Yasmin Delaneuve https://www.tiefgang.net Sat, 25 Jul 2026 12:53:41 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Sharing-Geist ohne Kunst? https://www.tiefgang.net/sharing-geist-ohne-kunst/ https://www.tiefgang.net/sharing-geist-ohne-kunst/#comments Sat, 25 Jul 2026 11:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14268 [...]]]> Das wahre Kunstabenteuer beginnt dort, wo der Rahmen nicht an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Yasmin Delaneuve macht sich in einer vierteiligen Serie auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Da steht man im Hamburger Ernst Barlach Haus, umgeben von der edlen Stille des weihevollen White Cube, und bewundert die meisterhaften, holzgeschnitzten Tiere und feinen Grafiken von Ewald Mataré. Die Retrospektive „Nichts ohne Natur“ (noch bis 11. Okt.) feiert den 1887 geborenen Bildhauer und Grafiker als einen der Großen der Klassischen Moderne – eine Ausstellung von Rang, für die Kulturbegeisterte gerne Eintritt zahlen und die in den Feuilletons gefeiert wird. Man schaut auf diese skulpturalen Meisterwerke, lässt den Blick über die Formen gleiten und ertappt sich unwillkürlich bei einem ganz alltäglichen, fast ketzerischen Gedanken: Wie würde sich dieses Tier aus Holz oder dieser feine Holzschnitt eigentlich im eigenen Wohnzimmer machen? Über dem Sofa? Im schlichten Flur, wo das Morgenlicht auf die Maserung fällt?

Im normalen Museumsbetrieb bleibt dieser Wunsch eine edle Illusion. Kunst gehört hier hinter Glas, auf Sockel, an die staatsmännisch beleuchtete Wand – konserviert, geschützt und für den alltäglichen Berührungskontakt tabu. Doch wer in Hamburg den Blick ein klein wenig weitet und sich aus den Hochglanzhallen der großen Institutionen in den Süden der Stadt wagt, dürfte überrascht sein. Denn nur ein paar S-Bahn-Stationen und eine Elbquerung weiter, versteckt in einer unscheinbaren Altbau-Ladenwohnung die Kunstleihe Harburg.

Hier schließt sich ein Kreis, den die offizielle Hamburger Kulturpolitik seit Jahrzehnten schlicht ignoriert. Wer dort seinen Blick über die vollbehangenen Wände streifen lässt oder direkt vor den Regalen blättert, traut seinen Augen kaum: Zwischen gut vierhundert Arbeiten meist lokaler Kunstschaffender tauchen plötzlich sie auf – zwei originale, authentische Kleinodien von ebenjenem Ewald Mataré: „Liegende Kuh nach rechts I“ (Holzschnitt, 1958) und „Kälbchen“ (Holzschnitt, 1934).

Kein millionenschwerer Museumsankauf, der im Tresor verschwindet, sondern handfeste, erlebbare Kultur. „Kunst auf Zeit, Zeit für Kunst“, so lautet das einfache, aber für die Kaufmannsstadt Hamburg revolutionäre Credo der Macher*innen vor Ort. Hier, in einer engen Ladenwohnung in einem durchaus inspirierenden Altbauviertel in Hamburg-Heimfeld, kann man sich genau diese Kunst für eine Handvoll Euro Leihgebühr einpacken, unter den Arm klemmen und mit nach Hause nehmen.

Der Kontrast könnte schärfer nicht sein. Während die Hamburger Kulturbehörde zigtausende Euro in den internationalen Kunstmarkt pumpt – man denke an die jüngste Erwerbung in Höhe von 2,4 Millionen Euro eines René Magrittes Le Palais de Rideaux der Hamburger Kunsthalle für den musealen Hochpreissektor –, geht die lebendige, lokale Basis leer aus. Aus dem zentralen Ankaufsetat werden Hamburger Künstler*innen kaum gezielt gefördert; wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der Hamburger Bürgerschaft (Drs. 23/912 vom Juli 2025) einräumten musste, wird die Herkunft der Kreativen im Ankaufsetat „nicht gesondert statistisch auswertbar erfasst“.

Zwischen gut 400 leihbaren Kunstwerken findet sich wie selbstverständlich auch Ewald Matarés „Kuh rechts liegend“ (Foto: Y. Delaneuve)

Die Behörde für Kultur und Medien (BKM) ließ in der Vergangenheit auch so keinen Zweifel daran, was sie von einem städtisch gestützten Verleihmodellen hält: Man winkte ab und tat das Konzept intern als „nicht mehr zeitgemäß“ ab, nachzulesen in einer Anfrage (Drs. 20-2843.01) des Bezirks Harburg von 2017. Eine bemerkenswerte intellektuelle Volte in einer Stadt, die sich ansonsten gerne als hippe Metropole des modernen Sharing-Geistes inszeniert. Wenn Hamburg den Verleih von E-Rollern, Autos und Lastenrädern als zukunftsweisend feiert und die städtischen Bücherhallen längst eine florierende „Bibliothek der Dinge“ betreiben, in der vom Akkuschrauber bis zur Nähmaschine alles geteilt wird, was das Herz begehrt, soll ausgerechnet das Originalkunstwerk nicht in diesen Zeitgeist passen?

