Joachim Griebe https://www.tiefgang.net Fri, 08 Jan 2021 12:19:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Zu lange zu still https://www.tiefgang.net/zu-lange-zu-still/ Sat, 09 Jan 2021 23:05:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7547 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Musiker und KSK-Experte Joachim Griebe.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Es hat alles verändert und komplizierter gemacht. Mir persönlich sind  alle Jobs weggebrochen die für den Zeitraum März – Juni geplant waren.

Bei Anfragen von Musikerkollegen  ging es nur um Absagen und den Umgang damit. Sehr arbeitsintensiv und ohne wirkliche Resultate.

Es gab spätestens im April auch keine Aussicht auf Erleichterungen oder Planungssicherheit für das Ende des Jahres.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Das gesamte System ist aus den Fugen geraten. Viele Bereiche im Musikgeschäft werden auch Ende 2021 noch nicht wieder geregelt laufen. Selbst wenn die Impfung die Situation sofort verbessern würde und das ist ja eine sehr naive, wenn auch wünschenswerte Annahme.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Das gesamte Live – Geschäft liegt am Boden.

Die Veranstaltungsbranche wird sich davon so schnell nicht erholen. Für Musiker und Bands die davon leben, eine Katastrophe.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Schon im April haben Clubs, Bands  und Veranstalter nach Alternativen gesucht und auch teilweise umgesetzt. Streamingkonzerte , Auftritte vor Autos, Gigs mit reduzierten Zuhörern. Ideen waren da, ob diese jedoch wirklich einen Ersatz waren, auch in finanzieller Hinsicht, wage ich zu bezweifeln.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Die Absage für Konzerte mit meinem Power-Trio und die Absage für eine kleine Tour mit HARPER & GRIEBE in Deutschland. 

Was ist für 2021 absehbar?

Keine Ahnung. Viel zusätzliche Arbeit für alle? Aufbauarbeit.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Ich persönlich möchte die Zusammenarbeit mit Musikern für eine Interessenvertretung aufbauen und intensivieren. Wir waren zu lange zu still. Ich wünsche mir Unterstützung und Hilfe.

Was wird von 2020 bleiben?

Hoffentlich eine Lehre für uns alle.

 

Joachim Griebe ist ein in Harburg geborener Musiker. Er arbeitet  seit über 25 Jahren als Gitarrist, – Songwriter – Keyboarder und Produzent für alle Arten von Pop /  Rockmusik und im Bereich der Werbemusik. Er lebt in Koblenz mit 2 tollen Kindern, 2 Hunden und seiner Freundin. Seit über 18 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für die Verbesserung der sozialen Absicherung seiner Künstler und Musikerkollegen& Kolleginnen und betreibt das KSKFORUM. 

www.joachimgriebe.de; www.kskforum.de

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More than „distant unity“ https://www.tiefgang.net/more-than-distant-unity/ Fri, 24 Aug 2018 22:50:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4073 [...]]]> Joachim Griebe ist Profi-Musiker. Und er ist Harburger. Zumindest gewesen. Nun lebt er in Koblenz und überrascht mit einem neuen Album. Ein Comeback der besonderen Art …

Joachim Griebe, kurz Achim genannt, ist nicht einer jener Profimusiker, die permanent auf der Bühne stehen und durchs Land tingeln. Seine Haupttätigkeit liegt in der Studiomusik und so arbeitet er weltweit anderen Musikmachern zu. Denn sein Talent, sein Wissen und seine Sounds sind gefragt.

Und nicht nur in Sachen Musik. Er engagiert sich darüber hinaus für andere künstlerisch tätigen Kollegen und hilft mit seinem „KSK-Forum“ sich fürs Alter und gegen Krankheit abzusichern und nicht zu sehr gängeln zu lassen. Ein ermüdender Job, der viel Arbeit macht und als einzigen Lohn die Zufriedenheit schafft, anderen Künstlern geholfen zu haben.

