MARKK – Museum am Rothenbaum https://www.tiefgang.net Fri, 05 Dec 2025 17:31:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Die Katze als radikalstes Tier der Kulturgeschichte https://www.tiefgang.net/die-katze-als-radikalstes-tier-der-kulturgeschichte/ Fri, 05 Dec 2025 23:20:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12984 [...]]]> Von der ägyptischen Göttin zur feministischen Waffe: Die Katze ist zurück! Und sie ist nicht nur cute. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) seziert in seiner neuen Schau „KATZEN!“ das wohl widersprüchlichste Tier der Menschheit.

Ein Muss für alle, die dachten, Cat Content sei nur Realitätsflucht – hier wird er zur politischen Ästhetik erklärt! Wir können nicht ohne sie, und das wissen wir seit Jahrtausenden: Die Katze. Sie überflutet unsere Feeds, sie regiert das Internet und sie ist – Überraschung! – das Subjekt einer der aufregendsten Ausstellungen des Jahres in Hamburg. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) taucht mit „KATZEN!“ tief ein in die jahrtausendealte, irrsinnig spannende Faszination für das Tier, das so viele Rollen spielt wie kein zweites.

Vergessen Sie das niedliche Kätzchen auf der Couch. Diese Ausstellung zeigt: Die Katze ist göttlich, dämonisch, und brandaktuell politisch!

Göttin, Hexe, Aktivist*in: Weiblichkeit und Macht

Die Schau beginnt mit einem Paukenschlag, der quer durch die Kulturgeschichte hallt: Das Beziehungsfeld zwischen Katze, Weiblichkeit und Macht. Im Alten Ägypten wurde die Göttin Bastet als Beschützerin verehrt, in Indien reitet die Fruchtbarkeitsgöttin Sashthi auf einer Schwarzen Katze. Doch derselbe mystische Zauber führte im frühneuzeitlichen Europa zur blutigen Kehrseite: Die Schwarze Katze wurde zum dämonischen Begleiter verfolgter Hexen stilisiert.

Und heute? Die ambivalenten Zuschreibungen wirken bis in den US-Wahlkampf 2024 nach! Die Abwertung der „childless cat lady“ wurde umgehend gekontert: Frauen eigneten sich die Katze kurzerhand als ihr feministisches Symbol an. Eine Selbstermächtigung, die beweist, wie flexibel und politisch aufgeladen dieses Tier ist. Die Katze, so sehen wir im MARKK, ist seit jeher der Spiegel für unser Verhältnis zu Unabhängigkeit und weiblicher Autorität.

Die Ausstellung zieht eine wirklich globale und energische Linie durch die Weltkulturen. In Afrika verkörpern Löwe und Tiger Macht und kriegerische Stärke. In Lateinamerika thront der Jaguar – ein heiliges, schamanisches Wesen, das zwischen den Welten wandelt. Es ist diese unheimliche, geheimnisvolle Fähigkeit, Grenzen zu überbrücken, die die Katze so faszinierend macht.

Doch die Katze war nicht nur spirituell, sie war auch medientechnologisch immer an vorderster Front: Vom ersten Katzen-Kurzfilm des 19. Jahrhunderts über Schrödingers berühmtes Gedankenexperiment bis hin zu KI-generierten Katzendarstellungen ist sie die ultimative Ikone der Moderne.

Apropos Moderne: Das MARKK stellt die wirklich brisante Frage: Warum überflutete ausgerechnet die Katze das Internet? Sind Katzenvideos einfach eine Form von Realitätsflucht, oder steckt dahinter eine neue, ästhetische Praxis mit politischem Potenzial?

Die Antwort: Letzteres! Die Ausstellung zeigt, wie Aktivist*innen Katzeninhalte strategisch nutzen, um in digitalen Räumen Präsenz zu zeigen. Niedlichkeit, die japanische kawaii-Ästhetik, wird hier zur Waffe für Aufmerksamkeit und zur Tarnung für ernste Botschaften. Senator Dr. Carsten Brosda bringt es auf den Punkt: Die Schau erinnert uns daran, dass Kultur beides kann – uns unterhalten und uns herausfordern!

Mit Werken von Carolee Schneemann, Makineko-neko-Figuren und sogar eingesandtem Cat Content aus Hamburger Haushalten ist „KATZEN!“ eine facettenreiche Entdeckungsreise, die die globalen Sammlungen des MARKK mit zeitgenössischer Kunst verbindet.

Wer wissen will, wie ein scheinbar vertrautes Tier über Jahrtausende zu einem Symbol für Mut, Macht und Rebellion werden konnte, muss diese Ausstellung sehen.

KATZEN! Dezember 2025 – 29. November 2026

Museum am Rothenbaum | Kulturen und Künste der Welt
Rothenbaumchaussee 64 | 20148 Hamburg | fon +49 40 42 88 79 – 0
| Die – So: 10-18 Uhr

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Notfallverbund für Kulturgutschutz https://www.tiefgang.net/notfallverbund-fuer-kulturgutschutz/ Fri, 25 Oct 2024 22:55:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11291 [...]]]> Kulturgut im Notfall gemeinsam zu schützen und zu erhalten – das ist das Ziel des Notfallverbunds für Kulturgutschutz, der kürzlich in Hamburg gegründet wurde.

