Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 04 Jun 2026 08:14:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Die Sammlerin der Wut https://www.tiefgang.net/die-sammlerin-der-wut/ Thu, 04 Jun 2026 07:52:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13951 [...]]]> Wut ist eine Kraft. Sie zeigt uns, dass etwas nicht stimmt, dass eine Grenze überschritten wurde. Die Heftigkeit der eigenen Wut zu spüren, kann aber auch Angst machen.

von Ulrike Hinrichs

Wut ist oft biografisch und transgenerational. Gerade Menschen, die in toxischen Familienverhältnissen aufgewachsen sind, ihre Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken mussten, haben im späteren Leben ein Thema mit der Wut.

Je mehr wir die Wut wegdrücken, desto heftiger kann sie werden. Manchmal kommt sie wie eine Explosion. Und manchmal haben wir selbst Angst vor der eigenen Sprengkraft.

Kreatives Schreiben und künstlerisches Gestalten können einen Raum geben, in dem solche Gefühle sein dürfen und nicht bewertet oder kontrolliert werden.

Wenn starker Druck auftaucht und die Wut sich zeigt, kann es helfen, diese Gefühle aufzuschreiben.

  • Wie genau fühlt es sich an?
  • Was passiert im Körper?
  • Welche Metaphern fallen dir dazu ein?
  • Welche Wörter, Satzfragmente oder Bilder tauchen auf?

Vielleicht fühlt sich die Wut an wie ein Vulkan. Wie ein Käfig voller schwarzer Vögel. Wie ein Feuer, das schon lange unter der Oberfläche brennt.

Schreibe deine Wahrheit auf. Schreie deine Wahrheit heraus. Die Sätze dürfen laut und roh sein. Und anschließend kannst du die Worte in einen poetischen Text wandeln.

Du kannst Wut sammeln und kreativ wandeln

Wenn wir Wut aufschreiben, geschieht oft etwas Überraschendes. Aus dem Gefühl wird Ausdruck und Sprache. Aus einem inneren Druck entstehen Bilder, Metaphern und Geschichten. Die Wut ist nicht mehr nur ein diffuses Unbehagen im Körper. Sie bekommt Worte. Manchmal entstehen zunächst einzelne Sätze. Manchmal eine Liste voller Vorwürfe. Manchmal ein Brief, der niemals abgeschickt wird. Und manchmal verdichten sich die Worte zu einem Gedicht. Hier ein Beispiel aus meiner künstlerischen Biografiegruppe, das aus einem Gefühl der Wut entstanden ist:

Mutter

Die alte Frau riecht nach Kälte.
In dem verwelkten Körper sitzt ein Kleinkind.
Ein Sack aus Haut, Knochen und Organen.
Das Herz arbeitet mechanisch, ohne Wärme.
Aus dem Schlund tropfen Größenwahn und Verachtung.
Beleidigungen schlagen wie Fäuste.
Selbst die Stille klingt nach Angriff.
Ihr Gift sickert in jede Nähe.
Sie zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her.
Im letzten Licht schlägt sie noch einmal zu.
Dann ist es ruhig.
„Es ist gut, dass du nicht mehr da bist.“
Dein Gift bleibt im Körper der Welt.
Mutter Erde nimmt dich nur widerwillig auf.
Sie ächzt unter deiner Last.
Jetzt ist es stiller geworden.
Die Räume atmen anders.
Noch immer gibt es Momente, in denen mir der Magen kippt, als läge deine Stimme faulend unter den Dielen.
Manche Erinnerungen schmecken noch nach Rost und Bitterkeit.
Aber zwischen all dem wächst Abstand.

Das Schreiben verändert nicht die Vergangenheit. Es macht Verletzungen nicht ungeschehen. Im kreativen Schreiben geht es nicht darum, etwas wegzumachen. Aber es kann helfen, dem Erlebten eine Form zu geben. Es geht darum, sich selbst zuzuhören.

Manchmal beginnt Heilung nicht mit einer Antwort. Sondern mit einem Satz.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Künstlerische Biografiearbeit: zwischen Wut und Wandlung

Und meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen tiefgehenden Zugang auch zu schwierigen Lebensthemen ermöglichen.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com


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Die Stimme bleibt https://www.tiefgang.net/die-stimme-bleibt/ Tue, 02 Jun 2026 22:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13934 [...]]]> Man kann Esther Bejarano nicht in Aktenordnern fassen, doch man kann ihr Wirken dokumentieren. Genau das ist nun – fünf Jahr nach Ihrem Tod – in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) geschehen.

Der persönliche Nachlass der 2021 verstorbenen Überlebenden der Shoah, Aktivistin und unermüdlichen Mahnerin wurde erschlossen und öffnet nun – gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien – ein Fenster in ein bewegtes Leben.

Was da in den Regalen der FZH am Beim Schlump liegt, ist weit mehr als eine private Sammlung. Es ist ein Destillat deutscher Nachkriegsgeschichte. Neben den amtlichen Dokumenten und den Zeugnissen ihres politischen Engagements im Auschwitz-Komitee birgt der Nachlass einen Schatz, der vielen unbekannt sein dürfte: die Musik.

Es ist eine unterschätzte Facette ihrer Biografie. Esther Bejarano war nicht nur Zeitzeugin; sie war Musikerin durch und durch. Ihre Liedtexte, Noten und Aufnahmen zeugen von einer Frau, die begriff, dass Musik eine Sprache ist, die dort weiterhilft, wo Worte an ihre Grenzen stoßen. Sie nutzte die Melodie als Waffe gegen das Vergessen und als Brücke zum Dialog. Dass diese Noten und persönlichen Aufzeichnungen nun im Archiv liegen, sichert nicht nur ihre politische Hinterlassenschaft, sondern auch ihr künstlerisches Vermächtnis. Es zeigt eine Frau, die das Unfassbare überlebte und daraus eine Lebensaufgabe machte: zu verhindern, dass die Melodie der Menschlichkeit verstummt.

Die Aufarbeitung ist in Zeiten zunehmender geschichtsrevisionistischer Tendenzen ein essenzielles Projekt. Prof. Dr. Kirsten Heinsohn, kommissarische Direktorin der FZH, betont, dass der Nachlass die seit mehr als 20 Jahren bestehenden Interviews der „Werkstatt der Erinnerung“ perfekt ergänzt. Die materielle Ebene – der Kalender, das Plakat, der Liedtext – macht den Weg von der Überlebenden zur streitbaren Aktivistin greifbar.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda, der die Erschließung anlässlich einer Veranstaltung in dieser Woche würdigte, unterstrich: „Esther Bejaranos Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und das Vergessen wirkt bis heute weit über Hamburg hinaus.“

Was bleibt?

Dass der Nachlass nun für Forschung und Bildung zugänglich ist, bedeutet, dass das „Handwerkszeug“ ihres Kampfes erhalten bleibt. Esther Bejarano hat uns einen klaren Kompass hinterlassen. Dass ihre Dokumente – ihre Korrespondenzen ebenso wie ihre Partituren – nun der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, ist ein wichtiger Schritt, um diesen Kompass für künftige Generationen zu bewahren.

Wer sich für die Arbeit des Archivs interessiert oder die Materialien für Bildungszwecke sichten möchte, findet unter zeitgeschichte-hamburg.de alle Informationen zum Zugang. Es ist ein Archiv, das nicht nur bewahrt, sondern das uns aktiv daran erinnert, dass Erinnerungskultur kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein Auftrag, der jeden Tag neu mit Leben – und Musik – gefüllt werden muss.

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Fußball, Masse und Macht https://www.tiefgang.net/fussball-masse-und-macht/ Mon, 01 Jun 2026 22:56:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13883 [...]]]> Hamburg bekommt eine neue Adresse für die Kultur, Kunst und Bildung. Und zur WM geht´s mit Schattenseiten des Fußballs los.

Während andernorts Flächen für Kultur oft nur schwer zu finden oder temporäre Provisorien sind, wächst im Johann Kontor am Klosterwall ein Ort heran, der langfristig überzeugen will. Ab Juni 2026 öffnet das „Kultur Kontor Hamburg“ seine Pforten – eine 700 Quadratmeter große Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche, die sich mitten im Herzen der Stadt, unweit der Kunstmeile, als neuer kultureller Anlaufpunkt etablieren soll.

