Film – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 29 May 2026 09:20:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Weimers Film noir https://www.tiefgang.net/weimers-film-noir/ Sat, 30 May 2026 22:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13917 [...]]]> Im Mai 2026, pünktlich zur Prime-Time der medienpolitischen Debatte, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das lang erwartete Drehbuch für die nationale Standortsicherung vorgelegt: den Entwurf zum Gesetz zur Förderung europäischer audiovisueller Werke durch eine Investitionsverpflichtung für Mediendiensteanbieter (kurz MedienInvestVG).

Ursprünglich als Freund der leisen Töne und freiwilligen Zusagen angetreten, hat Weimer unter dem Druck der politischen Dramaturgie das Genre gewechselt und präsentiert nun einen regulatorischen Blockbuster mit echtem Investitionszwang. Die Besetzungsliste der Betroffenen ist so prominent wie umfassend: Von den globalen Streaming-Goliaths bis zu den öffentlich-rechtlichen Mediatheken sollen ab dem 1. Januar 2027 alle, die vom deutschen Zuschauermarkt profitieren, zur Kasse gebeten werden. Der zentrale Plot-Point dieser Inszenierung? Ein dialektisches Angebot, das man nicht – oder kaum – ablehnen kann: Entweder man fügt sich dem gesetzlichen Korsett einer Acht-Prozent-Quote – inklusive strenger Sub-Vorgaben zum Rechterückfall – oder man entscheidet sich für den teureren Director’s Cut von zwölf Prozent, erkauft sich damit aber die unternehmerische Freiheit, die Details der Nutzungsrechte in Branchenvereinbarungen wieder selbst mitzugestalten.

Sie fragen sich, worum es geht? Stellen Sie sich vor, ein internationaler Sternekoch eröffnet in Ihrer Stadt ein Restaurant, bringt aber alle Zutaten, vom Mehl bis zum Trüffel, fertig abgepackt aus Übersee mit. Die Stadt sagt nun: „Schön, dass du hier bist, aber acht Prozent deiner Einnahmen musst du bitteschön bei den lokalen Bauern ausgeben.“ Genau das ist der Kern: Wer in Deutschland mit Mediatheken oder Streaming-Diensten Geld verdient, soll einen fairen Teil davon – eben jene acht Prozent des Nettoumsatzes – wieder in europäische audiovisuelle Werke investieren.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, die ja keinen klassischen „Umsatz“ generieren, wird stattdessen auf acht Prozent ihrer Programmkosten abgestellt. Der Entwurf will damit ein „stabiles Investitionsvolumen und Marktpluralität“ sicherstellen, damit Deutschland nicht zur reinen Abspielstation für globale Kataloge verkommt. Es ist das gesetzlich verordnete Location-Scouting für das heimische Kapital.

Der Eigentumsvorbehalt: Der Rechterückfall

Doch die Quote allein wäre nur die halbe Miete; der eigentliche Subtext des Gesetzes findet sich beim sogenannten Rechterückfall. Bisher galt oft das Prinzip des „Total Buyout“: Der Streamer bezahlt einmal, und der Film verschwindet auf nimmer-Wiedersehen in seinem ewigen Archiv.

Nun wird das Drehbuch geändert: Der Rechterückfall „versetzt unabhängige Hersteller in die Lage, ein Portfolio an Nutzungsrechten […] aufzubauen.“ In der Praxis bedeutet das: Die exklusiven Rechte an einem Werk werden dem Streaming-Dienst nur noch für eine begrenzte Zeit geliehen. Nach spätestens sieben Jahren – bei hohem finanziellem Risiko des Produzenten sogar schon nach drei Jahren – wandern die Rechte zurück in den Koffer des Schöpfers. Der Clou: Ein Hersteller gilt dabei als „unabhängig“, wenn das Medienunternehmen nicht mehr als 25 Prozent an ihm hält. Die staatliche Starthilfe: „Eine aus steuerfinanzierten Bundesmitteln […] gewährte Förderung wird dem Hersteller zugerechnet.“ Das ist der entscheidende Hebel: Obwohl das Geld vom Staat kommt, zählt es beim Rechterückfall so, als hätte der Produzent es aus der eigenen Tasche bezahlt.

Für den Produzenten ist das wie ein Mietverhältnis mit festgeschriebenem Auszugstermin: Nach ein paar Jahren gehört ihm das „Haus“ – also sein Film – wieder ganz allein, und er kann es erneut vermieten oder verkaufen. Die Produzentenverbände hoffen so, dass „bestehende, strukturelle Missstände beseitigt“ werden. Es ist der Versuch, den unabhängigen Filmherstellern eine „nachhaltige Wertschöpfung“ und echte „wirtschaftliche Resilienz“ zu verschaffen – ein Happy End, das für die großen Plattformen allerdings eher wie ein teurer Cliffhanger wirkt.

Kommen wir aber zum eigentlichen Spezialeffekt in Weimers Drehbuch: dem Geld. Wenn man so will, ist das der Moment im Finanz-Casting, in dem der Staat nicht nur die Scheinwerfer hält, sondern den halben Set finanziert. Während die Branche noch über die Quote diskutiert, hat das Bundesfinanzministerium bereits die Schatulle geöffnet und weitere 120 Millionen Euro für Film- und Serienproduktionen freigegeben. Insgesamt pumpt der Bund damit jährlich satte 250 Millionen Euro an Steuergeldern in die Taschen der Filmproduzenten.

Der wahre Twist aber liegt im juristischen Kleingedruckten, einem Kniff, der jedem Hollywood-Agenten die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Es geht um die Umdeutung von Identitäten: „Eine aus steuerfinanzierten Bundesmitteln […] gewährte Förderung wird dem Hersteller zugerechnet.“ Das ist der entscheidende Hebel im Subtext des MedienInvestVG.

Was hat es damit auf sich? Normalerweise sind globale Streaming-Goliaths wie Netflix oder Disney+ gar nicht antragsberechtigt für staatliche Töpfe wie den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) oder den German Motion Picture Fund (GMPF). Das Geld ist für die Produzenten reserviert. Das Gesetz bestimmt nun aber, dass künftig diese staatlichen Gaben beim Rechterückfall so gewertet werden, als wären sie das eigene ersparte Kapital des Produzenten. Die Gewinner wären also die unabhängigen Produzenten. Da die staatliche Förderung als ihr „Eigenanteil“ gilt, erreichen sie viel leichter die magischen Schwellen von 30 oder 50 Prozent Eigenbeteiligung. Das Ergebnis: Die exklusiven Rechte an ihren Werken fallen viel schneller an sie zurück – im besten Fall schon nach drei Jahren. Sie bauen sich so einen wertvollen Rechtestamm auf, den sie später erneut versilbern können.

