Forschung und Gleichstellung https://www.tiefgang.net Thu, 12 Dec 2019 11:25:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Die Leichtigkeit von Kunst und Couch https://www.tiefgang.net/die-leichtigkeit-von-kunst-und-couch/ Fri, 13 Dec 2019 23:16:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6168 [...]]]> Dieser Tage verstarb der Kunsthistoriker Martin Warnke im Alter von 82 Jahren in Halle.  Seine Art, sein Stil und sein Wissen prägten auch Hamburg.

Warnke lehrte von 1979 bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 2003 an der Universität Hamburg.  Zuvor war er Professor für Kunstgeschichte an der Universität Marburg. Herausragend waren unter anderem seine Berichte für die Stuttgarter Zeitung über die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt am Main und sein nachhaltiger Einfluss auf die Kunstgeschichte, in der er sich immer für einen neuen, auch sozialgeschichtlich geprägten Blick einsetzte. Die heute so einflussreiche politische Ikonographie hat er maßgeblich mitgeprägt. 1990 wurde Warnke mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft geehrt und 2012 erhielt er den Aby-M.-Warburg-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg. Mit der Forschungsstelle für Politische Ikonographie erfüllte er das Warburg-Haus in Hamburg mit neuem wissenschaftlichem Geist. Mit ihm starb einer der bedeutendsten Gelehrten des deutschen Sprachraums.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, der 2017 noch zu seinem 80. Geburtstag an der Universität Hamburg sprach: „Martin Warnke hat mit überaus großem Wissen und Leichtigkeit Kunst und Couchecken interpretiert und Titanen der Kunstgeschichte geschüttelt, bis er selber einer war. Seine Leidenschaft, sein feiner Humor, seine Scharfsinnigkeit – eigentlich müsste man ja Scharfsichtigkeit sagen – und die große Freude an der Weitergabe von Wissen und am Disput waren überaus inspirierend. Er wird fehlen. Die Kulturstadt Hamburg wird sein Werk und Wirken in Ehren halten.“

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Mit Martin Warnke verlieren wir einen großen Geist und Kunsthistoriker. Als Professor an der Universität Hamburg und Leiter des Warburg Hauses, dessen Erwerb und Nutzung auf seine Initiative zurückgeht, hat er den wissenschaftlichen und kulturellen Diskurs weit über Hamburg hinaus geprägt und immer wieder bahnbrechend Neues gedacht und geschaffen. Den Angehörigen von Martin Warnke und all seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern gilt mein tiefes Mitgefühl.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Lenzen: „Professor Martin Warnke war einer der ganz großen Kunsthistoriker Deutschlands mit international weitreichendem Ruf. Er hat die bedeutsame Tradition der Hamburger Kunstgeschichte weitergeführt und wurde dafür – u.a. mit dem Leibniz-Preis – immer wieder geehrt. Warnke hat bis zu seinem Tod, weit über seine Pensionierung hinaus, seine wissenschaftlichen Arbeiten aber auch seine Funktionen im Hinblick auf das Warburg Haus fortgesetzt. Die Universität vermisst ihn und wird ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

 

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Barmbeks kulturelle Hoffnung https://www.tiefgang.net/barmbeks-kulturelle-hoffnung/ Fri, 29 Nov 2019 23:31:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6109 [...]]]> Kultur braucht Orte, um blühen zu können. In Barmbek ensteht so einer und birgt allerlei Hoffnungen.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Am Wiesendamm entsteht derzeit ein neues Theaterzentrum, in dem künftig das Junge SchauSpielHaus, die Theaterakademie und das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) beheimatet sein werden. Im Auftrag der Stadt Hamburg baut die Sprinkenhof GmbH in den Hallen der ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik Heidenreich & Harbeck auf rund 9.000 Quadratmetern neue Räume für Aufführungen, Proben, Lehre und Forschung. Die ersten Umbauten sind nun im Rohbau fertiggestellt.