Unter der Führung des Staatsarchivs haben zahlreiche Museen der Hansestadt, die Gedenkstätten und die Staatsbibliothek einen Vertrag unterzeichnet, in dem sie sich die gegenseitige Unterstützung in Notfällen zusichern. Im Notfallverbund schließen sich kulturgutbewahrende Institutionen zusammen, um sich zu vernetzen, Wissen miteinander zu teilen, sich zusammen auf Notfälle vorzubereiten und sich zu unterstützen, wenn eine Einrichtung einen Notfall, wie zum Beispiel Hochwasser, Unwetter oder Brände, nicht allein bewältigen kann.

Die Gründungsmitglieder des Verbunds sind neben dem Staatsarchiv Hamburg das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, die Deichtorhallen Hamburg, die Hamburger Kunsthalle, das MARKK – Museum am Rothenbaum, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen sowie die Stiftung Historische Museen Hamburg.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Museen, Archive und Bibliotheken bewahren die kulturellen Schätze unserer Stadt. Diese Schätze auch in Notfällen zu schützen, ist eine zentrale Aufgabe der Institutionen. Mit der Gründung des Notfallverbundes hat Hamburg jetzt einen wichtigen Schritt für den bestmöglichen Schutz der Kulturgüter gemacht, denn auch dabei gilt, dass wir gemeinsam stärker sind. Die Mitglieder des Verbunds werden sich gegenseitig unterstützen, und das nicht nur im Notfall, sondern auch beim Entwickeln von Notfallplänen oder bei gemeinsamen Übungen. So können sie im Ernstfall schnell reagieren, um unser wertvolles Kulturgut zu schützen und zu erhalten.“

Der Hamburger Notfallverbund hat verschiedene konkrete Ziele:

  • Die Mitglieder unterstützen sich schnellstmöglich in Notfällen, in denen Kulturgut betroffen ist. Sie sichern sich im Rahmen ihrer fachlichen und personellen Möglichkeiten zu, sich organisatorisch, konservatorisch, materiell, technisch und logistisch zu helfen, insbesondere dabei, betroffenes Kulturgut zu bergen und zu sichern und Ausweichdepotflächen zur Verfügung zu stellen. Dabei unterstützen sie sich bei Bedarf auch mit Personal.
  • Ein Kompetenznetzwerk zum Thema Kulturguterhalt für Hamburg soll aufgebaut werden. Der Notfallverbund ist ein einmaliges Netzwerk von Kulturgut bewahrenden Einrichtungen in der Hansestadt, in dem unterschiedliche fachliche Expertisen zusammenkommen. Der Notfallverbund stellt den Wissenstransfer zwischen den Einrichtungen sicher.
  • Standards und Routinen im Bereich der Notfallvorsorge für Kulturgut sollen gemeinsam entwickelt werden. Hierzu zählen auch regelmäßige gemeinsame Notfallübungen und die Vereinheitlichung der Notfallplanung und -vorsorge in den beteiligten Institutionen.
  • Das Thema Notfallvorsorge für Kulturgut soll auch im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. Außerdem sollen die Grundlagen für die Notfallprävention optimiert werden. Der Verbund soll Themen bündeln und gezielt Kontakte und Netzwerke mit weiteren Beteiligten wie der Feuerwehr oder dem THW aufbauen. Hierdurch sollen Synergien geschaffen und die Akzeptanz für die Notfallvorsorge für Kulturgut erhöht werden.

Der Notfallverbund beginnt ab sofort mit der gemeinsamen Arbeit. Perspektivisch können auch weitere Institutionen in öffentlicher Trägerschaft aufgenommen werden.

Bereits in zahlreichen Städten und Regionen wurden in den letzten Jahren Notfallverbünde zum Schutz des Kulturguts gegründet. Eine Übersicht gibt es hier: www.kek-spk.de/notfallverbundkarte/#/. Ziel der Verbände ist es auch, sich überregional miteinander zu vernetzen und auszutauschen (gemeinsames Portal: www.notfallverbund.de).

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Das weiße Wüstengold https://www.tiefgang.net/das-weisse-wuestengold/ Fri, 17 May 2024 22:27:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10810 [...]]]> 100 Jahre Chilehaus Hamburg – das ist auch Anlass, mal über Hamburgs Geschichte mit dem Salpeter genauer nachzdenken. Das MARKK tut dies nun.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Chilehauses in Hamburg widmet das MARKK der Hintergrundgeschichte des Reichtums, der den Bau dieses Architekturdenkmals ermöglichte, eine Ausstellung. Eröffnung ist am 23. Mai 2024.

