Ideen (geplant) https://www.tiefgang.net Wed, 22 Jul 2026 14:32:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Ökologie, Porzellan und Projektile https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/ https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/#respond Wed, 22 Jul 2026 14:32:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14253 [...]]]> Wenn zeitgenössische Kunst den harten Boden wissenschaftlicher Realität berührt, entstehen oft jene unbequemen, eindringlichen Resonanzräume, die den Status quo unserer Gegenwart befragen. Nun stellt Swaantje Güntzel ihren „Stand der Dinge“ vor …

Schloss Agathenburg, das traditionsreiche Mehrspartenhaus im nördlichen Niedersachsen, bietet mit der umfassenden Einzelausstellung Stand der Dinge der Hamburger Konzeptkünstlerin Swaantje Güntzel einen solchen Ort. Es ist die erste große institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Niedersachsen – und sie beginnt buchstäblich auf einem Scherbenhaufen.

Bereits im Vorfeld der Eröffnung sorgte nämlich eine radikale Kunstaktion für Aufsehen: Güntzel zerschoss mit einem Luftgewehr historische Grönland-Sammelteller aus blau-weißem Porzellan. Die filigranen Teller, versehen mit idyllischen Motiven der arktischen Insel, stehen symbolisch für eine Region, die wie keine andere unter den verheerenden Folgen der globalen Erderwärmung leidet. Indem die Künstlerin sie mit Projektilen zerstört und die Videodokumentation samt der Scherben in den Ausstellungsräumen versammelt, führt sie die physische Zerstörung der Natur unmittelbar vor Augen. Es ist ein Akt der ästhetischen Gewalt, der die fragile Balance zwischen menschlichem Konsum und ökologischem Kollaps unmissverständlich greifbar macht.

Swaantje Güntzel setzt sich seit über zwanzig Jahren intensiv mit den Krisenfeldern des Anthropozäns auseinander: Klimawandel, Umweltverschmutzung und das anhaltende Artensterben bilden die thematischen Koordinaten ihres Schaffens. Ihre Installationen, Fotografien, Performances und Videos entstehen dabei selten im isolierten Studio. Stattdessen arbeitet sie eng mit renommierten wissenschaftlichen Institutionen wie dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven oder der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zusammen.

In Stand der Dinge verdichten sich diese Kooperationen nun zu einer raumgreifenden, episodisch strukturierten Erzählung. Güntzel überführt wissenschaftliche Daten, historische Postkarten und materielle Fundstücke aus dem Polarmeer – wie Plastikrückstände – in poetische und zugleich drastische Bildkonstellationen. Neu ist dabei eine tiefgreifende persönliche Dimension: Erstmals verarbeitet die Künstlerin in ihren Arbeiten auch Erfahrungen mit öffentlicher Ablehnung und Bedrohungen, womit sie die Ausstellung um eine sensible Reflexion über die prekären Bedingungen künstlerischer Freiheit in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft erweitert.

Getreu ihrem interdisziplinären Ansatz ist die Ausstellung auf Schloss Agathenburg auch in ein vielschichtiges Rahmenprogramm eingebettet, das den Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit sucht. So diskutiert die Konzeptkünstlerin am 02.08. mit der Nachhaltigkeitsforscherin Dr. Anne Chahine vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) in Potsdam über unterschiedliche Zugänge zu gesellschaftlichen und ökologischen Krisen. Moderiert wird das Gespräch von der Kuratorin der Ausstellung, Claudia Rasztar. Am 14.08. ist Frei-Tag: An diesem Tag ist der Eintritt für Schloss und Ausstellung bei verlängerten Öffnungszeiten (14 bis 20 Uhr) kostenfrei. Zur Tandem-Führung lädt das Schloß am 21.08: Güntzel führt gemeinsam mit der bekannten Polar- und Tiefseeforscherin Dr. Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut durch die Schau. Und für Schulen gibt es eine Projektwoche vom 24. bis 27.08. Unter dem Titel Kunst trifft Klimarealität lädt das Schloss Schulklassen ab der 10. Jahrgangsstufe zu einem kostenfreien Vermittlungsangebot mit der Kunstvermittlerin Lola Barnickel ein.

SWAANTJE GÜNTZEL: STAND DER DINGE | noch bis 13. September 2026

Schloss Agathenburg, Hauptstraße 45, 21684 Agathenburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr; Eintritt: Regulär 6,00 Euro, ermäßigt 4,00 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei; www.schlossagathenburg.de


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Neue ´Art Week` kommt https://www.tiefgang.net/neue-art-week-kommt/ https://www.tiefgang.net/neue-art-week-kommt/#respond Wed, 15 Jul 2026 14:01:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14179 [...]]]> Hamburg bekommt Zuwachs im Kulturkalender und die Erwartungen sind groß: Im September soll das neue Veranstaltungsformat „Hamburg Art Week“ die Kunstszene Hamburgs pushen.

Mit der ersten Hamburg Art Week, die vom 3. bis zum 6. September 2026 unter dem programmatischen Titel „Crossing Currents“ stattfindet, soll die Hansestadt endlich eine Plattform erhalten, die ihre vielfältige Kunstlandschaft medial bündelt und weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlen lässt. Es ist ein längst überfälliges Unterfangen, denn die Zeit erfordert neue Formate, um in einer überfluteten Medienlandschaft überhaupt noch durchzudringen. Die Hamburg Art Week soll die Kraft der bildenden Kunst in der Stadt bündeln und für ein breites Publikum sichtbar machen.

Das Versprechen ist groß: Mit 18 Museen, über 44 Galerien und 42 Off-Spaces soll das Event zu einer „Founding Edition“ heranwachsen, die Hamburg als Ganzes begreift. Doch bei aller Begeisterung für das neue Format stellt sich eine entscheidende Frage: Wie sehr wird dieses „Crossing Currents“ seinem Namen gerecht werden, wenn es um die geografische Ausdehnung der Kunst geht?

Denn die Kunstszene Hamburgs endet keineswegs an den Elbbrücken. Gerade im Süden der Stadt blüht eine Szene, die schon seit Jahren mit dem Label „SuedArt“ erfolgreich einen Prototypen für gemeinschaftliche Sichtbarkeit etabliert hat. Von der renommierten Falckenberg-Sammlung in den Phoenix-Hallen über den experimentierfreudigen Kunstverein Harburger Bahnhof bis hin zum Informationszentrum Hanne Darboven – der Süden ist kein kultureller Randbezirk, sondern ein Zentrum für visionäre Kunst.

Es bleibt daher spannend, inwieweit die neue Hamburg Art Week die gewachsenen Strukturen des Südens in ihr Programm integriert und ob die „kreuzenden Strömungen“ tatsächlich auch die Elbe überqueren. Ein Festival, das Hamburgs Kunstszene ernsthaft kartieren will, sollte die kreative Energie von Harburg und Wilhelmsburg nicht ignorieren. „Ein solches gemeinsames Format fehlte Hamburg bisher, um die verschiedenen Akteur:innen der bildenden Kunst zusammenzubringen und die Stadt in einen Raum der Begegnung zu verwandeln“, so verlautet es in den ersten Ankündigungen.

