Initiative Gedenkort Stadthaus https://www.tiefgang.net Thu, 09 Feb 2023 08:38:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 „Kein Ende in Sicht“ https://www.tiefgang.net/kein-ende-in-sicht/ Fri, 10 Feb 2023 23:32:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9711 [...]]]> Jeden Freitag protestieren sie freitags und das seit 5 Jahren: die Initiative Gedenkort Stadthaus. Ist an diesem Ort ein würdiges Erinnern möglich?

Seit Februar 2018 protestiert die Initiative Gedenkort Stadthaus jeden Freitag um 17 Uhr vor dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier an der Stadthausbrücke. Mit ihrer Mahnwache fordert sie ein würdiges und umfassendes Erinnern an Täter, Opfer und Widerstand im Stadthaus. Die Initiative kritisiert die aktuellen Pläne von Stiftung und Senat für den Gedenkort als unzureichend, und will ihren Protest fortsetzen. Die nächste Mahnwache findet am 17.02.2023 um 17 Uhr statt (Ecke Stadthausbrücke / Neuer Wall).

Die Hoffnung auf ein besseres Gedenkkonzept sieht die Initiative nach dem Scheitern des viel kritisierten „Dreiklangs“ aus Buchhandlung, Café und Gedenkecke im Frühjahr 2022 nicht erfüllt. Der für den Geschichtsort vorgesehene Raum sei weiterhin viel zu klein (240 statt 750qm). Die notwendige Erweiterung der Ausstellung um den Hamburger Widerstand, die Geschichte der Polizei im NS und die politischen Auseinandersetzungen um das Stadthaus nach 1945 seien damit unmöglich. Die Initiative kritisiert, dass die Eigentümer:innen des Gebäudes entgegen ursprünglicher Verträge von ihren finanziellen Verpflichtungen entbunden worden seien. Die Mittel der Kulturbehörde für Ausgestaltung und Betrieb des Gedenkortes aber seien zu knapp bemessen. Auch der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte fehlten die personellen und finanziellen Kapazitäten für ihre neue Aufgabe.

„Der städtische Umgang mit den Eigentümern der Stadthöfe ist ein Sichanbiedern an Immobilienunternehmen“, kritisiert Cornelia Kerth (VVN-BdA). „Er spielt den Kräften in die Hände, die einen Schlussstrich unter die deutsche Geschichte ziehen oder sogar an sie anknüpfen wollen.“

„Das Stadthaus erinnert wie kein zweiter Ort daran, wie schnell die republikanische Polizei der Weimarer Republik zum Terrorinstrument der Nazis werden konnte“, mahnt Wolfgang Kopitzsch (AvS). „Warum lässt man diese Chance ungenutzt? Das Stadthaus kann nur dann ein Beitrag zur wehrhaften Demokratie sein, wenn die Erinnerung an Naziterror und Widerstand in all seinen Facetten darin Platz findet. Das ist mit den derzeitigen Plänen leider nicht möglich.“

In fünf Jahren hat die Initiative über 200 Mal ihre Mahnwache abgehalten, eine eigene Broschüre zum Stadthaus publiziert, über 30.000 Flyer verteilt sowie im Beirat des Gedenkortes Stadthaus die Auseinandersetzung mit der Politik gesucht. In ihr sind Verfolgtenverbände, wie die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) oder der Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS), Nachkommen von NS-Verfolgten sowie Personen des öffentlichen Lebens engagiert. Der aktuelle Flyer der Initiative findet sich hier: hamburg.vvn-bda.de

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„Ende des „Dreiklangs“!“ https://www.tiefgang.net/ende-des-dreiklangs/ Fri, 28 Jan 2022 23:25:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8732 [...]]]> Die Buchhandlung »Lesesaal« an der Stadthausbrückesteht vor der Insolvenz und wirft zugleich die Frage nach der Ernsthaftigkeit von Gedenkarbeit auf.