Die Kunstleihe Harburg zeigt seit nunmehr sieben Jahren und jeden Tag aufs Neue, dass das Modell mehr als aktuell ist. Sie zeigt, wie nah Kunst am Menschen sein kann, wenn man sie nur von der Kette lässt. Während also in den großen Museen die Mataré-Ausstellung bestaunt wird, beweist die kleine Ladenwohnung im Süden: Das wahre Kunstabenteuer beginnt eigentlich erst dort, wo der Rahmen nicht mehr an der Museumswand endet, sondern im eigenen Flur seinen Platz findet. Und damit sind sie keine Wegbereiter. Denn der Verleih von Kunst ist anderswo lange schon Alltag und kulturelles Selbstverständnis mancher Städte und Kommunen. In einer vierteiligen Serie mache ich mich daher auf den Weg, die Kunst des (Ver-)Leihens zu ergründen …

Nächste Woche Teil 2: Die Ästhetik des Teilens


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Ökologie, Porzellan und Projektile https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/ https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/#respond Wed, 22 Jul 2026 14:32:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14253 [...]]]> Wenn zeitgenössische Kunst den harten Boden wissenschaftlicher Realität berührt, entstehen oft jene unbequemen, eindringlichen Resonanzräume, die den Status quo unserer Gegenwart befragen. Nun stellt Swaantje Güntzel ihren „Stand der Dinge“ vor …

Schloss Agathenburg, das traditionsreiche Mehrspartenhaus im nördlichen Niedersachsen, bietet mit der umfassenden Einzelausstellung Stand der Dinge der Hamburger Konzeptkünstlerin Swaantje Güntzel einen solchen Ort. Es ist die erste große institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Niedersachsen – und sie beginnt buchstäblich auf einem Scherbenhaufen.

Bereits im Vorfeld der Eröffnung sorgte nämlich eine radikale Kunstaktion für Aufsehen: Güntzel zerschoss mit einem Luftgewehr historische Grönland-Sammelteller aus blau-weißem Porzellan. Die filigranen Teller, versehen mit idyllischen Motiven der arktischen Insel, stehen symbolisch für eine Region, die wie keine andere unter den verheerenden Folgen der globalen Erderwärmung leidet. Indem die Künstlerin sie mit Projektilen zerstört und die Videodokumentation samt der Scherben in den Ausstellungsräumen versammelt, führt sie die physische Zerstörung der Natur unmittelbar vor Augen. Es ist ein Akt der ästhetischen Gewalt, der die fragile Balance zwischen menschlichem Konsum und ökologischem Kollaps unmissverständlich greifbar macht.

Swaantje Güntzel setzt sich seit über zwanzig Jahren intensiv mit den Krisenfeldern des Anthropozäns auseinander: Klimawandel, Umweltverschmutzung und das anhaltende Artensterben bilden die thematischen Koordinaten ihres Schaffens. Ihre Installationen, Fotografien, Performances und Videos entstehen dabei selten im isolierten Studio. Stattdessen arbeitet sie eng mit renommierten wissenschaftlichen Institutionen wie dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven oder der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zusammen.

In Stand der Dinge verdichten sich diese Kooperationen nun zu einer raumgreifenden, episodisch strukturierten Erzählung. Güntzel überführt wissenschaftliche Daten, historische Postkarten und materielle Fundstücke aus dem Polarmeer – wie Plastikrückstände – in poetische und zugleich drastische Bildkonstellationen. Neu ist dabei eine tiefgreifende persönliche Dimension: Erstmals verarbeitet die Künstlerin in ihren Arbeiten auch Erfahrungen mit öffentlicher Ablehnung und Bedrohungen, womit sie die Ausstellung um eine sensible Reflexion über die prekären Bedingungen künstlerischer Freiheit in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft erweitert.

