Behörde für Wissenschaft https://www.tiefgang.net Fri, 08 Jan 2021 12:21:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Senat stärkt Stadtteilkulturarbeit https://www.tiefgang.net/senat-staerkt-stadtteilkulturarbeit/ Fri, 08 Jan 2021 23:30:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7565 [...]]]> Während im Bezirk Harburg die sogenannte Stadtteilkultur noch immer arg stiefmütterlich behandelt wird, erhöht der Senat nördlich der Elbe den Etat für selbige und stärkt damit vor allem  den Dachverband.

In der Pressemitteilung dieser Tage heißt es:

„Der Senat stärkt mit zusätzlichen Mitteln die Stadtteilkulturarbeit in Hamburg. Mit einer Förderung von zunächst jeweils 32.000 Euro für 2021 und 2022 unterstützt die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFGB) die Interessen der Bürgerhäuser unter dem Dach des Verbands. Ziele sind der Aufbau von professionellen Strukturen für die Vernetzung sowie die konzeptionelle Weiterentwicklung und Qualifikation der Geschäftsführungen der Bürgerhäuser. Neben der zentralen Anlaufstelle in der BWFGB bilden die zusätzlichen Mittel einen weiteren Baustein in der Stärkung der Interessensvertretung der Bürgerhäuser. Parallel dazu plant die Behörde für Kultur und Medien, ihre Förderung für „Stadtkultur Hamburg“ mit dem nächsten Doppelhaushalt um 114.000 Euro pro Jahr auf dann 222.000 Euro zu erhöhen, vorbehaltlich der Zustimmung der Bürgerschaft. Mit dem zusätzlichen Geld sollen die soziokulturelle Netzwerkarbeit und die Serviceleistungen des Verbandes für die Zentren vor Ort weiter ausgebaut werden.

Bezirkssenatorin Katharina Fegebank: „Bürgerhäuser sind lebendige Begegnungsorte in den Quartieren. Sie bieten ein vielfältiges kulturelles und soziales Angebot und stärken das Miteinander vor Ort – eine wertvolle Aufgabe, gerade im Zuge der Pandemie. Umso wichtiger ist es, auch die Bürgerhäuser nachhaltig zu unterstützen. Durch die Förderung des Dachverbands, Stadtkultur Hamburg‘ wollen wir die Grundlage dafür schaffen, dass die Bürgerhäuser von dessen Knowhow und Fortbildungsformaten noch mehr profitieren und ein gemeinsames Netzwerk aufbauen können. Damit stellen wir die Weichen für einen Zuwachs an Angeboten in den Quartieren – ein großer Gewinn für alle Hamburgerinnen und Hamburger.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Als Dachverband für die Stadtteilkultur ist ‚Stadtkultur Hamburg‘ seit vielen Jahren ein wichtiger Partner für unsere Behörde. Zusammen haben wir wesentliche Fundamente für eine starke Stadtteilkulturszene gelegt. Um diese Arbeit weiterzuentwickeln ist es wichtig, dass wir die Mittel für den Dachverband nun substanziell erhöhen. Damit kann er sich strukturell besser aufstellen und seine Mitglieder noch besser vertreten. So stärken wir die Stadtteilkultur insgesamt, die gerade jetzt unter schwierigen Bedingungen in den Stadtteilen präsent bleibt und eine fundamental wichtige Arbeit für die Nachbarschaften macht.“

Corinne Eichner, Geschäftsführerin von „Stadtkultur Hamburg e.V.“: „Mit dieser Stärkung können wir den Verband zukunftsfähig aufstellen und nun auch die Bürgerhäuser besser dabei unterstützen, ihre wichtige Arbeit in den Quartieren auszubauen und ihre Potentiale weiterzuentwickeln. Es macht einfach Sinn, die Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäuser in ihrer Arbeit vor Ort in vielen Bereichen zusammenzudenken. Diese Stärkung der kulturellen Teilhabe und der Orte der Begegnung kommt unmittelbar den Menschen im Quartier zugute.“

Der Dachverband „Stadtkultur Hamburg“ hat jahrzehntelange Erfahrung in der Unterstützung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und Teilhabe in den Quartieren. Als Dachverband mit über 120 Mitgliedern vertritt er die Interessen der Einrichtungen und Akteurinnen und Akteure, die vor Ort in den Hamburger Stadtteilen kulturelle Teilhabe ermöglichen, Bildung bieten und Vielfalt fördern. „Stadtkultur Hamburg“ schafft Öffentlichkeit für die Angebote und Qualitäten der Stadtteilkultur, sorgt für Austausch und Qualifikation und stärkt die Arbeit vor Ort. Von der Arbeit des Verbandes profitieren neben vielen anderen Einrichtungen und Initiativen auch die Stadtteilkulturzentren, die wie der Verband aus der Rahmenzuweisung der Behörde für Kultur und Medien gefördert werden. Mit den zusätzlichen Mitteln aus der BWFGB und der BKM wird der Verband personell aufstocken und die Belange der Bürgerhäuser und Stadtteilkulturzentren besonders in den Blick nehmen.