Die Verlierer wären dann die Mediendiensteanbieter (Streamer und Sender). Sie finden sich in der Rolle der begründeten Zweifler wieder. Sie finanzieren die Party, müssen aber zusehen, wie ihnen die „Verwertungsrechte nach spätestens sieben Jahren“ entgleiten, selbst wenn sie die Produktion fast vollständig bezahlt haben. Christian Sommer von der Motion Picture Association (MPA) – dem Zusammenschluss der Hollywood-Studios – in Deutschland, kritisiert dies scharf, da die Kombination aus Investitionszwang und Rechterückfall „erheblich in die unternehmerische Freiheit, die Eigentumsrechte und die Vertragsfreiheit eingreife“.

Und dann ist da noch der Steuerzahler, der mit seinen 250 Millionen Euro jährlich das Buffet finanziert, damit unabhängige Produzenten „nachhaltig und dauerhaft wirtschaftlich von ihren Produktionen profitieren.“

Es ist eine klassische dialektische Versuchsanordnung: Der Staat nutzt öffentliches Geld als Rammbock, um die Marktmacht der Plattformen zu brechen und den Produzenten ein Stück vom Rechte-Kuchen zurückzugeben. Ein kühner Plan, doch für die Streamer fühlt es sich an wie ein Drehbuch, in dem sie zwar die Produktionskosten tragen, aber beim Abspann bereits aus dem Saal komplementiert werden.

Und dann gibt es in der großen Arena der Medienpolitik da noch jene ehrwürdigen TV-Dinosaurier, die ihre Mediatheken längst zum digitalen Tafelsilber umgeschmiedet haben – die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Und sie keineswegs begeisterte Statisten. Für sie fühlt sich Weimers neues Skript eher nach einem unfreiwilligen Genre-Wechsel an.

Der Hauptdarsteller des Widerstands ist die ARD, die in diesem Copyright-Drama die Karte der Rundfunkhoheit spielt. Ihr zentraler Vorwurf wiegt schwer: Es sei schlicht „verfassungswidrig, wenn eine Behörde des Bundes den öffentlich-rechtlichen Sendern Vorgaben für Filmproduktionen mache.“ Der juristische Subtext ist klar: Während der Bund das Gesetz als ökonomisches Regulierungs-Stück unter dem Label „Wirtschaftsrecht“ tarnt, beharrt die ARD darauf, dass der Rundfunk laut Grundgesetz das exklusive Hoheitsgebiet der Länder ist. Eine Bundesbehörde wie die Filmförderungsanstalt (FFA), die nun plötzlich die Rolle des Script-Doktors übernimmt und Quoten prüft, wird hier als arroganter Übergriff empfunden.

Die wirtschaftliche „Irrationalität“

Doch es geht nicht nur um Paragrafen, sondern um das harte Business hinter der Kamera. Die Sender monieren, dass die strengen Regeln zum Rechterückfall – jener Mechanismus, der den Produzenten ihre Werke nach ein paar Jahren zurückgibt – „unverhältnismäßig und wirtschaftlich unvernünftig“ seien. Für die Anstalten ist das so, als müssten sie ein Studio finanzieren, die Kulissen bauen und die Schauspieler bezahlen, nur um nach dem Abspann den Schlüssel zum Set wieder abgeben zu müssen.

Die Bundesländer, die in dieser Inszenierung die Interessen ihrer Anstalten flankieren, fordern daher eine Nachbearbeitung im Schneideraum: Geht es nach Ihnen, würden Investitionen in die Studioinfrastruktur – also in die handfesten Produktionsstätten – als Erfüllung der Quote anerkannt. Und: Sie fordern eine „Klarstellung der Berechnungsmodifikationen“, damit am Ende nicht Äpfel mit birnenförmigen Streaming-Umsätzen verglichen werden. Kurzum: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten fürchten, dass das Gesetz ihre Programmautonomie untergräbt und sie in ein Korsett zwängt, das zwar den unabhängigen Produzenten ein Happy End verspricht, für die Sender aber in einem bürokratischen und finanziellen Desaster endet.

Aber auch für Schwergewichte wie Netflix, Disney+ und ihren Branchenverband MPA ist Weimers Entwurf kein Heilsbringer, sondern ein handfester Antagonist mit einer „hohen Eingriffsintensität und gleichheitswidrigen Belastungen.“ Die Verpflichtung, acht Prozent des Umsatzes in heimische Stoffe zu pumpen, verfehle schlicht „die reale Marktnachfrage, erhöht die Produktionskosten, produziert neue Bürokratie und kann im schlimmsten Fall sogar zu weniger Produktionen führen.“ Christian Sommer, das deutsche Gesicht der MPA, warnt in einer beinahe prophetischen Dramaturgie sogar davor, dass die Marktteilnehmer „möglicherweise nicht mehr bereit seien, Investitionen vorzunehmen.“

Besonders bitter stößt den Giganten ebenso der Rechterückhalt auf. In ihren Augen ist die Kombination aus Investitionszwang und automatischem Rechterückfall ein regulatorischer Übergriff, der „erheblich in die unternehmerische Freiheit, die Eigentumsrechte, die Vertragsfreiheit und die Programmautonomie eingreife.“ Man fürchtet, dass dieses Korsett „wirtschaftlich tragfähige Finanzierungsmodelle erheblich erschwere.“

Und dann ist da noch der Streit um die Besetzung der Rolle des „unabhängigen Produzenten.“ Die Streamer haben „kein Verständnis dafür, dass der Kulturstaatsminister gesetzlich festlegen will, wer ein unabhängiger Produzent sei.“ Ihr Gegenvorschlag liest sich wie ein Plädoyer für unternehmerische Freiheit: Produzenten sollten so lange als unabhängig gelten, wie sie nicht „mehrheitlich gesellschaftsrechtlich mit dem beauftragenden Medienunternehmen verbunden sind.“

Als gäbe es nicht genug der Sichtweisen, hat Kulturstaatsminister Weimer neben den finanziellen Daumenschrauben der Acht-Prozent-Quote und dem Rechterückfall dann noch ein besonderes Augenmerk auf die Tonspur des deutschen Marktes gelegt: die Sprachquote von 80 Prozent. In einer Welt, in der Algorithmen oft den globalen Einheits-Soundtrack diktieren, wirkt dieser Teil des MedienInvestVG wie eine patriotische Dialogregie gegen die schleichende Untertitelung des heimischen Produktionsstandorts.