Getreu ihrem interdisziplinären Ansatz ist die Ausstellung auf Schloss Agathenburg auch in ein vielschichtiges Rahmenprogramm eingebettet, das den Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit sucht. So diskutiert die Konzeptkünstlerin am 02.08. mit der Nachhaltigkeitsforscherin Dr. Anne Chahine vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) in Potsdam über unterschiedliche Zugänge zu gesellschaftlichen und ökologischen Krisen. Moderiert wird das Gespräch von der Kuratorin der Ausstellung, Claudia Rasztar. Am 14.08. ist Frei-Tag: An diesem Tag ist der Eintritt für Schloss und Ausstellung bei verlängerten Öffnungszeiten (14 bis 20 Uhr) kostenfrei. Zur Tandem-Führung lädt das Schloß am 21.08: Güntzel führt gemeinsam mit der bekannten Polar- und Tiefseeforscherin Dr. Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut durch die Schau. Und für Schulen gibt es eine Projektwoche vom 24. bis 27.08. Unter dem Titel Kunst trifft Klimarealität lädt das Schloss Schulklassen ab der 10. Jahrgangsstufe zu einem kostenfreien Vermittlungsangebot mit der Kunstvermittlerin Lola Barnickel ein.

SWAANTJE GÜNTZEL: STAND DER DINGE | noch bis 13. September 2026

Schloss Agathenburg, Hauptstraße 45, 21684 Agathenburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr; Eintritt: Regulär 6,00 Euro, ermäßigt 4,00 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei; www.schlossagathenburg.de


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Sicherung künstlerischer Freiheiten https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/ https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/#respond Mon, 20 Jul 2026 13:24:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14207 [...]]]> Wenn der schnelle Rhythmus des globalen Kunstmarkts nach einer ständigen Taktung von Messen, Biennalen und digitaler Sichtbarkeit verlangt, droht kreatives Schaffen allzu leicht zur bloßen Ware zu verkommen, bevor es überhaupt reifen konnte. Umso wichtiger sind jene geschützten Anker im Gefüge der Hansestadt, die genau diesen Verwertungsdruck aushebeln.

Die Kunststipendien der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die in fortwährender Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg vergeben werden, bilden einen solchen dringend benötigten Freiraum. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und Unsicherheiten ist es essenziell, Räume für künstlerische Reflexion und kreative Freiheit zu schaffen, wie auch Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien, betont. Es geht darum, den Kunstschaffenden durch Zeit, Mittel und Vertrauen die Handlungsfähigkeit zu sichern, damit neue Arbeiten jenseits kurzfristiger Zwänge entstehen können, ergänzt Christine Neuhaus von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Dass dieses Vertrauen auf ein hochkarätiges Fundament trifft, beweist die Auswahl des Jahrgangs 2026. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus Mela Dávila Freire, Janneke de Vries, Stefanie Jaschke-Lohse, Lene Markusen und Christoph Platz-Gallus, sichtete über 100 Bewerbungen und wählte ein aus sieben Positionen bestehendes Septett aus, dessen Arbeiten durch eine tiefe Reflexion politischer und gesellschaftlicher Realitäten bestechen. Zu den ausgezeichneten Stimmen gehört etwa Simone Karl, deren raumgreifende Skulpturen und feingespinnte Collagen Fragen von Körperlichkeit und Intimität verhandeln – Arbeiten, die Interessierte im Hamburger Raum teils sogar über die Kunstleihe Harburg entdecken und entleihen können. Ebenfalls vertreten ist Barbara Lüdde, die in ihren bildnerischen Welten tief in subkulturellen Kontexten verwurzelt ist und gesellschaftliche Rollenbilder seziert. Das Stipendium teilen sie sich mit Noémi Barbaglia, deren filigrane Objektserien aus Glasfaser und Epoxidharz zwischen Präsenz und visueller Auflösung oszillieren, sowie mit Mitko Mitkov, der in seiner visuellen Kraft die Bruchstellen von Biografie und Migration befragt. Komplettiert wird das Septett durch Franziska Nast, die mit konzeptuellen und partizipativen Anordnungen die bürokratischen Mechanismen des Kunstsystems unterwandert, Cristina Rüesch (Young Valley Soil) mit ihren ökologisch-geologischen Verknüpfungen von Mensch und Mitwelt sowie Krystsina Savutsina, die mit einem unerbittlichen und intimen Blick gesellschaftspolitische Machtstrukturen in filmischen Arbeiten festhält.

Mit jeweils 10.000 Euro dotiert, entziehen sich diese Mittel der direkten Marktorientierung und geben den Künstler*innen die nötige Luft zum Atmen. Wer diesen Positionen nacheifern möchte, muss den Blick bereits auf das kommende Jahr richten, denn die Bewerbungsphase für die Kunststipendien 2027 hat begonnen und läuft noch bis zum 9. September 2026. Für professionell arbeitende Bildende Künstler*innen und Kollektive aus Hamburg öffnet sich damit über die Bewerbungswebseite der Stadt Hamburg erneut das Tor zu jener Autonomie, die das Fundament einer lebendigen Kulturstadt bildet.


