Heiko Langanke https://www.tiefgang.net Fri, 31 Jul 2026 07:29:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Harburgs Historie hautnah https://www.tiefgang.net/harburgs-historie-hautnah/ https://www.tiefgang.net/harburgs-historie-hautnah/#respond Thu, 30 Jul 2026 22:17:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14317 [...]]]> Harburgs Geschichte zu Fuß erleben: Heiko Langanke lädt wieder zu Stadtteilrundgängen durch die koloniale und industrielle Vergangenheit des Hamburger Südens ein.

Man steht vor dem Harburger Rathaus und fragt sich unwillkürlich: Wann ist das denn bitte hier reingestellt worden? Denn es will so gar nicht recht passen in die heutige, bisweilen doch eher ernüchternde Stadtlandschaft Harburgs, wo Beton, verwaiste Fassaden und städtebauliche Brüche oft den Ton angeben.

Genau diese irritierte Verwunderung war es wohl auch, die Heiko Langanke einst umtrieb. Wer mit offenen Augen durch den Süden Hamburgs geht, stolpert permanent über solche historischen Fremdkörper, über Spuren einer verblassten Industriebonanza und globale Verflechtungen, die im heutigen Alltag meist unsichtbar bleiben. Langanke, Kopf hinter geschichtsbewussten Interventionen wie der historischen Schaufenster-Folierung des ehemaligen Karstadt-Leerstands über die Agentur reflexblue, gräbt diese Schichten seit Jahren wieder aus.

Nun lädt Langanke, auch Herausgeber unseres Feuilletons, zu einer neuen Reihe von Stadtteilrundgängen ein, die unter die Oberfläche des gegenwärtigen Straßenbelags blicken lassen. Und der Startpunkt könnte passender kaum sein: Am Donnerstag, den 13. August 2026, geht es um 18 Uhr direkt am Harburger Rathaus – genauer gesagt beim Tuba-Bläser – los.

Wer dort den Blick nach oben richtet, steht keineswegs vor dem urprünglichen Zentrum der Macht, sondern bereits vor dem dritten Rathaus in der wechselvollen Geschichte dieses Stadtbezirks. Es ist der Auftakt zu einer Tour, die uns von der industriellen Vergangenheit über die brandneuen Erkenntnisse der Studie „Koloniales Harburg“ von Annika Bärwald und Dr. Yves Schmitz bis hin zum Wandel der Stadtentwicklung führt. Rund zweieinhalb Stunden lang führt Langanke die Teilnehmenden durch die Epochen – vorbei am zweiten Harburger Bahnhof am Freitag (14.08.) und dem finalen Blick am Kanalplatz im Binnenhafen am Sonntag (16.8.).

Der Einstieg an diesem Rathaus zeigt bereits, wie trügerisch der erste Blick auf Harburg ist. Wer verstehen will, warum unsere Stadt heute so tickt, wie sie tickt, sollte sich auf diese Spurensuche einlassen. Die Zeitreise führt uns unweigerlich weiter, denn wer am Freitag, den 14.08. um 17 Uhr den Eingang des Harburger Bahnhofs ansteuert, blickt auf den nächsten geschichtlichen Sprung. Auch dieser monumentale Bau ist keineswegs der erste seiner Art, sondern der zweite in der Bahnhofsgeschichte der einst eigenständigen Stadt – ein Zeuge jener Epoche, in der Harburg als eigenständige Industriestadt zu einem europäischen Kraftpaket heranwuchs.

Hier, wo heute Pendlerströme und urbane Betriebsamkeit herrschen, entfaltet sich bei Langankes Rundgang das volle Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtungen. Die Tour verknüpft die klassische Industriegeschichte direkt mit den neuen, aufschlussreichen Erkenntnissen aus dem aktuellen Abschlussbericht „Koloniales Harburg“. Denn der Aufstieg zur Industriestadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert kam nicht aus dem Nichts. Er war untrennbar verbunden mit globalem Handel, guter verkehrlicher Infrastruktur und kolonialen Ausbeutungsketten und Rohstoffen wie Kautschuk oder Palmkernen, die hier an der Elbe verarbeitet wurden. Langanke blickt hinter die Fassaden des Ziegelbaus und zeigt, wie tief die Fäden der Globalisierung damals wie heute in den Boden des Südens eingewoben sind.

Auch der finale Teil der zeithistorischen Expeditionen führt uns dorthin, wo Harburgs industrielles Herz einst am stärksten schlug und heute der Wandel am greifbarsten ist: an den Kanalplatz im Harburger Binnenhafen. Am Sonntag, den 16.08. um 12 Uhr bildet dieser geschichtsträchtige Ort den Abschluss der kleinen Serie von Zeitreisen. Hier, wo Schiffe einst Güter aus aller Welt löschten und die enge Verzahnung von Hafenwirtschaft, globalem Handel und lokaler Arbeit das Gesicht des Viertels prägte, schließen sich die Fäden der Tour. Heiko Langanke führt die Teilnehmenden an jene Kaikanten, an denen die harten ökonomischen Realitäten der Industrialisierung und ihre Nachwirkungen bis in die heutige Stadtentwicklung greifbar werden. Es ist der perfekte Ort, um zu begreifen, wie eng Vergangenheit und Gegenwart im Hamburger Süden verwoben sind.

