Hannimari Jokinen https://www.tiefgang.net Tue, 22 Aug 2023 13:56:52 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Das Land spricht. Sámi Horizonte https://www.tiefgang.net/das-land-spricht-sami-horizonte/ Fri, 25 Aug 2023 22:46:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10207 [...]]]> Die Ausstellung Das Land spricht. Sámi Horizonte zeigt vom 8. September 2023 bis 25. Februar 2024 das Zusammenspiel zeitgenössischer Positionen und historischer Objekte und stößt einen längst überfälligen Perspektivwechsel auf Geschichte und Gegenwart der Sam*innen an.

Der bislang kaum thematisierte nordische Kolonialismus bezeichnet die Unterdrückung und Vertreibung der Sam*innen, deren Heimat Sápmi sich über die nördlichen Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und die Kola-Halbinseln der Russischen Föderation erstreckt. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) beherbergt eine der größten Sammlungen samischer Kunst- und Kulturgüter in Deutschland, die in diesem kolonialen Kontext erworben wurde.  So stehen Diskriminierung, Landnahme und Umweltzerstörung im Fokus der Arbeiten von Sissel M. Bergh, Annika Dahlsten & Markku Laakso, Marja Helander, Erica Huuva, Britta Marakatt-Labba, Outi Pieski, Katarina Pirak Sikku und Anniina Turunen die auch Ausdruck von Emanzipationsbewegungen und bis heute anhaltendem Widerstand sind.

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des MARKK: „Es war für uns großartig, dass uns das Kunsthaus Hamburg und Hannimari Jokinen zur Kooperation eingeladen haben. Wir haben dies zum Anstoß genommen uns näher mit unseren Sapmi-Beständen auseinanderzusetzen, die in den letzten Jahren von mehreren Sami-Delegationen konsultiert wurden. Das Land spricht  ergänzt die im Kunsthaus Hamburg gezeigte, bereits im Juni eröffnete Ausstellung SPEAKING BACK. Decolonizing Nordic Narratives. Gemeinsam möchten die Ausstellungen ein Hamburger Publikum für den bisher kaum beachteten ‚nordischen Kolonialismus‘ sensibilisieren und samische Perspektiven und Empowerment-Bewegungen in Kunst und Wissenschaft in den Fokus nehmen.“

Samische Künstler*innen erfahren im globalen Ausstellungswesen zunehmende Aufmerksamkeit. So wurden 2017 im Rahmen der documenta 14 in Kassel Künstler:innen wie Máret Ánne Sara und Britta Marakatt-Labba neben sechs weiteren samischen Positionen gezeigt und international rezipiert. Auch der Nordische Pavillon in den Giardini der Venedig Biennale 2022 wurde zum Sámi Pavillon umbenannt und erstmalig von samischen Kurator:innen und Künstler*innen bespielt.

Während die Ausstellung im Kunsthaus Hamburg primär zeitgenössischen künstlerischen Positionen gewidmet ist, verbindet die Ausstellung am MARKK zeitgenössische Werke der Künstler*innen Sissel M. Bergh, Annika Dahlsten & Markku Laakso, Marja Helander, Erica Huuva, Britta Marakatt-Labba, Outi Pieski, Katarina Pirak Sikku und Anniina Turunen mit Objekten, die vor allem im Zeitraum zwischen 1910 und 1916 in das Museum eingingen. Diese wurden durch die Öffnung der Archive und Sammlungen und die Zusammenarbeit mit samischen Künstler:innen und Wissenschaftler*innen einer Neubetrachtung und Würdigung aus samischer Perspektive unterzogen.

Im Rahmen samischer Selbstbestimmungsbewegungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts spielen nicht nur die Wiederaneignung von Sprache, der Schutz von samischem Land und des für große Teile der Sam*innen auf Rentierzucht basierenden Lebensstils eine wichtige Rolle, sondern auch das materielle kulturelle Erbe der Sam:innen, in dem technologisches, spirituelles und ökologisches Wissen und ästhetische Vorstellungen ihren Ausdruck finden. Mit Das Land spricht. Sámi Horizonte setzt das MARKK einen ersten Schritt in der Aufarbeitung der etwa 1300 Stücke umfassenden Sápmi-Bestände, die derzeit in den Depots des Museums aufbewahrt werden, und von denen ausgewählte Beispiele in der Ausstellung gezeigt werden.