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Hanne Darbovens Erbe in neuem Gewand https://www.tiefgang.net/hanne-darbovens-erbe-in-neuem-gewand/ Wed, 24 Jun 2026 10:15:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14092 [...]]]> Ein Hauch von Exklusivität liegt über dem Burgberg in Harburg-Rönneburg. Dort, wo die Konzeptkünstlerin Hanne Darboven bis zu ihrem Tod 2009 ihr monumentales Lebenswerk – ein Geflecht aus Zahlenreihen, Kalenderdaten und seriellen Strukturen – schuf, öffnet sich nun die historische Villa für eine neue Ära.

Ein neues internationales Residenzprogramm des Kunstvereins in Hamburg, unterstützt durch die Behörde für Kultur und Medien, JEF – Not a Foundation sowie weitere Partner, macht diesen Ort erstmals einer breiteren künstlerischen Auseinandersetzung zugänglich.

Die Resonanz in der „institutionellen Welt“ mag groß sein, doch in der breiten Öffentlichkeit bleibt das Vorhaben bislang erstaunlich unbemerkt. Die Kommunikation wirkt so diskret, dass sich die Frage stellt, ob hier ein exklusiver Zirkel den Dialog zwischen Erbe und Gegenwart pflegt, ohne den Bezirk oder Stadtteil, in dem das Werk gewachsen ist, einzubeziehen. Es ist das bekannte Paradoxon des Kunstbetriebs: Man schafft neue Räume für den Austausch, agiert dabei aber mit einer bemerkenswerten Zurückhaltung, die eher an ein geschlossenes System als an einen lebendigen Diskurs erinnert.

Hanne Darboven in Rönneburg. (Foto Michael Danner)

Dabei ist die Bedeutung Darbovens für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts kaum zu überschätzen. Ihre Praxis, die Literatur, Bildhauerei und Musik zu einem zeitlichen Raster verdichtete, ist in Harburg physisch präsent – etwa durch die Installation im Gebäudekomplex der Technischen Universität Hamburg (TUHH), die architektonische Strenge in Zeitlichkeit übersetzt. Dass die Stiftung nun die historische Villa am Burgberg öffnet, markiert eine Zäsur: Der einstige Ort stiller Archivierung wandelt sich zum lebendigen Atelier. Prof. Dr. Christoph H. Seibt, Vorstand der Hanne Darboven Stiftung, betont: „Mit dem neuen Residency-Programm öffnen wir die historische Villa für zeitgenössische Kunst und fördern den Dialog zwischen Hanne Darboven und jüngeren künstlerischen Positionen.“

Mit der US-Amerikanerin Nandi Loaf als erster Artist-in-Residence vollzieht die Stiftung einen inhaltlichen Kurswechsel. Während Darboven das System archivierte, hinterfragt Loaf in ihrer neuen Werkreihe „Zirkus“ die heutige Aufmerksamkeitsökonomie und die Grenzen zwischen Kunst und Konsumprodukt. Für Milan Ther, Direktor des Kunstvereins in Hamburg, ist dies ein notwendiger Schritt: „Wir schaffen einen neuen Ort für künstlerische Produktion und internationalen Austausch in Hamburg.“

Doch bleibt die Kritik an der mangelnden Sichtbarkeit bestehen. Wenn eine Initiative, die mit insgesamt 40.000 Euro an Anschubfinanzierung öffentlicher und privater Partner ausgestattet ist, den Anspruch erhebt, die Kunstszene Hamburgs nachhaltig zu bereichern, sollte die Partizipation der lokalen Bevölkerung kein „notwendiges Übel“ sein. Ein Sommerfest, angekündigt als „immersive Veranstaltung“ und „inszenierte Verführung“, droht bei dieser Art der Bekanntmachung zur bloßen Selbstvergewisserung eines Zirkels zu verkommen, statt den Burgberg als Ort des Austauschs für Harburg zu etablieren. Der Bezirk wäre gut beraten, das Zusammenspiel mit Playern wie der Sammlung Falckenberg oder dem Kunstverein Harburger Bahnhof strategisch zu nutzen, um sich als Kunstbezirk breiter aufzustellen.

Die Chance auf einen Dialog zwischen internationaler Szene und lokaler Realität besteht – man muss sie jedoch auch für die Öffentlichkeit sichtbar machen.

Die Eröffnung am Sa., 27. Jun., ab 16 Uhr im Hanne Darboven Haus, Am Burgberg 26, wird von einer Performance sowie einem Sommerfest begleitet, das bis in den späten Abend andauern soll. Ob diese Veranstaltung eine Brücke in die Nachbarschaft schlägt oder lediglich ein geschlossenes Ereignis für das Fachpublikum bleibt, wird sich zeigen. Denn eine Anmeldung zur Besichtigung war nur bis Ende Mai möglich.

Weitere Informationen: www.kunstverein.de oder www.hanne-darboven.org


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