Kunstsammlung Falckenberg https://www.tiefgang.net Fri, 08 Oct 2021 08:23:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 „Kunst-Interesse in Harburg ist groß!“ https://www.tiefgang.net/kunst-interesse-in-harburg-ist-gross/ Fri, 08 Oct 2021 22:00:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8480 [...]]]> Seit August lud die Kunstleihe Harburg e.V. regelmäßig zur Reihe „Kunst vor Ort“ ein. Besuchsorte waren u.a. das Harburger Kunstfest, der Kunstverein Harburger Bahnhof, das Stadtmuseum Harburg und auch die Falckenberg-Sammlung. Aber auch digital wurden heimische Ateliers vorgestellt. Das Interesse war groß.

Dank der Förderung NEUSTART der Bundesbeauftragten für Kultur sowie des Fonds Soziokultur konnte die Kunstleihe Harburg im August die Reihe „Kunst vor Ort“ starten. Die hatte sich zum Ziel gesetzt, die lokale, zeitgenössische Kunst in ihrer Wahrnehmung zu stärken. Sie sollte der Orientierung in der oftmals übersehenen Kunstszene im Süden der Stadt  dienen und niedrigschwellig an ihre Künstler*innen, Arbeiten, Techniken und Positionen heranführen. Dabei startete sie mit Rundgängen und Gesprächen beim 1. Harburger Kunstfest im Rahmen des fulminanten SuedKulturSommers auf dem Schwarzenbergplatz. Dort waren in einer Woche mehr als 60 Künstler*innen vor allem aus dem Süden der Stadt ausgestellt. Um nicht nur aktuelle Werke betrachten zu können, bot die Kunstleihe Harburg kuratierte Rundgänge an und moderierte Gespräche mit den anwesenden Künstler*innen. Dadurch wurden angewandte Techniken, Materialien aber auch künstlerische Positionen auch ohne Vorkenntnisse leicht verständlich. Um auch über das Kunstfest hinaus diese Einblicke und Hintergrundinformationen einer breiten Öffentlichkeit verfügbar zu machen, wurden auch etliche Gespräche im Format des „Harburger Kunstsalons“ der Künstlerin Petra Hagedorn per Videomitschnitt festgehalten und stehen sowohl bei youtube unter „Kunst vor Ort“ als auch auf dem Website-Blog der Kunstleihe Harburg zur Ansicht. „Schon beim Kunstfest zeigte sich, dass dieses Format ungemeine Potenziale mit sich bringt“, so Anne Flad vom Kunstleihe-Team. Und so wurde das Projekt nach dem Kunstfest zweigleisig fortgeführt. Zum einen wurde in analogen Führungen vor Ort die Kunstsammlung Falckenberg, der Kunstverein Harburger Bahnhof und die Ausstellung zum 100. Geburtstag des Harburger Künstlers Carl Ihrke wie auch die Jahresausstellung „Kunst im Garten“ in Moorburg besucht und so auch eine Orientierung gegeben, welche Kunst vor Ort regelmäßig besuchbar ist. Daneben aber wurden auch digitale Formate per Filmschnitt erstellt und gaben ungewöhnliche Einblicke und Hintergrundinformationen ins Habibi-Atelier des Künstlers Sly, in die Arbeit  des bekannten Graffiti-Künstlers „Brozilla“ oder des Fotokünstlers Philip Meuser. Und so ist ein ganzes Sammelsurium an filmischen Dokumentationen der Harburger Kunstszene entstanden, die teils auch dauerhaft im Internet einen Überblick geben.