Sie rückt die Arbeits- und Lebensbedingungen der Salpeterarbeiter:innen – die sich selbst Pampinos/Pampinas nennen – in der Atacama-Wüste in Chile in den Vordergrund. Als ab Mitte des 19. Jahrhunderts Salpeter als Grundlage für Dünger, Sprengstoff und Farben zu einem sehr gefragten Rohstoff wurde, begann der industrielle Abbau in dieser chilenischen Wüstenregion, eine der trockensten der Welt. Die Ausstellung erzählt vom Widerstand und der Identität der Arbeiter:innen und beleuchtet Praktiken einer einseitigen Rohstoffausbeutung, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben.

Die hohe Nachfrage nach dem sogenannten weißen Gold begründete Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Reichtum europäischer „Salpeterbarone“, vor allem in Großbritannien (London) und Deutschland (Hamburg), darunter die Hamburger Unternehmer Hermann C. J. Fölsch und Henry B. Sloman, der Erbauer des Chilehauses. Nach der Unabhängigkeit Chiles Anfang des 19. Jahrhunderts blieben viele kolonial geprägten Strukturen erhalten. Die Rohstoffausbeutung, die in der Kolonialzeit u.a. mit den spanischen Gold- und Silberminen ihren Anfang nahm, wird heute als Extraktivismus bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Wirtschaftsform, die primär auf den unverarbeiteten Export wertvoller Rohstoffe und einen hohen Kapitalertrag ausgerichtet ist, und die häufig in den Händen ausländischer Kapitalgeber und Unternehmen liegt. Damit einher gehen Umweltzerstörung, prekäre Arbeitsverhältnisse und ein großer Verbrauch natürlicher Ressourcen zu Lasten der ansässigen, oft marginalisierten, lokalen Gemeinschaften.

Historische Fotografien aus Privatarchiven

Anhand zahlreicher, bislang kaum bekannter historischer Fotografien aus Privatarchiven von Nachkommen deutscher Salpeterakteure (wie der Familie Sloman, Fölsch, Framm u.a.), und der fotografischen Sammlung des MARKK, wirft die Schau ein Schlaglicht auf die Produktion des Salpeters und die Lebensumstände in den eigens errichteten Wüstenstädten der Salpeterwerke. Die Fotos dienten repräsentativ-unternehmerischen, teils auch privaten Zwecken, und spiegeln einen einseitigen, kolonial geprägten, oft auch beschönigenden Blick auf die Abbaustätten und Lebensumstände. Die Ausstellung regt dazu an, die Fotos kritisch zu lesen und zu hinterfragen.

Die chilenischen Sammlungen des MARKK

Während die Wanderarbeiter:innen aus Chile, Bolivien und Peru, die vielfach auch aus den Bevölkerungsgruppen der Aymara, Quechua, Lickan Antay (Atacameños/as) oder Mapuche rekrutiert wurden, fernab ihrer Herkunftsorte in den Salpeterwerken (Oficinas) der Wüste Schwerstarbeit unter schwierigen klimatischen Bedingungen leisteten, genossen die europäischen Angestelltenmeist ein privilegiertes, komfortables Leben. Einige dieser europäischen Angestellten entwickelten eine Vorliebe für archäologische und ethnografische Artefakte.

Die chilenischen Sammlungen im MARKK stammen vielfach von solchen Geschäftsleuten und Angestellten im Rohstoffhandel und verweisen darauf, dass die wirtschaftliche Erkundung und Ausbeutung des Bodens und der Region mit einer kulturellen einher gingen.

Zeitgenössische Kunst und Erinnerungskulturen

Zeitgenössische Arbeiten der chilenischen Künstler:innen Juana Guerrero, Camilo Ortega und Francisca García eröffnen aktuelle, kritische Perspektiven auf diese prägende Zeit und fragen nach den Überresten und Auswirkungen der extraktivistischen Wirtschaftsweise in der heutigen chilenischen Gesellschaft. Auch Lieder und musikalische Werke, wie die berühmte Cantata de Santa María de Iquique von 1969, die an die blutige Niederschlagung eines Massenstreiks der Salpeterarbeiter:innen erinnert, sind in der Ausstellung zu hören.

Videointerviews und Ausschnitte aus Dokumentationen zu den Themen Salpeter und Lithium präsentieren unterschiedliche Perspektiven und Erinnerungen. Die Kurzdokumentation „Salz der Wüste“ der chilenischen Stiftung Altiplano (Fundación Altiplano) nimmt Bezug auf ein Projekt, innerhalb dessen das Arbeiter:innentheater des ehemaligen britischen Salpeterwerks Chacabuco restauriert werden soll. Das Werk Chacabuco ist heute ein Nationaldenkmal, auch weil es zur Zeit der Pinochet-Diktatur (1973-1990) als Lager und Folterzentrum für politische Gefangene diente.