Es ist ein ungewöhnliches Konstrukt: Die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) agiert hier als Hauptnutzerin, unterstützt von der Kulturbehörde. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk die Fläche als Mieter durch einen Mieterlass fördert, zeigt zudem, wie moderne Stadtentwicklung und Kulturförderung Hand in Hand gehen können.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda findet für diese neue Allianz klare Worte: „Mit dem Kultur Kontor bekommt Hamburg eine weitere Kulturfläche in zentraler Lage. Es bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen.“ Flexibilität ist hier das Schlagwort. Das Kontor soll keine statische Galerie sein, sondern ein atmender Raum. Die SHMH wird die Fläche nutzen, um Einblicke in ihre Großprojekte zu geben – allen voran das mit Spannung erwartete Deutsche Hafenmuseum.

Was das Projekt besonders macht, ist seine Diversität. Einmal im Jahr gehört die Bühne der Behörde für Kultur und Medien, die hier Arbeiten der Edwin-Scharff-Preisträger*innen präsentiert. Damit schlägt man eine direkte Brücke zur Hamburger Kunstszene und gibt zeitgenössischen Positionen einen Raum, der weit über die Grenzen klassischer Museumswände hinausreicht.

Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor der SHMH, unterstreicht den Anspruch: „Die SHMH möchte diese Fläche im Zentrum der Stadt für Präsentationen und Veranstaltungsformate zu verschiedenen ihrer aktuellen Großprojekte nutzen.“ Es geht um Transparenz, um den Arbeitsprozess hinter der Museumsarbeit und darum, die Stadtgesellschaft teilhaben zu lassen an dem, was hinter den Kulissen entsteht.

Die Eröffnung am 9. Juni markiert den Startschuss. Mit dem Johann Kontor gewinnt Hamburg eine Fläche, die architektonisch in die Moderne passt und inhaltlich genau das bieten will, was die Innenstadt so dringend braucht: einen Ort des Innehaltens, der Information und der ästhetischen Überraschung. Ein Kontor, in dem nicht mit Containern, sondern mit Ideen gehandelt wird.

Architektur trifft auf kulturellen Anspruch

Die architektonische Einbettung des Kultur Kontors ist dabei weit mehr als nur eine gefällige Unterbringung im Erdgeschoss. Von Beginn an war die kulturelle Nutzung als integraler Bestandteil des Johann Kontors fest im städtebaulichen Vertrag verankert. Frank Holst, Geschäftsführer von AUG. PRIEN Immobilien, betont: „Für uns war diese Entscheidung ein zentraler Aspekt unserer Planung und Durchführung.“

Das Ergebnis: eine bestens ausgestattete, barrierefreie Fläche, die durch ihre prominente Lage direkt am Klosterwall eine Brücke zwischen geschäftlichem Treiben und kultureller Reflexion schlägt. Es ist ein Raum, der durch seine moderne Transparenz einlädt – ein „atmender Raum“, wie es Kultursenator Dr. Carsten Brosda treffend formulierte. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk als Hauptmieter den Standort durch einen Mieterlass fördert, unterstreicht die Rolle des Kontors als gesellschaftliches Engagement mitten in der Innenstadt.

Fußball, Masse und Macht

Passend zur anstehenden Fußballweltmeisterschaft der Männer im Sommer 2026 schlägt das Kultur Kontor mit seiner Eröffnungsausstellung ein Kapitel auf, das weit über den Sport hinausgeht. Ab dem 9. Juni 2026 wird die Wanderausstellung „SPORT. MASSE. MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ präsentiert.

Dass der Startschuss gerade in einem so neuen, offen gestalteten Raum erfolgt, ist kein Zufall. Die von der what matters gGmbH und dem Sportmuseum Berlin kuratierte Schau stellt die Frage, wie der Sport – und speziell der Fußball – zur Stabilisierung und Propagierung nationalsozialistischer Ideologie instrumentalisiert wurde. In Hamburg wird diese Ausstellung gemeinsam von der SHMH sowie der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte realisiert. Sie ist ein dringliches Angebot an das Publikum, die populärste Sportart der Welt einmal nicht nur unter Aspekten von Sieg und Niederlage zu betrachten, sondern als ein gesellschaftliches Feld, in dem Machtansprüche und ideologische Massenmobilisierung eine verheerende Allianz eingingen.

Die Ausstellung ist ein Auftakt, der verdeutlicht, welchen hohen Anspruch das Kultur Kontor Hamburg an sich selbst stellt: Hier soll nicht nur geschaut werden, hier soll diskutiert werden.

Ausstellungsdetails & Führungen

Für Interessierte, die sich tiefergehend mit den Inhalten der Ausstellung „SPORT. MASSE. MACHT.“ auseinandersetzen möchten, werden begleitende Führungen angeboten.

  • Eröffnung: 9. Juni 2026, 14.00 Uhr
  • Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt: Frei
  • Führungstermine: Informationen zu den aktuellen Terminen finden Interessierte auf der offiziellen Website: www.shmh.de/praesentationen/sport-masse-macht/
  • Vertiefende Infos zum Ausstellungsthema: sport-masse-macht.de

Ein Raum mit vielen Gesichtern

Die SHMH ist organisatorisch für das Programm verantwortlich. Man darf gespannt sein, welche weiteren Perspektiven sich hier in den kommenden Monaten eröffnen werden.

Das Programm des Kultur Kontors scheint klug konzipiert, um verschiedene Facetten der Hamburger Kulturlandschaft sichtbar zu machen. Denn die Stiftung Historische Museen Hamburg nutzt die Fläche künftig nicht nur als Galerie, sondern als aktive Plattform. Besonders spannend ist dabei der Fokus auf das Deutsche Hafenmuseum, das sich hier in einer intensiven Aufbauphase befindet. Besucher*innen erhalten die exklusive Möglichkeit, Einblicke in die Konzeption, die Objektauswahl und die komplexen Arbeitsverfahren dieses Großprojekts zu gewinnen – eine Art „Museum hinter den Kulissen“, das den Transformationsprozess unserer Stadtgeschichte erlebbar macht.

Edwin-Scharff-Preisträger*innen im Fokus

Ein weiterer Höhepunkt im Jahreskalender ist die jährliche Präsentation der Preisträger*innen des Edwin-Scharff-Preises, eine renommierte Auszeichnung Hamburgs, die seit 1955 jährlich an herausragende Künstler*innen für ihr Schaffen vergeben wird. Die Behörde für Kultur und Medien nutzt das Kultur Kontor dann für einen Monat, um diese herausragenden Leistungen in der bildenden Kunst ins Scheinwerferlicht zu rücken. In unmittelbarer Nähe zur Hamburger Kunstmeile entsteht so eine spannende Wechselwirkung: Die unmittelbare Nachbarschaft zu etablierten Institutionen schafft einen Dialog zwischen der arrivierten Kunstwelt und den frischen, preisgekrönten Positionen.

Ausblick:

Das Kultur Kontor versteht sich als „atmender Raum“. Die Mischung aus wechselnden Präsentationen der SHMH zu ihren Großprojekten und Modernisierungsvorhaben, temporären Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durch Preisträger*innen und Informationsangeboten zum Deutschen Hafenmuseum sorgt für eine stete Dynamik, die dazu einlädt, öfter am Klosterwall vorbeizuschauen. Es ist diese bewusste Öffnung zur Stadtgesellschaft hin, die den besonderen Reiz ausmacht. „Das Kultur Kontor bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen“, betonte Kultursenator Dr. Carsten Brosda – und genau diese Flexibilität scheint der Schlüssel zu sein, um aus einem reinen Ausstellungsort einen Ort der Begegnung zu machen.

Wer sich über das aktuelle Programm auf dem Laufenden halten möchte, findet alle Informationen unter www.shmh.de/kultur-kontor-hamburg. Das Kultur Kontor beweist schon jetzt, dass es nicht nur ein Raum für Exponate ist, sondern ein Ort, an dem die kulturelle Zukunft Hamburgs aktiv mitgestaltet wird.


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Wenn die gGmbH zur Haftungsfalle wird https://www.tiefgang.net/wenn-die-ggmbh-zur-haftungsfalle-wird/ Sun, 31 May 2026 22:35:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13931 [...]]]> Viele Vereine und soziale Projekte wählen die Rechtsform der gGmbH. Sie verspricht das Beste aus zwei Welten: Die unternehmerische Struktur und Flexibilität einer GmbH, kombiniert mit dem steuerlichen Mantel der Gemeinnützigkeit. Doch genau hier liegt ein oft unterschätztes Risiko.

Ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH, Urteil vom 25.02.2026, Az. V R 18/24) zeigt: Wer die strengen Vorgaben der Gemeinnützigkeit – insbesondere die strikte Vermögensbindung – nur als „Empfehlung“ betrachtet, riskiert eine böse Überraschung bei der Steuerrechnung.

gGmbH: Wirtschaften mit sozialem Auftrag

Die Idee hinter der gemeinnützigen GmbH ist charmant: Man kann professioneller agieren, Verträge schließen und wirtschaftlich agieren, ohne den gemeinnützigen Zweck aus den Augen zu verlieren. Doch der BFH stellt nun klar, dass die Gemeinnützigkeit kein dauerhafter Freibrief ist. Verstößt eine gGmbH gegen die Satzungszwecke oder verwendet sie Mittel zweckfremd, kann dies zur rückwirkenden Besteuerung führen. Das bedeutet: Alle Steuervergünstigungen der letzten Jahre können plötzlich wegfallen.

Gerade weil die gGmbH wie eine GmbH organisiert ist, verführen die Strukturen dazu, unternehmerische Freiheiten auszuweiten. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. warnt davor, dass insbesondere „vorübergehende Verstöße“ gegen die Vermögensbindung oder Mittelverwendung oft als Kavaliersdelikte unterschätzt werden. Der BFH ist hier jedoch unerbittlich: Die Vermögensbindung dient dazu, dass das Vermögen dauerhaft dem gemeinnützigen Zweck gewidmet bleibt. Werden hier Gelder in den wirtschaftlichen Bereich abgezweigt oder für nicht-gemeinnützige Zwecke genutzt, ist der Tatbestand der Zweckentfremdung erfüllt.

Ein Beispiel aus der Praxis: Das „kreative“ Wirtschaften

Stellen wir uns eine gGmbH vor, die ein stadtweites Kulturfestival organisiert. Um die Liquidität zu sichern, nutzt die gGmbH ihre Mittel kurzzeitig, um in eine gewerbliche Tochtergesellschaft zu investieren, die Technik verleiht – in der Hoffnung, Gewinne zu machen, die dann in die gGmbH zurückfließen.

Was unternehmerisch wie ein kluger Schachzug wirkt, kann steuerlich der „Genickbruch“ sein. Wenn dieses Vorgehen nicht durch die Satzung gedeckt ist und die Mittel nicht unmittelbar dem gemeinnützigen Festivalzweck dienen, verletzt die gGmbH die Vermögensbindung. Die Folge: Das Finanzamt kann den Gemeinnützigkeitsstatus für die betroffenen Jahre aberkennen. Die gGmbH wird dann wie eine ganz normale GmbH rückwirkend zur Körperschaft- und Gewerbesteuer veranlagt – ein finanzieller Schlag, der viele Organisationen in die Insolvenz treiben könnte.

Worauf Sie achten müssen

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. rät dringend:

  1. Satzungsklarheit: Jede wirtschaftliche Tätigkeit der gGmbH muss sich direkt aus dem gemeinnützigen Zweck ableiten lassen.
  2. Trennung der Vermögen: Vermischen Sie niemals gemeinnützige Mittel mit privaten oder rein kommerziellen Investitionen außerhalb des Satzungszwecks.
  3. Dokumentation: Jeder Euro, der die gGmbH verlässt, muss sauber dokumentiert sein. Im Zweifel gilt: Keine Investition ohne schriftliche Prüfung durch Steuerberater*innen.

Gemeinnützigkeit ist also kein Kostüm, das man trägt, wenn es gerade passt, sondern eine rechtliche Verpflichtung, die jeden Tag gelebt werden will. Wer eine gGmbH führt, muss die unternehmerische Brille immer wieder absetzen und die rechtliche prüfen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre gGmbH-Struktur vielleicht doch zu „unternehmerisch“ ausgelegt ist? Es ist ratsam, jetzt den Status quo zu prüfen, bevor das Finanzamt im Rahmen einer Betriebsprüfung die Bilanz der letzten Jahre zieht.


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Weimers Film noir https://www.tiefgang.net/weimers-film-noir/ Sat, 30 May 2026 22:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13917 [...]]]> Im Mai 2026, pünktlich zur Prime-Time der medienpolitischen Debatte, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das lang erwartete Drehbuch für die nationale Standortsicherung vorgelegt: den Entwurf zum Gesetz zur Förderung europäischer audiovisueller Werke durch eine Investitionsverpflichtung für Mediendiensteanbieter (kurz MedienInvestVG).

Ursprünglich als Freund der leisen Töne und freiwilligen Zusagen angetreten, hat Weimer unter dem Druck der politischen Dramaturgie das Genre gewechselt und präsentiert nun einen regulatorischen Blockbuster mit echtem Investitionszwang. Die Besetzungsliste der Betroffenen ist so prominent wie umfassend: Von den globalen Streaming-Goliaths bis zu den öffentlich-rechtlichen Mediatheken sollen ab dem 1. Januar 2027 alle, die vom deutschen Zuschauermarkt profitieren, zur Kasse gebeten werden. Der zentrale Plot-Point dieser Inszenierung? Ein dialektisches Angebot, das man nicht – oder kaum – ablehnen kann: Entweder man fügt sich dem gesetzlichen Korsett einer Acht-Prozent-Quote – inklusive strenger Sub-Vorgaben zum Rechterückfall – oder man entscheidet sich für den teureren Director’s Cut von zwölf Prozent, erkauft sich damit aber die unternehmerische Freiheit, die Details der Nutzungsrechte in Branchenvereinbarungen wieder selbst mitzugestalten.

Sie fragen sich, worum es geht? Stellen Sie sich vor, ein internationaler Sternekoch eröffnet in Ihrer Stadt ein Restaurant, bringt aber alle Zutaten, vom Mehl bis zum Trüffel, fertig abgepackt aus Übersee mit. Die Stadt sagt nun: „Schön, dass du hier bist, aber acht Prozent deiner Einnahmen musst du bitteschön bei den lokalen Bauern ausgeben.“ Genau das ist der Kern: Wer in Deutschland mit Mediatheken oder Streaming-Diensten Geld verdient, soll einen fairen Teil davon – eben jene acht Prozent des Nettoumsatzes – wieder in europäische audiovisuelle Werke investieren.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, die ja keinen klassischen „Umsatz“ generieren, wird stattdessen auf acht Prozent ihrer Programmkosten abgestellt. Der Entwurf will damit ein „stabiles Investitionsvolumen und Marktpluralität“ sicherstellen, damit Deutschland nicht zur reinen Abspielstation für globale Kataloge verkommt. Es ist das gesetzlich verordnete Location-Scouting für das heimische Kapital.

Der Eigentumsvorbehalt: Der Rechterückfall

Doch die Quote allein wäre nur die halbe Miete; der eigentliche Subtext des Gesetzes findet sich beim sogenannten Rechterückfall. Bisher galt oft das Prinzip des „Total Buyout“: Der Streamer bezahlt einmal, und der Film verschwindet auf nimmer-Wiedersehen in seinem ewigen Archiv.

Nun wird das Drehbuch geändert: Der Rechterückfall „versetzt unabhängige Hersteller in die Lage, ein Portfolio an Nutzungsrechten […] aufzubauen.“ In der Praxis bedeutet das: Die exklusiven Rechte an einem Werk werden dem Streaming-Dienst nur noch für eine begrenzte Zeit geliehen. Nach spätestens sieben Jahren – bei hohem finanziellem Risiko des Produzenten sogar schon nach drei Jahren – wandern die Rechte zurück in den Koffer des Schöpfers. Der Clou: Ein Hersteller gilt dabei als „unabhängig“, wenn das Medienunternehmen nicht mehr als 25 Prozent an ihm hält. Die staatliche Starthilfe: „Eine aus steuerfinanzierten Bundesmitteln […] gewährte Förderung wird dem Hersteller zugerechnet.“ Das ist der entscheidende Hebel: Obwohl das Geld vom Staat kommt, zählt es beim Rechterückfall so, als hätte der Produzent es aus der eigenen Tasche bezahlt.

Für den Produzenten ist das wie ein Mietverhältnis mit festgeschriebenem Auszugstermin: Nach ein paar Jahren gehört ihm das „Haus“ – also sein Film – wieder ganz allein, und er kann es erneut vermieten oder verkaufen. Die Produzentenverbände hoffen so, dass „bestehende, strukturelle Missstände beseitigt“ werden. Es ist der Versuch, den unabhängigen Filmherstellern eine „nachhaltige Wertschöpfung“ und echte „wirtschaftliche Resilienz“ zu verschaffen – ein Happy End, das für die großen Plattformen allerdings eher wie ein teurer Cliffhanger wirkt.