Doch damit nicht genug: nun ist auch eine Internet-Galerie online gegangen, in der neben diesen Videos auch Internet-Tutorials zu sehen sind. (www.kunstmatrix.com/kunstleihe-hh)

Die Künstlerin Anne Flad, die selbst seit geraumer Zeit erfolgreich  Kurse der Bildbetrachtung gibt und so Interessierte an Formen, Bildstrukturen, Materialien und Bildaufbau heranführt, hat in langer Detailarbeit mit dem Kunstleihe-Team an einer digitalen Werkbank gearbeitet, die online in verschiedene Räume zu verschiedenen Themen und Fachgebieten wie auch zu Künstler*innen des direkten Umfelds führt. „Es ist eine Ergänzung eines klassischen Ausstellungsbesuchs. Ein Format, das wir während der Lockdowns erst als Ersatz- dann aber als durchaus brauchbares Ergänzungsformat schätzen lernten“, so Anne Flad zur wochenlangen Detailarbeit. „Denn der Internetbereich bietet ja auch vielen Interessierten Einblicke, die es eventuell nicht zu Ausstellungen vor Ort schaffen aber dennoch ja an Kunst insbesondere in der  Nachbarschaft großes Interesse zeigen. Beides ist für die Kunstschaffenden immens wichtig und als Solokünstler*in ist der Aufbau eigener Plattformen oft schon finanziell aber auch hinsichtlich technischer Anforderungen eine Überforderung.“ Daher hat sich die Förderung NEUSTART über den Bundesfonds Soziokultur als große Hilfe für das Projekt erwiesen. „Der Zuspruch ist groß und sicher noch nicht am Limit“, so auch Sabine Schnell vom Vorstand des Kunstleihe-Vereins. „Und wir als recht junger Verein und ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung waren im Ehrenamt ohnehin im Lockdown mit existenziellen Fragen konfrontiert. Hätte es also dieses Förderpaket nicht gegeben, wäre unsere inhaltliche Arbeit sicher auf Jahre zurückgeworfen gewesen.“ So aber ist mit dem Abschluss der Reihe die Kunst in der allgemeinen Wahrnehmung zurück und auch zum Harburger Kulturtag am 7. November plant das Team der Kunstleihe Harburg wieder Besonderes. Zusammen mit dem Stadtmuseum Harburg sondiert man gerade Werke des bekannten Harburger Künstlers Carl Ihrke, um auch am Kulturtag nochmal sein Schaffen aber vor allem seine einzigartigen Motive Harburgs nochmal präsentieren zu können. „Und so wie es aussieht, wird manches auch erworben oder eben geliehen werden können und so bleibt Ihrkes Kunst präsent und weiterhin wertgeschätzt!“

Quelle: Kunstleihe Harburg

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Kunst vor Ort – weitere Führungen in Harburg https://www.tiefgang.net/kunst-vor-ort-weitere-fuehrungen-in-harburg/ Fri, 03 Sep 2021 22:58:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8337 [...]]]> Die Kunstleihe Harburg e.V. lädt im September und im Rahmen ihrer Reihe „Kunst vor Ort“ zu weiteren Führungen ein. Orte sind u.a. der Kunstverein Harburger Bahnhof, das Stadtmuseum Harburg und auch die Falckenberg-Sammlung.

Und auch digital geht es bald in heimische Ateliers.

Ausstellungsbesuche waren durch die Covid-Pandemie lange schwer planbar. Die Kunstleihe Harburg hilft nun, sich neu oder erneut in der recht vielfältigen Harburger Kunstlandschaft zu orientieren. Nachdem die ersten Führungen zu „Kunst im Garten“ bei der Künstlerin Antje C. Gerdts auf großen und positiven Zuspruch fielen, stehen nun weitere Termine im September an.

