Facebook https://www.tiefgang.net Sat, 31 Oct 2020 11:00:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Platte Formen von Medien https://www.tiefgang.net/platt-form-mit-folgen/ Fri, 17 May 2019 22:38:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5264 [...]]]> Medien und ihre Nutzer stehen starke Umbrüche bevor. Das Portal YouTube geht da voran. Und das hat Konsequenzen.

Twitter, Facebook und YouTube haben den Trend zur inhaltlichen Verkürzung und dramaturgischen Zuspitzung stark beschleunigt. Gleichzeitig werden diese Medien für Jugendliche und Kinder zur primären Quelle für Informationen. Doch was wird dort eigentlich „gesendet“? Die Studie über YouTube geht diesen Fragen nach, klärt aber auch grundsätzlich über die Funktionsweise der Videoplattform auf.

„Unboxing YouTube – Im Netzwerk der Profis und Profiteure“ ist der Titel einer nun veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Sie hat das bei gerade jüngeren Menschen beliebte Video-Portal YouTube untersucht und kommt zu klaren Thesen. Einige haben wir zusammen gestellt:

  • „Für den einen, älteren Teil sind das Internet allgemein und Plattformen wie YouTube im Speziellen nach wie vor weitgehend „Neuland“ (Kanzlerin Angela Merkel). Die Nutzung erfolgt meist ergänzend zur analogen Medienwelt. Dagegen hat sich der andere, jüngere Teil vollständig in der digitalen Welt eingerichtet. Zeitvertreib, Unterhaltung und Wissensvermittlung werden für viele längst nicht mehr durch Journalist*innen über TV, Hörfunk oder Tageszeitung transportiert, sondern über die Stars und Vorbilder, die „Influencer“, der sozialen Medien. Das bleibt nicht ohne Folgen – und muss unter anderem zu der Frage führen, was in dieser „anderen“ Medienwelt konkret vermittelt wird.“
  • „Die zaghaften gesellschaftlichen Debatten über den Umgang und die Ansätze zur Regulierung dieser neuen Öffentlichkeit, die zurzeit erkennbar sind, greifen angesichts der Tiefe der schon stattfindenden Umwälzung noch immer viel zu kurz. Die Aufklärung darüber, was einzelne Plattformen wie YouTube tatsächlich sind und was sie nicht sind, muss weiter vorangetrieben werden. Aber auch die Frage, wie die Förderung von anspruchsvollerem Content verstärkt und die Idee einer gemeinwohlorientierten Alternative konsequent weitergedacht werden kann, stellt sich immer deutlicher.“

(im Vorwort Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto-Brenner-Stiftung, eine Stiftung der Gewerkschaft der IG Metall)

brachiale Geschmacklosigkeit

  • „Handelt es sich bei YouTube um ein basisdemokratisches Medium zur kulturellen Selbstermächtigung, das obendrein Feuerwerke der Kreativität entfacht? Oder ist der Videodienst eine durchkommerzialisierte
  • Werbeplattform, deren Inhalte nur so vor Trivialität strotzen?“
  • „In Deutschland nutzen laut ARD/ZDF-Online-Studie von 2018 zwei Drittel der 14- bis 29-Jährigen täglich YouTube, bei Kindern dürfte der Anteil sogar noch höher liegen. Sie wollen sich damit in erster Linie zerstreuen.“
  • „Während Umfragen zeigen, dass die ‚Jugend von heute‘ weltoffen, pragmatisch und bis zu einem gewissen Grade auch post materialistisch eingestellt ist, predigt die große Mehrheit der digitalen Meinungsführer einen ungezügelten Konsum und führt dem jungen Publikum tradierte Rollenbilder von Mann und Frau vor.“
  • „Fest steht: Influencer sind in den vergangenen Jahren immer mehr zu Unternehmern geworden. Fest steht auch, dass sie in aller Regel nicht alleine agieren, sondern operative und strategische Unterstützung genießen. YouTube-Netzwerke und -Agenturen bringen Unternehmen und ihre Marken mit dazu passenden Influencern zusammen, unterstützen die YouTuber bei der professionellen Produktion und Nachbereitung der Videos, helfen ihnen bei der konzeptionellen Weiterentwicklung und greifen ihnen vor allem bei der Erzielung von Reichweite und der Vermarktung der Videos und beworbenen Produkte unter die Arme.“

