Nina – das lebende Chaos – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Mon, 07 May 2018 06:24:49 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Subjektive Nachlese https://www.tiefgang.net/subjektive-nachlese/ Fri, 04 May 2018 22:58:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3601 [...]]]> Sie war lang, sie war spannend und sie war gut besucht: die 3. SuedLese bringt ´Tiefgang`- Schreiberin Sonja zu einer persönlichen  Betrachtung …

Nun ist sie vorbei, die SuedLese 2018. Ich weine ihr eine Träne nach, denn es war wieder sehr belebend. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass das Format vielversprechend ist und 2019 hoffentlich eine Fortsetzung finanziert werden kann.

Abgesehen von einigen Interviews, die ich im Vorfeld für Suedkultur führte und dabei mehr über einzelne Autoren und Autorinnen erfuhr, besuchte ich natürlich die eine oder andere Lesung. Besucher der Veranstaltungen mögen abweichende Erfahrungen gemacht haben oder auch ganz eigene Erlebnisse mit der SuedLese verbinden. Ich für meinen Teil bin noch sehr bewegt und damit beschäftigt, das Gehörte, zum Teil Gelesene und Aufgenommene weiter zu verarbeiten. Denn mir persönlich geht es so, dass Bücher und Begegnungen einen Einfluss auf meine Sichtweisen und Empfindungen haben. Was mich anspricht, verinnerliche ich, und was ich nicht verstehe, versuche ich zu ergründen. Die SuedLese brachte mich an vielen Orten mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen und ich bin dankbar für alles, was das mit sich brachte. Nicht nur unterhaltsame Stunden, sondern auch tiefe Einblicke in mir fremde Welten und ein Gefühl von Verbundenheit mit anderen.

Ich mag dieses Format. Die Literaturtage in Harburg sind für mich als Bücherliebhaberin ein Highlight. Lesen und Schreiben sind das A und O – für Verständigung, Bildung, (inter)kulturellen Austausch und persönliche Weiterentwicklung.

Das ist auch der Grund, warum ich ausnahmsweise meine Zurückhaltung an dieser Stelle aufgebe, um kurz die Verlagspräsentation von awsLiteratur zu erwähnen. Im Vorwege tat ich mich schwer damit, über etwas zu schreiben, wo ich selber mit im Boot sitze, mochte keine „Werbung in eigener Sache“ machen. Doch diese Bedenken gehören der Vergangenheit an und waren sowieso Quatsch. Denn bei dem Verlagsprojekt von Alles wird schön e. V. geht es nicht um mich, sondern um das Wirken in Gemeinschaft, um Unterstützung von Autoren und den Austausch untereinander.

Am 28. April fand im Rahmen der SuedLese eine recht gut besuchte Veranstaltung statt, bei der der Initiator Wilfried Abels das Projekt sowie unser sechsköpfiges Team vorstellte und in das Programm der folgenden Stunden einführte. In drei Blöcken gab es Lesungen, dazwischen Pausen, um Räume und Köpfe zu lüften, miteinander ins Gespräch zu kommen oder auch auf Wunsch von den Autoren handsignierte Buchexemplare zu erwerben, die bisher bei awsLiteratur erschienen sind: „Club der Sturmvögel“ von Christoph Nerger, „Zeugnis eines

Außenseiters“ von Klaus von Hollen, „Nina – das lebende Chaos“ von Maria da Silva Ataide-Estevao und eine Anthologie fantastischer Geschichten mit dem Titel „Traum und Aufbruch“.

Der Verlag entstand aus dem Bestreben heraus, in Eigeninitiative etwas auf die Beine zu stellen, das Autoren ermächtigen soll, ihr Werk auf den Weg zu bringen. Und wenn ich an die Stimmung, die Lesung und den Büchertisch denke, würde ich sagen, da ist uns allen gemeinsam etwas gelungen. Unser „Kapitän“ Wilfried Abels, von Beruf Schiffbauingenieur, hat den Stapellauf zusammen mit Christoph Nerger durchdacht und geplant. Beteiligt waren wir zwar alle an der Durchführung, aber die beiden sind quasi die Piloten des Projektes. Unser Schiff setzt Segel, um noch weiter zu kommen. Wir haben da schon ein paar Ideen… und planen weitere Etappen.