Im Überblick:

Für die spannende Spurensuche durch zwei Jahrhunderte kann man an drei Terminen jeweils rund zweieinhalb Stunden lang mitgehen: Den Auftakt macht der Gang vom Harburger Rathaus (Treffpunkt beim Tuba-Bläser) am Do., den 13. Aug., um 18 Uhr. Am Fr., den 14. Aug. um 17 Uhr führt die Tour ab Eingang des Harburger Bahnhofs. Den abschließenden Blick in den Wandel des Binnenhafens bietet der Rundgang am So., 16. Aug. um  12 Uhr ab Treffpunkt Kanalplatz. Die Teilnahme an allen Terminen ist kostenfrei, über Spenden freut sich der Veranstalter, und wegen teils unwegsamer Wege wird um entsprechende Beachtung gebeten.


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Geld für kleine Konzerte https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/ https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/#respond Thu, 30 Jul 2026 10:16:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14323 [...]]]> Wenn in den kleinsten Clubs der Stadt die Lichter ausgehen, wird die Musikstadt Hamburg plötzlich ganz leise. Gerade jene intimen Bühnen, die neuen Talenten eine erste Heimat geben, kämpfen aktuell ums Überleben. Gut, dass es support gibt.

Denn es gibt es einen dringend benötigten Rettungsanker: Die Clubstiftung Hamburg zieht eine positive Bilanz der zweiten Förderrunde ihres Programms „Minibooster“ und schüttete insgesamt 78.000 Euro an 26 Hamburger Kleinstclubs aus. Dank der großzügigen Unterstützung der Hamburger Stiftung elementarteilchen konnte die Fördersumme pro Spielstätte von zuvor 2.000 auf nun 3.000 Euro erhöht werden, um auf die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation adäquat zu reagieren.

In Zeiten massiv gestiegener Kosten für Veranstaltungstechnik, GEMA-Gebühren und die Künstlersozialkasse stehen viele Betreiber*innen mit dem Rücken zur Wand. Das trifft letztlich auch den Hamburger Süden mit seinen kleinen aber so wichtigen Kulturorten im Quartier, wie etwa das Turtur, die Deichdiele oder die Fischhalle Harburg. Hier entstehen jene unverwechselbaren Begegnungen zwischen Publikum und Nachwuchskünstler*innen, die für unsere lokale Identität unersetzlich sind.

Wie Vorstand Heiko Langanke betont, darf in wirtschaftlich extrem herausfordernden Zeiten nicht zugelassen werden, dass elementare Auftrittsmöglichkeiten für den musikalischen Nachwuchs wegbrechen. Der „Minibooster“ setzt hier genau am richtigen Punkt an, um den Live-Betrieb pragmatisch abzusichern. Wer diese unverzichtbare Arbeit unterstützen und das Überleben der kleinsten Bühnen sichern möchte, kann sich mit einer Spende unter dem Verwendungszweck „Minibooster“ direkt an der Aktion der Clubstiftung beteiligen.

Weitere Informationen unter Clubstiftung.de


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Generationswechsel in der Clubkultur https://www.tiefgang.net/generationswechsel-in-der-clubkultur/ https://www.tiefgang.net/generationswechsel-in-der-clubkultur/#respond Sat, 11 Jul 2026 22:26:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14157 [...]]]> Für Hamburgs Nachtschwärmer*innen sind sie der Puls der Stadt, eine absolute Konstante im urbanen Lebensgefühl: die Live-Musikclubs. Aber auch hier ist irgendwann ein Wechsel nötig …

Man tanzt, feiert und geht mit dem beruhigenden Gefühl nach Hause, dass der Lieblingsladen irgendwie immer da ist. Doch dieser vertraute Schein trügt. Hinter den bunten, neonbeleuchteten Fassaden und den dröhnenden Bässen vollzieht sich gerade eine stille, existenzielle Krise. Viele der prägenden Köpfe, die diese Kulturräume teils seit drei Jahrzehnten oder länger unter enormem persönlichen Einsatz und gegen jede bürokratische Welle durch schwere See gesteuert haben, erreichen in absehbarer Zeit das Rentenalter. Ohne eine rechtzeitige und professionelle Planung droht der Hamburger Clubszene das lautlose Sterben geschichtsträchtiger Orte.

Hier klinkt sich nun die Stiftung Private Musikbühnen Hamburg (Clubstiftung) ein und startet ein ambitioniertes Rettungsprogramm für den Generationswechsel. Ab sofort bietet sie eine strukturierte, vertrauliche und praxisnahe Begleitung für den gesamten Prozess der Clubübergabe an. „Ein Musikclub ist kein normales Unternehmen, das man einfach so inseriert. Hier hängen Herzblut, Kultur und jahrzehntelange Identität dran“, betont Heiko Langanke, 2. Vorsitzender der Clubstiftung Hamburg. „Wir merken in den Gesprächen, dass viele Betreibende vor den bürokratischen und finanziellen Hürden zurückschrecken und das Thema einfach vertagen. Genau hier setzen wir an.“

Das Unterstützungsangebot der 2010 von der Stadt und den Clubs gegründeten Stiftung ist feingliedrig aufgestellt. Es reicht vom diskreten Erstgespräch über die Strukturierung erster Ideen bis hin zur konkreten Modellentwicklung. Ob klassischer Verkauf, Verpachtung oder das Aufbrechen alter Strukturen hin zu einem Kollektiv oder Verein – die Clubstiftung stellt das nötige wirtschaftliche, steuerliche und vertragliche Know-how bereit oder vermittelt direkt an die passenden Expert*innen.