Fazit:

  • „Wer YouTube erkunden will, beschäftigt sich mit einem digitalen Eisberg. Das Gros des Bergs liegt unter Wasser und bleibt damit verborgen. Entscheidend ist in diesem Fall jedoch die Spitze, die für die meisten Zuschauer sichtbar ist.“
  • „YouTube ist in erster Linie eine Plattform für Unterhaltung. Bei aller Vielfalt, die das Videoportal bietet, und bei einigen Ausnahmen muss man nach der Auswertung der deutschen Top-100-Kanäle zu dem Ergebnis gelangen, dass auf YouTube die platte Unterhaltung regiert. Um es zuzuspitzen: Mittzwanziger, die ihre Pubertät nicht überwunden zu haben scheinen, bespaßen Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren mit banalen Aktionen, Gags und Spielen, die sich überdies oft durch brachiale Geschmacklosigkeit auszeichnen.“

Die rund 150 Seiten umfassende Studie samt Vorschlägen zum künftigen auch gesetzgeberischen Umgang mit diesen „social medias“ finden sich als kostenfreie Online-Ausgabe unter: www.otto-brenner-stiftung.de

 

 

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Digitale Spendenakquise https://www.tiefgang.net/digitale-spendenakquise/ Fri, 30 Nov 2018 23:46:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4566 [...]]]> Früher ging man mit dem Klingelbeutel von Tisch zu Tisch, heute macht man Crowdfunding im Internet. Auch über Facebook kann man nun Spenden sammeln.

 Das „Haus des Stiftens“ erklärt in einem Beitrag, worum es geht und wie man es einsetzen kann.  Ob es sich lohnt, musst Du selbst herausfinden.

 „Spenden für eine gemeinnützige Organisation über Facebook sammeln – das ist seit September 2017 auch in Europa möglich. Erstmals vorgestellt wurde der „Donate“-Button für Facebook-Seiten im Dezember 2013. Im November 2015 wurde das letzte große Update veröffentlicht und die Funktion komplett überarbeitet. Wie der Spenden-Button funktioniert, erklärt dieser Beitrag.

Laut einem Beitrag von Mark Zuckerberg vom 15. August 2018 sammelten allein Geburtstags-Fundraiser auf Facebook innerhalb eines Jahres über 300 Millionen US-Dollar für über 750.000 gemeinnützige Organisationen.

Facebook bietet gemeinnützigen Organisationen mehrere Möglichkeiten an, um Spenden zu sammeln. Organisationen, die die Zahlungsplattform von Facebook zur Verarbeitung der Spenden nutzen, zahlen keine Gebühr. 100 Prozent der Spenden gehen an die gemeinnützige Organisation.

Auch private Facebook-Nutzer können einen Spendenaufruf starten. Das geht zum Beispiel zum eigenen Geburtstag. Dabei geht es natürlich nicht darum, einen Spendenaufruf für sich selbst zu starten, sondern für eine der gemeinnützigen Organisationen auf Facebook. Dementsprechend ist die Funktion auf Facebook nur dann verfügbar, wenn man eine Organisation auf Facebook auswählt.

DIE SPENDEN-FUNKTION AUF FACEBOOK IM ÜBERBLICK

Der Spenden-Button im Kopfbereich der Seite
Gemeinnützige Organisationen können einen Spenden-Button in ihrer Seitenüberschrift sowie bei Werbeanzeigen hinzufügen und die Menschen so zum Spenden auf eine Webseite Ihrer Wahl weiterleiten.

Der Spenden-Button in Beiträgen
Berechtigte gemeinnützige Organisationen können zudem einen Spenden-Button in Seitenbeiträgen, in der Seitenüberschrift und in Live-Videos einfügen, sodass Nutzer in wenigen Schritten direkt auf Facebook spenden können.