Der Senat hatte im September 2018 die Weichen für das neue kulturelle Herz Barmbeks gestellt. Heute haben Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Jan Zunke, Geschäftsführer der Sprinkenhof GmbH, Klaus Schumacher, Leiter des Jungen SchauSpielHauses, und Prof. Elmar Lampson, Präsident der HfMT, mit den bauausführenden Firmen das Richtfest des Gebäudes gefeiert. Ab Herbst 2020 werden die künftigen Mieter voraussichtlich mit den eigenen Einbauten beginnen können und den Ort nach und nach mit Leben füllen. Die Projektkosten liegen bei rund 36,4 Millionen Euro. Zusammen mit dem in direkter Nachbarschaft befindlichen neuen Räumlichkeiten des Freien Theaterzentrums Wiese eG entsteht so mitten in Barmbek ein neues kulturelles Zentrum.

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Mit dem Theaterzentrum Wiesendamm entsteht ein einmaliger und hochattraktiver Kultur- und Studienort, der die exzellente Ausbildung der zukünftigen Künstlerinnen und Künstler verbessern wird. Die räumliche Nähe von Theaterakademie, dem Institut für Kultur- und Medienmanagement und dem Jungen SchauSpielHaus bietet für alle Beteiligten hervorragende Möglichkeiten für gemeinsame Projekte – und stärkt das kulturelle Leben in Barmbek. Das Zusammenspiel von Ausbildung, Studium und Darstellung fördert zudem den künstlerischen Austausch und erhöht die Strahlkraft Hamburgs als Kultur- und Wissenschaftsmetropole. Hiervon werden Studierende und Theaterfans gleichermaßen profitieren.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „In der ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik am Wiesendamm entsteht ein ganz neues und vielfältiges kulturelles Zentrum. Zusammen mit anderen Kultureinrichtungen in Barmbek wird es nicht nur den Stadtteil, sondern die ganze Kulturstadt Hamburg prägen. Diese erfolgreiche Entwicklung war nur möglich, weil viele Beteiligte auf unterschiedlichen Ebenen kreativ an einem Ziel zusammengearbeitet haben. Aus dieser Zusammenarbeit können ganz neue und inspirierende Impulse für die Stadt entstehen. Kultur und Wissenschaft finden künftig am Wiesendamm hervorragende Arbeitsbedingungen und vor allem eine langfristige Entwicklungsperspektive.“

Jan Zunke, Geschäftsführer Sprinkenhof GmbH: „Wir freuen uns, als Bauherr und Eigentümer der Immobilie mit dem Jungen SchauSpielHaus und der Theaterakademie für das Gebäude der ehemaligen Eisengießerei und dem Quartier eine neue und vor allem nachhaltige Nutzung zu erhalten und damit zur kulturellen Weiterentwicklung des Stadtteils beizutragen.“

Klaus Schumacher, Leiter des Jungen SchauSpielHauses: „Wir können es kaum erwarten, das neue Theater am Wiesendamm zu beziehen. Das Junge SchauSpielHaus wird nach einer Zeit der Interimslösungen ein wunderbares Haus beziehen, das nicht nur jetzigen Verhältnissen gerecht wird, sondern auch neue Möglichkeiten für Theater für junges Publikum bietet. Barmbek ist ein toller Standort mit vielen Familien und Schulen. Das direkte Umfeld wird sehr inspirierend und wir hoffen, dass der neue Hotspot für junge Theaterkunst viele Hamburger anlocken wird.“ 

Prof. Elmar Lampson, Präsident der Hochschule für Musik und Theater: „Seit der Gründung der Theaterakademie im Jahr 2005 war es unser Ziel, alle theaterrelevanten Studiengänge in einem Haus zu vereinen. Dass unser Institut für Kultur- und Medienmanagement mit in das Haus ziehen wird, ist angesichts der sich daraus ergebenden Möglichkeiten für intensive Zusammenarbeit und interessante Synergieeffekte von herausragender Bedeutung für die Ausbildung. Mit dem Theaterzentrum am Wiesendamm wird ein einzigartiger Ausbildungs- und Veranstaltungsort mit großer öffentlicher Ausstrahlung entstehen. Ich danke dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg und der Thörl Stiftung dafür, dass aus diesem Ziel endlich Realität wird.“