Kommen wir aber zum eigentlichen Spezialeffekt in Weimers Drehbuch: dem Geld. Wenn man so will, ist das der Moment im Finanz-Casting, in dem der Staat nicht nur die Scheinwerfer hält, sondern den halben Set finanziert. Während die Branche noch über die Quote diskutiert, hat das Bundesfinanzministerium bereits die Schatulle geöffnet und weitere 120 Millionen Euro für Film- und Serienproduktionen freigegeben. Insgesamt pumpt der Bund damit jährlich satte 250 Millionen Euro an Steuergeldern in die Taschen der Filmproduzenten.

Der wahre Twist aber liegt im juristischen Kleingedruckten, einem Kniff, der jedem Hollywood-Agenten die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Es geht um die Umdeutung von Identitäten: „Eine aus steuerfinanzierten Bundesmitteln […] gewährte Förderung wird dem Hersteller zugerechnet.“ Das ist der entscheidende Hebel im Subtext des MedienInvestVG.

Was hat es damit auf sich? Normalerweise sind globale Streaming-Goliaths wie Netflix oder Disney+ gar nicht antragsberechtigt für staatliche Töpfe wie den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) oder den German Motion Picture Fund (GMPF). Das Geld ist für die Produzenten reserviert. Das Gesetz bestimmt nun aber, dass künftig diese staatlichen Gaben beim Rechterückfall so gewertet werden, als wären sie das eigene ersparte Kapital des Produzenten. Die Gewinner wären also die unabhängigen Produzenten. Da die staatliche Förderung als ihr „Eigenanteil“ gilt, erreichen sie viel leichter die magischen Schwellen von 30 oder 50 Prozent Eigenbeteiligung. Das Ergebnis: Die exklusiven Rechte an ihren Werken fallen viel schneller an sie zurück – im besten Fall schon nach drei Jahren. Sie bauen sich so einen wertvollen Rechtestamm auf, den sie später erneut versilbern können.

Die Verlierer wären dann die Mediendiensteanbieter (Streamer und Sender). Sie finden sich in der Rolle der begründeten Zweifler wieder. Sie finanzieren die Party, müssen aber zusehen, wie ihnen die „Verwertungsrechte nach spätestens sieben Jahren“ entgleiten, selbst wenn sie die Produktion fast vollständig bezahlt haben. Christian Sommer von der Motion Picture Association (MPA) – dem Zusammenschluss der Hollywood-Studios – in Deutschland, kritisiert dies scharf, da die Kombination aus Investitionszwang und Rechterückfall „erheblich in die unternehmerische Freiheit, die Eigentumsrechte und die Vertragsfreiheit eingreife“.

Und dann ist da noch der Steuerzahler, der mit seinen 250 Millionen Euro jährlich das Buffet finanziert, damit unabhängige Produzenten „nachhaltig und dauerhaft wirtschaftlich von ihren Produktionen profitieren.“

Es ist eine klassische dialektische Versuchsanordnung: Der Staat nutzt öffentliches Geld als Rammbock, um die Marktmacht der Plattformen zu brechen und den Produzenten ein Stück vom Rechte-Kuchen zurückzugeben. Ein kühner Plan, doch für die Streamer fühlt es sich an wie ein Drehbuch, in dem sie zwar die Produktionskosten tragen, aber beim Abspann bereits aus dem Saal komplementiert werden.

Und dann gibt es in der großen Arena der Medienpolitik da noch jene ehrwürdigen TV-Dinosaurier, die ihre Mediatheken längst zum digitalen Tafelsilber umgeschmiedet haben – die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Und sie keineswegs begeisterte Statisten. Für sie fühlt sich Weimers neues Skript eher nach einem unfreiwilligen Genre-Wechsel an.

Der Hauptdarsteller des Widerstands ist die ARD, die in diesem Copyright-Drama die Karte der Rundfunkhoheit spielt. Ihr zentraler Vorwurf wiegt schwer: Es sei schlicht „verfassungswidrig, wenn eine Behörde des Bundes den öffentlich-rechtlichen Sendern Vorgaben für Filmproduktionen mache.“ Der juristische Subtext ist klar: Während der Bund das Gesetz als ökonomisches Regulierungs-Stück unter dem Label „Wirtschaftsrecht“ tarnt, beharrt die ARD darauf, dass der Rundfunk laut Grundgesetz das exklusive Hoheitsgebiet der Länder ist. Eine Bundesbehörde wie die Filmförderungsanstalt (FFA), die nun plötzlich die Rolle des Script-Doktors übernimmt und Quoten prüft, wird hier als arroganter Übergriff empfunden.

Die wirtschaftliche „Irrationalität“

Doch es geht nicht nur um Paragrafen, sondern um das harte Business hinter der Kamera. Die Sender monieren, dass die strengen Regeln zum Rechterückfall – jener Mechanismus, der den Produzenten ihre Werke nach ein paar Jahren zurückgibt – „unverhältnismäßig und wirtschaftlich unvernünftig“ seien. Für die Anstalten ist das so, als müssten sie ein Studio finanzieren, die Kulissen bauen und die Schauspieler bezahlen, nur um nach dem Abspann den Schlüssel zum Set wieder abgeben zu müssen.

Die Bundesländer, die in dieser Inszenierung die Interessen ihrer Anstalten flankieren, fordern daher eine Nachbearbeitung im Schneideraum: Geht es nach Ihnen, würden Investitionen in die Studioinfrastruktur – also in die handfesten Produktionsstätten – als Erfüllung der Quote anerkannt. Und: Sie fordern eine „Klarstellung der Berechnungsmodifikationen“, damit am Ende nicht Äpfel mit birnenförmigen Streaming-Umsätzen verglichen werden. Kurzum: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten fürchten, dass das Gesetz ihre Programmautonomie untergräbt und sie in ein Korsett zwängt, das zwar den unabhängigen Produzenten ein Happy End verspricht, für die Sender aber in einem bürokratischen und finanziellen Desaster endet.

Aber auch für Schwergewichte wie Netflix, Disney+ und ihren Branchenverband MPA ist Weimers Entwurf kein Heilsbringer, sondern ein handfester Antagonist mit einer „hohen Eingriffsintensität und gleichheitswidrigen Belastungen.“ Die Verpflichtung, acht Prozent des Umsatzes in heimische Stoffe zu pumpen, verfehle schlicht „die reale Marktnachfrage, erhöht die Produktionskosten, produziert neue Bürokratie und kann im schlimmsten Fall sogar zu weniger Produktionen führen.“ Christian Sommer, das deutsche Gesicht der MPA, warnt in einer beinahe prophetischen Dramaturgie sogar davor, dass die Marktteilnehmer „möglicherweise nicht mehr bereit seien, Investitionen vorzunehmen.“

Besonders bitter stößt den Giganten ebenso der Rechterückhalt auf. In ihren Augen ist die Kombination aus Investitionszwang und automatischem Rechterückfall ein regulatorischer Übergriff, der „erheblich in die unternehmerische Freiheit, die Eigentumsrechte, die Vertragsfreiheit und die Programmautonomie eingreife.“ Man fürchtet, dass dieses Korsett „wirtschaftlich tragfähige Finanzierungsmodelle erheblich erschwere.“

Und dann ist da noch der Streit um die Besetzung der Rolle des „unabhängigen Produzenten.“ Die Streamer haben „kein Verständnis dafür, dass der Kulturstaatsminister gesetzlich festlegen will, wer ein unabhängiger Produzent sei.“ Ihr Gegenvorschlag liest sich wie ein Plädoyer für unternehmerische Freiheit: Produzenten sollten so lange als unabhängig gelten, wie sie nicht „mehrheitlich gesellschaftsrechtlich mit dem beauftragenden Medienunternehmen verbunden sind.“

Als gäbe es nicht genug der Sichtweisen, hat Kulturstaatsminister Weimer neben den finanziellen Daumenschrauben der Acht-Prozent-Quote und dem Rechterückfall dann noch ein besonderes Augenmerk auf die Tonspur des deutschen Marktes gelegt: die Sprachquote von 80 Prozent. In einer Welt, in der Algorithmen oft den globalen Einheits-Soundtrack diktieren, wirkt dieser Teil des MedienInvestVG wie eine patriotische Dialogregie gegen die schleichende Untertitelung des heimischen Produktionsstandorts.

