilder eröffnen dagegen einen stärker assoziativen und nichtlinearen Zugang. Ein Bild zeigt Ambivalenzen und Widersprüche ganz selbstverständlich nebeneinander. Ein Bild kann eine Farbe mit einer Erinnerung verbinden, eine Form mit einem Gefühl, einen Gegenstand mit einer persönlichen Erfahrung. Es muss diese Verbindungen nicht erklären.

Während Sprache einen Gedanken entfaltet, kann das Bild ihn verdichten. Es kann etwas sichtbar machen, das begrifflich noch gar nicht zur Verfügung steht.

Mehr zu diesem Thema auf Tiefgang:

Diese Vorstellung einer mehrdeutigen, nicht vollständig in Begriffe übersetzbaren Bildsprache findet sich auch bei Carl Gustav Jung. Der Begründer der analytischen Psychologie hat sich intensiv mit der Sprache von Träumen, Mythen und Symbolen beschäftigt. Für ihn war ein Symbol nicht einfach ein Zeichen, dessen Bedeutung sich eindeutig übersetzen lässt. Ein Symbol hat Bedeutungstiefe. Es kann etwas Persönliches ausdrücken und gleichzeitig an etwas Allgemeineres anknüpfen. Es kann unterschiedliche Bedeutungen nebeneinander tragen. Und genau darin liegt die Kraft des Symbols. Es ist persönlich und zugleich über das Persönliche hinausweisend.

Diese andere Art der symbolischen Sprache können wir uns mittels des künstlerischen Ausdrucks zunutze machen. Gerade bei belastenden Themen kann es hilfreich sein, den sprachlichen Modus zu verlassen und in einen bildhaften, assoziativen Modus zu wechseln, um eine erweiterte Sicht auf ein Thema zu bekommen.

Hier ein Praxisbeispiel aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder.

Wir haben uns zunächst eine einfache Frage gestellt:

Wenn du deinem derzeit belastenden Thema eine Überschrift geben würdest, nur ein Wort, welches wäre es?

Eine der teilnehmenden Frauen wählte das Wort „Grenzen“.

Damit war das Thema zunächst in einen Begriff gefasst. Ein Wort verdichtet und benennt etwas, das in der Alltagrealität viel komplexer ist.

Im nächsten Schritt ging es um die Übersetzung vom linearen, begrifflichen Denken in die assoziative, bildhafte Sprache.

Wenn dieses Wort ein Symbol wäre, welches wäre es?

Die Frau wählte für ihr Wort „Grenzen“ die Hand als „Stopp-Zeichen“.

Anschließend galt es, das Symbol künstlerisch umzusetzen. Die Frau zeichnete zunächst ihre Handumrisse nach. Der Hintergrund, der sich im Laufe des Malens zu einem kräftigen Feuer entwickelte, entstand erst im Prozess. Etwas, das zunächst noch nicht als konkrete Vorstellung vorhanden war, nahm beim Malen Gestalt an. Ein Feuer.

Das Entscheidende geschah dort, wo etwas Ungeplantes in den Gestaltungsprozess eintrat. Aus dem Symbol „Hand“ entwickelte sich ein Bild, dessen Aussage über die ursprüngliche Idee hinausging.

Die Hand scheint im Bild mehr als ein Stopp-Zeichen geworden zu sein. Sie wirkt beinahe schutzlos vor der gewaltigen roten und gelben Feuerfläche, die sie umgibt. Gleichzeitig bleibt die Hand selbst hell und weitgehend unbemalt und hebt sich dadurch deutlich von der aggressiven Farbigkeit des Hintergrunds ab. Ihre nach oben geöffnete Haltung macht das Bild ambivalent: Sie setzt eine Grenze und sagt „Stopp“, steht dem Feuer aber zugleich unmittelbar gegenüber. Gerade diese Spannung zwischen Abwehr und Ausgesetztsein macht die Bildwirkung aus.

Die Frau selbst war überrascht, wie heftig das Feuer loderte. Erst im fertigen Bild nahm sie die Wucht des Themas für sich selbst deutlich wahr. Sie beschrieb es anschließend so, dass sie die Situation und ihre Belastung bislang unterschätzt habe.

Hier zeigt sich, was mit dem Bild als Sprache gemeint sein kann: Die Erkenntnis war nicht einfach vorher da und wurde anschließend illustriert. Sie entstand im Wechselspiel von Wahrnehmen, Gestalten und Betrachten. Das Bild hatte etwas sichtbar gemacht, das der Frau zuvor noch nicht in dieser Deutlichkeit zugänglich gewesen war.