Spendenaktionen
Über Spendenaktionen können Personen Geldmittel für eine gemeinnützige Organisation auf Facebook sammeln. Unterstützer richten eine spezielle Seite ein, auf der sie ihre Geschichte erzählen, Details zum guten Zweck der Organisation liefern und einen Spendenaufruf starten.

Facebook-Spendenaktionen sind einfach durchzuführen. Nach einer Registrierung klickt man auf den Spendenaktion-Tab in der linken Seitenleiste der Facebook-Startseite. Über das Erstellungstool von Facebook kann man die Aktion mit Dauer und Fundraisingziel angeben, und die Spendenaktion wird sofort veröffentlicht.

Was die Zukunft bringt
Facebook ist zudem dabei, eine wiederkehrende Spendenoption einzuführen. Mit dieser Funktion können sich Facebook-Spender dann für eine monatlich oder jährlich wiederkehrende Spende anmelden, genauso wie das auf einer Spendenplattform möglich ist.

Außerdem arbeitet Facebook an der Integration von Daten im Austausch zwischen Facebook und anderen Online-Fundraising-Tools. Bisher werden Informationen zu Spendenaktion auf der Facebook-Plattform nicht automatisch in andere CRM-Systeme übertragen, die sie für weitere Spendenaktionen verwenden.

Das soll sich bald ändern. Die Integration befindet sich derzeit im Beta-Test und soll den Benutzern ermöglichen, die Spendenverfolgung zwischen Facebook und anderen Spendenplattformen nahtlos zu spiegeln.

Das bedeutet: Spendenberechnungen sollen zukünftig zwischen mehreren Plattformen synchronisiert werden können. Non-Profits können damit dann alle Transaktionen innerhalb eines Systems verwalten – und gleichzeitig die Sichtbarkeit der Spendenkampagne auf Facebook erhöhen.“

Quelle: hausdesstiftens.org

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Das Ende des Nachtlebens https://www.tiefgang.net/das-ende-des-nachtlebens/ Fri, 08 Sep 2017 22:38:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2043 [...]]]> Jede Generation hat ihre Abstürze, ihre Partys, ihre Fehltritte, ihre Dummheiten und ihre gemeinsame Zeit. Und an keinem anderen Ort kann das besser ausgelebt werden, als in den Clubs und Discos. 

Das Ende ist nahe …

Die stillen Zeugen heimlicher Küsse, Beziehungsdramen, neuentstehender Freund- und Liebschaften, Geburtstagsfeiern, kaum sichtbarer oder übertriebenen Tanzbewegungen – sie sterben aus. Teilweise über Jahrzehnte hinweg trotzten Diskotheken allen Widrigkeiten, allen Krisen, allen Katastrophen. Doch die selbsternannte Generation „Party Hard“ schafft es, diesen Legenden den Saft abzudrehen.

Abgesägt sind bereits die Großraumdiscos. Die Gelddruckmaschinen von einst sind heute nicht mehr als eine verfallende Fotokulisse mit ein paar tausend Quadratmetern. Vor zwei Jahren meldeten mehr als 60 dieser Drucktempel Konkurs an. Im Jahr darauf stieg die Zahl noch einmal um über 50% mehr an. Natürlich gibt es noch vereinzelt diese Megaparks, die es mit verschiedenen Areas schaffen, ein breites Publikum zu gewinnen. Sie sind die kleine Widerstandstruppe in einer Welt aus gemauerten Zombies, die in Untoten-Manier – innerlich leer, äußerlich verrottet – stets daran erinnern: du könntest bald einer von uns sein …

Geschäftsmänner, Insider, Herzblut-Betreiber, die über Generationen hinweg ihre Stammkunden jedes Wochenende zum Abfeiern locken konnten, stehen vor dem gesellschaftlichen Nichts. Haus und Hof teilweise längst überschrieben und klammern sich an den noch so kleinsten Cocktail-Strohhalm. Wie? Und warum? Was ist passiert? Im Kampf, die Attraktivität ihrer Lebensgrundlage oben zu halten, bieten sie den Menschen immer mehr an – und schaufeln dabei immer mehr ihr eigenes Grab. Und was die Gäste selber nicht kapieren: sie schaufeln fleißig mit um am Ende selbst mit reinzufallen. Das Nachtleben arbeitet gerade am Nachtsterben.

