elbdeich Moorburg e.V. https://www.tiefgang.net Thu, 02 Apr 2020 07:36:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 „Es hat sich ausgetindert“ https://www.tiefgang.net/es-hat-sich-ausgetindert/ Wed, 01 Apr 2020 22:17:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6358 [...]]]> Dem Romanautor Tomas Blum wird Atmosphäre und Tiefgang bescheinigt. Er wollte zur 5. SuedLese nach Harburg kommen. Nun liest er aus dem Homeoffice. Wir haben hatten vorab mit ihm gesprochen…

Das schreckliche Ereignis in ihrer Jugendzeit liegt so weit zurück, als würde es nicht mehr zu ihnen gehören – so als hätte es nicht ihr Leben bis auf den heutigen Tag geprägt. Zufällig treffen sie einander Jahrzehnte später im Geschäftsleben wieder, inzwischen als Kollegin und Kollege, und das Kennenlernen gerät zum Spießrutenlauf der Erinnerung.

Tomas Blum erzählt in seinem Romandebüt die Geschichte einer Befreiung aus den Ketten von Karriere und Konsum, und er stellt die Frage, was von uns bleibt, wenn wir nur funktionieren. Wenn wir keinen Dialog mehr wollen, sondern schon immer alles besser wissen. Das klingt nach einer reifen Leistung.

In einer Buchbesprechung heißt es, es sei ein sehr atmosphärischer Roman mit Tiefgang, der unheimlich eindrucksvoll geschrieben ist und noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Wenn das kein Aufhänger für ein Interview mit Tiefgang ist!

Tiefgang (TG): Du lebst und arbeitest in Berlin. Was verschlägt dich zur SuedLese nach Harburg?

Tomas Blum: Christoph, der Marketing-Leiter vom Liesmich Verlag, hat den Draht gelegt. Der ist direkt an der Waterkant auf die Welt gekommen. Bei Tiefgang hat er bestimmt an mich gedacht. Ich liebe Tiefgang. Im Alltag ist vieles zu oberflächlich…

TG: Du hast Literatur studiert und auch als Autor und Ghostwriter Geld verdient, allerdings in Wirtschaft und Politik. Erst nach einem Unfall hast du dich wieder auf das literarische Schreiben besonnen. Bedeutet das, dieses Ereignis hat dich quasi zur Besinnung gebracht?

Tomas Blum:  Ja. Es gab noch ein weiteres Ereignis: der Tod eines Schulfreundes. Mir wurde dabei klar, dass man Entscheidungen für die Zukunft nicht erst in der Zukunft treffen sollte. Ich habe ja mit dem Schreiben nie aufgehört, es jedoch immer nur für die Schublade getan.

TG: Schreiben genießt einen sehr hohen Stellenwert in deinem Leben und gehört für dich zu deinen Lieblingsbeschäftigungen. Kannst du den Zustand beschreiben, in dem du dann bist?

Tomas Blum:  Das ist ein Zustand ganz großer Klarheit. Es ist so, als könnte ich nur noch die Wahrheit denken. Alles, was dann beim Denken passiert, ist richtig. Manche würden vielleicht das Bild verwenden, Schreiben sei wie eine Droge, aber Schreiben ist das Gegenteil. Es ist innere Klarheit und Offenheit.

TG: Es gibt eine Autorenhündin namens Yella. Welche Rolle spielt sie in deinem Schriftsteller-Dasein?

Tomas Blum:  Klingst erstmal wie so ein Internet-Katzen Ding, nur mit einer Hündin. Aber ehrlich: Yella rettet jeden Tag meinen Arsch, weil sie mich rausbringt aufs Land und in den Wald. Hunde sind so sensibel. Die wissen, wie es einem geht, bevor man es selbst weiß. Und meine Zeit mit ihr zu teilen, ist super inspirierend.

TG: Deinen eigenen Worten zufolge bewähren sich die Hauptfiguren in deinen Romanen und Stücken durch ihr Vertrauen, obwohl ihre Umgebung nicht vertrauenswürdig ist. Was ist damit gemeint?

 Tomas Blum: Das ist DAS Ding im Leben, glaube ich. Neulich diskutierte ich mit einem Freund den Satz Adornos, es gebe kein richtiges Leben im falschen. Aber das stimmt nicht. Man sollte, wo immer es geht, das richtige Leben anstreben. Es herstellen. Das bedeutet Vertrauen. Davon ausgehen, dass ich in der richtigen Zeit am rechten Ort bin und innerhalb meiner Möglichkeiten handeln kann.