Für die Ausstellung konnte das Werk Beavvit – Rising Together (2019) von Outi Pieski als Leihgabe aus dem Nationalmuseum Oslo nach Hamburg gebracht werden. Ein Höhepunkt ist die mit der großzügigen Förderung der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen angekaufte Arbeit Áige mátkosteapmi / A journey in time (2023) der prominenten samischen Künstlerin Britta Marakkatt-Labba.

Der Freundeskreis des MARKK ünterstützte die Ausstellung beim Erwerb einer Kinderkappe von Solveig Labba, einem Silbercollier von Erica Huuva und einem seidenen Schultertuch von Anniina Turunen, in das die samische Losung eingewebt ist: „Mii leat ain dás“ (Wir sind noch da.). Die Arbeiten sind drei wichtige Beispiele zeitgenössischen duodji, des samisches Kunst- und Kulturschaffens. Zwei Kunstwerke – eine Installation von Katarina Pirak Sikku und eine Videoarbeit von Outi Pieski – sind für die Ausstellung neu entstanden und setzen sich mit historischen Gegenständen aus dem Bestand des MARKK auseinander.

Dr. Anna-Sophie Laug, Kuratorin: „Eine besondere Bereicherung war für mich während der Ausstellungsvorbereitung der Austausch mit den samischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie ihr Wissen und ihre Gedanken mit uns geteilt haben. Die beiden für die Ausstellung kreierten Kunstwerke von Outi Pieski und Katarina Pirak Sikku reflektieren auf eindrückliche Weise die Wiederaneignung von samischem Kulturgut.“

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und ein Katalog begleiten die Ausstellung. Am Sonntag, 10. September findet im Kunsthaus Hamburg und dem MARKK zwischen 12 und 18 Uhr ein Thementag der samischen Kultur und Geschichte statt. Informationen zum Programm finden Sie hier.

Das Land spricht. Sámi Horizonte entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Hamburg. Im Kunsthaus Hamburg ist vom 3. Juni bis 1. Oktober 2023 die Ausstellung SPEAKING BACK zu sehen.

 

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„Erinnerungspolitik wie in der Kaiserzeit!“ https://www.tiefgang.net/erinnerungspolitik-wie-in-der-kaiserzeit/ Fri, 18 Nov 2022 23:54:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9502 [...]]]> Sich dem kolonialen Erbe der eigegen Geschichte zu stellen, ist mit Statements alleien nicht getan. Diese Erfahrung machen gerade Kolonialhistoriker*innen aber auch Politiker*innen im Bezirk Altona. Der Diskurs beginnt erst …

2014 beschloss der Hamburger Senat eine Dekolonisierung der Stadt. Dabei sollen auch kolonial oder antidemokratisch belastete Denkmäler im öffentlichen Raum kritisch hinterfragt und kommentiert werden. Nun wird in einer Pressemitteilung des Projektes „freedom-roads“ heftiger Protest von beteiligten Historiker*innem laut:  Am Ausschuss für Kultur und Bildung der Bezirksversammlung Hamburg-Altona scheinen all diese städtischen Diskurse aber spurlos vorüber gegangen sein. Stattdessen wird Kritik an den ehernen Kolonialakteuren auf Sockeln zensiert. 2020 beauftragte der Ausschuss ein Team von vier Historiker*innen und Expert*innen für die Kolonialgeschichte Altonas und Hamburgs – Gisela Ewe, Hannimari Jokinen, Dr. Dirk Lau und Frauke Steinhäuser –, neue Texte für Gedenktafeln an neun Erinnerungsorten in Altona zu schreiben, darunter auch Personendenkmäler wie die Bismarck-Statue in der Königstraße und das Monument für Blücher an der westlichen Seite des Altonaer Rathauses.
„Wir erfuhren dann aus der Presse, dass die Vertreterin der CDU im Kulturausschuss, Kaja Steffens, die kolonialkritischen Stellen in unseren Texten abschwächen oder ganz streichen ließ, während sie Passagen einbaute, die apologetische Kolonialmythen reproduzieren“, kritisiert Hannimari Jokinen. Leider gelang es Steffens und der CDU, die Mehrheit im Kulturausschuss hinter sich zu versammeln.