Respektlos durch die Nacht

In den ländlichen Bereichen ist es schon normal. Das alte Gebäude da drüben? Das war mal ne Disse … Die stets belächelte „Bauerndisco“ konnte freitag- und samstagabends auf die Gäste auf dem eigenen und den umliegenden Kaffs bauen. Sonntags Jugenddisco. Passt. Kohle verdient, Rechnungen bezahlt. Irgendwann aber stieg auch die Mobilität der Führerscheinlosen. Irgendein Papa brachte Kind und Kumpels in die nächste Stadt, der große Bruder wurde 18, Sammeltaxis und Discobusse brachten die Dorfkinder weg vom altbekannten in die Lichter der Kleinstadt. Früher gaben sich auch die Clubs noch entspannter an der Tür. „Du bist erst 16? Kein Problem, aber um Mitternacht biste raus, klar?“ Man wollte ja wieder kommen, also war man auch um zwölf Uhr wieder weg. Man hatte noch Respekt vor Autoritäten. Nicht Angst. Respekt.

Etwas, was jede 15jährige Hühnerbrust heute von alles und jedem einfordert, ohne selbst in der Lage zu sein, davon etwas zu zeigen. Irgendwann wurde es eben Mode, Kinder für jeden Mist zu loben. Die Folge: der Nachwuchs fühlt sich inzwischen schon als Übermensch, weil er fehlerfrei seine Schuhe binden konnte und führt sich dann auf wie sein sagenumwobenes Gangster-Image-Idol. Behandelt sie der Türsteher aber dann ihrem Verhalten entsprechend, laufen sie zum Papa, der den Anwalt einschaltet.

Wie oft haben wir früher Scheiße gebaut? Was haben unsere Eltern gesagt, wenn wir auf die Zwölf bekamen? „Hast es ja wohl dann verdient …“ Stimmt. Liebe Security da draußen. Wenn ihr zu fünft auf einen Betrunkenen einprügelt, weil er – Überraschung – etwas zu viel getrunken hat und seine Grenzen nicht mehr kannte, dann ist das Asi. Wenn ihr einem Teen-Proll, der gerade einmal geradeaus pissen kann, eine anständige Ohrfeige verpasst, nachdem er mit Beleidigungen und Gläsern um sich geworfen hat, weil ihm seine mitgebrachte Billig-Wodkaflasche abgenommen wurde: hey, ich hab nix gesehen. Versprochen.

Der Feind hat einen Namen

Wobei sich das Verhalten und damit das Ansehen der Türsteher im Allgemeinen ja auch zum positiven verändert hat. Sie werden nicht mehr als die einsilbrigen Möchtegern-Navy-Seals angesehen sondern als die Leute, die für Sicherheit sorgen und Frauen zum Auto bringen, wenn ihnen unwohl ist. Natürlich gibt es noch die zahnlosen Ersatzschläger der Marke „CheapSecurity24.de“, die aber ohnehin bald selbst dafür sorgen, dass ihr Auftraggeber verschwindet. Die Website ist übrigens fiktiv. Hoffe ich zumindest.

Doch nun weiter im Text. Natürlich bringen schleichende Preiserhöhungen bei Strom & Co. die Sorgenfalten auf die Betreiberstirn. Aber der Gast zahlt für sein Bier auch problemlos 3,50 Euro statt 3,- Euro. Zumindest die meisten. Beim Rest ist eh Hopfen und Malz verloren. Doch nun kommen wir zu einem Giganten, der – vermutlich ohne es zu wissen – die geschliffene Klinge federführend an den Hals des pulsierenden Nachtlebens gebracht hat. Ladies and Gentlemen, ich präsentiere ihnen den größten Feind des sozialen Lebens: Facebook.

