Wissenschaftliche Arbeiten https://www.tiefgang.net Sat, 27 Apr 2024 14:01:26 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Was ist Literatur? https://www.tiefgang.net/was-ist-literatur/ Sat, 27 Apr 2024 14:01:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10786 [...]]]> Ende Mai diskutieren im Literaturhaus Hamburg zwölf europäische Autor*innen zur Frage „Was ist Literatur?“

Im Vorfeld der Europawahl 2024, vom 29. bis 30. Mai 2024, begegnen sich im Literaturhaus Hamburg hochkarätige Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Regionen Europas zu politisch-ästhetischen Debatten. Bei dem von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und der Behörde für Kultur und Medien geförderten Projekt Europa 24: Was ist Literatur? kommen zwölf Denkerinnen und Denker mit unterschiedlichen Hintergründen, mit klaren Positionen und Diskutierfreude sowie mit bemerkenswerten literarischen Werken zu Wort. Der Vorverkauf für die Abendveranstaltungen läuft.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „In der heutigen Weltlage kann das, was uns Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu sagen haben, Orientierung bieten und Perspektiven öffnen. Von Margaret Atwood bis Feridun Zaimoğlu: Schon immer haben sie es verstanden, aktuelle Strömungen zu analysieren und fassbar und verständlich zu erzählen. Ich freue mich, dass so viele renommierte Autorinnen und Autoren im Vorfeld der Europawahl der Einladung des Literaturhauses folgen, um gemeinsam darüber nachzudenken, welche Chancen uns das aktuelle Europa bietet und wie wir sie am besten nutzen.“

Christine Neuhaus, Hauptbereichsleiterin Förderungen der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS: „Seit jeher haben Autorinnen und Autoren sich die Fragen gestellt: „Was ist Schreiben?“, „Warum Schreiben?“ und „Für wen schreibt man?“. Ein berühmtes Beispiel ist Sartres Essay »Qu’est-ce que la littérature?« von 1947, worin er sich für eine gesellschaftsverändernde Rolle der Literatur aussprach. Siegfried Lenz wiederum geht in einem Interview 1976 zwar auch davon aus, dass ein Schreibender immer Stellung zu seiner Zeitgenossenschaft bezieht, weist in dem Zusammenhang aber auf die Gefahren eines zu großen politischen Engagements hin: der Schriftsteller könne so zum Diener der Aktualität werden und seine kreativen Impulse verschütten. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Krisen, mit denen Europa konfrontiert ist, bin ich gespannt, wie Autorinnen und Autoren heute darüber denken und freue mich auf die Debatten im Literaturhaus Hamburg.“

Das Publikum ist an beiden Abenden eingeladen, zwei aufeinanderfolgende, ca. 75-minütige Panels mit jeweils drei Autor*innen mitzuverfolgen – vor Ort oder im Livestream. Die Veranstaltungen finden auf Englisch mit deutscher Simultanverdolmetschung statt.

Im ersten Panel beginnt die Diskussion von Francesca Melandri, Dorota Masłowska und Fiston Mwanza Mujila, aktueller Träger des Preises der Literaturhäuser, bei der Frage »Warum schreiben?«. Im zweiten Panel tauschen sich Alain Mabanckou, Monica Ali und Nino Haratischwili darüber aus, für wen Autor*innen schreiben. Das dritte Panel mit Sasha Marianna Salzmann, Aris Fioretos und Drago Jančar ist mit »Wer schreibt?« übertitelt. Im vierten Panel sprechen Zsófia Bán, Arnon Grünberg und Tanja Maljartschuk darüber, was Literatur heute bedeutet. Panel 1 und 2 finden am Mittwoch, Panel 3 und 4 am Donnerstag jeweils ab 19:00 Uhr statt.

Tagsüber diskutieren die zwölf Autor*innen ohne Publikum. Den Workshops zugrunde liegen Statements, die die Autor*innen im Vorfeld verfasst haben werden. Natascha Freundel und Rosie Goldsmith leiten die Diskussionen und moderieren die Abendveranstaltungen.

Weitere Informationen und Tickets unter: www.literaturhaus-hamburg.de/europa24.

 

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Albert Schäfer – Ende der Legende https://www.tiefgang.net/albert-schaefer-ende-der-legende/ Fri, 17 Mar 2023 23:55:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9831 [...]]]> Ihm zu Ehren wurde das in Vergessenheit geratene Matthiae-Mahl wieder belebt, ein Film gedreht und in Harburg ein Weg benannt. Zu viel der Ehre …

„Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956“ ist ein beeindruckendes Werk, das vom Autor Sebastian Justke sorgfältig recherchiert und detailliert präsentiert wird. Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte der Stadt Hamburg während der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Vor allem wird gut dargestellt, wie auch eine Mittäterschaft entstehen kann, in dem Netzwerke, eigene Profitinteressen und vor allem die Eigendarstellung geschickt genutzt werden. Schäfer, der 1933 in die Harburger Phoenix Gummiwerke eintrat, konnte schnell das Geschäft der Kriegswirtschaft nutzen, später dann auch der „Ostgebiete“. Den Einsatz von Zwangsarbeiter*innen aber auch das geschickte Lenken eigener Führungskräfte in den Netzwerken des Nationalsozialismus legen gut aufgearbeitet dar, wie die Wirtschaft nicht als eine Wirtschaft im Nationalsozialismus agierte, sondern die Wirtschaft des Nationalsozialismus war.

Die Karriere des Unternehmers Albert Schäfer begann im deutschen Kaiserreich, setzte sich fort in der Weimarer Republik, erhielt einen neuen Schub in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und endete schließlich in der neuen Demokratie der jungen Bundesrepublik. Besonderes Augenmerk verdienen die Jahre von 1933, als Albert Schäfer die Leitung der Phoenix Gummiwerke AG in Harburg übernahm, bis 1956, als der Unternehmer nach zehn Jahren aus dem Amt des Präses der Hamburger Handelskammer schied.

Als Vorstandsvorsitzender war Schäfer verantwortlich für die Firmenpolitik der Phoenix AG, was während der nationalsozialistischen Herrschaft die Umstellung auf Kriegswirtschaft, die „Arisierung“ von Unternehmen, den Einsatz von Zwangsarbeiter*innen sowie die Beteiligung an der Ausbeutungspolitik in den besetzten Gebieten Europas einschloss. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägte Schäfer die öffentliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Hamburg mit. Vielfache Ehrungen, die 1956 ihren Höhepunkt in der öffentlichen Inszenierung seines 75. Geburtstags und dem zu diesem Anlass wiederbegründeten Matthiae-Mahl fanden, ließen ihn auch selbst zum Gegenstand der städtischen Erinnerungskultur werden. Das Bild vom Ehrbahren Kaufmann hatte hierin einen zentralen Platz.

