Kolumne John Pütz – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 18 Apr 2020 22:03:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Anti-Körper https://www.tiefgang.net/anti-koerper/ Sat, 18 Apr 2020 22:02:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6766 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Es gibt Menschen, die sich offenbar aus einem inneren Grundsatz gegen den Mainstream bewegen. Oder aus Überheblichkeit, wie einst die Manta-Fahrer, die auf der Heckscheibe   diesen Aufkleber hatten: „Eure Armut kotzt mich an!“, über den die meisten sich empörten, einige wenige hingegen sich fragten, wer denen eigentlich den Aufkleber unauffällig dahin gesetzt hatte.

Also Leute, die sich gegen etwas verhalten, nicht etwa, weil ihnen die Schwarmintelligenz verwerflich erscheint. Eher nur so. Das Prinzip „ich nicht!“ als Dogma eben.

Bertie ist so einer. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er alle möglichen Namen tragen könnte, aber sicher nicht wirklich Berti heißt. Aber alle nennen ihn so und solange man noch andere Dinge im Leben vorhat, als sich Geschichten anzuhören, fragt man besser nicht nach.

Alle sind übrigens die am Kiosk. Da wo sich abendlich zufällig ein Teil der Nachbarschaft beim Bierholen trifft, einen kleinen Schnack hält, ein, zwei Zigaretten zusammen raucht, man dies und das erörtert, vielleicht noch ein, zwei Jägermeister ausgibt und gegeben bekommt und nächsten Abend wieder hingeht, weil man vergessen hatte: man wollte ja eigentlich ein Bier dort holen …

Und da ist dieser Tage natürlich auch Corona das große Thema. Also natürlich nicht das Virus selbst, auch wenn vermutlich alle mittlerweile genau beschreiben könnten, wie es aussieht.

Aber dass ja etwa die Luise mit ihren 75 Jahren es jetzt ganz besonders schwer hat. Weil wie soll die nun ihren Sohn noch sehen? Wobei nicht darüber geredet wird, dass der Sohn eh nur einmal im Jahr vorbeischaut und wenn er dann da war, am Kiosk dann mindestens eine Woche lang diskutiert wird, dass der doch ganz sicher nur da war, um endlich Luise wegen der Erbschaft zu beschwatzen. Ja, die Luise hat es dieser Tage also besonders schwer.

So ähnlich mit Johanna, der Alleinstehenden aus der 36b – die hat es auch nie einfach gehab im Leben – oder dem Fietje, auf den seine Eltern nie gut zu sprechen waren und er ja doch so viel ganz alleine hinbekommen hat: er ist trotz Schulabbruch volljährig geworden, hat der gut anlaufenden Drogenkarriere einen soliden Entzug vorgezogen und auch so sei Verlass auf ihn, wenn man nicht so pingelig sei, und bei seiner angebotenen Umzugshilfe wirklich neun Uhr morgens statt  „im Laufe  des Tages“ erwartet. Und der Fietje sei ja jetzt quasi „Risikogruppe“, weil der ja im Grunde immer „Risiko“ ist.

Und dann kommt Berti und haut einen raus. „Mensch, Berti! Gut siehst Du aus? Und so braungebrannt!“, sagt Elma. „Ja, Danke. Schönheit kommt von innen und die Bräune ist noch vom Skiurlaub in Ischgl. Das war der Hammer!“ Und dann erstmal laut und weiträumig in die Gegend schnäuzen. Dazu demonstrativ mit wedelndem Taschentuch. Dies, kaum in der Hosentasche versenkt, reibt er sich – Hygiene ist wichtig! – die Hände an den Hosenbeinen ab und läuft auf Irma zu: „Irma, Mensch, lange nicht gesehen! Lass Dich mal umarmen!“

Fünf Leute springen quasi auf Knopfdruck 1,50 Meter zurück.