Klingonisch, ist aber so. das Böse hat damit einen Namen und niemand hatte es am Schirm. Doch es ist da. Du zweifelst? Nun … ich hoffe mal, du gehörst zu der Generation, die noch vor 2006 gelernt hat wegzugehen. Erinnere dich mal daran, warum dich damals nichts in den eigenen vier Wänden halten konnte. Du kennst das Gefühl noch: Günni war bis vorgestern in Australien, was er da wohl erlebt hat. Lisa hat sich von ihrem Freund getrennt, jetzt muss ich mich mal ranhalten. Hat sich Tom jetzt dieses Bike gekauft? Ob die Kleine von letzter Woche wieder da ist? Bla bla bla …

Es gab eine große Motivation: sehen und gesehen werden, sich auf den neuesten Stand bringen, Leute kennen lernen, Freunde treffen – kurz und neudeutsch: socialn. Na? An welche Website erinnert dich das? Facebook – und alles was sie aufkaufen – hat uns diese Motivation genommen.

Sehen und gesehen werden? Okay … einloggen.

Auf den neuesten Stand kommen? App öffnen.

Leute kennen lernen? PN schicken.

Freunde treffen? Kommentieren.

Es wurde uns alles genommen. Wir können alles, was uns damals zum Abfeiern als Grundlage diente, 24/7 vom Bahnhofsscheißhaus aus erledigen. Handy raus, App öffnen, liken, schließen, runter spülen.

Die Generation der Schisser?

Und vergesst nicht, ihr sprecht eine Generation an, die für Musik und Filme nichts mehr bezahlen möchte. Wer alle drei Lieder eine Werbeunterbrechung akzeptiert um kostenlos auf Spotify seine Lieder zu hören und Kinofilme in Vierfach-kopierter-VHS-Qualität okay findet … hey … sollen das eure Retter sein?

Wer an meinen Worten zweifelt, für den habe ich ein ganz simples Gedankenspiel: stell dir einfach vor, von heute auf morgen würden alle wichtigen Webserver unwiderruflich abstürzen. Nur mal so als utopische Phantasie. Was glaubst du, wie es nach zwei Wochen in den Clubs aussehen würde? Wir hätten alle Freudentränen in den Augen. Darauf verwette ich alles. Und flirten wird wieder ein Nervenspiel. Nix da, den Kumpel fragen ob er die Kleine an der Theke auf seiner FL hat um sie dann per PN anzuschreiben und im RL etwas auszumachen (Gott, ich hasse diese Abkürzungen). Nein, dann heißt es mal wirklich wieder Eier zeigen und hingehen, ansprechen, antanzen, einen Drink ausgeben, ins Kino verabreden, Körbe einfangen, Schmetterlinge im Bauch haben. Wer kennt das noch im Zeitalter des Addens? In der pursten Form von einst: Face to face.

Aber was machen die Discobetreiber? Kostenloses W-Lan anbieten. Die supergeilen „Partyprofis“ halten ihre verpickelte iFresse ja noch nicht intensiv in ihr iHandy. Da kann ja nur Stimmung aufkommen. „Kennste das Bild da auf Instagram? Voll lustig.“ Wenn ich dir dein Smartphone zwischen die Augenramme, DAS wäre voll lustig.

Der nächste Hirnfick der Eventsucher sind Smart-DJs. Kennste nicht? Sei froh! Per App wird innerhalb des Clubs von den Besuchern entschieden, welcher Song als nächstes aus den Boxen dröhnen darf. Ein Garant für volle Tanzflächen? Vergiss es. Schließlich muss ja auch der nächste Song geil sein. Und der nächste. Mittendrin und nicht dabei. Abgesehen davon, dass der DJ zur Musikbox wird.

Wer sich so etwas in seinen Tanztempel stellt, der hat damals auch Bubble Tea angeboten, oder? Was ging denn da in euren Gehirnen ab? „Hey, ich hab da ein abscheuliches Getränk, mit dem ich alle Besoffenen zusätzlich mit kleinen Kügelchen und Strohhalmen ausstatte. Das KANN ja nur gut ausgehen!“ Irgendwie so muss der Gedankengang gewesen sein …