Flankiert wird das Ganze durch das laufende Projekt „Soundcheck Finanzen“. Denn eine erfolgreiche Übergabe gelingt nur, wenn die Betriebsstruktur zukunftssicher und transparent ist. Das Projekt hilft den Clubbetreibenden, die Liquidität im Blick zu behalten und die strikten Anforderungen der Finanzbehörden – etwa im Bereich der Barkassen – rechtssicher umzusetzen.

Besonders spannend: Die Initiative richtet sich nicht nur an die alteingesessene Garde des Nachtlebens, sondern öffnet die Türen ganz bewusst für die Stadtgesellschaft. Es ist ein flammender Aufruf an all jene, die ihr Geld nicht in anonymen Kapitalanlagen versenken, sondern gezielt in die „Soundtrackmaschinen“ des eigenen Lebens investieren wollen, um die Vielfalt der Musikstadt Hamburg nachhaltig zu sichern. Jede Beratung, die heute angestoßen wird, sichert den Clubsound von morgen. Detaillierte Informationen finden Interessierte auf der Plattform der Stiftung.

Weitere Infos hier: stiftung-private-musikbuehnen-hamburg.de/clubhilfen/


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Ein Fest der vollen Häuser https://www.tiefgang.net/ein-fest-der-vollen-haeuser/ Thu, 09 Apr 2026 22:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13602 [...]]]> Vier Wochen lang war der Hamburger Süden nicht wiederzuerkennen. Wo sonst der Alltag zwischen Pendelzügen und Hafenbecken taktet, regierten im März die Worte. Die 11. SuedLese ist Geschichte, aber der Nachhall dieses literarischen Marathons ist in Harburg, Wilhelmsburg und bis weit nach Buxtehude hinein noch deutlich zu spüren.

Unter dem passenden Motto Orte der Worte verwandelte sich die gesamte Region in eine einzige, pulsierende Bühne für alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt – und oft weit darüber hinausging.

Es war ein Fest der vollen Häuser. Dass die SuedLese längst eine feste Institution ist, zeigte der enorme Andrang. Ob bei den großen Namen wie Michel Abdollahi, der trotz terminlicher Verschiebung für ungebrochene Begeisterung sorgte, oder in der intimen Atmosphäre von Claus-Peter Rathjens plattdeutscher Wohnzimmerlesung: Die Neugier des Publikums war grenzenlos. Wer zu spät kam, stand oft vor verschlossenen Türen – ein schönes Luxusproblem für die lokale Kulturszene.

Besonders hängen geblieben ist die Energie der Debüts. In Buxtehude feierte die Ladies Crime Night Premiere und bewies, dass Krimis im Zehn-Minuten-Takt mit echtem Adrenalin funktionieren. Wenn der Schuss vom Band die Lesezeit gnadenlos beendete, blieb das Publikum mit Cliffhangern zurück, die förmlich nach dem Gang zum Büchertisch schrien. Es ist genau dieser Mix aus Unterhaltung und Anspruch, den die Organisator*innen um Heiko Langanke so meisterhaft kuratieren.

Doch die SuedLese scheute auch die harten, schmerzhaften Themen nicht. Dominik Bloh berichtete in einer fast greifbaren Intensität von seinen Jahren auf der Straße und seinem Weg zurück in die Sichtbarkeit. Rina Schmeller brach im Speicher am Kaufhauskanal mit ihrem Debüt Co das Schweigen über Co-Abhängigkeit, während Mia Raben am Moorburger Elbdeich die unsichtbaren Geschichten polnischer Pendel-Migrant*innen beleuchtete. Diese Stimmen gaben dem Festival eine politische Relevanz, die weit über rein literarische Zirkel hinausreicht.

In den Gesprächen mit den Künstler*innen wurde deutlich, wie sehr die Orte die Texte prägen. Jan Simowitsch entführte seine Zuhörer*innen im Amtshaus Moisburg bis auf die Färöer-Inseln und ließ sie an seinem radikalen Ausbruch teilhaben. Kea von Garnier nutzte die raue Atmosphäre des Stellwerks im Harburger Bahnhof, um über die Verletzlichkeit junger Männer und das Patriarchat zu sprechen. Es sind genau diese Begegnungen auf Augenhöhe, die das Festival so nahbar machen.

Zum Abschluss setzte die belarussische Philosophin Olga Shparaga im Kulturhaus Süderelbe einen wichtigen Akzent. Ihr Bericht über den Mut der Frauen in Belarus und die Kraft der zivilen Solidarität erinnerte daran, dass Kultur und Freiheit untrennbar miteinander verwoben sind.

Organisator Heiko Langanke blickt auf einen rasanten Lauf zurück, der trotz mancher Debatten im Vorfeld die demokratische Grundhaltung des Festivals unterstrich. Sein Beharren auf der Eigenverantwortung der Orte und dem Respekt vor der künstlerischen Freiheit ist das Rückgrat der SuedLese. Wenn am Ende die Wangen der Besucher*innen noch vibrieren, wie es Jan Simowitsch hoffte, dann hat dieses Festival alles richtig gemacht. Der Hamburger Süden hat bewiesen, dass er nicht nur arbeiten, sondern auch leidenschaftlich zuhören und streiten kann. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Kapitel.