Extraktivismus heute: Lithium, das neue „weiße Gold“

Die Rohstoffausbeutung in Chile spielt weiterhin eine entscheidende Rolle: Neben Chiles Bedeutung als einer der größten Kupferexporteure weltweit, nimmt Lithium in jüngster Zeit einen immer größeren Stellenwert ein und gilt als das neue „weiße Gold“ im Länderdreieck der Atacama-Wüste zwischen Chile, Bolivien und Argentinien. Als unverzichtbarer Bestandteil von Batterien für Handys und Elektromobilität ist das Leichtmetall nicht mehr aus unserem Alltag und der angestrebten Verkehrswende im globalen Norden wegzudenken.

Fotografien von Tom Hegen und Felix Dorn dokumentieren die gewaltigen Umwelteingriffe im Zusammenhang mit dem Lithiumabbau und dessen Auswirkungen auf die Hochlandgemeinden. In dem Dokumentarfilm „Salares Andinos“ kommen Betroffene und Umweltaktivist:innen der Organisation Observatorio Plurinacional de Salares Andinos zu Wort, die gegen den Lithiumabbau in Chile, Argentinien und Bolivien Widerstand leisten.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein illustrierter zweisprachiger Katalog (deutsch/spanisch, Umfang ca. 200 Seiten) mit Beiträgen renommierter Expert:innen aus Chile, darunter die Historiker Sergio González und Damir Galaz-Mandakovic sowie der Archäologe Benjamín Ballester.

Kooperationen
Die Ausstellung ist im Austausch mit unterschiedlichen Expert:innen in Hamburg und Chile entstanden, darunter Nachfahr:innen von Salpeterakteuren in Deutschland, wie der Familien Sloman, Fölsch, Framm, Wiegering u.a., aber auch mit Historiker:innen, Anthropolog:innen, zeitgenössischen Künstler:innen und Organisationen in Chile sowie mit dem chilenischen Generalkonsulat in Hamburg.

Gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, Freunde des MARKK e. V. und Eigentümergemeinschaft H. C. J. Fölsch-Erben.

Zusammenarbeit hinsichtlich des Veranstaltung- und Vermittlungsprogramms mit dem Deutschen Hafenmuseum Hamburg (Stiftung Historische Museen Hamburg) das vom 5. Juni – 31. Oktober 2024 die Werkstattpräsentation „Unbequeme Erinnerungen“ zur maritimen Infrastruktur des Salpeters am Standort Schuppen 50a zeigt

Die Ausstellung läuft ab 24. Mai 2024 bis 26. Januar 2025.

MUSEUM AM ROTHENBAUM | Kulturen und Künste der Welt |Rothenbaumchaussee 64 |20148 Hamburg | markk-hamburg.de

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Das Land spricht. Sámi Horizonte https://www.tiefgang.net/das-land-spricht-sami-horizonte/ Fri, 25 Aug 2023 22:46:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10207 [...]]]> Die Ausstellung Das Land spricht. Sámi Horizonte zeigt vom 8. September 2023 bis 25. Februar 2024 das Zusammenspiel zeitgenössischer Positionen und historischer Objekte und stößt einen längst überfälligen Perspektivwechsel auf Geschichte und Gegenwart der Sam*innen an.

Der bislang kaum thematisierte nordische Kolonialismus bezeichnet die Unterdrückung und Vertreibung der Sam*innen, deren Heimat Sápmi sich über die nördlichen Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und die Kola-Halbinseln der Russischen Föderation erstreckt. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) beherbergt eine der größten Sammlungen samischer Kunst- und Kulturgüter in Deutschland, die in diesem kolonialen Kontext erworben wurde.  So stehen Diskriminierung, Landnahme und Umweltzerstörung im Fokus der Arbeiten von Sissel M. Bergh, Annika Dahlsten & Markku Laakso, Marja Helander, Erica Huuva, Britta Marakatt-Labba, Outi Pieski, Katarina Pirak Sikku und Anniina Turunen die auch Ausdruck von Emanzipationsbewegungen und bis heute anhaltendem Widerstand sind.

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des MARKK: „Es war für uns großartig, dass uns das Kunsthaus Hamburg und Hannimari Jokinen zur Kooperation eingeladen haben. Wir haben dies zum Anstoß genommen uns näher mit unseren Sapmi-Beständen auseinanderzusetzen, die in den letzten Jahren von mehreren Sami-Delegationen konsultiert wurden. Das Land spricht  ergänzt die im Kunsthaus Hamburg gezeigte, bereits im Juni eröffnete Ausstellung SPEAKING BACK. Decolonizing Nordic Narratives. Gemeinsam möchten die Ausstellungen ein Hamburger Publikum für den bisher kaum beachteten ‚nordischen Kolonialismus‘ sensibilisieren und samische Perspektiven und Empowerment-Bewegungen in Kunst und Wissenschaft in den Fokus nehmen.“

Samische Künstler*innen erfahren im globalen Ausstellungswesen zunehmende Aufmerksamkeit. So wurden 2017 im Rahmen der documenta 14 in Kassel Künstler:innen wie Máret Ánne Sara und Britta Marakatt-Labba neben sechs weiteren samischen Positionen gezeigt und international rezipiert. Auch der Nordische Pavillon in den Giardini der Venedig Biennale 2022 wurde zum Sámi Pavillon umbenannt und erstmalig von samischen Kurator:innen und Künstler*innen bespielt.