Mit dem Umzug der Theaterakademie und des Jungen SchauSpielHauses vom ehemaligen gemeinsamen Standort in der Gaußstraße an den Wiesendamm in Barmbek, entsteht ein neuer Ort für junge Darstellende Kunst. Die Einrichtungen bekommen eine langfristige Perspektive und der gemeinsame Standort ermöglicht weiter den kreativen Austausch. Zudem wird künftig auch das Institut für Kultur- und Medienmanagement (KMM) am Wiesendamm ansässig sein, wodurch wertvolle Synergien für die Studierenden, wie gemeinsame Lehrveranstaltungen, geschaffen werden.

Das Theaterzentrum befindet sich in unmittelbare Nähe des ebenfalls neuen Freien Theaterzentrums Wiese eG, mit weiteren Aufführungs- und Probenräumen, und von Kampnagel, der Zinnschmelze, dem Museum der Arbeit und dem Hamburger Puppentheater. Diese Vielzahl an kulturellen Einrichtungen ermöglicht einen ganz neuen kulturellen Austausch unterschiedlicher Sparten.

Das Junge SchauSpielHaus Hamburg

Das Junge SchauSpielHaus Hamburg zählt zu den renommiertesten Kinder- und Jugendtheatern im deutschsprachigen Raum. 2005 als eigenständige Sparte des Deutschen SchauSpielHauses gegründet, erreichen seine Produktionen ein großes Publikum und wurden vielfach ausgezeichnet. Spielstätte ist aktuell die Große Probebühne im Deutschen SchauSpielHaus.

In der neuen Spielstätte am Wiesendamm entstehen für das Junge SchauSpielHaus auf insgesamt rund 3.500 Quadratmetern, davon gut 3.000 Quadratmeter im Erdgeschoss, zwei Bühnen und zwei Probebühnen sowie Werkstätten, Büros, Lagerflächen und die notwendigen Sozialräume. Die Bühnen werden nach jetziger Planung rund 170 beziehungsweise 70 Plätze haben. Die technische Ausstattung wird den optimalen Einsatz von künstlerischen Mitteln wie Bühnenbild, Licht, Ton und Video ermöglichen. Alle für das Publikum zugänglichen Räume sind barrierefrei erreichbar.

Am neuen Standort werden so die Bedingungen für die Weiterentwicklung und die Erweiterung des künstlerischen und theaterpädagogischen Angebots geschaffen. Künftig können umfangreiche partizipative Projekte durchgeführt werden, es gibt auch Raum für weitere theaterpädagogische oder inklusive Projekte und offene Formate wie Jugendtheaterclubs.

Die Theaterakademie Hamburg der Hochschule für Musik und Theater

Die Theaterakademie der HfMT wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet und zählt zu den renommiertesten Ausbildungsstätten für Regie, Schauspiel, Operngesang und Dramaturgie in Deutschland. Am neuen Standort am Wiesendamm entsteht auf knapp 5.800 Quadratmetern Raum für transdisziplinäres, selbstorganisiertes und forschendes Lernen.

Die Regiestudiengänge erhalten mit zwei Bühnen und fünf Probebühnen die notwendigen Räumlichkeiten, um für Studienprojekte und Abschlussinszenierungen zu proben und erste Inszenierungen vor Publikum zu präsentieren. Der Schauspielbereich bekommt zudem eigene Studios auf einer alten Zwischenebene der Halle. Für den Masterstudiengang Oper werden Räume mit entsprechender raumakustischer Ausstattung errichtet. Die Bühnen und Probebühnen werden dabei mit neuer Bühnen-, Beleuchtungs- Ton- und Videotechnik ausgestattet, sodass die künstlerische Auseinandersetzung und Arbeit mit unterschiedlichen Medien ermöglicht wird.

