Rückblick 2020 https://www.tiefgang.net Thu, 21 Jan 2021 10:29:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Kultur ins Grundgesetz! https://www.tiefgang.net/kultur-ins-grundgesetz/ Thu, 21 Jan 2021 10:29:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7620 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Kabarettist Johannes Kirchberg.Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Vor allem hat sie sich darin bemerkbar gemacht, dass ich mehr mit der Planung und dem Verschieben von Auftritten zu tun hatte, als mit dem Spielen von Konzerten selbst. Dass es sehr neue (Auftritts)Formate gab und die Konzerte teilweise unter kuriosen Umständen stattfanden war bemerkenswert. Doppelvorstellungen und Gastspiele in riesigen Stadthallen (vor 70 Leuten die mit großem Abstand saßen) gab es. Open Air Veranstaltungen und Konzerte ohne Pause. Das waren die auffälligsten Veränderungen, wenn man überhaupt von Arbeits“alltag“ sprechen will. Unter der fehlenden persönlichen Begegnung habe ich gelitten, und vermisse sie bis heute, der fehlende kulturelle Austausch wird sicherlich auch Auswirkungen haben auf das, was neu entsteht. Nicht oder nur selten auf Tournee gewesen zu sein, war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Das kommt ganz darauf an, wie lange die Situation im Kulturbereich noch andauert und der Spielbetrieb noch angehalten ist. Mittlerweile gibt es Ausweichtermine von verschobenen Ersatzterminen. Und Schattentermine für geplante Konzerte, falls diese nicht stattfinden können. Und die Veranstalter finden ja schon gar keine freien Termine mehr, die sie vergeben könnten. Die Planungen reichen bis weit ins Jahr 2023. Unter diesen Bedingungen ist es natürlich extrem schwer, einen sinnvollen Tourplan zu erstellen. Ich hoffe, dass es kurzfristig noch zu Auftritten kommen wird. Andernfalls mache ich mir große Sorgen um die freie Szene. Besonders um all die, die nicht im großen Rampenlicht stehen oder Medienpräsenz genießen. Um die Kunst und die KünstlerInnen, die vor allem von der Neugier der Menschen leben.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Dass meine Zukunftsangst zu Beginn der Krise mittlerweile einer gewissen Gelassenheit gewichen ist. Dass heißt nicht, dass ich sorglos bin, aber zu sehen, welch kreative Lösungen Veranstalter und Künstler finden können, damit Kultur stattfinden kann, hat mich sehr gefreut und beruhigt.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Förderanträge zu stellen ist jetzt vielleicht nichts ganz kreatives, aber darin eine gewisse Meisterschaft zu entwickeln, war schon schön anzusehen (lacht). Außerdem habe ich die große Freude, seit Beginn des neuen Jahres im Kulturhaus Süderelbe arbeiten zu dürfen. Auf diese Chance habe ich mich im vergangenen Jahr schon vorbereitet und das hat mich sehr erfüllt. Ich hatte die große Chance sehr viel Musik machen zu können, ohne gleich an die Verwertbarkeit zu denken. Das empfand ich als Geschenk.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Das war ein ganz privates, nämlich dass ich so viel Zeit mit meiner Familie verbringen durfte. Ich habe es sehr genossen, meine Familie so lange und so intensiv um mich gehabt zu haben. Wann hat man das schon? Man nimmt sich ja oft vor, dass man mal mehr Zeit (am Stück) miteinander verbringen muss. Die erzwungene Auszeit vom Job hat bei mir dazu geführt, dass sich mein Hamsterrad plötzlich nicht mehr schneller drehte als die Welt außenrum. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Und die möchte ich mir gern bewahren.

 Was ist für 2021 absehbar?

Hoffentlich ein Weihnachten im großen Familienkreis. Ansonsten ist wohl nur absehbar, in kleinen Schritten zu planen und kurzen Zeiträumen zu denken.

 Was wäre in 2021 wünschenswert?

Die Hoffnung nicht zu verlieren. Und dass wir uns aus dieser außergewöhnlichen Zeit doch vielleicht auch etwas Gutes erhalten. Ich wünsche mir ein hoffnungsvolles und gesundes, an Kultur und Begegnung reiches und von Verständnis und Freundlichkeit geprägtes neues Jahr.

Dass die Politik Lösungen bietet, damit Soloselbständige und Freie diese Misere angstfrei überstehen können. Und dass KULTUR ins Grundgesetz kommt.

