NS-Verbrechen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 11 Feb 2025 17:21:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Ein Kühne(r) Plan https://www.tiefgang.net/ein-kuehner-plan/ Fri, 14 Feb 2025 23:36:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11494 [...]]]> Was erst wie eine absurde Idee klang (Sommer 2022) wurde erschreckend konkret. Kühne hat seine persönliche Idee einer neuen Hamburger Oper bis Anfang Februar 2025 bis zur Unterschriftsreife gebracht. Wir sollten reden …

In Hamburg ist eine öffentliche Debatte über den geplanten Neubau einer Staatsoper in der Hafencity entbrannt. Zu Recht.

Denn öffentlich ist ja erst jetzt, nicht dass eine Oper gedacht wird, sondern der Plan in fester Vertragsform steht. Die Vereinbarung besteht zwischen der Stadt Hamburg und der Michael Kühne Stiftung. Eine Beteiligung der Stadt-Bevölkerung gab es nicht. Diese Debatte ist vielschichtig und wirft eine Reihe von Fragen auf, die sowohl die kulturelle Bedeutung eines solchen Projekts als auch die Rolle und Geschichte des Unternehmens Kühne & Nagel betreffen. Wir fangen mal an, einen Überblick zu verschaffen.

Anfang Juni 2022 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Gastbeitrag des Vorstandsvorsitzenden der hiesigen Alfred-Toepfer-Stiftung, Anasgar Wimmer, und leitete diesen mit den Worten ein: „Braucht Hamburg einen Opern-Neubau? Und wenn ja – wie, wo und wer soll ihn bezahlen? Der Vorschlag des Logistik-Milliardärs Klaus-Michael Kühne – nach einer ursprünglichen Idee des Generalmusikdirektors Kent Nagano, aber erweitert um den Vorschlag des Abrisses des bestehenden Gebäudes – stieß in den vergangenen Tagen auf reichlich Kritik und wenig Zustimmung.“ (Abendblatt, 01. Juni 2022) 

Der Gastbeitrag der besonders im Kulturbereich hoch geschätzten Toepfer-Stiftung fasste gleich zu Beginn zusammen: „Klaus-Michael Kühnes Vorschlag, der Hamburgischen Staatsoper an der Dammtorstraße zu Leibe zu rücken, um nicht nur dem Operngesang in der HafenCity ein Denkmal zu setzen, ist originell – und sollte von der Politik dieser Stadt höflich, aber zügig zur Seite gelegt werden.“

Genau das aber passierte nicht. Es gab aber auch keine öffentlichen Diskussionen oder Beteiligungsformate. Immer wieder sickerte mal durch Recherche hartnäckiger Journalist*innen durch, dass Kultursenator Brosda und Klaus-Michael Kühne offenbar weiter planten. Und auf einmal sollte am Montag (3. Feb. 2025) gar die notarielle Beglaubigung der Opern-Idee erfolgen. Die aber – und das führte zum Eklat – sagte ausgerechnet Kühne ab mit der offiziellen Verkündung: „Bei der Endfassung des komplizierten Vertragswerks zwischen der Stadt Hamburg und meiner Kühne-Stiftung sind noch offene Fragen aufgetaucht, sodass weitere Gespräche folgen müssen“, sagte Klaus-Michael Kühne auf Abendblatt-Anfrage. „Die Kühne-Stiftung bekennt sich nach wie vor zu ihrem Projekt, allerdings muss die Aufteilung der wirtschaftlichen Belastungen und Risiken aus unserer Sicht überdacht werden. Dies wird mit der Stadt erörtert.““

Befürworter des Neubaus betonen nun die Notwendigkeit, Hamburg als Kulturstadt weiter zu stärken und ein architektonisch herausragendes Gebäude zu schaffen, das der Bedeutung der Hamburgischen Staatsoper gerecht wird. Sie argumentieren, dass der Neubau die Möglichkeit bietet, modernste technische und künstlerische Standards zu realisieren und die Oper für ein breiteres Publikum zu öffnen. Insbesondere Kultursenator Brosda führt ins Feld, dass der jetzige Standort in absehbarer Zeit saniert werden muss. Die Sanierung aber müsste unter den Bedingungen des bestehenden Denkmalschutzes erfolgen, so dass neue Ideen und Nutzbarkeiten kaum möglich seien.