Noch sind die konkreten Programmpunkte weitgehend geheim, was die Spannung in der Szene weiter anheizt. Um das Projekt mit einem klaren Gesicht zu versehen, stützt sich die Hamburg Art Week aber auf ein Team aus profilierten Köpfen, die tief in der Hamburger Kunstszene verwurzelt sind. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Jessica Nupen, die als Kuratorin und Choreografin eine interdisziplinäre Perspektive einbringt, unterstützt von der Kunst- und Kulturmanagerin Fanny Roy. Initiiert wurde das Vorhaben durch Luise Nagel, Managing Partnerin der renommierten Produzentengalerie Hamburg, und Anna Nowak, die als Geschäftsführerin und Künstlerische Leitung des Kunsthauses Hamburg fungiert. Gemeinsam mit einem in Hamburg ansässigen Team gestalten sie die Vision und die kuratorische Ausrichtung der Art Week. Ihre Rollen als Kuratorinnen und Vermittlerinnen im Hamburger Kunstbetrieb garantieren, dass die Art Week nicht nur als bloßes Marketinginstrument fungiert, sondern einen tatsächlichen inhaltlichen Mehrwert für die lokale Kunstwelt generiert. Durch ihre Arbeit an der Schnittstelle von kommerziellem Galeriebetrieb, institutioneller Präsentation und freier Kunstproduktion verfügen sie über das notwendige Gespür, um die unterschiedlichen Strömungen – vom Alsterufer bis weit hinein in den Süden – in ein kohärentes Gesamtprogramm zu übersetzen.

Man darf dennoch gespannt sein, ob die Kuratierung gelingt, ohne dabei die lokalen Identitäten zu verwässern. Der Erfolg dieses Vorhabens wird davon abhängen, ob es gelingt, die ganze Stadt – von den großen Häusern in der City bis zu den versteckten Juwelen im Süden – unter einem Dach zu vereinen. Es wäre ein starkes Signal für die kulturelle Einheit einer Stadt, die sich ihrer eigenen Vielfalt oft erst noch bewusst werden muss.

Hamburg Art Week – „Crossing Currents“ | 3. bis 6. September 2026 | hamburgartweek.com

18 Museen, 44 Galerien, 42 Off-Spaces; Partner: Behörde für Kultur und Medien, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Michael Otto Stiftung, M.M.Warburg & CO


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St. Paulis Beton-Ikone erneuert ihre Haut https://www.tiefgang.net/st-paulis-beton-ikone-erneuert-ihre-haut/ Tue, 16 Jun 2026 22:38:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14020 [...]]]> Es gibt Orte in Hamburg, an denen die Fassade mehr erzählt als das, was sich dahinter abspielt. Das Gruenspan an der Großen Freiheit ist so ein Ort.

Seit 1969 fungiert das rund 600 Quadratmeter große Wandbild von Dieter Glasmacher und Werner Nöfer als visuelles Manifest eines Stadtteils, der sich dem Stillstand verweigert. Nun steht das Gebäude vor einer Zäsur: Sanierung, Erweiterung, Neuanfang. Und mit ihm das Kunstwerk, das längst zur DNA des Kiezes gehört.

Lange Zeit glich die Frage nach dem Umgang mit dem Wandbild in der Großen Freiheit einem ideologischen Grabenkrieg. Auf der einen Seite die Denkmalschützer, die jede Nuance des Originals für die Nachwelt konservieren wollten. Auf der anderen Seite die Künstler selbst: Glasmacher und Nöfer. Sie wehrten sich gegen eine museale Starre. Ihr Argument war stets: „Kunst für alle“ war 1969 der Aufbruch, nicht die Einbalsamierung.

Dass nun – 56 Jahre später – eine Lösung gefunden wurde, die beide Wege beschreitet, ist bemerkenswert. Das historische Wandbild wird unter einer neuen Fassadenstruktur gesichert; auf der Erweiterungsfläche entsteht jedoch eine Neufassung. Die Künstler greifen nach über fünf Jahrzehnten erneut zum Pinsel. Es ist eine künstlerische Fortschreibung, die den Dialog zwischen dem rebellischen Geist der 60er Jahre und der heutigen Ästhetik von St. Pauli sucht.

Martin Sowinski von der Sprinkenhof GmbH bezeichnet das Gruenspan-Wandbild als eines der größten Street-Art-Objekte Europas. Das ist keine Übertreibung, sondern eine Einordnung, die den kunsthistorischen Rang unterstreicht. Das Original, dessen Entwürfe im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle lagern, war ein Fanal gegen den grauen Beton der Nachkriegszeit.

Die neue Fassade muss nun leisten, was die alte seit Jahrzehnten tut: den Kontrast zwischen Werner Nöfers geometrisch-abstrakter, politischer Strenge und Dieter Glasmachers spielerisch-poetischer Figürlichkeit auszuhalten. Die rote Haarpracht der ikonischen Figur, der warnende Blitz – diese Elemente sind in den Stadtraum eingeschrieben. Durch die Erweiterung um die neuen Anbauflächen wird das Gruenspan zu einem monumentalen Palimpsest, auf dem die Schichten der Zeit lesbar bleiben.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda spricht treffend von einem „lebendigen Denkmal“. Die Sanierung des Gruenspan ist kein bloßes Bauprojekt; sie ist ein Bekenntnis. In einer Stadt, die oft dazu neigt, ihr Erbe unter Glas zu legen, setzen Glasmacher und Nöfer ein Zeichen der Kontinuität durch Veränderung.

Wenn die Künstler heute – gealtert, aber in ihrer Handschrift ungebrochen – ihre Arbeit fortsetzen, dann ist das weit mehr als nur ein „Nachbessern“. Es ist der Beweis, dass St. Pauli seinen Freiheitsdrang nicht eingebüßt hat. Das neue, erweiterte Wandbild wird zeigen, ob der Geist von 1969 auch in den 2020er Jahren noch Biss hat. Das Gruenspan bleibt damit, was es immer war: ein lautstarker Widerspruch gegen den architektonischen Gleichschritt.


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Fußball, Masse und Macht https://www.tiefgang.net/fussball-masse-und-macht/ Mon, 01 Jun 2026 22:56:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13883 [...]]]> Hamburg bekommt eine neue Adresse für die Kultur, Kunst und Bildung. Und zur WM geht´s mit Schattenseiten des Fußballs los.

Während andernorts Flächen für Kultur oft nur schwer zu finden oder temporäre Provisorien sind, wächst im Johann Kontor am Klosterwall ein Ort heran, der langfristig überzeugen will. Ab Juni 2026 öffnet das „Kultur Kontor Hamburg“ seine Pforten – eine 700 Quadratmeter große Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche, die sich mitten im Herzen der Stadt, unweit der Kunstmeile, als neuer kultureller Anlaufpunkt etablieren soll.