Epilog: Deutsch als Leitsprache

Der Entwurf ist in dieser Hinsicht kompromisslos: Mindestens 80 Prozent der Investitionen müssen in europäische Werke fließen, die in deutscher Originalsprache hergestellt werden. Die „Vision des Autors“ ist hierbei klar eine kulturelle Schutzmaßnahme: Es geht darum, die deutsche Sprache im europarechtlich zulässigen Umfang zu fördern und die deutschsprachige Produktionslandschaft gegen den Sog internationaler Großproduktionen zu immunisieren. Für den Minister ist es ein Akt der kulturellen Selbsterhaltung; für die Kritiker ein bürokratischer Eingriff in die Besetzungscouch.

Wie nicht anders zu erwarten, lösen auch diese Vorgaben am Set sehr unterschiedliche Emotionen aus: Für Vertreter der MPA ist diese Sprachvorgabe ein Paradebeispiel für eine Regulierung, die die „reale Marktnachfrage verfehlt“. Aus Sicht der Plattformen ignoriert dieses Diktat der Originalsprache die ökonomische Realität eines global vernetzten Publikums. Sie wittern hinter der Quote eine „hohe Eingriffsintensität“, die ihre künstlerische und unternehmerische Freiheit im Synchronstudio der Bürokratie opfert. Nur die Produzenten und ihre Mitstreiter (allerdings unter Vorbehalt begrüßen die Produktionsallianz den Fokus auf deutsche Stoffe grundsätzlich als Mittel, um „bestehende, strukturelle Missstände zu beseitigen“. Doch auch im Subtext ihrer Freude schwingt eine gewisse Enttäuschung mit: Während sie zum einen zwar die Sprachquote als stabilisierendes Element für ihre Gewerke schätzen, hätten sie sich bei der Gesamtsumme der Investitionen lieber ein „20-Prozent-Budget“ gewünscht, statt sich mit den nun festgeschriebenen acht Prozent zu begnügen. Interessanterweise bietet das Gesetz (§9) selbst aber einen Fluchtweg aus der Sprachfalle. Wer bereit ist, die 12-Prozent-Investition (das „Opt-Out“) zu wählen, kann in Branchenvereinbarungen von diesen starren Subquoten abweichen. Es ist das Angebot, die Sprachbarriere gegen bare Münze einzureißen.

Die Branche blickt auf die 80-Prozent-Hürde wie auf eine komplexe Plansequenz: Die einen sehen darin die Rettung der deutschen Erzählkultur, die anderen einen kostspieligen Anachronismus, der den Anschluss an den Weltmarkt erschwert. Ob das Publikum am Ende wirklich lieber „Original Deutsch“ hört oder ob die Streamer einfach den Preis für den Director’s Cut zahlen, um weiter ihr globales Programm zu fahren, bleibt der spannende Cliffhanger bis zum Inkrafttreten 2027. Abblende.


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Winnywood https://www.tiefgang.net/winnywood/ Mon, 18 May 2026 22:07:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13879 [...]]]> Das Phänomen des Kinos zeichnet sich dadurch aus, dass es Räume transformiert. Eine unscheinbare Straßenecke wird durch die richtige Kameraführung zum Schauplatz existenzieller Dramen, ein historisches Rathaus zum Epizentrum bürokratischer Satire.

Man muss für diese Metamorphosen nicht zwingend nach Los Angeles blicken. Manchmal genügt ein Blick in die niedersächsische Nachbarschaft, genauer gesagt nach Winsen an der Luhe. Die dortige Kulisse diente über Jahrzehnte hinweg als verlässliches Fundament für das deutsche Zelluloid, oft in enger Symbiose mit den legendären Ateliers im nahegelegenen Bendestorf, dem einstigen Hollywood der Heide.

Die historische Tiefenschärfe dieser filmischen Aneignung reicht zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit. Während das zerstörte Hamburg kaum Kulissen für bürgerliche Idyllen bot, fand die Junge Film-Union unter Rolf Meyer im unversehrten Winsen eine Architektur, die sich ideal für das Kino der Trümmerära instrumentalisieren ließ. Ein herausragendes Beispiel dieser Epoche ist die Produktion Diese Nacht vergess’ ich nie aus den Jahren 1948/49, inszeniert von Johannes Meyer. Es war die Geburtsstunde einer Ästhetik, die das Provinziell-Vertraute in den Dienst der kollektiven Verdrängung und des sanften Neubeginns stellte. Der Subtext dieser Filme war eindeutig: Die Sehnsucht nach einer intakten Welt, projiziert auf echte Fassaden, die den Zuschauer*innen eine Kontinuität vorgaukelten, die es in der Realität längst nicht mehr gab.

Die Evolution des Winsener Beitrags zur Filmgeschichte liest sich wie eine Chronik des bundesdeutschen Geschmacks. Auf die pastorale Heiterkeit von Das fröhliche Dorf (1955) folgte Jahrzehnte später die Dekonstruktion ebendieser norddeutschen Idylle. Wenn die Verfilmung von Heinz Strunks Fleisch ist mein Gemüse (2008) die Tristesse der regionalen Provinzbühnen seziert, fungiert das Winsener Umland nicht mehr als Sehnsuchtsort, sondern als klaustrophobischer Resonanzraum einer verfehlten Jugend. Das Mise-en-scène hat sich grundlegend gewandelt: Vom staunenden Eskapismus der fünfziger Jahre hin zum ironischen, fast schmerzhaften Realismus der Gegenwart. Selbst das Fernsehen in Form des Tatorts nutzte die Stadt wiederholt, um das Verbrechen hinter den gepflegten Vorgärten zu inszenieren.

Diese vielschichtigen filmischen Schichten der Stadtlandschaft werden nun im Rahmen einer historisch-topografischen Spurensuche freigelegt. Das Museum im Marstall veranstaltet am 31. Mai einen rund zweistündigen Rundgang unter dem programmatischen Titel Winnywood: Filmstadt Winsen. Geführt von Martin Raulf, einem profunden Kenner der lokalen Historie, verspricht dieser Spaziergang eine dialektische Gegenüberstellung von filmischer Fiktion und städtischer Realität. Die Teilnehmenden werden mit Anekdoten und Hintergrundberichten konfrontiert, die zeigen, wie sehr die vermeintliche Peripherie die deutsche Medienlandschaft geprägt hat. Es ist die seltene Gelegenheit, die visuelle Ästhetik vertrauter Orte neu zu dechiffrieren.

Der Rundgang beginnt um 14.30 Uhr direkt am Museum im Marstall und fokussiert sich auf die filmischen Schauplätze innerhalb der Innenstadt. Für das weitere Umland wird den Teilnehmenden entsprechendes Kartenmaterial an die Hand gegeben. Für kulturinteressierte Bürger*innen bietet sich hier ein lohnender Blick hinter die Kulissen der eigenen Regionalgeschichte, der die Wechselwirkung zwischen filmischem Medium und erlebter Wirklichkeit greifbar macht. Karten für diese filmhistorische Zeitreise sind im Vorverkauf beim Museum erhältlich.

