Elbphilharmonie – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Mon, 14 Dec 2020 15:44:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Junger Jazz mit alten Hasen https://www.tiefgang.net/junger-jazz-mit-alten-hasen/ Fri, 05 Oct 2018 22:47:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4253 [...]]]> Trompeter Randy Brecker ist ein Star im Jazz. Zu den Jubiläen der deutschen Nachwuchsförderer aber ist gerne dabei. Und das ist er nicht allein …

Am 11. Dezember 2018 präsentieren sich das Bundesjazzorchester (BuJazzO) und das Landesjugendjazzorchester Hamburg (LJJO Hamburg) erstmals zusammen im Großen Saal der Elbphilharmonie. Beide Ensembles feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen – ein einmaliger Anlass und passender Rahmen für ein gemeinsames Konzert mit dem amerikanischen Star-Trompeter Randy Brecker in dem renommierten Konzerthaus an der Elbe. Geleitet werden die Bigbands von Jiggs Whigham (Bundesjazzorchester) und Lars Seniuk (Landesjugendjazzorchester Hamburg). Brecker, Whigham und Seniuk haben übrigens alle mal im damaligen „Jazzclub im Stellwerk“ im Bahnhof Harburg gespielt, wenn auch nicht zusammen.

„Wir sind stolz, in der Elbphilharmonie zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen vom Landesjugendjazzorchester Hamburg und Randy Brecker unser gemeinsames 30. Jubiläumsjahr zu vollenden. Einen schöneren Ort hierfür können wir uns nicht vorstellen! Randy Brecker ist für viele unserer jungen Leute ein großes Vorbild und mit ihm gemeinsam auf einer Bühne zu stehen, ist für jede und jeden ein Traum“, so Dominik Seidler, Projektleiter des Bundesjazzorchesters.

„Für die Musikerinnen und Musiker des Landesjugendjazzorchesters ist dieses Doppelkonzert mit dem Bundesjazzorchester ein Jubiläums-Highlight. Die Zusammenarbeit freut mich ganz besonders, denn fünf Musikerinnen und Musiker der aktuellen Besetzung des Bundesjazzorchesters stammen ursprünglich aus dem Landesjugendjazzorchester Hamburg. Das zeigt den Erfolg und die Nachhaltigkeit unserer Jazz-Nachwuchsförderung in Hamburg“, meint Thomas Prisching, Geschäftsführer des Landesmusikrates Hamburg e.V.

Der Vorverkauf für das Konzert mit Randy Brecker startete bereits am 11. September 2018: www.elbphilharmonie.de. Tickets sind ab 13 € erhältlich über www.eventim.com und telefonisch unter Tel. 01806-570070.

Der mehrfache Grammy-Preisträger Randy Brecker ist in vielen musikalischen Genres zu Hause. Er studierte klassische Trompete und war Gründungsmitglied der amerikanischen Jazzrock-Band „Blood, Sweat & Tears“, spielte in den Bigbands von Clark Terry und Charles Mingus und ist auf über 700 Alben von Art Blakey bis Frank Zappa zu hören. Große Erfolge konnte Brecker mit seinem Bruder und der legendären Fusionband „The Brecker Brothers“ feiern.

Das Bundesjazzorchester prägt seit 30 Jahren als Ausbildungsorchester für Ausnahmetalente des deutschen Jazznachwuchses die Jazzszene in Deutschland. 1988 von Peter Herbolzheimer gegründet, gilt es als wertvolles Bindeglied zwischen Ausbildung und Beruf und als ausgezeichnete Talentschmiede für erfolgreiche Jazzmusiker von morgen. So bekannte Jazzmusiker wie Till Brönner, Roger Cicero, Michael Wollny, Julia Hülsmann und Tom Gaebel haben hier ihre Karrieren begonnen. Träger des Bundesjazzorchesters ist der Deutsche Musikrat. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die Daimler AG und der Westdeutsche Rundfunk teilen sich die Förderung des Projekts.
Das LJJO Hamburg, Spitzenensemble und Aushängeschild der Nachwuchs–Jazzförderung in Hamburg, zählt zu den führenden Auswahlorchestern Deutschlands und bietet unter der Leitung des jungen Ausnahmedirigenten Lars Seniuk Bigband-Jazz in seiner ganzen Klangvielfalt dar. Es vereint und fördert die besten jungen Jazzmusikerinnen und -musiker der Hansestadt. Das Ensemble wird getragen vom Landesmusikrat Hamburg e.V. und gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, der Zeit-Stiftung sowie der Hamburgischen Kulturstiftung.
Weitere Informationen: www.bundesjazzorchester.de, www.ljjo-hamburg.de

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Das Stimm-Fest https://www.tiefgang.net/das-stimm-fest/ Fri, 26 Jan 2018 23:52:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2933 [...]]]> Im Juni soll es in Hamburg stimmgewaltig zugehen. Und zwar durch die Laienchöre. Ort: die Elbphilharmonie.