Nun aber ist er auch musikalisch wieder ganz Vorne. Nicht als Zuarbeiter, sondern mit Songs aus eigener Feder. Wie es dazu kam, lässt ihn selbst wundern: „Das ist schon eine verrückte Story: vor vielen Jahren war ich im Berliner Club Quasimodo. Dort hörte ich Playback einen Titel eines mir nicht bekannten Künstlers. Ich fragte nach und erfuhr, dass es sich um Peter D. Harper aus Australien handele, der ein paar Tage zuvor ein Konzert in diesem Club hatte.“

Achim Griebe nimmt kurzer Hand mit Peter Harper Kontakt auf. Das ist über 16 Jahren her. Also noch ohne Mail, Whatsapp oder Instagram. Die Kontaktaufnahme fruchtet, die beiden beschließen sich zu treffen und Achim lädt Peter nach Harburg ein. Drei Tage dauert Peters erster Besuch in Hamburg-Harburg bei Achim und seiner Frau. Obwohl es gar nicht geplant war, entstehen dabei auch die erste gemeinsame Songs.

Eine Zeit später in 2002 kommt Peter dann für zwei Wochen zu Achim und sie nehmen nun insgesamt neun frisch geschriebene Songs auf. Die Sache geht in die Vermarktung. BSC Musik kümmert sich darum. „Mr. Jones“ erweist sich gleich als ganz großer Ohrwurm und wird bereits fast täglich in einem Münchner Radio gespielt. Eine Tour wird geplant.

Doch dann zieht Peter von Australien in die USA. erhält dort einen Plattenvertrag und es scheint, dass das Projekt „Harper & Griebe“ ist kurz vor Start schon wieder beendet. 16 Jahre ist dies her.

Enttäuschung … Funkstille … von Achim … 16 Jahre vergehen. Der Stachel sitzt tief.

2018 aber schwelgt Griebe im Koblenzer Dreiländereck in Erinnerungen und aus einem Impuls heraus schreibt er Peter.

Und dann passiert das Unglaubliche. Die Story wiederholt sich wieder – wie in einem Hollywood-Film: prompt kommt eine Antwort und vor allem was für eine: „Hey, ich spiele in 3 Wochen in Deutschland auf dem Grolsch Bluesfestival“. Und das, obwohl er in all den Jahren kein einziges Konzert in Deutschland gab.

„Es scheint doch so eine unsichtbare Verbindung zwischen Menschen zu geben!“, schmunzelt Griebe. „Wir verabreden uns für das Festival, sind im gleichen Hotel und plötzlich stehen wir uns gegenüber.“

Peter schaut Achim an und sagt: „I’m so tired“, großes Gelächter, denn das war ihr running gag vor 16 Jahren und ist als magische Verbindung offenbar geblieben. Alle Missverständnisse werden besprochen und ad acta gelegt und es wird ein Wochenende intensiven Austauschs und gegenseitiger Inspiration. Nach 16 Jahren nun beginnt das Projekt „Harper & Griebe“ erneut. Die Songs von einst werden nun zum Album und sind frischer denn je. Und wer „Mr. Jones“ hört, weiß wie zeitlos gute Musik sein kann. Eine kräftige Rock-Blues-Gitarre von Achim, dazu die kernige Stimme von Peter. Das rockt!

Nun läuft der Draht wieder heiß! Achim schreibt derzeit noch neue Songs, eine Tour und eine  weitere soll geplant werden. .. es bleibt und wird spannend.

Und hier könnt Ihr reinhören und das Album mit dem bestmöglichen Titel „distant unitiy“ kaufen: bsc-music-gmbh.lnk.to

Sollte die geplante Tour nach Norden und wohlmöglich nach  Harburg führen, würde es uns nicht nur freuen. Wir werden Euch auch auf dem Laufenden halten! Denn: the show goes on!

Weiterführender Link: www.harper-griebe.com 

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Die KSK geht auf Künstlerfang https://www.tiefgang.net/die-ksk-geht-auf-kuenstlerfang/ Sat, 03 Jun 2017 06:42:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1241 [...]]]> KSK – die Abkürzung könnte auch für „Keiner soll´s kapieren“ stehen. Achim Griebe räumt für ´Tiefgang` in einer Serie mit den gröbsten Irrtümern auf … Heute: der Start der KSK.

Musik aus, Pinsel beiseite gelegt, Manuskript beenden. Ärmel hochkrempeln. Die Künstlersozialkasse beginnt mit Ihrer Arbeit. Ein langer Weg.