„Ach, der Fiete kriegt das schon hin“, so Bertie unbeirrt weiter im Text. „Hab´ ich gestern noch zu Melli (seine Lebensgefährtin, für die, die an der Kiosk-Runde erstmals teilnehmen) beim Italiener gesagt.“ „Italiener?“, stutzt Simon. „Ja, klar. Wenn Du bei Antonio hinten an der Tür klopfst, kriegste den VIP-Tisch. Vorne ist doch nur außer Haus!“, lacht Berti breit und das geht fast bewusst, zumindest „just in time“ in ein ausgiebiges Husten mit Allerlei über. Wieder der 1,5 Meter-Effekt.

„Meinst Du nicht, dass der rechte Zeitpunkt ist, mal weniger zu rauchen?“, fragt Siggi aus der Runde. „Ach Quatsch“, kontert Berti umgehend. „Der Teer in meiner Lunge lässt ´den Chinesen` (!) glatt die Lunge runter rutschen. Will noch wer ´nen Schluck Eierlikör?“, und hält die Flasche in die Runde.

Das meine ich, wenn ich sage, es gibt so Leute, die sind einfach immer und nur so gegen den Mainstream.

Mich wunderte es nicht, als mir am nächsten Tage jemand sagte, da sei ein Bescheuerter mit einer Alien-Faschingmaske im Discounter aufgetaucht und hätte laut am Eingang vor sich hingebrabbelt „dann wollen mir mal sehen, was wir für die Grillparty heute so zusammen bekommen“ und dann – wer hätte es gedacht? – gut hörbares Keuchen, Schnauzen und Hände an den Hosenbeinen abwischen. Hygiene muss sein!

Euer John Pütz

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Heilige Greta! https://www.tiefgang.net/heilige-greta/ Fri, 17 Apr 2020 22:50:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6756 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …Gestern, als ich außerhäusig ein paar Schritte an der Luft tat (frisch war sie, aber sagt man das nicht immer nur so, weil es gut klingt oder zur Redenwendung gehört und sich schlussendlich auch danach klingt, als wenn zuhause nur dicke oder schlechte Luft wäre? Als wenn es wohlmöglich nur aus Räumen ganz ohne Fenster und Lüftungsschächte bestünde? Zudem zugeworfen mit Unrat des alltäglichen Gebrauchs – kurz „Messitum“ genannt?), jedenfalls eben als ich „spazieren war“ (den Exkurs hierzu spare ich jetzt aber aus!), brauste mit hohem Tempo und knatterndem Auspuff ein bayrisches Automobil an mir vorbei. Einst (also vor etwa vier Wochen) hätte ich es vermutlich nicht mal wahrgenommen. Aber gestern eben dachte ich mir: „überflüssig!“. Ich korrigierte meine Denke umgehend, denn klar: sowohl der Fabrikationstyp als auch knatternde Auspuff, der ganz  sicher nicht kaputt war sondern sich „so gehört“ im wahrsten Sinne, waren weder voll bepackt noch mit mehreren Personen besetzt. Aber auch so: für den Stadtverkehr sind sie gar völlig ungeeignet.

Und da ging mir durch den Kopf, dass es doch freitags auf einmal immer so wichtig war, dass es so nicht weitergeht. Autos, Flugzeuge, Kohleverbrennung … alles zu viel für unser Klima. Und als Synonym stand GRETA.

Greta, die kindliche Erscheinung, um die selbst die UNO und sogar dieser merkwürdige Windhund aus den USA nicht vorbeikam. Manche fingen an, sie gar zu hassen. Ihr Dinge zu unterstellen, die sie nicht wirklich unterstellen konnten. Denn eigentlich wusste niemand wirklich was über sie. Sie ist ja auch noch jung. Nicht so jung, wie sie erscheint. Aber jung genug, um keine Berge an Affären, Hinterziehungen (oder kann man Taschengeld „hinterziehen“?), Meuchelmorden oder Korruptionen aufhäufen zu können.

Kurzum: etwas aus der (menschlichen) Art geschlagen. Man liebt sie oder hasst sie.