In der Mitteilung heißt es:

„Singers Wanted! Alle Laienchöre aus Hamburg haben noch bis Sonntag, den 11. Februar, Gelegenheit, sich um die Teilnahme an der nächsten »Langen Nacht des Singens« am 23. Juni in der Elbphilharmonie zu bewerben. Die erste Veranstaltung dieser Art im vergangenen Sommer 2017 war ein einziges, rauschendes Fest der Stimmen. Auch die nächste Lange Nacht des Singens soll wieder so vielfältig, bunt, stimmgewaltig und begeisternd für Mitwirkende wie Publikum sein. Eine Fachjury bewertet die Einsendungen, die künstlerische Leitung der Veranstaltung liegt in den Händen von Frieder Bernius vom Kammerchor Stuttgart.

Anmeldung unter elbphilharmonie.de/de/spielmit

Ferienprogramm in der Elbphilharmonie
Für interessierte Kinder und Jugendliche finden in den Hamburger Frühjahrferien (5. bis 18. März) mehrere Mitmach-Workshops statt, für die man sich ab dem 1. Februar anmelden kann. Bei der »BeatObsession« (5. bis 8. März) trommeln die Teilnehmer in verschiedenen Kultureinrichtungen der Stadt unter Anleitung von professionellen Schlagzeugern auf Alltagsgegenstände und auch auf den eigenen Körper. Beim Tagesworkshop »Klassiko Saitentag« (16., 17., oder 18. März) bauen die Teilnehmer unter Anleitung der Musiker des Ensemble Resonanz ihr eigenes Instrument. Weiterhin möglich ist die Anmeldung für das »Kreativ Camp« für Schüler und junge Erwachsene. (5. bis 10. März). Bei dieser schöpferischen Freizeit steht der ureigene Ausdruck im Vordergrund, die Freude daran, etwas Klingendes aus sich selbst heraus zu erschaffen.

Anmeldung unter elbphilharmonie.de/de/ferienprogramm

Quelle: HamburgMusik gGmbH

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Das Wunder von der Elbe https://www.tiefgang.net/das-wunder-von-der-elbe/ Fri, 12 Jan 2018 23:16:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2843 [...]]]> Die Stadt Hamburg feiert die Bilanz der Elbphilharmonie wie ein erfolgreiches Dax-Unternehmen. Lässt sich mit Kultur also doch richtig Geld verdienen?  

„365 Tage Elbphilharmonie: Bilanz eines spektakulären Erfolgs“ ist die Headline der Pressemitteilung, die vor einigen Tagen aus dem Verteiler der Presseabteilung rauschte. Und in der Tat – das erste Jahr der Elbphilharmonie kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Aber geht es hier nur um Wirtschaftszahlen oder nicht auch um Inhalt?

In der Pressemitteilung heißt es:

„Die Elbphilharmonie Hamburg liefert ein Jahr nach ihrer Eröffnung eine beeindruckende Erfolgsbilanz ab. Rund 850.000 Gäste besuchten über 600 Konzerte, weit über 4,5 Millionen Besucherinnen und Besucher genossen in den ersten zwölf Monaten den spektakulären Blick von der Plaza auf die Stadt, nahezu 70.000 Personen nahmen an Konzerthausführungen teil, und die Musikvermittlungs-Angebote der Elbphilharmonie verzeichnen über 60.000 Menschen jeden Alters als Mitwirkende.

Vor einem Jahr, am 11. Januar 2017, wurde die Elbphilharmonie Hamburg mit einem Festkonzert im Beisein fast der gesamten damaligen Staatsspitze – Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle – feierlich eröffnet. Etwa ein Viertel der geladenen Gäste hatte die Teilnahme bei einer Ticketverlosung gewonnen.

Seither hat die vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Rund 850.000 Menschen haben über 600 vielfältige, stets künstlerisch exzellente Konzertveranstaltungen in den Sälen der Elbphilharmonie besucht.

Neben den Konzertreihen des NDR Elbphilharmonie Orchesters, des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des Ensemble Resonanz gastierten rund 70 Orchester in der Elbphilharmonie, darunter viele der besten Orchester unserer Zeit. Rund 130 Ensembles, Bands und Chöre sorgten für ein breitgefächertes Konzertangebot, das weit über die Klassik hinaus von Jazz über Weltmusik, Rock, Pop bis zu Elektronik und Hip Hop reicht. Mit zahlreichen Festivalformaten und thematischen Schwerpunkten sowie einer Reihe von Uraufführungen fiel die Programmkonzeption durchwegs auf äußerst positive Resonanz.

Insgesamt nahmen mehr als 60.000 Mitwirkende die vielfältigen Musikvermittlungsangebote wahr, die vom Babykonzert über Schulworkshops und Familienkonzerte bis zur regelmäßigen Teilnahme bei einem der fünf Mitmachensembles reichen. Im Rahmen der Elbphilharmonie Instrumentenwelt in den Kaistudios konnten im Kalenderjahr 2017 mehr als 18.000 Kinder und Erwachsene im Rahmen von Workshops erstmals die unterschiedlichsten Musikinstrumente ausprobieren.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: „Die Elbphilharmonie hat die internationale Wahrnehmung Hamburgs verändert und die Kultur hat ein neues Zuhause im Herzen der Stadt bekommen. Abend für Abend ausverkaufte Konzerte und rund 4,5 Millionen Besucher auf der Plaza zeigen die große Faszination, die dieses Haus und die Musik ausüben. Die Elbphilharmonie begeistert die Hamburgerinnen und Hamburger und unsere Gäste. Die bestechende Idee, mit einem Haus für alle einen kulturellen Identifikationspunkt zu schaffen, ist voll und ganz aufgegangen. Hamburg ist stolz auf die Elbphilharmonie und die kulturelle Vielfalt der Stadt, die sich auch in der Elbphilharmonie widerspiegelt.“