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Raum für das Wort von morgen https://www.tiefgang.net/raum-fuer-das-wort-von-morgen/ Sun, 22 Feb 2026 23:04:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13304 [...]]]> Heiko Langanke ist aus der Kulturszene im Hamburger Süden kaum wegzudenken. Seit er im Jahr 2005 den Jazzclub im Stellwerk mitinitiierte, hat er ein Geflecht aus kulturellen Initiativen gewoben, das von der Musik über die Bildende Kunst bis hin zum geschriebenen Wort reicht.

Im Zentrum des literarischen Kosmos stehen die SuedLese Literaturtage, die seit elf Jahren einen besonderen Akzent setzen. In unserem Gespräch spricht er über die Bedeutung von Orten, den Mut zum ersten Satz und die Frage, wie man eine geerdete Szene lebendig hält.

Tiefgang (TG): Herr Langanke, die SuedLese ist in den vergangenen elf Jahren von einer ersten Beobachtung zu einem beachtlichen Festival mit jährlich über 40 Veranstaltungen gewachsen. Hätten Sie diese Beständigkeit zu Beginn für möglich gehalten?

Heiko Langanke: Offen gestanden, nein. Unser ursprünglicher Impuls war es lediglich, denjenigen, die sich im Hamburger Süden mit Schrift und Wort beschäftigen, ein wenig Spotlight zu verschaffen. Spotlight, will heißen: eine gezielte öffentliche Aufmerksamkeit, die das Augenmerk auf das Schaffen im Verborgenen lenkt. Dass daraus ein etabliertes Festival erwachsen würde, auf das die Literaturfreunde und -freundinnen jährlich hinarbeiten, war damals nicht abzusehen. Es ist jedoch eine schöne Bestätigung für die Beharrlichkeit unserer Formate, die selbst schwierige Zeiten wie die Pandemie überstanden haben.

TG: Ein Kernaspekt Ihres Konzepts ist die Einheit von Autor und Autorin sowie dem jeweiligen Leseort. Lehnen Sie große, anonyme Räume zugunsten eines persönlicheren Ansatzes ab?

Heiko Langanke: Es ist eine Frage der Authentizität. Bei uns findet nichts statt, was die Akteure und Akteurinnen vor Ort nicht selbst gestalten wollen. Der Abend bildet eine organische Einheit, bei der das eine ohne das andere kaum denkbar ist. Wir motivieren die beteiligten Institutionen – vom Hotel bis zur Geschichtswerkstatt – dabei gar nicht aktiv; sie bringen ihre eigenen Ideen und ihre eigenen Protagonisten und Protagonistinnen mit. Für uns bedeutet das zwar, dass wir bei der Programmgestaltung oft erst spät wissen, wohin uns die Reise führt, aber genau das macht den Reiz aus.

TG: Die SuedLese wird oft als das Kinderzimmer der kommenden Autoren und Autorinnen bezeichnet. Nun unterstützt die ZEIT-Stiftung Bucerius das Festival gezielt bei der Vorstellung von Debütantinnen und Debütanten.

Heiko Langanke: Diese Unterstützung ist für uns ein wichtiges Signal. Debütantinnen und Debütanten, will heißen: Verfasserinnen und Verfasser, die ihr allererstes Werk der Kritik und der Öffentlichkeit vorstellen. Namen wie Ben Westphal oder Regine Seemann haben bei uns ihre ersten Schritte gemacht. Ein Festival bietet mit seinem Medienzauber eine ganz andere Bühne als das bloße Lesen vor Freunden und Freundinnen im Café um die Ecke. Es erfordert Mut, sich diesem neuen Publikum zu stellen, gibt aber auch die notwendige Motivation für den weiteren Weg.

TG: Für das Jahr 2026 kündigen sich bereits neue Stimmen wie Kea von Garnier und Rina Schmeller an. Worauf legen Sie bei der Förderung dieser jungen Talente besonderen Wert?

Heiko Langanke: Wir bauen stetig unsere Kontakte zu Verlagen und Netzwerken aus. Ein Fest wie die SuedLese kann hier besonders nachhaltig wirken, da es eine geerdete Szene bietet. Diese Basis ist entscheidend, bevor literarische Strömungen irgendwann in der sogenannten Hochkultur gewürdigt werden. Es geht uns um ein Gespür für den Punk in der Literatur, für Themen wie Subkultur oder gesellschaftliche Härte, wie wir sie etwa bei Dominik Bloh oder Kristjan Knall sehen.

TG: In Buxtehude wagen Sie zudem mit einer speziellen Ausgabe der Ladies Crime Night den Vorstoß in das Krimi-Genre. Was versprechen Sie sich von diesem Format?

Heiko Langanke: Buxtehude ist literarisch sehr bewandert, kannte dieses spezifische Format aber bisher noch nicht. Dass die Mörderischen Schwestern eine so exzellente Nachwuchsarbeit leisten, ermöglicht uns eine ganze Nacht im Zeichen der Spannung. Wir wollen das Publikum erreichen, das neugierig auf die Bücher von morgen ist. Wo genau uns das hinführt, wird wie immer die Zeit zeigen.