Termin: 31. Mai, 14.30 – 16.30 Uhr: „Winnywood: Filmstadt Winsen“ – ein Rundgang zu Drehorten in Winsen | Museum im Marstall, Schloßplatz 11, 21423 Winsen (Luhe), www.museum-im-marstall.de


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Hamburgs Glanz der Bären https://www.tiefgang.net/hamburgs-glanz-der-baeren/ Sat, 02 May 2026 22:34:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13747 [...]]]> Vier Produktionen, drei Bären, ein Teddy – die Ausbeute der Hamburger Filmbranche bei der 76. Berlinale liest sich wie die Wunschliste eines ehrgeizigen Produzenten.

Es ist ein Erfolg, der zeigt, dass die Hansestadt längst nicht mehr nur als Kulisse für Vorabendkrimis dient, sondern zum Schmelztiegel für das internationale Autorenkino avanciert ist. Ein Umstand, den der Senat nun mit einem feierlichen Frühstück im Rathaus würdigte. Die geladenen Teams der Filme Gelbe Briefe, No Good Men, Rose und Der Heimatlose brachten eine Atmosphäre von Weltklasse in die historischen Räume, die sonst eher von nüchterner Politik geprägt sind.

Der Erfolg ist messbar und doch zutiefst künstlerisch. Drei der Filme wurden mit Auszeichnungen bedacht, die zur absoluten Weltspitze zählen. Kultursenator Dr. Carsten Brosda hob in seiner Ansprache hervor, dass das Senatsfrühstück die großen Berlinale-Erfolge der MOIN-geförderten Produktionsteams ehre, die auf eindrucksvolle Weise zeigen, wie kraftvoll, mutig und relevant Kino sein kann. Mit ihren Geschichten, die weit über den Kinosaal hinaus wirken, stünden sie für eine Filmkultur, die gesellschaftliche Debatten aufgreife und künstlerisch auf höchstem Niveau umsetze. Ihre Erfolge seien zugleich ein starkes Signal für die Qualität und Vielfalt des Filmstandorts Hamburg.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Regisseur İlker Çatak, der mit Gelbe Briefe den Goldenen Bären für den besten Langfilm gewann. Nach seinem Erfolg mit Das Lehrerzimmer festigt Çatak seinen Ruf als einer der präzisesten Beobachter systemischer und menschlicher Krisen. In Gelbe Briefe erzählt er das Drama des Künstlerehepaars Derya und Aziz, die in Ankara über Nacht ihre Existenz verlieren und in Istanbul zwischen ihren Werten und ihrer Zukunft als Familie wählen müssen. Dass ein Film über die politische Lage in der Türkei zu großen Teilen in Hamburg gedreht wurde, unterstreicht die Rolle der Stadt als sicherer Hafen für internationale Stoffe.

Ebenfalls im Rampenlicht stand Shahrbanoo Sadat, deren Film No Good Men die Festspiele eröffnete. Die in Hamburg lebende afghanische Regisseurin wagt ein erzählerisches Experiment: eine romantische Komödie aus Afghanistan, realisiert in Deutschland. Sie bricht mit den Erwartungen an das Kabuler Kino und sucht nach dem Guten im Mann, während ihre Protagonistin Naru inmitten von Sorgerechtsstreits und Verrat den Glauben daran längst verloren hat. Es ist ein Film, der trotz seiner Verortung in Kabul eine tiefe Verbindung zur Hamburger Kreativszene besitzt.

Die schauspielerische Exzellenz wurde durch den Silbernen Bären für Sandra Hüller in Rose gewürdigt. In diesem Historiendrama von Markus Schleinzer verkörpert Hüller einen Menschen, der im 17. Jahrhundert als Frau geboren wurde, aber als Mann lebt. Die Geschichte einer Täuschung, die auf dem Wunsch nach Zugehörigkeit fußt, stellt Fragen nach Identität und gesellschaftlicher Akzeptanz, die über Jahrhunderte hinweg nachhallen. Auch hier zeigt sich die Hamburger Handschrift durch Beteiligte im Filmteam.

Abgerundet wurde der Reigen der Auszeichnungen durch den Teddy Jury Award für Der Heimatlose von Kai Stänicke. Die Produktion der Hamburger Tamtam Film nutzt die karge Kulisse von Sylt, um eine Geschichte über die Schwierigkeit der Heimkehr und die Fragilität von Erinnerung zu erzählen. Die queere Perspektive und die Suche nach Beweisen für die eigene Biografie machen den Film zu einem wichtigen Beitrag im Diskurs über Vielfalt und Sichtbarkeit.

Dass die MOIN Filmförderung diese Projekte mit Summen zwischen 100.000 und 560.000 Euro unterstützte, erweist sich im Rückblick als kluge Investition in das kulturelle Kapital der Stadt. Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung, und Malika Rabahallah, Leiterin des Filmfests Hamburg, konnten im Rathaus auf ein Jahr blicken, in dem Hamburgs Filmteams nicht nur Teilnehmer*innen, sondern die Stars der internationalen Bühne waren. Es ist eine Momentaufnahme, die den Anspruch der Stadt untermauert, ein zentraler Knotenpunkt für mutiges, gesellschaftlich relevantes Erzählen zu sein.



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Eine Hommage an den Mut https://www.tiefgang.net/eine-hommage-an-den-mut/ Sat, 17 Jan 2026 15:24:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13126 [...]]]> Es gibt Momente in der Geschichte einer Stadt, in denen ein Funke überspringt, der weit über die Jahrzehnte hinaus leuchtet. Für Hamburg war ein solcher Moment das Jahr 1926, als Ida Dehmel die GEDOK ins Leben rief.

Heute, 100 Jahre später, blicken wir auf ein Jahrhundert geballter weiblicher Kreativität und politischer Durchsetzungskraft zurück. Die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“, kurz Gedok, ist nicht weniger als das europaweit älteste und größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Sparten. Und wo ließe sich dieses Jubiläum besser feiern als an seinem Geburtsort?

Ida Dehmel war eine Visionärin mit einem untrüglichen Gespür für Synergien. In einer Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt oft noch als schmückendes Beiwerk oder bestenfalls als talentierte Dilettantinnen belächelt wurden, schuf sie eine Struktur, die Professionalität und Solidarität verband. Ihr Hamburger Wohnhaus wurde zum Epizentrum eines interdisziplinären Austauschs, der Musik, Literatur und Bildende Kunst zusammenführte. Es ging nie nur um Ästhetik, es ging um Existenzsicherung und Sichtbarkeit.