Assoziationen der Gruppe

Im nächsten Schritt haben wir in der Gruppe diese assoziative Ebene noch einmal bewusst aktiviert. Jede Teilnehmerin schrieb zu jedem Bild einen intuitiven Satz auf einen Zettel, ohne lange zu überlegen, ohne das Bild zu analysieren oder erklären zu müssen.

So kam zu dem, was die jeweilige Frau selbst in ihr Bild gelegt hatte, noch eine weitere Ebene hinzu: die unmittelbare Resonanz und Assoziation der anderen.

Es entstanden zu dem Bild diese intuitiven Sätze:

  • „Es reicht“
  • „Ich lege meine Hand ins Feuer“
  • „Die Erkenntnis zum Greifen nah“.

Das Bild wird damit zum Resonanzraum. Es spricht nicht nur aus der Perspektive der Frau, die es gemalt hat. Es löst auch bei den anderen etwas aus, das wiederum auf sie und ihr Bild zurückwirkt. Aus einer individuellen Erfahrung entsteht ein Bild, in dem mehrere Menschen unterschiedliche Bedeutungen entdecken können. Diese Art des Herangehens an Themen eröffnet eine neue Perspektive und bietet alternative Lösungsansätze.

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.


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Mord und Musik über den Dächern Harburgs https://www.tiefgang.net/mord-und-musik-ueber-den-daechern-harburgs/ https://www.tiefgang.net/mord-und-musik-ueber-den-daechern-harburgs/#respond Thu, 27 Aug 2026 15:07:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14461 [...]]]> Manchmal führt der Weg ins Verbrechen direkt über die Schienen des Harburger Bahnhofs und ein paar Meter weiter in die Hannoversche Straße. Doch wer das PHNX Coliving betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um temporäre Bleiben für Fernreisende oder Auswärtige.

Das Haus ist längst ein lebendiger, urbaner Ankerpunkt im Süden der Hansestadt geworden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes erhebenswert, denn ein nostalgischer Paternoster transportiert die Gäste geradewegs hinauf in die Sky Lounge.

Über den Dächern Harburgs, wo exzellente Drinks und feine Snacks gereicht werden, entfaltet sich regelmäßig ein Kulturprogramm, das seinesgleichen sucht. Häufig geschieht dies in bewährter Kooperation mit dem lokalen Netzwerk SuedKultur – man denke nur an die atmosphärisch dichten Lesungen im Rahmen der SuedLese Literaturtage. Nun lädt Hotelmanager Frank Wesselhoefft bereits zum wiederholten Male zu einem echten Highlight ein: den Crime Days im PHNX. Und weil der Gastgeber selbst ein ausgewiesener Kenner der Materie ist, wird er es sich nicht nehmen lassen, im Rahmen der Tage auch höchstpersönlich spannende, aktuelle Neuerscheinungen zu präsentieren.

Vier Tage lang verwandelt sich die Sky Lounge in einen Tatort der guten Unterhaltung:

Den Auftakt machen am 15. September die Crime Ladies Regine Seemann und Carola Christiansen. Während Regine Seemann mit ihrem neuen Gmeiner-Kriminalroman Endstation Elbe (in dem die Kommissarinnen Stella Brandes und Banu Kurtoğlu von der Mordbereitschaft 5 einen vermeintlichen Selbstmord in Moorwerder aufrollen) tief in Hamburgs Vergangenheit eintaucht, entführt Carola Christiansen das Publikum mit ihren packenden Krimis in den rauen, nordatlantischen Kosmos der Färöer-Inseln.

Am 16. September übernimmt der Hamburger Krimi-Erfolgsautor Ben Westphal das Kommando. Als ehemaliger Rauschgiftfahnder weiß der gebürtige Hamburger genau, wovon er schreibt. Seine temporeichen, absolut authentischen Romane wie Der Bulle auf St. Pauli oder Der Bulle in der Hafencity gewähren ungeschönte Einblicke in die Hamburger Unterwelt, den Kiez und die Drogenkriminalität – knallhart, nah an der Realität und mit echtem Lokalkolorit.

Musikalisch wird es am 17. September: Ronja Hilbigs Southside Co. bricht mit der literarischen Stille und serviert handgemachte, stimmungsvolle Live-Musik. Ein perfekter, jazzig-grooviger Kontrapunkt über den Lichtern der Stadt, bevor die Crime Days am 18. September mit einer geselligen Crime Watch Party ausklingen, bei der sich treue Genre-Fans und Neugierige noch einmal über die besten Fälle austauschen können.

Übrigens: Wer nach dem literarischen Herbst noch mehr Kultur sucht, darf gespannt sein. Für den Herbst ist bereits eine Kooperation mit der Kunstleihe Harburg in Planung, die spannende Künstler*innen aus ihrem Netzwerk im PHNX vorstellen wird. Man darf sich also freuen – es wird noch einiges folgen.