TG: Du versuchst auch, die Grenzen unserer Einfühlung auszuloten. Herrscht deiner Meinung nach ein Mangel an Empathie? Und wenn ja, was steht der im Weg?

Tomas Blum: Es herrscht in vielen Bereichen ein Mangel an Empathie, weil unsere an Leistung gemessenen Erfolge uns hochnäsig machen. An der Schule lernen wir, dass man theoretisch alles lernen kann. Das ist ein großer Irrtum. Wenn man glaubt, alles potentiell kennen und beurteilen zu können, dann wird man zum Zyniker. Das ist mit das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Und das steht der Empathie im Weg. Wir können uns selbst und einander nicht durch (Besser)wissen erleben, sondern durch Aufmerksamkeit, durch Offenheit, durch Konzentration.

TG: Wenn es in deinem Roman um den Mut zur Wahrhaftigkeit geht, darf man auf ein Happy End hoffen, oder?

Tomas Blum: Ab-so-lut! Schwarzseherei macht denkfaul, wenn man sich vorstellt, wie etwas kollabiert oder den Bach runtergeht. Ich will für mich und meine Leser das Gegenteil. Das wünsche ich mir jedenfalls. Ich möchte zeigen, wie man sich selbst aufrichten kann. Deshalb findet ihr in den Buchklappen meines Romans zwei handschriftliche Notizen. Am Anfang: „Bleib dort wo du bist.“ Das ist der Ausgangszustand meines „Helden“. Er ist resignativ. In der Buchklappe am Ende steht: „Ich wachse.“ Und darum geht es!

Tiefgang bedankt sich für Tiefgang bei Tomas Blum!

Tomas Blum: Auch ich bedanke mich. Ich freue mich schon auf die Lesung bei euch!

(das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

Online-Termin: Am Sa., 04. Apr., Tomas Blum – „Wofür wie uns schämen“, um 20 Uhr auf youtube:

statt im Elbdeich e. V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg

Zum Buchtrailer: 

Tomas Blum – „Wofür wie uns schämen“, erschienen im Liesmich Verlag, Oktober 2019, 14,95 €, ISBN 978-3-945491-08-9

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Lena zwischen Sylt und Syrien https://www.tiefgang.net/lena-zwischen-sylt-und-syrien/ Thu, 29 Mar 2018 22:57:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3138 [...]]]> Erstmals wird Moorburg auch Leseburg der SuedLese. Und am Donnerstag, 19. April um 19h liest unter anderen auch die Autorin Lena Johannson – die Halligschreiberin.

Seit 2007 veröffentlicht die aus Schleswig-Holstein stammende Autorin historische Romane, Familiengeschichten mit Tiefgang, leichte Strandkorblektüre aber auch Krimis und einen hochbrisanten Thriller, der im Nahen Osten spielt.

Egal, ob leichte Kost oder harter Tobak, immer ist es ihr wichtig, den Handlungsort, die Geschichte und das gesamte Thema gründlich zu recherchieren. Darum ist die ehemalige Reisejournalistin viel unterwegs, von Rügen bis Riga, von Sylt bis Syrien.

Markenzeichen ihrer Lesungen ist es, den Zuhörern Einblick in ihren Schriftstelleralltag und reichlich Gelegenheit zu geben, ihr Fragen zu stellen. Außerdem hat sie meist etwas im Gepäck, das den Roman aus dem sie liest, noch ein wenig lebendiger werden lässt, wie etwa Sanddornköstlichkeiten, Bernsteinöl oder Kakaobohnen.

Lena Johannson wurde 1967 in Schleswig-Holstein geboren und lernte Buchhändlerin in Bad Oldesloe. Dann aber fing sie noch ein Schauspielstudium in Hamburg an, jobbte bei einem Touristikunternehmen in der Schweiz, in Tunesien und Sri Lanka, machte ein Praktikum und später gleich die Regieassistenz am Ohnsorg Theater. 1992 wurde sie dann Freie Mitarbeiterin einem Hamburger Redaktionsbüro und ging anschließend in die Selbständigkeit als freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Reisereportagen. 2007 erschien ihr erster Roman „Das Marzipanmädchen”. 2011 wurde sie die erste Halligschreiberin der Welt. „Halligschreiberin?“ Ja, so eine Art Pendant zu den eher geläufigen Stadtschreibern. Warum nicht? Hallig Hooge gab es her!