Der Nationalsozialismus selbst und seine „zweite Geschichte“ bilden damit den roten Faden des Buchs. Die Studie zur Unternehmerbiografie Albert Schäfers leistet einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte des „Dritten Reichs“, der Hamburger Stadtgeschichte sowie zur Erforschung der Erinnerungskultur und Geschichtspolitiken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Buch beschäftigt sich mit dem Leben und der Karriere von Albert Schäfer, einem einflussreichen Hamburger Kaufmann, der in den turbulenten Jahren des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges eine wichtige Rolle spielte. Nach dem 2. Weltkrieg schaffte er es nicht nur sich mit dem sogenannten „Persilschein“ frei von nationalsozialistischem Verdacht zu machen, sondern wurde Präses der Hamburger Handelskammer, verschaffte dieser die Erzählung alter demokratischer Werte im Handeln der „ehrbaren Kaufmänner“ und hat es bis heute geschafft, einen Mythos hanseatischen Handelns aufrecht zu erhalten. Denn anlässlich seines 75. Geburtstages wurde ein schon 200 Jahre nicht mehr praktiziertes Matthiae-Mahl wieder aufgesetzt und gilt fälschlicherweise noch heute als „das älteste noch begangene Festmahl der Welt“. Es findet Anfang März 2023 auch dieses Jahr wieder im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt.

Dem Autor Justke ist es gelungen, ein facettenreiches Bild von Schäfer und seinem Unternehmen zu zeichnen, das sich kritisch mit den komplexen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen jener Zeit auseinandersetzt und viel Stoff bietet, weitere Forschungen zu betreiben.

Insgesamt ist „Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956“ ein informatives und ergänzendes Werk, das nicht nur Historiker*innen, sondern alle Leser*innen, die an der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren weitreichenden Verästelungen interessiert sind, anspricht. Das Buch ist sorgfältig recherchiert, gut geschrieben und seine Einblicke in die komplexe Geschichte des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit sind von nachhaltigem Wert.

Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956, Forum Zeitgeschichte, Metropol Verlag, 2023, ISBN 978-3-86331-687-7; Preis: 24,- €

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Die Sichtbarkeit des kolonialen Erbes https://www.tiefgang.net/die-sichtbarkeit-des-kolonialen-erbes/ Fri, 17 Mar 2023 23:27:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9841 [...]]]> Hamburg hat nicht nur den deutschen Koloniualismus ganz wesentlich vorangetrieben. Sie hat ihn auch mit sichtbaren Spuren hinterlassen. Ein Buch lädt bald zum Stadtspaziergang …

Die Historikerin Anna Prochotta hat nicht nur in Museen gearbeitet und geforscht, sie hat auch Freischaffende selbst Stadttouren organisiert. Nun veröffentlicht sie  einen Stadtführer, der das koloniale Erbe der Stadt Hamburg zum Thema hat. Sichtbar ist ja jede Menge – wenn man es denn sehen will.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die koloniale Globalisierung in Hamburg ihren Höhepunkt: Die Speicherstadt entstand, der Hafen wurde erweitert und auf Schiffen kamen immer mehr neue Massenprodukte wie Kaffee und Kakao in die Hansestadt, während sich für die Weiterverarbeitung von Rohstoffen wie Kautschuk und Palmöl eigene Industrien bildeten. Aber nicht nur für den Warenumschlag war der Hafen ein zentraler Schauplatz, auch die Menschen wurden immer mehr von der kolonialen Mobilität erfasst: Hier kamen u.a. Äthiopier, Singhalesen und Somalier an, die in Hagenbecks »Völkerschauen« vorgeführt wurden, und von hier wurden Tausende Soldaten für den Krieg in »Deutsch-Südwestafrika« und den Völkermord an den Herero und Nama verschifft. Die Geschichten der Menschen, die in ihren Heimatländern koloniale Gewalt, Enteignung und Vertreibung erleben mussten, blieben dagegen in Hamburg weitgehend unsichtbar. Dass sich ein erheblicher Teil des Reichtums der Hansestadt auf ihr Schicksal gründete, bleibt bis heute oft ungesehen. Im Stadtbild unübersehbar sind aber die baulichen Spuren dieser Vergangenheit als Kolonialmetropole, sei es in Gestalt des MARKK, des Hauptgebäudes der Universität oder von Denkmälern und Straßennamen, in denen der Kolonialismus ein umkämpftes Nachleben führt. Dieser Stadtführer stellt die Schauplätze der kolonialen Vergangenheit Hamburgs plastisch vor Augen und führt anhand von vier Stadtteilrundgängen und zwei Radtouren zu einem verdrängten Teil der Stadtgeschichte, dessen Aufarbeitung gerade erst begonnen hat.

Das Buch:

Anna Prochetta: Koloniales Hamburg – ein Stadtführer; 200 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, erscheint April 2023, ISBN 978-3-96060-553-9, 19,90 € 

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Hamburg – Tor zur kolonialen Welt https://www.tiefgang.net/hamburg-tor-zur-kolonialen-welt/ Fri, 17 Mar 2023 23:11:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9837 [...]]]> Der Buchtitel trifft es mehr als man denkt: Hamburg diente dem Deutschen Reich als Trittbrett in den deutschen Kolonialismus und damit auch einer lange aufzuarbeitenden Geschichte …

Das Buch „Hamburg: Tor zur kolonialen Welt“ ist eine umfassende Darstellung der kolonialen Geschichte Hamburgs und ihrer Auswirkungen auf die Stadt und ihre Einwohner. Herausgegeben von Jürgen Zimmerer und Kim Sebastian Todzi und veröffentlicht im Wallstein Verlag im Jahr 2021, ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und Hamburgs.

Das Buch beleuchtet die verschiedenen Facetten des Hamburger Kolonialismus. Von der Handelskammer und dem Hafen als zentralen Institutionen der Kolonialwirtschaft und -politik bis hin zu Unternehmen wie dem Woermann-Konzern und Persönlichkeiten wie Karl Sieveking und Graf Waldersee, die sich für den Kolonialismus engagierten, werden zahlreiche Erinnerungsorte untersucht. Auch der Einfluss der Kolonialgeschichte auf Wissenschaft, Forschung, Medizin und Kunst wird behandelt.