Es war von Beginn an umstritten, ob der Gedenkort zur früheren Gestapo-Hauptwache Hamburgs am neuen Flanierort Stadthausbrücke funktionieren kann und vieles musste nachgebessert und erstritten werden. Nun wirft die Insolvenz der Buchhandlung, die maßgeblich ein sicheres und zugleich wirtschaftlich günstiges Fundament der Gedenkarbeit darstellen sollte, neuerlich die Frage auf, ob nicht doch neu gedacht werden muss.

Die Initiative Stadthaus jedenfalls äußerte sich umgehend in einem offenen Brief:

„Die Buchhandlung »Lesesaal« an der Stadthausbrücke wird heute aller Voraussicht nach Insolvenz anmelden.“ So entnehmen wir es der Presse.

Damit ist ein Konzept gescheitert, mit dem sich der Investor der „Stadthöfe“ seiner im Kaufvertrag festgelegten Verpflichtung, im neuen Konsumtempel in der ehemaligen Zentrale des Nazi-Terrors im Norden auf wenigstens 750 qm einen Gedenk- und Lernort „auf seine Kosten zu realisieren sowie dauerhaft den Betrieb und die öffentliche Zugänglichkeit sicherzustellen“, billig entledigen wollte. Dieses Konzept – Gedenkort als „Dreiklang aus Buchhandlung, Café und Ausstellung“ – wurde bei Bekanntwerden 2018 auch von der Kulturbehörde als „innovativ“ verkauft.

Ob die Kulturbehörde über die aktuelle Entwicklung informiert war, ob es von Seiten der Investoren ein neues Konzept gibt, wissen wir nicht.

Wir meinen, das Ende des „Dreiklangs“ muss der Anfang für die Umsetzung der vertraglichen Verpflichtung sein!

Angehörige von Menschen, die zwischen 1933 und 1945 im Stadthaus schwer gefoltert oder gar ermordet worden waren, und Verfolgtenorganisationen haben von Anfang an gegen diese zynische Kombination von Erinnerung „light“, Kommerz und Plausch protestiert. Bis heute fordert die Initiative Stadthaus die Erfüllung des Vertrags mit wöchentlichen Mahnwachen am Ort sämtlicher Nazi-Verbrechen: Terror, Deportation, Vernichtungskrieg, Zwangsarbeit.

Kontakt: Cornelia Kerth, Tel.: 2004296″

 

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„Gedenken am Stadthaus wird sichtbarer“ https://www.tiefgang.net/gedenken-am-stadthaus-wird-sichtbarer/ Fri, 26 Nov 2021 23:10:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8592 [...]]]> Es gab viel Kritik am Konzept zum Gedenkort „Stadthaus“ und dann einen Beirat. Dieser legte nun seinen Abschlussbericht vor.   

Das in der Hamburger Innenstadt gelegene Stadthaus war bis zu den Luftangriffen Ende Juli 1943 Sitz des Polizeipräsidiums und zentrale Befehlsstelle der Schutzpolizei, der Kriminalpolizei und der Gestapo. Von hier aus wurden die Verfolgungsmaßnahmen in Hamburg und größeren Teilen Nordwestdeutschlands organisiert. Lange blieb eine öffentliche Diskussion über den Umgang mit diesem einstigen Hauptort national-sozialistischer Verfolgung aus. 2009 erfolgte der Verkauf an einen privaten Investor. Dieser verpflichtete sich seinerzeit gegenüber der Stadt in dem Quartier auch eine Gedenk- und Informationsstätte zu errichten. 2017 gründete sich die „Initiative Gedenkort Stadthaus“ die das Konzept des Investors kritisierte, das eine Ausstellung als Teil einer Buchhandlung mit Café vorsah. Anfang 2018 lud die Behörde für Kultur und Medien daraufhin zu einem „Runden Tisch“. Im Rahmen der Beratungen wurde die Einrichtung eines Beirats verabredet, der jetzt seinen Abschlussbericht vorlegte. Dieser wurde gemeinsam abgefasst und wird von allen Mitgliedern des Beirats getragen.