Generalintendant Christoph Lieben-Seutter: „Aus dem unglaublich dichten Programm des Eröffnungsjahres einzelne Höhepunkte hervorzuheben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Neben den unzähligen Konzerterlebnissen ist es nach wie vor eine tägliche Freude zu erleben, wie beeindruckt Besucher wie Künstler von der Elbphilharmonie und ihrer Atmosphäre sind.“

Die Nachfrage nach Konzertkarten ist auch ein Jahr nach der Eröffnung ungebrochen hoch und übertrifft bei einzelnen Konzerten das Platzangebot um mehr als das 20-fache. Bei Vorverkaufsstarts von besonders gefragten Konzerten oder Konzertreihen kommt daher weiterhin ein Vergabeverfahren zur Anwendung, das die Tickets unter allen Bestellern nach dem Zufallsprinzip vergibt. Regelmäßig ausgebucht sind auch die von der Elbphilharmonie angebotenen Konzerthausführungen, in deren Rahmen sich bereits rund 70.000 Menschen einen Eindruck vom Gebäude und seiner Geschichte machen konnten.

Die Plaza, die kostenlos zugängliche Plattform in 37 Metern Höhe mit der fabelhaften Aussicht über Stadt und Hafen, hat mit weit über 4,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern seit ihrer Eröffnung am 4. November 2016 selbst die optimistischsten Prognosen deutlich überschritten. Sie ist Hamburgs Besuchermagnet Nummer eins. Auch das exzellente Abschneiden Hamburgs in Städterankings international führender Medien wie der „New York Times“ oder in einflussreichen Reiseführern wie „Lonely Planet“ ist auch auf den gewaltigen Attraktivitätsschub der Stadt durch die Elbphilharmonie zurückzuführen.

Nicht zuletzt übertraf das Medienecho auf die Elbphilharmonie im Eröffnungsjahr alle Erwartungen. Mehr als 50.000 Artikel erschienen weltweit in Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen, Periodika aller Art sowie online. Die Website www.elbphilharmonie.de verzeichnete rund 50 Millionen Zugriffe, und die Live-Streams und Konzertmitschnitte auf der Plattform Elbphilharmonie Worldwide sowie in den Social Media-Kanälen der Elbphilharmonie wurden insgesamt rund drei Millionen mal aufgerufen.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

Man könnte meinen, wenn wir nur lange genug solche Elphi-Jahre haben, wird Hamburg noch die Baukosten wieder einspielen. Doch so einfach ist es nicht. Und aus kultureller Sicht ist durchaus kritisierbar, dass hier bewußt Augenwischerei betrieben wird. Jürgen Kesting in der FAZ titelt daher kritisch „Klassik light“ und merkt an: „Vielen Gästen scheint egal zu sein, was sie zu hören bekommen.“

Und auch wenn es viele nicht mögen hören wollen – an einer inhaltlichen Aussage ist was dran: „Wenn es eine Programmatik gab, so war es die der krassen, auch modischen Kontraste. Auf das Gastspiel des Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti folgte ein Abend mit dem amerikanischen Jazz-Pianisten Brad Meldau, auf die bruitistischen Attacken der „Einstürzenden Neubauten“ eine Aufführung von Haydns „Schöpfung“, auf Rossinis „La Cenerentola“ mit Cecilia Bartoli ein Jazz-Abend mit Michael Wollny; auf ein Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters mit Musik von Mahler ein Abend mit dem italienischen Liedermacher Paolo Conte.“

Und zu Recht titelt Stefan Grund  seinen Kommentar in der „Welt“ „Trotz Erfolgs bleibt Elbphilharmonie ein Zuschussgeschäft“ und verweist auf nicht genannte Fakten wie steigende Personalkosten und anderes.

Grunds Fazit: „Von einem Gewinn im eigentlichen Sinne kann dennoch keine Rede sein, denn bei sechs Millionen Euro Subvention jährlich bleibt die Elbphilharmonie unter dem Strich immer ein Zuschussgeschäft.“

Wie dem auch sei: so gut und schön es ist, dass die lang erwartete Elphi nun auch wirklich Interessen auf sich zieht, so muss man kein Wahrsager sein, um feststellen zu können – so wird es nicht bleiben und über Kultur selbst sagt es schlichtweg nichts, aber auch gar nichts aus. Zudem: es ist nicht zur Nachahmung empfohlen!

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Was ist uns unsere Kultur wert? https://www.tiefgang.net/was-ist-uns-unsere-kultur-wert/ Fri, 20 Oct 2017 22:16:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2337 [...]]]> „Mitten in Hamburg – Mitten am Tag: Was ist uns unsere Kultur wert?“ – das fragt sich auch unser Kultursenator und lädt zum Gespräch.