Als wichtigster Hafen Deutschlands war Hamburg auch zentrale Kolonialmetropole. Das »Tor zur Welt« war über Jahrhunderte ein Tor zur kolonialen Welt. Man hatte Handelsbeziehungen zu Kolonialmächten und Kolonien, man handelte mit Kolonialwaren und auch mit Menschen. Diese Geschichte hat Spuren hinterlassen.
Hamburg ist voller (post-)kolonialer Erinnerungsorte, die nicht nur für die Stadtgeschichte interessant sind, sondern auch Aufschluss geben über die Geschichte der kolonialen Globalisierung.
Die untersuchten Erinnerungsorte reichen von Vorstellungswelten wie der Figur des »Hanseaten« über Institutionen der Kolonialwirtschaft und -politik wie dem Hafen oder der Handelskammer, einzelnen Unternehmen wie dem Woermann-Konzern bis zu Wissenschaft, Kultur und Kunst, etwa dem Museum für Völkerkunde (heute MARKK) oder dem Tierpark Hagenbeck und seinen »Völkerschauen«. Auch die Geschichte einzelner Denkmäler wie dem großen »Bismarck« am Hafen oder den »Askari-Reliefs« wird untersucht. Ergänzt um biographische Skizzen wird deutlich, was der Kolonialismus für Hamburg bedeutet, aber auch Hamburg für den Kolonialismus.

Besonders interessant sind die biographischen Skizzen, die dem Leser einen Einblick in das Leben und Denken einiger der wichtigsten Persönlichkeiten geben, die den Hamburger Kolonialismus geprägt haben. Die Autoren betonen jedoch auch die Kontinuität des Kolonialismus in der Nachkriegszeit und die Rolle der Stadt bei der Aufrechterhaltung kolonialer Strukturen und Stereotypen.

Insgesamt bietet das Buch eine detaillierte und umfassende Darstellung der kolonialen Geschichte Hamburgs und ihrer Auswirkungen auf die Stadt und ihre Einwohner. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und Hamburgs und sollte von jedem gelesen werden, der sich für die Geschichte der Kolonialisierung und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart interessiert.

Die Herausgeber:

Jürgen Zimmerer, geb. 1965, Professor für Globalgeschichte (Schwerpunkt Afrika) an der Universität Hamburg. 2005 bis 2017 Gründungspräsident des »International Network of Genocide Scholars (INoGS)«.
Veröffentlichungen u. a.: Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (als Hrsg, 2013); Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust (2011); Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg in Namibia (1904-1908) und die Folgen (Mithg., 2003).

Kim Sebastian Todzi, geb. 1981, Wissenschaftlicher Koordinator der Forschungsstelle »Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung«, Forschungsschwerpunkte: Verflechtungsgeschichte Westafrikas und Nordeuropas, Geschichte des globalen Kapitalismus, postkoloniale Erinnerungskulturen. Veröffentlichungen u.a.: Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung (hg. mit Jürgen Zimmerer, 2021).

Das Buch:

Jürgen Zimmerer und Kim Sebastian Todzi (Hg.): Hamburg: Tor zur kolonialen Welt – Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung
Reihe: Hamburger Beiträge zur Geschichte der kolonialen Globalisierung; Bd. 1; 591 Seiten, 99 Abb., gebunden, Schutzumschlag, erschienen November 2021

ISBN 978-3-8353-5018-2, Preis: € 32,00

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Warum Gedichte? https://www.tiefgang.net/warum-gedichte/ Sat, 21 Jan 2023 11:44:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9665 [...]]]> Sind Gedichte out oder zu mühsam? Unsere Autorin sagt nein. Aus gutem Grund …

von Ulrike Burbach

Viele Menschen machen um Gedichte einen Bogen. Oft werden diese für irgendwie unzeitgemäß gehalten, zu poetisch verklausuliert in unserer rationalen Zeit, es gilt als mühsam, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Dass sich diese Mühe lohnen kann, dass Gedichte uns bereichern und in andere Welten versetzen können, möchte ich beispielhaft an dem folgenden Gedicht zeigen. Geschrieben hat es Stefan George.

Der Herr der Insel
Die fischer überliefern dass im süden
Auf einer insel reich an zimmt und öl
Und edlen steinen die im sande glitzern
Ein vogel war der wenn am boden fussend
Mit seinem schnabel hoher stämme krone
Zerpflücken konnte – wenn er seine flügel
Gefärbt wie mit dem saft der Tyrer-schnecke
Zu schwerem niedrem flug erhoben habe
Er einer dunklen wolke gleichgesehn.
Des tages sei er im gehölz verschwunden
Des abends aber an den strand gekommen
Im kühlen windeshauch von salz und tang
Die süsse Stimme hebend dass delfine
Die freunde des gesanges näher schwammen
Im meer voll goldner federn goldner funken.
So habe er seit urbeginn gelebt
Gescheiterte nur hätten ihn erblickt.
Denn als zum ersten mal die weissen segel
Der menschen sich mit günstigem geleit
Dem eiland zugedreht sei er zum hügel
Die ganze teure stätte zu beschaun gestiegen
Verbreitet habe er die grossen schwingen
Verscheidend in gedämpften schmerzenslauten.