Die Termine im Überblick:

  • 15. September: Crime Ladies (Regine Seemann & Carola Christiansen) – Beginn: 18.30 Uhr
  • 16. September: Hamburger Krimi-Erfolgsautor Ben WestphalBeginn: 18.30 Uhr
  • 17. September: Ronja Hilbigs Southside Co.Konzertbeginn: 20 Uhr
  • 18. September: Crime Watch PartyBeginn: 18.30 Uhr

Sky Lounge im PHNX Coliving, Hannoversche Straße 88a, 21079 Hamburg


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Der Bezirk wird wieder zur Bühne https://www.tiefgang.net/der-bezirk-wird-wieder-zur-buehne/ https://www.tiefgang.net/der-bezirk-wird-wieder-zur-buehne/#respond Tue, 25 Aug 2026 07:54:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14416 [...]]]> Es gibt diesen einen Abend im Herbst, an dem Harburg den Atem anhält, um im nächsten Moment in Tausenden verschiedenen Frequenzen zu vibrieren. Es naht wieder die SuedKultur Music-Night!

Menschen wandern mit bunten Armbändern in den Straßen und Gassen im Süden Hamburgs von Club zu Club, schmieden Pläne und lachen den kühlen Herbstwind einfach weg. Am Samstag, den 10. Oktober 2026, ist es wieder so weit: Das Netzwerk SuedKultur lädt zur 16. SuedKultur Music-Night. Ein einziges Ticket für schlanke 7,50 € öffnet die Türen zu weit über 40 Live-Acts an 16 Spielorten in Harburg, Heimfeld, Marmstorf und Neugraben. Es ist ein unschlagbares Angebot für eine Nacht, die sich längst in das kulturelle Gedächtnis der gesamten Metropolregion eingebrannt hat.

Wie aus einer Provokation Kult wurde

Um die Faszination des Spektakels zu verstehen, lohnt es ein paar Kapitel in der Chronik des Hamburger Südens zurückblättern. Als sich 2006 engagierte Kulturschaffende, Clubbetreiber*innen und Initiative-Köpfe zusammenschlossen, geschah das auch aus einem Impuls der Selbstbehauptung heraus. Das gängige Vorurteil „Im Süden ist doch nix los!“ forderten die Macher*innen des Netzwerkes SuedKultur kurzerhand heraus. Schon das legendäre erste Motiv aus dem Jahr 2010 entkräftete mit feiner Ironie und einem träge auf dem Sofa sitzenden Paar die These der kulturellen Öde.

Daraus entstand auch recht zügig die mutige Idee einer dezentralen „Leistungsschau“ der lokalen Musikszene. Anders als bei überdimensionalen Events in Hamburg setzte SuedKultur von Anfang an auf die Stärken der Nachbarschaft: intime Räume, kurze Wege, lebendige Vielfalt und direkte Begegnungen. Über die Jahre wuchs das Festival, überstand Pandemie-Hürden mit neu gedachten Konzepten und feierte im vergangenen Jahr bereits ein fulminantes 15. Jubiläum. Die Music-Night ist geblieben, was sie immer war: ein ehrliches, spürbares Bekenntnis zum Bezirk.

Ein genresprengendes Sound-Kaleidoskop 2026

Wer am 10. Oktober durch die Straßen streift, begegnet einer musikalischen Bandbreite, die ihresgleichen sucht. Das Programm im Vorfeld liest sich wie eine Entdeckungsreise durch Stile, Welten und Klangexperimente.

Für Liebhaber*innen avantgardistischer und grenzüberschreitender Kunst wird das ligeti zentrum im Harburger Hafen zum aufregenden Experimentierfeld. Unter dem Titel „Klang à la Carte!“ verschmelzen interaktive Installationen von Dai Jianhua, somomathematische Impuls-Noise-Improvisationen, der Avantgarde-Pop von Clarks Planet und facettenreicher Jazz zu einem multisensorischen Gesamtkunstwerk.

Rock-Enthusiast*innen ziehen eher weiter ins Marias Ballroom, wo die Wände verlässlich beben. Hier teilen sich Stoner-Rock von The Paintbox, die kompromisslose Energie von Sweet Cougar Dreams, melancholisch-psychedelische Klänge von Anemone und atmosphärischer Indierock von Asteroid Kane die Bühne.