Lena Johannson lebt heute samt Mann in der Nähe von Lübeck und Ostsee, ist Mitglied im Syndikat, der Autorengruppe der deutschsprachigen Kriminalliteratur, und der GEDOK Schleswig-Holstein.
Als historischen Roman kann man „Die Bernsteinhexe“ (2017) bezeichnen.

Anno 1629, während des Dreißigjährigen Krieges, als auf Usedom Not und Elend herrschen, entdeckt die Pfarrerstochter Maria eine Bernsteinader. Mit dem Erlös hilft sie den Armen und Hungernden. Zum großen Missfallen des Amtshauptmannes, der seine Macht auf der Insel schwinden sieht. Also sinnt er auf Rache und streut das Gerücht, dass Maria eine Hexe ist.
Ob es ihrer großen Liebe Rüdiger gelingen wird, sie vor dem Flammentod zu bewahren?

Ein Ostsee-Mythos: die dramatische Geschichte einer mutigen jungen Frau neu erzählt.

„Die Bernsteinhexe“, Aufbau Verlag, 2017, ISBN 978-3-7466-3315-2

Als Thriller mit durchaus politischen Hintergrund erschien „Blutwasser“: Ein Verbrechen an unzähligen Menschen. Eine Frau allein im Kampf gegen skrupellose Geschäftemacher.

Als Katharina dem Ingenieur Ahmed verspricht, einen Artikel über die Korruption und die Missstände der globalen Wasserindustrie zu schreiben, will sie aufklären und wachrütteln: über verschmutztes Trinkwasser, Tausende verdurstende Menschen und unter der Hand verkaufte Wasserreservoirs.
Bei ihrer Recherche in Jordanien sticht sie in ein Wespennest und setzt eine Kette blutiger Ereignisse in Gang: Ahmeds mysteriöser Tod ist nur der Anfang. Während alle von einem Unfall ausgehen, ist Katharina überzeugt: Es war Mord! Sie recherchiert auf eigene Faust und gerät in tödliche Gefahr – denn die dunklen Drahtzieher einer globalen Verschwörung setzen alles daran, unentdeckt zu bleiben.

Zwischen Geldgier, politischen Intrigen und tödlicher Entschlossenheit – ein brisanter und hochaktueller Thriller über eines der größten Verbrechen an der Menschheit

Das ebook gibt es hier: dotbooks

Dazu gibt es gar einen Video-Trailer:

Ebenso ein Krimi von 2015: „Mord auf dem Dornbusch“:

Eine Schriftstellerin wird auf Hiddensee ermordet – Kommissarin Conny Lorenz übernimmt ihren zweiten Fall.

Möchtegern-Schriftsteller Ronald Udnik veranstaltet Literaturtage auf Hiddensee. Als Publikumsmagnet lädt er Dorinda Schwarz ein, eine ebenso schillernde wie geheimnisvolle Königin der Literatur-Szene. Am Morgen nach ihrer Veranstaltung wird die Autorin tot aufgefunden. Sowohl der Fundort in direkter Nachbarschaft eines Leuchtturms als auch die Art, wie die Leiche zur Schau gestellt ist, gleichen exakt der Darstellung aus ihrem größtem Erfolg, einem Kriminalroman. Kommissarin Conny Lorenz stellt rasch fest, dass die Tote viele Feinde hatte: Autoren, Buchhändler, Verleger …

Aufbau-Verlag, 2015, ISBN 978-3-7466-3132-5

Bereits 2013 als Krimi erschienen „Große Fische“.

Am Strand von Hiddensee wird die Leiche des Steuerprüfers Robert Welzer gefunden. Die Männer im Präsidium Stralsund überlassen den kniffeligen Fall gern ihrer neuen Kollegin Conny Lorenz. Die stößt auf erste Spuren, die nach Rügen führen. Dort hat Welzer offenbar ein paar auf den ersten Blick unbescholtenen Bürgern auf den Zahn gefühlt. Der erste Fall für Kriminalkommissarin Conny Lorenz.