Der Beirat bestand aus zehn Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Verbänden und Initiativen und kam in den dreieinhalb Jahren zu 21 Sitzungen zusammen und hat die Entwicklung des Gedenkortes konstruktiv kritisch begleitet. 2020 wurde unter dem Titel „Zentrale des Terrors“ eine Ausstellung in den Stadthöfen eröffnet, die ergänzt wird durch Schautafeln im Arkadengang über den Bleichenfleet und einer Installation im weitgehend im Originalzustand erhaltenen sogenannten Seufzergang. Derzeit wird zudem als künstlerische Intervention im Stadtraum das Kunstwerk Stigma umgesetzt, mit dem auf rund 200 Quadratmetern an der Ecke Stadthausbrücke / Neuer Wall an die Geschichte dieses Ortes erinnert wird. Auch die Idee zur Realisierung eines solchen Kunstwerks, für das die Hamburgische Bürgerschaft die Mittel bereitstellte, ist im Rahmen des Beirats entstanden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Viel zu lange hat die Stadt die Augen davor verschlossen, welche Rolle das Stadthaus im Nationalsozialismus gespielt hat. Auch die Stadt selbst hat in all den Jahren, in denen das Gebäude im städtischen Besitz war, zu wenig für das Erinnern getan und dem Thema auch beim Verkauf des Gebäudekomplexes zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Insofern danke ich den Mitgliedern des Beirates sehr für die konstruktiv kritische Diskussion, die das öffentliche Bewusstsein geschärft hat und die wertvolle Impulse dafür gegeben hat, die Verbrechen, die vom Stadthaus ausgingen, sichtbarer zu machen. Zu diesem Ergebnis hat auch die von allen Seiten respektierte Moderation durch den ehemaligen Staatsrat Hans-Peter Strenge beigetragen. Ich danke auch dem Eigentümer und allen weiteren Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass wir zusätzliche Formate des Gedenkens, wie das Kunstwerk Stigma umsetzen können. Wir konnten nicht alle Ideen verwirklichen, aber viele Impulse werden künftig in die bereits vereinbarte Entwicklung eines gesamtstädtischen Erinnerungskonzeptes einfließen. Aus dem Prozess rund um das Stadthaus können und müssen wir auch für die Zukunft lernen, wie wir künftig gemeinsam angemessenes Gedenken organisieren.“ 

Hans-Peter Strenge, Staatsrat a.D. und Moderator des Beirates und Hamburger Sprecher des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie: „Nicht alle Ideen des Beirats ließen sich angesichts der seit 2009 festgelegten Rahmenbedingungen im Stadthaus umsetzen. Die Ausstellungsfläche ist für einen Lernort zur Geschichte weiterhin zu klein, ihre inhaltliche Präsentation aber gut gelungen. Ich freue mich, dass die Anregungen des Beirats zur Gestaltung der beleuchteten Brückenarkade und zum Kunstwerk Stigma umgesetzt worden sind. Auch regelmäßige Führungen und Veranstaltungen mit personeller Verstärkung gehören zum erfolgreichen Einsatz des Beirats.“

Den Abschlussbericht zum Download: Abschlussbericht

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„Eine große Chance vertan!“ https://www.tiefgang.net/eine-grosse-chance-vertan/ Fri, 06 Nov 2020 23:42:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7359 [...]]]> „Hamburg will keine Erinnerung an Verfolgung und Widerstand im Zentrum der Stadt“, so resümiert die Initiative Gedenkort Stadthaus. Und das aus gutem Grund …

In der Mitteilung der Initiative heißt es:

„Die ehemalige Meldehalle/Wagenhalle in den Stadthöfen ist vermietet, wie Quantum Immobilien via Hamburger Abendblatt meldet. Dieses ist nicht die erste Meldung dieser Art. Mal war es ein Schweizer Bio-Wein-Händler oder ein Hamburger Autohaus, nun also ein Möbelhaus. Sollte diesmal wirklich stimmen, was Quantum vermeldet, wäre eine große Chance vertan, in Hamburg doch noch einen zentral gelegenen Gedenk-, Dokumentations- und Lernort zu den NS-Verbrechen und zum Widerstand dagegen im Stadthaus zu errichten, wie es ihn in vielen anderen deutschen Großstädten gibt. Hier, in der ehemaligen Zentrale von Polizei und Gestapo, von der aus Verfolgung und Terror für ganz Norddeutschland geplant und organisiert wurden, wäre der richtige Ort dafür gewesen. Doch Senat und Bürgerschaftsmehrheit haben sich mit der von Quantum organisierten Gedenkecke neben Buchhandlung und Café zufrieden gegeben. Dass der Immobilieninvestor damit seine Kaufvertragspflichten nicht erfüllt, war eigentlich für jeden offensichtlich – nicht aber für die politisch Verantwortlichen dieser Stadt. Dieser Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte zeugt von einer unerträglichen Geschichtsverdrängung und ist ein Schlag ins Gesicht aller, die unter Verfolgung und Terror gelitten haben. Nach den Plänen des Senats soll das Erinnern an den Widerstand nun in ein leer stehendes Gebäude der JVA Fuhlsbüttel ausgelagert werden, eingerahmt von vierstöckigen Neubauten des „Quartier Santa Fu“, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich erreichbar. Das Gedenken an die Verbrechen des Faschismus in Hamburg bleibt also zersplittert, und an den Rand gedrängt.

Ganz anders sieht es aus, wenn es um die maritime Geschichte unserer Stadt geht. Dann ist eine große Bereitschaft vorhanden, „Leuchtturmprojekte“ wie Hafenmuseum und Peking zu realisieren oder das Bismarck-Denkmal mit großem Aufwand zu restaurieren – rechtzeitig zum 150. Jubiläum der Reichsgründung.

Die Initiative Gedenkort Stadthaus, ein Bündnis aus Opferverbänden und vielen erinnerungspolitisch aktiven Gruppen, hat immer wieder von den politisch Verantwortlichen, hier vor allem vom Kultursenator, gefordert, sich um die Meldehalle/Wagenhalle als angemessenen Ort für das Erinnern, Gedenken und Lernen zu bemühen und entsprechende Forderungen gegenüber Quantum zu vertreten oder selbst die Wagenhalle anzumieten. Diese Chance ist jetzt offensichtlich vertan. Die Initiative setzt sich aber weiterhin für ein angemessenes und würdiges Erinnern an Verfolgung und Widerstand im Zentrum der Stadt Hamburg ein.

Initiative Gedenkort Stadthaus“

 

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„Spät, aber nicht zu spät“ https://www.tiefgang.net/spaet-aber-nicht-zu-spaet/ Fri, 25 Oct 2019 22:03:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5972 [...]]]> Als SS-Wachmann im KZ Stutthof soll Bruno D. in 5230 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet haben. Nun steht er vor dem Landgericht Hamburg. Das ruft auch die Initiative Gedenkort Stadthaus auf den Plan.

Die Erklärung:

„Hamburg  21.10.2019

Erklärung der Initiative Gedenkort Stadthaus für BeobachterInnen und Medien beim Prozess gegen den KZ-Wachmann Bruno D.

Seit dem 14. Oktober steht Bruno D. für seine Mitwirkung an den Massenmorden im KZ Stutthof vor einem Hamburger Gericht. Der Prozess kommt spät, aber nicht zu spät.

Denn mit dem Prozess gegen Bruno D. wird konkret und exemplarisch noch einmal in Erinnerung gerufen:

* das Leiden der ermordeten Menschen und die leidvolle Erinnerung der Angehörigen,

* das Wissen und die Verantwortung aller Beteiligten,

* die Straflosigkeit von zehntausenden von Mördern und Mordgehilfen und ihre gesellschaftliche Anerkennung bis in die Gegenwart.