Epilog: Deutsch als Leitsprache

Der Entwurf ist in dieser Hinsicht kompromisslos: Mindestens 80 Prozent der Investitionen müssen in europäische Werke fließen, die in deutscher Originalsprache hergestellt werden. Die „Vision des Autors“ ist hierbei klar eine kulturelle Schutzmaßnahme: Es geht darum, die deutsche Sprache im europarechtlich zulässigen Umfang zu fördern und die deutschsprachige Produktionslandschaft gegen den Sog internationaler Großproduktionen zu immunisieren. Für den Minister ist es ein Akt der kulturellen Selbsterhaltung; für die Kritiker ein bürokratischer Eingriff in die Besetzungscouch.

Wie nicht anders zu erwarten, lösen auch diese Vorgaben am Set sehr unterschiedliche Emotionen aus: Für Vertreter der MPA ist diese Sprachvorgabe ein Paradebeispiel für eine Regulierung, die die „reale Marktnachfrage verfehlt“. Aus Sicht der Plattformen ignoriert dieses Diktat der Originalsprache die ökonomische Realität eines global vernetzten Publikums. Sie wittern hinter der Quote eine „hohe Eingriffsintensität“, die ihre künstlerische und unternehmerische Freiheit im Synchronstudio der Bürokratie opfert. Nur die Produzenten und ihre Mitstreiter (allerdings unter Vorbehalt begrüßen die Produktionsallianz den Fokus auf deutsche Stoffe grundsätzlich als Mittel, um „bestehende, strukturelle Missstände zu beseitigen“. Doch auch im Subtext ihrer Freude schwingt eine gewisse Enttäuschung mit: Während sie zum einen zwar die Sprachquote als stabilisierendes Element für ihre Gewerke schätzen, hätten sie sich bei der Gesamtsumme der Investitionen lieber ein „20-Prozent-Budget“ gewünscht, statt sich mit den nun festgeschriebenen acht Prozent zu begnügen. Interessanterweise bietet das Gesetz (§9) selbst aber einen Fluchtweg aus der Sprachfalle. Wer bereit ist, die 12-Prozent-Investition (das „Opt-Out“) zu wählen, kann in Branchenvereinbarungen von diesen starren Subquoten abweichen. Es ist das Angebot, die Sprachbarriere gegen bare Münze einzureißen.

Die Branche blickt auf die 80-Prozent-Hürde wie auf eine komplexe Plansequenz: Die einen sehen darin die Rettung der deutschen Erzählkultur, die anderen einen kostspieligen Anachronismus, der den Anschluss an den Weltmarkt erschwert. Ob das Publikum am Ende wirklich lieber „Original Deutsch“ hört oder ob die Streamer einfach den Preis für den Director’s Cut zahlen, um weiter ihr globales Programm zu fahren, bleibt der spannende Cliffhanger bis zum Inkrafttreten 2027. Abblende.


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Marathontraining dank Baustellen https://www.tiefgang.net/land-unter-in-marmstorf-2/ Fri, 29 May 2026 22:56:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13922 [...]]]> Meine Lieben, legt kurz die Nagelfeile beiseite und holt tief Luft! Ich komme gerade frisch vom Friseur am Sand, und ich sage euch, die Lockenwickler standen heute unter olympischer Hochspannung.

Morgen, am Sonntag, den 31. Mai 2026, ist es nämlich so weit: Ganz Hamburg entscheidet beim großen Bürgerschaftsreferendum, ob wir uns noch einmal an das Abenteuer Olympische und Paralympische Spiele wagen!

Meine Lieben, morgen gilt es: Kreuzchen machen für die fünf Ringe! Die Stadt träumt ja von einer nachhaltigen Modernisierung, besserer Mobilität und internationalem Glanz. Das olympische Dorf soll in die „Science City Bahrenfeld“ einziehen – weit weg im Westen natürlich. Aber meine Friseurin meinte vorhin ganz trocken zu mir: „Mensch Clara, wenn die das mit der Barrierefreiheit und den Sportstätten ernst meinen, dann müssen die doch eigentlich direkt hier bei uns im Süden anfangen!“

Ich musste ja sofort laut loslachen. Überlegt mal, was für ein Potenzial wir hier haben! Warum die Spiele mühsam in Bahrenfeld planen? Nach dem gigantischen Rohrbruch an der Buxtehuder Straße neulich hätten wir die perfekte Regattastrecke für die Ruderer*innen direkt vor der Haustür gehabt. Und die überfluteten Straßen in Marmstorf wären die optimale Kulisse für das olympische Synchronschwimmen gewesen. Wer braucht schon teure Neubauten, wenn Hamburg Wasser uns die Sportstätten ganz spontan und gratis mitten auf den Asphalt zaubert?

Auch für die Disziplin Gewichtheben oder gar die Alchemie hätten wir schon die perfekten Trainingslager. In den oberen Etagen unseres geliebten, leerstehenden Ex-Karstadts – Entschuldigung, „Planet Harburg“ – herrscht schließlich seit Jahren gähnende Leere. Na ja, bis auf die illegale Goldschmelze, die die Feuerwehr neulich dort ausräuchern musste. Die Truppe dort hat beim Schleppen der Schmelztiegel ja schon echte Höchstleistungen gezeigt! Wenn das IOC noch eine neue Disziplin im „Heimlichen Goldschürfen im Untergeschoss“ sucht – die Goldmedaille ginge direkt an den Harburger Ring.

Und was ist mit der Leichtathletik? Unsere Pendler*innen sind doch eh schon im absoluten Spitzensport-Modus. Wer in den letzten zwei Wochen versucht hat, die gesperrte S-Bahn zu umgehen oder sich durch die Totalsanierungen im Verkehr zu kämpfen, hat das Marathontraining doch quasi im Vorbeigehen absolvert. Wenn das MidSommerland an der Außenmühle wegen der ewigen Bauverzögerungen und Frostschäden voraussichtlich erst im dritten Quartal 2028 wieder öffnet, trainieren die Harburger Vereine und Familien eben im Trockenschwimmen. Auch das erfordert enorme Ausdauer!

Meine Lieben, egal ob ihr morgen mit „Ja“ oder „Nein“ stimmt – eines steht fest: Den olympischen Gedanken des Durchhaltens („Dabeisein ist alles!“) leben wir hier im Hamburger Süden schon lange vor allen anderen. Wenn die Spiele kommen, fordern wir auf jeden Fall die Eröffnungsfeier auf dem Sand. Bis dahin lasse ich mir erst mal die Spitzen nachschneiden.

Bussi, eure Clara!


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Wenn der Backstein swingt https://www.tiefgang.net/wenn-der-backstein-swingt/ Fri, 29 May 2026 22:25:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13944 [...]]]> Es gibt Tage, an denen die Hamburger Speicherstadt mehr ist als nur eine beeindruckende Kulisse für Smartphone-Bilder. Wenn die Kontorhäuser ihre Geschichte nicht nur in Stein meißeln, sondern im Takt von Lindy Hop mitschwingen, dann ist wieder UNESCO-Welterbetag.

von Carsten Leufelt-Schulz

Am 7. Juni 2026 lädt Hamburg dazu ein, das, was wir täglich als selbstverständlich zwischen Fleet und Klinker wahrnehmen, neu zu entdecken – unter dem Motto „Gemeinsam für Frieden und Verständigung“.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist das Kesselhaus am Sandtorkai. Wo einst Dampfmaschinen das Herz der Speicherstadt antrieben, schlägt am 7. Juni das kulturelle Herz der Stadt. Von 11 bis 19 Uhr verwandelt sich der Industriebau in einen Resonanzraum für Geschichte, Musik und Dialog.

Musikalisch wird es dabei alles andere als museal. Güneş und Marcus von HappyFeet Swing bringen den Geist der 1920er und 30er Jahre zurück auf das Pflaster der Speicherstadt. Wer den Rhythmus spüren will, ist um 15 Uhr beim Einführungskurs für Einsteiger*innen bestens aufgehoben. Wenn ab 16 Uhr „The Savoy Stompers“ gemeinsam mit der kalifornischen Sängerin Tiffany die Tanzparty eröffnen, trifft die Schwere der historischen Speicher-Architektur auf die Leichtigkeit des Swing – ein Kontrast, der Hamburgs weltoffene Identität perfekt widerspiegelt.