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) widmet diesem Jahrhundertprojekt nun die große Schau Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK. Wer durch die Räume geht, spürt sofort die Energie, die von diesem Aufbruch ausging. Die Ausstellung ist weit mehr als eine historische Rückschau; sie ist eine Analyse von Machtstrukturen und der Kraft der Gemeinschaft. Besonders faszinierend ist, wie hier die Gründungsjahre in Hamburg lebendig werden. Namen wie Anita Rée oder die Textilkünstlerin Maria Brinckmann tauchen auf – Frauen, die das Gesicht der Hamburger Moderne prägten und in der GEDOK eine Heimat fanden.

Was man sich bei diesem Jubiläumsprogramm unbedingt merken sollte, ist die Vielschichtigkeit der Exponate. Es sind nicht nur Gemälde oder Skulpturen zu sehen, sondern auch Dokumente, die den zähen Kampf um Anerkennung belegen. Ein absolutes Highlight im MKG ist die Aufarbeitung der spartenübergreifenden Zusammenarbeit. Die GEDOK verstand sich von Anfang an als Brücke: Komponistinnen trafen auf Schriftstellerinnen, Fotografinnen auf Kunstgewerblerinnen. Diese Offenheit ist bis heute der Kern der Organisation.

Ein weiterer Programmpunkt, der aus der Masse heraussticht, ist die Veröffentlichung des Jubiläumsbuchs. Es ist kein klassischer Wälzer, der nur im Regal verstaubt, sondern ein lebendiges Zeugnis einer Bewegung, die sich auch durch die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte nicht gänzlich unterkriegen ließ. Die Texte beleuchten kritisch die Rolle der GEDOK während der NS-Zeit, die Vertreibung jüdischer Mitglieder – darunter auch die Gründerin Ida Dehmel selbst – und den mühsamen Wiederaufbau nach 1945. Diese Ehrlichkeit in der Aufarbeitung macht das Jubiläum erst wirklich würdig.

Hamburg feiert in diesem Jahr also nicht nur einen Verein, sondern eine Idee, die heute so aktuell ist wie eh und je. In Zeiten, in denen über Gender-Pay-Gap in der Kultur und die Repräsentanz von Frauen in großen Museen gestritten wird, wirkt das Vermächtnis von Ida Dehmel wie ein Kompass. Die GEDOK ist kein museales Relikt, sondern ein pulsierendes Netzwerk, das heute über 20 Regionalgruppen umfasst.

Wer sich für die Kulturpolitik der Hansestadt und die Rolle der Frau in der Kunst interessiert, kommt an dieser Jubiläumsschau nicht vorbei. Sie fordert uns heraus, neugierig zu bleiben und den Blick für jene Strukturen zu schärfen, die Kunst erst möglich machen. Die Ausstellung im MKG läuft als zentraler Ankerpunkt und bietet neben den visuellen Genüssen auch Raum für Diskussionen und Konzerte, die den Geist der Gründerzeit in die Gegenwart holen.

Es ist eine Hommage an den Mut, sich zusammenzuschließen, und eine Einladung, die künstlerische Qualität zu entdecken, die oft erst durch ein starkes Netzwerk im Rücken zur vollen Entfaltung kommen kann. 100 Jahre GEDOK – das ist ein verdammt guter Grund, in die Hamburger Kunstgeschichte einzutauchen und gleichzeitig die Weichen für die nächsten 100 Jahre zu stellen.

Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK bis zum 30. August 2026 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) Steintorplatz, 20099 Hamburg Telefon: 040 428134880 www.mkg-hamburg.de

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Der die Nordsee zur Mordsee machte https://www.tiefgang.net/der-mann-der-die-nordsee-zur-mordsee-machte/ Fri, 21 Nov 2025 23:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12887 [...]]]> Hamburg hat einen seiner prägendsten Filmemacher*innen verloren. Hark Bohm, Regisseur, Autor, Produzent und leidenschaftlicher Hochschullehrer, ist im Alter von 86 Jahren in seiner Heimatstadt verstorben.

Sein Werk ist ein unüberhörbares Echo der deutschen Nachkriegsgesellschaft, ein Spiegel, der die Brüche und die unbequemen Wahrheiten der Jugend einfing.

Bohm war kein Salon-Intellektueller. Er war ein Filmpionier, der mit der Kamera in die Hochhaussiedlungen Hamburgs zog, dorthin, wo die Fassaden bröselten und die Kinder um ihren Platz in der Welt kämpften. Seine Filme waren unmittelbar, roh und von einer zupackenden, fast dokumentarischen Energie, die im damaligen deutschen Kino ihresgleichen suchte.

Sein Meisterstück bleibt unbestritten „Nordsee ist Mordsee“ (1976). Der Titel wurde zu einem geflügelten Wort, der Film zu einem Klassiker des sozialkritischen Coming-of-Age-Kinos. Er erzählte die Geschichte der ungleichen Freundschaft zwischen einem deutschen und einem zugewanderten Jungen in Wilhelmsburg – ein politisches Statement, das die Brutalität der Realität nicht scheute. Diese Spannung zwischen schonungsloser Härte und tief empfundener Sensibilität sollte Bohms Karriere definieren, von dem Jugenddrama „Moritz, lieber Moritz“ (1978) bis hin zum mit dem Bundesfilmpreis in Gold ausgezeichneten Film „Yasemin“ (1988).

Das Faszinierende an Bohms Ansatz war, wie er die Grenzen zwischen Kunst und Leben verschwimmen ließ. In „Nordsee ist Mordsee“ besetzte er zwei seiner Adoptivsöhne in den Hauptrollen. Bohm war ein begeisterter Vater von vier Adoptivkindern und zwei Pflegekindern. Einer seiner Söhne, der Schauspieler Uwe Bohm (1962–2022), trat mit seinen Filmen selbst in die Fußstapfen des Vaters und war eine feste Größe in der deutschen Film- und Theaterlandschaft. Für Hark Bohm zählte die Familie ebenso wie der Film – beide boten ihm einen Ort des Zusammenhalts.

Hark Bohm war jedoch mehr als nur ein großer Geschichtenerzähler. Er war ein leidenschaftlicher Filmpolitiker. Er war Mitinitiator des „filmverlags der autoren“ (1971) und Mitbegründer des Hamburger Filmbüros und des Filmfests Hamburg (beides 1979). Als Professor gründete er 1993 das Filmstudium Hamburg an der Universität, das heute in die Hamburg Media School (HMS) integriert ist. Hier prägte er eine ganze Generation von Filmemacher*innen, unter ihnen seinen Meisterschüler Fatih Akin.