Dabei ist nicht mehr entscheidend, ob und wie lange der Angeklagte ins Gefängnis muss. Entscheidend ist, dass er für seine Mitwirkung an den Massenmorden im KZ Stutthoff verurteilt wird. Die Angehörigen der Opfer des KZ Stutthof haben ein Anrecht darauf. In Solidarität mit ihnen fordern wir, dass endlich auch auf juristischer Ebene die Mordaktionen als Verbrechen geahndet werden.

Wir sind empört und beschämt, dass bekannte Nazis in aller Öffentlichkeit vor dem Gericht ihre Unterstützung für den KZ-Wachmann demonstrieren konnten und dieses von Hamburgs Regierung und Polizei toleriert wurde. Diese Toleranz steht im krassen Widerspruch zu allen Bekundungen gegen Antisemitismus und Rassismus nach dem Terrorangriff in Halle und kann von den Nazis nur als Ermutigung verstanden werden.

Schon darum darf mit dem Prozess und dem Urteil kein Schlussstrich gezogen werden. Im Gegenteil: Es wird noch einmal deutlich, wie wichtig Aufklärung und Information über die Verbrechen der NS-Herrschaft ebenso wie über die Leiden der Opfer sind.

Stadthaus als Ort von Aufklärung, Gedenken und Diskussion

In Hamburg gibt es dafür einen Ort: Das Stadthaus war das Zentrum des gesamten polizeilichen Terror- und Unterdrückungsapparates der Nazis für  Hamburg und Norddeutschland. In dem großen Gebäudekomplex mitten in der City hatte nicht nur die GESTAPO ihr Zentrum, sondern auch alle in den Nazi-Staat integrierten Abteilungen der Hamburger Polizei. Im Stadthaus wurden viele Widerstandskämpfer verhört und gefoltert. 

Unsere Initiative setzt sich dafür ein, dass im  Stadthaus ein Ort der Dokumentation, des Lernens und des Gedenkens eingerichtet wird. Kultursenator, Senat und die privaten Investoren versuchen allerdings, sich ihrer Pflicht zu einem angemessenen Gedenkort mit der Einrichtung einer kleinen Gedenkecke von 50 qm in einer privaten Buchhandlung zu entledigen. Mehr Informationen dazu finden Sie in dem beigefügten Faltblatt.

Die Forderungen unsrer Initiative werden von allen Verfolgtenverbänden unserer Stadt, zahlreichen Historikern und Historikerinnen und vielen Initiativen unterstützt, die für Hamburgs Erinnerungskultur prägend sind.

Der Prozess gegen Bruno D. und der Terrorangriff in Halle machen die Blockade-Haltung der Hamburger Kulturpolitik noch fragwürdiger und unsere Forderungen dringlicher.

Für Fragen stehen wir gern zur Verfügung.

Initiative Gedenkort Stadthaus

Ulrich Hentschel, Tel. 040 – 429 183 92

Georg Chodinski, Tel 040 – 50032439

Neu erschienen ist eine  ausführliche Dokumentation der Bedeutung des Stadthauses für die Nazi-Herrschaft. Sie enthält auch zahlreiche Biographien von Widerstandskämpferinnen, die im Stadthaus verhört und gefoltert wurden, ebenso wie eine Darstellung der aktuellen Kontroversen um das Stadthaus.             

Erhältlich bei:  VVN-BdA Hamburg,  Hein-Hoyer-Straße 41,  20359 Hamburg, vvn-bda.hh@t-online.de“

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„Verhöhnung der Opfer!“ https://www.tiefgang.net/verhoehnung-der-opfer/ Fri, 27 Apr 2018 22:49:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3564 [...]]]> Das einstige Stadthaus war einst auch ein Ort des nationalsozialistischen Schreckens: es wurde  verhört, gefoltert und verschleppt. Heute wird dort flaniert und konsumiert. Der Widerstand bleibt wach und lädt ein.

Nun strahlen sie – die luxuriösen „Stadthöfe“ und laden zum Shopping ein. Das Versprechen, dass auch der Erinnerung an den Faschismus würdig gedacht werde (wir berichteten mehrmals im ´Tiefgang`? ), entpuppt sich als Farce: 40 Stühle, 13 Meter Fläche. Bei weitem nicht genug, sagen die Kritiker*innen und rufen nun zur Besichtigung und Kundgebung am Mi., 2. Mai um 17.30h, Stadthausbrücke 8a.