Und jetzt war doch erst Ostern. Ostern, an dem sich manche Religiöse unter uns an eben auch so einen Außer-der-Art-Typen erinnerten. Der ist zwar nur noch von Hörensagen überliefert und die Schule hat er freitags wohl aus Mangel an Zivilisation nicht schwänzen können. Aber so merkwürdiges Zeug soll er auch geredet haben und immer sagte der überwiegende Teil wohl auch „geht nicht“, „so einfach ist das nicht“ und so weiter.

Und da war doch dann auch so eine Sintflut. Oder überhaupt DIE Sintflut. Und nur weil einer nen Boot statt etwa einen überdimensionierten Fünftürer bayrische Machart hat, kann ich hier vermutlich überhaupt rumlaufen und darüber sinnieren.

Corona und die Sintflut. Corona, Sintflut. Sintflut, Corona …

Geschichte mag sich angeblich nicht wiederholen. Ist ja aber auch keine Flut.

Heilige Greta!

 

Euer John Pütz

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Scheinbare Ruhe https://www.tiefgang.net/scheinbare-ruhe/ Thu, 16 Apr 2020 22:52:28 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6753 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Es ist ruhig in diesen Tagen. Genau genommen: zu ruhig.

Alle scheinen entspannt, haben Zeit, geben sich Zeit. Das merkt man an der plötzlichen Umsicht. Durch den Mindestabstand von 1,50 Meter scheint auf einmal der Blick geweitet. Mancher nimmt wahr, das da noch jemand gerade in den Drogeriemarkt geht, nimmt sein Tempo raus und gewährt dem anderen freundlich Vorfahrt (oder heißt es dann Vor-Gang? Ach nein, Vor-Tritt!).

Ja, eine gewisse Freundlichkeit – an der Kasse. Man bedankt sich, nach dem Zahlen. Quasi als Danke, dass man zahlen durfte. Denn geschenkt ist ja schon die Zeit, die man noch haben darf auf diesem Planeten. Oder wie meinen die das?!

Freundlich gegenüber der Postbotin, die mancher überhaupt das erste Mal wahrnimmt. Naja, jetzt, wo man weiß, dass all das die Helden des Alltags sind – da will man sich des Lobes nicht allein verschleißen. Und wer weiß, wofür es noch gut sein wird.

Wenn die Regierung erst komplett daniederliegt – so wie die immer und überall ohne Maske vor den Mikros und Journalisten stehen. Das geht ganz schnell und die ganze Regierung ist dahingerafft. Aus. Vorbei. Ein Land ohne Führer – da haben wir uns schon dran gewöhnt. Aber ganz ohne Führung? Da wären dann bestimmt die Helden des Alltags die natürlich Nachrückenden, oder? Hat´s doch schon mal in Österreich gegeben. Expertenregierung oder so.

Ganz oben wäre da bestimmt der Christian Drosten. Klar. Und für die Stadt Hamburg haben wir ja das RKI und seine Mannen. Und für Harburg wäre es dann eben die Kassiererin aus dem Discounter ohne Mehrwertsteuer (obwohl die immer auf dem Kassenbon ausgewiesen ist. Wollte ich denen eh mal sagen) und die Postbotin. Die überbringt dann die Nachrichten der Kassiererin.

Die hat keine Ahnung von so was, sagen Sie?

Ist doch wurscht, wie man jetzt schon sieht. Es wurde doch gerade erst der Chef vom Harburger Gesundheitsamt beurlaubt. Das heißt, man sagt, sein Urlaub habe er schon lange geplant. Aber ob er den wirklich auf Balkonien nehmen wollte? Wie auch immer. Seinen Job macht jetzt eine Halbtags-Ärztin. Und? Sehen Sie, kein Unterschied! Ist völlig wurscht, wer da sitzt und ob er was tut.

Und an den Erkrankten im Seniorenheim hätte sowohl er als auch sie ganz- oder halbtags auch nichts ändern können. Ist eben so.

Dann könnte es auch die Kassiererin machen.