So lädt die Kunstleihe am Die., 14. September um 15 Uhr in die Sammlung Falckenberg, Wilstorfer Str. 71, 21073 HH-Harburg ein. Treffpunkt ist um 14.50h am
Eingang. Mit der Ausstellung ABY WARBURG: BILDERATLAS MNEMOSYNE. DAS ORIGINAL ist Aby Warburgs berühmter Bilderatlas zurück in Hamburg. Der »Bilderatlas Mnemosyne« zählt bis heute zu den weltweit bedeutendsten kunsthistorischen Forschungsprojekten.
Der Bankierssohn Aby Warburg (1866–1929) wandte sich nach seinem Studium der Kunstgeschichte schon früh von der damals verbreiteten Genre- und Zeitzuordnung von Kunst ab und untersuchte die Wechselwirkungen von Bildern aus verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten. Er entwickelte den »Bilderatlas Mnemosyne«, um die Einflüsse der Antike auf die Renaissance und weit darüber hinaus bildlich darstellbar zu machen. Der Atlas entwickelte sich bereits im Entstehungsprozess zu einem Erkenntnisinstrument. Warburgs Methode setzte neue Maßstäbe: Die neue Form der Anordnung kanonisierter Bilder überschritt die Fachgrenzen zwischen Kunstgeschichte, Philosophie und Anthropologie und war grundlegend für die heutigen Disziplinen der Bild-und Medienwissenschaften.

Weiter geht es am Samstag, 18. September um 13h in der Helms-Lounge, Museumsplatz 2, Hamburg Harburg. Dort wird anlässlich des 100. Geburtstags von Carl Ihrke eine nur eintägige Ausstellung seiner Werke gezeigt. Carl Ihrke war ein Maler, Grafiker, Bildhauer und Bühnenbildner. Kunststudium in Weimar, Parisaufenthalt, Mitglied des Hamburger Künstlervereins. Sein Werk umfasst Linolschnitte und Lithografien von Kirchen und alten Häusern in Harburg und Umgebung, Zeichnungen und Malerei von Häusern und Landschaften auf Sylt, Kunst am Bau z.B. Fenster in der Friedrich-Ebert Halle und St.Johannis-Kirche, Hamburg-Harburg, Tierplastiken, Fischbrunnen in der Lämmertwiete.
Die vorerst letzte Führung der Reihe findet am Die., 21. September um 16h im Kunstverein Harburger Bahnhof statt. Der Kunstverein besteht seit mittlerweile 30 Jahren, hat sich im ehemaligen Wartesaal der 1. Klasse zum Ort für aktuelle Kunst entwickelt und wird dabei mittlerweile von der Behörde für Kultur und Medien institutionell gefördert. Aktuell ist dort die Ausstellung von Adam Christensen mit dem Titel „Küss mich, bevor du gehst“ zu bestaunen. Erklärungen sowohl zum Anspruch des Kunstvereins, zum Ort aber auch zur Position der aktuell ausstellenden Künstlerin Christensen gibt Vereins-Kurator Tobias Peper. Treffpunkt ist um 15.55h direkt am Eingang über dem Fernzuggleis 3 im Bahnhof Harburg.
Um Anmeldung für die Führungen wird aufgrund begrenzter Plätze unter kontakt@kunstleihe-harburg.de bzw. tel. 040 – 300 969 48 gebeten, die Führung ist kostenfrei, eine Spende aber erwünscht.

„Mit der Reihe führen wir niedrigschwellig sowohl an die Kunst als auch an unsere lokalen Künstler*innen, unsere Kunstorte und Harburgs künstlerisches Schaffen heran“, so Sabine Schnell vom Vereinsvorstand. „Anfang August hatten wir mit dem 1. Harburger Kunstfest hier schon eine gute Resonanz erzielt und auch der Besuch der Moorburger Ausstellung ´Kunst im Garten` zeigte das große Interesse an der lokalen Kunst.“ Erweitert wird das Projekt durch digitale Formate, die bald auf der website www.kunstleihe-harburg.de weitere Besuche in heimischen Ateliers und Gespräche mit Künstler*innen abbilden. Die Reihe
„Kunst vor Ort“ wurde möglich durch die freundliche Unterstützung des Förderprogramms NEUSTART Kultur der Bundesbeauftragten für Kultur sowie des Fonds Soziokultur. Viele Kunstwerke lokaler zeitgenössischer Künstler*innen sind zudem in der Harburger Kunstleihe, Meyerstr. 26, Hamburg-Heimfeld, für eine geringe Gebühr leihbar, so dass man sich auch in seinem ganz persönlichen Umfeld mit lokaler Kunst auseinandersetzen kann.
Weitere Informationen unter www.kunstleihe-harburg.de

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Damit Kunst kann https://www.tiefgang.net/damit-kunst-kann/ Fri, 22 Nov 2019 23:50:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6078 [...]]]> Hamburg hat Dank der ZEIT-Stiftung neue Kunststipendien. Sie sollen eh schon gute Arbeiten helfen auszubauen. Und viele der Stipendiat*innen sind in Harburg nicht ganz unbekannt.

Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ermöglicht mit ihrem umfangreichen Engagement ein weiterführendes Stipendienprogramm für professionell arbeitende bildende Künstlerinnen und Künstler. Die neuen Kunststipendien wurden in Höhe von je 10.000 Euro durch die Behörde für Kultur und Medien in diesem Jahr erstmals vergeben. Sie richten sich an bildende Künstlerinnen und Künstler, die in Hamburg leben und sich durch qualitätvolle bisherige Arbeit ausweisen. Eine überregional besetzte Fachjury suchte aus 150 Bewerbungen sieben herausragende Künstlerinnen und Künstler aus. Die Stipendien 2019 gehen an: Philip Gaißer (stellte 2017 auch im Kunstverein Harburger Bahnhof aus), Annika Kahrs (präsentierte erst Anfang 2019 im Kunstverein Harburger Bahnhof ihren neuen Werkskatalog), Inge Krause (stellte 2018 im Schloß Agathenburg aus), Axel Loytved (hatte 2014 eine Co-Ausstellung vom Kunstverein Buchholz und der Bossard-Kunststätte in Jesteburg), Hannah Rath (stellte 2018 im Schloß Agathenburg aus), Eske Schlüters (war bereits 2010 im Kunstverein Harburger Bahnhof) und Aleen Solari (war gerade zum 20jährigen Jubiläum im Kunstverein Harburger Bahnhof).

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten, die sich vielfach bereits über Hamburg hinaus einen Namen gemacht haben, verdeutlichen die Qualität und das breite Spektrum des künstlerischen Schaffens in unserer Stadt. Zugleich zeigt ihr Schaffen, wie komplex und aufwändig die Arbeits- und Produktionsbedingungen heute sind. Dank der neuen Kunststipendien ist es nun möglich, sieben Künstlerinnen und Künstlern bei ihren teils umfangreichen Vorhaben zu unterstützen. Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius hilft uns mit den neuen Stipendien, die Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen und Künstler in Hamburg weiter zu verbessern.“

Christine Neuhaus, Hauptbereichsleiterin Förderungen ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius: „Die ZEIT-Stiftung setzt sich als Hamburger Stiftung besonders für Projekte in der Hansestadt ein. Neben der Förderung der etablierten Kultureinrichtungen ist ihr die Unterstützung Hamburger Künstler ein wichtiges Anliegen. Diese an die Stadt zu binden und ihnen hier ein Arbeiten auch an längerfristigen Projekten zu ermöglichen, ist das Ziel der „Kunststipendien der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“. Wir freuen uns sehr, dass sieben herausragende Stipendiaten nun die Möglichkeit haben, ihre Projektideen umzusetzen. Hamburg als Kulturstandort wird so weiter gestärkt.“

In Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gelang es, die Arbeitsstipendien für Bildende Kunst der Freien und Hansestadt Hamburg zu erhöhen und darüber hinaus ein neues Stipendienprogramm für Bildende Kunst aufzusetzen, das an bestehende Förderprogramme anschließt und diese ergänzt. Etablierten Künstlerinnen und Künstlern wird damit eine weiterführende Perspektive in der Stadt ermöglicht. Die Kunststipendien der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sind ein wichtiger Schritt im Ausbau der Förderangebote im Bereich Bildende Kunst.