Was wird von 2020 bleiben?

Hoffentlich mehr als eine durchgeweichte blaue MundNaseBedeckung im Matsch.

 

Johannes Kirchberg

www.johannes-kirchberg.de

]]>
Mehr klare Ansagen! https://www.tiefgang.net/mehr-klare-ansagen/ Mon, 18 Jan 2021 10:29:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7617 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute die Betreiberinnen des Musikpubs The Old Dubliner: Christina & Kirsten.

Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Christina: Durch die kompletten Schließungen (März und ab November), aber auch schon das vorherige Ausbleiben, weniger Erscheinen der Gäste. Die Leute waren ja auch vor dem ersten Lockdown schon verunsichert und sind dann eher zu Hause geblieben. In den Sommermonaten gab es dann einen fast normalen Arbeitsalltag. Die Außengastronomie hat da geholfen.

Kirsten: Die Gäste haben sich zum großen Teil sehr darüber gefreut, wieder in ihr „Wohnzimmer“ gehen zu dürfen und daraus resultierend uns gegenüber eine andere Wertschätzung für das, was wir machen, entgegen gebracht. Gekoppelt allerdings mit den bangen Fragen, ob wir denn durchhalten werden.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Kirsten:  Die Auswirkungen werden insoweit nachhallen, dass wir wieder ganz von vorn anfangen und 90% selbst arbeiten müssen. Wenn es wieder Live-Musik drinnen geben darf, werden das auch erst mal kleine Wohnzimmerkonzerte werden.

Christina:  Das ist schwer abzuschätzen! Bestimmt noch weit in 2021 und 2022 hinein. Kommen die Leute alle wieder? Oder hat man sich doch sehr an die heimische Couch und Netflix gewöhnt? Haben wir noch Belegschaft? Sind noch Musiker da? Denen geht es ja noch schlechter als uns. Bestimmt kann man nicht einfach dort anknüpfen, wo man Anfang 2020 mal aufgehört hat.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Christina: Dass – entgegen der Ansagen im Herbst– doch ein kompletter 2. Lockdown da ist, der bis heute gilt und wohl auch noch andauert.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Kirsten: Eine liebe Freundin hat zwei Logos für uns entworfen, sodass wir einen eigenen Merchandise-Shop ins Leben rufen konnten, der uns zwar nicht ernährt, den Harburgern aber zeigt, dass es uns noch gibt und man uns tragen kann.

Christina: Einige gute Ideen sind entstanden – Straßenmusiker, die von Club zu Club ziehen und sich wirklich sehr freuen, mal wieder vor Publikum spielen zu können anstatt vor einer Kamera. Und natürlich unser Outdoor-Festival „Fight for Live“ zusammen mit dem Komm Du und Marias Ballroom. Eine tolle Kooperation von 3 Harburger Clubs, an die wir 2019 nicht gedacht hätten.

Was war das persönlich einschneidendste Erlebnis in 2020?

Christina: Eine Operation, die ich zum Glück gut überstanden habe und der fast zeitgleiche Tod eines lieben Stammgastes, der nur wenig älter ist als wir. Das hat mich schon getroffen. Und dass wir uns am allerletzten Tag, den wir öffnen durften, aufgrund eines infizierten Gastes noch eine behördlich angeordnete Quarantäne eingefangen haben. Das war echt nervig! Zum Glück sind alle gesund geblieben.

Kirsten: Der Tod meiner Mutter, der zeitgleich mit dem ersten Lockdown kam.

Was ist für 2021 absehbar?

Christina: Weitere Beschränkungen bis mindestens Ostern, Anfang April. Dann hoffentlich ein wenig mehr Normalität ab Frühsommer und in der zweiten Jahreshälfte.

Kirsten: Vor „Beschränkungen“ würde ich gern „,möglicherweise“ setzen, da ich nicht hoffe, dass es so lange dauern wird.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Christina: Mehr klare Ansagen seitens der Politiker. Wer hat das Geschwafel von „Lockdown light“ denn geglaubt, wenn im europäischen Ausland ringsumher längst Ausgangssperren gelten? Schnellere finanzielle Hilfen. Bisher gab es erst eine Abschlagzahlung.

Was wird von 2020 bleiben?

Kirsten: Von 2020 wird die Angst vor Nähe bleiben, fürchte ich. Ich finde es befremdlich, eine Freundin zum Spazierengehen zu treffen, und man begrüßt sich, als würde man sich nur vom Sehen treffen.