Und wir würden sie freundlich grüßen und die Postbotin würde uns kleine Zettel in unsere Kästchen werfen, auf denen notiert steht, was uns Harburger auf den Tagesweg mitgegeben wird. Etwa: „einen schönen Tag, lieber Harburger! Und es würde uns freuen, wenn Sie auch heute wieder Ruhe und Gelassenheit haben, anderen den Vortritt ließen und Zeit für Um- und Nachsicht hätten! Ihre Alltagsheldin von der Kasse“

Da will man es sich jetzt also nicht verderben.

Deswegen, glaube ich, deswegen sind die alle so ruhig! Zu ruhig, genau genommen.

 

Euer John Pütz

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Lockerer Spargel https://www.tiefgang.net/lockerer-spargel/ Wed, 15 Apr 2020 22:06:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6747 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Mein alter Kumpel Joachim wollte sich ausgerechnet in diesen Zeiten der alten Tradition annehmen und sich zu Ostern melden. Könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass er zu viel des Eierlikörs zu sich genommen hatte. Aber wie auch immer, im Grunde freute ich mich mal wieder von ihm zu hören.

Joachim war seinerzeit Medienfuzzi geworden. Erst bei einer lokalen Radiostation, dann Tageszeitungen und jetzt als „Freier“ – aber wohl doch vorwiegend für ein und dieselbe Wochenzeitung – nur billiger. Reicht vermutlich, so ein Blatt einmal die Woche herauszugeben, ginge es zumindest nach dem, was sich inhaltlich und weniger werblich drin findet.

Und wie sollte es anders sein, auch Joachim hatte ein Klagelied anzustimmen. „Es gibt ja nichts zu schreiben“, stöhnte er. „Ach, nun mach dich mal locker“, entgegnete ich und wollte ihn eigentlich damit aufmuntern. Weit gefehlt, wie ich merkte. Denn „lockern“ war wohl das definitiv falsche Wort dieser Tage.

„Hör auf!“, brüllte Joachim. „Nicht Du auch noch!“, grantelte er mich an.

„Alle reden nur noch vom Lockern! Wann werden die Verordnungen gelockert? Wann die Einkaufszeiten gelockert, und für wen wird die Besuchszeit in Pflegeheimen gelockert und wie genau und was genau!?“

„So schlimm?“, fragte ich kurz und dachte so bei mir, dass in einem Harburger Altenheim es vermutlich auch gerade schlecht ankäme, wenn man sagte, „machen Sie sich mal locker!“

„Ja, ganz schlimm!“, erwiderte Joachim. Er sei neulich bei einem dieser typischen Frühjahrstermine gewesen: Eröffnung der Spargelsaison. „Irgendwie muss man ja seine Zeilen klopen!“ Und da sei es einem Kollegen nicht mal zu blöd gewesen, den Spargelbauern zu fragen, ob es nicht an der Zeit sei, die Saisonzeiten der Ernte endlich zu lockern. Schließlich müsse ja in allen Bereichen darüber nachgedacht werden, die Zeiten zu strecken. Und so sei es doch auch vielleicht nachdenkenswert, die Spargelsaison zu lockern und so den Andrang an den Marktständen etwas zu entzerren.

„Den Blick vom Bauern hättest Du sehen sollen!“, so Joachim glaubhaft.

„Schön wär´s trotzdem“, konnte ich mir nicht verkneifen.

 

Euer John Pütz

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Verluste https://www.tiefgang.net/verluste/ Tue, 14 Apr 2020 22:12:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6741 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Reden wir mal über die Verluste.

Die Pandemie bringt so allerlei Verluste mit sich.

Der Verlust an Kontakten ist naheliegend, ist doch die Kontakt-Sperre hinreichend erklärend.

Ein Verlust an Lustigkeit wäre sprachlich auch noch selbsterklärend. Aber wäre sein Pendant dann ein Gewinn an Leid? Also geht die Ver-Lust mit dem Leid-Vollen einher?