Warum gerade dieses Gedicht?
Zum ersten Mal MUSSTE ich es lesen, in der Schule im Deutschunterricht. Von seinem Inhalt begriff ich damals nicht sehr viel, doch schlug es mich von Anfang an mit seiner ganz besonderen Sprache in seinen Bann. Hier verstand sich jemand meisterhaft auf sprachlichen Ausdruck.
Seitdem habe ich es (freiwillig) noch viele Male gelesen, denn seine Faszination ließ auch über die Jahre nicht nach. Gerade dieses Gedicht erinnert an Musik, an Klang und Rhythmus und spricht auf diese Weise etwas in uns an, das jenseits von reiner Informationsweitergabe und logischer Aussage liegt. Es fordert etwas in uns heraus, was mit unserer Fantasie zu tun hat, mit unserer Sinnlichkeit und Erlebnisfähigkeit. Ein Gedicht wie dieses können wir erfahren. Natürlich vermitteln Gedichte neben dem rein ästhetischen Erlebnis auch einen gewissen Inhalt. Und dies auf eine ganz besondere Weise; nämlich in Wörtern, die so dicht gepackt sind, wie sonst an keinem anderen Ort der Sprache. Hier ist tatsächlich unser Scharfsinn gefragt.
Um den Inhalt eines Gedichtes besser erschließen zu können, kann es ratsam sein, z.Bsp. Über Wikipedia schnell etwas über den Autor, die Zeit, in der er lebte und die literarische Epoche, der sein Werk angehört, in Erfahrung zu bringen.
Der Herr der Insel fällt in die Zeit des Symbolismus‘ (1890 – 1920). Diese literarische Phase lässt sich als Reaktion auf die damaligen Zeitumstände verstehen, auf die zunehmende Industrialisierung, den wachsenden technischen und wissenschaftlichen Fortschritt, auf die sich ausbreitende rationale und materielle Gesinnung in der Gesellschaft. Die symbolistischen Dichter sahen diese Entwicklung eher skeptisch. Deshalb wollten sie eine eigene Kunstwelt schaffen, eine gewisse Gegenwelt sozusagen, eine symbolische Version der Wirklichkeit. Dafür verwendeten sie eine besonders schöne, sinnliche und bildhafte Sprache, wofür Georges Gedicht sicher ein gutes Beispiel ist.

Stefan George (1868 – 1933) war zunächst stark von den französischen Symbolisten um Mallarmé beeinflusst, löste sich aber später davon und suchte eigene ästhetische und philosophische Wege. Doch lässt sich Der Herr der Insel, das 1894 entstand, sicher noch zu seiner symbolistischen Phase zählen. George war ein Sprachgenie, der sich mehrere Sprachen selbst beibrachte. Er litt unter seiner Homosexualität, die damals noch als völlig verwerflich galt. Die Nazis versuchten, ihn zu vereinnahmen, doch lehnte er dies ab. Tatsächlich hat er den Widerstand gegen die Nationalsozialisten um Stauffenberg inspiriert.
In menschlicher Hinsicht mag er gelegentlich fragwürdig gehandelt haben – dies können wir kritisieren – doch ist seine Kunst unabhängig davon zu bewerten. Einen Widerspruch zwischen Werk und Mensch müssen wir als Rezipienten aushalten.

Mit diesen Hintergrundinformationen wenden wir uns nun dem Gedicht selbst zu.

Im Mittelpunkt dieses Werkes stehen eine Insel von unglaublicher Schönheit und der sagenhafte Vogel, der sie bewohnt. Fischer berichten davon; im Text steht überliefern – ein Begriff, der gleich auf einen Zusammenhang mit Legenden und Mythen verweist. Diese Insel liegt im Süden, einer Region, mit der wir Wärme, Glück und Wohlergehen assoziieren. Die Vorstellung einer Insel ruft ein Bild von Weltabgeschiedenheit und Idylle hervor.
Und tatsächlich leben keine Menschen auf dieser Insel, sondern nur ein geheimnisvoller Vogel, der unglaublich groß (und wenn am boden fussend / Mit seinem schnabel hoher stämme kronen zerpflücken konnte) und gekleidet wie ein König ist (seine flügel / Gefärbt wie mit dem saft der Tyrerschnecke). Er überblickt ein Königreich voller natürlicher Schätze (zimmt, öl, edle steine, gehölze).
Doch besitzt er sein Reich auf eine ganz besondere Art. Nicht ohne Grund hat George dort keinen Menschen als Herrscher eingesetzt. Denn dieser märchenhafte Vogelkönig giert nach nichts, er beutet seine Insel nicht aus, sondern ist – ganz im Gegenteil – eins mit seiner Welt. Seine Größe ist nicht nur körperlicher Art, sondern ebenso Bild seiner Großzügigkeit, eines Reichtums auch in seiner Art zu existieren. Der Vogel belässt diese zauberhafte Insel so, wie sie immer gewesen ist (so habe er seit urbeginn gelebt).
Seine Sprache ist der Gesang, von dem Geschöpfe angezogen werden, die diese Sprache verstehen und lieben, die die Schönheit und Vollkommenheit der Umgebung zu schätzen wissen. Auch diese Wesen sind keine Menschen, sondern Delfine, von denen ebenfalls keine Bedrohung ausgeht (Die süsse stimme hebend dass delfine / Die freunde des gesanges näher schwammen / Im meer voll goldner federn goldner funken).
Über eine lange Zeit hinweg konnten nur Gescheiterte dieses Paradies erblicken, Menschen, die in ihrem Leben Schiffbruch erlitten haben und deshalb ihre Hoffnungen auf etwas Höheres setzen müssen. Als endlich die Menschen es schafften, zu dieser sagenhaften Insel vorzudringen, nehmen die Dinge ihren gewöhnlichen Lauf: nun ist es vorbei mit all dieser Herrlichkeit. Im letzten Augenblick nimmt der Vogel Abschied von ihr. Sein Tod vollzieht sich unbemerkt und ohne große Klage (Verscheidend in gedämpften schmerzenslauten). Die Menschen werden nie wissen, was sie angerichtet haben.
Das Gedicht besteht aus einer einzigen langen, 23 Zeilen umfassenden Strophe, in der der Inhalt in einer streng geformten Sprache dennoch auf das Anschaulichste präsentiert wird. Wir finden keine Reime vor, eine Zeile fließt inhaltlich in die nächste über, was man in der Fachsprache Enjambement nennt. Auf diese Weise wird der Leser fortlaufend durch das Geschehen gezogen bis hin zu seinem bitteren Ende.

Was hat uns dieses Gedicht heute noch zu sagen?

Zu Georges Zeiten hat es noch keine Umweltbewegung im heutigen Sinne gegeben und wir dürfen sein Anliegen nicht mit unseren derzeitigen verwechseln. Doch war George ein Naturliebhaber – vielleicht in einem etwas umfassenderen Sinne als in unserer aktuellen Konzentration auf den Naturschutz. In seinem Gedicht erscheint die Natur als eine alte Ordnung, die zu stören Unglück und Tod mit sich bringt. Zudem wollte der Dichter, der auf Menschen nicht gut zu sprechen war, auch etwas über die problematische menschliche Natur zum Ausdruck bringen, die Habsucht und Besitzgier, die zuviel von dem zerstört, das wir eigentlich in unserem eigenen Interesse erhalten müssten. In diesem Sinne halte ich das Werk für hochmodern.
Und was Gedichtinterpretationen anbelangt: könnten sie in einer ökologischeren und weniger materiell ausgerichteten Gesellschaft nicht eine sinnvolle Beschäftigung darstellen?