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Die Bitte um Vergebung https://www.tiefgang.net/die-bitte-um-vergebung/ Fri, 13 Apr 2018 22:18:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3440 [...]]]> Hamburgs Ruf als globale Handelsstadt hat auch Schattenseiten. Eine liegt im heutigen Namibia. Ein transnationaler Kongress in Hamburg ging nun einen weiteren Schritt, um sich der Geschichte zu stellen.

„Ich vernichte die aufständischen Stämme mit Strömen von Blut und Strömen von Geld“, erklärte Generalleutnant Lothar von Trotha. Zwischen 1904 und 1908 verübten die deutschen Kolonialtruppen dann im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika einen Völkermord an den Volksgruppen der Herero und Nama, mit dessen schwerwiegenden Folgen die Nachfahren der Opfer bis in die Gegenwart hinein konfrontiert sind. Diese waren Thema des zweiten Transnationalen Herero- und Nama-Kongresses, den die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e. V. und die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg zusammen mit dem zivilgesellschaftlichen Bündnis „Quo Vadis Hamburg“ Anfang April 2018 in Hamburg veranstalteten. Anlässlich des Kongresses lud der Senat dann auch zu einem Empfang ins Hamburger Rathaus, bei dem Senator Dr. Carsten Brosda um Vergebung für den Völkermord an den Ovaherero und Nama bat. „Wir bitten Sie um Vergebung. Wir können nicht rückgängig machen, was passiert ist. Aber wir können nach Versöhnung streben.“ Eine Geste mit Relevanz.

Der gewaltsamen Durchsetzung der deutschen Kolonialherrschaft fielen etwa 80 Prozent der Herero und 50 Prozent der Nama zum Opfer. Insgesamt starben bis zu 100.000 Menschen; Männer, Frauen und Kinder; die meisten von ihnen ließen die deutschen Truppen elendig in der Wüste verdursten und verhungern. Die Überlebenden wurden enteignet, in Lager interniert, misshandelt, vergewaltigt und zu harter Zwangsarbeit gezwungen. Viele überlebten diese brutale Behandlung nicht. Die Folgen des Genozids sind bis heute in Namibia spür- und sichtbar. Der Völkermord ist ein gesamtgesellschaftliches Trauma, das auch hundert Jahre später psychologisch, wirtschaftlich, sozial, kulturell und politisch nachwirkt.

Beim Kongress standen nun eben damit zusammen hängenden Fragen im Vordergrund: Welche Rolle hat Hamburg beim ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gespielt? Welche Spuren der Kolonialgeschichte finden sich im Stadtraum und was passiert mit den erinnerungspolitischen Leerstellen? Zum zweiten Transnationalen Herero- und Nama-Kongress hatten die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e. V. und die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg zusammen mit dem zivilgesellschaftlichen Bündnis „Quo Vadis Hamburg“ eingeladen. Erstmalig zu Gast in der Hansestadt war eine Delegation von Vertreterinnen und Vertretern der Herero und Nama, die sich im Rahmen der Konferenz mit diesen und anderen Fragen auseinandersetzten.

Dass Hamburg in der Geschichte des Genozids an den Herero und Nama eine Schlüsselrolle zukommt, steht wissenschaftlich mittlerweile außer Frage. Die Hafenstadt war die koloniale Handelsmetropole des Kaiserreichs. So war es auch die Hamburger Kaufmannschaft, die 1883 – am Vorabend der Berliner West-Afrika-Konferenz (1884/85) – mit einer Denkschrift an den Reichstag appellierte, deutsche Kolonien in Afrika zu errichten. Der damalige Präses der Hamburger Handelskammer Adolph Woermann dominierte mit seiner Deutsch-Ost-Afrika-Linie jahrzehntelang den Linienverkehr nach Ostafrika und führte später auch die Truppentransporte in die Kolonien durch.

Die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Hamburgs wurde vor rund zwanzig Jahren durch verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen, insbesondere durch das Engagement der Black Communities und People of Color angestoßen. 2014 entschloss sich der Senat, die Aufarbeitung des kolonialen Erbes systematisch anzugehen. Zur Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlage wurde an der Universität Hamburg die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ eingerichtet, deren Finanzierung Anfang März von der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Die Hamburger Museen haben sich in verschiedenen Ausstellungen und Projekten dem Thema angenommen und auch bei der Kontextualisierung der zahlreichen unkommentierten Kolonialdenkmäler in der Stadt gibt es erste Fortschritte. So wurde jüngst in Jenfeld an der denkmalgeschützten Lettow-Vorbeck-Kaserne eine Informationstafel über General Lothar von Trotha angebracht, die seine Verantwortung an dem Völkermord an den Herero und Nama klar benennt.