Das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater

Das KMM wurde 1987 als Institut für Kulturmanagement gegründet und ist somit die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Heute bietet das Institut für Kultur- und Medienmanagement einen grundständigen Bachelor- und einen weiterbildenden Masterabschluss im Fernstudium an, dessen Lehrveranstaltungen in über 20 deutschen Städten stattfinden. Mitten im Herzen Hamburgs kann außerdem im Präsenzstudium in vier Semestern ein Masterabschluss erlangt werden. Mit seinen über 500 Fernstudierenden und etwa 45 Präsenzstudierenden ist das Institut KMM heute nicht nur der traditionsreichste, sondern auch der größte Anbieter von Kulturmanagement-Studiengängen in Deutschland. Das Institut befasst sich in Lehre und Forschung mit allen Aspekten des Kulturmanagements wie der Projektsteuerung, des Marketings, der Finanzierung u.a. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Themenfeldern Führung, Innovation und Digitale Transformation. Die räumliche Nähe zur Theaterakademie schafft bisher ungeahnte Kooperationsmöglichkeiten zwischen künstlerischer und kulturmanagerialer Praxis direkt im eigenen Haus.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

 

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Die Bitte um Vergebung https://www.tiefgang.net/die-bitte-um-vergebung/ Fri, 13 Apr 2018 22:18:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3440 [...]]]> Hamburgs Ruf als globale Handelsstadt hat auch Schattenseiten. Eine liegt im heutigen Namibia. Ein transnationaler Kongress in Hamburg ging nun einen weiteren Schritt, um sich der Geschichte zu stellen.

„Ich vernichte die aufständischen Stämme mit Strömen von Blut und Strömen von Geld“, erklärte Generalleutnant Lothar von Trotha. Zwischen 1904 und 1908 verübten die deutschen Kolonialtruppen dann im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika einen Völkermord an den Volksgruppen der Herero und Nama, mit dessen schwerwiegenden Folgen die Nachfahren der Opfer bis in die Gegenwart hinein konfrontiert sind. Diese waren Thema des zweiten Transnationalen Herero- und Nama-Kongresses, den die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e. V. und die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg zusammen mit dem zivilgesellschaftlichen Bündnis „Quo Vadis Hamburg“ Anfang April 2018 in Hamburg veranstalteten. Anlässlich des Kongresses lud der Senat dann auch zu einem Empfang ins Hamburger Rathaus, bei dem Senator Dr. Carsten Brosda um Vergebung für den Völkermord an den Ovaherero und Nama bat. „Wir bitten Sie um Vergebung. Wir können nicht rückgängig machen, was passiert ist. Aber wir können nach Versöhnung streben.“ Eine Geste mit Relevanz.

Der gewaltsamen Durchsetzung der deutschen Kolonialherrschaft fielen etwa 80 Prozent der Herero und 50 Prozent der Nama zum Opfer. Insgesamt starben bis zu 100.000 Menschen; Männer, Frauen und Kinder; die meisten von ihnen ließen die deutschen Truppen elendig in der Wüste verdursten und verhungern. Die Überlebenden wurden enteignet, in Lager interniert, misshandelt, vergewaltigt und zu harter Zwangsarbeit gezwungen. Viele überlebten diese brutale Behandlung nicht. Die Folgen des Genozids sind bis heute in Namibia spür- und sichtbar. Der Völkermord ist ein gesamtgesellschaftliches Trauma, das auch hundert Jahre später psychologisch, wirtschaftlich, sozial, kulturell und politisch nachwirkt.