Christina: Ich denke, so einiges! Ein anderes Empfinden der Freiheit. Wie gut wir es die letzten Jahrzehnte hatte, wird einem ja jetzt erst bewusst. Reisebeschränkungen? Was ist das denn? Habe ich bisher nicht erlebt. Die Freude darüber, mal wieder Freunde und Familie zu treffen und sie einfach umarmen zu können.

www.olddubliner.de

]]>
Wehklagen bringt nichts https://www.tiefgang.net/wehklagen-bringt-nichts/ Fri, 08 Jan 2021 08:22:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7540 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute die Harburger Autorin Ute Holst.

Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Da ich nicht mehr berufstätig bin hatte die Pandemie für meinen Alltag andere Auswirkungen als für Arbeitnehmer / innen. Es war ungewohnt die Einkaufszentren so leer zu sehen und z. B. bei der Post vor verschlossenen Türen zu stehen, weil die Öffnungszeiten aus aktuellem Anlass verändert wurden.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Die Auswirkungen dieser Pandemie werden wir meines Erachtens noch auf unbestimmte Zeit zu spüren bekommen. Wir werden umdenken und uns von liebgewordenen Gewohnheiten verabschieden müssen. Das muss aber kein Nachteil sein; denn wir werden andere Möglichkeiten finden uns zu entwickeln. Schon immer waren wir gezwungen uns durch unvorhersehbare Ereignisse neu zu orientieren. Das Leben besteht nun mal aus Veränderungen und geprägt durch meine Lebenserfahrung blicke ich voller Zuversicht in die Zukunft.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Es hat mich sehr getroffen, dass meine Kurse nicht mehr stattfinden durften und ich deshalb meine Freunde und Bekannten nicht mehr treffen konnte. Über die sozialen Medien waren wir aber in der glücklichen Lage unseren Kontakt aufrecht zu erhalten. So fand z. B. die Schreibwerkstatt virtuell statt, das war eine schöne Bereicherung des sonst recht trostlosen Alltags.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Statt in geschlossenen Räumen gemeinsam etwas zu erarbeiten, habe ich mich mit mir wichtigen Menschen zu Spaziergängen in der Natur getroffen. So konnten wir uns ab und zu sehen und unsere Gedanken von Angesicht zu Angesicht austauschen.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Für mich war es die größte Freude zu erfahren, dass die mir wertvollen Menschen mich genauso vermisst haben wie ich sie. So haben wir unseren Impro-Theaterkurs im Sommer im Garten einer Kollegin fortsetzen können. Das war ein großer Spaß.

Was ist für 2021 absehbar?

Für mich ist absehbar, dass wir weiterhin sehr vorsichtig sein und auf unsere Gesundheit achten müssen. Sorgen bereitet mir die Diskussion darüber, ob Menschen, die schon geimpft sind, Sonderrechte erhalten sollen. Darin sehe ich die Gefahr einer Spaltung unserer Gesellschaft.

 Was wäre in 2021 wünschenswert?

Für 2021 wünsche ich mir mehr Klarheit darüber, was machbar und erlaubt ist und was nicht.

Es wäre großartig, wenn die Aufmerksamkeit, die Hilfsbereitschaft und die Offenheit in der Bevölkerung erhalten bliebe. In den letzten Monaten habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen offener und freundlicher geworden sind.

Was wird von 2020 bleiben?

Das Jahr 2020 hat zu einem Umdenken in vielerlei Hinsicht geführt. Die Menschen leben und konsumieren bewusster, sie wirken weniger gestresst.

Das Thema Urlaubsreisen hat dazu geführt, dass wir die Schönheit der Natur in unserer Heimat wieder neu entdecken. Schon Goethe hat gesagt: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“

Wir sollten dankbar sein für die Freiheiten und Möglichkeiten, die wir in der Vergangenheit gehabt haben. Jammern und Wehklagen über verlorenes bringt uns nicht weiter, wir sollten unsere Chancen nutzen und neue Dinge ausprobieren. Sicher werden wir dann erstaunt feststellen, dass es viele Möglichkeiten gibt, die unser „neues Leben“ bereichern.