Die Jury bestand in diesem Jahr aus Jens Asthoff (Kunstkritiker, Hamburg), Natalie Czech (Künstlerin, Berlin), Dr. Brigitte Kölle (Kuratorin, Hamburger Kunsthalle), Christine Neuhaus (Hauptbereichsleiterin Förderungen, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg), Dr. Carina Plath (Kuratorin, Sprengel Museum, Hannover). Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden im Frühsommer 2020 im Rahmen einer Veranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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Das System Falckenberg https://www.tiefgang.net/das-system-falckenberg/ Fri, 09 Feb 2018 23:33:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2950 [...]]]> Seit 2011 zählt die Kunstsammlung Falckenberg in Harburg zu den Deichtorhallen und es fließen zudem jährlich 570.000 € seitens der Stadt Hamburg. Eine Studie zeigt nun, durch welches Beziehungsgeflecht dies möglich wurde und auf was die Stadt sich da wirklich eingelassen hat.

Sie gilt als Stolz der Harburger Kulturpolitik und ihr Renommée reiche bis New York. Aber geht es hier wirklich um Kunst oder um geschickte Schachzüge eines vermeintlichen „Kunstverrückten“? Seit 2011 ist die einstige Privatsammlung des Unternehmers Harald Falckenberg als Dauerleihgabe an die Deichtorhallen Hamburg GmbH angegliedert, womit eine Förderung in Höhe von jährlich 570.000 € seitens der Stadt verbunden ist. In der Studienarbeit der Kunstwissenschaftlerin Norah Limberg „Die Sammlung Falckenberg im kulturpolitischen Raum“ wird die Sammlungsangliederung nun aus soziologischer und kulturpolitischer Perspektive beleuchtet. Und dabei wird aufgezeigt, welche Faktoren diese Angliederung befördert haben und vor allem, inwiefern in diesem Prozess die Prinzipien staatlicher Kunstförderung überhaupt eingehalten wurden. Es geht also um die Frage, ob die Macht von vermeintlichen Kunstmäzeen kulturpolitische Prozesse nicht nur beeinflusst, sondern vor allem ob dadurch ein Verlust des demokratischen Werts von Kulturförderung statt findet. Kurzum: Ist Harburgs Kunst-Leuchtturm ein Grund zum Stolz oder war es eher ein systematischer Schritt zu höherem Status? Ist es letztlich nicht gar ein Bärendienst, der der gesamten Kunstszene damit erwiesen wird?

Doch eins nach dem andern. Denn um zu verstehen, was hier passiert ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf den Kunstmäzen Falckenberg selbst.

Er studierte Jura in Freiburg, Hamburg und Berlin, promovierte und war als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Hamburg und der Freien Universität Berlin tätig. Seine juristische Laufbahn setzte er dann als Mitglied des Hamburger Verfassungsgerichts fort. Im Jahr 1979 trat Harald Falckenberg in die Gummi Ehlers GmbH Hamburg, heute ELAFLEX HIBY Tanktechnik GmbH & Co. KG, wo er bis zu seinem Ruhestand 2008 Geschäftsführer war. ELAFLEX ist eines der marktführenden Unternehmen in der Betankungsbranche und handelt mit Tankstellenzubehör, Zapfpistolen und Schläuchen. Kunstwerke zu kaufen beginnt er erst 1994, mit 50 Jahren. Fortan gefällt ihm offenbar der Habitus des Kunstkenners.

Posten und Positionen

Limberg: „Bereits ein Jahr nach dem der Unternehmer seine ersten Werke gekauft hatte, standen ihm mit dem alten Fachwerkgebäude „Pump Haus“ am Flughafen Hamburg größere Ausstellungsräume zur Verfügung, in denen regelmäßig öffentliche Veranstaltungen stattfanden. Nachdem die „Kulturstiftung Phoenix Art“ von Unternehmer Harald Falckenberg und der Phoenix-AG gegründet wurde, zog die Sammlung 2001 in die Phoenix-Hallen in Hamburg-Harburg. 2007 erwarb Harald Falckenberg einen Teil des Gebäudekomplexes und ließ es zu einem Ausstellungshaus umbauen. Seit der Eröffnung im Mai 2008 werden die Phoenix-Hallen für Einzelausstellungen sowie Themenausstellungen und Sammlungspräsentationen, aber auch als Depot für Exponate der Sammlung genutzt. Mit insgesamt 6200qm Ausstellungsfläche war er Besitzer des größten Privatmuseums in Deutschland.“ Und jetzt bricht der Hype los, der Status als Kunstmäzen beginnt seine gesellschaftliche Wirkung zu entfachen.