Im Rahmen der Tagung gab die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung zudem bekannt, dass der Hamburger Senat die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ für weitere fünf Jahre mit einer Million Euro finanziert. Die zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank erklärte auf einer Pressekonferenz im Beisein von Kultursenator Dr. Carsten Brosda, Universitätspräsident Prof. Dr. Dieter Lenzen und Prof. Dr. Jürgen Zimmerer betonte den national wie international hervorragenden Ruf, den die Forschungsstelle genieße und begründete die Fortsetzung der Finanzierung mit der exzellenten Arbeit, die Jürgen Zimmerer und sein Team in den vergangenen Jahren geleistet hätten und ihrem hervorragenden internationalen Ruf.

Seitens der Beteiligten der Forschungsstelle hieß es, man freue sich über die Wertschätzung unserer Arbeit und das Bekenntnis des Senats, die Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg fortzusetzen.

Auch die Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, sowie die Arbeitsgruppe Quo-Vadis-Hamburg?, Veranstalter*nnen des 2. Transnationalen Ovaherero und Nama Kongresses in Deutschland dankten den Menschen der Freien und Hansestadt Hamburg für ihre außerordentliche Gastfreundschaft.
Hamburg spiele eine zentrale Rolle im Zuge des transatlantischen Versklavungshandels sowie in der Zeit des europäischen und deutschen Kolonialismus. Daher begrüßten die Beteiligten die Haltung der Hamburger, sich der historischen Verantwortung der Stadt zu stellen.

Insbesondere würdigen wir die offizielle Entschuldigung des Senators für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, für die entscheidende Rolle der Stadt im Völkermord an den Ovaherero und Nama von 1904 bis 1908.
Ebenso schätzen wir die Entschuldigung des Dekans des UKE, Prof. Koch-Grohmus, im Namen seiner Institution, die aus unethischen und rassistischen Gründen die Friedrichsberger Sammlung menschlicher Überreste des Ovaherero und anderer kolonisierter Menschen übernommen hat.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass das Hamburger Museum für Völkerkunde etwa 1700 Objekte und 1000 Fotografien aus dem ehemaligen „Deutschen Südwestafrika“ (Namibia) in seinem Besitz hat. Wir begrüßen die Einrichtung des Forschungszentrums „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ an der Universität Hamburg und ihre Anstrengungen, transnationale Projekte zu ermöglichen.
Wir möchten die Freie und Hansestadt Hamburg ersuchen, ihren Sitz im Bundesrat sowie ihre politischen Einflussmöglichkeiten auf die Bundesregierung zu nutzen, um die Anerkennung des Völkermords an Ovaherero und Nama herbeizuführen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch nachdrücklich auf unseren Wusch hinweisen, dass der Ovaherero Paramount Chief Vekuii Rukoro und Gaob Johannes Isaack, Chief der Nama Traditional Authorities Association, das Volk der Ovaherero und der Nama bei allen Verhandlungen über die Frage des Völkermords vertreten.
Wir freuen uns auf eine ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit von Ovaherero und Nama einerseits und der Afrikanisch-Schwarzen Community und weiterer zivilgesellschaftlicher Akteure andererseits mit dem Senat. Diese enge Zusammenarbeit in allen Fragen, die das koloniale Erbe Hamburgs betreffen, sehen wir als unverzichtbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Prozess zur Dekolonialisierung der Stadt.
Wir, die VertreterInnen von Ovaherero und Nama, sowie die Arbeitsgruppe Quo-Vadis-Hamburg? hoffen sehr, dass die Stadt Hamburg die Zusicherungen des Senats in konkreten Schritten umsetzt.

Weiterführende Links: www.hamburg.de/bkm; Die Welt; kolonialismus.uni-hamburg.de

 

 

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Die Arbeit am kolonialen Erbe https://www.tiefgang.net/die-arbeit-am-kolonialen-erbe/ Fri, 09 Mar 2018 23:25:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3252 [...]]]> Hamburg ist eine Stadt mit lebhafter kolonialer Vergangenheit und ist mit Recht als die „Kolonialmetropole des Kaiserreiches“ neben Berlin bezeichnet worden. Nun wird ihr koloniales Erbe immerhin weiter erforscht …  

Die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) hat zum Monatswechsel im Rahmen der internationalen Tagung „Confronting the colonial past!“ verkündet, die wissenschaftliche Arbeit der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ der Universität Hamburg in den kommenden fünf Jahren mit einer Million Euro zu finanzieren. Im Mittelpunkt der zukünftigen Forschungsarbeit soll dabei die Auseinandersetzung mit der Provenienz kolonialer Objekte in Sammlungen und Museen, der visuellen Kultur des Kolonialismus sowie der historischen Rollen von Politik, Wirtschaft und Kultur stehen.