Von der Vision einer sozialen Absicherung freiberuflicher Künstler bis zur aktiven Umsetzung durch eine Behörde.

Die Widerstände der Verwerter künstlerischer Leistungen, die ja einen Teil der Finanzierung übernehmen sollten, waren größer als erwartet. Erst im Januar 1983 war es soweit …

Die Künstlersozialkasse musste nicht nur räumlich neu geschaffen werden, die Mitarbeiter nicht nur in das komplexe Thema eingearbeitet werden, nein es galt auch das neue Gesetz mit Leben zu füllen und ausreichend zu informieren und zu kontrollieren. Und genau hier begannen die ersten Probleme der Behörde, die ab jetzt Ihren Sitz in Bremerhaven haben sollte und damals in die Landesversicherungsanstalt  Oldenburg-Bremen integriert war.

Herbert Ehrenberg von 1976 bis 1982 Sozialminister unter Helmut Schmidt hatte bei der Standortwahl nicht nur an seinen Wahlkreis in Wilhelmshaven gedacht, sondern war vorher neben anderen Experten beauftragt worden die Rahmenbedingungen des neuen Gesetzes auszuarbeiten.

Wenn man den Quellen aus der damaligen Zeit trauen darf, dann leider sehr fehlerhaft und auch  zu oberflächlich. Ich habe vor vielen Jahren mit einem Mitarbeiter von Herrn Ehrenberg ausführlich telefoniert. Bei aller berechtigter Kritik. Ein Kraftakt  war nötig um Helmut Schmidts Wahlversprechen einzuhalten und diese einmalige soziale Idee auf den Weg zu bringen.

Soziales Neuland 

Leider konnte man auch nicht auf Erfahrungen aus dem Ausland aufbauen, um damit schwerwiegende Anfangsprobleme zu vermeiden. Vergleichbares gab es nicht. Ein erheblicher und noch heute nachwirkender Fehler waren die zugrunde gelegten Zahlen.

Hobby, Handwerk oder Kunst? Den Pinseln sieht man es nicht an … (Foto: KSK)

Wie viele Künstler mussten nun in die neu geschaffene Pflichtversicherung aufgenommen und finanziert werden? Leider gab es damals keine verlässlichen Erhebungen über die Anzahl der freiberuflichen Künstler. Und welche Berufe sollte man es als künstlerisch deklarieren und welche nicht? Wer entscheidet was Kunst oder Handwerk ist?

Keine unwichtigen Fragen, wenn es um die Sicherung der Finanzierung, die Abwicklung der Abrechnungsverfahren und die Planung der Zukunftsentwicklung der Künstlersozialkasse gehen sollte.

Mit acht Mitarbeitern Neuland betreten

Acht Mitarbeiter sollen es in den ersten Monaten gewesen sein. Eine unglaublich geringe Mitarbeiterzahl angesichts der anstehenden und sehr umfangreichen Aufgaben. Herr Harro Bruhns, erster Leiter der KSK, hatte mit technischen und personellen Problemen zu kämpfen.  Hinzu kamen unzureichende und praxisferne Bestimmungen im Gesetz.

So verrückt, wie es heute klingt: Die KSK musste in den Anfangstagen auf Künstlerfang gehen.

Ein Selbstgänger war die KSK nie. (Quelle: KSK)

Sicherlich gab es Freiberufler, die sich nicht per Gesetz verpflichten lassen wollten plötzlich von Ihrem kargen Einkommen Krankenkasse und Rente zu zahlen. Gut verdienende Künstler, die sich freiwillig versichert hatten, sahen hingegen nicht ein, diese (private) Absicherung unter Umständen kündigen zu müssen. Der freiwillige Zulauf hielt sich demnach anfangs noch in Grenzen.

Damals gab es ja auch noch keine allgemeine Versicherungspflicht. Hinzu kamen Gerüchte und viele falsche Informationen, die leider auch die Gegner immer wieder für Ihre erneute Forderung nach Abschaffung nutzen konnten.