Unberechenbar wird es bei den Verlusten der Konzerne. Die, die uns samt ihren Experten stets das gesamte Leben zu erklären suchen.

So macht der Autokonzern aufgrund von fahriger Un-Lust oder umgekehrt steigendem Fahr-Leid nicht die Rekordgewinne des Vorjahres sondern in ebensolcher Höhe einen Ver-Lust. Man will mir also klar machen, dass „entgangene Gewinne“ gleich auch Verluste sind.

Demnach ist jeder Lotto-Tag, an dem ich meinen anvisierten Millionengewinn nicht erhalte zugleich ein Millionenverlust. Und das bei einem realen Einsatz von 1,75.

Sieht man es so, vergeht einem die Lust. Wahrlich.

Dabei ging ich stets davon aus, dass ich nur verlieren oder verlustig gehen kann, was ich je besessen. So wurde es mir beigebracht so lange ich meinen Fuß unter anderer Leute Tisch stellen „durfte“, was mir auch nie geheuer war.

Ist dann aber der Verlust des Konzerns bereits besessen gewesen oder war der Konzern besessen davon, Gewinn zu machen, den er sich nun verlustigt glaubt?

Und wenn der Börsenkurs erst um 10 Prozent sinkt, um dann 4 Prozent zu stiegen: ist dies nun ein Kursgewinn oder Verlust? „Der Anleger“, so erzählt mir tagein tagaus jemand zum Ende der Nachrichten sei verunsichert.

Nun gut, denke ich mir mal. Und lege Hand an, auf dass meine Decke eine neue Farbe möge bekommen. Sicher ein Lust-Gewinn.

 

Euer John Pütz

 

 

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Impfware https://www.tiefgang.net/impfware/ Tue, 14 Apr 2020 09:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6735 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Sprache bestimmt unser Denken. Und da muss man sich wohl so seine Gedanken machen.

Denn in was für einer digitalisierten Welt leben wir eigentlich?

Zu Ostern findet kein Gottes- sondern ein Gottes-Streaming-Dienst statt.

Da feiert Jesus bald seinen 2020. Geburtstag – ein runder, an dem man mal wieder zu einer großen Party einladen könnte! – und zu seiner Auferstehung geht niemand hin! Stattdessen sitzt seine Anhängerschaft vor Screens und streamt. Na, Prost Mahlzeit!

Und die Wirtschaft soll langsam wieder „hochgefahren“ werden. Wie ein PC. Müssen folglich nicht erst alle Flugzeuge abgestürzt sein, bevor man die Luftfahrtbranche wieder hochfährt? Das wäre ja nicht so gut.

Und ist es kein Zufall, dass uns ausgerechnet Bill Gates, der Garagenmann mit seinem Microsoftrechner, erklärt, dass es mit den Pandemie-Restriktionen so lange dauen wird, bis ein Impfstoff gefunden und für alle zur Verfügung steht?

Der Mann muss sich ja auskennen. Denn die letzten Viren, die die meisten kennen, waren auf eben seinen Windows-Prozessoren und da hat man einfach Virensoftware hochgeladen und installiert, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Lade ich also auch bald den Impfstoff hoch? Ist das dann eigentlich auch Impf-Ware statt –Stoff? Und brauchen wir dazu eine Covid19-Firewall und wird es diese „for free“ geben oder als Abo?

Und ist der Media-Markt dann bald auch ein Medical-Markt?

Mir scheint da einiges durcheinander zu geraten.

 

Euer John Pütz

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Nur anders https://www.tiefgang.net/nur-anders/ Sun, 12 Apr 2020 10:29:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6732 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Gestern war ich früh auf. Sechs Uhr, das Morgenlicht kam langsam auf.

Es macht sich bemerkbar, dass das Ausschlafen der letzten 14 Tage wirkt. Ich bin jetzt ausgeschlafen.

Also dachte ich, ich mache mal einen Jogginglauf in der Früh`, denn da ist noch wenig los. Wenig los! Als wenn in den letzten Tagen irgendwo was los ist.