TG: Vielen Dank für das Gespräch und wir lassen uns – wie jedes Jahr – mal wieder überraschen …!

Die SuedLese Literaturtage finden meist vier Wochen vor Ostern und im Hamburger Raum südlich des Elbflusses statt. In 2026 dann eben vom 1. bis 31. März und fast an „jedem Tag ein Literat“. Das Programm findet sich zum Anschauen oder auch zum Download unter www.suedlese.de oder gedruckt in den jeweiligen Leseorten.

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Explosive Erinnerung in Harburg https://www.tiefgang.net/explosive-erinnerung-in-harburg/ Fri, 11 Jul 2025 22:50:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12098 [...]]]>

Am 19. Juli 2025 steht ein Datum im Kalender, das elektrisiert und zum Nachdenken anstachelt: vor 88 Jahren eröffnete in München die Ausstellung „entartete Kunst“!

88 Jahre nach der infamen Ausstellung „Entartete Kunst“ in München, die einst Künstler*innen verteufelte und Freiheit diffamierte, lädt nun die Internationale Buchhandlung „Horizonte“ zu einer brisanten Diskussion ein. Das ist kein müdes Geschichtsreferat, das ist ein energiegeladener Kultur-Weckruf, der die Bedeutung von Kunstfreiheit und Kulturpolitik in den Fokus rückt – heute, hier, bei uns in Harburg!

Die Vergangenheit hallt nach, und sie fordert uns heraus. 88 Jahre ist es her, dass die Nationalsozialisten ihre Hass-Ausstellung eröffneten, um „moderne“ Kunst als krankhaft und volksfeindlich zu diffamieren. Unfassbar, welche Wunden das geschlagen hat! Doch gerade deshalb ist es essenziell, die Erinnerung wachzuhalten und die Mechanismen von Diffamierung und Zensur immer wieder aufs Neue zu durchleuchten. Wie zeitlos ist diese Bedrohung? Wie verteidigen wir unsere Kultur vor ideologischen Vereinnahmungen?

Diese brennenden Fragen werden an diesem Abend von zwei spannenden Stimmen beleuchtet:

Heiko Langanke von der Kunstleihe Hamburg e.V. und Die Linke bringt die Perspektive des Engagements für Kunst und Zivilgesellschaft ein. An seiner Seite:

Okşan Karakuş, die kulturpolitische Sprecherin der SPD Fraktion Harburg, die den Blick auf die kommunale Verantwortung und die politischen Rahmenbedingungen lenken wird. Eine seltene und wichtige Konstellation, die zeigt: Wenn es um die Verteidigung unserer kulturellen Grundwerte geht, müssen Gräben überwunden werden.

Das Ganze findet um 19 Uhr in der Internationalen Buchhandlung „Horizonte“ statt – und könnte es einen passenderen Ort geben? Ein Ort, wo Bücher leben, wo Ideen sich entfalten, wo Austausch und Horizonterweiterung Programm sind. Eine Buchhandlung als Bastion der Gedankenfreiheit – das passt perfekt zu diesem brisanten Thema. Das ist Lokalpatriotismus, der Mut macht und zeigt, dass Kulturpolitik eben nicht nur in großen Sälen, sondern direkt bei den Menschen, direkt in Harburg gemacht wird.

Dieses Datum gehört in jeden Kalender! Es ist die Chance, sich einzumischen, zu lernen und die eigene Haltung zu schärfen. Lasst uns gemeinsam darüber sprechen, wie wir sicherstellen, dass Kunst immer frei bleibt und unsere Stadt ein lebendiger Ort der Ideenvielfalt ist.

Diskussion: 88 Jahre „Entartete Kunst“

Wo: Internationale Buchhandlung „Horizonte“, Bremer Str. 6, 21073 Hamburg

Wann: 19. Juli 2025, 19 Uhr

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Der Hamburger Süden feiert ein Literaturfest der Extraklasse https://www.tiefgang.net/der-hamburger-sueden-feiert-ein-literaturfest-der-extraklasse/ Fri, 28 Feb 2025 23:01:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11535 [...]]]> Vom 16. März bis zum 14. April 2025 verwandelt sich der Hamburger Süden bereits zum zehnten Mal in ein Paradies für Literaturfreunde.

Die SuedLese-Literaturtage feiern ihr Jubiläum mit einem vielfältigen Programm, das Lesungen, Schreibwerkstätten und ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm umfasst.

Was vor zehn Jahren als Initiative des Netzwerks SuedKultur begann, hat sich zu einem etablierten und beachteten Literaturfest entwickelt. „Im Gegensatz zu den großen Festivals, die sich in Locations einmieten und dort Themen und Literat*innen einpflanzen, ist es bei der SuedLese noch immer so, dass Autor*innen und Ort sich selbst suchen und finden. Das macht es persönlicher und auch passender“, erklärt Heiko Langanke, der das Projekt von Anfang an betreut.