Alles darf, nix muss

Ihr habt ja lange durchgehalten. Respekt. Nun wollt ihr von mir die ultimative Lösung zur Rettung der nächtlichen Kultur, oder? Tja, wenn das so einfach wäre. Es wäre schon mal ein Anfang, wenn die Gäste eines Clubs mal wieder in ihre Schranken gewiesen werden. Vor allem die, der jüngsten Generation. Ich weiß, ich klinge wie so ein „früher war alles besser“-Spasti, aber früher gab es fast die gleichen Probleme in anderem Gewand. Aktuell sind nur ein-zwei hinzugekommen. #neuland. Aber die Neupartykönige, die sich wie die geilsten fühlen, weil sie ne Flasche Wodka für 15 Euro gekauft haben (Uii!) müssen mal wieder kapieren, dass sie kein RECHT darauf haben, in dem Club zu sein. Sie haben kein Recht darauf, dass der Türsteher den/die Ex rauswirft, sie haben kein Recht darauf als erster bedient zu werden, kein Recht darauf, dass der Chef auch den betrunkenen Kumpel mit rein lässt, kein Recht darauf mit 16 reinzugehen, kein Recht darauf, dass der Barkeeper den Drink stärker macht als sonst, kein Recht darauf, dass der DJ die gleiche scheiß Nummer 20x am Abend spielt. Genau das glauben aber offenbar viele.

Ihr habt die unermessliche Gnade der verantwortlichen Person, wenn ihr etwas bekommt, was nicht alle so bekommen. Mehr nicht. Also verhaltet euch entsprechend. Mit dem Fünfer an der Kasse hast keiner den Laden gekauft. Selbes gilt für die Mitarbeiter. Untereinander, gegenüber den Chef-Ansagen, gegenüber dem Gast. Auch wenn er der Neue deiner Ex ist: der Drink wird genauso gemacht, wie bei den anderen. Auch wenn sie dir fremdgegangen ist: sie darf in den Club, wenn es sonst keine Gründe gibt. Ach ja, liebe DJ. Dezibel machen die Übergänge auch nicht geiler. Die Leute sollen sich noch unterhalten können.

You’ve got the power

Und liebe Nachtschwärmer: die 50 Cent Trinkgeld bringen euch nicht um. Und regt euch nicht über 16jährige auf, wenn ihr selber erst 18 seid. Das ist lächerlich. Gastronomen und Clubbetreiber sitzen stundenlang zusammen um euch etwas zu bieten. Wenn es euch nicht gefällt: okay. Ist ja kein Beinbruch. Wems gefällt, der wird kommen. Aber erspart euch euren geistigen Dünnschiss als Facebook-Kommentar unter den Veranstaltungen. Wenn ihr einen Club nicht mögt, dann ignoriert ihn und macht keine Hetzkampagne. Denn was wäre, wenn das alle machen? Dann steht ihr in einer ausgestorbenen Stadt und müsst aus Mangel an Alternativen das nehmen, was kommt.

Oder glaub ihr echt, ein Stadtrat ist geil darauf, Clubs zu retten? Die deutliche Mehrheit der Wähler sind 35+. Wem wird er da wohl in die Hände spielen?

Und zuletzt noch: liebe Clubbetreiber. Wenn es schon 4 Discos mit dem gleichen Stil in einer Kleinstadt gibt, dann werdet nicht der Fünfte. Das funktioniert 1-2 Jahre und dann „ist es eh überall das gleiche“. Und ihr könnt zusehen, wie die Leute in Autos steigen und in anderen Städten das Geld ausgeben.

Ich bin seit bald 20 Jahren im Nachtleben tätig. Und ich glaube fest daran, dass jede Generation ihre Abstürze, ihre Partys, ihre Fehltritte, ihre Dummheiten und ihre gemeinsame Zeit braucht. Und an keinem anderen Ort kann das besser ausgelebt werden, als in den Clubs und Discos.

Seid keine Arschlöcher. Rettet die Nacht.

Wenn es einer kann – dann ihr.

P.S.: Vorglühen ist für Amateure.

Marco Schimpfhauser lebt und arbeitet u.a. als Journalist in Straubing u.a. für verschiedene bundesweite Zeitungen, Magazine und TV-Formate. In seinem Hobby-Blog unter marcolatur.blogspot.de thematisiert er überwiegend diverse kulturelle Themen.