Wer den urbanen Beat sucht, findet im Stellwerk Hamburg sein Zuhause: Die Incredible Soulfood Crew liefert Oldschool Funk & Soul, NoTvRaps bringt den rohen Underground-Sound des 90er-Jahre-US-Hip-Hop zurück, und DJ Marekuja treibt die Nacht mit mitreißenden Drum-&-Bass-Rhythmen voran.

Dass Kultur im Süden keine Schwellen kennt, beweisen die leiseren, aber nicht minder intensiven Orte. Im Treffpunkthaus Heimfeld (ContraZt e.V.) entfalten Bernd Janecke und Leonore Lilja feinsinnige Liedermacher-Kunst, Komorebi zeichnet atmosphärische Klangbilder, während Frederiksson und das Schusseltier das Chanson feiern und die Téry Kafo Band mit westafrikanischen Mbalach- und Reggae-Rhythmen zum Tanzen anregt.

Sogar sakrale Räume werden zu Klangkörpern voller Magie: Die St. Paulus-Kirche in Heimfeld verwandelt sich mit Frank Meiller & Kollegium sowie der Jazzkonferenz in eine stimmungsvoll erleuchtete Oase für Jazz, Swing und Bossa Nova. In der Auferstehungskirche Marmstorf trifft traditioneller Rockgottesdienst auf die ungefilterte Energie der Punkrocker von Senkrechtstarter. Der Kultur Palast Harburg wiederum lässt das Publikum mit dem Akustik-Duo Nervling tief in eine gefühlvolle Welt aus Pop, Soul, Reggae und Folk eintauchen.

Ob etablierte Größen in der Lämmertwiete wie The Old Dubliner, überraschende Live-Momente in der Harburg Info, im Weltladen, bei der Haspa am Sand, im Habibi Atelier des Integrationsrats, im JoLa Kulturhaus Süderelbe, in der Stumpfen Ecke eG oder im Kulturwohnzimmer im Gloria-Tunnel: An jeder Ecke wartet eine neue Entdeckung.

Ein Fest der Zusammengehörigkeit

Jan Schröder, Sprecher des Netzwerkes SuedKultur, fasst das Gefühl dieser besonderen Nacht zusammen: „Die SuedKultur Music-Night ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie lebendig, solidarisch und facettenreich das kulturelle Leben im Hamburger Süden ist. An diesem Abend zeigt sich Harburg von seiner besten Seite – offen, experimentierfreudig und musikalisch absolut erstklassig.“

Das Geheimnis der Music-Night liegt genau in dieser Verbundenheit. Künstler*innen, ehrenamtliche Initiativen, Gewerbetreffs und erfahrene Clubbetreiber*innen ziehen an einem Strang, um Kultur für alle zugänglich zu machen. Wer sich auf den Weg macht, entdeckt nicht nur neue Musik, sondern auch die Vielfalt der Nachbarschaft.

Dieser erste Einblick verrät nur einen Teil des monumentalen Programms. Das vollständige, feingliedrige Zeit- und Ablauf-Line-up mit allen exakten Auftrittszeiten wird Mitte September 2026 offiziell veröffentlicht. Doch der Termin steht fest: Der 10. Oktober gehört der Musik.

16. SuedKultur Music-Night: Sa., 10. Oktober 2026

Spielstätten in Harburg, Heimfeld, Marmstorf und Neugraben; Eintritt: 7,50 € (Eintrittsbändchen gilt für alle Locations); Detailliertes Programm & Infos bald auf: www.sued-kultur.de


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Bühne des Lebens, Spiegel der Stadt https://www.tiefgang.net/buehne-des-lebens-spiegel-der-stadt/ https://www.tiefgang.net/buehne-des-lebens-spiegel-der-stadt/#respond Sat, 22 Aug 2026 22:35:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14034 [...]]]> Harburg kann sich glücklich schätzen, nicht nur ein eigenes – sondern eben dieses Harburger Theater zu haben. Denn wenn sich im Herbst der Vorhang hebt, beginnt wieder weit mehr als nur eine neue Spielzeit.

Es ist der Startschuss für eine Saison, die den Anspruch hat, unsere Gegenwart in all ihrer Komplexität zu spiegeln. In einer Zeit, die sich oft rastlos und fragil anfühlt, antwortet das Harburger Theater mit dem, was wir am meisten brauchen: mit Orten der Begegnung, mit Geschichten, die unter die Haut gehen, und mit einem Humor, der befreit, statt nur zu betäuben.