Aufbau-Verlag, 2013, ISBN 978-3-352-00851-1

Nicht wirklich Krimi aber „geheimnisvoll“, wie Johannson es beschreibt, ihr Roman „Sanddornsommer“:

Stellen Sie sich vor, Sie kommen an einem strahlend schönen Sommertag auf Rügen an: Die Luft ist warm und weich auf Ihrer Haut, eine sanfte Brise weht und duftet frisch nach Salz und Meer, Sie atmen tief … ein!

Genauso ergeht es Franziska, die eigentlich auf der Insel nur eine berufliche Auszeit nehmen und sich vor ihrem 30. Geburtstag neu orientieren wollte. Aber dann verliebt sie sich Hals über Kopf – nicht nur in die Schönheit Rügens. Außerdem kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das sie seit ihrem zweiten Lebensjahr begleitet.

Knaur-Taschenbuch, 2014, ISBN: 978-3-426-51771-0

Weiterführender Link: lena-johannson.de

Ihre Bücher kauft man am besten in der Buchhandlung um die Ecke oder im fairen Internet-Buchhandel!

Termin: Do., 14. Apr. , 19h im elbdeich Moorburg e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg, www.elbdeich.org

 

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„Vorlesezeit ist geteilte Zeit“ https://www.tiefgang.net/vorlesezeit-ist-geteilte-zeit/ Thu, 29 Mar 2018 22:55:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3158 [...]]]> Rieke Patwardhan ist Kinderbuchautorin, die sich selbst nicht so bezeichnen würde. Auch plumpe Pädagogik ist nicht die ihre. Lieber Bücher, die man auf Bäumen liest. Bei der 3. SuedLese geht es also hoch hinaus …

Rieke Patwardhan schrieb mal über sich selbst, sie habe ihre Kindheit damit verbracht, auf Bäume zu klettern und dort alle Bücher zu lesen, die sie ihren großen Schwestern entwenden konnte. „Nach einer Buchhändlerlehre, dem Studium stetig wechselnder Geisteswissenschaften und einem Abschluss als Diplompsychologin lebe ich heute mit meiner Familie in Hamburg und schreibe Geschichten, die nun andere Kinder auf Bäumen lesen können.“ Das wollten wir mal genauer wissen und haben nachgefragt …

Tiefgang (TG): Ich habe zwar nie auf Bäumen gelesen, aber das Bild gefällt mir trotzdem sehr gut. Es veranschaulicht, dass man sich als Leser so in eine Geschichte vertiefen kann, dass man alles um sich herum vergessen kann.  Was hat dich dazu bewogen, Kinderbuchautorin zu werden? Spielt eine Rolle, dass Kinder einen besonderen Zugang zu Fantasie haben und begeisterungsfähig sind?

Rieke Patwardhan: Meine Bücher laufen zwar ganz klar unter Kinderbuch, trotzdem sehe ich mich gar nicht so sehr als Kinderbuchautorin. Ich möchte gern Geschichten erzählen, die sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern verstanden und nachgefühlt werden können.

Die ersten Kindergeschichten geschrieben habe ich eigentlich, um mich besser in die Gefühlswelt meiner Kinder hineinversetzen zu können – und dann hat es sich irgendwann verselbständigt.

TG: Die Namensgebung deiner Figuren Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer finde ich lustig. Wie kamst du darauf?

Rieke Patwardhan: Nicht ganz die gleichen Namen, aber doch recht verwandte, sind einfach aus mir „heraus geblubbert“, als meine eigenen Töchter klein waren.

TG: Worum geht es in der Geschichte „Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer bekommen Besuch“?

Rieke Patwardhan: Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer sind zwei von Alter und  Temperament her recht unterschiedliche Schwestern, die sich miteinander und mit den (aus ihrer Sicht) manchmal recht anstrengenden Ideen der Erwachsenen herumplagen. In diesem Band kommt ihr Opa aus Indien zu Besuch. Er ist in vielerlei Hinsicht anders als erwartet und bringt ihr Leben etwas durcheinander.

TG: Du hast Geisteswissenschaften studiert und eine Abschluss als Diplom-Psychologin. Deine Bücher sind Vorlesegeschichten. Ich unterstelle mal, dass du es für wichtig erachtest, dass Erwachsene sich Zeit zum Vorlesen zu nehmen. Welchen Einfluss vermutest du auf die kindliche Entwicklung?