Beim Kongress standen nun eben damit zusammen hängenden Fragen im Vordergrund: Welche Rolle hat Hamburg beim ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gespielt? Welche Spuren der Kolonialgeschichte finden sich im Stadtraum und was passiert mit den erinnerungspolitischen Leerstellen? Zum zweiten Transnationalen Herero- und Nama-Kongress hatten die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e. V. und die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg zusammen mit dem zivilgesellschaftlichen Bündnis „Quo Vadis Hamburg“ eingeladen. Erstmalig zu Gast in der Hansestadt war eine Delegation von Vertreterinnen und Vertretern der Herero und Nama, die sich im Rahmen der Konferenz mit diesen und anderen Fragen auseinandersetzten.

Dass Hamburg in der Geschichte des Genozids an den Herero und Nama eine Schlüsselrolle zukommt, steht wissenschaftlich mittlerweile außer Frage. Die Hafenstadt war die koloniale Handelsmetropole des Kaiserreichs. So war es auch die Hamburger Kaufmannschaft, die 1883 – am Vorabend der Berliner West-Afrika-Konferenz (1884/85) – mit einer Denkschrift an den Reichstag appellierte, deutsche Kolonien in Afrika zu errichten. Der damalige Präses der Hamburger Handelskammer Adolph Woermann dominierte mit seiner Deutsch-Ost-Afrika-Linie jahrzehntelang den Linienverkehr nach Ostafrika und führte später auch die Truppentransporte in die Kolonien durch.

Die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Hamburgs wurde vor rund zwanzig Jahren durch verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen, insbesondere durch das Engagement der Black Communities und People of Color angestoßen. 2014 entschloss sich der Senat, die Aufarbeitung des kolonialen Erbes systematisch anzugehen. Zur Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlage wurde an der Universität Hamburg die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ eingerichtet, deren Finanzierung Anfang März von der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Die Hamburger Museen haben sich in verschiedenen Ausstellungen und Projekten dem Thema angenommen und auch bei der Kontextualisierung der zahlreichen unkommentierten Kolonialdenkmäler in der Stadt gibt es erste Fortschritte. So wurde jüngst in Jenfeld an der denkmalgeschützten Lettow-Vorbeck-Kaserne eine Informationstafel über General Lothar von Trotha angebracht, die seine Verantwortung an dem Völkermord an den Herero und Nama klar benennt.

Im Rahmen der Tagung gab die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung zudem bekannt, dass der Hamburger Senat die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ für weitere fünf Jahre mit einer Million Euro finanziert. Die zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank erklärte auf einer Pressekonferenz im Beisein von Kultursenator Dr. Carsten Brosda, Universitätspräsident Prof. Dr. Dieter Lenzen und Prof. Dr. Jürgen Zimmerer betonte den national wie international hervorragenden Ruf, den die Forschungsstelle genieße und begründete die Fortsetzung der Finanzierung mit der exzellenten Arbeit, die Jürgen Zimmerer und sein Team in den vergangenen Jahren geleistet hätten und ihrem hervorragenden internationalen Ruf.

Seitens der Beteiligten der Forschungsstelle hieß es, man freue sich über die Wertschätzung unserer Arbeit und das Bekenntnis des Senats, die Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg fortzusetzen.

Auch die Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, sowie die Arbeitsgruppe Quo-Vadis-Hamburg?, Veranstalter*nnen des 2. Transnationalen Ovaherero und Nama Kongresses in Deutschland dankten den Menschen der Freien und Hansestadt Hamburg für ihre außerordentliche Gastfreundschaft.
Hamburg spiele eine zentrale Rolle im Zuge des transatlantischen Versklavungshandels sowie in der Zeit des europäischen und deutschen Kolonialismus. Daher begrüßten die Beteiligten die Haltung der Hamburger, sich der historischen Verantwortung der Stadt zu stellen.