Im Aufruf zur Kundgebung heißt es:

„Unser gemeinsames Ziel ist eine Sichtbarmachung des Ortes als zentrale Stätte des Nazi-Terrors und als würdiger Dokumentations- und Erinnerungsort an den antifaschistischen Widerstand in Hamburg

Mitten in Hamburgs Innenstadt befindet sich der ehemalige Sitz der Ordnungspolizei, der Gestapo, der Kriminal- und Sicherheitspolizei und weiterer Polizeidienststellen des 3. Reiches. Von 1933 bis 1943 war hier für Hamburg und weite Teile Norddeutschlands die Zentrale des Nazi-Terrors.

Im Jahr 2009 stellte der Senat endlich fest, welch große Bedeutung dieses Gebäudeensemble an der Stadthausbrücke für die Gedenkstättentopografie der Stadt hat, und formulierte ausdrücklich die Notwendigkeit, hier „ein würdiges Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Hamburg“ zu etablieren.

Bedauerlicherweise haben die politisch Verantwortlichen beim Verkauf des Gebäudes jeglichen Gestaltungsanspruch für einen würdigen Gedenk -ort ohne Not aus der Hand gegeben.

Der neue Prunkpalast der französischen Quantum AG basiert auf einem Ort des Nazi-Terrors. (Illustration: Quantum AG)

Als der Immobilieninvestor Quantum das Gebäude 2009 erwarb, musste er sich im Kaufvertrag lediglich dazu verpflichteten einen „Lernort mit unterschiedlichen Inhalten (Ausstellung, Seminare, Veranstaltungen, Inszenierungen, Dokumentationen)“ zu realisieren (Drs. 19/4555). Hierfür war lt. Kaufvertrag eine Ausstellungsfläche von etwa 750 qm vorgesehen.

Wer nun am 2. Mai 2018 zur Stadthausbrücke 8a kommt und die Ladenfläche betritt, die einst ein Gedenkort an Widerstand und Verfolgung in Hamburg werden sollte, findet sich in einer Buchhandlung mit angeschlossenem Café und einer 70 qm-Gedenkecke wieder.

In dieser Ecke haben 40 Stühle Platz, als Ausstellungsfläche bleiben 13 laufende Meter Wandfläche. Wie hier die verschiedenen Aspekte der Verfolgung angemessen dargestellt und darüber hinaus ein angemessenes Gedenken an den Hamburger Widerstand ermöglicht werden soll, bleibt unvorstellbar.

Peinliche Provinzposse

Trotzdem behaupten sowohl Quantum als auch die Behörde für Kultur und Medien als Vertreterin der Stadt Hamburg, der Investor habe seine Verpflichtung aus dem Kaufvertrag – einen würdigen Gedenkort an Verfolgung und Widerstand zu errichten und zu betreiben – erfüllt.

Mit dieser peinlichen Provinzposse bleibt Hamburg deutlich hinter anderen Städten zurück: Münster, Nürnberg, Köln, Düsseldorf, München, Berlin, … Nach Jahrzehnten des Verdrängens und Beschweigens wurden dort in den letzten dreißig Jahren in Gebäuden, die ähnlich wie das Stadthaus in Hamburg, Hauptquartiere des organisierten Nazi-Terrors waren, moderne und angemessene Dokumentations- und Erinnerungsorte geschaffen.

In Hamburg entsteht nun in dem Gebäude, wo sich einst Hamburgs NS-Terror-Zentrale befand, der wohl luxuriöseste Konsumtempel der Stadt, der unter dem Motto „Hommage an das Leben“ vermarktet wird.