In der Pressemitteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung heißt es:

„Die Elbphilharmonie hat die Wahrnehmung Hamburgs als Kulturstadt verstärkt. Mit gut 300 Kultureinrichtungen ist sie so bunt wie die Gesichter der Stadt: von den großen Theatern und kleinen Bühnen über Festivals, Musicals, Museen und Galerien bis zu den unterschiedlichsten Musikclubs. Gerade diese Vielfalt macht urbanes Leben aus, liefert Anstöße, regt an, regt auf und inspiriert. Eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Carsten Brosda.

Welche Bedeutung kommt Leuchtturmprojekten dabei zu? Und wie kann es gelingen, die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird, auch auf andere Kulturprojekte zu lenken? Was wird unternommen, um noch mehr Menschen den Zugang zu den vielfältigen kulturellen Angeboten zu ebnen, Neugier zu wecken und Barrieren abzubauen? Welche Leitlinien bestimmen die Politik der Kulturbehörde? Welche Kriterien sind eigentlich entscheidend bei der Bewertung von kulturellen Projekten und deren Förderung? Wo besteht der größte Handlungsbedarf?“

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 2. November 2017, von 12.30 bis 13.30 Uhr  im  St. Petri Haus, Bei der Petrikirche 3, 20095 Hamburg statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldung notwendig, gerne via Internet unter www.julius-leber-forum.de per E-Mail an Hamburg@fes.de oder mit dem angefügten Anmeldebogen per Fax oder Briefpost. Sie erhalten per E-Mail eine Anmeldebestätigung.

Quelle: www.fes.de

 

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10 Jahre auf einem anderen Planeten https://www.tiefgang.net/10-jahre-auf-einem-anderen-planeten/ Sat, 29 Jul 2017 06:11:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1716 [...]]]> Das Andromeda Mega Express Orchestra feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges und Sie können leider nicht mitfeiern. Hinhören sollte man dennoch …

„Ein genresprengendes Faszinosum“ bezeichnete die Frankfurter Allgemeine Zeitung mal das Album „burn burn“ der dubiosen Kapelle namens Andromeda Mega Express Orchestra, kurz: AMEO. Aber es ist nicht nur das Album – es ist alles man AMEO, was Grenzen sprengt, fasziniert und vor allem wahrlich existiert.

Wer sich mit diesem Orchester – abgekürzt AMEO – beschäftigt, versteckt sich entweder hinter seinem Ofen oder kommt mit in andere Galaxien. Es spielt nun am 26. August 2017 und zum Ende des Jubiläumsjahres auch wieder in Hamburg. Aber die Tickets sind schon ewig ausverkauft – auch, weil der Ort des musikalischen Geschehens die Elbphilharmonie ist.

Schön für die, die im Frühjahr 2010 die Chance hatten, das Mega-Orchestra noch im Harburger Jazzclub im Stellwerk zu erleben. Dicht, hautnah und akustisch wie optisch umhauend offerierte es schon damals das unendlich scheinende Potenzial an Ideen, Möglichkeiten und Sphären, die es noch zu erkunden galt. Und gilt. Aber auch 2016 noch war es auf dem Konzertschiff MS Stubnitz im Hamburger Hafen zu erleben und es wird weiterhin sinnvoll sein, die Augen und Ohren offen zu halten so sich die Chance ergibt.

Das Orchester schöpft inzwischen aus einem mehr als 80 Werke umfassenden Repertoire und hat Ende 2016 das bereits vierte Album namens „Vula“ veröffentlicht. Dabei ist das 18-köpfige Andromeda Mega Express Orchestra mit Stammzelle in Berlin nicht nur eine neue Art eines Großensembles, sondern spricht auch eine vollkommen eigene musikalische Sprache: „Das Andromeda Mega Express Orchestra übertrifft alles Dagewesene. Big-Band-Bläsersätze und Free-Jazz-Eskapaden, für Neue Musik typische Kompositions-muster und ein spezifischer Pop-Appeal werden (…) zu einem Cocktail zusammengerührt, den man so noch nie gekostet hat.“ (Neue Zürcher Zeitung)

Jung und international

Neben allen Beschreibungen seiner Musik, Zusammensetzung und Art und Weise des Spieles muss man aber vor allem einer Sache Respekt huldigen: es existiert berteist seit 10 Jahren und ohne feste Förderung wie etwa ein Staatsorchester oder so. Das selbstorganisierte Orchester arbeitet wie kein zweites freies Großensemble konstant und experimentier-freudig zusammen. Es besteht aus jungen, gefragten Musikern aus verschiedenen Nationen, die sich sonst in ganz unterschiedlichen musikalischen Ecken und Konstellationen bewegen – u. a. mit dem Ensemble Intercontemporain, Tony Allens Afrobeat, mit Jazzmeister Kenny Wheeler, der Camerata Bern oder dem Konzeptkünstler Cory Arcangel. Das Orchester spielt vor allem Kompositionen seines Leiters und Saxophonisten Daniel Glatzel: „Musikalischer Witz, eine zitatenreiche Collagenkunst, die die Beliebigkeit der Postmoderne vergessen lässt, und eine instrumental-technische Klasse der Musiker, die nicht zum Selbstzweck wird: variabel, kontrastierend, subtil.“ (Jazzthing)