Insbesondere würdigen wir die offizielle Entschuldigung des Senators für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, für die entscheidende Rolle der Stadt im Völkermord an den Ovaherero und Nama von 1904 bis 1908.
Ebenso schätzen wir die Entschuldigung des Dekans des UKE, Prof. Koch-Grohmus, im Namen seiner Institution, die aus unethischen und rassistischen Gründen die Friedrichsberger Sammlung menschlicher Überreste des Ovaherero und anderer kolonisierter Menschen übernommen hat.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass das Hamburger Museum für Völkerkunde etwa 1700 Objekte und 1000 Fotografien aus dem ehemaligen „Deutschen Südwestafrika“ (Namibia) in seinem Besitz hat. Wir begrüßen die Einrichtung des Forschungszentrums „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ an der Universität Hamburg und ihre Anstrengungen, transnationale Projekte zu ermöglichen.
Wir möchten die Freie und Hansestadt Hamburg ersuchen, ihren Sitz im Bundesrat sowie ihre politischen Einflussmöglichkeiten auf die Bundesregierung zu nutzen, um die Anerkennung des Völkermords an Ovaherero und Nama herbeizuführen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch nachdrücklich auf unseren Wusch hinweisen, dass der Ovaherero Paramount Chief Vekuii Rukoro und Gaob Johannes Isaack, Chief der Nama Traditional Authorities Association, das Volk der Ovaherero und der Nama bei allen Verhandlungen über die Frage des Völkermords vertreten.
Wir freuen uns auf eine ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit von Ovaherero und Nama einerseits und der Afrikanisch-Schwarzen Community und weiterer zivilgesellschaftlicher Akteure andererseits mit dem Senat. Diese enge Zusammenarbeit in allen Fragen, die das koloniale Erbe Hamburgs betreffen, sehen wir als unverzichtbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Prozess zur Dekolonialisierung der Stadt.
Wir, die VertreterInnen von Ovaherero und Nama, sowie die Arbeitsgruppe Quo-Vadis-Hamburg? hoffen sehr, dass die Stadt Hamburg die Zusicherungen des Senats in konkreten Schritten umsetzt.

Weiterführende Links: www.hamburg.de/bkm; Die Welt; kolonialismus.uni-hamburg.de

 

 

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Die Arbeit am kolonialen Erbe https://www.tiefgang.net/die-arbeit-am-kolonialen-erbe/ Fri, 09 Mar 2018 23:25:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3252 [...]]]> Hamburg ist eine Stadt mit lebhafter kolonialer Vergangenheit und ist mit Recht als die „Kolonialmetropole des Kaiserreiches“ neben Berlin bezeichnet worden. Nun wird ihr koloniales Erbe immerhin weiter erforscht …  

Die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) hat zum Monatswechsel im Rahmen der internationalen Tagung „Confronting the colonial past!“ verkündet, die wissenschaftliche Arbeit der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ der Universität Hamburg in den kommenden fünf Jahren mit einer Million Euro zu finanzieren. Im Mittelpunkt der zukünftigen Forschungsarbeit soll dabei die Auseinandersetzung mit der Provenienz kolonialer Objekte in Sammlungen und Museen, der visuellen Kultur des Kolonialismus sowie der historischen Rollen von Politik, Wirtschaft und Kultur stehen.

In der Pressemitteilung heißt es dazu:

„Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Professor Zimmerer und sein Team haben in den vergangenen Jahren exzellente Arbeit geleistet und sich national wie international einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Wir möchten gerne, dass Hamburg weiterhin seine koloniale Vergangenheit systematisch wissenschaftlich aufarbeitet und eine lebendige Erinnerungskultur in der Stadt spürbar ist. Dafür haben wir nun die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können in den kommenden Jahren ihren Beitrag dazu leisten.“