Wer die architektonischen Schätze der Stadt tiefergehend verstehen möchte, findet im Führungsprogramm fundierte Einblicke. Experten beleuchten ab 11, 13 und 15 Uhr die Welterbe-Kriterien der Speicherstadt und führen durch die Kontorhaus-Giganten wie das Chilehaus oder den Sprinkenhof.

Auch für das jüngere Publikum ist gesorgt: Während Familien bei speziellen Führungen (11 und 15 Uhr) erfahren, warum Wände in der Speicherstadt so dick sind und was Architektur mit Gewürzen zu tun hat, präsentiert das Allee Theater um 14 Uhr einen Ausschnitt aus der „Kleinen Zauberflöte“. Eine spielerische Hommage an die Hochkultur, die zeigt, dass Oper keine elitäre Angelegenheit ist.

Ein besonderer Clou des Tages ist der Blick über den Hamburger Tellerrand hinaus. Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist zwar gut 100 Kilometer entfernt, doch am Welterbetag rückt es in die Speicherstadt. Auf einer geführten Wanderung durch die Innenstadt ziehen Experten Parallelen zwischen den Hamburger Brutvogelarten und dem artenreichen Wattenmeer. Es ist ein kluger Kniff, der daran erinnert, dass unser städtisches Welterbe – Speicherstadt und Kontorhausviertel – untrennbar mit dem ökologischen Erbe der Nordsee verbunden ist.

Das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen ergänzt das Programm im Kesselhaus um eine globale Perspektive. Mit spielerischen Einblicken in die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) wird das Welterbe zum Lernort für eine Welt von morgen.

Der UNESCO-Welterbetag zeigt, dass Denkmalpflege weit mehr ist als nur der Erhalt von Fassaden. Es ist ein Forum für Begegnung. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es empfiehlt sich lediglich, rechtzeitig vor Ort zu sein, um die Führungen in Ruhe zu genießen. Ein Tag, der dazu einlädt, das „gemeinsame Erbe“ nicht nur zu bewahren, sondern aktiv zu erleben.

So., 7. Juni 2026, 11 – 19 Uhr, zentraler Ort: Kesselhaus, Am Sandtorkai 30

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei

Weitere Infos: www.welterbe.hamburg


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Leinen los im Süden https://www.tiefgang.net/leinen-los-im-sueden/ Fri, 29 May 2026 09:27:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13925 [...]]]> Wenn Anfang Juni der Duft von Fischbrötchen über den Kanalplatz weht und die ersten Takte Live-Musik die Hafenluft zum Vibrieren bringen, dann wissen wir: Das Harburger Binnenhafenfest läuft!

Es ist wieder soweit. Das Harburger Binnenhafenfest geht in die schon 24. Runde – und wer die vergangenen Jahre kennt, weiß, dass uns hier nicht nur ein Stadtteilfest erwartet, sondern ein maritimes Lebensgefühl, das Harburg so besonders macht.

Drei Tage, drei Bühnen, ein Hafen

Vom 5. bis zum 7. Juni 2026 wird das Gelände rund um den Kanalplatz, das „Wilde Wäldchen“ und den Lotsekai zur großen Bühne für die lokale und überregionale Kreativszene. Über 20 Acts, Bands und DJs sorgen auf drei Bühnen für einen Mix, der vom Blues Brothers Show-Feeling bis hin zu elektronischen Beats am Waggon reicht.

Das erwartet euch auf dem Wasser und an Land:

Das Herzstück des Harburger Binnenhafenfests bleibt natürlich das Element, dem der Stadtteil seinen Charakter verdankt: das Wasser. Wenn am ersten Juni-Wochenende die Leinen losgemacht werden, verwandelt sich das Hafenbecken in eine schwimmende Bühne der maritimen Geschichte.

Das diesjährige Wasserprogramm ist eine Einladung, den Hafen nicht nur als Kulisse, sondern als lebendiges Museum zu begreifen. Im Mittelpunkt steht die traditionelle Einlaufparade, bei der die historischen Schiffe ihre ganze Pracht entfalten und in den Binnenhafen einlaufen – ein Spektakel, das die maritime Tradition Harburgs eindrucksvoll unterstreicht.

  • Open Ships & Zeitreise: Wer wollte nicht schon immer einmal an Bord eines historischen Seglers gehen? Die „Open Ships“ ermöglichen es Besucher*innen, die Decks zu entern, mit den erfahrenen Crews ins Gespräch zu kommen und die Atmosphäre eines echten Fracht- oder Traditionsschiffs zu spüren. Es ist eine seltene Gelegenheit, Technikgeschichte aus nächster Nähe zu erleben.
  • Hafenrundfahrten: Für alle, die den Hafen einmal aus der Froschperspektive betrachten möchten, stehen kostenlose Hafenrundfahrten auf dem Programm. Vom Wasser aus erschließen sich völlig neue Blickwinkel auf die Architektur des Binnenhafens und den Wandel des Quartiers.
  • Maritime Dynamik: Neben den historischen Schätzchen sorgen auch Vorführungen auf dem Wasser für Bewegung im Becken. Ob es sich um kunstvolle Wendemanöver oder maritime Demonstrationen handelt – das Wasser ist an diesen Tagen der Ort, an dem die Hamburger Seemannstradition auf den modernen Harburger Spirit trifft.

„Das Wasser ist unser Markenzeichen“, betonen die Veranstalter immer wieder, und genau diese Verbindung macht den Besuch im Binnenhafen so authentisch. Ob man nun am Kai steht, den Blick über die Masten schweifen lässt oder direkt mit an Bord geht: Das Wasserprogramm ist die Seele des Festes.

Tipp: Besonders am Samstagvormittag, wenn die Parade ihren Höhepunkt erreicht, sollte man sich einen Platz direkt am Lotsekai sichern. Dort hat man die beste Sicht auf das Einlaufen der Schiffe und spürt das maritime Flair am intensivsten.

Programm für Entdecker: Auf Spurensuche im Binnenhafen

Das Harburger Binnenhafenfest ist aber auch für kleine Entdecker*innen ein riesiger Abenteuerspielplatz. Das „Programm für Entdecker“ ist in diesem Jahr besonders vielfältig gestaltet, um Neugier zu wecken und die kleinen Besucher*innen aktiv in das Geschehen einzubinden.

Wer die Welt mit wachen Augen erkundet, kommt am Kanalplatz und Umgebung voll auf seine Kosten. Das diesjährige Fest setzt stark auf das Konzept der aktiven Mitgestaltung:

  • Stempelregatta: Das absolute Highlight für junge Hafenentdecker*innen. Bei der Stempelregatta geht es nicht nur darum, von Station zu Station zu eilen, sondern den Hafen mit ganz neuen Augen zu sehen. An verschiedenen Anlaufpunkten rund um den Binnenhafen können Kinder Aufgaben lösen und sich ihre Stempelkarte füllen. Wer am Ende alle Stationen besucht hat, wird mit einer kleinen Überraschung belohnt.
  • Kreative Mitmach-Angebote: In den verschiedenen Aktionsbereichen können Kinder ihre eigene maritime Kreativität ausleben. Von Bastelstationen, an denen kleine Schiffe aus Naturmaterialien entstehen, bis hin zu spielerischen Elementen, die das Leben im Hafen verständlich machen – hier ist Anfassen und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht.
  • Lebendiges Hafenwissen: Warum schwimmen Schiffe eigentlich? Und was machen die großen Kräne da eigentlich den ganzen Tag? Die Kinderprogramm-Partner vor Ort sind darauf eingestellt, solche Fragen nicht trocken zu beantworten, sondern spielerisch zu vermitteln. Das „Wilde Wäldchen“ bietet zudem Raum, um abseits der Bühnen laut zu sein, zu toben und die Natur im Stadtteil zu genießen.
  • Sicherheit und Entspannung: Da das Festgelände bewusst als Familienraum gestaltet ist, gibt es ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Eltern finden hier die nötige Gelassenheit, während die Kinder in betreuten oder gesicherten Bereichen auf Entdeckungstour gehen können.

Das Ziel des Programms ist klar: Das Binnenhafenfest soll nicht nur konsumiert werden, sondern als erlebbarer Raum für die nächste Generation dienen. Wenn die Kinder am Ende des Tages mit einer vollen Stempelkarte und einer Menge neuer Eindrücke nach Hause gehen, dann hat das Fest sein Ziel erreicht – die Stadt als lebendigen Lern- und Erlebnisort zu begreifen.