Es ist ein ungewöhnliches Konstrukt: Die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) agiert hier als Hauptnutzerin, unterstützt von der Kulturbehörde. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk die Fläche als Mieter durch einen Mieterlass fördert, zeigt zudem, wie moderne Stadtentwicklung und Kulturförderung Hand in Hand gehen können.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda findet für diese neue Allianz klare Worte: „Mit dem Kultur Kontor bekommt Hamburg eine weitere Kulturfläche in zentraler Lage. Es bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen.“ Flexibilität ist hier das Schlagwort. Das Kontor soll keine statische Galerie sein, sondern ein atmender Raum. Die SHMH wird die Fläche nutzen, um Einblicke in ihre Großprojekte zu geben – allen voran das mit Spannung erwartete Deutsche Hafenmuseum.

Was das Projekt besonders macht, ist seine Diversität. Einmal im Jahr gehört die Bühne der Behörde für Kultur und Medien, die hier Arbeiten der Edwin-Scharff-Preisträger*innen präsentiert. Damit schlägt man eine direkte Brücke zur Hamburger Kunstszene und gibt zeitgenössischen Positionen einen Raum, der weit über die Grenzen klassischer Museumswände hinausreicht.

Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor der SHMH, unterstreicht den Anspruch: „Die SHMH möchte diese Fläche im Zentrum der Stadt für Präsentationen und Veranstaltungsformate zu verschiedenen ihrer aktuellen Großprojekte nutzen.“ Es geht um Transparenz, um den Arbeitsprozess hinter der Museumsarbeit und darum, die Stadtgesellschaft teilhaben zu lassen an dem, was hinter den Kulissen entsteht.

Die Eröffnung am 9. Juni markiert den Startschuss. Mit dem Johann Kontor gewinnt Hamburg eine Fläche, die architektonisch in die Moderne passt und inhaltlich genau das bieten will, was die Innenstadt so dringend braucht: einen Ort des Innehaltens, der Information und der ästhetischen Überraschung. Ein Kontor, in dem nicht mit Containern, sondern mit Ideen gehandelt wird.

Architektur trifft auf kulturellen Anspruch

Die architektonische Einbettung des Kultur Kontors ist dabei weit mehr als nur eine gefällige Unterbringung im Erdgeschoss. Von Beginn an war die kulturelle Nutzung als integraler Bestandteil des Johann Kontors fest im städtebaulichen Vertrag verankert. Frank Holst, Geschäftsführer von AUG. PRIEN Immobilien, betont: „Für uns war diese Entscheidung ein zentraler Aspekt unserer Planung und Durchführung.“

Das Ergebnis: eine bestens ausgestattete, barrierefreie Fläche, die durch ihre prominente Lage direkt am Klosterwall eine Brücke zwischen geschäftlichem Treiben und kultureller Reflexion schlägt. Es ist ein Raum, der durch seine moderne Transparenz einlädt – ein „atmender Raum“, wie es Kultursenator Dr. Carsten Brosda treffend formulierte. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk als Hauptmieter den Standort durch einen Mieterlass fördert, unterstreicht die Rolle des Kontors als gesellschaftliches Engagement mitten in der Innenstadt.

Fußball, Masse und Macht

Passend zur anstehenden Fußballweltmeisterschaft der Männer im Sommer 2026 schlägt das Kultur Kontor mit seiner Eröffnungsausstellung ein Kapitel auf, das weit über den Sport hinausgeht. Ab dem 9. Juni 2026 wird die Wanderausstellung „SPORT. MASSE. MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ präsentiert.

Dass der Startschuss gerade in einem so neuen, offen gestalteten Raum erfolgt, ist kein Zufall. Die von der what matters gGmbH und dem Sportmuseum Berlin kuratierte Schau stellt die Frage, wie der Sport – und speziell der Fußball – zur Stabilisierung und Propagierung nationalsozialistischer Ideologie instrumentalisiert wurde. In Hamburg wird diese Ausstellung gemeinsam von der SHMH sowie der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte realisiert. Sie ist ein dringliches Angebot an das Publikum, die populärste Sportart der Welt einmal nicht nur unter Aspekten von Sieg und Niederlage zu betrachten, sondern als ein gesellschaftliches Feld, in dem Machtansprüche und ideologische Massenmobilisierung eine verheerende Allianz eingingen.

Die Ausstellung ist ein Auftakt, der verdeutlicht, welchen hohen Anspruch das Kultur Kontor Hamburg an sich selbst stellt: Hier soll nicht nur geschaut werden, hier soll diskutiert werden.

Ausstellungsdetails & Führungen

Für Interessierte, die sich tiefergehend mit den Inhalten der Ausstellung „SPORT. MASSE. MACHT.“ auseinandersetzen möchten, werden begleitende Führungen angeboten.

  • Eröffnung: 9. Juni 2026, 14.00 Uhr
  • Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt: Frei
  • Führungstermine: Informationen zu den aktuellen Terminen finden Interessierte auf der offiziellen Website: www.shmh.de/praesentationen/sport-masse-macht/
  • Vertiefende Infos zum Ausstellungsthema: sport-masse-macht.de

Ein Raum mit vielen Gesichtern

Die SHMH ist organisatorisch für das Programm verantwortlich. Man darf gespannt sein, welche weiteren Perspektiven sich hier in den kommenden Monaten eröffnen werden.

Das Programm des Kultur Kontors scheint klug konzipiert, um verschiedene Facetten der Hamburger Kulturlandschaft sichtbar zu machen. Denn die Stiftung Historische Museen Hamburg nutzt die Fläche künftig nicht nur als Galerie, sondern als aktive Plattform. Besonders spannend ist dabei der Fokus auf das Deutsche Hafenmuseum, das sich hier in einer intensiven Aufbauphase befindet. Besucher*innen erhalten die exklusive Möglichkeit, Einblicke in die Konzeption, die Objektauswahl und die komplexen Arbeitsverfahren dieses Großprojekts zu gewinnen – eine Art „Museum hinter den Kulissen“, das den Transformationsprozess unserer Stadtgeschichte erlebbar macht.

Edwin-Scharff-Preisträger*innen im Fokus

Ein weiterer Höhepunkt im Jahreskalender ist die jährliche Präsentation der Preisträger*innen des Edwin-Scharff-Preises, eine renommierte Auszeichnung Hamburgs, die seit 1955 jährlich an herausragende Künstler*innen für ihr Schaffen vergeben wird. Die Behörde für Kultur und Medien nutzt das Kultur Kontor dann für einen Monat, um diese herausragenden Leistungen in der bildenden Kunst ins Scheinwerferlicht zu rücken. In unmittelbarer Nähe zur Hamburger Kunstmeile entsteht so eine spannende Wechselwirkung: Die unmittelbare Nachbarschaft zu etablierten Institutionen schafft einen Dialog zwischen der arrivierten Kunstwelt und den frischen, preisgekrönten Positionen.

Ausblick:

Das Kultur Kontor versteht sich als „atmender Raum“. Die Mischung aus wechselnden Präsentationen der SHMH zu ihren Großprojekten und Modernisierungsvorhaben, temporären Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durch Preisträger*innen und Informationsangeboten zum Deutschen Hafenmuseum sorgt für eine stete Dynamik, die dazu einlädt, öfter am Klosterwall vorbeizuschauen. Es ist diese bewusste Öffnung zur Stadtgesellschaft hin, die den besonderen Reiz ausmacht. „Das Kultur Kontor bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen“, betonte Kultursenator Dr. Carsten Brosda – und genau diese Flexibilität scheint der Schlüssel zu sein, um aus einem reinen Ausstellungsort einen Ort der Begegnung zu machen.