Die SuedLese zeichnet sich durch ihre Vielfalt und ihren lokalen Fokus aus. Neben bekannten Autoren wie Fatma Aydemir, Christian Berkel, Kirsten Boie, Simone Buchholz, Fatih Çevikkollu, Daniela Dröscher, Gregor Gysi, Wladimir Kaminer, Behzad Karim Khani, Carmen Korn, Benjamin Maack, Sandra Rehle, Gerd Spiekermann, Peter Urban und Ben Westphal, erhalten auch lokale Literaten wie Regine Seemann und Arnold Schnittger eine Bühne. „Die Autor*innen fühlen sich bei der SuedLese wohl und gut betreut. Und das auch, weil gut 100 Leute sich oft ehrenamtlich und persönlich für ihren Ort und ihre Lesung engagieren. Viele Fingerspitzen mit viel Feingefühl!“, so Langanke weiter.

Das Programm der Jubiläums-SuedLese umfasst zahlreiche Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten im Hamburger Süden, von Wilhelmsburg bis Neugraben. Zu den Highlights zählen:

  • Lesungen von Ben Westphal, Frank Littek, Sabine Lehmbeck und Michael Ebert
  • Schreibwerkstätten und Kurse für alle Altersgruppen
  • Ein spezielles Kinder- und Jugendprogramm mit Comic-Kursen und Osterhasen-Krimis
  • Die „Ladies Crime Night“ zum Abschluss der SuedLese am 14. April im Speicher am Kaufhauskanal mit den Krimiautorinnen Carola Christiansen, Franziska Henze, Regine Seemann, Marley Alexis Owen, Sylvia Bergman, Elisabeth Grimm und Alex Roller.

 „Die SuedLese ist ein Fest für alle, die Literatur lieben und die Vielfalt der Hamburger Südens entdecken möchten“, betont Langanke.

Das vollständige Programm der 10. SuedLese-Literaturtage ist online unter www.suedlese.de verfügbar. Hier kann auch das Programmheft eingesehen und heruntergeladen werden. Gedruckte Exemplare sind an allen beteiligten Leseorten erhältlich.

Im Vorfeld werden wir hier bei Tiefgang einige Autor*innen und Leseorte ausfphrlicher vorstellen. Also: Lesezeichen setzen und dran bleiben!

Weitere Informationen:

Förderer: Behörde für Kultur und Medien Hamburg, Bezirke HH-Mitte und HH-Harburg sowie zahlreiche Anzeigenkunden.

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SuedArt24: Ein voller Erfolg für Hamburgs Süden https://www.tiefgang.net/suedart24-ein-voller-erfolg-fuer-hamburgs-sueden/ Fri, 05 Jul 2024 22:04:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10986 [...]]]> Das Kunstfestival SuedArt24, das vom 1. bis 30. Juni 2024 in der südlichen Metropolregion Hamburg stattfand, war ein voller Erfolg.

Über 25 Kunstinstitutionen von Stade über Agathenburg, Jesteburg, Buxtehude, Buchholz bis Harburg nahmen an dem Festival teil, boten ein vielfältiges Programm aus Führungen, Ausstellungen, Workshops und anderen Veranstaltungen und brachten nicht nur ihre aktuellen Ausstellungen und Künstler*innen sondern auch die Geschichte ihrer Kunstorte näher.

„Ziel des Festivals war es, die vielfältige Kunstlandschaft im Süden Hamburgs zu präsentieren und neue Zielgruppen anzusprechen, aber auch aufzuzeigen, wie und warum manche Orte zu Kunststätten wurden und warum sie für ihre Art Kunst besonders gut geeignet sind“, so Heiko Langanke, Initiator der SuedArt24 und Vorsitzender der Kunstleihe Harburg. Dies gelang den Organisatoren durch die Auswahl ungewöhnlicher Orte für die Veranstaltungen, wie zum Beispiel Schloss Agathenburg, Marschtorzwinger Buxtehude oder der Freiluftgalerie Walls Can Dance. Und die Finissage der Ausstellung der Buchholzer Künstlerin Kegel-Judis am 30. Juni, die auch das Ende der SuedArt24 markierte, war vor vollem Haus im Buchholzer Kunstverein zugleich Sinnbild dieser Resonanz. Als Erfolg aber sehen die Kooperationspartner*innen vor allem auch die angeregten Gespräche unter den Besucher*innen. Die Nebeneinanderstellung völlig verschiedener Ansätze und Kunstperspektiven sorgten für eine ungewohnte Auseinandersetzung mit Kunst an sich.

Besonders beliebt unter mehr als 30 Programmpunkten waren die Führungen, die den Teilnehmern einen Einblick in die Geschichte oder auch Architektur der Kunstorte gaben. In den Workshops konnten die Teilnehmer selbst kreativ werden und Kunstwerke gestalten. Das Festival SuedArt24 hat gezeigt, welch großes kreatives Potenzial im Süden Hamburgs steckt. Es ist zu hoffen, dass es auch in Zukunft ähnliche Veranstaltungen geben wird, die die Kunst und Kultur der Region fördern. „Aktuell überlegen wir für das kommende Jahr eine große Ausstellung mit den regionalen Künstler*innen aus der südlichen Metropolregion zu initiieren, damit auch sie eine angemessene Bühne für ihr Schaffen erhalten“, so Langanke, der aktuell größere Räume dafür sondiert. „So könnten Orte und ihre Ausstellungen auf der einen Seite und die lokalen Künstler*innen auf der anderen Seite im jährlich wechselnden Modus die ganze Bandbreite an Kunst darstellen.“

Insgesamt war das SuedArt24 Festival ein voller Erfolg, der die Lust auf mehr geweckt hat. Und das Programmheft, das neben der Präsentation der aktuellen Ausstellungen sich auch als stilvolles Nachschlagewerk zur Kunstszene südlich der Elbe entpuppte, fand großen Zuspruch.