Wie auch immer: Laufklamotten an und los ging´s. Und kaum am Park angekommen, dachte ich, ich spinne. Klar, schönes Wetter zu Ostern macht die Aufforderung zur sozialen Distanz und Kontaktlosigkeit sicherlich erträglicher, denn immerhin kann man Laufen, Spazieren gehen oder Spargel stechen. Aber was ich da sehe, verstand ich erst auf den zweiten Blick. Handtücher lagen auf Parkbänken. Sonst niemand zu sehen.

Woher kenne ich das Bild?

Klar. Bilder aus Mallorca! Und womöglich auch anderen Orten, in denen deutsche Urlauber Platzansprüche sichern.

Nun also auch in Hamburg. In Harburg!

Da liegen Handtücher auf Parkbänken, um sich mit Sonnenaufgang den Platz an der Sonne zu sichern.

Social distancing, denke ich, als ich später unter der Dusche stehe, ist gar nicht neu. Es ist jetzt nur anders.

 

Euer John Pütz

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Ostern 2.0 https://www.tiefgang.net/ostern-2-0/ Sat, 11 Apr 2020 11:58:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6730 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Alle reden immer von Digitalisierung.

Bücherhallen mit e-Books. Klar. Nachvollziehbar.

Kollegen mit E-Mails und nun auch Videokonferenz. Auch klar.

Online-Shopping statt Grabbeltisch. Normal. Obwohl ich schon erstaunt bin, dass Harburg so gar nichts an Alternativen zu überlegen scheint. Anderswo kauft man offenbar online und dich lokal. Naja. Harburg ist eben nicht die Welt.

Jochen, mein IT-affiner Bekannter aus Harburg, ist da schon etwas weiter. Er hat zu Ostern so eine Art einfacher Pokkemon für seine Kids programmiert. Da halten die Blagen ihre Smartphones in die gute Stube und auf einmal tauchen virtuelle Ostereier auf, die dann in einen ebenso virtuellen Korb gelegt werden müssen. Gut auch für die geschonten Hühner.

Und die Kirchen? Selbst die Kirchen fangen jetzt mit Digitalisierung an.

Bibel als e-Book. Okay. Kirchenschiff als virtual reality. Kann ich auch noch folgen. Gottesdienst im Streamingformat. Naja, Hauptsache der Herr ist mit Dir. Aber dass sie schon den Klingelbeutel mit Kartenzahlung versehen. Da kratze ich mich schon manchmal am Kopf. Und wird es bei den Katholiken bald mit der Beichte sein? Kann ich dann per Netbook online in eine Art „dark room“ treten, ein virtueller Pater tritt herein, zieht seinen Vorhang zu und ich beichte? Und dann kann ich online die drei Ave Marias drücken und meine Gewissenscloud ist wieder sauber?

Man weiß es nicht. Die Zeiten ändern sich eben.

 

Euer John Pütz

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Stilwandel https://www.tiefgang.net/stilwandel/ Fri, 10 Apr 2020 11:42:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6727 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Neulich hatte ich Jochen im Videochat.

Jochen ist so gar nicht Harburg. Also natürlich schon irgendwie. Schließlich lebt er hier. Unweit hinter der Kirche. Aber so vom Äußeren. Ich glaube man nennt das Habitus. Oder Attitüde, klingt auch schön und irgendwie passend.

Wie auch immer. Manche würden „bunter Vogel“ sagen. Aber bunt ist sein Erscheinungsbild eigentlich nicht. Stilvoll passt besser.

Und da er oberhalb der Elbe arbeitet, ist er nicht so präsent, fällt er nicht so auf. In Harburg.

Jochen jedenfalls entwickelt gerade unter Hochdruck eine neue Geschäftsidee. Jetzt in Corona-Zeiten.