2014 hatte der Senat die wissenschaftliche Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg beschlossen. Die Einrichtung der Forschungsstelle, finanziert bis Anfang 2018 durch die Behörde für Kultur und Medien, die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, die Senatskanzlei sowie die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und anderen, war ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung dieses Beschlusses.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte gehört nicht zuletzt dank der hervorragenden Arbeit von Prof. Zimmerers Forschungsstelle und zahlreicher weiterer Akteure in unseren Museen sowie in Verbänden und Initiativen mittlerweile zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland. Hamburg nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. Die nun stattfindende Tagung ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe unserer Stadt, der Impulse insbesondere für die noch ausstehende Kontextualisierung der NS-Kolonialdenkmäler in Jenfeld geben wird. Auch die städtischen Museen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit Themen der Kolonialgeschichte auseinandergesetzt und verschiedene Forschungsprojekte, zum Beispiel im Bereich der Provenienzforschung, umgesetzt.“

Prof. Dr. Dieter Lenzen: „Ich begrüße die Wertschätzung der Forschungsstelle „Hamburgs (post)-koloniales Erbe“ an der Universität, die sich in der erneuten Förderung der Forschungsarbeiten spiegelt – ein für Hamburg spezifisch bedeutsames Thema!“

Die Forschungsstelle untersucht die Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien. Sie erarbeitet die historischen Grundlagen zum (post-)kolonialen Erbe und steht öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Institutionen und Personen beratend zur Seite. Dazu zählen auch regionale, überregionale und internationale Medien. Die Forschungsstelle hat im Sommer 2016 eine Ringvorlesung an der Universität Hamburg zum Thema „Hamburg: Deutschlands Tor zur kolonialen Welt. Über den Umgang mit einem schwierigen Erbe“ durchgeführt. Außerdem erstellt die Forschungsstelle zurzeit eine Bibliographie zum kolonialen Erbe Hamburgs und einen Sammelband zum Thema „Hamburg und die frühe Globalisierung, koloniale Erinnerungsorte in der Hansestadt“. Die Tagung „Confronting the colonial past!“, stellt aktuell die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse einem internationalen Fachpublikum vor.

Prof. Zimmerer

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle: „Ich freue mich sehr, dass die Zukunft der Forschungsstelle gesichert ist. Die Diskussion um den Kolonialismus gehört zu den großen identitätsstiftenden Debatten unserer Zeit in Deutschland. Die richtungsweisende Entscheidung des Senats ermöglicht es uns, auch zukünftig die Stimme der Wissenschaft und ihre Erkenntnisse in die nationale wie internationale Debatte einzubringen.“

Neben der Einrichtung der Forschungsstelle sind zahlreiche weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg umgesetzt und angeschoben worden. So haben sich unter anderem die städtischen Museen in den vergangenen Jahren verstärkt mit Themen der Kolonialgeschichte auseinandergesetzt: In den Museumsstiftungen sind verschiedene Forschungsprojekte begonnen worden. Hervorzuheben ist hier die jüngst abgeschlossene Erforschung der Provenienzgeschichte von drei wertvollen Bronzen aus Benin, die aktuell im Rahmen der Ausstellung „Raubkunst?“ im Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert und in einem Begleitkatalog dokumentiert wird. (Post-)koloniale Themen werden auch im Rahmen der anstehenden Neukonzeption von Dauerausstellungen in den historischen Museen, im Museum für Völkerkunde sowie in der Entwicklung des Deutschen Hafenmuseums von Bedeutung sein. Auch in vielen öffentlich geförderten künstlerischen Projekten spielte das Thema in den vergangenen Jahren eine Rolle.

Im November 2017 fand auf Einladung der Behörde für Kultur und Medien die Auftaktveranstaltung zur Gründung eines Runden Tisches zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes statt. Ziel der Veranstaltung war es, den Grundstein für ein Fachgremium zu legen, das künftig die Beteiligung der Zivilgesellschaft sicherstellen und den Prozess der Entwicklung eines gesamtstädtischen postkolonialen Erinnerungskonzepts beratend begleiten soll. Der zweite Runde Tisch findet am 23. März 2018 im Museum für Hamburgische Geschichte statt.

Quelle: Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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