Interview + Musik auf Deutschlandradio Kultur

Das AMEO gilt durch seine packende Intensität und furiose Spielfreude trotz des komplexen Klangmaterials auch als besonders zugänglicher und mitreißender Publikumsliebling. Jedes Konzert gleicht einem farbenreichen Abenteuertrip, den man garantiert kein zweites Mal so erleben wird oder gar vorhersehen kann. „Eine Musik, die wahnsinnig viel Spaß macht und extrem intelligent gemacht ist. Vielfalt auf technisch hervorragendem Niveau.“ (BR Klassik)

Klanglabor der Welt

Als Klanglabor ist das Andromeda Mega Express Orchestra auch Veranstalter und Kurator von Festivalreihen, die zum Teil bereits als „eines der bundesweit schillerndsten Konzepte“ (Hamburger Abendblatt) bezeichnet wurden. Die langfristig und fest zusammenarbeitende Gruppe von Musikern gleicht einem vielteiligen Mosaik der aktuellen Musikszene: Die Mitglieder sind Spezialisten diverser Stilrichtungen – Jazz und Neuer Musik, Klassik, Afro-Funk, Electronica, Progressive Rock und Freier Improvisation, sowie Tanz, Theater und Contemporary Performance. Sie arbeiten regelmäßig mit renommierten Künstlern ihrer Gattung zusammen, z.B. als feste Mitglieder im Ensemble Intercontemporain, The Notwist oder als Solisten mit Kenny Wheeler, Tony Allen, Cory Arcangel, Robert Wilson, Bobby Hutcherson, Camerata Bern und und und …

Abstruse Orte: Das Stadtbad von Berlin Wedding (Foto: Gianmarco Bresadola)

AMEO ist aus einem Bedürfnis entstanden, Musikgenres zu transzendieren und durch stetiges Experimentieren neue, originelle Klanglegierungen zu schaffen. In einem offenen, diskursiven Arbeitsprozess wird in familiärer Atmosphäre (deutlich mehr “Band” als “Ensemble”) und mit großen Enthusiasmus und Forscherdrang dem hohen Anspruch nachgegangen, die der Gruppe inhärenten inhaltlichen, stilistischen und logistischen Problemstellungen zu meistern.

Der Klangkörper ist durch seine ungewöhnliche Instrumentierung wendig und flexibel, ändert seine Gestalt in teils rasantem Tempo, ruft Assoziationen hervor und entlarvt diese durch mal subtile, mal hochenergetische Art als Trugbilder und Hüllen eines inneren musikalischen Kerns. Das mit Streichern, Bläsern, Vibraphon, Harfe, Synthesizer, Schlagzeug etc. ungewöhnlich besetzte Orchester bewegt sich dabei zwischen ausgeklügelten Klangstrukturen und purer Spielfreude.

„Fantastic. Some of the most detailed jazz-writing you’re likely to find. Clearly a group that stands out and is on the rise.“ (BBC Radio)

Kurzum: ZIEHT EUCH DEN STOFF REIN und so eine Chance besteht: live erleben!

Weitere Termine:

  1. Okt. 2017: Berlin, Musikbrauerei
  2. Okt. 2017: Bremen, Theater Bremen
  3. Okt. 2017: Köln, Philharmonie
  4. Okt. 2017: Ludwigshafen, Enjoy Jazz Festival
  5. Okt. 2017: Salzburg (A), Jazz & The City

 Derzeitige Besetzung:

Oliver Roth, Laure Mourot (Flöten), Sebastian Hägele (Fagott), Johannes Schleiermacher (Saxophone, Flöte), Ritsche Koch, Magnus Schriefl (Trompete), Till Künkler (Posaune), Maria Schneider (Vibraphon, Percussion), Jörg Hochapfel (Synthesizer, Sampler), Anna Viechtl (Harfe), Kalle Zeier (Gitarre), Andi Haberl (Schlagzeug), Fabiana Striffler, Grégoire Simon (Violine), Martin Stupka (Bratsche, Blockflöte), Isabelle Klemt (Cello), Matthias Pichler (Kontrabass), Daniel Glatzel (Komposition, Leitung, Klarinetten, Saxophone)

Website: www.andromedameo.com

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Der Vielklang der Gesellschaft https://www.tiefgang.net/der-vielklang-der-gesellschaft/ Sat, 29 Apr 2017 06:00:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=968 [...]]]> Der Landesmusikrat Hamburg hat zusammen mit weiteren Musikinstitutionen das  „Netzwerk Musikstadt Hamburg“ gegründet. Denn mit der Elbphilharmonie allein ist kein Stadtstaat zu machen …

Zu den weiteren sieben Gründungsmitgliedern gehören auch das Clubkombinat Hamburg, die Handelskammer Hamburg, die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, das Jazzbüro Hamburg, das Netzwerk Musik von den Elbinseln, RockCity und der VUT Nord. Unterstützt wird das Netzwerk zudem u.a. von Tonali, der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Urban Music Studies Scholars Network.

Seitens des Landesmusikrates heißt es dazu:

„Die Netzwerkpartner werden sich künftig regelmäßig treffen, um sich über anstehende Themen in Bezug auf die Musikstadt Hamburg auszutauschen. Im Fokus dieses Forums für die Musikszene Hamburgs stehen die Verbesserung von Kommunikation und Zusammenarbeit der Musikakteure untereinander und der Dialog mit Behörden und Politik. Das Netzwerk soll die Erarbeitung von Ideen und Maßnahmen zur Förderung der „Musikstadt Hamburg“ als Zusammenspiel von Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft vereinfachen und lädt dafür alle Musikakteure der Stadt ein, sich aktiv zu beteiligen.