Mehrmals wiesen die Historiker*innen die Mitglieder des Altonaer Kulturausschusses auf das Hamburger Programm zur Dekolonisierung des öffentlichen Raums hin, stießen aber auf taube Ohren: Der Ausschuss übernahm die revisionistischen Textänderungen der CDU. Im Hamburger Abendblatt vom 28. Mai 2022 bezeichnete Frau Steffens die auf intensiver Archivarbeit beruhenden Texte der vier Historiker*innen als „einseitige, politisch motivierte Geschichtsklitterung nach heutigem, woken Mainstream“.
Gegen diesen Versuch der Disqualifizierung ihrer wissenschaftlichen Arbeit verwahren sich die Historiker*innen ausdrücklich: „Wir distanzieren uns von den im Kulturausschuss beschlossenen Textversionen für die Gedenktafeln, die Kolonialismus relativieren und eurozentrischen Darstellungen Vorschub leisten“, so Jokinen. Und Gisela Ewe kritisiert: „Durch ihre Textänderungen schwächt die Bezirksversammlung die Kritik an Bismarck nicht nur ab, sondern fügt ausgerechnet den umstrittenen imperialistischen Berliner Kongress von 1878 als positives Beispiel von Bismarcks Schaffen hinzu. Das ist ganz offensichtlich politisch motiviert und hat nichts mit historischer Expertise zu tun.“ 

Eines der Streitpunkte ist das Denkmal des Grafen von Blücher, das nahe des Altonaer Rathauses steht. Bis heute feiert das vom Rathaus Altona vorgegebene Narrativ den dänischen Bürgermeister Altonas, Conrad Daniel Graf von Blücher (1764–1845), als Wohltäter. „Es blendet aus, dass Blücher wirtschaftlich, familiär und von Amts wegen tief im Kolonialhandel verstrickt war, wie neuere Archivforschung ergeben hat. Trotz seiner Meriten für Hamburgs Wohlergehen ist es unseriös und falsch verschweigen zu wollen, dass er ein Profiteur der versklavenden Plantagenwirtschaft war. Seit einem Jahrzehnt laden fachkundige Menschen im Stadtteil zu postkolonialen Stadtrundgängen ein, die auf großes öffentliches Interesse stoßen. Während der Ausschuss für Kultur und Bildung in Altona noch heute kolonialen Mythen nachhängt, ist das kolonialkritische Wissen in der Bevölkerung deutlich gewachsen. Das Blücher-Denkmal gehört dekolonisiert“, so die Kritiker*innen

 

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Bismarck 2.0 https://www.tiefgang.net/bismarck-2-0/ Fri, 13 Nov 2020 23:37:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7395 [...]]]> „Bismarck neu kontextualisieren“ – unter diesem Motto lädt die Behörde für Kultur und Medien am Donnerstag, 19. November um 18 Uhr zu einem digitalen Podiumsgespräch zum Umgang mit dem Hamburger Bismarck-Denkmal ein.

Es diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Initiativen Decolonize Bismarck, Intervention Bismarckdenkmal Hamburg und Bismarck’s Critical Neighbours sowie der Historiker Dr. Ulf Morgenstern von der Otto-von-Bismarck-Stiftung und der Kunsthistoriker Dr. Jörg Schilling. Das Gespräch wird von dem Journalisten und Buchautor Mohamed Amjahid moderiert.