Während die Ausstellung im Kunsthaus Hamburg primär zeitgenössischen künstlerischen Positionen gewidmet ist, verbindet die Ausstellung am MARKK zeitgenössische Werke der Künstler*innen Sissel M. Bergh, Annika Dahlsten & Markku Laakso, Marja Helander, Erica Huuva, Britta Marakatt-Labba, Outi Pieski, Katarina Pirak Sikku und Anniina Turunen mit Objekten, die vor allem im Zeitraum zwischen 1910 und 1916 in das Museum eingingen. Diese wurden durch die Öffnung der Archive und Sammlungen und die Zusammenarbeit mit samischen Künstler:innen und Wissenschaftler*innen einer Neubetrachtung und Würdigung aus samischer Perspektive unterzogen.

Im Rahmen samischer Selbstbestimmungsbewegungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts spielen nicht nur die Wiederaneignung von Sprache, der Schutz von samischem Land und des für große Teile der Sam*innen auf Rentierzucht basierenden Lebensstils eine wichtige Rolle, sondern auch das materielle kulturelle Erbe der Sam:innen, in dem technologisches, spirituelles und ökologisches Wissen und ästhetische Vorstellungen ihren Ausdruck finden. Mit Das Land spricht. Sámi Horizonte setzt das MARKK einen ersten Schritt in der Aufarbeitung der etwa 1300 Stücke umfassenden Sápmi-Bestände, die derzeit in den Depots des Museums aufbewahrt werden, und von denen ausgewählte Beispiele in der Ausstellung gezeigt werden.

Für die Ausstellung konnte das Werk Beavvit – Rising Together (2019) von Outi Pieski als Leihgabe aus dem Nationalmuseum Oslo nach Hamburg gebracht werden. Ein Höhepunkt ist die mit der großzügigen Förderung der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen angekaufte Arbeit Áige mátkosteapmi / A journey in time (2023) der prominenten samischen Künstlerin Britta Marakkatt-Labba.

Der Freundeskreis des MARKK ünterstützte die Ausstellung beim Erwerb einer Kinderkappe von Solveig Labba, einem Silbercollier von Erica Huuva und einem seidenen Schultertuch von Anniina Turunen, in das die samische Losung eingewebt ist: „Mii leat ain dás“ (Wir sind noch da.). Die Arbeiten sind drei wichtige Beispiele zeitgenössischen duodji, des samisches Kunst- und Kulturschaffens. Zwei Kunstwerke – eine Installation von Katarina Pirak Sikku und eine Videoarbeit von Outi Pieski – sind für die Ausstellung neu entstanden und setzen sich mit historischen Gegenständen aus dem Bestand des MARKK auseinander.

Dr. Anna-Sophie Laug, Kuratorin: „Eine besondere Bereicherung war für mich während der Ausstellungsvorbereitung der Austausch mit den samischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie ihr Wissen und ihre Gedanken mit uns geteilt haben. Die beiden für die Ausstellung kreierten Kunstwerke von Outi Pieski und Katarina Pirak Sikku reflektieren auf eindrückliche Weise die Wiederaneignung von samischem Kulturgut.“

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und ein Katalog begleiten die Ausstellung. Am Sonntag, 10. September findet im Kunsthaus Hamburg und dem MARKK zwischen 12 und 18 Uhr ein Thementag der samischen Kultur und Geschichte statt. Informationen zum Programm finden Sie hier.

Das Land spricht. Sámi Horizonte entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Hamburg. Im Kunsthaus Hamburg ist vom 3. Juni bis 1. Oktober 2023 die Ausstellung SPEAKING BACK zu sehen.

 

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Das Glas Wasser ist halb leer https://www.tiefgang.net/das-glas-wasser-ist-halb-leer/ Fri, 17 Feb 2023 23:46:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9736 [...]]]> Wasser wird knapp. Spätestens im Zuge der Wahrnehmung von Klimaveränderungen wird klar, dass auch die scheinbar alltäglischste Ressource endlich ist. Das Museums am Rothenbaum (MARKK) widmet sich nun dem Thema.