Die Vertreter der Gründungsmitglieder unterzeichneten in der Handelskammer eine entsprechende Absichtserklärung, die auch das Selbstverständnis des Netzwerks formuliert.

´Das Musikleben Hamburgs ist nicht nur geprägt von Musicals, Festivals, der Elbphilharmonie und einer lebendigen Clubszene, sondern auch von den vielen Chören und Orchestern der Laien- und Amateurmusik. Gerade sie ermöglichen breiten Bevölkerungskreisen eine kulturelle Teilhabe, die in Ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf`, betonte Rüdiger Grambow, Präsident des Landesmusikrates. ´Das Netzwerk will dazu beitragen, dass die verschiedenen Musiksparten und Genres bei der Weiterentwicklung der Musikstadt Hamburg zusammenwirken.`“

(Quelle: Landesmusikrat in der Freien und Hansestadt Hamburg e.V.)

Musizieren bedeutet immer Verständigung

Der Landesmusikrat hatte erst zum Jahresende 2016 eine Musikstadt-Kampagne – Zusammenfinden für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“ gestartet und dies auch als klare Botschaft zum G20-Gipfel im Juli 2017 formuliert. Dazu hieß es einleitend:

„Der Landesmusikrat Hamburg befürwortet eine offene und pluralistische Gesellschaft. Ausgrenzung, das Schüren von Ängsten und undemokratische Handlungsansätze widersprechen dem humanistischen Gesellschaftsbildseiner Mitgliedorganisationen. Musiker/-innen widmen sich in ihrem Schaffen dem eigenen kulturellen Erbe und dem sogenannten Fremden in gleicher Weise. Musizieren bedeutet immer Verständigung, ist ein gemeinschaftliches Agieren. Individuelle Fähigkeiten verschmelzen zum Gemeinschaftsergebnis.

Die eigene Position dient beim Musikmachen immer einer übergeordneten Position. Gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung sind für Musiker/-innen selbstverständlich. Der Landesmusikrat positioniert sich im gesellschaftlichen Diskurs deutlich gerade im Hinblick auf das Jahr2017, in dem die Welt auf Hamburg und die Elbphilharmonie schaut.

Nicht nur in diesem herausragenden Konzerthaus soll Musik als Grenzen überbrückende Sprache Zeichen setzen, dass in ganz Hamburg für alle Menschen das Leben lebenswert ist.“

Ob das nun neue Netzwerk Teil oder Ergebnis dieser Kampagne ist, bleibt abzuwarten.

(26. Apr. 2017, hl)

 

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Öffentlicher Aufruf zu mehr Süder-Elb-Viel-Harmonie https://www.tiefgang.net/oeffentlicher-aufruf-zu-mehr-sueder-elb-viel-harmonie/ Sat, 25 Feb 2017 08:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=646 [...]]]> Hamburg hat sein neues, beeindruckendes Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie. Es hat reichlich Zeit und Geld gekostet, aber nun steht sie da, die gläserne Königin der Nachtmusik und bietet den Besuchern manch schönes Klangerlebnis. Think big, dachten sich die Vordenker und verwirklichten diesen schönen Palast.
Und jetzt komme ich. Aber keine Sorge. Ich werde nicht gegen die Elbphilharmonie Stimmung machen, sondern will für weitere Kulturprojekte werben, die ebenfalls der Förderung bedürfen, wenn auch vergleichsweise kleiner und bescheidener.
Südlich der Elbe möchten wir viel Harmonie verbreiten und zwar bei der ´Suedlese`, einer Veranstaltung zur Förderung von Begegnung mit Menschen und Texten. An verschiedenen Orten werden vom 21. März bis 13. April diverse Lesungen stattfinden. Unter anderem im Kulturverein „Alles wird schön“ in der Friedrich-Naumann-Str. 27 in Harburg-Heimfeld. Dort trifft sich nämlich vierzehntägig die „Schreibwerkstatt“, seit 12 Jahren unter der fachkundigen, ehrenamtlichen Leitung von Kerstin Brockmann, die uns freie Autoren erfolgreich dirigiert, damit jeder einzelne den eigenen, richtigen Ton trifft. Wir üben für uns, um uns auszutauschen und besser zu werden. Doch darüber hinaus gibt es auch „Offene Leseabende“, an denen uns Gäste und Feedback von Besuchern willkommen ist.
Und im Frühjahr kommt erwartet die Öffentlichkeit dank der Initiative von Suedkultur ein Highlight. Wir sind natürlich im Rahmen der Suedlese mit von der Partie. Wie im vergangenen Jahr stellen wir uns einem neugierigen Publikum und trage Texte vor. Diese Großveranstaltung ist regional und saisonal. Sie soll jedes Jahr stattfinden und Menschen zusammenbringen, die es lieben zu schreiben und zu lesen bzw. vorzulesen und zuzuhören. Die Präsentation der Werke findet in kleineren Kreisen statt und ist nicht zu vergleichen mit der Großkultur in der Großstadt Hamburg, aber es kostet auch etwas, sowas auf die Beine zu stellen. Von nix kommt nix. Neben viel ehrenamtlichen Engagement leider auch richtiges Geld, um z. B. Programmhefte drucken zu lassen, damit sich Besucher zurechtfinden. Wo findet wann welche der 28 Lesungen statt? Wir möchten auch ein wenig Werbung machen und brauchen dafür Plakate. Für die Druck- und Nebenkosten fehlen uns immer noch rund 2.000 €.
Hier und jetzt bitte ich um finanzielle Unterstützung, damit wir unseren Traum weiterträumen und verwirklichen können. Träger von Spendierhosen und –röcken mögen sich bitte-bitte sehr-sehr gerne melden, am besten direkt bei Heiko Langanke von Suedkultur. Lasst uns Kultur fördern und fordern! In diesem Sinne: „Alles wird schön“.