Die kommende Spielzeit 2026/2027 versteht sich als ein lebendiger Dialog zwischen Tradition und Moderne, zwischen lokaler Verwurzelung und globalen Fragen. Intendant Axel Schneider und sein Team haben ein Programm zusammengestellt, das den Mut besitzt, unbequeme Themen – von ethischen Grenzfragen bis hin zur geschichtlichen Verantwortung – in das Zentrum zu stellen. Doch keine Sorge: Neben dieser intellektuellen Tiefe kommt die Leichtigkeit nicht zu kurz. Ob musikalische Hommagen, die direkt ins Herz treffen, oder kabarettistische Sezierungen des alltäglichen Wahnsinns – das Theater lädt uns ein, den Alltag für ein paar Stunden hinter uns zu lassen, um am Ende doch bereichert in ihn zurückzukehren.

Wir können uns also auf eine Spielzeit freuen, die ebenso neugierig wie mutig ist. Hier eine Vorschau auf eine Saison, die das Denken herausfordert, die Lachmuskeln beansprucht und die uns zeigt, dass das Theater vor unserer Haustür der beste Ort ist, um die Welt zu verstehen.

Das politische Theater in Harburg setzt in dieser Spielzeit auf zwei Schwergewichte, die den Finger direkt in die Wunden unserer Zeit legen. Es geht um die großen Fragen von Recht, Wahrheit und menschlicher Schuld – verpackt in eine Form, die niemanden unberührt lässt.

Wenn Ferdinand von Schirachs neues Stück „Sie sagt. Er sagt.“ die Bühne der Hamburger Kammerspiele betritt, ist das mehr als nur eine Aufführung – es ist ein ethisches Experiment für das Publikum (19.02. bis 27.02.2027). Das Stück greift ein gesellschaftliches Dilemma auf, das aktuell so schmerzhaft wie kaum ein zweites ist: Die Unmöglichkeit einer absoluten Wahrheit in Fällen sexualisierter Gewalt, wenn Aussage gegen Aussage steht. Intendant und Regisseur Axel Schneider, der bereits bei „Gott“ bewies, wie man philosophische Grenzfragen inszeniert, wählt hier einen präzisen, kammerspielartigen Ansatz. Die Presse beschreibt den Abend als „aufrüttelnd“ und betont, dass die Urteilsfindung untrennbar mit unseren eigenen gesellschaftlichen Vorurteilen verknüpft ist.

Ferdinand von Schirach, der als ehemaliger Strafverteidiger eine einzigartige Perspektive mitbringt, verweigert in seinen Texten stets die einfache Moral. Sein Ziel ist nicht das Urteil, sondern der Diskurs. Die Zuschauer*innen werden hier zu Schöffen, die ihr eigenes Gerechtigkeitsempfinden permanent hinterfragen müssen. Die Inszenierung ist laut Hamburger Abendblatt eine Fortführung dieses anspruchsvollen, moralischen Theaters, das das Harburger Publikum in den letzten Jahren schätzen gelernt hat.

Den zweiten Ankerpunkt setzt die Uraufführung „Nächstes Jahr Bornplatzsynagoge“ (19.03. bis 27.03.2027). Dieses Stück von Axel Schneider ist ein notwendiger lokaler Reflex auf das jüdische Leben in unserer Stadt. Es erzählt die Geschichte eines Sohnes, der die Lücke im Hamburger Stadtbild – die zerstörte Bornplatzsynagoge – als Symbol einer tiefen gesellschaftlichen Leerstelle begreift.

Dass dieses Stück gerade jetzt, zeitgleich zum Voranschreiten der Pläne für den Wiederaufbau, auf dem Spielplan steht, macht es außergewöhnlich. Die Uraufführung wurde bereits mit minutenlangem Beifall gefeiert, was zeigt, dass auch das Harburger Theater den Nerv der Zeit trifft. Schneider gelingt hier eine Gratwanderung: Er verknüpft das große historische Trauma der Shoah mit der sehr persönlichen, fast intimen Suche eines Einzelnen nach Identität und Glauben in einer Stadt, die ihre Geschichte mal verdrängt, mal mühsam aufgearbeitet hat.

Beide Inszenierungen zeigen gerade in diesen Zeiten deutlich, dass das Theater hier nicht nur unterhalten möchte, sondern auch einen Resonanzraum schaffen. Es ist dieser Mut, sich nicht hinter leichten Stoffen zu verstecken, der das Profil des Hauses in der Spielzeit 2026/2027 so scharf zeichnet.

Musik, Nostalgie und Comedian

Neben intellektueller Schärfe des Gerichtsdramas lädt der Spielplan aber auch zur emotionalen Einkehr ein. Musik ist am Harburger Theater schon längere Zeit weit mehr als eine atmosphärische Untermalung; sie ist ein Schlüssel zur Geschichte, der uns über die Ohren direkt ins Herz führt.