In der Pressemitteilung heißt es dazu:

„Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Professor Zimmerer und sein Team haben in den vergangenen Jahren exzellente Arbeit geleistet und sich national wie international einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Wir möchten gerne, dass Hamburg weiterhin seine koloniale Vergangenheit systematisch wissenschaftlich aufarbeitet und eine lebendige Erinnerungskultur in der Stadt spürbar ist. Dafür haben wir nun die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können in den kommenden Jahren ihren Beitrag dazu leisten.“

2014 hatte der Senat die wissenschaftliche Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg beschlossen. Die Einrichtung der Forschungsstelle, finanziert bis Anfang 2018 durch die Behörde für Kultur und Medien, die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, die Senatskanzlei sowie die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und anderen, war ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung dieses Beschlusses.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte gehört nicht zuletzt dank der hervorragenden Arbeit von Prof. Zimmerers Forschungsstelle und zahlreicher weiterer Akteure in unseren Museen sowie in Verbänden und Initiativen mittlerweile zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland. Hamburg nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. Die nun stattfindende Tagung ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe unserer Stadt, der Impulse insbesondere für die noch ausstehende Kontextualisierung der NS-Kolonialdenkmäler in Jenfeld geben wird. Auch die städtischen Museen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit Themen der Kolonialgeschichte auseinandergesetzt und verschiedene Forschungsprojekte, zum Beispiel im Bereich der Provenienzforschung, umgesetzt.“

Prof. Dr. Dieter Lenzen: „Ich begrüße die Wertschätzung der Forschungsstelle „Hamburgs (post)-koloniales Erbe“ an der Universität, die sich in der erneuten Förderung der Forschungsarbeiten spiegelt – ein für Hamburg spezifisch bedeutsames Thema!“

Die Forschungsstelle untersucht die Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien. Sie erarbeitet die historischen Grundlagen zum (post-)kolonialen Erbe und steht öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Institutionen und Personen beratend zur Seite. Dazu zählen auch regionale, überregionale und internationale Medien. Die Forschungsstelle hat im Sommer 2016 eine Ringvorlesung an der Universität Hamburg zum Thema „Hamburg: Deutschlands Tor zur kolonialen Welt. Über den Umgang mit einem schwierigen Erbe“ durchgeführt. Außerdem erstellt die Forschungsstelle zurzeit eine Bibliographie zum kolonialen Erbe Hamburgs und einen Sammelband zum Thema „Hamburg und die frühe Globalisierung, koloniale Erinnerungsorte in der Hansestadt“. Die Tagung „Confronting the colonial past!“, stellt aktuell die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse einem internationalen Fachpublikum vor.

Prof. Zimmerer

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle: „Ich freue mich sehr, dass die Zukunft der Forschungsstelle gesichert ist. Die Diskussion um den Kolonialismus gehört zu den großen identitätsstiftenden Debatten unserer Zeit in Deutschland. Die richtungsweisende Entscheidung des Senats ermöglicht es uns, auch zukünftig die Stimme der Wissenschaft und ihre Erkenntnisse in die nationale wie internationale Debatte einzubringen.“

Neben der Einrichtung der Forschungsstelle sind zahlreiche weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg umgesetzt und angeschoben worden. So haben sich unter anderem die städtischen Museen in den vergangenen Jahren verstärkt mit Themen der Kolonialgeschichte auseinandergesetzt: In den Museumsstiftungen sind verschiedene Forschungsprojekte begonnen worden. Hervorzuheben ist hier die jüngst abgeschlossene Erforschung der Provenienzgeschichte von drei wertvollen Bronzen aus Benin, die aktuell im Rahmen der Ausstellung „Raubkunst?“ im Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert und in einem Begleitkatalog dokumentiert wird. (Post-)koloniale Themen werden auch im Rahmen der anstehenden Neukonzeption von Dauerausstellungen in den historischen Museen, im Museum für Völkerkunde sowie in der Entwicklung des Deutschen Hafenmuseums von Bedeutung sein. Auch in vielen öffentlich geförderten künstlerischen Projekten spielte das Thema in den vergangenen Jahren eine Rolle.

Im November 2017 fand auf Einladung der Behörde für Kultur und Medien die Auftaktveranstaltung zur Gründung eines Runden Tisches zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes statt. Ziel der Veranstaltung war es, den Grundstein für ein Fachgremium zu legen, das künftig die Beteiligung der Zivilgesellschaft sicherstellen und den Prozess der Entwicklung eines gesamtstädtischen postkolonialen Erinnerungskonzepts beratend begleiten soll. Der zweite Runde Tisch findet am 23. März 2018 im Museum für Hamburgische Geschichte statt.

Quelle: Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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