Viele Grüße von eurer Philo Sophie

Hier zum Spendenportal

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„Russendisko in der Elbphilharmonie“ https://www.tiefgang.net/russendisko-in-der-elbphilharmonie/ Sat, 18 Feb 2017 08:00:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=607 [...]]]> Wladimir Kaminer lebt seit 1990 in Berlin und wurde mit dem Buch „Russendisko“ landesweit zum Kult-Autor. Im April kommt er zur SuedLese nach Harburg. Grund genug, mal einiges im Vorfeld zu klären …

Tiefgang (TG): Mal eine nicht ganz so ernst gemeinte Frage zu Beginn: vor kurzem eröffnete die Elbphilharmonie, würden Sie dort auch mal gerne lesen?

Wladimir Kaminer: Lesen? Oder ob ich dort auflegen will? Ich habe neulich ein paar Bilder von dem Bau gesehen. Das wäre sicher toll, wenn ich dort lesen oder besser noch Platten auflegen dürfte. Wenn wir dort mal die `Russendisko´ machen. Warum nicht? Das würde sicher viel Spaß machen und wäre sicher auch für Hamburg ein klasse Event.

TG: Zu Ihrem Buch ´Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger`, das Sie am 4. April bei der SuedLese vorstellen werden. Kann man es als eine Hommage an die Frau Mutter bezeichnen?

Kaminer: Eine Hommage? Nein. Ich weiß nicht. Eine Hommage würde ich es nicht nennen. Ich habe auch vorher schon über meine Mutter oder meine Schwiegermutter geschrieben. Aber es geht nicht um sie, sondern um die Geschichten, die sie als Menschen erleben. Es passiert so viel in der ganzen Welt, in der Weltpolitik. Und das Leben im Alltag kann dies gut aufzeigen. Meine Mutter ist jetzt 85 Jahre, sie hat viel erlebt und macht ganz viel, interessiert sich, geht in Konzerte … Aber im Supermarkt um die Ecke scheitert sie … Das ist es, worum es ja wirklich geht.

TG: Wie fand Ihre Mutter es denn, dass sie zum Sujet des Buches wurde?

Kaminer: Sie fand es toll. Sie hatte das Buch, glaube ich, als erste gelesen. Sie lachte und wunderte sich, was sie so alles in ihrem winzigen Leben macht. Sie fand es gut, dass ich es so wahrnehme.

TG: Ihre Mutter, Sie sagten es gerade selbst, ist 85, Sie selbst sind Ende 40 und Ihre Kinder dürften auch schon erwachsen sein. Würden Sie das die generationsübergreifende Geschichte einer Familienintegration nennen?

 Kaminer: Naja, das ist eine schwierige Frage. Denn was soll Integration denn sein? Integration setzt ja immer voraus, dass da etwas ist, was integriert. Aber wer oder was soll denn integrieren?

TG: Was halten Sie denn überhaupt von der aktuellen Integrationsdebatte?

Kaminer: Wissen Sie, Anfang der neunziger Jahre in Berlin war die Mauer gefallen, Häuser standen leer oder wurden besetzt, alles war in Aufbruch und hat sich neu erfunden. Wer sollte da wen integrieren? Seitdem hat sich Deutschland immer und immer wieder verändert. Deutschland ist heute ein sehr weltoffenes Land. Viele Leute ziehen hier her und leben hier in ihren Nischen …

TG:  Mir sagte neulich der bekannte Jazzmusiker Gunter Hampel, der Tanz- und Musik-Workshops mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen macht, dass man in Sachen Integration vielleicht bisher vergisst, auch unsere, die deutsche Kultur zu zeigen und nahe zu bringen … Dass man vergisst, sich auch der deutschen Kultur bewusst zu werden.

 

„Trump ist wie die Schlange von Adam und Eva“

 

Kaminer: Ja, da ist was dran. Er hat vermutlich recht. Kultur verbindet und durch sie lernt man die Menschen kennen. Ja, das ist wohl so. Und es ist wichtig.

Wissen Sie, überall auf der Welt spielt Politik verrückt und Menschen flüchten. Und Deutschland steht dabei für Freiheit und ist dabei vielleicht sogar die Speerspitze von gelebter Freiheit in ganz Europa!

TG: … a propos ´verrückt spielen`. Was sagen Sie denn zu Trump – wenn Sie dazu überhaupt etwas sagen wollen …?