Die weltweiten Debatten und Proteste der letzten Monate zum Umgang mit kolonial-belasteten und rassistischen Denkmälern haben auch die Auseinandersetzung mit dem Hamburger Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark erreicht. Die Behörde für Kultur und Medien lädt unterschiedliche Interessengruppen parallel zu der laufenden Sanierung des Denkmals zu einem Prozess der Neu-Kontextualisierung des weithin sichtbaren denkmalgeschützten Standbilds ein. Ziel ist es, seine vielschichtig verflochtenen Bezüge zu Nationalismus, Kolonialismus und Nationalsozialismus sowie zu Fragen von Verfolgung, Diskriminierung und sozialer Gerechtigkeit deutlich zu machen. Den Auftakt zu diesem Beteiligungsprozess bildet ein digitales Podiumsgespräch, das die Forderungen nach einem kritischen Umgang mit dem Hamburger Bismarck-Denkmal öffentlich zur Diskussion stellt und sich auch Fragen nach einer zivilgesellschaftlichen Partizipation an einem solchen Verfahren widmet. Anfang kommenden Jahres soll die Auseinandersetzung mit internationaler Beteiligung weiter vertieft werden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das Bismarck-Denkmal kann nicht einfach weiter unkommentiert im Stadtbild stehen. Es repräsentiert eine autoritäre und koloniale Vergangenheit, die im Widerspruch zu unseren heutigen Vorstellungen einer offenen, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft steht. Das Standbild wollen wir neu kontextualisieren, um unsere Wahrnehmung kritisch zu brechen. Wie das gelingen kann, wollen wir in einem Beteiligungsprozess klären, den wir nun mit diesem digitalen Podiumsgespräch beginnen. Ich freue mich darauf, die Standpunkte und Argumente der unterschiedlichen Initiativen zu hören und auf dieser Basis die Auseinandersetzung zu vertiefen.“

Programm

Begrüßung

  • Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien

Podium

  • Hannimari Jokinen, Kodjo Gläser (Initiative Decolonize Bismarck)
  • Dr. Dirk Lau, Martin Spruijt (Intervention Bismarckdenkmal Hamburg)
  • Maren Grimm, Dr. Ulrike Bergmann (Bismarck’s Critical Neighbours)
  • Dr. Ulf Morgenstern (Otto-von-Bismarck-Stiftung)
  • Dr. Jörg Schilling, freier Kunsthistoriker

Moderation

  • Mohamed Amjahid, Journalist und Autor (u.a. DIE ZEIT, Spiegel, taz)

 

Die Diskussion findet digital über Zoom statt. Bitte melden Sie sich über kb-museen@bkm.hamburg.de an.

 

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„Wichtigste erinnerungspolitische Aufgabe“ https://www.tiefgang.net/wichtigste-erinnerungspolitische-aufgabe/ Fri, 12 Apr 2019 22:36:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5107 [...]]]> Vor mehr als zehn Jahren gab es die Idee eines Parks Postkolonial in Harburg zu gestalten. Davon wollten viele nichts wissen. Doch das Thema bleibt. Jetzt vertieft es ein Beirat.

Hamburg und auch das früher eigenständige Harburg an der Elbe sind tief mit der Geschichte des deutschen Kolonialismus verbunden. Aufgearbeitet wurde es bisher wenig. Der Anfang des Jahrtausend initiierte ´Park Postkolonial` wurde insbesondere in den Harburger Reihen torpediert. Doch Geschichte holt einen bekanntlich eh immer wieder ein. Seit geraumer Zeit gibt es in Hamburg dazu eine Forschungsstelle und jetzt auch einen Beirat.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Die kritische Aufarbeitung der kolonialen Geschichte gehört zu den wichtigsten erinnerungspolitischen Aufgaben unserer Zeit. Nach langjährigem Engagement verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen, insbesondere der Schwarzen Communities und People of Color, hat Hamburg sich bereits 2014 dazu entschlossen, die koloniale Vergangenheit der Hansestadt aufzuarbeiten. 2017 wurde mit dem Runden Tisch Koloniales Erbe ein breit aufgestellter Beteiligungsprozess auf den Weg gebracht. Am Montagabend, 8. April 2019, hat sich der von Senator Dr. Carsten Brosda berufene Beirat zur Aufarbeitung der Hamburger Kolonialgeschichte erstmals getroffen. Der Beirat wird die Behörde für Kultur und Medien als Fachgremium in Fragen der postkolonialen Erinnerungskultur Hamburgs beraten und Empfehlungen zu Fragestellungen, Projekten und Vorhaben der postkolonialen Aufarbeitung und Dekolonisation abgeben. 