  • Hier wurden die Hamburger Polizeibataillone aus Hamburg, Bremen und Lübeck für den Einsatz im Vernichtungskrieg organisiert und eingesetzt.
  • Hier wurden die Deportationen der Hamburger Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma geplant und vorbereitet.
  • Hier wurden unzählige mutige Menschen, die sich der Nazi-Herrschaft entgegenstellten, brutal gefoltert.
  • Hier begann der Leidensweg politischer Gegner_innen, Zeugen Jehovas, Homosexueller und als Asoziale Stigmatisierter in die Konzentrationslager.

„Unendliche Plaisir“

Doch all das taucht in der Quantum-Image-Kampagne auf der Seite www.stadthoefe.de nach wie vor mit keinem Wort auf. Neben peinlichen plattdeutsch-französischen Textpassagen, die das heran- nahende „Unendliche Plaisir“ ankündigen, finden sich zur Geschichte des Hauses nur dürre Worte wie: „Die Gebäude sind in den Jahren 1888 bis 1916 als Sitz der Hamburger Verwaltung entstanden – bis zum Sommer 2013 wurden diese von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt genutzt.“

Ein solcher Umgang mit dem historischen Erbe bedeutet eine unerträgliche Banalisierung von Terrorherrschaft, Vernichtungskrieg und Völkermord und eine Verhöhnung der Opfer.

Die Initiative Gedenkort Stadthaus ist empört, dass weder dem von der Kulturbehörde geladenen „Runden Tisch“ noch der danach erfolgten Berufung eines “Beirats“ die Bereitschaft zugrunde lag, an dem unwürdigen Konstrukt eines „Dreiklangs aus Buchhandlung, Café und Ausstellung“ noch irgendetwas Substanzielles zu ändern.

Unerträgliche Banalisierung

Wir bleiben dabei: Hamburg braucht einen zentralen Dokumentations- und Erinnerungsort an Verfolgung und Widerstand in der zentralen Stätte des Nazi-Terrors.

Diese Forderung werden wir auch weiterhin an die Stadt, an den Investor und Projektentwickler Quantum sowie an die inzwischen zu Mehrheitseigentümern gewordenen Ärztlichen Versorgungswerke von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt richten und erwarten entsprechende Entscheidungen.

Wir nehmen den Triumph des Kommerzes über die Erinnerung nicht hin: Konsum statt Gedenken? Jamais!“

Erstunterzeichner*innen für die Initiative Gedenkort Stadthaus:

Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokra-ten (AvS); Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V.; Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.; City-Hof e.V. – Für gelebte und gebaute Kultur; FG Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe – ver.di Hamburg; AK Antirassismus – ver.di Hamburg; Förderkreis Gedenkstätte und Lernort Stadthaus; Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V.; Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.; Hamburger Bündnis gegen Rechts; Initiative Gedenktafel Stadthaus 1981; Landesjugendring Hamburg e.V.; Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen; Stolpersteine Hamburg e.V.; Hein Pfohlmann, 1. Vorsitzender des Kuratori ums der Gedenkstätte Ernst Thälmann Hamburg.; Dr. Sigrid Curth, Geschichtswerkstatt Wandsbek; Stephan Kaiser, Süderelbearchiv; Detlef Baade; Rolf Becker; Esther Bejarano; Norbert Hackbusch; Ulrich Henschel, Pastor i.R.; Barbara Hüsing; Michael Joho; Siri Keil; Bernhard Nette; Peggy Parnass; Bernhard Stietz-Leipnitz; Sönke Wandschneider, Pastor; Sylvia Wempner

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„Verantwortung liegt bei der Stadt“ https://www.tiefgang.net/verantwortung-liegt-bei-der-stadt/ Fri, 02 Mar 2018 23:59:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3210 [...]]]> Die Geschichte des Stadthauses war und bleibt wechselhaft. Dass es aber auch mal Sitz der Gestapo und Verhörkeller war, kann man nicht einfach übergehen. Genau dies aber droht nun …

Das Stadthaus, Ecke Neuer Wall und Stadthausbrücke, ist ein Gebäude mit wechselvoller Geschichte. Der Immobilienkonzern Quantum ist der neueste Inhaber des zentralen Gebäudekomplexes und entwickelt hier gerade die „Stadthöfe“ als luxusorientierte Shoppingmall. (´Tiefgang` berichtete am 27. Jan und am 3. Feb. 2018).