Es wurden erhebliche Fehler in der Informationspolitik  gemacht. Wenn man sich den aktuellen, geringen Etat  für Öffentlichkeitsarbeit der Behörde anschaut, wird klar: In den Anfangsjahren hatte die KSK enorme Schwierigkeiten gerade die Verwerter über Ihre Zahlungspflicht zu informieren oder diese zu kontrollieren. Das hatte schwerwiegende Folgen. Nicht nur der Bund musste erhebliche finanzielle Mittel zusätzlich bereitstellen, sondern die verbleibende Last wurde auf die wenigen Schultern der Verwerter und Beitragszahler verteilt, die mittlerweile per Verwaltungsakt erfasst waren.

Probleme, Probleme, Probleme

Dadurch erhöhte sich der prozentuale zu entrichtende Beitrag der ehrlichen Verwerter erheblich.  Man war bei allen Anstrengungen nicht in der Lage, die unehrlichen Nutznießer künstlerischer Leistungen berechtigt zur Kasse zu bitten. Ungerecht und existenzbedrohend für ein System, welches im Grundgedanken sozial richtig und noch heute unentbehrlich ist.

Erhebliche Probleme gab es auch bei der Berechnung der Bemessungsgrundlage der Beiträge und den Zahlungen an die Krankenkassen und die Rentenanstalt. Alle Künstler eint ein Problem: Die ständig schwankenden Einnahmen und die Probleme bei der Ermittlung des steuerlichen Gewinns Ihrer Arbeit. Daraus resultiert das noch heute praktizierte Verfahren einer Schätzung der Gewinne am Anfang eines Jahres als Grundlage der monatlichen Zahlungen der Versicherten.

Ein  Blick in meine eigene  Vergangenheit und eine beantragte Akteneinsicht in meine persönliche Akte in Wilhelmshaven zeigt: Eine Postkarte und wenige Nachfragen der Sachbearbeiter reichten damals aus und ich war am Anfang meiner Selbstständigkeit als Musiker kranken- und rentenversichert. So leicht wurde es dann in den folgenden Jahren der stetig wachsenden Zahl der Antragsteller nicht mehr gemacht. Fehler im System und eine völlig verspätete erste Novellierung gingen zu Lasten der Künstler.

Immer mehr Schauspieler, Musiker, Maler oder freiberufliche Lehrer  usw. meldeten sich bei der KSK. Eine Antragsflut die mit den wenigen Sachbearbeitern nicht zu bewältigen war. Viel zu spät hatten  der Gesetzgeber und die Verantwortlichen in der Behörde auf die massiven Veränderungen  in allen Bereichen der künstlerischen Berufe reagiert.

Mit Folgen ……..

Weiterführende Artikel:

„Kranke Künstlerkasse“, „die Zeit“ vom 20. Sept. 1985

„Kasse für kranke Künstler klingelt“, „die Welt“ vom 10. Mai 1997

 „Künstlersozialkasse: Jeder Mensch ist ein Künstler“, „der Tagesspiegel“ vom 20. Mai 2001

„Das Straßenmusiker-Problem“, „taz“ vom 12. Jan. 2005

(30. Mai 2017, Joachim Griebe)

Zu Joachim Griebe: joachimgriebe.de

Joachim Griebe: er stammt aus Hamburg-Harburg, lebt in Koblenz, ist Berufsmusiker und seit über 20 Jahren über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert. Die meisten kennen ihn vor allem als Helfer in der Not und Gründer und Begleiter des KSK-Forums.

Infos, Austausch, gegenseitige Hilfe: das KSK-Forum. (Logo: Joachim Griebe)

 

Vorschau: Im Teil III wird es darum gehen, wer in die KSK soll und darf.

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Künstlersozialkasse – die neue Serie https://www.tiefgang.net/kuenstlersozialkasse-die-neue-serie/ Sat, 08 Apr 2017 06:00:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=879 [...]]]> KSK – die Abkürzung könnte auch für „Keiner soll´s kapieren“ stehen. Viele wissen gar nicht, was es ist; andere denken, man kann vor allem Krankenversicherungsbeiträge mit ihr sparen und wieder andere halten sie für eine weitere staatliche Wegelagerei. Achim Griebe räumt für ´Tiefgang` nun in einer Serie mit den gröbsten Irrtümern auf …

Er stammt aus Harburg, lebt in Koblenz, ist Berufsmusiker und seit über 20 Jahren über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert: Joachim Griebe. Die meisten, so entsteht schnell der Eindruck, kennen ihn vor allem als Helfer in der Not und Gründer und Begleiter des KSK-Forums.