Wer sich über das aktuelle Programm auf dem Laufenden halten möchte, findet alle Informationen unter www.shmh.de/kultur-kontor-hamburg. Das Kultur Kontor beweist schon jetzt, dass es nicht nur ein Raum für Exponate ist, sondern ein Ort, an dem die kulturelle Zukunft Hamburgs aktiv mitgestaltet wird.


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Das Universum hinter Tönen https://www.tiefgang.net/das-universum-hinter-toenen/ Sat, 23 May 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13891 [...]]]> Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht. Ein Portal leitet nun gekonnt hindurch …

Wer an ein Musikstudium denkt, sieht meist dasselbe Bild vor sich: Ein einsames Genie am Flügel, das stundenlang Tonleitern übt, oder die virtuose Geigerin, die auf den großen Solist*innenplatz im Orchester hinarbeitet. Doch wer die Augen und Ohren öffnet, merkt schnell: Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht.

Hinter den glänzenden Fassaden der Kulturmetropolen wächst eine Generation von Musikschaffenden heran, deren Alltag ganz anders aussieht. Da ist der Musiktherapeut, der mit Klängen Brücken zu Demenzerkrankten baut; die Musikpädagogin, die in der Popkultur die digitale Zukunft des Unterrichts erprobt; oder der Musikjournalist, der komplexe Kulturpolitik verständlich macht. Musik ist heute interdisziplinär, digital und flexibel. Doch genau diese enorme Vielfalt machte es jungen Talenten bislang schwer, den richtigen Weg zu finden. Die Auswahl war schlicht zu unübersichtlich, die Profile der einzelnen Institutionen zu verstreut. Bis jetzt.

Hier kommt der neue „Kompass Musikstudium“ ins Spiel, den das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) – eine Einrichtung des Deutschen Musikrats – im Mai 2026 an den Start gebracht hat. Man darf sich dieses Tool nicht als verstaubtes Vorlesungsverzeichnis vorstellen, sondern als modernen digitalen Lotsen durch die deutsche Bildungslandschaft. In enger Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz ist hier eine Plattform entstanden, die zum ersten Mal Ordnung in das Dickicht der Ausbildungsmöglichkeiten bringt.

Die nackten Zahlen des Portals (unter miz.org/de/kompass-musikstudium) sind beeindruckend: Mehr als 1.700 Studiengänge an Musikhochschulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland sind hier zentral erfasst und zugänglich gemacht worden. Das Besondere daran ist die intuitive Handhabung. Nutzer*innen müssen sich nicht mühsam durch die Websites von Dutzenden Instituten klicken, sondern können die Datenbank ganz gezielt nach drei Kernkriterien filtern:

Fachrichtung: Von Instrumentalausbildung über Musiktherapie und Journalismus bis hin zu pädagogischen Studiengängen.

Abschluss: Egal ob Bachelor, Master, Staatsexamen oder künstlerische Promotion.

Studienort: Eine geografische Suche, die zeigt, wo in Deutschland welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Der Kompass liefert zu jedem Treffer kompakte, verlässliche Informationen über die tatsächlichen Studieninhalte und verlinkt direkt zu den weiterführenden Bewerbungs- und Prüfungsordnungen der jeweiligen Häuser. Das erklärte Ziel des miz ist es, Orientierung zu schaffen und jungen Menschen den oft einschüchternden Weg in den Musikberuf zu ebnen.

Wo der Code die Karriere trifft

Als wir vor einiger Zeit unter dem Titel „Wo der Code die Kunst trifft“ (Tiefgang, 21.04.2026) über die Digitalisierung der Musiklandschaft berichteten, ging es vor allem um neue ästhetische Räume, um Algorithmen in der Produktion und die Frage, wie Bits und Bytes die Kreativität verändern. Doch die Digitalisierung macht nicht an den Studiotüren halt – sie hat längst die gesamte Ausbildungslandschaft erfasst und gründlich durchgeschüttelt. Wer heute Musik studiert, muss oft selbst den Spagat zwischen Code und Kunst beherrschen. Das Problem: Die Wege dorthin waren bisher so verzweigt, dass viele Talente kapitulierten, noch bevor sie die erste Bewerbung abgeschickt hatten.

Genau an dieser Schnittstelle setzt der neue digitale Lotse an. Ein Blick auf das Suchportal (unter miz.org/de/kompass-musikstudium/suche) offenbart die schiere Bandbreite der modernen Musikwelt. Hier wird sichtbar, wie flexibel und spezialisiert die Ausrichtungen im Jahr 2026 geworden sind. Ob Kirchenmusik, Film&Sounds oder Musik&Geisteswissenschaft – die Bandbreite ist riesig und dazu kommen weitere interdisziplinäre Studiengänge an den Schnittstellen von Medien und Technologie, hochspezifische pädagogische Konzepte oder Nischenfächer – das Portal schlüsselt das unsichtbare Universum präzise auf.

Und der Kompass löst noch ein ganz praktisches, oft unterschätztes Problem: die Geografie der Ausbildung. Nicht jede*r kann oder möchte für das Studium ans andere Ende der Republik ziehen. Für all jene, die nahe der Heimat bleiben und in ihrem gewohnten Umfeld Wurzeln schlagen wollen, bietet die regionale Filterfunktion einen unschätzbaren Mehrwert. Mit wenigen Klicks lässt sich herausfinden, welche ungeahnten akademischen Schätze direkt vor der eigenen Haustür liegen. So wird der Code im Netz zum ganz realen Wegweiser für die Karriere in der Region.

Die Nische als Orientierung und Schutzfaktor

In Zeiten, in denen heftig über GEMA-Reformen, Verteilungsschlüssel und den Erhalt von Kulturräumen gestritten wird, ist Transparenz der erste Schritt zur Selbstbehauptung für den Nachwuchs. Wenn die traditionelle Förderung wackelt, müssen angehende Künstler*innen umso genauer wissen, wo sie ihre Nische finden können. Orientierung wird so zu einem echten Schutzfaktor für die ästhetische Vielfalt. Der neue Kompass erweist sich hier als echte Schatzkarte, die zeigt, dass die Musiklandschaft viel bunter ist, als es die starren Kategorien der Vergangenheit vermuten lassen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Selbstversuch auf der Plattform. Wer dort nach einem modernen Begriff wie „Computermusik“ sucht, wird nicht mit standardisierten Ergebnissen abgespeist, sondern stößt auf hochspezialisierte, innovative Studiengänge. Das Portal führt Interessierte beispielsweise direkt nach Essen an die Folkwang Universität der Künste. Dort verbirgt sich hinter der Suche weit mehr als nur technisches Handwerk: Studiengänge wie „Integrative Komposition“ oder „Professional Media Creation“ zeigen exemplarisch, wie die Ausbildung im Jahr 2026 auf die Anforderungen einer digitalisierten Kulturwelt reagiert.