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Wer die Welt retten will … https://www.tiefgang.net/wer-die-welt-retten-will/ Fri, 13 Apr 2018 22:02:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3457 [...]]]> Von einer Kindheit auf Amrum in die Punkszene, Drogenabhängigkeit und Obdachlosigkeit – das ist der teils autobiografische Stoff von Maria da Silva Ataide-Estevaos „Nina – das lebende Chaos“. Zur SuedLese haben wir schon mal nachgehakt …

Maria da Silva Ataide-Estevao wird am 28. April im Rahmen der 3. SuedLese-Literaturtage aus ihrem biografisch inspirierten Buch „Nina –das lebende Chaos“ vorlesen. Die Autorin beschreibt schnörkellos eine Lebensgeschichte voller Brüche. Angefangen bei der Aufsässigkeit der jungen Nina, die sich in ihrer Familie nicht zuhause fühlt. Sie kommt ins Heim, läuft weg, schließt sich Punkern an und findet Gefährten am Rand der Gesellschaft. Leser und Zuhörer erfahren, wie sie nach einer Drogenkarriere zur Gestalterin ihres Lebens wurde. ´Tiefgang` wollte es natürlich vorher wissen …

Tiefgang (TG): Es imponiert mir, wie schonungslos offen du einen Einblick in eine Szene gewährst, die den meisten von uns fremd ist. Wie sehr hast du mit Vorurteilen zu kämpfen, bzw. wie viel ist auch dran an der Vorstellung von der Verweigerung gegenüber einer Gesellschaft, mit der Punker sich nicht identifizieren können oder wollen?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Mit meiner offenen Art möchte ich keinem imponieren. Die Einblicke, die ich in meinem Buch beschreibe, sind nicht nur die Szene, sondern auch mein ganz eigenes Leben. Ich möchte dazu anregen, dass die Menschen einmal mehr über ihr Leben und so wie sie es führen nachdenken. Eine Verweigerung gegenüber der Gesellschaft bestand eigentlich bei mir nie. Ich wollte immer die Welt retten, das war meine Vorstellung vom Leben. Doch wer die Welt retten will, sollte bei sich selbst anfangen. Das gelang mir damals nicht.

TG: Hast du dich damals unfrei und nicht zugehörig gefühlt und bist deshalb ausgebrochen?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich habe zuhause sehr viele Freiheiten gehabt, doch konnte ich nie damit umgehen. Da wollte ich wirklich nie dazu gehören.

TG: Leid und Schmerz können eine Quelle der Kraft sein. Würdest du rückwirkend sagen, dass dich deine Erfahrungen geschwächt oder eher gestärkt haben?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich denke beides. Es hat mich gesundheitlich geschwächt und von der Denkweise gestärkt.

TG: Wie fühlt es sich für dich an, dass du ein Buch veröffentlicht hast und an der SuedLese teilnehmen wirst?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Das ist alles für mich noch kaum fassbar. Mir fehlen die Worte. Was zu Anfang so klein erschien, wurde für mich zu etwas so großem. Und jetzt sehe ich, wie viele Menschen sich für meinen Traum vom Buch einsetzen. Ich sag nur: Wow! Ihr seid einfach Spitze!

TG: Welche Rolle spielt die Punkband Zona 84 dabei?             