Ute Holst, Autorin

]]>
18 ganz harte Monate https://www.tiefgang.net/18-ganz-harte-monate/ Thu, 07 Jan 2021 08:28:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7536 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute Rieckhof-Chef Jörn Hansen.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Bis zum Freitag, den 13. März 2020 lief alles ganz normal. Am 14.03. haben wir das erste Konzert abgesagt.  Dann kam eine Flut von Verfügungen, die wir alle umgesetzt haben. Eine kurze Zeit lang war dies und das noch möglich. Die Zuschauer haben sich allerdings aus verständlichen Gründen sehr zurückgehalten.

Seit einigen Wochen ist das Veranstaltungsprogramm und auch die Gastronomie im totalen LockDown. Wir arbeiten teilweise in unseren Rieckhof Büros weiter – teilweise im Homeoffice.

Die Immobilie an sich braucht ständig Pflege und Aufmerksamkeit, auch wenn der Rieckhof geschlossen ist.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Ich glaube, dass es frühestens im Herbst 2021 wieder etwas normaler wird. Dann waren das 18 ganz harte Monate.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Alle staatlich geförderte Häuser, so wie auch der Rieckhof, haben es noch recht gut im Vergleich zu privaten Betreibern.

Emotional am härtesten trifft uns, die Besucher und die Künstler das nichts mehr stattfinden darf.

Das tut richtig weh!

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Von Streaming-Angeboten halten wir nichts. In der Flut von Millionen Angeboten auf sämtlichen Kanälen gehen örtliche Initiativen unter.

Darüber hinaus verursacht es für alle Beteiligten hohe Kosten. Wir sind ständig mit allen Künstlern und anderen Nutzern in Kontakt, um uns auf den Restart vorzubereiten.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Da ist natürlich der LockDown an sich auf der negativen Seite zu nennen.

Auf der positiven Seite ist die für alle Beteiligten überraschende hohe Extra-Förderung für den Rieckhof.

An der Förderung in Sachen Austausch der Fenster und einiger Fassadenteile haben wir 9 Jahre lang gearbeitet.

Vor einigen Wochen wurden dafür 1,3 Millionen Euro bewilligt.

 Zeitgleich wird nochmal 1,3 Millionen Euro für die Aufwertung der Rieckhof Innenräume zur Verfügung gestellt.

Das ist großartig – besonders in diesen Zeiten.

Was ist für 2021 absehbar?

Wir fahren schon die ganze Zeit täglich auf Sicht. Es ist ganz ehrlich nichts mehr absehbar, so hart das auszuhalten ist.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Dass die die Durchimpfung schnell voranschreitet und das Leben endlich wieder erwacht.

Was wird von 2020 bleiben?

Schmerz, aber auch große Solidarität aller Beteiligten. 

 

Jörn Hansen, Geschäftsführer Rieckhof  (www.rieckhof.de)

]]>
Dankbarkeit https://www.tiefgang.net/dankbarkeit/ Wed, 06 Jan 2021 08:14:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7532 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Autor Lucas Timm.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Es fällt mir in der Regel relativ leicht, das Gute in allem zu sehen. Dieses Jahr war dies nicht ganz so einfach. Mir fehlen Konzerte und Reisen. Trotz der teilweise greifenden Ausgangsreduzierung wird mir nicht langweilig. Ich nutze die Zeit, meinen neuen Roman „Heidelust und Vogelschießen“ zu promoten und bin im regen Austausch mit meinen Followern.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Das lässt sich schwer abschätzen, da wir noch lange nicht am Ende der Pandemie angekommen sind. Sicherlich werden die Menschen vergessene Werte wie „Freiheit“ und „finanzielle Sicherheit“ neu zu schätzen wissen.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Ich habe das erste Mal ein Buch über einen Verlag veröffentlicht. Dies lief total freundschaftlich und professionell ab. Es läuft eine wahnsinnig tolle Promotion, die ich mir als Selfpublisher nie hätte leisten können.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Kreativität kommt und geht in meinem Leben recht unplanmäßig. In meinem Kopf spuken diverse Ideen, die darauf warten, demnächst umgesetzt zu werden. Ein neues Buch ist in Planung.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Corona ist ein einschneidendes Erlebnis, was jeden betrifft. Durch meine eigene Infektion, die fast ohne Symptome verlief, habe ich diese am eigenen Leib miterlebt und bin dem Himmel mal wieder sehr dankbar, wie viel Glück ich gehabt habe, ohne Nachwirkungen aus der Sache herausgekommen zu sein.