Wasser betrifft uns alle. Während die Folgen der Klimakrise auch hierzulande zunehmend spürbar werden, sind die drastischsten Auswirkungen entlang des kolonialen Machtgefälles ungleich verteilt. Am stärksten betroffene Gemeinschaften verfügen vielfach über erfahrungsbasierte Kenntnisse und überliefertes Wissen, die sich beim Schutz von Gewässern und Ökosystemen bewährt haben. Die Ausstellung „Wasser Botschaften“ erkundet ökologisches Wissen und Wassergeschichten, die in den historischen Sammlungen des MARKK gespeichert sind, und setzt diese in Beziehung zu gegenwärtigen Wasserschutz- und Klimabewegungen des Globalen Südens. Anhand von zeitgenössischen Beispielen aus Kunst und Design beleuchtet die Ausstellung die kolonialen Ursprünge lokaler Wasserkrisen und stellt neue Anwendungen für althergebrachte Techniken und Praktiken vor. Sie lädt dazu ein, den Botschaften des Wassers Gehör zu schenken und unsere Beziehungen jenseits der menschlichen Sonderstellung neu zu denken. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit einem internationalen Wasser Think Tank entwickelt und durch das Londoner RESOLVE Kollektiv gestaltet. Sie findet im Rahmen des Projektes TAKING CARE statt – kofinanziert durch das Programm Creative Europe der Europäischen Union. Eröffnungswochenende 25.-26.2.23 mit Werkstattgesprächen, Kurator*innenführungen und Publikumsdiskussionen.

Ankauf durch Stiftung Hamburger Kunstsammlungen

In der Ausstellung wird ein aus Ankaufsfonds des Globalen Südens der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen für das MARKK erworbene Werk des nigerianischen Künstlers Wilfred Ukpong gezeigt. Es geht aus einem afrofuturistischen Kunstprojekt hervor, das in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Wissensträger:innen aus ölproduzierenden Gemeinden im Niger-Delta konzipiert wurde. Ukpongs Fotografien verweben die Realität der Ölindustrie und die Emanzipationsbewegung des Nigerdeltas mit überlieferten Geschichten über Wassergeister.

Lose Enden – Flechtkunst – Marshall Islands – Koloniales Erbe
Laufzeit: 20. April 2023 bis 30. Juli 2023

Kuration: Jeanette Kokott mit Meitaka Kendall-Lekka und Mitwirkung von Jamie Dau.
Design und Material der kunstvollen Flechtarbeiten, die auf den Atollen der Marshallinseln gefertigt wurden, stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Jaki-ed Kleidmatten erleben seit einigen Jahren ein Revival, nachdem sie im Laufe des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig aus dem öffentlichen Leben verschwunden waren. Die Ausstellung würdigt die Fertigungstechniken in ihrer künstlerischen Qualität, in ihren historischen Kontexten, ökologischen Dimensionen und sozialen Settings. Sie spürt dabei den kulturellen Veränderungen nach, thematisiert die Einflüsse von Missionierung, Kolonialverwaltung und Handel und fragt, weshalb alte Matten der Marshallinseln fast ausschließlich in westlichen Museen zu finden sind und nicht mehr vor Ort. Flechtarbeiten und Werkzeuge ihrer Herstellung aus den Sammlungen des MARKK bilden die entsprechenden Ausgangspunkte und Anschauungsmaterialien. Ergebnisse des aktuell vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Provenienzforschungsprojekts fließen in die Betrachtungen ein und kontextualisieren die Erwerbungsumstände.
Die Art Residency für Anfernee Kaminaga von den Marshall Islands wird finanziert aus dem Projekt MARKK in Motion als Teil der Initiative für ethnologische Sammlungen der Kulturstiftung des Bundes.

Sápmi – Speaking Back: Dekolonisieren der nordischen Anderen (AT)
Laufzeit: 8. September 2023 – 28. Januar 2024

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Hamburg sowie Sámi-Künstler:innen und -Kurator:innen. MARKK-Kuratorin: Anna Sophie Laug.
Die Ausstellung präsentiert zeitgenössische Werke von finnischen und Sámi-Künstler:innen, die sich mit dem nordischen Kolonialismus und seinen bis heute anhaltenden Auswirkungen auseinandersetzen. Die Werke werden in Beziehung mit Sápmi-Objekten aus den umfangreichen skandinavischen Sammlungen des 19. Jh. Im MARKK gesetzt. Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Rassentheorien und der Repräsentation der Sámi in ethnographischen Sammlungen und Völkerschauen, wie auch über die Diskriminierung der Sámi in den skandinavischen Ländern und ihr Kampf um Rechte reflektiert werden.

Kent Monkman – Being Legendary (AT) –  Laufzeit: 14. Dezember 2023 – 14. April 2024

In Kooperation mit dem Royal Museum Ontario ROM und dem Studio Monkman. MARKK-Kuration: Christine Chávez.
Kent Monkman (geb. 1965) ist in Kanada und den USA bereits ein Star und wird nun erstmals mit einer durch ihn selbst kuratierten Soloschau seiner Gemälde, Skulpturen und Radierungen in Europa zu sehen sein. Er ist bildender Künstler und Mitglied der Fisher River Cree Nation im Treaty 5 Territory (Manitoba) und lebt und arbeitet im Dish With One Spoon Territory (Toronto, Kanada). Monkman schafft farbenprächtige Gemälde, die voller Referenzen auf die Kunstgeschichte sind, und dabei Themen wie Kolonisierung, Sexualität, Verlust und Widerstandsfähigkeit transportieren. Monkmans genderfluides Alter Ego – Miss Chief Eagle Testickle – taucht in seinen Arbeiten häufig als zeitreisendes, gestaltwandelndes, übernatürliches Wesen auf, mit roten High-Heels. Er kehrt den kolonialen Blick um und stellt gängige Vorstellungen von Geschichte und Identitäten in Frage.