Kaminer: Aber ja, will ich. Wissen Sie, ich habe einige Interviewanfragen und schreibe auch einige Kolumnen für verschiedene Zeitungen. Und auf einmal sagen alle, „aber bitte nichts zu Trump und Amerika. Dazu haben wir schon seit Wochen genug“. Und es ist ja so. Jeden Tag haben wir Schlagzeilen nur noch zu Trump.

Aber nun zu Trump: Trump ist ein absolut ungebildeter Mensch. Er ist wie die Schlange von Adam und Eva. Er erzählt den Leuten Lügen und verführt sie. Trump ist ein Verführer. Er ist mit so vielen Firmen und Projekten gescheitert und jetzt ist er drei Wochen im Amt. Man wird sehen, was daraus wird, wenn er seine Versprechungen nicht einhalten kann. Aber dass ausgerechnet Amerika, das immer viel vom Handel gelebt hat, nun dem Protektionismus verfällt … das wird nicht funktionieren.

TG: … vielleicht so etwas wie ein Kulturschock?

Kaminer: Ja, Kulturschock trifft es wohl ganz gut …

TG: Mal zu Ihnen als Kulturmensch. War das Schreiben schon immer Ihre große Leidenschaft?

Kaminer: Das Schreiben? Nein, vielleicht eher das Geschichtenerzählen. Ich bin eher ein Geschichtenerzähler. Denn das ist es, was von Menschen bleibt. Häuser gehen in Schutt und Asche, Menschen sterben. Aber was bleibt, sind ihre Geschichten. Und das ist mir wichtig. Daher sehe ich mich weniger als Literat.

TG: Es gibt ja noch mehr als das Wort und die Sprache. Wie war es mit der Malerei? Können Sie sich an Ihr erstes Bild erinnern, das Sie beeindruckt hat?

Kaminer: Mein erstes Bild? Ja, das hing in unserer Küche. Mein Vater hatte es vermutlich aus einer Zeitung irgendwo ausgeschnitten und an den Küchenschrank geklebt. Es war von (Pieter) Brueghel – eine Schneelandschaft und es verfolgte mich mein Leben lang. Ich dachte immer, so ist meine Heimat. Noch heute denke ich oft an das Bild.

TG: Und Theater? Hat Sie das auch beeinflusst?

Kaminer: Aber ja. Theater war in Russland schon immer sehr wichtig. Wenn man etwas erleben wollte, dann ging man ins Theater. Auch ich mag Theater absolut.

TG: Wie war es mit der Musik? Was hat Sie da beeinflusst oder geprägt?

Kaminer: In der Musik war es seit meiner Jugend die Underground-Musik. Die hat mir erstaunlicherweise meine Mutter immer besorgt. Durch sie bin ich überhaupt zu ihr dazu gekommen. Schon komisch …

TG: Noch mal zu Ihnen als Autor … es gab vor einiger Zeit ein Urteil zu den Urheberrechten von Autoren. Demnach muss die ´Verwertungsgesellschaft Wort` die Tantiemen ausschließlich an den Autor statt wie bisher auch an Verlage ausschütten. Viele Verlage fürchteten um ihre Existenz. Ist das ein Thema zwischen Ihnen und Ihrem Verlag?

Kaminer: Aber ja. Auch ich habe einen Brief bekommen, in dem ich unterschreiben sollte, dass ich auf Forderungen gegenüber meinem Verlag verzichte. Das habe ich auch getan. Verlage haben es schwer und als Autoren können wir froh sein, dass sie ihre Arbeit machen. Sie sind wichtig und müssen auch Entwicklungen mit gehen, die auch Geld kosten. Alle haben mal vom E-Book gesprochen und alle Verlage mussten hier auch Geld investieren. Aber viel gebracht hat es nicht. Heute sind gerade junge Menschen ja keine langen Bücher mehr gewohnt. Sie sind bei Facebook oder Twitter und nach ein bis zwei Sätzen hört es auf. Da ist es wichtig, dass Bücher nach wie vor herausgebracht werden. Daher habe ich großen Respekt vor meinem Verlag und bin froh, dass es ihn gibt.

TG: Das nächste Buch ist schon in Arbeit. Was erwartet uns?

Kaminer: Ja, es heißt „Goodbye Moskau“ und es kommt jetzt Ende Februar heraus. Es ist toll. Und es geht darum, dass dieses Jahr die Russische Revolution 100 Jahre alt ist. Russland ist noch immer und war immer eine Revolution. 100 Jahre feiern die Menschen Revolution. Die Menschen erleben jeden Tag ihre Revolution. Ihre ganz eigene Revolution. Darum geht es.

TG: noch ein typisch hamburgische Schlussfrage: trinken Sie Astra oder Holsten?

Kaminer: Astra. In Hamburg natürlich Astra.

TG: Na, dann treffen wir uns hoffentlich auf ein Astra am 4. April bei der SuedLese. Vielen Dank für das Interview.

Kaminer: Ja, gerne. Auch vielen Dank und bis dahin.

 

Wladimir Kaminer liest am Die., 4. April um 20h in der Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstr. 4, 21073 Hamburg. Vorverkauf 15,- € über die Bücherhalle, Volkshochschule Harburg oder Buchhandlung am Sand.

 

Das Buch:

Wladimir Kaminer: Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger –  Ein Unruhestand in 33 Geschichten, € 17,99, erschienen: 22.08.2016 , gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-442-54759-3

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