Infos, Austausch, gegenseitige Hilfe: das KSK-Forum. (Logo: Joachim Griebe)

 

„Seit über 15 Jahren helfe ich Kollegen, wenn es um Fragen zur KSK geht und erhalte oft bis zu 50 Anfragen am Tag. Diese Reihe soll nun grundlegende Informationen über die Künstlersozialkasse vermitteln und es ist meine Hoffnung, dadurch dieses einmalige und unverzichtbare soziale System zu verbessern und zu stabilisieren.“

Ob nun Schauspieler, Maler, Musiker oder Buchautoren, bis in die Mitte der 70er Jahre waren die meisten Selbstständigen in künstlerischen Berufen weder Kranken- noch Rentenversichert. Weniger aus Nachlässigkeit oder Naivität, sondern weil eine Absicherung selbst für erfolgreiche Künstler auf Dauer nicht zu finanzieren war.

Unregelmäßige Einnahmen, geringe Gewinne, lange Phasen der Arbeitslosigkeit aber auch Krankheit und eingeschränkte Berufsfähigkeit im Alter, machte viele Künstler am Ende ihres Lebens oft zu Sozialhilfe-empfängern. In der Regel finanziert durch die Solidargemeinschaft.

1972 hatte der Gesetzgeber die gesetzliche Rentenversicherung für Selbstständige geöffnet. Im Gegensatz zu freien Berufen in der Wirtschaft, war es den meisten Künstlern aber damals nicht möglich die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung auf Dauer zu erwirtschaften. Damit war der neugeschaffene Zugang zur sozialen Absicherung kaum zu nutzen.

1975 gab es einen Bericht zur sozialen Lage der Künstler an die Bundesregierung, der auf die dringenden Verbesserungen der sozialen und wirtschaftlichen Situation hinwies. Die damalige Regierung unter Helmut Schmidt hatte sich entschlossen hier etwas zu tun. In seiner Regierungserklärung von 1976 hatte er sein Wort gegeben. Berühmte Künstler, unter ihnen Günter Grass, hatten zuvor Ihren Einfluss genutzt, um auf die teilweise prekäre Situation von Kollegen aufmerksam zu machen.

Nach vielen Anläufen, Widerständen und Novellierungen trat am 1. Januar 1983 das Gesetz in Kraft. Die neu geschaffene Behörde in Wilhelmshaven wurde mit der Umsetzung beauftragt und hatte wie viele neue staatliche Einrichtungen mit erheblichen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen.

Die KSK ist eine Behörde und keine Krankenkasse

Bis heute ist es nur teilweise gelungen, dieses Gesetz und seine Bestimmungen wirklich ausreichend bekannt zu machen. Dies hat fatale Folgen für die immer zahlreicheren Antragsteller und die Verwerter von künst-lerischen Leistungen, die zur Hälfte dieses soziale System mitfinanzieren.

Die KSK ist eine Behörde und keine Krankenkasse. Ihr obliegt die Durchführung und Kontrolle der gesetzlichen Vorgaben. Trotz vieler Anpassungen, ist es für Antragsteller immer noch ein hoher bürokratischer Aufwand über die KSK pflichtversichert zu werden.

Es gibt häufige Versuche die Künstlersozialkasse abzuschaffen. Dies resultiert aus Unkenntnis und fehlenden Informationen. Mit Blick auf die ständig steigenden Antragsteller und die massiven Veränderungen im Kunstbereich, hätte solch ein Plan nicht nur negative Auswirkungen auf die fast 200.000 Versicherten, sondern auf die gesamte Kulturlandschaft.

Immer mehr künstlerischen Berufen bleibt nur die Selbstständigkeit. Ohne KSK unmöglich!

Als Einstieg sei ein Artikel aus der „Zeit“ vom 18. Jan. 2011 empfohlen: „Künstlersozialkasse: Geschlossene Gesellschaft“.

Zur Entstehung der KSK ist ein Artikel des „Spiegel“ vom 27. Sept. 1982 zu empfehlen: „Frische Seeluft“.