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Der neue Mann bei SuedKultur https://www.tiefgang.net/der-neue-mann-bei-suedkultur/ Fri, 17 May 2024 22:40:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10850 [...]]]> Das Netzwerk SuedKultur für Kunstschaffende aus dem Süderelberaum hat einen neuen Sprecher – Musiker und Ur-Harburger Jan Schröder übernimmt den Posten.

Im Office vom Marias Ballroom treffen sich Heimo Rademaker und Jan Schröder zur Übergabe. Heimo Rademaker, Geschäftsführer des Harburger Musik-Clubs Marias Ballroom und langjähriger Sprecher von SuedKultur hat das Netzwerk mit viel Kraft und Engagement durch die Pandemie gebracht. Nun will er sich wieder mehr seinem eigenen Club widmen.

„Das war eine tolle, manchmal aber auch anstrengende Zeit, die viel Energie gekostet hat“, sagt Heimo Rademaker, und man merkt es ihm an, dass er den Posten schweren Herzens aufgibt. „Aber ich bleibe SuedKultur natürlich erhalten und werde Jan weiterhin intensiv in allem unterstützen“, wirft er ein, als das Gespräch auf die Zukunft bei SuedKultur kommt.

Jan Schröder ist zwar erst seit 6 Jahren bei SuedKultur dabei, hat aber schon vor dem Wechsel viele Themen gemeinsam mit Heimo Rademaker vorangetrieben. „Wir hatten die letzten Jahre ein tolles Team und so ist es irgendwie folgerichtig, dass Heimo, der nun einen Schritt zurücktritt, mir den Staffelstab weitergibt. So wie das ganze Netzwerk funktioniert, ist man eh in den verschiedenen Projekten immer im Team unterwegs und versucht Kunst und Kultur voranzubringen“, erklärt Jan Schröder die Zusammenarbeit beim Netzwerk.

„Wir hatten und haben schwere Bedingungen in der Kultur. Harburg als Bezirk ist auf absehbare Zeit in Hamburg das Schlusslicht. Wir erhalten mit Abstand die niedrigsten Fördersummen. Allein deswegen ist es wichtig, dass sich Kulturschaffende zusammentun und sich gegenseitig unterstützen“, spricht Jan Schröder weiter, der seit seiner Geburt in Harburg lebt. Er hat die wilden 80ger erlebt, mit einer funktionierenden Kneipenkultur, mit viel Live-Musik und einer intakten Innenstadt. „Und auch wenn manche es nicht verstehen – ich liebe Harburg. Ich mag die Menschen hier. Mag den Humor, und dass man sich selbst nicht als den Nabel der Welt empfindet.“ Und genau daraus entsteht ein gutes Miteinander aller Kulturschaffenden im Bezirk Harburg.

Projekte wie die SuedLese und die SuedKultur Music-Night sind nur die Speerspitzen. Aber vor allem in der Kommunikation mit Politik und Bezirk fungiert SuedKultur als Rat- und Ideengeber, fordert Räume für die Kunst und Kultur und versucht koordinierend Kunst- und Kulturschaffende zusammen zu bringen, um sich z.B. bei Förderanträgen oder Veranstaltungsplanungen zu unterstützen.

2007 gründete Heiko Langanke, der ehemalige Club-Besitzer des Stellwerks und heutiges Bezirksversammlungsmitglied, das Kulturschaffenden-Netzwerk SuedKultur. Der Zusammenschluss ist in Hamburg einzigartig und wird in anderen Bezirken sehr positiv bewertet.

Auf die Frage, was er als neuer Sprecher anders machen möchte, antwortet Jan Schröder: „Anders ist der falsche Ausdruck. Ich hoffe, dass wir noch mehr Projekte mit höherer Strahlkraft entwickeln können. Vor allem aber hoffe ich, dass wir unser Netzwerk noch viel stärker erweitern können, verjüngen und dabei noch viel mehr Personen bei SuedKultur einbinden können, die heute noch gar nichts von uns wissen. Und natürlich wollen wir die Zusammenarbeit mit der Politik und dem Bezirksamt deutlich intensivieren, damit alle am gleichen Strang ziehen können.“

Themen wie die SuedArt im Juni dieses Jahres stehen genauso auf der Agenda wie eine völlig überarbeitete Webseite mit vielen Tipps für den Süderelbe-Bereich. Und natürlich will Harburgs Kunst- und Kulturszene gerne auch bei der Zwischen- oder Endnutzung des soeben von der Stadt erworbenen Karstadt-Hauses mitwirken und ihre Ideen in den Entscheidungsprozess mit einbringen.

Wünsche, die man nur unterstützen kann und die umso wichtiger sind, in einer Zeit, in der Menschen immer weniger kulturelle Angebote nutzen.

Mehr über SuedKultur und Kontaktinformationen auf der Webseite des Netzwerks: www.sued-kultur.de

 

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Kunstgeschenk zum kleinen Jubiläum https://www.tiefgang.net/kunstgeschenk-zum-kleinen-jubilaeum/ Fri, 09 Feb 2024 23:06:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10564 [...]]]> Ende Januar 2024 jährte sich das Bestehen der Harburger Kunstleihe bereits zum 5 Male. Und ganz unverhofft kam Mitgründer und Künstler Jan Ratschat mit einem Geschenk aus Öl.