Besonders herausragend in dieser Spielzeit ist die Inszenierung der „Comedian Harmonists“ (09.01. bis 16.01.2027). Die Geschichte des legendären Sextetts ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Vom euphorischen Aufstieg in den Berliner Clubs der 1920er Jahre bis hin zum schmerzhaften Berufsverbot für die drei jüdischen Mitglieder durch das NS-Regime im Jahr 1935.

Was diese Inszenierung so besonders macht, ist das kreative Wagnis: Jan-Christof Scheibe haucht Klassikern wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ neues Leben ein, indem er sie mit einer Prise modernem Boyband-Feeling versieht. Dass dieses Regie-Debüt ausgerechnet von der Schauspielerin Cornelia Schirmer verantwortet wird, die selbst mit ihrem Duo „Cocodello“ Furore macht, verspricht eine Inszenierung, die genau weiß, wie man die Balance zwischen musikalischer Präzision und emotionaler Wucht hält. Das NDR 90,3 Kulturjournal lobte bereits, dass der Abend „direkt ins Herz“ gehe und am Ende kaum ein Auge trocken bleibe.

Diese musikalische Ader des Theaters zieht sich wie ein roter Faden durch den Spielplan, denn auch die Sonderveranstaltungen setzen auf diese tiefgehende Verbindung von Biografie und Klang:

Nina Simone with Love (31.12.2026): Die Künstlerin Love Newkirk würdigt die Ikone des 20. Jahrhunderts und spannt den Bogen von Jazz und Soul bis hin zu Simones politischem Widerstand gegen Rassismus.

Musik war meine erste Liebe – Eine Hommage an Udo Jürgens (14.02.2027): Eine Hommage an Udo Jürgens, bei der Eric Paisley und Heidrun von Goessel durch das Leben und die Hits des unvergessenen Komponisten führen.

Gustav Peter Wöhler Band (11.04.2027): Mit einer Mischung aus Pop-Klassikern und One-Hit-Wonders feiert die Band ihre 25-jährige Bühnenpräsenz, wobei Wöhler seine Musik stets mit persönlichen Anekdoten verknüpft, die das Publikum regelmäßig zu Standing Ovations bewegen.

Es ist diese Kombination aus musikalischer Virtuosität und der Lust am Storytelling, die diese Spielzeit ausmacht. Musik wird hier zum Vehikel für Lebensgeschichten – mal nostalgisch-beschwingt, mal politisch-kämpferisch, aber immer nahbar und mitreißend.

Comedy und Kabarett mit Tiefgang

Wenn das Lachen im Hals stecken bleibt, um dann in befreiender Ironie zu explodieren, dann sind wir im Bereich Comedy und Kabarett angekommen. Das Programm der Spielzeit 2026/2027 in den Hamburger Kammerspielen und am Harburger Theater beweist, dass Unterhaltung kein Synonym für Flachheit ist.

Foto: Bo Lahola

Der Tatortreiniger – Staffel 2 (29.01. bis 06.02.2027): Mizzi Meyers Kultfigur Schotty kehrt zurück, um in vier neuen Folgen in den Abgründen der menschlichen Existenz zu putzen. Die Episoden sind weit mehr als Comedy: Ob Schotty in einem Maklerbüro für Religionen über das Paradies philosophiert oder einen sadistischen Geschäftsführer in einer Consulting-Firma demaskiert, hier wird das Absurde zum treffenden Gesellschaftskommentar.

Alfons: Le Best Of (15.11.2026): Der „Deutschen liebster Franzose“ seziert mit seinem messerscharfen journalistischen Blick und der unverwechselbaren orangefarbenen Trainingsjacke die deutsche Nachrichtenlage. Alfons widmet sich seiner lebenslangen Mission: Dem Versuch, das Mysterium der Deutschen in freier Wildbahn endlich zu entschlüsseln.

Andreas Rebers: rein geschäftlich: BILANZ (23.01.2027): Rebers liefert tanzbare Kapitalismuskritik und nachhaltige Heiterkeit in einer Republik, die sich selbst gerade etwas verloren hat. Seine wortgewaltige Präsenz erinnert an die Glanzzeiten eines Dieter Hildebrandt oder Gerhard Polt.

Heike Feist: Alle Kassen, auch privat (16.03.2027): In einer furiosen Dreifachrolle verwandelt Feist den Theatersaal in eine Hausarztpraxis, in der Risse im Gesundheitssystem und die Pharmaindustrie gleichermaßen ihr Fett wegkriegen.

Thomas Freitag: Rückzug über die Minen der Ebene (21.04.2027): Mit schauspielerischem Talent setzt Freitag einen Schlusspunkt und entlarvt die menschliche Hybris, die unsere Errungenschaften – von KI bis Reichtum – regelmäßig in Missbrauch verwandelt.

