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Wenn die B73 zum Vatertags-Kanal wird

Meine Lieben, schnallt euch an – oder bleibt am besten direkt im Liegestuhl sitzen, denn das Fortkommen in unserem Viertel gleicht momentan eher einer Expedition als einem Arbeitsweg! Ich komme gerade frisch vom Friseur am Sand, und ich sage euch, die Lockenwickler sind fast von alleine rausgefallen, so hitzig wurde über die aktuelle „Großlage“ im Süden diskutiert.

Meine Lieben, habt ihr das mitbekommen? Am Mittwoch ging in unserem Viertel gar nichts mehr. Ein gewaltiger Rohrbruch an der Buxtehuder Straße hat die B73 in eine Seenplatte verwandelt! Während wir im Planet Harburg noch auf die „bewegten Bilder“ im Kino warten, hatten wir draußen das ganz große Live-Spektakel: „Fluch der Karibik“ direkt vor der Haustür.

Es ist ja fast schon unheimlich: Erst wird der Elbtunnel gesperrt, dann verabschiedet sich die S-Bahn für zwei Wochen in die Totalsanierung, und als Krönung flutet uns ein Rohr die wichtigste Verkehrsader. Beim Friseur hieß es vorhin nur: „Clara, Harburg ist jetzt offiziell eine Insel – nur dass die Fähren fehlen!“

Wer braucht schon den Berufsverkehr, wenn er eine unfreiwillige Bootstour haben kann? Man fragt sich ja: War das vielleicht die geheime Rache der illegalen Goldschmelzer, die neulich im Karstadt aufgeflogen sind? Haben die beim Schmelzen aus Versehen die Wasserleitung als Kühlung angezapft?

Besonders pikant war das Ganze ja im Hinblick auf den Donnerstag. Da war Vatertag, und unsere Männer wollten eigentlich mit Bier und Bollerwagen losziehen. Ich habe für euch mal genau hingeschaut: Wer am Donnerstag durch Harburg wollte, brauchte keinen Bollerwagen, sondern ein Amphibienfahrzeug!

Einige findige Väter haben wohl kurzzeitig überlegt, das Bierfass einfach als Rettungsinsel zu nutzen. In der Zeit, in der die S-Bahn 14 Tage lang Pause macht und die Buxtehuder Straße zur Wasserstraße wird, ist so ein Bollerwagen auf dem Trockenen ja fast schon ein Luxusgut.

Passt das nicht wunderbar zum Kultursommer-Motto „Neue Wege“? Wenn die Straße dicht ist und die Schiene saniert wird, müssen wir eben kreativ werden. Während die Architekt*innen im Binnenhafen noch über neue Brücken grübeln, hat uns das Schicksal einfach mal einen Kanal mitten in die City gelegt.

Vielleicht sollten wir den Kultursommer-Preis dieses Jahr an die Hamburger Wasserwerke verleihen? So viel „Aktionismus“ und „experimentelle Raumgestaltung“ auf der Fahrbahn haben wir lange nicht gesehen.

Meine Lieben, ich rate euch für das Wochenende: Bleibt am besten einfach hier im Süden. Wer weiß, welches Rohr als Nächstes die Lust auf Abenteuer verspürt. Ich bleibe jedenfalls erst mal bei meinem Friseur – da ist es trocken, und der Tratsch ist erfrischender als das Wasser auf der B73.

Bussi, eure Clara!


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