„Die Leute können ja gerade keine Klamotten im Ort kaufen“, so die Marktanalyse von Jochen. „Also shoppen sie online. Und da kauft der Mensch, was er eben vorfindet. Meine Chance!“

„Verstehe ich nicht“, halte dagegen. „Im Netz findest Du doch viel mehr als auf dem Schnäppchenmarkt von Karstadt.“

„Ja, schon“, entgegnet Jochen. „Aber du kannst es per Logarithmus ja steuern. Quasi positiv manipulieren!“

„Harburg steuern?“, wundere ich mich. „Ja, ich bin schon in Kontakt mit Benetton, Hechter und Tom Tailor. Die haben alle Absatzprobleme. Und wenn wir es jetzt schaffen, dass Harburger, wenn sie online gehen, vor allem deren Mode zu sehen bekommen, dann weckst Du den Bedarf an solchen Dingen. Klassische Marktmechanismen!“, referiert Jochen im ruhigen Ton. „Wenn alles gut geht, läuft das System schon ab Ostermontag!“

Merkwürdig, denke ich. Ob so etwas schon geht? Andererseits: sobald ich mal nach Matratzen im Netz suche, bekomme ich ja auch tagelang alle möglichen Matratzenangebote auf den Bildschirm. So absurd ist es vermutlich nicht. Ich glaube, absurd ist, so etwas in Harburg zu testen.

Ich bin gespannt. Wenn das, was Jochen da rumspinnt, wirklich geschehen sollte … da wären wir in Harburg nach Ende der Kontaktsperre ja wirklich andere Menschen!

 

Euer John Pütz

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Geträumt https://www.tiefgang.net/getraeumt/ Thu, 09 Apr 2020 12:59:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6710 [...]]]> John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Ich schreckte hoch. Wir saßen im Garten bei Jonas und er weinte sich aus. Er hatte vor Jahren ein Haus in Fuhlsbüttel geerbt. Damals war es fast nichts wert wegen der Wohnlage. Ständig Krach, da wollte niemand wohnen. Doch in den letzten Jahren hatte sich das geändert. Fuhlsbüttel war zum beliebten Stadtteil für junge, aufstrebende Familien geworden. Haus mit Garten, ein großer Freizeitpark in der Nähe, gute Bahnanbindung und eben lange Zeit Immobilien zum Schnäppchenpreis. Zumal die Menschen die Ruhe, die nahen Einkaufsmöglichkeiten und dennoch gute Verkehrsanbindung liebten.

Doch Jonas hatte kaum Einkommen, lebte als Künstler mehr von der Hand in den Mund. damals war das einer der Gründe, dass seine Oma ihm das Haus alleine vererbt hatte. „Er hat es ja nicht so mit dem Geld“, hatte sie mal gesagt und er müsse doch zumindest ein Dach über dem Kopf haben. Aus der dadurch ent-erbten Familie gab es keinen Widerstand, denn Fuhlsbüttel? Wer wolle schon in Fuhlsbüttel wohnen? Da war selbst Harburg damals attraktiver.

Und mit der Kunst lief es auch nicht mehr so recht. Die Leute interessierten sich zwar nach wie vor für Kunst. Aber kaufen? Die Zeit war seit einigen Jahren vorbei.

Nun, da die Preise für Grund und Boden in Fuhlsbüttel stiegen, drängte die Hausbank darauf, zu verkaufen. Jonas hatte vor einigen Jahren einen Kredit abschließen können, um zumindest das Dach auszubessern. Und daran legte nun die Hausbank gierig Hand an. Sie drohte ihm mit Zwangsversteigerung. Nur wegen eines Kredits, der gerade mal 10.000 Euro noch zählte. Aber: „Kredit ist Kredit“, sagte der krawattierte Mann von der Sparkasse.

Und da schreckte ich hoch.

Es war nur ein Traum. Und wovon war ich hoch geschreckt: ein Flugzeug durchkreuzte laut den Himmel. Ein Flugzeug!

Wie lange habe ich keine Flugzeuge mehr gehört?

 

Euer John Pütz

 

 

 

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