Im August 2010 wird zwischen Harald Falckenberg, der Deichtorhallen Hamburg GmbH und der Behörde für Kultur und Medien ein Kooperationsvertrag geschlossen, der die Sammlung von Harald Falckenberg als Dauerleihgabe an die Deichtorhallen Hamburg angliedert. Organisatorisch wird die Sammlung in den Phoenix-Hallen in Harburg laut Vertrag bis mindestens 2023 unter dem Namen Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg geführt. Unter der Leitung des Intendanten Dr. Dirk Luckow soll das Ausstellungskonzept rund um die Sammlung Falckenberg fortgesetzt und um neue Aspekte ergänzt werden, sowie Einzel- und Sammlungsausstellungen durchgeführt werden. Die erste Ausstellung unter der neuen Leitung wurde im Februar 2011 eröffnet.

Harald Falckenberg selbst wiederum ist neben den Tätigkeiten, die in direktem Zusammenhang zu seiner Sammlung stehen, öffentlichkeitswirksam durch die Annahme verschiedener Ämter im kulturellen Raum sichtbar. Er ist Mitgründer und im Vorstand der Kulturstiftung Phoenix art, die eben die Unterhaltung der Sammlung verfolgt. Zudem ist er Mitbegründer der W&F-Stiftung (W&F = Waitz & Falckenberg), die er gemeinsam mit Hans Jochen Waitz gegründet hat und führt. Die Stiftung dient der Förderung zeitgenössischer Kunst in der Hamburger Kunsthalle. Außerdem ist Harald Falckenberg im Aufsichtsrat der Hamburger Kunsthalle, Vorsitzender des Hamburger Kunstvereins und Mitglied im Freundeskreis der Hochschule für bildende Künste (HfBK), an der er zudem seit 2008 eine Ehrenprofessur im Studienschwerpunkt „Theorie und Geschichte“ innehat. Mittlerweile hat er zudem einen Sitz im Aufsichtsrat der Deichtorhallen Hamburg GmbH, deren Vorsitz die oder der Kultursenator inne hat.

Danach kaufte Falckenberg zudem noch die „Fundus“-Reihe der Europäischen Verlagsanstalt, ein auf Kunsttheorie spezialisierter Verlag. Und der Gründer des im Kunstbereich renommierten „Merve“-Verlags hat seine Anteile an Harald Falckenberg übertragen. Also auch die Medien in der Sparte Kunst kann Falckenberg seither „bespielen“.

So weit so gut. Irgendwie ja auch Privatsache, könnte man meinen. Was aber auch auf der politischen Seite passierte, zeigt die Studie ebenso akribisch auf. Denn 2011 – zum Zeitpunkt der Angliederung der Privatsammlung an die in öffentlicher Hand befindlichen Deichtorhallen – bezeichnete der damalige Kultursenator Reinhard Stuth dies als „wichtigen Erfolg für die Kulturmetropole Hamburg“. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde der Kooperationsvertrag mit Harald Falckenberg geschlossen, der besagt, dass die Stadt Hamburg jährlich 570.000,- € – und zwar zunächst bis 2023 – berappt, um die Falckenberg-Sammlung im Rahmen der Deichtorhallen-Ausstellungen – quasi als Filiale – unterhalten. 70.000,- € davon für das Kuratorium. Und hier kommt der Aspekt der Politik zum Tragen. Ist es legitim, dass (Kultur-)Politik den Kunstdiskurs unweigerlich aus der Hand gibt? Also nicht nur dass die Privatsammlung mit öffentlichem Geld gefördert wird, sondern der Einfluss einer Einzelperson auf die Strukturen des städtischen Kunstlebens maßgeblich befördert wird? Das meint Limberg letztlich, wenn sie fragt, inwieweit Prinzipien staatlicher Kunstförderung überhaupt eingehalten wurden.