Tipp für Eltern: Die Stempelkarten sind an den zentralen Info-Points sowie an den gekennzeichneten Mitmach-Stationen erhältlich. Ein kurzer Blick auf die Übersichtskarte am Eingang lohnt sich, um die besten Routen für die „Entdecker-Tour“ zu planen!

Das Fest ist Begegnung pur: Das Fest lebt von den zahlreichen Harburger Vereinen und Institutionen, die hier zeigen, was unseren Stadtteil ausmacht – von interreligiösem Dialog bis hin zu handgemachter Kunst.

Mein Tipp: Nehmt das Fahrrad oder kommt entspannt mit den Öffentlichen (S-Bahn Harburg Rathaus ist nur zehn Minuten entfernt). Wer das Auto wählt, findet am Veritaskai Parkplätze, aber das Hafenflair genießt sich sowieso am besten zu Fuß mit einem Getränk in der Hand, während man den Blick über die Kaimauern schweifen lässt.

Musikalischer Hafen-Mix: Von Rock bis Groove

Das Herz des Binnenhafenfests schlägt natürlich nicht nur im Takt der Gezeiten, sondern vor allem im Rhythmus der Live-Musik. Mit insgesamt 29 Konzerten an drei Tagen wird der Hafen zu einer der größten Open-Air-Bühnen Hamburgs. Das Musikprogramm spiegelt dabei genau das wider, was Harburg ausmacht: Vielfalt, Leidenschaft und ein ordentliches Maß an Energie.

Ob man nun ein Fan von mitreißenden Tribute-Shows ist, sich von Singer-Songwriter-Klängen verzaubern lassen möchte oder den Abend lieber mit einem kühlen Getränk und treibenden Beats am Waggon ausklingen lässt – das Programm auf den diversen Bühnen hält für jeden Geschmack den passenden Soundtrack bereit:

  • Bühnenvielfalt: Über das Festgelände verteilt finden sich verschiedene Spielorte, die jeweils ihren ganz eigenen Charakter haben. Während die Hauptbühne am Kanalplatz für große Momente und die großen Ensembles reserviert ist, bieten die kleineren Bühnen im Lotsekai-Bereich oder im „Wilden Wäldchen“ intime Atmosphäre und Raum für musikalische Experimente.
  • Von Harburg für Harburg: Ein besonderes Augenmerk der Veranstalter liegt darauf, der lokalen Szene eine Plattform zu bieten. Viele der auftretenden Bands und Acts haben einen direkten Bezug zum Hamburger Süden, was den Konzerten eine sehr persönliche, nahbare Note verleiht. Es ist diese Mischung aus lokalen Talenten und erfahrenen Live-Acts, die das Binnenhafenfest so lebendig macht.
  • Elektronik trifft Live-Instrumente: Neben dem klassischen Band-Sound wird auch der elektronische Bereich stark bedient. Besonders am Waggon darf man sich auf Beats freuen, die den Hafen bei Sonnenuntergang in eine stimmungsvolle Tanzfläche verwandeln.

„29 Konzerte – das ist für ein Stadtteilfest eine Ansage“, unterstreicht die Veranstalter-Team, und das Line-up unterstreicht diesen Anspruch. Die Bühnen sind so platziert, dass man beim Schlendern zwischen den Ständen und Schiffen quasi „beim Vorbeigehen“ immer wieder in neue Klangwelten eintauchen kann.

Tipp: Wer kein Konzert verpassen möchte, sollte sich frühzeitig den aktuellen Spielplan an den Info-Points oder auf der offiziellen Fest-Website ansehen. Gerade die Auftritte in den Abendstunden, wenn die Hafenbeleuchtung die Szenerie in warmes Licht taucht, entwickeln eine ganz besondere Magie, die man als Harburg-Besucher*in nicht verpassen sollte.

24. Harburger Binnenhafenfest: 5. bis 7. Juni 2026

Rund um den Kanalplatz, Lotsekai & „Wildes Wäldchen“ | Eintritt: Frei

Mehr Infos: harburger-hafenfest.de


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Das Universum hinter Tönen https://www.tiefgang.net/das-universum-hinter-toenen/ Sat, 23 May 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13891 [...]]]> Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht. Ein Portal leitet nun gekonnt hindurch …

Wer an ein Musikstudium denkt, sieht meist dasselbe Bild vor sich: Ein einsames Genie am Flügel, das stundenlang Tonleitern übt, oder die virtuose Geigerin, die auf den großen Solist*innenplatz im Orchester hinarbeitet. Doch wer die Augen und Ohren öffnet, merkt schnell: Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht.

Hinter den glänzenden Fassaden der Kulturmetropolen wächst eine Generation von Musikschaffenden heran, deren Alltag ganz anders aussieht. Da ist der Musiktherapeut, der mit Klängen Brücken zu Demenzerkrankten baut; die Musikpädagogin, die in der Popkultur die digitale Zukunft des Unterrichts erprobt; oder der Musikjournalist, der komplexe Kulturpolitik verständlich macht. Musik ist heute interdisziplinär, digital und flexibel. Doch genau diese enorme Vielfalt machte es jungen Talenten bislang schwer, den richtigen Weg zu finden. Die Auswahl war schlicht zu unübersichtlich, die Profile der einzelnen Institutionen zu verstreut. Bis jetzt.

Hier kommt der neue „Kompass Musikstudium“ ins Spiel, den das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) – eine Einrichtung des Deutschen Musikrats – im Mai 2026 an den Start gebracht hat. Man darf sich dieses Tool nicht als verstaubtes Vorlesungsverzeichnis vorstellen, sondern als modernen digitalen Lotsen durch die deutsche Bildungslandschaft. In enger Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz ist hier eine Plattform entstanden, die zum ersten Mal Ordnung in das Dickicht der Ausbildungsmöglichkeiten bringt.

Die nackten Zahlen des Portals (unter miz.org/de/kompass-musikstudium) sind beeindruckend: Mehr als 1.700 Studiengänge an Musikhochschulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland sind hier zentral erfasst und zugänglich gemacht worden. Das Besondere daran ist die intuitive Handhabung. Nutzer*innen müssen sich nicht mühsam durch die Websites von Dutzenden Instituten klicken, sondern können die Datenbank ganz gezielt nach drei Kernkriterien filtern:

Fachrichtung: Von Instrumentalausbildung über Musiktherapie und Journalismus bis hin zu pädagogischen Studiengängen.

Abschluss: Egal ob Bachelor, Master, Staatsexamen oder künstlerische Promotion.

Studienort: Eine geografische Suche, die zeigt, wo in Deutschland welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Der Kompass liefert zu jedem Treffer kompakte, verlässliche Informationen über die tatsächlichen Studieninhalte und verlinkt direkt zu den weiterführenden Bewerbungs- und Prüfungsordnungen der jeweiligen Häuser. Das erklärte Ziel des miz ist es, Orientierung zu schaffen und jungen Menschen den oft einschüchternden Weg in den Musikberuf zu ebnen.

Wo der Code die Karriere trifft

Als wir vor einiger Zeit unter dem Titel „Wo der Code die Kunst trifft“ (Tiefgang, 21.04.2026) über die Digitalisierung der Musiklandschaft berichteten, ging es vor allem um neue ästhetische Räume, um Algorithmen in der Produktion und die Frage, wie Bits und Bytes die Kreativität verändern. Doch die Digitalisierung macht nicht an den Studiotüren halt – sie hat längst die gesamte Ausbildungslandschaft erfasst und gründlich durchgeschüttelt. Wer heute Musik studiert, muss oft selbst den Spagat zwischen Code und Kunst beherrschen. Das Problem: Die Wege dorthin waren bisher so verzweigt, dass viele Talente kapitulierten, noch bevor sie die erste Bewerbung abgeschickt hatten.

Genau an dieser Schnittstelle setzt der neue digitale Lotse an. Ein Blick auf das Suchportal (unter miz.org/de/kompass-musikstudium/suche) offenbart die schiere Bandbreite der modernen Musikwelt. Hier wird sichtbar, wie flexibel und spezialisiert die Ausrichtungen im Jahr 2026 geworden sind. Ob Kirchenmusik, Film&Sounds oder Musik&Geisteswissenschaft – die Bandbreite ist riesig und dazu kommen weitere interdisziplinäre Studiengänge an den Schnittstellen von Medien und Technologie, hochspezifische pädagogische Konzepte oder Nischenfächer – das Portal schlüsselt das unsichtbare Universum präzise auf.