Was ist für 2021 absehbar?

Sobald es geht, werde ich wieder Konzerte in ganz Europe besuchen. Ich werde vielleicht meinen nächsten Heideroman veröffentlichen und weiterhin ein ausgeglichenes Leben führen.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Gern würde ich auf Buchmessen mit Lesern und kreativen Mitstreitern ins Gespräch kommen und meine Freude am Schreiben teilen. Ein Hörbuch von „Heidelust und Vogelschießen“ wäre toll. Zudem bin ich bereit für eine neue Liebe.

Was wird von 2020 bleiben?

Tolle Erfahrungen, interessante Begegnungen und Dankbarkeit! 

 

Lucas Timm. Autor v.a. schwuler Literatur (www.lucastimm.de).

]]>
Erinnerung mit Grauen https://www.tiefgang.net/erinnerung-mit-grauen/ Tue, 05 Jan 2021 08:42:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7529 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Harburger Musiker und Clubbetreiber Werner Pfeifer.

Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Die Pandemie hat alles über den Haufen geworfen. Wir haben zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen absagen müssen. Neben dem Verlust der Live Musik haben wir auch enorme Einbußen im Bereich Gastro und Event-Vermietung für Hochzeiten und Geburtstagsfeiern.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Die Nachwirkungen werden lange anhalten. Wir müssen unsere Konzerte wiederholen und brauchen auch das Vertrauen unserer Gäste wieder, damit sie bei uns die Fischhalle buchen. Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Die Pandemie und ihre Folgen wie die Schließung des Betriebes.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Wenig neue Kreativität. Außer das wir verstärkt die Außenanlagen für open air Konzerte genutzt haben und online unsere Musik präsentiert haben. Das hat draußen viel Spaß gemacht.

Als Liedermacher habe in 2020 wenig neue Kreativität gespürt und erlebt, außer den Auftritten online. Viel positive Gefühle hat es nicht gegeben und auch keine neuen Lieder

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Der Lockdown in Wiederholung

Was ist für 2021 absehbar?

2021 wird langsam anlaufen. Es hängt alles von den Pandemie Regeln ab. Wir sind bereit sofort mit einem Live Musik Programm das komplette Jahr zu füllen.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Einfache, unbürokratische Hilfen für Clubs und Musiker. Sinnvolle Verbote und kein generelles Schließen der Clubs, wo es nachweislich zu keinen Ansteckungen gekommen ist. Mehr Möglichkeiten Events draußen zu feiern.

Was wird von 2020 bleiben?

Ein sehr schlechtes Gefühl und eine Erinnerung mit Grauen. 

Werner Pfeifer, Musiker, Journalist und Betreiber der Harburger Fischhalle (www.fischhalle-harburg.de).

]]>
Irre verdienen an der Krise https://www.tiefgang.net/irre-verdienen-an-der-krise/ Mon, 04 Jan 2021 08:12:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7526 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Harburger Autor und Verleger Rainer Jogschies.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Ich hab´ noch mehr gearbeitet als sonst, vor allem nachts. Tagsüber musste ich ja Schlangestehn oder mich von den netten Menschen ohne Maske anmachen lassen, dass ich unter meiner Maske am eigenen Kohlen-Monoxid ersticken würde. Danke, dass so viel toll gebildete Heilpraktiker*innen unentgeltlich um mich sind und so fachkundig und effektiv dafür sorgen, dass Corona nicht durch einfaches Masketragen und Abstandhalten eingedämmt wird.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Das wird dank der Corona-Leugner und Urlaub-ist-wichtiger-Dödel noch Jahre dauern und nichts wird „hallen“, außer die Sektkorken in DAX-Konzernen, die an Pleiten, Versandhandel und Impfstoffen absahnen. Ab 2022 können wir frühestens über „Nachwirkungen“ sprechen. Beispielsweise über den Sinn von Böllern, Weihnachtsfeiern und unbedingt notwendigen Fernflügen sowie GroKos und „Koalitionen“ jeder Art.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Plötzlich die von einer tief verächtlichen Bundesregierung forcierte Frage, ob man nicht lieber Hartz-IV möchte statt bürokratischer und illusorischer „Hilfen“, weil der Laden mal eben so dichtgemacht wurde.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Kein oder wenig Geld zu haben, befördert keine Kreativität. Sonst wäre die Politik des Bezirks Harburg, des Landes Hamburg oder der Bundesregierung ja genial: Bloß keine Einahmen oder Ausfallzahlungen, um die „Kreativität“ ins Unermessliche und Komplett-Kostenlose zu steigern.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Von Teenagern auf der Straße höhnisch „angehustet“ zu werden. Was will man erwarten von Kindern, die zu doof zum Masketragen sind und von ihren Eltern darin bestärkt werden?