Hier wird das visible Universum der Musik greifbar. Der Kompass bündelt diese oft versteckten Perlen und holt sie aus der Anonymität der akademischen Nische ins Rampenlicht. Er beweist, dass es sie gibt: die Orte, an denen Experiment, Technologie und Kunst fächerübergreifend verschmelzen. Für junge Menschen ist das die Chance, genau die Ausbildung zu finden, die zu ihrer Vision passt – abseits der ausgetretenen Pfade des Massenmarkts.

Ein Werkzeug mit und für die Zukunft

Mit dem „Kompass Musikstudium“ haben das miz und der Deutsche Musikrat einen Meilenstein gesetzt. In Zeiten, in denen sich die Koordinaten der Kulturwelt rasant verschieben, ist diese Plattform genau das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit. Sie ist ein digitales Fundament, das Orientierung bietet, wo vorher oft nur Orientierungslosigkeit herrschte, und sie schützt die Vielfalt, indem sie die Nischen sichtbarer macht.

Doch so beeindruckend die jetzige Datenbank mit ihren über 1.700 Studiengängen bereits ist: Dieser Launch ist erst der Anfang. Das Portal ist als lebendiges System angelegt, und seine wahre Stärke wird sich in den kommenden Jahren entfalten. Wenn das Portal kontinuierlich mit neuen Fortentwicklungen, praxisnahen Inhalten und aktuellen Profilen gefüttert wird, wird seine Nützlichkeit für die Musiker*innen von morgen um ein Vielfaches steigen. Es ist ein erster, mutiger Schritt getan, um den digitalen Wandel in der Ausbildung nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten – damit das Musikland Deutschland auch in Zukunft so facettenreich bleibt, wie es dieser Kompass schon heute verspricht.

Hier zum Portal: https://miz.org/de/kompass-musikstudium


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Wenn die Gondeln Trauer tragen https://www.tiefgang.net/wenn-die-gondeln-trauer-tragen/ Fri, 08 May 2026 22:05:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13784 [...]]]> Venedig ist im Mai 2026 kein Ort für touristische Klischees. Zwar glitzert die Sonne über dem Canal Grande, aber der Deutsche Pavillon in den Giardini eröffnet und trauert zugleich: um Henrike Naumann. Sie verstarb vor einigen Wochen.

Es ist sowohl ein Moment der künstlerischen Selbstbehauptung, in dem die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) ihre Rolle als globale Denkfabrik unterstreicht.

Mit fünf zentralen Positionen, die eng mit der Elbmetropole verwoben sind, wird ab heute die 61. Biennale di Venezia zu einer Art norddeutschen Exklave der kritischen Reflexion. Im Zentrum dieses Kraftfeldes steht ein Begriff, der so schwer wie programmatisch ist: Ruin.

Ruin als Verb: Ein Prozess des Verfalls und des Widerstands

Die Kuratorin Kathleen Reinhardt hat für den Deutschen Pavillon ein Konzept entworfen, das den Ruin nicht als statischen Zustand des Verfalls begreift. In ihren Augen ist Ruin ein Verb – ein aktiver Prozess der Zerstörung, der finanzieller, politischer oder moralischer Natur sein kann. Es geht um das Überlagern von Ideologien und Biografien in einem Raum, der selbst eine belastete architektonische Geschichte atmet. Die Ausstellung will Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte als polyphon und multiperspektivisch begreifbar machen und dabei bewusst in einer Moll-Tonart agieren.

Henrike Naumann: Die Geister der Wohnstube

Besonders schmerzlich und zugleich kraftvoll ist die Präsenz von Henrike Naumann. Die Anfang 2026 viel zu früh verstorbene Künstlerin und designierte HFBK-Professorin hat ihr Werk für den Pavillon noch selbst vollendet. Unter dem Titel Die Innere Front verwandelt sie den Hauptraum in eine archäologische Grabungsstätte der deutschen Alltagsästhetik. Möbel und Readymade-Objekte werden zu Zeugen einer Radikalisierung, die nicht auf der Straße beginnt, sondern im Privaten.

Naumann arbeitete oft mit der Erkenntnis, dass Ideologie im Wohnzimmer beginnt. In Venedig sind ihre Installationen vor mintgrünen Wänden platziert, die an sowjetische Kasernen der DDR erinnern. Ein Relief aus Stühlen erzählt die deutsche Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts neu. Für Naumann war die Kunst nie vom Weltgeschehen zu trennen; sie betonte stets: „Für mich als Künstlerin ist alles politisch.“ Ihr Beitrag ist ein Vermächtnis, das die Heimeligkeit als emotionalen Raum hinterfragt und dabei eine Remilitarisierung der Gesellschaft subtil offenlegt.

Sung Tieu: Die Eleganz der Überwachung

In einem faszinierenden Kontrast dazu steht die Arbeit von Sung Tieu, Absolventin der HFBK, deren Praxis sich an der Schnittstelle von Biografie und Geopolitik bewegt. Sie verleiht dem durch den Nationalsozialismus geprägten Pavillon eine neue, irritierende Fassade. Ein Trompe-l’œil-Mosaik aus über drei Millionen Marmorsteinen bildet die Überreste eines Plattenbaus aus der Ostberliner Gehrenseestraße nach – ein Ort, der einst Tieus Zuhause war und später zum Spielball spekulativer Verwertung wurde.

Ihr Werk trägt den provokanten Titel Human Dignity Shall Be Inviolable, ein direktes Zitat aus Artikel 1 des Grundgesetzes. Hier prallen zwei Repräsentationssysteme aufeinander: die faschistische Monumentalität des Pavillons und die sozialistisch-egalitäre Idee des Wohnungsbaus. Tieu nutzt Skulpturen, Düfte und Klänge, um administrative Disziplinierung und die Marginalisierung migrantischer Gemeinschaften spürbar zu machen. Es ist eine sensible Untersuchung von Machtverhältnissen, die unterschiedliche politische Systeme überdauern.

Das Hamburger Netzwerk: Mehr als nur ein Pavillon

Der Erfolg in Venedig ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer konsequenten Förderung des Wissenschafts- und Kunststandorts Hamburg. Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal sieht die HFBK in einer wichtigen Doppelrolle als Impulsgeber und Spiegel unserer Gesellschaft. Neben dem Deutschen Pavillon sind drei weitere Künstler*innen präsent, die das Hamburger Profil schärfen: Kader Attia in der zentralen Ausstellung, Jenna Sutela im Finnischen Pavillon und Yalda Afsah mit einer Einzelschau im Palazzo Ca’ Buccari.

Diese künstlerischen Positionen decken ein breites Spektrum ab – von postkolonialen Reparationsfragen bis hin zum technologisch-biologischen Spannungsfeld. Es ist eine Demonstration der internationalen Strahlkraft, die durch eine Allianz aus öffentlichen und privaten Förderern wie der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und der Rudolf Augstein Stiftung ermöglicht wurde.