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Denken zu wissen, was glaubwürdig ist https://www.tiefgang.net/denken-zu-wissen-was-glaubwuerdig-ist/ Sat, 29 Apr 2017 06:00:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=960 [...]]]> Eine gute Berichterstattung ist in einer zivilisierten Gesellschaft unerlässlich. Allein was ist gut? Ausgerechnet Facebook gibt nun Nachhilfeunterricht und zeigt, wie groß das Dilemma ist.

Unsere Republik ist „nervös“, wie ein Fernsehbeitrag von Stephan Lamby zuletzt in der ARD titulierte. Und es ging ganz wesentlich um das Spannungsfeld von Politik, Wahlen, Populismus, Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Wie es zu lösen ist, konnte auch dieser Beitrag nicht aufzeigen. Wohl aber, dass das Verständnis von Berichterstattung nicht wirklich vertieft oder überhaupt vorhanden ist. Die Medien als sogenannte ´vierte Gewalt` der Demokratie? Oder doch nur Lügenpresse? Aber was ist denn ´Lügenpresse` eigentlich? Alles mächtig durcheinander gekommen …

Und dann: ich dachte, ich traue meinen Augen nicht, als nun ausgerechnet beim Start ins Soziale Medium „Facebook“ mir unübersehbar das Thema „Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen“ auf den Bildschirm schob.

Facebook weiß das? Warum hat Facebook überhaupt Interesse daran, mir dieses Wissen weiterzugeben? Denn wer sonst profitiert derart stark von Meldungen aller Art? Und nicht nur den schönen und wahren. Hauptsache jeder Nutzer macht Alarm in seinem Fratzenbuch.

Gerade die Symbiose von Text-Mitteilung und Bild, die eben auch dazu führt, dass selbstgebaute Grafiken samt Meldung oder Kommentar zum Lacher, Hingucker und so ein Stück weit zur „Wahrheit“ im Sinne von Wahrnehmung werden, sind ja ganz erheblich von Zuckerbergs Online-Dienst zum gesellschaftlichen Ereignis geworden. Und hat nicht eben Facebook damit erst dazu beigetragen, dass wir kaum mehr wissen, was real oder nur gefaked ist?

Und so lese ich „Wir möchten die Verbreitung von Falschmeldungen auf Facebook unterbinden. Erfahre mehr über das, was wir hier machen.“ Cool. Daumen hoch!

Selbstgebaute Illustration auf Facebook (Grafik debeste)

Und es kommt noch besser: es folgt ein 10-Punkte-Katalog, woran ich als Facebook-Nutzer Falschmeldungen erkenne. Was ist richtig, was ist falsch? Eine Frage, die hunderte von Jahren ganze philosophische Fakultäten ergebnislos beschäftigte – Facebook kriegt´s hin! Da kommt Spannung auf!

Also lesen wir mal …:

 „1. Lies Überschriften kritisch. Falschmeldungen haben häufig reißerische Überschriften in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen. Wenn schockierende Behauptungen in der Überschrift unglaubwürdig klingen, sind sie es vermutlich auch.“

Großbuchstaben und Ausrufezeichen – klare Sache. Die BILD! Ist also Lügenpresse! Im Grunde die ganze „Boulevard-Presse“. Gut zu wissen. Noch besser aber, dass unglaubwürdige und schockierende Behauptungen es „vermutlich“ auch sind. Spricht jetzt irgendwie für sich selbst, oder?

„2. Sieh dir die URL genau an. Eine unechte oder nachahmende URL kann ein Hinweis auf Falschmeldungen sein. Viele Seiten mit Falschmeldungen ahmen echte Nachrichtenquellen nach, indem sie minimale Änderungen an der URL vornehmen. Du kannst die Seite aufrufen, um die URL mit etablierten Quellen zu vergleichen.“

Mhh. URL steht genau genommen für „uniform resource identifier“ und die dienen dazu, websites anzusteuern. Eine echte url ist also www.bild.de ebenso wie www.sued-kultur.de als auch www.facebook.de. Denn sie steuert eben diese Seite auch an. Mit dem, was in den Webseiten zu finden ist, hat es rein technisch und funktional nichts zu tun. Wenn ich also auf Facebook bemerke, dass Facebook gar nicht Facebook sondern „Bild“ ist, dann ist dies eine richtige Falschmeldung – aber eben auf der richtigen url von Facebook und auch deren richtiger website. Nun also sogar richtig, richtig falsch?!?