Attraktive kulturelle Teilhabe

Dabei stützt sich die Autorin Limberg auf die kunstsoziologische Theorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930 – 2002). Dieser ging davon aus, dass gesellschaftliche Unterschiede recht feiner Natur sind. So sei nicht nur die Herkunft einer Person ausschlaggebend, sondern auch der sogenannte Habitus bestimme ihren Rang. Der traditionellen Aufteilung in Klassen stellte er ein hochdifferenziertes Modell entgegen, das vier Kapitalarten unterscheidet: das ökonomische, das kulturelle, das soziale und das symbolische Vermögen. Eine zentrale Rolle komme dabei dem sogenannten Habitus zu. Bourdieu verstand darunter Gewohnheiten, Güter und auch Lebensstil, die jemanden als Angehörigen einer bestimmten sozialen Gruppe kennzeichnen.

Auf den „Fall Falckenberg“ angewandt ist sein hohes Kapitalvolumen, insbesondere sein ausgeprägtes soziales Kapital. Ein Faktor, der im Wesentlichen zur Angliederung geführt hat. Zudem passte es gut, dass sich die Sammlung Falckenberg in die marketingstrategischen Pläne der Stadt Hamburg einbinden ließ und die Sammlungsangliederung somit auch als Instrument strategischer Kommunalpolitik war und ist. Drittens führt Limberg an, dass es zum Zeitpunkt der Angliederungsvereinbarung man von politischer Seite wohl auch den Hamburger*innen „eine attraktive Möglichkeit der kulturellen Teilhabe“ präsentieren wollte, um dadurch die kulturpolitische Entscheidungsmacht der Kulturbehörde zu legitimieren.

Neutralität gab es nicht

Das Fazit fällt hart aber völlig nachvollziehbar aus:  Die Prinzipien der staatlichen Kulturförderung wurden gebrochen, denn „Neutralität“ sei definitiv nicht gegeben gewesen. Vielmehr sei es Falckenbergs Netzwerk gewesen, von dem die Kulturpolitik sich habe treiben lassen. Letztlich eine Folge davon, dass „die Pluralität der kulturellen Landschaft Hamburgs nicht gefördert, wenn sogar noch geschwächt“ wurde. Falckenberg habe danach noch mehr Ämter und in durchaus entscheidenden Gremien auch hinsichtlich seiner eigenen Sammlung erlangt. Und so sei auch seine eigene Selbstdarstellung gefördert worden was wiederum gegen staatliche Kunstförderprinzipien verstoße. Limberg: „Was Harald Falckenberg vor Jahren selbst als „Skandal“ bezeichnete, vollzieht sich durch die Angliederung selbst: Durch die Aufwendung öffentlicher Mittel wird Falckenberg bereichert.“

Norah Limberg studierte ‚Kunst und Medien‘ und ‚Sozialwissenschaften‘ (B.A.) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Seit 2015 ist sie in der Kultureinrichtung Werkschule – Werkstatt für Kunst und Kulturarbeit e.V. in Oldenburg tätig und studiert seit September 2016 ‚Kunst- und Medienwissenschaft‘ (M.A.), ebenfalls an der CvO Universität Oldenburg.

Die Studie „Die Sammlung Falckenberg im kulturpolitischen Raum. Von Wirkungen der Sammlungsangliederung  an eine städtische Institution auf die freie Kunstszene Hamburg“ ist als download verfügbar unter archiv.ask23.de

P.S.: das Hamburger Abendblatt (3. Feb. 2018) portraitierte vor einigen Tagen die Tocher Jenny Falckenberg, die als „Kunstexpertin“ und „Kunstagentin“ künftig eine eigene Sendung im „Hamburg Fernsehen“ moderiere.

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