Und der Kompass löst noch ein ganz praktisches, oft unterschätztes Problem: die Geografie der Ausbildung. Nicht jede*r kann oder möchte für das Studium ans andere Ende der Republik ziehen. Für all jene, die nahe der Heimat bleiben und in ihrem gewohnten Umfeld Wurzeln schlagen wollen, bietet die regionale Filterfunktion einen unschätzbaren Mehrwert. Mit wenigen Klicks lässt sich herausfinden, welche ungeahnten akademischen Schätze direkt vor der eigenen Haustür liegen. So wird der Code im Netz zum ganz realen Wegweiser für die Karriere in der Region.

Die Nische als Orientierung und Schutzfaktor

In Zeiten, in denen heftig über GEMA-Reformen, Verteilungsschlüssel und den Erhalt von Kulturräumen gestritten wird, ist Transparenz der erste Schritt zur Selbstbehauptung für den Nachwuchs. Wenn die traditionelle Förderung wackelt, müssen angehende Künstler*innen umso genauer wissen, wo sie ihre Nische finden können. Orientierung wird so zu einem echten Schutzfaktor für die ästhetische Vielfalt. Der neue Kompass erweist sich hier als echte Schatzkarte, die zeigt, dass die Musiklandschaft viel bunter ist, als es die starren Kategorien der Vergangenheit vermuten lassen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Selbstversuch auf der Plattform. Wer dort nach einem modernen Begriff wie „Computermusik“ sucht, wird nicht mit standardisierten Ergebnissen abgespeist, sondern stößt auf hochspezialisierte, innovative Studiengänge. Das Portal führt Interessierte beispielsweise direkt nach Essen an die Folkwang Universität der Künste. Dort verbirgt sich hinter der Suche weit mehr als nur technisches Handwerk: Studiengänge wie „Integrative Komposition“ oder „Professional Media Creation“ zeigen exemplarisch, wie die Ausbildung im Jahr 2026 auf die Anforderungen einer digitalisierten Kulturwelt reagiert.

Hier wird das visible Universum der Musik greifbar. Der Kompass bündelt diese oft versteckten Perlen und holt sie aus der Anonymität der akademischen Nische ins Rampenlicht. Er beweist, dass es sie gibt: die Orte, an denen Experiment, Technologie und Kunst fächerübergreifend verschmelzen. Für junge Menschen ist das die Chance, genau die Ausbildung zu finden, die zu ihrer Vision passt – abseits der ausgetretenen Pfade des Massenmarkts.

Ein Werkzeug mit und für die Zukunft

Mit dem „Kompass Musikstudium“ haben das miz und der Deutsche Musikrat einen Meilenstein gesetzt. In Zeiten, in denen sich die Koordinaten der Kulturwelt rasant verschieben, ist diese Plattform genau das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit. Sie ist ein digitales Fundament, das Orientierung bietet, wo vorher oft nur Orientierungslosigkeit herrschte, und sie schützt die Vielfalt, indem sie die Nischen sichtbarer macht.

Doch so beeindruckend die jetzige Datenbank mit ihren über 1.700 Studiengängen bereits ist: Dieser Launch ist erst der Anfang. Das Portal ist als lebendiges System angelegt, und seine wahre Stärke wird sich in den kommenden Jahren entfalten. Wenn das Portal kontinuierlich mit neuen Fortentwicklungen, praxisnahen Inhalten und aktuellen Profilen gefüttert wird, wird seine Nützlichkeit für die Musiker*innen von morgen um ein Vielfaches steigen. Es ist ein erster, mutiger Schritt getan, um den digitalen Wandel in der Ausbildung nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten – damit das Musikland Deutschland auch in Zukunft so facettenreich bleibt, wie es dieser Kompass schon heute verspricht.

Hier zum Portal: https://miz.org/de/kompass-musikstudium


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Land unter in Marmstorf https://www.tiefgang.net/land-unter-in-marmstorf/ Fri, 22 May 2026 22:06:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13905 [...]]]> Meine Lieben, die Trockenhaube war heute auf absolute Schockstarre eingestellt! Vergesst die Buxtehuder Straße und das S-Bahn-Chaos von neulich – das ist alles repariert und Schnee von gestern.

Aber beim Spitzen-Schneiden am Sand kam diese Woche ein Tratsch ans Licht, da ist uns kollektiv die Spülung aus dem Gesicht gefallen.

Harburg geht baden, meine Lieben – und das leider im wahrsten Sinne des Wortes! Setzt euch, nehmt euch einen Kaffee, hier ist eure Clara Klatsch mit dem absolut neuesten, feuchtesten Stoff aus unserem Stadtteil:

Meine Lieben, man weiß ja langsam nicht mehr, ob man morgens mit dem Regenschirm oder gleich im Taucheranzug aus dem Haus gehen soll. Da atmen wir alle auf, weil die Baustelle an der B73 endlich Geschichte ist und die S-Bahn nach zwei Wochen Totalsanierung wieder brav über die Elbe zuckt, und was passiert? Richtig, das nächste Rohr meldet sich flutartig ab!

Diesmal hat es Marmstorf erwischt. Kaum sind die Keller an der Buxtehuder Straße getrocknet, heißt es ein paar Kilometer weiter schon wieder: „Wasser marsch!“ Beim Friseur hieß es vorhin nur trocken: „Mensch Clara, Hamburg Wasser will wohl testen, ob wir Harburger*innen auch ohne Elbvertiefung ein eigenes maritimes Flair entwickeln können.“ Wenn das so weitergeht, beantrage ich beim Bezirksamt bald eine Gondel-Lizenz für den Feierabendverkehr.

Aber der eigentliche Knaller, der die Lockenwickler zum Glühen brachte, kommt erst noch. Ihr wisst ja, wie schmerzlich wir alle unser geliebtes Freizeitbad MidSommerland an der Außenmühle vermissen. Seit dem Abriss im Herbst 2023 sitzen wir auf dem Trockenen. Eigentlich sollte das neue Bad ja bald wieder öffnen. Doch jetzt kam die Hiobsbotschaft aus dem Senat: Die Eröffnung verzögert sich schon wieder deutlich!

Ausreden gibt es natürlich genug: Ein angeblich derart langer Wintereinbruch, mit dem niemand gerechnet hat, hat die Frostschäden begünstigt und den Zeitplan komplett weggeschwemmt. Ich sage euch: Bis wir dort wieder auf der Riesenrutsche landen oder im Außenbecken planschen dürfen, fließt noch ganz viel Wasser die Buxtehuder Straße hinunter. Die Trainingshalle soll nun erst Ende 2027 fertig werden – und beim Rest der Anlage mag Bäderland sich lieber gar nicht mehr festlegen. Als Trostpflaster werden uns demnächst „Baustellenbesichtigungen“ angeboten. Ist das nicht herrlich? Statt Badehose packen wir dann wohl den Helm und die Sicherheitsweste ein!

Ist das nicht die perfekte Ironie? Auf der Straße und im Keller haben wir unfreiwillig Wasser ohne Ende, aber dort, wo wir eigentlich planschen wollen, herrscht gähnende Leere. Das passt doch wieder perfekt zu unserem ewigen Lieblingsthema, dem „Planet Harburg“ am Herbert-und-Greta-Wehner-Platz. Während die Behörden dort noch über die Teppichfarbe für die Bücherhalle philosophieren und Architekt*innen im Binnenhafen schicke Promenaden zeichnen, auf denen wir mangels Schwimmbad bald flanieren müssen, üben wir uns im Süden im kollektiven Trockenschwimmen.

Vielleicht ist das eine neue Strategie für Kulturpolitik: Wenn das MidSommerland nicht fertig wird, machen wir aus dem Rohrbruch in Marmstorf einfach ein experimentelles Kunstprojekt für den Kultursommer! Motto: „Neue Wege im Kraulstil“

Meine Lieben, ich rate euch fürs Wochenende: Holt die Gummistiefel noch mal aus dem Schrank und schaut humorvoll in die Zukunft. Wer weiß, wo am Montag die nächste Fontäne aus dem Asphalt schießt. Ich bleibe jedenfalls erst mal im Salon – da läuft das Wasser nur im Waschbecken und der Tratsch ist garantiert absolut wasserdicht!

Bussi, eure Clara!


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