Rieke Patwardhan: Vorlesezeit ist geteilte Zeit von Eltern und Kindern, Zeit in der das Kind idealerweise das Gefühl vermittelt bekommt „es ist gerade richtig schön, mit dir zusammen zu sein“ und so das Gefühl hat, ein wertvoller Mensch zu sein. Aus diesem Grund ist es ja so wichtig, dass Vorlesegeschichten auch den Eltern Spaß machen. Wie soll sich dieses Gefühl von „es ist gerade schön für mich mit dir“ vermitteln, wenn Eltern zum x-ten Mal ein Buch vorlesen, das sie zu Tode langweilt?!

TG: Welches waren die „Helden“ oder Hauptfiguren deiner Kindheit? In welcher Hinsicht fandest du sie vorbildlich?

Rieke Patwardhan: Oh weh… ich habe so unfassbar viel gelesen als Kind, dass das wirklich schwierig zu beantworten ist. Aber besonders in Erinnerung geblieben sind mir die „Wumme und Papa“-Bücher von Ernestine Koch, die leider nicht mehr lieferbar sind. An denen hat mir vor allem die pragmatische Art gefallen, mit der Wumme und Papa ihre Alltagsprobleme gelöst haben.

Und als etwas bekannteres Beispiel: Ich mochte Karlsson vom Dach, habe mich aber vor allem mit Lillebror identifiziert, der – genau wie ich – manchmal unter seinen sehr viel älteren Geschwistern zu leiden hatte und sich in seiner Familie wohl etwas einsam fühlte.

TG: Worin gehst du mehr auf – wenn du eine Idee für ein Buch hast, entwickelst und ausgestaltest oder wenn du es Kindern vorliest und die unmittelbare Reaktion erlebst?

Rieke Patwardhan: Ich brauche wohl beides. Die kreative Arbeit ist sicherlich etwas mehr mein Zuhause, damit verbringe ich ja auch viel mehr Zeit. Aber Schreiben ist ein immens einsames Geschäft, so dass ich den Kontakt zum Publikum bei Lesungen schon sehr genieße. Ich mag die oft spontanen Reaktionen der Kinder, und ihre Fragen überraschen mich immer wieder.

TG: Als gelernte Buchhändlerin hast du gewiss einen guten Überblick über den Markt. Was wünschst du dir an Lektüre für Kinder und Heranwachsende? Sollten interkulturelle Themen aus deiner Sicht eine größere Rolle spielen?

Rieke Patwardhan: Ich wünsche mir Bücher, die vor allem gute Geschichten erzählen und nicht allzu plump pädagogisch daher kommen. Insofern mag ich Interkulturalität weniger als „Thema“ denn als selbstverständliches, sichtbares Element in Büchern.

Illustratorin: Nina Dulleck

TG: Wie kam deine Kooperation mit der Illustratorin Nina Dullek zustande?

Rieke Patwardhan: Die Wahl der Illustratorin ist letztlich Verlagssache, aber sie hat in Absprache mit mir stattgefunden. Der Verlag hat mir mehrere Illustratoren vorgeschlagen und ich habe mich anhand ihres Portfolios für Nina Dulleck ausgesprochen.

TG: Sind weitere Bände geplant?

Rieke Patwardhan: Zur Zeit plane ich keine weiteren „Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer“-Bände, aber im Herbst wird ein Bilderbuch von mir erscheinen und im nächsten Frühjahr ein Kinderroman.

TG: Vielen lieben Dank für das Interview! Wir finden es großartig, dass die SuedLese auch für die kleinen Leser und Zuhörer etwas im Angebot hat.

 Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.

Termin: So, 22. Apr. 2018, 16:00 – 17:00 Uhr Kinderlesung m. Paul Kernstock + Rieke Patwardhan

elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 HH

Der Eintritt ist frei – eine Hutspende aber erwünscht!

Rieke Patwardhan, Illustrationen von Nina Dulleck: Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer kriegen Besuch

ab 5 Jahren, 144 Seiten mit 15 farbigen Abbildungen, Knesebeck Verlag

ISBN 978-3-86873-977-0, 12,95 €

Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer sind aufgeregt – sie bekommen Besuch ! Endlich lernen sie ihren indischen Opa kennen. Doch so ganz einfach wird es nicht. Denn plötzlich will Papa nur noch »echt indisch« kochen, es wird richtig eng in der Wohnung, und so manches Abenteuer will…

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