Literatur:
1) Hans Dieter Gelfert: Wie interpretiert man ein Gedicht? (Reclam)
2) Deutsche Gedichte, eine Anthologie (Reclam)
3) Wikipedia: Stefan George
4) Wikipedia: Symbolismus

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Mit dem Rucksack zur Frühbildung https://www.tiefgang.net/mit-dem-rucksack-zur-fruehbildung/ Fri, 06 Jan 2023 23:00:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9616 [...]]]> Lesen aber auch Vorlesen ist erwiesener Maßen ein Grundbaustein für die Bildung. In Butxehude hat man mit dem „Butxehuder Kälbchen“ eine besonders schöne Idee gefunden, Kinder an die Welt der Bücher heranzuführen. Jetzt startet wieder die Tour durch die Kindertagesstätten …

Jedes Kind in Buxtehude kennt und liebt das Buxtehuder Kälbchen. Viele Kinder lernen es bereits beim Kälbchentreff in der Stadtbibliothek kennen, bevor es mit einem prall gefüllten Rucksack voller wunderschöner Bilderbücher durch die Buxtehuder Kindertagesstätten reist. Im Januar 2023 bereits zum zehnten Mal!

Ab Montag (9. Jan) startet wieder die Tour der sogenannten „Rucksackbibliothek“. Die zehn Bilderbücher, die sich in den Rucksäcken befinden, wurden im Vorfeld sorgfältig ausgewählt. Erziehende und Mitarbeitende der Stadtbibliothek haben sich viel Mühe gegeben, um die zehn schönsten, lustigsten, wertvollsten oder anrührendsten Bilderbücher aus den letzten zwei Jahren auszusuchen.
Diese Bücherauswahl wird vom Buxtehuder Kälbchen reihum durch die 20 Buxtehuder Kindertagesstätten getragen, wo die Kinder sich spielerisch mit den Büchern beschäftigen. Jede Kindertagesstätte wählt aus der Auswahl ihr besonderes Lieblingsbuch aus, bevor der Rucksack in die nächste Einrichtung weiterwandert. Die Kinder lernen so die Freude an Geschichten kennen, üben das Zuhören und das kreative Gestalten mit dem Gehörten.
Seit 2017 dotiert die Hansestadt Buxtehude dank der Unterstützung des Rotary Clubs Buxtehude den Gewinn des Bilderbuchpreises Buxtehuder Kälbchens neben der beliebten Handpuppe auch mit 2000 Euro und trägt damit weiter zur nationalen Anerkennung des beispielhaften Leseförderungsprojektes bei.
Im Jahr 2013 wurde die Rucksackbibliothek sogar mit dem Deutschen Lesepreis der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung ausgezeichnet.

Diese Bücherauswahl wird vom Buxtehuder Kälbchen reihum durch die 20 Buxtehuder Kindertagesstätten getragen, wo die Kinder sich spielerisch mit den Büchern beschäftigen. Alle zwei Jahre nämlich bekommen Buxtehudes Kita-Kinder Besuch von dem Nachwuchs des Buxtehuder Bullen (Jugendliteraturpreis). Das Kälbchen steckt als kleines Kuscheltier in der sogenannten Rucksackbibliothek. Jede Kindertagesstätte bestimmt aus der Auswahl ihr Lieblingsbuch, dann wandert der Rucksack in die nächste Einrichtung weiter. Die Kinder lernen so die Freude an Geschichten kennen, üben das Zuhören und das kreative Gestalten mit dem Gehörten.

Die Rucksackbibliothek umfasst dieses Jahr:

  • „Wir alle“ von Daniela Kunkel, erschienen im Carlsen Verlag,
  • „Huhu, Herr Schuhu“ von Helen Stephens, Betz,
  • „Glitzer für alle!“ von Milena Baisch und Eefje Kuijl, Penguin Junior,
  • „Freunde“ von Deborah Marcero, Adrian & Wimmelbuchverlag,
  • „Ich bin Mari“ von Shari & André Dietz und Saskia Gaymann, arsEdition,
  • „Der Dachs hat heute Langeweile“ von Moritz Petz und Amélie Jackowski, NordSüd,
  • „Mein Elefant ist traurig“ von Melinda Szymanik und Vasanti Unka, cbj,
  • „Ich will so sein wie Du“ von Britta Sabbag und Igor Lange, arsEdition,
  • „Zum Gefurztag viel Glück“ von Martin Fuchs und Marina Halak, Betz,
  • „Die Wasserschweine im Hühnerhof“ von Alfredo Soderguit, Atlantis.

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Kindern vorzulesen ist wichtiger denn je https://www.tiefgang.net/kindern-vorzulesen-ist-wichtiger-denn-je/ Fri, 11 Nov 2022 23:43:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9472 [...]]]> Wem vorgelesen wird, liest später selbst gerne vor. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die jetzt vom Bundesbildungsministerium veröffentlicht wurde.

In der Pressemitteilung dazu heißt es:  

„Vorlesemonitor 2022“ Kindern vorzulesen ist wichtiger denn je

Die Bedeutung des Vorlesens für den Bildungserfolg von Kindern soll bei Eltern und der gesamten Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit bekommen – so die Schlussfolgerung aus dem „Vorlesemonitor 2022“. Danach lesen immer weniger Eltern ihren Kindern vor. Das Bundesbildungsministerium unterstützt Initiativen zur Vorlese- und Leseförderung. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer selbst in der eigenen Kindheit zuhause Vorlesen erlebt hat, liest den eigenen Kindern später mit höherer Wahrscheinlichkeit vor als wenn die eigene Erfahrung fehlt. 

Foto: Jennifer Braun

Was steckt hinter dem „Vorlesemonitor 2022“?

Es handelt sich um eine Bildungsstudie der Stiftung Lesen, der „Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung – unterstützt vom Bundesbildungsministerium. Die Ergebnisse wurden am Montag in Berlin vorgestellt.  Für den „Vorlesemonitor 2022“ wurde die Vorlesepraxis in Familien mit Kindern im Alter von ein bis acht Jahren untersucht. Insgesamt wurden deutschlandweit 800 Familien in persönlichen Interviews befragt.

Die Studie zieht auch Rückschlüsse zu Umfrage-Ergebnissen der vergangenen Jahre. Zudem analysiert der Monitor Vorlesebiografien und Risikofaktoren – und macht Angaben, wie viel Vorlesestoff in den Familien vorhanden ist. Dabei werden analoge und digitale Angebote einbezogen.