Postkolonialer Perspektivwechsel

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Kolonialismus war ein System von Herrschafts-, Gewalt- und Ausbeutungsverhältnissen, das in den Gesellschaften der Kolonisierten wie der Kolonisierenden nachhaltige Spuren hinterließ, die bis heute wirken. Endlich wird auf vielfältiger Weise und auf unterschiedlichen Ebenen mit der Aufarbeitung dieses schwierigen Kapitels unserer Geschichte Ernst gemacht. Die Gründung des Beirats ist ein weiterer Baustein zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes unserer Stadt, mit dem wir auch der Entwicklung eines postkolonialen Erinnerungskonzepts für Hamburg einen wichtigen Schritt näher kommen. Mit dem partizipativen Ansatz wollen wir einen postkolonialen Perspektivwechsel sicherstellen. Viele weitere wichtige Schritte sind noch notwendig, die mit Unterstützung des Beirates und des Runden Tisches hoffentlich eine breite Unterstützung erfahren.“

Love Newkirk, Beiratsmitglied: „Nicht zuletzt wegen des zunehmenden Rassismus in unserer Gesellschaft müssen wir dringend den Kolonialismus aufarbeiten, uns an seine Geschichte erinnern und seine Folgen verstehen Der Beirat wird dazu seinen Beitrag leisten.“

Zuallererst wird sich der Beirat an der Erstellung eines dekolonisierenden Erinnerungskonzepts für die Freie und Hansestadt Hamburg beteiligen, das gesamtstädtisch und behördenübergreifend Geltung erlangen soll. Hamburg wäre damit die erste Stadt Deutschlands, die sich strategisch mit der Gestaltung ihrer postkolonialen Erinnerungskultur auseinandersetzt. In seinen Sitzungen wird der Beirat über die Fragen, Themen und Impulse des Runden Tischs Koloniales Erbe beraten, seine Beratungsergebnisse dem Runden Tisch zur Diskussion stellen und ihm über seine weiteren Aktivitäten berichten.

Der Beirat ist interdisziplinär mit insgesamt 14 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kultur, Bildung, Kunst, Medien, Soziales und Wirtschaft besetzt, die sich in ihrer Arbeit und in ihrem Engagement aktiv mit der Dekolonisation unserer Gesellschaft befassen. Weitere Berufungen können auf Vorschlag des Beirats erfolgen. Um einen postkolonialen Perspektivwechsel sicherzustellen, ist der Beirat vorrangig mit migrantisch-diasporischen Expertinnen und Experten aus den vom Kolonialismus betroffenen Ländern und Gesellschaften besetzt. Die Berufung der Gründungsmitglieder erfolgte auf Basis von Vorschlägen und Empfehlungen von Vertreterinnen und Vertretern der Communities, zivilgesellschaftlichen Initiativen und dem Integrationsbeirat durch den Senator der Behörde für Kultur und Medien für zwei Jahre.

Berufen wurden: Emmanuel Asare, Sonja Collison, Tom Gläser, Yolanda Gutiérrez, Qiang Gu, Hannimari Jokinen, Prof. Dr. Koffivi Lolo, Love Newkirk, Dan Thy Nguyen, Dr. Thomas Overdick, Jonas Prinzleve, Sally-Mary Riedel, Anke Schwarzer und Verena Westermann.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

Hintergrund Harburg: In Harburg etwa gibt es abgehend von der Bremer Straße noch immer die nach dem Palm-Importeur benannte Gaiserstraße. Gottlieb Leonhard Gaiser war hauptsächlich als Palmkernimporteur tätig. Aus den Kernen wurde nach der ‚Gaiser-Methode‘ Palmöl gewonnen, das vielseitig verwendbar war als Schmiermittel für Maschinen, in der Lebensmittelindustrie und Kosmetikbranche. Er baute Mitte des 19. Jahrhunderts bereits die Ölfabrik Gaiser & Co. in Harburg und die Einkaufsgesellschaft G.L. Gaiser in Hamburg auf, um die Zollbestimmungen optimal zu nutzen. In Westafrika kaufte das Unternehmen Niederlassungen unter dem Namen Gaiser & Witt und gründete in Kamerun die Hamburg-Afrika-Gesellschaft. So wurde Gaiser zum größten Importeur für Palmprodukte.

Weiterführender Link: afrika-hamburg.de

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