„3. Überprüfe die Quelle. Stelle sicher, dass die Meldung von einer Quelle stammt, der du vertraust, und die für ihre Glaubwürdigkeit bekannt ist. Wenn die Meldung von einer unbekannten Organisation stammt, überprüfe den Abschnitt „Info“, um mehr zu erfahren.“

Wieder so ein Dilemma. ´Sicher stellen, ob ich vertrauen kann`. Gepaart mit konkreten Definitionen von ´bekannt` oder ´unbekannt`. Sehr hilfreich. Da hat Facebook es gerade geschafft, dass wir uns von den analogen Beziehungen trennen und mit hunderten von sich selbst sympathisch darstellenden Digital-Friends befreunden, da soll ich doch lieber das altbekannte bevorzugen? Das noch größere Problem aber: ich kenne ja nicht mal die Verfassenden dieses Textes. Kann ich denn denen dann überhaupt trauen?

Und so geht es in einem fort …

„4. Achte auf ungewöhnliche Formatierungen. Viele Seiten mit Falschmeldungen enthalten Tippfehler oder seltsame Layouts. Lies mit Vorsicht, wenn du so etwas bemerkst.“

Achtung. Aufpassen. Meine neue Tastatur hat Lügenpresse-Potenzial! Und bitte: mit Vorsicht lesen! Ist das so wie „einen Text zu überfliegen“?!?  Wo man das lernt, sagen sie nicht.

„5. Sieh dir Fotos genau an. Falschmeldungen enthalten häufig manipulierte Bilder oder Videos. Manchmal ist das Foto echt, wurde jedoch aus dem Kontext gerissen. Du kannst nach dem Foto oder Bild suchen, um zu überprüfen, woher es stammt.

6. Überprüfe die Datumsangaben. Falschmeldungen können chronologisch unlogisch sein sowie geänderte Datumsangaben von Ereignissen enthalten.

7. Überprüfe die Beweise. Sieh dir die Quellen des Autors genau an. Mangelnde Beweise oder der Verweis auf ungenannte Experten können ein Hinweis auf eine Falschmeldung sein.

8. Sieh dir die URL genau an. Wenn keine andere Nachrichtenquelle dieselbe Meldung veröffentlicht, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Meldung falsch ist. Wenn die Meldung von mehreren vertrauenswürdigen Quellen veröffentlicht wird, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie wahr ist.

9. Ist die Meldung ein Scherz? Manchmal ist es schwierig, Falschmeldungen von Humor und Satire zu unterscheiden. Überprüfe, ob die Quelle für Parodien bekannt ist und ob die in der Meldung enthaltenen Details und ihr Ton darauf hindeuten, dass es sich lediglich um einen Scherz handelt.

10. Einige Meldungen sind bewusst falsch. Denke kritisch über die Meldungen nach, die du liest, und teile nur Neuigkeiten, von denen du weißt, dass sie glaubwürdig sind.“

Falls jetzt noch wach – Achtung: der letzte Satz war echt gut: „Denke kritisch über die Meldungen nach, die du liest, und teile nur Neuigkeiten, von denen du weißt, dass sie glaubwürdig sind.“

„Denken – kritisch – wissen, was glaubwürdig ist.“

Das Wort „Begriff“ stammt ja irgendwie doch von ´Begreifen`. Vielleicht sollte Marc Zuckerberg mit seinen Leute doch mal ´in Klausur` gehen. Oder einfach abschalten.

P.S.: Sollte der ein oder andere Lesende in Schulunterricht involviert sein und Lust bekommen haben, den 10-Punkte-Plan dort mal im Klassenverbund weiter auf die richtige oder unglaubwürdige Benutzung von Begrifflichkeiten hin untersuchen zu wollen – teilt uns gerne die Fundstücke und die gewonnene Erkenntnis mit.

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