Kritiker hingegen bemängeln vor allem die Kosten des Projekts und die Prioritätensetzung in einer Zeit, in der andere Bereiche der Kultur und sozialen Dienste unterfinanziert sind. Sie kritisieren außerdem die Rolle der Michael Kühne Stiftung und die damit verbundene Einflussnahme auf die Stadt. Aber auch der Standort stieß auf Kritik. Denn: Der Baakenhafen war in Deutschland die zentrale logistische Drehscheibe des Genozids, von dem 95% aller deutschen Soldaten in den Krieg fuhren.

Der Historiker und Kolonialismusforscher Prof. Dr. Jürgen Zimmerer hat sich immer wieder kritisch zum geplanten Neubau der Staatsoper in Hamburg geäußert. Seine Kritik zielt vor allem auf die Rolle der Michael Kühne Stiftung als Hauptsponsor und die damit verbundene Frage der „moralischen Patenschaft“ für ein solches Prestigeprojekt. Zusammengefasst lassen sich Zimmerers Kritikpunkte vielleicht wie folgt darstellen:

  1. Koloniale Verstrickungen der Familie Kühne: Zimmerer weist auf die Rolle der Familie Kühne während der Kolonialzeit hin, insbesondere auf die Verstrickungen von August Kühne, dem Mitbegründer des Unternehmens Kühne & Nagel, in den Kolonialhandel und die Ausbeutung kolonialer Ressourcen. Er argumentiert, dass die Stiftung, die den Namen der Familie trägt, sich ihrer historischen Verantwortung stellen und eine aktive Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit betreiben müsse.
  2. Mangelnde Transparenz und Aufarbeitung: Zimmerer kritisiert die mangelnde Transparenz in Bezug auf die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit der Familie Kühne und des Unternehmens Kühne & Nagel. Er fordert eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Rolle des Unternehmens im Kolonialismus sowie eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen.
  3. Symbolische Bedeutung des Opernhauses: Zimmerer betont die symbolische Bedeutung eines solchen Prestigeprojekts und die Frage, welche Werte und Repräsentationen durch die Wahl des Sponsors vermittelt werden. Er argumentiert, dass die Stadt Hamburg mit der Annahme der Spende der Kühne-Stiftung eine Mitverantwortung für die Vergangenheit des Unternehmens übernimmt und sich damit potenziell mit kolonialen Unrechtskontexten identifiziert.

Ein Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, in dem er seine Kritik am Opernneubau und der Rolle der Kühne-Stiftung äußert, findet sich auf dem Blog „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“.

Die leitenden Forscher der Kolonialforschungsstelle Hamburg, Dr. Jürgen Zimmerer und Dr. Kim Todzi formulierten erneut am 4.2.2025 eindeutig eine Stellungnahme: „Die Kühne-Oper gerade auch an diesem Ort ist aus verschiedenen Gründen problematisch.

  1. Ein zentraler authentischer Ort der Erinnerung an koloniale Verbrechen in Deutschland wird versiegelt und – bildlich gesprochen – überschrieben, und zu einem Ort des Vergnügens.
  2. Der Ort, der wie kaum ein zweiter für das Verhältnis von Genozid und Logistik steht, wird zu einem Prestigeprojekt für einen Mann, an dessen Bereitschaft, die Rolle der eigenen Logistikfirma am Holocaust aufzuklären, immer wieder Zweifel geäußert wurden.“

Die Rolle und strittige Historie von Kühne & Nagel:

Kühne & Nagel ist ein weltweit agierendes Logistikunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen wurde 1890 in Hamburg gegründet und ist bis heute eng mit der Stadt verbunden. Die Michael Kühne Stiftung, die den Opernneubau finanziert, ist nach dem Ehrenvorsitzenden und Mehrheitsaktionär von Kühne & Nagel benannt.

Die Geschichte von Kühne & Nagel ist umstritten. Während des Nationalsozialismus profitierte das Unternehmen von der Arisierung jüdischer Unternehmen und war in die Enteignung und Deportation von Juden verstrickt. Man vollzog quasi die Zwangsumzüge jüdischer Deportierter. Diese Vergangenheit wirft Fragen nach der moralischen Verantwortung des Unternehmens und der Stiftung auf, insbesondere im Zusammenhang mit einem so prominenten Kulturprojekt.