Diese enge Verbindung zum Schaffen der nächsten Generation manifestierte sich zuletzt in dem Film „Amrum“ von Fatih Akin, der auf Bohms autobiografisch inspiriertem Roman basierte. Erst kürzlich feierte der Film seine Premiere. Bohm selbst spielte eine kleine Rolle, ein letzter Auftritt, der ihn noch einmal an den Ort seiner Kindheit zurückführte.

Senator Dr. Carsten Brosda, die Hamburger Behörde für Kultur und Medien, würdigte Hark Bohms Vermächtnis mit klaren Worten: „Hark Bohm war ein Meister darin, im scheinbar Alltäglichen die wirklich großen Geschichten zu finden. (…) Für mich ist der deutsche Film der letzten Jahrzehnte ohne Hark Bohm nicht denkbar.“ Er habe mit „leidenschaftlicher Vernunft“ den Film als Möglichkeit gesehen, die soziale Gegenwart zu beleuchten, „um menschliche Zukunft denkbar zu machen.

Ein großer und unbeugsamer Geist ist von der Leinwand abgetreten, dessen filmisches Erbe in Hamburg und weit darüber hinaus leuchten wird.

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Gefühlvolle Klänge im Bermuda-Dreieck https://www.tiefgang.net/gefuehlvolle-klaenge-im-bermuda-dreieck/ Fri, 03 Oct 2025 22:44:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12538 [...]]]> Gefühlvolle Klänge im Bermuda-Dreieck

Am Sa., 11. Oktober, gibt Harburg den Ton an! Denn 14 Kulturinstitutionen bieten über 40 Acts und das für nur einen Eintritt von 7,50 €! Wir stellen einige Orte und Acts vor. Heute: Hamburger Sparkasse!

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) am Sand 1 ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei der SuedKultur Music-Night dabei. Die erstmalige Teilnahme einer Sparkasse mag ungewöhnlich erscheinen, aber zusammen mit den in unmittelbarer Nähe gelegenen Locations des Harburg Marketing e.V. und des Weltladens Harburg entsteht ein interessantes „Bermuda-Dreieck“ der Musik.

Als musikalischen Act stellt die Haspa um 18 Uhr den Singer-Songwriter Noel Friedburg mit einem Sound im Stil von Alternative Folk. Inspiriert von nordamerikanischem Folk, Americana und der Alternative-Musik-Szene, erzählen seine Songs vom Weg zur seelischen Gesundheit, vom Verlernen alter Muster, von Traumata und deren Folgen. Mit seinem Debütalbum „From The Backyard“ öffnete Noel Friedburg nicht nur seine musikalischen, sondern auch seine persönlichen Pforten. Sein Ziel ist es, Stigmata zu brechen, neue Sichtweisen zu eröffnen und andere zu ermutigen, ihren eigenen seelischen Hinterhof zu erkunden.

Hamburger Sparkasse, Sand 1, 21 073 Hamburg

Samstag, 11. Oktober 2025, Einlass: 17.30 Uhr

18.00 Uhr: Noel Friedburg

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Kino satt am Feiertag! https://www.tiefgang.net/kino-satt-am-feiertag/ Fri, 26 Sep 2025 22:54:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12571 [...]]]> Das ist Freiheit auf der Leinwand: Das Filmfest Hamburg schenkt der Stadt einen besonderen Kinotag.

Der 3. Oktober in Hamburg hat eine neue, wundervolle Bedeutung bekommen. Seit letztem Jahr lädt das Filmfest Hamburg am Tag der Deutschen Einheit alle Kinofans zu einem ganz besonderen Kinomarathon ein. Denn es ist wieder Zeit für den „Tag des freien Eintritts“.

Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: An diesem Tag sind alle Festivalfilme in den teilnehmenden Kinos kostenlos zu sehen. Was für eine Chance, über den Tellerrand zu blicken, sich auf unbekannte Erzählungen einzulassen und die Vielfalt des Kinos zu feiern.

Festivalleiterin Malika Rabahallah hat die Vision ins Leben gerufen, Menschen zusammenzubringen. Ihre Worte klingen dabei fast wie ein filmisches Versprechen: „Am Tag der Deutschen Einheit sitzen wir hier in Hamburg gemeinsam im Kino, um zusammen zu lachen und zu weinen und nach dem Film zu diskutieren. Und das Beste daran: Der Eintritt ist frei. Mehr Einheit geht nicht.“

Das Programm am 3. Oktober ist so vielfältig wie das Festival selbst. Es zeigt, wie Geschichten aus aller Welt unsere Sicht auf die Dinge verändern können. Es gibt fesselnde internationale Spielfilme, die tief in menschliche Geschichten eintauchen, wie „Jeunes mères – Junge Mütter“ aus Belgien und Frankreich. Oder das Drama „Aisha Can’t Fly Away“, eine internationale Koproduktion aus Ägypten und Deutschland, die an ferne Orte entführt.

Auch für Fans des amerikanischen Independent-Kinos gibt es etwas zu entdecken, wie „East of Wall – The New West“, ein Film, der von Nähe und Halt in Zeiten emotionaler Erschütterung erzählt. Wer es lyrischer mag, könnte sich in den chilenischen Film „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“ verlieben.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda ist ein großer Befürworter dieser Aktion und betont, dass Kinos Orte der Begegnung, Empathie und des demokratischen Diskurses seien. Genau das ist die Magie dieses Tages: Er bringt die Menschen zusammen, um gemeinsam zu schauen, zu fühlen und zu diskutieren.

Das einzige, was für eine Teilnahme nötig ist, ist die Sicherung eines kostenlosen Tickets. Denn auch für diese Vorstellungen ist eine Karte notwendig, und sie sind heiß begehrt! Tickets gibt es online im Vorverkauf oder an den Abendkassen der Kinos, aber wie bei den besten Premieren gilt auch hier: Nur solange der Vorrat reicht.

Die Aktion findet in den fünf großen Festivalkinos statt: dem Abaton, dem CinemaxX Dammtor, dem Metropolis, dem Passage Kino und dem Studio Kino. Aber das ist noch nicht alles! Die „FILMFEST UMS ECK“-Kinos in den Stadtteilen wie das Savoy Filmtheater, das Magazin Filmkunsttheater und das 3001 Kino machen ebenfalls mit und bieten jeweils eine kostenlose Vorführung an.

Ein Tag, die Filmkunst mit der ganzen Stadt zu feiern.

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Mehr als ein Festival https://www.tiefgang.net/mehr-als-ein-festival/ Fri, 26 Sep 2025 22:52:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12578 [...]]]> 118 Filme aus 55 Ländern in 15 Festivalkinos: die 33. Ausgabe des Filmfest Hamburg ist gestartet!