Maria da Silva Ataide-Estevao: Seit 2015 spielt Zona84 eine große Rolle in meinen Leben. Dadurch, dass ich Zona84 kennen lernen durfte, kam die Klarheit, dass ich aus der Abwärtsspirale von Drogensucht und Obdachlosigkeit aussteigen will. Doch erst gestaltete es sich schwierig,  denn ich haute wieder nach Hamburg ab und zog meinen üblichen Trott durch. Aber dann rüttelte ich mich selber noch mal richtig wach. Seitdem ging es steil nach oben, nicht nur bei meinem Einsatz für Zona84, sondern auch in meinem Leben. Grade im November war Zona84 erst in Deutschland auf ihrer ´Radio Pirata`-Tour und das hat mir echt wieder Kraft gegeben. Ich sag immer wieder FOR EVER AND EVER ZONA84! Deshalb tut es mir grade auf der SuedLese sauweh, dass sie nicht dabei sein können. Aber ich werde das Kapitel von Zona84 lesen und die Jungs immer weiter in die Welt tragen.

TG: Deine Tätigkeit als Moderatorin im Internet-Radio war und ist sicherlich auch ein Meilenstein in deinem Leben, oder?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich liebe die Musik und ich lebe die Musik. So kommt es immer wieder zu einem tollen Miteinander. Ich verbringe gerne Zeit mit Helge (von Kamikaze-radio.de ) und las dort das erste Mal aus meinen Buch: bei ihm zuhause vorm Kamin! Ich bin gerne bei Helge, das hilft mir seit einiger Zeit Ruhe zu finden. Und wir reden gerne über die Musik.

TG: Wann kam dir die Idee, deine Geschichte aufzuschreiben? Und wie lange hat es gedauert, bis diese Gestalt annahm?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Am 28.02 .2018 waren es genau fünf Jahre. Deshalb unternahm ich dann auch meine erste Autorenlesung für einen guten Zweck in der „Mission Künstlerische Maßnahme gegen die Kälte e.V.“ Es war uns nicht möglich, das Programm mit Livesendung einzuhalten: Kamikaze Radio.de konnte wegen Schauerwetters nicht senden, da musste das Programm geändert werden. Deshalb hatte ich meine Akustikgitarre und meinen Freund eingepackt und so fuhren wir los. Ich dachte, es würde alles schief gehen, aber dann war alles so schön und ein Obdachloser spielte mir ein Lied und sagte, es sei für mich. So was bleibt eben in Erinnerung und das ist ein Geschenk.

TG: Von wem hast du dich beim Buch unterstützen lassen und wie? Was macht für dich allgemein gute Hilfe aus? Ich frage, weil es mich sehr berührte, wie stark an einer Stelle in deinem Buch deine Dankbarkeit zum Ausdruck kam.

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich muss Dir gestehen, ich habe den Überblick verloren, wer mir grade alles hilft: beim Buch und um weiter zu kommen. Es sind so viele, das glaubst du mir gar nicht. Wenn ich sie alle benennen sollte, würde es das Interview sprengen.

TG: Was war die bisher beste Erfahrung auf deinem Lebensweg?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich habe eine Menge gelernt: zum Beispiel, die Menschen so zu nehmen wie sie sind. Ich weiß kleine Sachen im Leben zu schätzen. Ich gehe auf Menschen zu und kann von ihnen lernen.

TG: Wie sehen deine weiteren Ziele aus?

Maria da Silva Ataide-Estevao: Ich möchte gerne mal nach Argentinien, um einige Menschen dort zu besuchen und neue kennen zu lernen. Mein erster Radio-Fan war aus Buenos Aires. Dieser Frau verspreche ich immer, dass ich zu ihr komme und da wird nun dran gearbeitet. Obwohl es noch etwas Zeit braucht, ist jetzt mit dem Buch ein Meilenstein dazu gesetzt.

TG: Liebe Maria, wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen dir viel Erfolg und gutes Gelingen bei deinen weiteren Vorhaben.

Lese-Termin: Sa., 28. April, 16 Uhr bei ´Alles wird schön`, Friedrich-Naumann-Str. 27, 21 075 Hamburg-Heimfeld, Eintritt frei!

Das Buch:

Maria da Silva Ataide-Estevao: Nina –Das lebende Chaos, awsLiteratur, ISBN 978-3-947051-03-8, 105 Seiten, Preis: 9,-EUR

Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.

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