Wie sind die wichtigsten Ergebnisse?

Der „Vorlesemonitor 2022“ zeigt unter anderem, dass 39 Prozent der 1- bis 8-jährigen Kinder selten oder nie vorgelesen wird. 2019 lag der Anteil bei 32 Prozent. Viele Eltern fangen mit oder nach dem zweiten Geburtstag der Kinder vergleichsweise spät mit dem Vorlesen an. Den meisten 3- bis 5-Jährigen wird laut Studie zu Hause vorgelesen. Spätestens mit dem Eintritt in die Schule lesen Eltern aber deutlich seltener vor. Vor allem Eltern mit formal geringer Bildung sind wenig aktiv. Mehr als die Hälfte von ihnen liest ihren Kindern selten oder nie vor.

Ergebnis ist zudem: Wer selbst in der eigenen Kindheit zuhause Vorlesen erlebt hat, liest den eigenen Kindern später mit höherer Wahrscheinlichkeit vor als wenn die eigene Erfahrung fehlt. Das zeigt sich tendenziell auch bei Erwachsenen mit formal geringer Bildung.

Was hat außer dem Bildungsstand der Eltern Einfluss auf das „Vorlese-Verhalten“?

Ein weiterer Aspekt ist, wie viel Vorlesestoff vorhanden ist. Je mehr Kinderbücher im Haushalt vorliegen, desto regelmäßiger lesen Eltern ihren Kindern vor und geben frühe Impulse für das (Vor-) Lesen weiter. So haben 44 Prozent der befragten Familien maximal zehn Kinderbücher im Haus. Die Auftraggeber der Studie halten es daher für dringend geboten, dass Bücher besser für alle Familien verfügbar sind.

Auch digitale Vorlesematerialien können dazu beitragen, dass Vorlesen und Lesen in mehr Familien stattfindet. 34 Prozent der Kinder nutzen digitale Bücher oder Kinderbuch-Apps – unabhängig davon, ob die Eltern regelmäßig vorlesen oder nicht.

Warum ist regelmäßiges Vorlesen so wichtig?

„Regelmäßiges Vorlesen ist nicht nur förderlich für die späteren Sprach- und Lesekompetenzen, sondern auch für die Fantasie und stärkt zudem die Eltern-Kind-Beziehung.“ Das betonte Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Vorlesen sei somit ein überaus wichtiges Element früher Bildungsförderung. Laut dem Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Maas, eröffnet Vorlesen „Kindern die Welt der Geschichten und legt wie keine andere Aktivität den Grundstein für Bildung und Zukunftschancen“.

Wie unterstützt der Bund Vorlese- und Leseförderung?

Der Bund fördert die Bemühungen für mehr Vorlese -und Leseaktivitäten mit einer Reihe von Maßnahmen und Initiativen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Jens Brandenburg, ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Lesen. Mit der Stiftung arbeitet der Bund auch bei der Initiative „Lesestart 1-2-3“ zusammen. Dabei wird Eltern für deren Kinder in den ersten drei Lebensjahren jeweils ein Buchgeschenk in Form von Lesestarts-Sets zur Verfügung gestellt. Das Bundesbildungsministerium fördert die Initiative seit 2011.

Mit der Informationskampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ will der Bund Menschen aller Altersgruppen und Bildungsvoraussetzungen erreichen. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Kampagne auf Hausarztpraxen. Denn Beipackzettel verstehen, oder sich über gesunde Ernährung und Bewegungsangebote informieren, ist für viele nur schwer möglich. Rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht oder kaum lesen und schreiben.“

Zur Studie Vorlesemonitor 2022 hier: www.stiftunglesen.de

 

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„Politik ist gefragt“ https://www.tiefgang.net/politik-ist-gefragt/ Fri, 08 Jul 2022 22:28:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9196 [...]]]> Pandemie, Papierkrise, Konsumflaute – Der deutsche Buchmarkt bewegt sich in unruhigen Zeiten.

Buchhandlungen und Verlage haben die Corona-Krise bisher mit großem Einsatz, Innovationsgeist und Kund*innennähe gemeistert. Der Gesamtumsatz der Branche stieg 2021 um 3,5 Prozent. Die vergangenen beiden Jahre haben die Branche wirtschaftlich dennoch stark gefordert. Nun steht sie durch Beschaffungsengpässe, steigenden Kostendruck und die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine vor neuen Hürden. Das schlägt sich bereits in der Halbjahresbilanz 2022 nieder. Nach den ersten sechs Monaten beläuft sich der Umsatzrückstand im Buchhandel vor Ort auf 11,1 Prozent und über alle Absatzwege (u.a. inkl. Online-Handel) auf 3,0 Prozent gegenüber 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie. Diese und weitere Wirtschaftszahlen stellte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels heute vor.

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins: „Die Buchbranche hat sich in der Corona-Krise bewährt. Buchhandlungen und Verlagen ist es dank hoher Resilienz, kreativer Lösungen und ausgeprägter Digitalkompetenz gelungen, Menschen für das Lesen zu begeistern und sie, auch dank stabiler Logistik, trotz langer Lockdowns mit Büchern zu versorgen. Es stimmt mich zuversichtlich, dass gerade bei jungen Leser*innen die Nachfrage nach Büchern groß war.“

Trotz der positiven Umsatzbilanz im letzten Jahr habe die Corona-Pandemie Buchhandlungen und Verlage wirtschaftlich stark belastet. Schmidt-Friderichs: „Die wachsenden Online-Umsätze der Buchhandlungen sind durch hohe Kosten für die logistische Abwicklung erkauft; das verringerte bei vielen die Erträge, was in einer ohnehin margenschwachen Branche stark ins Gewicht fällt. Menschen kauften zudem gezielter und griffen häufiger zu Bestsellern und bekannten Autor*innen. Die Inspiration, die Kund*innen auch neue, unbekannte Titel entdecken lässt, fehlte aufgrund monatelang geschlossener Buchhandlungen. Das ist beunruhigend für die große Vielfalt, die den deutschen Buchmarkt auszeichnet. In Zeiten knapper Budgets setzen auch Verlage eher auf ,sichere‘ Titel – das Abseitige, Mutige, Innovative kommt dann manchmal zu kurz. Die Wiederkehr von Präsenzveranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse ist für die Branche essenziell; sie steigern die öffentliche Aufmerksamkeit für Bücher und sind für die Geschäfte und Netzwerke in der Branche unersetzbar.“