LaLeLu: Urlaub vom Hirn (02.10.2026): Die A-cappella-Comedy-Profis bieten eine therapeutische Auszeit von der digitalen Welt: Zwei Stunden ganz ohne Geräte, Stecker oder Empfang.

Johann König: Heute ein König (26.02.2027): König kombiniert den familiären Irrsinn seines Alltags mit leuchtenden Gedichten und „wahnwitzigen Wortwellen“, die ein regelrechtes Synapsenfeuerwerk beim Publikum auslösen.

Dieses Programm ist ein kräftiges Plädoyer für den Humor als Widerstandskunst. Es sind die Spiegelungen unseres eigenen, oft überlasteten Alltags, die hier – mal mit sanfter Ironie, mal mit beißender Schärfe – in Unterhaltung verwandelt werden.

Das Kinderprogramm

Theater ist ein Abenteuer, das idealerweise schon im Kindesalter beginnt. Das Harburger Theater stellt in der Spielzeit 2026/2027 sicher, dass auch die jüngsten Zuschauer*innen voll auf ihre Kosten kommen – mit Stoffen, die so zeitlos wie liebevoll inszeniert sind.

Michel aus Lönneberga (29.11. bis 20.12.2026): Astrid Lindgrens Klassiker bringt die Abenteuer vom Hof Katthult in Småland auf die Bühne. Die Inszenierung fängt Michels neugierige und aufgeweckte Art ein, bei der trotz bester Absichten – wie etwa dem Versuch, Fleischsuppe aus der Schüssel zu lecken – am Ende meist ein lustiger Schlamassel steht.

Der kleine Rabe Socke – Alles meins (01.12. bis 27.12.2026): Basierend auf den Büchern von Nele Moost und Annet Rudolph, befasst sich dieses Stück mit einem Thema, das alle Kinder kennen: Teilen und Freundschaft. Der Rabe Socke lernt hier auf seine Weise, dass Reichtum an Spielzeug wertlos ist, wenn man niemanden hat, mit dem man ihn teilen kann – eine wichtige Botschaft für das junge Publikum.

Dieses Kinderprogramm setzt auf spiel- und verwandlungsfreudige Ensembles, die komplexe soziale Themen wie Freundschaft, Missgeschicke und das Miteinander in eine mitreißende und komische Form übersetzen.

Die Spielzeit 2026/2027 beweist, dass das Harburger Theater weit mehr als eine Unterhaltungsbühne ist. Es ist ein Ort der Begegnung, der es wagt, große historische Fragen mit den Absurditäten des Alltags zu verweben. Wer neugierig auf eine Theaterarbeit ist, die wachrüttelt, ohne die Leichtigkeit zu verlieren, findet hier ein Programm, das noch lange nachhallt.

Informationen und Karten:

Harburger Theater |Museumsplatz 2 | 21073 Hamburg

Programm & Tickets: online unter www.harburger-theater.de


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Harburg wirft sich in Schale! https://www.tiefgang.net/harburg-wirft-sich-in-schale/ https://www.tiefgang.net/harburg-wirft-sich-in-schale/#respond Fri, 21 Aug 2026 22:34:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14409 [...]]]> Meine Lieben, hakt das Fernweh ab, eure Clara ist wieder im Lande! Und kaum setze ich den ersten Fuß in unseren Salon, weht mir schon ein Hauch von Romantik, Eleganz und feinstem Porzellan entgegen.

Schluss mit Baustellen-Blues und Leere – am Samstag, den 29. August, wird es bei uns strahlend weiß! Zum 13. Mal verwandelt sich der malerische Außenmühlendamm im Stadtpark beim „Weißen Dinner“ in eine riesige, festlich gedeckte Tafel.

Beim Spitzenschneiden meinte meine Friseurin ganz aufgeregt: „Mensch Clara, das wird wie eine riesige Traumhochzeit – nur ohne den lästigen Papierkram beim Amt!“ Recht hat sie. Menschen aller Generationen und Kulturen kommen zusammen, bringen vollgepackte Picknickkörbe mit und kleiden sich von Kopf bis Fuß in blütenreines Weiß. (Na gut, bei den Schuhen darf geduldelt werden, falls der weiße Sneaker im Urlaub gelitten hat!)

Das ist doch die perfekte Medizin nach den letzten Wochen! Während unser geliebtes MidSommerland nebenan ja bekanntlich immer noch sanft im Winterschlaf schlummert, zeigen wir direkt vor der Haustür, wie sehr wir das Wasser und die Gemeinschaft feiern können. Einzige Regel für die Tafel: Einweggeschirr bleibt zu Hause! Wir Harburger*innen können auch mit Stil – da werden Silberleuchter, Blumen und echte Stoffservietten aufgetischt.