Der Deutsche Pavillon 2026 ist kein Ort der einfachen Antworten. Ruin zwingt die Besucher*innen zum Innehalten in einer Zeit, die oft von oberflächlicher Dynamik geprägt ist. Zwischen den Kettenhemdvorhängen von Henrike Naumann und den Marmormosaiken von Sung Tieu entsteht ein Raum des Widerstands gegen das Vergessen. Hamburg beweist in Venedig, dass zeitgenössische Kunst dann am stärksten ist, wenn sie dorthin geht, wo es wehtut: in die Leerstellen der Geschichte und in die Abgründe unserer eigenen Identität.


Ausstellung: Ruin

9. Mai bis 22. November 2026 | Deutscher Pavillon, Giardini della Biennale, Venedig

Beteiligte Künstler*innen: Henrike Naumann und Sung Tieu | Kuratorin: Dr. Kathleen Reinhardt

www.deutscher-pavillon.org | www.labiennale.org

Begleitend zur Eröffnung erscheint im DISTANZ Verlag eine Publikation, die künstlerische Beiträge von Naumann und Tieu mit wissenschaftlichen Essays verbindet.


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Stimmen der Gegenwart https://www.tiefgang.net/stimmen-der-gegenwart/ Sat, 25 Apr 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13690 [...]]]> Wenn in Buxtehude jährlich die Shortlist für den Buxtehuder Bullen präsentiert wird, ist es immer auch ein lokales Bekenntnis zur Leseförderung und zum Dialog zwischen den Generationen. Am 23. April wurde nun die Liste für den 55. Bullen offiziell vorgestellt.

Aus rund 80 Titeln hat die Jury fünf Favoriten ausgewählt, die nun um die renommierte Stahltrophäe und das Preisgeld von 5.000 Euro konkurrieren.

Das Herzstück dieses Jugendliteraturpreises ist seit seiner Gründung durch Winfried Ziemann im Jahr 1971 die absolute Augenhöhe. Elf Jugendliche und elf Erwachsene bilden eine paritätische Jury. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Auswahl nicht über die Köpfe der Zielgruppe hinweg getroffen wird, sondern mitten aus ihrer Lebensrealität heraus entsteht. Dass der Preis heute durch die Stadtbibliothek und Förderer wie die Else und Heinrich Klindworth-Stiftung getragen wird, unterstreicht die tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft.

Die diesjährige Shortlist ist ein Spiegelbild globaler und persönlicher Krisen, verpackt in mitreißende Narrative. Jedes der fünf Bücher fordert seine Leser*innen heraus, die Perspektive zu wechseln.

Basma Hallak greift in Please Unfollow (Arctis, 416 Seiten, 19 Euro) das Thema Sharenting auf. Die Geschichte der 17-jährigen Sherry, deren Leben ungefragt auf Social Media vermarktet wurde, ist ein hochaktuelles Plädoyer für das Recht auf die eigene Identität in einer digitalisierten Welt.

Mit Hilde Myklebusts Auch am Tag leuchten die Sterne (CARLSEN, 256 Seiten, 15 Euro; übersetzt von Meike Blatzheim) weht ein norwegischer Wind durch die Auswahl. Die Erzählung über Mia, die zwischen Musical-Träumen und einer schweren Krankheitsdiagnose im Freundeskreis ihren Weg finden muss, besticht durch eine feine Balance zwischen Melancholie und Hoffnung.

Nina Scheweling führt uns mit Academy of Lies – Anatomie einer Verschwörung (LOEWE, 400 Seiten, 16,95 Euro) in die Welt der Elite-Internate. Hier verbindet sich das Thema Organtransplantation mit einem packenden Thriller-Plot, der die moralischen Grenzen wissenschaftlichen Ehrgeizes auslotet.

Einen harten Blick in die Geschichte wirft Moritz Seibert in seinem Debüt Das letzte Aufgebot (Karibu, 320 Seiten, 16,99 Euro). Er erzählt vom Schicksal eines 15-Jährigen in der Hitler-Jugend am Ende des Zweiten Weltkriegs – eine mahnende Erinnerung daran, wie zerbrechlich Frieden und Unschuld sind.

Schließlich lenkt Tara Sullivan mit The Bitter Side of Sweet (Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 14 Euro; übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessica Komina) den Fokus auf die moderne Sklaverei auf Kakaoplantagen. Es ist eine Geschichte über Mut und Widerstand, die uns schmerzhaft bewusst macht, welchen Preis unser täglicher Konsum anderswo fordert.

„Es sind (Jugend-) Romane, die bewegen und Denkanstöße geben. Toll, wenn Bücher oder Geschichten das schaffen. Mit der Shortlist laden wir Jung und Alt dazu ein, mit den Protagonist*innen mitzudenken und mitzufühlen und vielleicht dabei auch die eigene Perspektive zu reflektieren“, so Melanie Hainke, Verantwortliche des Bullen-Projektteams. Für die Buxtehuder*innen und ihre Gäste wird die Literatur so in den kommenden Wochen im gesamten Stadtbild präsent sein. Von Mai bis Juli laden verschiedene Leseplätze in der Altstadt dazu ein, in die nominierten Werke hineinzuschnuppern. Ob in der Altstadtbuchhandlung, im Galerie Café Baham oder direkt am BULLEvard – die Stadt wird zur Leselounge.

Den krönenden Abschluss bildet der Preisentscheid am Dienstag, den 23. Juni 2026, um 19 Uhr im Stieglitzhaus. Dort wird sich zeigen, welches Werk die Jury am stärksten überzeugt hat. Ein Tag im 55. Jahr, in dem Buxtehude einmal mehr beweist, dass gute Geschichten keine Altersgrenzen kennen, sondern Menschen verbinden können. Wer neugierig auf die Stimmen von morgen ist, sollte sich diesen Termin rot im Kalender markieren.

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Das Auge der Epoche https://www.tiefgang.net/das-auge-der-epoche/ Wed, 22 Apr 2026 09:50:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13671 [...]]]> Es gibt Namen, die untrennbar mit dem visuellen Gedächtnis einer Stadt verwoben sind. In Hamburg ist dieser Name F.C. Gundlach.

Pünktlich zu seinem 100. Geburtstag am 16. Juli 2026 beschenkt sich die Hansestadt Hamburg nun selbst mit einer Nachricht, die das Erbe dieses Visionärs für die nächste Generation zementiert: Die Sammlung F.C. Gundlach bleibt nicht nur in Hamburg, sie wächst und wird für mindestens zwanzig weitere Jahre das Herzstück des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen bilden.

Gundlach war weit mehr als ein Modefotograf. Er war Netzwerker, Sammler, Kurator und der Gründungsdirektor jenes Hauses, das heute international als eine der ersten Adressen für die Kunstform Fotografie gilt. Sein Credo war zeitlebens die Überzeugung, dass ein Sammler eine moralische Verpflichtung hat, Teile seiner Sammlung oder ihr Ganzes öffentlich zu machen. Er sah seine Schätze als lebendigen Organismus, der auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren muss. Dieser Geist weht nun durch einen neuen Kooperationsvertrag, der die bisherige Leihgabe von 9.000 auf stolze 14.000 Werke erweitert.