Krisen nehmen 2022 zu – Unterstützung der Politik gefragt

Durch die Pandemie wirtschaftlich geschwächt trifft die Buchbranche im Jahr 2022 auf weitere Krisenfaktoren. Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins: „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen erschüttern die Menschen und führen zu einer drastischen Verunsicherung und Konsumeinschränkung. Es zeichnet sich mehr und mehr ab, dass sich die allgemeine Kaufzurückhaltung auch im Buchhandel niederschlägt. Daneben setzen steigende Kosten und Beschaffungsengpässe etwa beim Papier Verlage und Buchhandlungen unter Druck.“

Die GfK attestiert im Juni 2022 dem Konsumklima ein neues Allzeittief. Die Frequenz in den Innenstädten liegt aktuell noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Daneben verzeichnen die Unternehmen der Buchbranche signifikante Preisanstiege bei Energie, Rohstoffen und Personal. Laut Statistischem Bundesamt sind die Druckkosten für Bücher im Mai 2022 um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Dezember 2021 waren es noch 3,8 Prozent. Der Preis für grafische Papiere und Pappen steigt ebenfalls und lag im Mai 2022 58,2 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Wenn die Buchbranche weiterhin ihren wichtigen kulturellen und gesellschaftlichen Auftrag in der Gesellschaft erfüllen soll, müsse die Politik zügig handeln. Kraus vom Cleff: „Angesichts einer Wirtschaftskrise von diesem historischen Ausmaß ist die Politik gefragt, betroffene Branchen zu unterstützen. Für die Buchbranche wäre etwa die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Bücher auf null Prozent bei vollem Vorsteuerabzug, wie sie durch die EU-Gesetzgebung jetzt möglich ist, eine große Hilfe. Um die Vielfalt auf dem Buchmarkt aufrechtzuerhalten, sind auch strukturelle Förderungen vonnöten. Darüber hinaus brauchen wir durchdachte und finanziell gut ausgestattete Programme für die Belebung der Innenstädte, wie sie etwa der Deutsche Kulturrat zusammen mit einer Verbändeallianz aktuell fordert. Als kulturelle Anziehungspunkte und Dritte Orte par excellence können Buchhandlungen bei der Revitalisierung der Stadtzentren eine wichtige Funktion übernehmen.“

Die Zahlen 2021 im Überblick

Die Branche erwirtschaftete 2021 einen Gesamtumsatz von insgesamt 9,63 Milliarden Euro (2020: 9,30 Milliarden Euro). Der stationäre Buchhandel blieb mit 3,76 Milliarden Euro und einem Anteil von 39,1 Prozent der größte Vertriebsweg für Bücher. Allerdings ging der Umsatz vor Ort um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, und sogar um 12,3 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019. Weiterhin wachsend ist der Umsatz des Internetbuchhandels, von dem etwa die Hälfte auf die Online-Shops der Buchhandlungen entfällt: Die Umsätze stiegen 2021 um 16,2 Prozent von 2,24 auf 2,61 Milliarden Euro. Der Umsatzanteil des Internetbuchhandels am Gesamtmarkt lag damit 2021 bei 27,1 Prozent (2020: 24,1 Prozent). Ein Blick auf den Publikumsbuchmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) zeigt: Der Buchhandel vor Ort hat beim Online-Geschäft während der beiden Pandemie-Jahre am deutlichsten zugelegt. Mit 43,7 Prozent lag die Zuwachsrate bei den buchhändlerischen Webshops 2021 im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau mehr als doppelt so hoch wie bei Amazon mit 18,4 Prozent.

Die positive Umsatzbilanz 2021 schlägt sich in fast allen Publikums-Warengruppen nieder. Die mit 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr größten Zuwächse verzeichnete die Belletristik. Mit einem Umsatzanteil von 31,9 Prozent bleibt sie die wichtigste Warengruppe. Auch Kinder- und Jugendbücher (+4,4 Prozent), Sachbücher (+3,0 Prozent) und Ratgeber (+0,5 Prozent) legten zu. Reisebücher verbuchten ein kleines Minus von 0,4 Prozent.

Die Buchkäufe im vergangenen Jahr konzentrierten sich stärker auf Bestseller: Während die Gesamtabsätze um 3,0 Prozent zurückgingen, stieg der Absatz der Top-Titel auf der Bestsellerliste – also der meistverkauften Titel – deutlich an. Insgesamt nahm der Absatz der Top-10-Titel um 23,6 Prozent zu, in der Belletristik waren es sogar fast 40 Prozent.

Die Nachfrage nach digitalen Buchformaten stieg auch im zweiten von Lockdowns und Ladenschließungen geprägten Jahr weiter. Besonders deutlich wuchs der Markt der Hörbuch-Downloads mit einem Plus von 20,4 Prozent. Die Zahl der Abonnements, also Flatrate-Angebote für E-Books und Hörbücher, verbuchte mit 24,1 Prozent ebenfalls große Zuwächse. Der Umsatz der E-Book-Downloads am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) stieg im zweiten Pandemiejahr nur noch leicht um 3,2 Prozent, ihr Umsatzanteil am Publikumsmarkt lag bei 5,7 Prozent (2020: +16,2 Prozent auf 5,8 Prozent).

Die Zahl der Buchkäufer*innen ging 2021 weiter zurück: Rund 27,0 Millionen Menschen erwarben Bücher, das sind 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Diejenigen, die Bücher kauften, intensivierten aber ihre Käufe. Am deutlichsten steigerten in der Pandemiezeit die 10- bis 19-Jährigen ihre Ausgaben, nämlich um 26,9 Prozent zwischen 2019 und 2021. Außerdem ist die durchschnittliche Kaufintensität bei der jüngsten Käufer*innengruppe deutlich angestiegen von im Schnitt 6,8 Büchern im Jahr 2019 auf 8,0 Bücher 2021.