Was ist für 2021 absehbar?

Dass die Irren an der Krise verdienen. Markus Söder, der in Bayern anfangs Corona kleinredete wie andere Provinzpolitik aus Sachsen oder Thüringen, wird Kanzlerkandidat. Und damit geht der Komödiantenstadel tödlich weiter – so wie Helmut Schmidt sich nach der „Sturmflut“ als Großer Retter mit Hubschraubern hinstellte, obwohl seine damalige Innen-Behörde lieber nachmittags in den verdienten Feierabend gegangen war.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

2019.

Was wird von 2020 bleiben?

2019.

 Rainer Jogschies, Kleinverleger, Journalist, der u.a im STERN über Harburg berichtete (Reportagen-Buch: 21 Hamburg 90).

www.nachttischbuch.de

 

]]>
Fressen, Ficken, Schlafen https://www.tiefgang.net/fressen-ficken-schlafen/ Sat, 02 Jan 2021 08:18:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7521 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Harburger Journalist Niels Kreller.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Zum einen hat sich natürlich gewandelt, dass es viel weniger Präsenztermine gab als vor der Pandemie. Wir Journalisten haben dadurch viel mehr mit Pressemitteilungen und Telefon gearbeitet als üblich.  Auch inhaltlich hat sich einiges verschoben. So nahm und nimmt die Berichterstattung über die Infektionslage und daraus resultierende Beschränkungen beziehungsweise Lockerungen einen großen Teil ein.

Auch als Fotograf war vieles anders. So sind die ganzen Hochzeiten weggebrochen oder arg im Volumen verkürzt. Ich hatte nur eine einzige in diesem Jahr. Das war vor allem für die Kollegen eine Katastrophe, die sich voll und ganz auf Hochzeiten konzentriert haben. Denen ist nahezu alles weggebrochen. Ich hatte insofern noch Glück, als dass ich mich auf 360-Grad-Panoramaaufnahmen spezialisiert habe. Da ist immer noch einiges möglich.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Ich denke, dass zumindest einiges lang und sehr deutlich nachwirken wird. Noch wissen wir ja auch gar nicht, wer am Ende noch da sein wird und wer nicht. Ich denke, dass, wer in der Krise nur seinen gewohnten Gang weitergeschritten ist, nicht überleben wird oder nur knapp. Wer aber – egal ob beruflich oder privat – auch in der Krise etwas Neues angefangen, sich neu ausgerichtet hat oder sich zum Beispiel neu strukturiert hat, der kann zu den Gewinnern zählen.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Das ist in meinen Augen die offene Spaltung der Gesellschaft. Auf der einen Seite die sogenannten Querdenker, die mit einer Mischung aus Rechtsextremen, Esoterikern – die wie sich gezeigt hat nach rechts offen sind -, Verschwörungsideologen – oftmals mit einer gehörigen Portion Antisemitismus gepaart – und Coronaleugnern und -verhamlosern sich rücksichtlos, hasserfüllt und un-, nein: antisolidarisch gezeigt haben. Sie sind bereit, für eine Party im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen. In meinen Augen sind sie wissenschaftsfeindlich und rückwärtsgewandt. Nicht zu diesen Leuten gehören im Übrigen diejenigen, die sich angesichts der unbestrittenen Einschränkung von Grundrechten ernsthafte Sorgen um die Demokratie machen – aber eben die Gefährlichkeit des Virus und die Notwendigkeit der Eindämmung nicht in Abrede stellen.

Anstrengend ist aber ehrlich gesagt auch das andere Extrem. Diejenigen, die den ganzen Tag kaum noch etwas anderes von sich geben als Zahlen und Diagramme mit neuen Infektionszahlen, Corona-Toten, Inzidenzwerten und denen keine Maßnahme hart genug sein kann. Auch das kann nicht die Lösung sein.