Wenn Hamburg für zehn Tage zum vibrierenden Zentrum der internationalen Filmkunst wird, ist es wieder Zeit für das Filmfest. Die 33. Ausgabe des Filmfest Hamburg versammelt bis zum 4. Oktober 118 Filme aus 55 Ländern in 15 Festivalkinos und setzt damit ein unüberhörbares Zeichen: Kino lebt.

Der Fokus in diesem Jahr liegt auf Geschichten über Brüche, Humor und Widerständigkeit – Filme als Spiegel gesellschaftlicher Herausforderungen und als Quelle von Hoffnung und Zusammenhalt. Festivalleiterin Malika Rabahallah freut sich auf ihre zweite Runde, die uns die Welt näherbringen soll: „Filme, die zum Nachdenken anregen, neue Perspektiven aufzeigen, die berühren und amüsieren“. Sie betont, dass dieser Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden unerlässlich für das gesellschaftliche Miteinander sei.

Der Auftakt erfolgte mit dem Film Lovely Days des Kanadiers Philippe Falardeau, der das Festival mit Witz und Wärme eröffnete, indem er 24 Stunden im Leben eines Bräutigams beleuchtet. Ein leichter, herzlicher Blick auf das Leben, der dem ernsten Diskurs vorangeht. Einen tiefen Blick in das engagierte europäische Filmschaffen ermöglicht die Verleihung des Douglas Sirk Preises an die belgischen Regiebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die den Ehrenpreis zur Deutschlandpremiere ihres Films Jeunes Mères – Junge Mütter persönlich entgegennehmen.

Das Festival scheut die politische Auseinandersetzung keineswegs. Im Wettbewerb für Politisches Kino VETO! und in anderen Sektionen finden sich Werke, die wachrütteln. Dazu gehört Im Schatten des Orangenbaums, der in einer deutsch-palästinensischen Koproduktion über drei Generationen hinweg eine Familie im Westjordanland porträtiert. Kultursenator Dr. Carsten Brosda sieht in diesem Programm die eigentliche Stärke: „Mit einem witzigen, kritischen, widerständigen, anrührenden Programm feiert Filmfest Hamburg die Kunst des Erzählens.“

Auch der spannungsgeladene Blick in die dystopische Zukunft wird gewagt, etwa mit der Serie Smillas Gespür für Schnee. Das Werk entwirft ein Grönland und Dänemark im Jahr 2040, wo der Kampf um Ressourcen und ein korruptes System die Gesellschaft überwacht und Migrant*innen ein Leben zweiter Klasse fristen. Für Liebhaber*innen klassischer Spannung, die den Nervenkitzel suchen, bietet sich der deutsche Thriller Sternstunde der Mörder an.

Das Filmfest zeigt sich dabei als Event für alle Generationen. Mit dem MICHEL Kinder- und Jugend Filmfest wird der Zugang zu Film als Kunstform gezielt gefördert. Hier werden nicht nur liebevoll kuratierte Filme wie Lampie gezeigt; die jungen Filmbegeisterten sind eingeladen, in der MICHEL Jury mitzumachen.

Der „Tag des freien Eintritts“ am 3. Oktober bildet einen Höhepunkt der Festivalwoche. Erneut sind die Menschen eingeladen, die Kinokultur kostenlos zu erleben. „Kultur ist für alle da“, bekräftigt Dr. Brosda und betont, dass die Auseinandersetzung mit Kultur wesentlich zu einem Zusammenleben in Freiheit und Vielfalt beitrage. Diese Idee wird durch die Ausweitung des Formats „Filmfest ums Eck“ unterstrichen, das Weltkino in zehn Stadtteilkinos erlebbar macht – darunter erstmals auch das Kinopolis in der HafenCity.

Zugleich baut Hamburg seine Rolle als bedeutender Branchentreffpunkt im Norden aus. Die stark erweiterten Filmfest Hamburg Industry Days – nun eine zukunftsweisende Schnittstelle mit Formaten wie European Work in Progress (EWIP) und dem International Film Distribution Summit (IFDS) – sind ein wichtiges Signal für den Film- und Fernsehstandort. In diesem Rahmen werden am 1. Oktober auch die Hamburg Producers Awards für Produzent*innen verliehen. Das Filmfest Hamburg ist damit ein kollektiver Ort der Reflexion, der Empathie und der Gemeinschaft. Ein Format mit Zukunft.

Das gesamte Programm unter www.filmfesthamburg.de

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Zeitreise in Harburgs Herz https://www.tiefgang.net/zeitreise-in-harburgs-herz/ Fri, 12 Sep 2025 22:32:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12420 [...]]]> Der »Planet Harburg«, das Kulturzentrum im ehemaligen Karstadt-Kaufhaus, hat seine Pforten für eine neue Sonderausstellung geöffnet. Und es wird historisch: Das Stadtmuseum Harburg lädt seit dem 11. September mit der neuen Sonderausstellung »1975 – Harburg vor 50 Jahren« zu einer faszinierenden Zeitreise ein.

Passend dazu feiert ein besonderes Foto-Projekt sein goldenes Jubiläum.

Im Jahr 1975 war Harburg im Wandel. Die Innenstadt erlebte einen massiven Umbruch: Der Bau der S-Bahn, der neue Harburger Ring und die entstehende Fußgängerzone in der Lüneburger Straße formten das Stadtbild neu. In dieser Umbruchszeit rief die Werbegemeinschaft City Harburg zu einem Fotowettbewerb auf, um das Leben im Stadtteil einzufangen. Fast 1.000 Fotos wurden damals eingereicht.

Jetzt, 50 Jahre später, werden die beeindruckendsten Aufnahmen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bilder atmen den Zeitgeist der 70er Jahre, zeigen den Alltag, persönliche Momente und das pulsierende Stadtleben. Sie erzählen eine Geschichte von Aufbruch und Wandel.

Film ab: Die 70er auf der Kinoleinwand

Doch damit nicht genug: Die Kinemathek Hamburg begleitet die Ausstellung mit einem umfangreichen Filmprogramm. Bis April 2026 werden über 75 internationale und Hamburger Filme aus dem Jahrzehnt gezeigt. Die Retrospektive ist nicht nur cineastisch ein Genuss, sondern knüpft direkt an die Themen der Ausstellung an – von Popkultur über die Frauenbewegung bis hin zu gesellschaftlichen Milieustudien.