Einige Medienberichte und öffentliche Debatte:

  • Hamburger Abendblatt: Berichtet über die Einigung zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung, betont die Chancen für die Stadtentwicklung und die Modernisierung des Opernbetriebs (Quelle: Hamburger Abendblatt).
  • NDR Kultur: Analysiert die Hintergründe der Entscheidung, die Rolle der Kühne-Stiftung und die möglichen Auswirkungen auf die bestehende Kulturszene (Quelle: NDR Kultur).
  • Die Zeit: Kommentiert die Pläne kritisch und wirft Fragen nach der Prioritätensetzung in der Kulturpolitik auf (Quelle: Die Zeit).
  • taz: Beleuchtet die Geschichte von Kühne & Nagel im Nationalsozialismus und die möglichen ethischen Implikationen der Spende (Quelle: taz).

Und dann ist da noch die dauerhafte Diskussion über das Prinzip der Oper an sich. Denn man schätzt den öffentlichen Zuschuss je Besucher*in auf weit mehr als 150,- €. Die Besuchszahlen sind rückgängig – wie bei vielen der angestammten Opernhäuser.

Und der Wohnsitz des Milliardärs Michael in der Schweiz tut sein Übriges: Kühne hat seinen Wohnsitz in der Schweiz, wo er vermutlich einen tieferen Steuersatz hat als in Deutschland. Dadurch entgehen dem deutschen Staat höchstwahrscheinlich hohe Steuereinnahmen. Es ist schwierig, die genaue Höhe der Steuerersparnis von Kühne zu schätzen, da seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht öffentlich bekannt sind. Schätzungen gehen jedoch aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz jährlich von einem hohen Millionenbetrag an „Steuerersparnis“ aus.

Mehrere Medien haben über die möglichen Steuerersparnisse von Klaus-Michael Kühne aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz berichtet. Hier sind einige Beispiele:

  • Der Spiegel: Ein Artikel mit dem Titel „Die Tricks der Superreichen und Konzerne“ befasst sich mit verschiedenen Methoden der Steuervermeidung, darunter auch die Verlagerung des Wohnsitzes ins Ausland. In diesem Zusammenhang wird auch Klaus-Michael Kühne erwähnt. (Quelle: Der Spiegel)
  • NDR: In einem Beitrag über das „Steuerparadies Luxemburg“ wird erläutert, wie Konzerne und Superreiche durch die Nutzung internationaler Strukturen ihre Steuerlast reduzieren können. Auch hier wird auf Klaus-Michael Kühne und seine Firma Kühne+Nagel eingegangen. (Quelle: NDR)
  • Süddeutsche Zeitung: In einem Artikel über „Steueroasen“ wird die Problematik der Steuervermeidung durch Superreiche und Konzerne thematisiert. Auch hier wird Klaus-Michael Kühne als Beispiel genannt. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

 

]]>
„Eine große Chance vertan!“ https://www.tiefgang.net/eine-grosse-chance-vertan/ Fri, 06 Nov 2020 23:42:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7359 [...]]]> „Hamburg will keine Erinnerung an Verfolgung und Widerstand im Zentrum der Stadt“, so resümiert die Initiative Gedenkort Stadthaus. Und das aus gutem Grund …

In der Mitteilung der Initiative heißt es:

„Die ehemalige Meldehalle/Wagenhalle in den Stadthöfen ist vermietet, wie Quantum Immobilien via Hamburger Abendblatt meldet. Dieses ist nicht die erste Meldung dieser Art. Mal war es ein Schweizer Bio-Wein-Händler oder ein Hamburger Autohaus, nun also ein Möbelhaus. Sollte diesmal wirklich stimmen, was Quantum vermeldet, wäre eine große Chance vertan, in Hamburg doch noch einen zentral gelegenen Gedenk-, Dokumentations- und Lernort zu den NS-Verbrechen und zum Widerstand dagegen im Stadthaus zu errichten, wie es ihn in vielen anderen deutschen Großstädten gibt. Hier, in der ehemaligen Zentrale von Polizei und Gestapo, von der aus Verfolgung und Terror für ganz Norddeutschland geplant und organisiert wurden, wäre der richtige Ort dafür gewesen. Doch Senat und Bürgerschaftsmehrheit haben sich mit der von Quantum organisierten Gedenkecke neben Buchhandlung und Café zufrieden gegeben. Dass der Immobilieninvestor damit seine Kaufvertragspflichten nicht erfüllt, war eigentlich für jeden offensichtlich – nicht aber für die politisch Verantwortlichen dieser Stadt. Dieser Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte zeugt von einer unerträglichen Geschichtsverdrängung und ist ein Schlag ins Gesicht aller, die unter Verfolgung und Terror gelitten haben. Nach den Plänen des Senats soll das Erinnern an den Widerstand nun in ein leer stehendes Gebäude der JVA Fuhlsbüttel ausgelagert werden, eingerahmt von vierstöckigen Neubauten des „Quartier Santa Fu“, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich erreichbar. Das Gedenken an die Verbrechen des Faschismus in Hamburg bleibt also zersplittert, und an den Rand gedrängt.

Ganz anders sieht es aus, wenn es um die maritime Geschichte unserer Stadt geht. Dann ist eine große Bereitschaft vorhanden, „Leuchtturmprojekte“ wie Hafenmuseum und Peking zu realisieren oder das Bismarck-Denkmal mit großem Aufwand zu restaurieren – rechtzeitig zum 150. Jubiläum der Reichsgründung.

Die Initiative Gedenkort Stadthaus, ein Bündnis aus Opferverbänden und vielen erinnerungspolitisch aktiven Gruppen, hat immer wieder von den politisch Verantwortlichen, hier vor allem vom Kultursenator, gefordert, sich um die Meldehalle/Wagenhalle als angemessenen Ort für das Erinnern, Gedenken und Lernen zu bemühen und entsprechende Forderungen gegenüber Quantum zu vertreten oder selbst die Wagenhalle anzumieten. Diese Chance ist jetzt offensichtlich vertan. Die Initiative setzt sich aber weiterhin für ein angemessenes und würdiges Erinnern an Verfolgung und Widerstand im Zentrum der Stadt Hamburg ein.

Initiative Gedenkort Stadthaus“

 

]]>
Senat stiftet Erinnerung https://www.tiefgang.net/senat-stiftet-erinnerung/ Fri, 23 Aug 2019 22:21:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5697 [...]]]> Neuengamme, Bullenhuser Damm oder Poppenbüttel waren Schreckensorte im Nationalsozialismus. Eine Stiftung soll diese Hamburger Gedenkstätten nun stärken …

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Der Senat hat (…)beschlossen, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme in eine Stiftung öffentlichen Rechts zu überführen. Bisher ist die Gedenkstätte Teil der Behörde für Kultur und Medien. In den letzten Jahren ist die städtische Erinnerungskultur, unter anderem durch die Entwicklung des Dokumentationszentrums „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ und die Neugestaltung mehrerer neuer Gedenkstätten, weiter ausgebaut worden. Dieser wachsenden Bedeutung und der zentralen Rolle, die hierbei der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zugewiesen wird, will der Senat mit der Stärkung und einer größeren Autonomie sowie einem möglichst hohen Grad an Selbständigkeit der Stiftung gerecht werden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Über 70 Jahre nach dem Ende der NS- Gewaltherrschaft und in einer Zeit zunehmenden Populismus braucht es eine starke Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit, die auch Stellung bezieht. Mit der Gründung der ‚Hamburger Stiftung Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen‘ wollen wir die politische Unabhängigkeit der demokratischen Erinnerungskultur und ihrer Gedenkstätten dauerhaft sicherstellen. Darüber hinaus soll die Stiftung über die Folgen der NS-Verbrechen informieren und den gesellschaftlichen Umgang mit dem historischen Geschehen bis in die Gegenwart hinein kritisch reflektieren. Der Senat hat heute die Grundlage dafür gelegt, dass wir auch künftig in Hamburg mit einer starken und selbstbewussten Stiftung die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit wach halten. Wir werden auch weiter alles dafür tun, die Stiftung zu stärken und mit einem weiterentwickelten Erinnerungskonzept die Erinnerungsorte und Initiativen noch besser zu verknüpfen.“