Und wisst ihr, was das Beste ist? Nach der Sommer-Sonne wartet am Abend ein magisches Spektakel auf uns. Zum 100-jährigen Jubiläum des Harburger Stadtparks startet direkt im Anschluss die neue Teichillumination: Die Baumkronen am Ufer werden ab 22 Uhr in wechselnden Farben erleuchtet – und das sogar den ganzen September über!

Ich sage es euch ja wie es ist: Wer noch auf der Suche nach der großen Liebe ist, sollte am Samstag unbedingt den Außenmühlendamm ansteuern. Bei Kerzenschein, Seifenblasen, Live-Musik und Wunderkerzen verfliegt die Schüchternheit schneller als die Sahne auf der Eiswaffel. Wer weiß, vielleicht teilt ja jemand am Nachbartisch spontan seinen Prosecco mit euch?

Meine Lieben, schnappt euch euer weißes Lieblingskleid, packt den Korb voll Leckereien und sichert euch die besten Plätze an der Außenmühle. Wir sehen uns an der Tafel – ich bin die mit den frischen Locken und dem extra großen Kerzenständer!

Bussi, eure Clara!


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Die doppelte Festung des Bauhauses https://www.tiefgang.net/die-doppelte-festung-des-bauhauses/ https://www.tiefgang.net/die-doppelte-festung-des-bauhauses/#respond Thu, 20 Aug 2026 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14405 [...]]]> Die Trennlinie zwischen offener Gesellschaft und völkischem Rückzug ist selten so klar gezogen worden wie am 20. August: das Weimarer Bauhaus ist wieder Politikum.

Das Beton-Gewebe der Moderne wird wieder zum Festungsgraben. Am 20. August 2026, auf den Tag genau hundert Jahre nach der Neueröffnung des Bauhauses in Dessau, erlebt die deutsche Kulturpolitik einen seltenen Moment geschlossener Mobilmachung. Mitten im Endspurt zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zogen die politisch Verantwortlichen zwei Verteidigungslinien hoch: die Dessauer Erklärung der KMK und das von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer angeführte Bauhaus-Manifest 2026 auf der Seite des Staatsministers. Es ist die Antwort auf ein AfD-Programm, das die Ikonen der Moderne am liebsten aus der nationalen Erzählung tilgen würde.

Wer die Dokumente studiert, mag schnell eine Art Arbeitsteilung erkennen. Auf der einen Seite steht der formale Staatsakt: Die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder verabschiedeten ein staatsrechtliches Bekenntnis. Die Dessauer Erklärung pocht auf den Schutz von Kunst- und Meinungsfreiheit als Verfassungsauftrag. Sie ist die juristische Brandmauer gegen Versuche, Fördermittel an politische Genehmheit zu koppeln oder Spielpläne von außen zu diktieren.

Auf der anderen Seite rollt Wolfram Weimer die große gesellschaftliche Landkarte aus. Sein Bauhaus-Manifest ist kein trockener Behördenbeschluss, sondern ein emotional geladenes Bündnis. Wenn Bischöfe, Architektenkammern, Handwerksräte und die Deutsche UNESCO-Kommission im aktuellen Bericht gemeinsam unterzeichnen, verlässt die Debatte den Elfenbeinturm. „Weltoffenheit statt Nationalismus“, heißt es unter Punkt 6 des Dokuments. Weimer besetzt das Erbe von Gropius und Meyer nicht als staubiges Archivgut, sondern als Motor für eine zukunftsgewandte Identität.

Aber arbeiten KMK und Kulturstaatsminister hier zusammen oder doch eher nebeneinander? Ganz ohne Reibungsflächen sind sie ja in letzter Zeit nicht gerade. Aber hier scheint, sie agieren in einer wirkungsvollen Doppelhelix. Während die Bundesländer die administrativen Schilde hochziehen, liefert der Bund eher das verbindende Narrativ. Die Parallelschaltung ist kein Mangel an Koordination, sondern politische Notwendigkeit. Denn auf Angriffe gegen die kulturelle Freiheit braucht es sowohl den Paragrafen der Verwaltung als auch die Strahlkraft einer breiten Bewegung. Das Bauhaus, das 1932 auf Betreiben der NSDAP in Dessau vertrieben wurde, steht 2026 erneut im Zentrum der Debatte. Ob Papiere gegen Stimmenzettel helfen, bleibt offen – doch die Trennlinie zwischen offener Gesellschaft und völkischem Rückzug ist selten so klar gezogen worden wie an diesem Augusttag.


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