Das Görtz-Palais (1710/11) am Neuen Wall 86 war bereits 1726 auf die Stadt Hamburg übergegangen und in „Stadthaus“ umbenannt worden. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss diente es als Sitz des kaiserlichen Gesandten, dann des Polizeiherren. Nach dem Großen Brand von 1842 beriet hier zeitweise der Senat. 1888-1892 wurde der große – heute noch als Stadthaus bekannte – Erweiterungsbau um die Ecke des Neuen Wall bis zum Bleichenfleet von Baudirektor C. J. Chr. Zimmermann errichtet.

Der Eckturm wurde in Anlehnung an den Zerbster Schlossturm mit Pilastern, einer prächtigen Wappen tragenden Balkonbalustrade über dem Portal und einer Kuppel mit Laterne gestaltet. Das Gebäude, das seit 1933 auch Sitz der Gestapo mit Polizeigefängnis und Verhörkellern war, wurde im Krieg nur teilzerstört. Die hohen Mansarddächer und die Kuppel brannten vollständig aus. Zunächst war nur eine provisorische Instandsetzung mit flacher Abdeckung über dem erniedrigten Obergeschoss möglich, die seit den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts zunehmend in die öffentliche Kritik geriet. Architekten und Denkmalpfleger wiesen auf die städtebauliche Bedeutung des Eckturms hin, der im Rahmen der neuen Bebauung der Fleetinsel eine herausgehobene Position einnahm. Eine Finanzierung der Rekonstruktion aus öffentlichen Mitteln war jedoch damals nicht möglich. Seit 2009 steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz, das Görtz-Palais wurde bereits 1982 in die Denkmalliste aufgenommen. (siehe auch ´Stiftung Denkmalpflege Hamburg`)

Beim Verkauf an den Konzern Quantum wurde zwar vertraglich festgehalten, dass ein Gedenkort an die Zeit als Gestapo-Wache impliziert sein müsse. Aber es blieb wohl offenbar vage, wer was genau an Pflichten auferlegt bekommt. Und so war der letzte Stand, dass eine Buchhandlung samt Cafébetrieb einen „Lernort“ „betreibe“. Und genau das war Stein des Anstoßes.

In einer Presseerklärung hat sich nun die „Initiative Gedenkort Stadthaus“ am 26. Feb. 2018 mit folgenden Forderungen zu den aktuellen Plänen für den Gedenkort Stadthaus gemeldet:

  1. „Die Verantwortung für das Konzept des Gedenkorts Stadthaus liegt bei der Stadt und bei Quantum. Sie sind die Adressaten unserer Forderungen.
  2. Das Stadthaus braucht einen angemessenen und würdigen Ort der Erinnerung an den Widerstand und die Verfolgung in Hamburg. Dazu gehört auch eine ausreichende Fläche, die sich aus den inhaltlichen Anforderungen ergibt. Gegebenenfalls muss darüber neu verhandelt werden.
  3. Gegenüber Sat1 hat Quantum erklärt, dass der Investor der Stadt vorgeschlagen hat, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme solle die inhaltliche (nicht finanzielle!) Trägerschaft für den Gedenkort übernehmen. Dazu ist die KZ-Gedenkstätte bereit, sofern die dafür erforderlichen Stellen zur Verfügung gestellt werden.
  4. Unser Vorschlag ist, dass der KZ-Gedenkstätte die für eine qualifizierte Betreuung des Gedenkorts erforderlichen Mittel (incl. Öffnung an Sonntagen) zur Verfügung gestellt werden, damit der Betrieb durch die KZ-Gedenkstätte erfolgen kann. Ein Betrieb im kommerziellen Rahmen wird den Anforderungen nicht gerecht.
  5. Die Gedenkstätte muss innen und außen als solche erkennbar sein.“

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