Der Ursprung der Idee eines ersten nichtkommerziellen Kunstverleihs geht allerdings auf das Jahr 2017 zurück. Einige Mitstreiter*innen der Harburger Kulturinitiative SuedKultur saßen zusammen und überlegten nach den erfolgreich angelaufenen Projekten der SuedKultur Music-Night sowie den SuedLese Literaturtagen, was man zur Stärkung der die Bildenden Kunst im Süden der Hansestadt auf die Beine stellen könnte. Darunter die bekannte und 2022 verstorbene Künstlerin Anke de Vries, Bücherhallen-Kunstkurator Andreas Patommel, Künstler Jan Ratschat, Künstlerin Sabine Schnell und Heiko Langanke. Neben vielen Ideen stach die der Artothek heraus, die sich seit den 80er Jahren in gut 140 Städten der Bundesrepublik etablierte. Die Idee ist kurz und gut: man stärkt die lokalen zeitgenössischen Künstler*innen, in dem man sie gemeinsam präsentiert und macht Kunst erfahrbar, in dem man sie den Interessierten für eine gewisse Zeit leiht. So kann man sich im persönlichen Umfeld mal länger mit Technik, Motiv, Künstler*in und Strahlkraft befassen.
Man machte sich schlau und holte sich Hilfe in Köln, Eckernförde, Kiel, Buxtehude und Marburg, tüftelte, stellte es einer Vielzahl von lokalen Künstler*innen vor, diskutierte und brachte es zum Test in der damaligen leerstehenden Dreifaltigkeitskirche Harburgs in der Neuen Straße auf den Weg. Im Januar 2019 und mit Unterstützung der Alfred Toepfer-, Claussen-Simon- und ZEITStiftung wurde dann im hergerichteten Gemeindesaal ganz offiziell und sogar im Beisein des Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi und zahlreichen illustren Gästen die Kunstliehe Harburg offiziell eröffnet.
Seither musste sie zwar zweimal den Standort wechseln, bis sie Anfang 2020 ihr jetziges Zuhause in der Heimfelder Meyerstraße fand. Aber sie ist eine Erfolgsgeschichte geworden, die bei Harburger und Hamburger Kunstinteressierten gleichermaßen großen Anklang findet. „Harburgs lokale Kunstszene ist nicht gerade auf Rosen gebettet“, so Jan Ratschat, der zugesteht, dass auch er anfangs seine Skepsis zu dem Projekt hatte. „Damals wurde gerade das bekannte Atelier SchauRaum selbst bei geringfügiger Förderung dicht gemacht. Und auch aktuell ist die Kunstleihe nur durch viel Ehrenamt haltbar. Aber die Zahl der Ausleihen, der engagierte Einsatz für die lokalen Künstler*innen und die gewaltige Resonanz für die Künstler*innen ist ein absoluter Beweis, dass dieses System funktioniert!“
Und als Dank für das Engagement brachte Jan Ratschat nun zum 5jährigen Bestehen zwei Ölwerke als Geschenk mit. Ratschat, der jüngst erfolgreich in Güstrow ausstellte und verkaufte, will damit das Harburger Engagement würdigen.
„Es freut uns ungemein“, so Heiko Langanke, Vorsitzender des gemeinnützigen Kunstvereins. „Schöner wäre natürlich, wenn auch wir den Dank an die unglaublich lebhafte Kunstszene in Hamburgs Süden damit würdigen könnten, dass wir hin und wieder ein Werk für unseren Bestand ankaufen könnten statt meist durch Dauerleihgaben und zu Lasten der Künstler*innen selbst Interessierte für die Kunst zu begeistern. Denn das ist im Grunde Teil der Systematik von Artotheken: lokale Künstler*innen zu würdigen und ihre Kunst dann allen und auf Zeit zur Verfügung zu stellen. Aber dass wir auch ohnedies von gut 70 Künstler*innen mittlerweile gut 400 Werke im Bestand haben, ist auch für sich sprechend. Die Szene ist lebendig und das Interesse an ihr ebenso groß!“
Feiern will der ehrenamtliche Verein dieses Jahr sein kleines Jubiläum nicht, sondern setzt weiterhin auf reale Aktionen. So ist dieses Jahr ein großes vierwöchiges Kunstevent namens SuedArt24 in Arbeit und im Juni zu erwarten. Hier ergibt sich eventuell auch die Chance gemeinsam mit der nun 40jährigen Artothek in Buxtehude anzustoßen aber auch einem breiten Publikum zu erklären, wie wichtig diese ungewöhnlich niedrigschwellige Art der Kunstvermittlung im Umfeld des Kunstbetriebes ist.
Und wer dennoch der Kunstleihe gratulieren will, spendet entweder auf das Konto der Kunstleihe, GLSD Bank, IBAN: DE37430609671041701000 oder leiht sich selbst Kunst an den Öffnungstagen Do & Fr 14-18 Uhr und samstags von 12-18 Uhr. Meyerstr. 26, 21075 HH-Heimfeld, www.kunstleihe-harburg.de.

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