Die Zahl der Erstauflagen der Verlage ging 2021 deutlicher zurück als in den Vorjahren. Sie sank von 69.180 im Jahr 2020 auf nun 63.992 Titel – das entspricht einem Minus von 7,5 Prozent. Besonders stark war der Rückgang in einigen Wissenschaftsbereichen. Überdurchschnittlich sanken außerdem die Kinder- und Jugendbücher (-9,2 Prozent), weniger stark Belletristik-Titel (-3,1 Prozent). Der Anteil der Übersetzungen an den Erstauflagen stieg zwar gegenüber dem Vorjahr von 13,2 auf 13,6 Prozent leicht an, bleibt über die Jahre jedoch konstant. Im Jahr 2021 erschienen insgesamt 8.703 Titel aus anderen Sprachen (2020: 9.164) neu auf dem deutschen Buchmarkt. Der Lizenzverkauf deutscher Verlage ins Ausland stieg nach einem leichten Knick im Jahr 2020 um 2,4 Prozent von 7.597 auf 7.777 Titel an. Die beiden wichtigsten Warengruppen im deutschen Lizenzgeschäft legten deutlich zu: die Kinder- und Jugendbücher um 10,8 Prozent, die Belletristik um 9,9 Prozent.

Quellen und weitere Informationen

Die Zahlen zu den Anteilen und Umsatzveränderungen der Warengruppen sowie zur Absatzentwicklung 2021 und zur Umsatzentwicklung 2022 stammen aus dem Handelspanel von Media Control. Die Käufer*innenzahlen, die Daten zur Entwicklung der Online-Shops, E-Books und Hörbücher basieren auf dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch. Die Daten zur Papier- und Druckkostenentwicklung stellt das Statistische Bundesamt zur Verfügung.
Zahlen und Daten des Buchmarkts 2021 werden zusammengefasst in der Publikation „Buch und Buchhandel in Zahlen 2022“, die vom Börsenverein herausgegeben wird und im August im Verlag des Technologie- und Informationsanbieters MVB erscheint.

Alle aktuellen Zahlen zum deutschen Buchmarkt sind unter www.boersenverein.de/buchmarkt abrufbar.

Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

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Auf zum Sachbuchpreis! https://www.tiefgang.net/auf-zum-sachbuchpreis/ Fri, 22 Apr 2022 22:17:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8982 [...]]]>

Am 3. November wird in Göttingen wieder der NDR Sachbuchpreis verliehen, mit dem der NDR seit 2009 das beste in deutscher Sprache verfasste Sachbuch des Jahres auszeichnet. Verlagshäuser können ab sofort ihre Titel einreichen.

Der NDR ehrt mit seinem Preis Sachbücher, die sich zukunftsrelevanten Themen aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Politik, Forschung und Wissen widmen. Zur Teilnahme berechtigt sind Verlagshäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sie können bis zu zwei Titel einreichen, die im Zeitraum vom 16. Oktober 2021 bis 15. Oktober 2022 erschienen sind. Eigenbewerbungen von Autor:innen sind nicht möglich, ebenso sind Fachbücher, Ratgeber und Bildbände von der Preisvergabe ausgeschlossen. Einreichungen sind bis zum 1. Juli 2022 an ndr-sachbuchpreis@ndr.de möglich.

Ausgezeichnete Wissensvermittlung

Aus allen Einreichungen wählt die Nominierungskommission zehn Titel für die Longlist, anschließend nominiert die NDR Sachbuchpreis Jury drei Titel für die Shortlist und kürt daraus den Siegertitel. Dieser wird als herausragende Autor:innenleistung geehrt, die gesellschaftlich, kulturell oder wissenschaftlich relevante Themen für ein breites Publikum öffnet und zum Diskurs anregt. Dotiert ist der NDR Sachbuchpreis mit 15.000 Euro.

Starke Partnerschaften

Wie bereits im Vorjahr, wird der NDR Sachbuchpreis erneut im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes verliehen. Das bekannte und beliebte Fest der Gegenwartsliteratur bietet den perfekten Rahmen für die Verleihung. Ebenfalls wieder als Partner mit dabei ist das Göttinger Life-Science-Unternehmen Sartorius, das zum zweiten Mal seinen LifeScienceXplained-Preis vergeben wird. Dieser zeichnet junge Wissenschaftler:innen aus, die formatunabhängig komplexe Inhalte der Lebenswissenschaften einfach und gut begreiflich machen. Dotiert ist er mit 10.000 Euro.

weitere Informationen: www.ndr.de/kultur/sachbuchpreis

 

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Der Zenit des E-Books? https://www.tiefgang.net/der-zenit-des-e-books/ Fri, 25 Mar 2022 23:55:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8880 [...]]]> Nachdem die Corona-Pandemie im Jahr 2020 für deutliche Zuwächse auf dem E-Book-Markt gesorgt hatte, ließ das Wachstum 2021 nach.  Das vermeldetder Deutsche Börsenverein und unterlegt es mit Zahlen.

Der Umsatz mit E-Books auf dem Publikumsbuchmarkt stieg gegenüber dem Vorjahr nur noch um 3,2 Prozent (2020: +16,2 Prozent). Der Umsatzanteil der E-Books am Publikumsbuchmarkt ging um 0,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent zurück. Insgesamt wurden 38 Millionen E-Books verkauft, ein Plus von 6,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2020 war der Absatz noch um 10,8 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Käufer*innen 2021 auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gesunken. Nachdem das Vorjahr einen Zuwachs an Käufer*innen von 3,3 Prozent gebracht hatte, sank deren Zahl 2021 um 10,2 Prozent von rund 3,8 Millionen auf rund 3,4 Millionen.

Trotz des Rückgangs an Käufer*innen sind Umsatz und Absatz leicht gestiegen, da die Kaufintensität zugenommen hat. Die Käufer*innen erwarben im vergangenen Jahr pro Kopf mehr E-Books und gaben auch mehr dafür aus: Mit 11,3 E-Books kauften sie im Schnitt mehr Titel als 2020 (damals 9,6 Stück). Die Ausgaben insgesamt pro Käufer*in stiegen um 14,8 Prozent auf 72,74 Euro. Pro gekauften Titel gaben sie jedoch weniger aus als im Vorjahr, nämlich 6,45 Euro (2020: 6,63 Euro).

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels meldet in Kooperation mit GfK Entertainment halbjährlich die Entwicklung auf dem E-Book-Markt. Die Hochrechnungen der E-Book-Absätze und -Umsätze stammen aus dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch mit insgesamt 20.000 Personen. Sie sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab zehn Jahren, für insgesamt 66,5 Mio. Menschen. Erfasst werden alle Käufe einzelner E-Books ab einem Verkaufspreis von 0,49 Euro.

Eine Übersicht über die Zahlen ist abrufbar unter www.boersenverein.de/ebook-markt.

Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

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