Wer war dieser Mann, der die Fotografie in Deutschland aus ihrem Nischendasein als bloßes Handwerk in den Olymp der bildenden Kunst hob? Gundlach kam in den 1950er Jahren nach Hamburg und machte die Stadt zur Zentrale seiner Arbeit. Er fotografierte für die großen Magazine – von Film und Frau bis hin zur Brigitte. Doch seine Bilder waren nie bloße Kleiderständer-Dramaturgien. Er verstand es, Mode als Spiegelbild gesellschaftlicher Identitäten zu inszenieren.

Betrachtet man seine ikonischen Werke, etwa die Aufnahme (Titelbild) der deutschen Models in Santiago de Chile aus dem Jahr 1963, erkennt man seine Meisterschaft: Es ist ein Massenauflauf der Neugier, eine Begegnung zwischen der Eleganz der alten Welt und der dynamischen Realität Südamerikas. Gundlach fing hier nicht nur Stoffe ein, sondern den Moment, in dem Mode zum öffentlichen Ereignis wird. Ebenso legendär ist sein Porträt von Uschi Obermaier in Hamburg 1970.

Uschi Obermaier, Hamburg 1970

In ihrem Blick und ihrer Haltung manifestiert sich der Umbruch einer ganzen Generation – weg von der steifen Etikette, hin zur Freiheit der 68er.

Gundlachs Blick war stets präzise, fast architektonisch. Er setzte den Menschen in Bezug zu seiner Umgebung, sei es vor den ägyptischen Pyramiden oder in den kühlen Betonfluchten der Moderne. Für ihn war Fotografie nie isoliert. Der Titel der kommenden großen Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, You’ll Never Watch Alone, bringt es auf den Punkt: Fotografie geschieht durch Austausch, durch Allianzen und das Wirken in Netzwerken.

Die Nachricht der Vertragsverlängerung ist ein Meilenstein für die Hamburger Kulturlandschaft. Dr. Carsten Brosda bezeichnet die Erweiterung als einen Gewinn für die Kulturstadt, um die Position des Hauses der Photographie als international führendes Zentrum zu stärken. Bis 2028 wird die südliche Deichtorhalle umfassend saniert. Wenn sie ihre Pforten wieder öffnet, wird die Sammlung F.C. Gundlach einen völlig neuen Raum erhalten.

Im ersten Obergeschoss entsteht ein Bereich, der die Grenzen zwischen Archiv, Forschung und Erlebnis auflöst. 200 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche, ein Schaudepot und die über 10.000 Bände umfassende Sammlerbibliothek werden dort ein neues Zuhause finden. Es ist die Erfüllung eines visionären Traums: Die Sammlung wird zur lebendigen Ressource für die 200-jährige Geschichte der Fotografie und gleichzeitig zum Labor für die Zukunft des Mediums. Künftig werden neben dem zentralen Thema Das Bild des Menschen auch Schwerpunkte wie abstrakte, subjektive sowie Landschafts- und Objektfotografie dauerhaft präsent sein.

Die Triennale als Fest des Sehens

Während die Deichtorhallen aber aktuell noch saniert werden, feiert die Stadt das Medium Fotografie bereits jetzt im Rahmen der 9. Triennale der Photographie. Diese von Gundlach einst initiierte Großveranstaltung macht die Stadt im Sommer 2026 zum Schauplatz für elf Ausstellungen. Das Bucerius Kunst Forum widmet sich dabei Gundlachs Rolle als unermüdlicher Förderer und Sammler. In der Ausstellung werden neben seinen eigenen Ikonen auch Werke von Weggefährt*innen wie Ute Mahler gezeigt, deren Bild Zwei Models im Kreuzgang von 1989 die melancholische Strenge und grafische Kraft illustriert, die Gundlach in der Fotografie so schätzte.

Ute Mahler – Zwei Models im Kreuzgang, 1989 (Fotorechte: Ute Mahler)

Es ist diese Kombination aus dem eigenen Schaffen und dem Blick für die Qualität anderer, die Gundlach so einzigartig machte. Er sammelte nicht für den Tresor, sondern für die Erkenntnis.

F.C. Gundlach hat uns gelehrt, dass ein Foto nie nur ein Abbild der Realität ist, sondern immer auch eine Konstruktion von Wahrheit, Sehnsucht und Zeitgeist. Sein Erbe in Hamburg ist kein staubiges Denkmal, sondern eine Aufforderung zum genauen Hinsehen. Mit der nun gesicherten Zukunft seiner Sammlung in den Deichtorhallen bleibt Hamburg ein Ort, an dem die Fotografie atmen, sich verwandeln und uns immer wieder neu befragen kann. Ein würdigeres Geschenk hätte man dem großen Visionär zu seinem 100. Geburtstag kaum machen können.

Die Ausstellung: F.C. Gundlach. You’ll Never Watch Alone | Laufzeit 8. Mai bis 16. August 2026

Bucerius Kunst Forum | Alter Wall 12, 20457 Hamburg | www.buceriuskunstforum.de

Die Sammlung F.C. Gundlach wird ab der Wiedereröffnung des sanierten Hauses der Photographie in den Deichtorhallen (voraussichtlich 2028) dauerhaft in neuen Räumlichkeiten präsentiert. Aktuelle Informationen zu den Baufortschritten und Interims-Projekten finden Sie unter www.deichtorhallen.de.

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Wo der Code die Kunst trifft https://www.tiefgang.net/wo-der-code-die-kunst-trifft/ Tue, 21 Apr 2026 14:02:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13666 [...]]]> Wer macht eigentlich die Musik? Hinter jedem Song, der uns durch den Tag begleitet, und jedem Festival, das uns zum Tanzen bringt, steht ein komplexes Räderwerk.

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) hat nun ein neues Online-Portal geschaffen, das Licht in das Dickicht aus Rechten, Verlagen und digitalen Transformationen bringt. Es ist eine Einladung an alle Musikfreund*innen, den Blick hinter die Bühne zu wagen.

Wenn wir heute von Musik sprechen, sprechen wir oft von Streaming-Zahlen oder Ticketpreisen. Doch wie diese Welten zusammenhängen, blieb für viele bisher ein gut gehütetes Geheimnis der Branche. Mit dem neuen Fokus-Portal zur Musikwirtschaft bricht das MIZ diese Mauern auf. Es ist kein trockenes Datenarchiv, sondern ein lebendiger Wegweiser durch ein Ökosystem, das sich im ständigen Wandel befindet.

Ein Kompass für die Ära der Digitalisierung

Das Portal gliedert das Wissen in mehrere zentrale Teilbereiche, die unser musikalisches Erleben prägen:

Kreative & Urheberrecht: Erfahren Sie, wie Komponist*innen und Textdichter*innen in einer Welt der Algorithmen überhaupt noch wirtschaftlich beteiligt werden.

Live Entertainment: Ein tiefer Einblick in den Konzertmarkt, der heute als wichtigster Motor der Branche gilt und enorme Strahlkraft auf Tourismus und Gastronomie ausstrahlt.