Prof. Dr. Detlef Garbe, KZ-Gedenkstätte Neuengamme: „In den zurückliegenden Jahren haben die Hamburger Gedenkstätten einen starken Bedeutungszuwachs erfahren: In Neuengamme konnte die Besucherzahl innerhalb von zehn Jahren auf 130.000 verdoppelt werden, jährlich werden über 300 Seminare und Veranstaltungen durchgeführt und mehr als 2.000 Schulklassen und andere Gruppen pädagogisch begleitet. Von der neuen Organisationsstruktur erwarten wir, dass wir diesen Weg noch erfolgreicher werden fortsetzen können. Zudem werden wir für Hamburg ein Gedenkstättenkonzept erarbeiten, das die einzelnen Erinnerungsorte in der Stadt und die jeweiligen Inhalte noch stärker miteinander vernetzt.“

Gedenkstätten und Lernorte haben die Aufgabe, durch die Bewahrung von Berichten und Dokumenten sowie baulichen Relikten die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachzuhalten und über die historischen Geschehnisse aufzuklären. Auch ist es wichtig, zu den Erfahrungen heutiger Generationen Gegenwartsbezüge herzustellen und damit die Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus für die heutige heterogene Gesellschaft aufzuzeigen. Als museale Einrichtungen mit den vielfältigen Aufgaben einer außerschulischen Bildungsstätte bedürfen Gedenkstätten und Lernorte – wie die Museen – eines möglichst hohen Grades an Selbständigkeit bei der Wahrnehmung ihres kulturellen Auftrages. Mit der Verselbständigung soll die Stiftung in die Lage versetzt werden, den gewachsenen Anforderungen an die historisch-politische Bildung an Gedenkorten des NS-Terrors entsprechen zu können.

Zu den Hamburger Gedenkstätten und Lernorten gehören seit den 1980er-Jahren die KZ-Gedenkstätte Neuengamme mit den drei Außenstellen Bullenhuser Damm, Plattenhaus Poppenbüttel und Gedenkstätte Konzentrationslager und Strafanstalten Fuhlsbüttel. Bei der Errichtung der Museumsstiftungen 1999 wurden die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und ihre Außenstellen direkt dem Amt Kultur der Behörde zugeordnet.

In den zurückliegenden Jahren hat die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zahlreiche Gedenkstätten- und Museumsprojekte in Hamburg und an zahlreichen Orten früherer Außenlager des KZ Neuengamme in ganz Norddeutschland begleitet. Zudem wird sie nach der Eröffnung des Dokumentationszentrums denk.mal Hannoverscher Bahnhof auch dessen Betrieb übernehmen.

Damit die Hamburger Gedenkstätten und Lernorte ihren historischen, bildungspolitischen und kulturellen Auftrag weiter gut erfüllen können, soll eine moderne Leitungsstruktur geschaffen werden, die eigenverantwortliches Handeln der Stiftung fördert und die Sichtbarkeit nach außen erhöht. Ebenso soll eine Dachorganisation für die bestehenden sowie künftig entstehenden Gedenkstätten und Lernorte gebildet werden, die auch künftig eine starke und selbständige Erinnerungskultur in Hamburg sicherstellt.

Das Stiftungsgesetz regelt alle Fragen zu Stiftungszweck, Nutzungsrecht, Stiftungsvermögen, Organen der Stiftung (Stiftungsrat, Fachkommission, Stiftungsbeirat und Stiftungsvorstand), Rechnungswesen und Finanzkontrolle, Personalvertretung und Personalüberleitung.

Hamburg überführt damit die Gedenkstätte in eine vergleichbare Struktur, wie die anderen sieben großen anderen KZ-Gedenkstätten in Deutschland, die ebenfalls vom Bund mitfinanziert werden.

Die Stiftung soll zum 1.1.2020 eingerichtet werden. Für den Aufbau einer eigenen Verwaltungsstruktur erhält die Stiftung die erforderlichen Mittel, so dass die Verselbständigung zu einer Stärkung der Arbeit auf allen Ebenen führen wird. Die Pläne sind im Dialog mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Fachkommission der KZ-Gedenkstätte Neuengamme entwickelt worden.“

Quelle: www.hamburg.debkm

]]>