Die gravierendste Entwicklung ist deshalb in meinen Augen, dass nunmehr offenliegt, dass die Aufklärung noch lange nicht vollendet ist.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Besonders beeindruckt bin ich vom ganzen Event- und Musikbereich. Dort haben sich viele Menschen Möglichkeiten überlegt, wie man trotz geschlossener Clubs, Theatern, Museen und ausgefallenen Open Airs Kunst, Kultur und Musik zu den Menschen bringen kann. Und das ist gerade in einer Krise, wo die Menschen Angst haben und verunsichert sind, eine immens wichtige Sache. Denn der Mensch besteht eben nicht aus – wenn ich das mal so direkt sagen darf – Fressen, Ficken und Schlafen, sondern ist ein kulturelles und soziales Wesen. Und dieser Teil, der ihn in meinen Augen erst zum Menschen macht, wurde ihm in der Krise weitgehend genommen.

Deshalb finde ich die Online-Aktionen und Live Streams nicht nur schön, sondern notwendig, damit die Menschen weiter Kultur haben. Und natürlich, damit Musiker, Clubbetreiber und Eventleute wenigstens ein bisschen Einkommen haben. Darüber hinaus finde ich die gegenseitigen Unterstützungsaktionen toll. Wie CD-Sampler, deren Erlös für die Clubs ist Ähnliches.

Was war das persönlich einschneidendste Erlebnis in 2020?

Meine Freunde und vor allem meine Familie so lange nicht oder nur sehr eingeschränkt treffen zu können.

Was ist für 2021 absehbar?

Ich denke, dass wir das ganze Jahr hindurch und darüber hinaus die Auswirkungen spüren werden. Ich rechne damit, dass der jetzige Lockdown mindestens bis in den März hinein verlängert wird. Deutliche Lockerungen wird es erst dann geben, wenn alle die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen. Ich betone: Die Möglichkeit. Ich finde nicht, dass die Beschränkungen bestehen bleiben sollten, nur weil sich einige dem Impfen verweigern. Unsere Demokratie erlaubt natürlich, dumm zu handeln. Sie fordert aber nicht, darauf Rücksicht zu nehmen.

Die wirtschaftlichen Folgen einzuschätzen finde ich sehr schwierig, denn wir haben ja noch eine Insolvenzsperre. Was wird, wenn die aufgehoben wird, möchte ich mir gar nicht ausmalen.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Weniger rücksichtloser Egoismus und mehr Solidarität, damit wir auch die (hoffentlich) letzte Etappe bis alle, die wollen, geimpft sind, mit so wenig wie möglich Toten überstehen.

Was wird von 2020 bleiben?

Die Wertschätzung der Regionalität. Das bedeutet zum einen, dass glaube ich viele gemerkt haben, dass sich ein schöner Urlaub nicht unbedingt durch möglichst viele geflogene Kilometer auszeichnet. Sondern es auch hier – direkt vor der Haustür oder aber in einer Gegend im eigenen Land – viel Tolles zu erleben gibt.

Genauso im Kulturbereich. Es muss nicht unbedingt der Louvre in Paris, der Tower in London oder die Freiheitsstatue in New York sein. Auch nicht der Mega-Star oder das große internationale Festival. Ich denke, dass die Local Heroes und lokalen Festivals mehr an Bedeutung gewonnen haben und gewinnen werden.

 Niels Kreller

https://www.besser-im-blick.de/

 

]]>
1.500 CDs und 500 Shirts https://www.tiefgang.net/1-500-shirts-und-50-cds/ Fri, 01 Jan 2021 07:56:48 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7518 [...]]]> War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute der Harburger Musiker Micky Wolf.

 Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Natürlich schmerzen die abgesagten Konzerte besonders.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Das kommt ganz darauf an ob und wieviele Clubs zum Live spielen überleben werden.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Dass Künstler jeglicher Couleur seit bald einem Jahr keine Einnahmen mehr generieren können.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Da ich zu den Musikern gehöre die nicht zuerst nach Geld fragen, sondern Musik aus Leidenschaft machen, habe ich viele neue Songs im Studio aufgenommen.

Was war das persönlich einschneidendeste Erlebnis in 2020?

Dass ich meine geplante umfangreiche Tournee nicht spielen konnte und das ausgerechnet auch noch mit neuer CD im Gepäck.

Was ist für 2021 absehbar?

Wer weiß das? Live wird wohl noch nicht viel gehen.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Peace!

Was wird von 2020 bleiben?

1.500 CDs und 500 T-Shirts… 🙂

 

Micky Wolf

www.vanwolfen.de

 

 

]]>