Detaillierter und umfangreicher ist das Buch „Künstlersozialversicherungsgesetz – Hintergründe und aktuelle Anforderungen“ von Olaf Zimmermann und Gabriele Schulz, herausgegeben vom „Bundesminister für Arbeit und Soziales“  (seinerzeit Olaf Scholz) vom November 2007, ISBN 978-3-00-020400-5. Download hier: www.bmas.de

Ein bildhaft darstellender Artikel über die Widerstände z.B. der zur Kasse gebetenen Unternehmen und Gegner der KSK findet sich in der „Süddeutschen“ vom 29. Aug. 2016 unter dem Titel „Wirtschaft greift Privilegien für Künstler und Journalisten an“.

(02. April 2017, Joachim Griebe)

Zu Joachim Griebe: joachimgriebe.de

Vorschau: Im Teil II wird es über die Anfänge der KSK gehen.

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„Kollegen, haltet zusammen!“ https://www.tiefgang.net/kollegen-haltet-zusammen/ https://www.tiefgang.net/kollegen-haltet-zusammen/#respond Sat, 03 Dec 2016 10:31:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=112 [...]]]> Die Initiative SuedKultur feierte 2016 ihr 10jähriges Bestehen. In dieser Zeit wurden Kontakte geknüpft, gingen aber auch andere verloren, wurden Aktionen und Themen heiß diskutiert und kühlten auch wieder ab. 10 Jahre – ein Anlass zurückzuschauen und Wegbegleiter nach ihrer Sicht der Dinge zu fragen …

Heute ein Kurzinterview mit dem Berufsmusiker Joachim Griebe (Gitarrist, Komponist, Produzent). Joachim war lange Zeit in Harburg ansässig, arbeitete und lebte hier. 2012 zog es ihn tiefer in den Süden – nach Koblenz.

Neben der Musik ist er engagiert zum Thema Künstlersozialkasse (KSK) und hier vielen Künstlern auch als kompetenter Helfer bekannt.

„Tiefgang“ (TG) : Hallo Joachim, Du bist vor einigen – genau 4 – Jahren aus Hamburg-Harburg nach Koblenz gezogen, mit Deiner alten Heimat aber immer noch persönlich verbunden. Was fiel Dir als erstes ein, als du eben an SuedKultur gedacht hast?

Joachim Griebe (JG): Engagement und Information.

TG: Wann kamst Du erstmals mit SuedKultur in Kontakt?

JG: Leider erst vor ca. 2 Jahren.

TG: Was hat sich für Dich in den letzten 10 Jahren im Bereich Kultur verändert?

JG: Die Vielfältigkeit ist verschwunden.

TG: Welchen Anforderungen siehst Du Dich selbst heute im Bereich der Kultur ausgesetzt?

JG: Ob nun als Maler oder als Musiker …, es wird immer schwerer seine Projekte umzusetzen.

TG: Was besticht für Dich ganz persönlich im Hamburger Kultur-Leben und warum?

JG: Noch immer wagen es Veranstalter, Macher und Künstler Projekte anzugehen, die keinen kommerziellen Gewinn „versprechen“. Das war und ist in Hamburg noch immer so.

TG: Was könnte Hamburgs Kultur unbedingt gebrauchen?

JG: FÖRDERUNG! Es ist doch ein Witz, was an finanzieller Hilfe geleistet wird!

TG: Was hat Hamburgs Kultur, was andere Städte nicht haben?

JG: Eine bewegte und tolle Vergangenheit. Hier könnte man anknüpfen und weitermachen …

TG: Welche Bedeutung hat der Hamburger Süden für Dich selbst?

JG: Ich habe dort als Musiker 53 Jahre gelebt und immer gearbeitet.

TG: Gibt es eine Anekdote zu berichten?

JG: (lacht) Ein Buch voll damit …

TG: Wird die Eröffnung der Elbphilharmonie Hamburg verändern?

JG: Ich wünsche mir, eine positive Veränderung. Was für ein Millionen-Grab!

TG: Noch eine persönliche Anmerkung?

JG: Kollegen! Haltet zusammen und unterstützt Euch gegenseitig!

TG: Joachim, vielen Dank und Dir alles Gute im Süden!

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