Zwischenraum

Mit dem Thema Raum geben – Raum nehmen startet der Zwischenraum ins letzte Jahr der Projektförderung MARKK in Motion im Rahmen der Initiative für ethnologische Sammlungen.
Der Raum wird Ort für aktivistische Interventionen und performative Aneignungen und ermöglicht Einblicke in Forschungsprojekte und Kooperationen. Das Vinyl-Archiv wird von unterschiedlichen DJ-Kollektiven bearbeitet.

Forschung & Austausch

Das MARKK widmet sich weiterhin intensiv der Provenienzforschung. In dem Projekt Spuren des Boxerkrieges in deutschen Museumssammlungen – eine gemeinsame Annäherung, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) und im Verbund mit sechs weiteren großen Museen, untersucht das MARKK seine China-Sammlungen auf Plünderungsgut aus dem Boxerkrieg 1900/1901. Damals verschwanden etwa 80% der Kulturgüter Pekings von ihrem ursprünglichen Aufbewahrungsort. Viele fanden sich bald auch in deutschen Sammlungen auf. Das Projekt versucht, entsprechende Kulturgüter in Deutschland zu identifizieren und ihre ursprünglichen Besitzer festzustellen. Projektpartner in China sind das Palastmuseum Peking und die Shanghai University. Im MARKK-Zwischenraum widmet sich eine Vitrine diesem Projekt – zu sehen von Ende Januar bis Ende April 2023. Die auch vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) geförderte Untersuchung der Provenienzen kolonialer Sammlungsbestände aus Ozeanien und deren Zusammenhang mit den Hamburger Handelsnetzwerken kommt im Mai 2023 zum Abschluss. Das Nachfolgeprojekt (Laufzeit bis 2025) nimmt in Kooperation mit der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung die Bestände des ersten Jahres der Hamburger Südsee-Expedition (1908-1910) in den Blick und hat die kritische Untersuchung kolonialer Aneignungsvorgänge in Ozeanien (v.a. heutiges Papua-Neuguinea) zum Ziel.

Ein drittes Provenienzforschungsprojekt, das ebenfalls vom DZK gefördert wird, widmet sich der systematischen Überprüfung ausgewählter Museumsbestände europäischer Judaica, Überweisungen öffentlicher Einrichtungen nach 1945 und Einzelfällen mit begründetem Verdacht auf NS-verfolgungsbedingtem Entzug.
Als Partner*in des EU-Projekts Taking Care. Ethnographic and World Cultures Museums as Spaces of Care widmet sich das MARKK noch bis Ende 2023 Zusammenhängen zwischen ethnografischen Sammlungen und Fragen der Klimakrise, des Anthropozäns und des Nachlebens des Kolonialismus.

Großveranstaltungen im MARKK 2023

Das 14. Märchenfest des Märchenforums Hamburg am 29. Januar bietet Märchen für alle Altersgruppen unter dem Motto „Einmal, als große Teuerung in das Land kam“ (aus „Hänsel und Gretel“).
Unser Cool Japan Festival am 5. März feiert „Sakura“ – die Kirschblüte. Das Spielefestival am 2. April präsentiert Spiele aus der Sammlung und hält viele Überraschungen und Angebote für Familien bereit. Die Lange Nacht der Museen am 22.4. wird auch im Museum am Rothenbaum unter dem Motto „Wir bleiben wach“ stattfinden. Die Finissage von Hey Hamburg, kennst du Duala Manga Bell? am 2. Juli werden wir mit einem großen Programm begehen. Die Ausstellung wird dann weiter nach Kamerun gehen. Unser Sommerfestival ab Anfang Juli bringt den frischen Hamburger Sommer wieder zum Tanzen. Im Oktober freuen wir uns darauf, das Fluctoplasma Festival vom 27.-29.10 wieder beherbergen zu können – ein wichtiges Festival, das mehr Diversität und Vielfalt in die Kulturlandschaft bringt. Kurz danach, am 31.10., gibt es den kostenlosen Museumstag See For Free. Die kalte Jahreszeit wird mit dem Mexikanisches Totenfest am 11. & 12. November eingeläutet – am Samstag 11.11. mit längeren Öffnungszeiten bis in den Abend – aufgrund der großen Resonanz.

Neue digitale Plattform tell me

Das MARKK präsentiert ein neues digitales Tool, die interaktive Plattform tell me, um einem weltweiten Publikum die Möglichkeit zur Interaktion mit Sammlungsobjekten zu verschaffen. Im Mittelpunkt stehen spannende und einfach geschriebene Stories zu einzelnen Gegenständen aus der Sammlung. Sie sind um ein 3D-Modell des Objekts angelegt, das von allen Seiten betrachtet und bewegt werden kann. Bei allen Objekten finden Nutzer*innen gut sichtbar den „tell-me-Button“. Hier kann jede:r über einen Klick und ein einfach gestaltetes Formular einen Kommentar zu dem Objekt abgeben und Wissen über die Dinge beitragen. Diese interaktive Funktion ist das Herzstück von tell me. Die Pilotphase beginnt im Februar 2023.

Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt; (Stiftung öffentlichen Rechts)
Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg – markk-hamburg.de

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Wer kommt eigentlich? https://www.tiefgang.net/wer-kommt-eigentlich/ Fri, 13 Jan 2023 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9637 [...]]]> Wer besucht in Hamburg eigentlich welche Kultureinrichtung? Wie informiert sich das Publikum über Kulturangebote und wie wird die Hamburger Kulturszene wahrgenommen? Die Kulturbehörde will es wissen …

Was hat sich eigentlich seit Beginn der Pandemie verändert? Viele Fragen, denen man noch nicht wirklich nachgegangen ist. Ihre Antworten könnten aber zukunftsweisend sein.

Um repräsentative Daten zur Publikumsstruktur in den Hamburger Kultureinrichtungen zu gewinnen, startet die Behörde für Kultur und Medien in enger Absprache mit Hamburger Kultureinrichtungen im Januar eine breit angelegte Befragung von Besucher*innen, die an verschiedenen Terminen im gesamten Jahr 2023 stattfinden wird. Zunächst wird stichprobenartig das Publikum in den staatlichen Häusern wie den Museumsstiftungen oder den Staatstheatern befragt. Im Laufe des Jahres können sich auch private Kulturinstitutionen an der Befragung beteiligen. Ergänzt wird die Erhebung durch eine Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Nach den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sehen wir ein sehr uneinheitliches Bild bei den Besucherzahlen: Während einige Kulturveranstaltungen wieder ausverkauft sind, werden andere weiter eher zögerlich besucht. Wir wollen genauer wissen, woran das jeweils liegt und welche Strategien sich lohnen, um das Publikum noch besser anzusprechen. Der erste Schritt ist daher eine breit angelegte Besucherbefragung. Wir wollen erfahren, wie sich das Publikum unserer Kultureinrichtungen zusammensetzt und welche Bedürfnisse es hat. Wir brauchen repräsentative Daten zum Publikum der Kultureinrichtungen und zur Kulturstadt Hamburg. Die Ergebnisse können eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Kulturstadt Hamburg in den nächsten Jahren sein. Die Kultureinrichtungen können mit dieser Basis noch gezielter auch ein neues Publikum ansprechen und ihre Reichweite vergrößern. Denn wir alle brauchen Kultur.“

Die Befragung der Besucher*innen war ursprünglich für das Jahr 2020 geplant und musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Sie beginnt im Januar und findet in verschiedenen Kultureinrichtungen über das gesamte Jahr 2023 statt. Sie wird vom Leipziger Marktforschungsunternehmen CONOSCOPE durchgeführt und startet in den staatlichen Kulturinstitutionen: Archäologisches Museum Hamburg, Bergedorfer Museumslandschaft, Deichtorhallen Hamburg, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg Musik (Elbphilharmonie, Plaza und Laeiszhalle), Hamburger Kunsthalle, Hamburgische Staatsoper, Kampnagel, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, MARKK – Museum am Rothenbaum, Museum für Kunst und Gewerbe, Philharmonisches Staatsorchester, Planetarium Hamburg, Thalia Theater und die Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg.

In jeder Kultureinrichtung werden so viele Besucher*innen befragt, dass die Daten repräsentativ für das jeweilige Haus sind. Alle erhobenen Daten werden außerdem gesammelt ausgewertet, sodass darüber hinaus auch aussagekräftige Ergebnisse zur Publikumsstruktur der Kulturstadt Hamburg insgesamt entstehen. Insgesamt sollen rund 15.000 Besucherinnen und Besucher befragt werden. Geschulte Interviewerinnen und Interviewer werden an mit den Kultureinrichtungen abgestimmten Terminen die Besucher*innen auf Basis eines Fragebogens interviewen. Der Fragebogen kann analog oder digital ausgefüllt werden.

In allen Kultureinrichtungen wird ein identischer Basisfragebogen genutzt. Jede Kultureinrichtung kann außerdem noch eigene Fragen hinzufügen und so Antworten auf individuelle Fragestellungen erhalten.  In den nächsten Monaten können sich außerdem private Kultureinrichtungen anschließen und in ihren Häusern ebenfalls die Besucher*innen befragen. Darüber hinaus soll in einer ergänzenden Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres näher untersucht werden, warum Menschen sich gegen den Besuch einer Kultureinrichtung entscheiden und wie sich das Verhalten der Besucher*innen von Kultureinrichtungen in den letzten drei Jahren verändert hat. Es ist geplant, nach rund sechs Monaten ein erstes Zwischenergebnis vorzulegen. Für die Befragung steht insgesamt ein Budget von rund 160.000 Euro zur Verfügung.

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