Ein Hauch von Exklusivität liegt über dem Burgberg in Harburg-Rönneburg. Dort, wo die Konzeptkünstlerin Hanne Darboven bis zu ihrem Tod 2009 ihr monumentales Lebenswerk – ein Geflecht aus Zahlenreihen, Kalenderdaten und seriellen Strukturen – schuf, öffnet sich nun die historische Villa für eine neue Ära.
Ein neues internationales Residenzprogramm des Kunstvereins in Hamburg, unterstützt durch die Behörde für Kultur und Medien, JEF – Not a Foundation sowie weitere Partner, macht diesen Ort erstmals einer breiteren künstlerischen Auseinandersetzung zugänglich.
Die Resonanz in der „institutionellen Welt“ mag groß sein, doch in der breiten Öffentlichkeit bleibt das Vorhaben bislang erstaunlich unbemerkt. Die Kommunikation wirkt so diskret, dass sich die Frage stellt, ob hier ein exklusiver Zirkel den Dialog zwischen Erbe und Gegenwart pflegt, ohne den Bezirk oder Stadtteil, in dem das Werk gewachsen ist, einzubeziehen. Es ist das bekannte Paradoxon des Kunstbetriebs: Man schafft neue Räume für den Austausch, agiert dabei aber mit einer bemerkenswerten Zurückhaltung, die eher an ein geschlossenes System als an einen lebendigen Diskurs erinnert.

Dabei ist die Bedeutung Darbovens für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts kaum zu überschätzen. Ihre Praxis, die Literatur, Bildhauerei und Musik zu einem zeitlichen Raster verdichtete, ist in Harburg physisch präsent – etwa durch die Installation im Gebäudekomplex der Technischen Universität Hamburg (TUHH), die architektonische Strenge in Zeitlichkeit übersetzt. Dass die Stiftung nun die historische Villa am Burgberg öffnet, markiert eine Zäsur: Der einstige Ort stiller Archivierung wandelt sich zum lebendigen Atelier. Prof. Dr. Christoph H. Seibt, Vorstand der Hanne Darboven Stiftung, betont: „Mit dem neuen Residency-Programm öffnen wir die historische Villa für zeitgenössische Kunst und fördern den Dialog zwischen Hanne Darboven und jüngeren künstlerischen Positionen.“
Mit der US-Amerikanerin Nandi Loaf als erster Artist-in-Residence vollzieht die Stiftung einen inhaltlichen Kurswechsel. Während Darboven das System archivierte, hinterfragt Loaf in ihrer neuen Werkreihe „Zirkus“ die heutige Aufmerksamkeitsökonomie und die Grenzen zwischen Kunst und Konsumprodukt. Für Milan Ther, Direktor des Kunstvereins in Hamburg, ist dies ein notwendiger Schritt: „Wir schaffen einen neuen Ort für künstlerische Produktion und internationalen Austausch in Hamburg.“
Doch bleibt die Kritik an der mangelnden Sichtbarkeit bestehen. Wenn eine Initiative, die mit insgesamt 40.000 Euro an Anschubfinanzierung öffentlicher und privater Partner ausgestattet ist, den Anspruch erhebt, die Kunstszene Hamburgs nachhaltig zu bereichern, sollte die Partizipation der lokalen Bevölkerung kein „notwendiges Übel“ sein. Ein Sommerfest, angekündigt als „immersive Veranstaltung“ und „inszenierte Verführung“, droht bei dieser Art der Bekanntmachung zur bloßen Selbstvergewisserung eines Zirkels zu verkommen, statt den Burgberg als Ort des Austauschs für Harburg zu etablieren. Der Bezirk wäre gut beraten, das Zusammenspiel mit Playern wie der Sammlung Falckenberg oder dem Kunstverein Harburger Bahnhof strategisch zu nutzen, um sich als Kunstbezirk breiter aufzustellen.
Die Chance auf einen Dialog zwischen internationaler Szene und lokaler Realität besteht – man muss sie jedoch auch für die Öffentlichkeit sichtbar machen.
Die Eröffnung am Sa., 27. Jun., ab 16 Uhr im Hanne Darboven Haus, Am Burgberg 26, wird von einer Performance sowie einem Sommerfest begleitet, das bis in den späten Abend andauern soll. Ob diese Veranstaltung eine Brücke in die Nachbarschaft schlägt oder lediglich ein geschlossenes Ereignis für das Fachpublikum bleibt, wird sich zeigen. Denn eine Anmeldung zur Besichtigung war nur bis Ende Mai möglich.
Weitere Informationen: www.kunstverein.de oder www.hanne-darboven.org
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