Die Filmreihe präsentiert eine Bandbreite von Genres, von Politthrillern bis hin zu Musicals. Es gibt sogar eine »70er-Jahre-Jukebox« im Foyer und Hamburger Kulturschaffende teilen ihre persönlichen Lieblingsfilme. Die begleitende Filmreihe der Kinemathek Hamburg umfasst etwa 40 Titel aus den 1970er Jahren sowie zeitgenössische Filme aus dem Genre des Fotofilms. Filmschaffende wie Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Rosa von Praunheim und Helke Sander haben in dieser Zeit ihre Karriere begonnen und sich durch ihre kompromisslose Auseinandersetzung mit brisanten gesellschaftlichen Themen einen Namen gemacht. Neben der Wiederaufführung restaurierter Filmklassiker von 1975 (Jeanne Dielmann, Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Im Lauf der Zeit, Der weiße Hai, Hundstage, Nashville) wird die Filmreihe über die Zeitspanne des gesamten Jahrzehnts an die verschiedenen Themenfelder der Ausstellung anknüpfen. Musikfilme (The Last Waltz, Control, Pink Floyd: Live at Pompeii, The Wiz, Saturday Night Fever, Hair) dokumentieren zusätzlich die innovative Kraft des Rock-, Funk- und Disco-Jahrzehnts, aus dem zahlreiche stilprägende Künstler*innen hervorgegangen sind. Vorträge und Publikumsgespräche mit Filmgästen, Filmwissenschaftler*innen runden die Vorstellungen ab.

Alle Infos auf einen Blick:

  • »1975 – Harburg vor 50 Jahren« | 11. September 2025 bis 3. Mai 2026
  • Filmreihe „1975 – Die Welt vor 50 Jahren“ |September 2025 bis April 2026
    • Tickets online auf www.metropoliskino.de/planetharburg oder an der Kinokasse im Planet Harburg, die 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn öffnet.
    • Planet Harburg, Herbert-und-Greta-Wehner-Platz, 21073 Hamburg-Harburg

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Kulturort Kino https://www.tiefgang.net/kulturort-kino/ Fri, 12 Sep 2025 22:10:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12414 [...]]]> Vergangenen Montagabend im Magazin Filmkunsttheater in Winterhude war ein Abend für die Seele der Hamburger Filmkultur. Hier, in dem denkmalgeschützten Lichtspielhaus mit seinem charmanten Bistro und dem Hauch vergangener Zeiten, feierte die Stadt ihre Programm- und Stadtteilkinos.

Kultursenator Carsten Brosda zeichnete 16 Häuser und Initiativen mit den Hamburger Kinopreisen 2025 aus, die in diesem Jahr mit einem Rekord-Preisgeld von insgesamt 200.000 Euro dotiert waren. Ermöglicht wurde dies durch eine neue Partnerschaft: Die MOIN Filmförderung spendierte den Kinos mit dem neuen MOIN Kinobonus zusätzliche 100.000 Euro.

Man spürte die Begeisterung in der Luft. Kultursenator Carsten Brosda hob in seiner Ansprache die Bedeutung der Kinos hervor, die mit Leidenschaft und Einsatz für eine „vielfältige und originelle Programmkinolandschaft“ sorgen. „Umso schöner, dass der oft sehr persönliche Einsatz der Kinoschaffenden ab diesem Jahr zusätzlich durch die Einführung des MOIN Kinobonus honoriert wird“, sagte Brosda und dankte der MOIN Filmförderung für dieses „Bekenntnis zum Kulturort Kino“.

Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung, betonte die wichtige Rolle der kleinen Häuser: „Die Programm- und Stadtteilkinos bilden das Herzstück der Hamburger Kinofilmbranche.“ Er lobte das Engagement, mit dem die Kinobetreibenden ein außergewöhnliches Filmrepertoire und kreative Formate anbieten.

Die Liste der Preisträger*innen liest sich wie eine Tour durch Hamburgs Viertel, die alle für ihre ganz eigene Filmkultur stehen. An der Spitze stehen mit jeweils 11.000 Euro das ABATON Kino in Rotherbaum, die Zeise Kinos in Ottensen und das 3001 Kino in der Sternschanze.

Jedes dieser Kinos hat seine eigene, ganz besondere Geschichte, die es zu einem festen Bestandteil seines Viertels macht. Das ABATON, eines der ersten Programmkinos Deutschlands, war schon immer ein Haus für anspruchsvolle Filmkunst und hat sich mit seiner langen Geschichte und den markanten Wandmalereien von Werner Nöfer in das kollektive Gedächtnis der Hamburger*innen gebrannt.

Die Zeise Kinos in Ottensen wiederum sind in einer ehemaligen Schiffsschraubenfabrik zu Hause. Der rustikale Industrie-Charme verbindet sich hier mit moderner Kinotechnik, und die großen Säle bieten auch Raum für Konzerte oder Poetry Slams. Und das 3001 Kino in der Schanze? Es ist eine kleine, aber feine Institution im Hinterhof der Schanzenstraße, bekannt für sein Arthouse- und Doku-Programm, oft in Originalfassung mit Untertiteln. Es ist genau diese persönliche Note, die diese Kinos so liebenswert macht.

Auch das Magazin Filmkunsttheater in Winterhude, wo die Verleihung stattfand, ist ein Unikat. Erbaut 1925, ist das denkmalgeschützte Kino heute das älteste, noch erhaltene und durchgehend bespielte Traditionshaus in Hamburg. Hier, wo es noch selbstgebackenen Kuchen gibt und der Charme der 1920er Jahre lebendig ist, fühlt man die Liebe zum Film mit jedem Meter roter Samtsessel.

Die Jury, bestehend aus der Hamburger Abendblatt-Redakteurin Anika Würz, Verleih-Geschäftsführer Björn Hoffmann und Kinobetreiber David Sprinz aus Lüneburg, entschied über die Vergabe. Dabei gingen die Preise an eine beeindruckende Breite an Häusern, von der Koralle Lichtspielhaus in Volksdorf bis zum legendären B-Movie auf St. Pauli. Das B-Movie, ein ehrenamtlich und gemeinnützig betriebenes Kino, das als Kulturinitiative seltene Perlen und vergessene Klassiker zeigt, erhielt den Kinopreis sowie den MOIN Kinobonus.

Der Sonderpreis der Kinopreise 2025 ging an die Initiative „A Wall is a Screen“, die das Kino aus dem Kinosaal herausholt und auf öffentliche Wände projiziert. Ein schönes Signal, das zeigt, dass Filmkunst in Hamburg überall stattfinden kann.

Die Hamburger Kinopreise, die von der Behörde für Kultur und Medien gemeinsam mit der MOIN Filmförderung vergeben werden, haben mit der neuen Förderung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Mit 200.000 Euro wird das Herzstück der Filmkultur der Stadt gebührend gestärkt. Ein echtes Happy End für Hamburgs Kinos.

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