
Harburgs Geschichte zu Fuß erleben: Heiko Langanke lädt wieder zu Stadtteilrundgängen durch die koloniale und industrielle Vergangenheit des Hamburger Südens ein.
Man steht vor dem Harburger Rathaus und fragt sich unwillkürlich: Wann ist das denn bitte hier reingestellt worden? Denn es will so gar nicht recht passen in die heutige, bisweilen doch eher ernüchternde Stadtlandschaft Harburgs, wo Beton, verwaiste Fassaden und städtebauliche Brüche oft den Ton angeben.
Genau diese irritierte Verwunderung war es wohl auch, die Heiko Langanke einst umtrieb. Wer mit offenen Augen durch den Süden Hamburgs geht, stolpert permanent über solche historischen Fremdkörper, über Spuren einer verblassten Industriebonanza und globale Verflechtungen, die im heutigen Alltag meist unsichtbar bleiben. Langanke, Kopf hinter geschichtsbewussten Interventionen wie der historischen Schaufenster-Folierung des ehemaligen Karstadt-Leerstands über die Agentur reflexblue, gräbt diese Schichten seit Jahren wieder aus.
Nun lädt Langanke, der auch Herausgeber unseres Feuilletons ist, zu einer neuen Reihe von Stadtteilrundgängen ein, die weit unter die Oberfläche des gegenwärtigen Straßenbelags blicken lassen. Und der Startpunkt könnte passender kaum sein: Am Donnerstag, den 13. August 2026, geht es um 18 Uhr direkt am Harburger Rathaus – genauer gesagt beim Tuba-Bläser – los.
Wer dort den Blick nach oben richtet, steht keineswegs vor dem urprünglichen Zentrum der Macht, sondern bereits vor dem dritten Rathaus in der wechselvollen Geschichte dieser Stadt. Es ist der Auftakt zu einer Tour, die uns von der industriellen Vergangenheit über die brandneuen Erkenntnisse der Studie „Koloniales Harburg“ von Annika Bärwald und Dr. Yves Schmitz bis hin zum Wandel der Stadtentwicklung führt. Rund zweieinhalb Stunden lang führt Langanke die Teilnehmenden durch die Epochen – vorbei am zweiten Harburger Bahnhof am Freitag (14.08.) und dem finalen Blick am Kanalplatz im Binnenhafen am Sonntag (16.8.).
Der Einstieg an diesem Rathaus zeigt bereits, wie trügerisch der erste Blick auf Harburg ist. Wer verstehen will, warum unsere Stadt heute so tickt, wie sie tickt, sollte sich auf diese Spurensuche einlassen. Die Zeitreise führt uns unweigerlich weiter, denn wer am Freitag, den 14.08. um 17 Uhr den Eingang des Harburger Bahnhofs ansteuert, blickt auf den nächsten geschichtlichen Sprung. Auch dieser monumentale Bau ist keineswegs der erste seiner Art, sondern der zweite in der Bahnhofsgeschichte der Stadt – ein Zeuge jener Epoche, in der Harburg als eigenständige Industriestadt zu einem europäischen Kraftpaket heranwuchs.
Hier, wo heute Pendlerströme und urbane Betriebsamkeit herrschen, entfaltet sich bei Langankes Rundgang das volle Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtungen. Die Tour verknüpft die klassische Industriegeschichte direkt mit den brandneuen, brisanten Erkenntnissen aus dem aktuellen Abschlussbericht „Koloniales Harburg“ von Annika Bärwald und Dr. Yves Schmitz. Denn der Aufstieg zur Industriestadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert kam nicht aus dem Nichts. Er war untrennbar verbunden mit globalem Handel, guter verkehrlicher Infrastruktur und kolonialen Ausbeutungsketten und Rohstoffen wie Kautschuk oder Palmkernen, die hier an der Elbe verarbeitet wurden. Langanke blickt hinter die Fassaden des Ziegelbaus und zeigt, wie tief die Fäden der Globalisierung damals wie heute in den Boden des Südens eingewoben sind.
Auch der finale Teil der zeithistorischen Expeditionen führt uns dorthin, wo Harburgs industrielles Herz einst am stärksten schlug und heute der Wandel am greifbarsten ist: an den Kanalplatz im Harburger Binnenhafen. Am Sonntag, den 16.08. um 12 Uhr bildet dieser geschichtsträchtige Ort den Abschluss der kleinen Serie von Zeitreisen. Hier, wo Schiffe einst Güter aus aller Welt anlöschten und die enge Verzahnung von Hafenwirtschaft, globalem Handel und lokaler Arbeit das Gesicht des Viertels prägte, schließen sich die Fäden der Tour. Heiko Langanke führt die Teilnehmenden an jene Kaikanten, an denen die harten ökonomischen Realitäten der Industrialisierung und ihre Nachwirkungen bis in die heutige Stadtentwicklung greifbar werden. Es ist der perfekte Ort, um zu begreifen, wie eng Vergangenheit und Gegenwart im Hamburger Süden verwoben sind.
Im Überblick:
Für die spannende Spurensuche durch zwei Jahrhunderte kann man an drei Terminen jeweils rund zweieinhalb Stunden lang mitgehen: Den Auftakt macht der Gang vom Harburger Rathaus (Treffpunkt beim Tuba-Bläser) am Do., den 13. Aug., um 18 Uhr. Am Fr., den 14. Aug. um 17 Uhr führt die Tour ab Eingang des Harburger Bahnhofs. Den abschließenden Blick in den Wandel des Binnenhafens bietet der Rundgang am So., 16. Aug. um 12 Uhr ab Treffpunkt Kanalplatz. Die Teilnahme an allen Terminen ist kostenfrei, über Spenden freut sich der Veranstalter, und wegen teils unwegsamer Wege wird um entsprechende Beachtung gebeten.
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