Recorded Music: Von der Vinyl-Renaissance bis zum alles beherrschenden Audio-Streaming – hier werden die technologischen Umbrüche greifbar.

Musikverlage & Verwertungsgesellschaften: Wer schützt die Rechte? Das Portal erklärt die oft unsichtbare Arbeit von Institutionen wie der GEMA oder der GVL.

Instrumentenbau & Fachhandel: Ein Blick auf das traditionelle Handwerk, das heute zwischen globalem Wettbewerb und digitalem Fortschritt steht.

Was das Portal so wertvoll macht, ist die Verbindung von harten Fakten und anschaulicher Aufbereitung. Ob es um die Frage geht, wie hoch die Frauenanteile in Berufsorchestern sind, oder wie viele Millionen Titel täglich auf Streaming-Plattformen hochgeladen werden – das MIZ liefert die Antworten. Es bietet Orientierung über Fördermöglichkeiten, Stipendien und Fachveranstaltungen. Damit wird es zur unverzichtbaren Ressource für alle, die nicht nur Musik hören, sondern das „System Musik“ verstehen wollen.

Um den eigentlichen Wert dieses Werkzeugs zu verstehen, lohnt sich ein vertiefter Blick in drei Bereiche, in denen die Musikwirtschaft gerade eine tektonische Verschiebung erlebt. Wo die Musik der Zukunft entsteht: Das Streaming-Dilemma. Denn wer profitiert vom Klick?

Die Musikwirtschaft meldet Rekordumsätze, doch bei den einzelnen Musiker*innen kommt davon oft nur ein Bruchteil an. Das MIZ-Portal bündelt hierzu das notwendige Faktenwissen, um die Debatte um „User-Centric Payment“ zu verstehen. Während das aktuelle „Pro-Rata-Modell“ die Einnahmen in einen großen Topf wirft und nach Marktanteilen verteilt, zeigt das Portal Alternativen auf, wie die monatliche Abo-Gebühr direkter bei den tatsächlich gehörten Künstler*innen landen könnte.

Oder das Thema der GEMA und ihre oft unverständlichen Strukturen: Hinter dem oft als trocken empfundenen Begriff der „Verwertungsgesellschaft“ verbirgt sich das Immunsystem der Kulturlandschaft. Das Portal macht transparent, wie Institutionen wie die GEMA oder die GVL sicherstellen, dass Urheber*innen auch in einer grenzenlosen digitalen Welt entlohnt werden. Es verfolgt den Weg eines Euros vom Ticketkauf bis zum Notenblatt und erklärt, warum diese kollektive Rechtewahrnehmung gerade für Nischengenres und den musikalischen Mittelstand die einzige Überlebensgarantie gegen die Übermacht globaler Tech-Giganten ist.

Ebenso findet sich einiges zum Thema Musik & KI, der nächsten industriellen Revolution: Wir stehen an der Schwelle, an der Künstliche Intelligenz nicht mehr nur Werkzeug, sondern Miturheberin wird. Das MIZ-Portal dient hier als Radar für die rechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen von morgen. Wem gehört ein Song, der auf Knopfdruck im Stil eines verstorbenen Weltstars generiert wurde? Wie schützen wir die menschliche Kreativität vor der algorithmischen Flut? Das Portal bündelt aktuelle Stellungnahmen und Expertisen zu Urheberrechtsschutz und Kennzeichnungspflichten und wird so zur unverzichtbaren Orientierungshilfe in einer Ära, in der die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt.

Die Musikwirtschaft ist einer der Treibstoffe unserer Kultur. Das neue Portal des MIZ zeigt uns, dass Innovation und Tradition keine Gegensätze sein müssen. Es lädt uns ein, die Musik nicht nur als flüchtiges Geräusch, sondern als wertvolles Kultur- und Wirtschaftsgut zu begreifen.

Wollten Sie schon immer wissen, wie das „Income Tracking“ bei einem Musikverlag funktioniert oder wie sich die Honorare von Berufsmusiker*innen zusammensetzen? Dieses Portal hat das Zeug dazu der neue digitale Lieblingsort zu werden.

Das Portal: miz.org/de/themen/musikwirtschaft

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Dance everybody! https://www.tiefgang.net/dance-everybody/ Sun, 08 Mar 2026 23:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13447 [...]]]> Im Juni 2026 wird die erste Tanztriennale die Hansestadt starten. Dann wird es um weit mehr als um ästhetische Pirouetten oder akrobatische Sprünge gehen sondern auch um eine soziale Kraft, die unsere Stadt transformieren kann.

Unter dem elektrisierenden Motto „Brave Moves. Courageous Joy“ wird Hamburg vom 14. bis 21. Juni zum Epizentrum einer Kunstform, die in den Hamburger Alltag drängt: mitten ins Leben, mitten auf die Straße und tief in die Herzen.

Es ist ein kulturpolitisches Highlight, dass Hamburg den Zuschlag für dieses neue Leuchtturmprojekt erhalten hat. Gefördert mit stolzen 950.000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes und weiteren 600.000 Euro durch die Stadt, entsteht hier ein Bündnis, das es so noch nicht gegeben hat. Das Hamburg Ballett, die Kampnagel Internationale Kulturfabrik und das K3 – Zentrum für Choreographie rücken zusammen. Für Amelie Deuflhard, die Intendantin von Kampnagel, setzt diese intensive Zusammenarbeit Maßstäbe und sendet ein wichtiges Signal für die verbindende Kraft des Tanzes über alle kulturellen, sozialen und generationellen Grenzen hinweg.

Das Programm, das nun vorgestellt wurde, verspricht eine wilde Mischung. Hier trifft klassisches Ballett auf Urban Dance, zeitgenössische Ästhetik auf Krump. Es ist diese bewusste Öffnung der Genres, die den Reiz ausmacht. Wenn eine Hip-Hop-Tänzerin selbstverständlich neben dem Balletttänzer auf der Bühne steht, entstehen daraus neue künstlerische Qualitäten und Zugänge für das Publikum, wie Katarzyna Wielga-Skolimowska von der Kulturstiftung des Bundes es visionär beschreibt.

Besonders spannend für alle Klassik-Fans: Das Hamburg Ballett steuert mit Alexei Ratmanskys „Wunderland“ eine Weltpremiere bei. Doch die Tanztriennale will mehr als nur glanzvolle Abende im Opernhaus. Sie will in den öffentlichen Raum, will den Diskurs und vor allem: sie will uns alle zum Mitmachen bewegen. Tanz gehört allen – jedem Körper, jedem Lebenshintergrund und jeder Geschichte, erklären die künstlerischen Co-Leiterinnen Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette. Für sie ist klar: Mut ist eine Praxis und Freude eine treibende Kraft. Beides wächst, wenn Menschen gemeinsam tanzen.

Kultursenator Carsten Brosda bringt es auf den Punkt: „Die Tanztriennale macht den Tanz in seinen ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen für alle erlebbar – für Profis, für Laien, für Zuschauer und Zuschauerinnen, für Tänzer und Tänzerinnen. Vom Urban Dance über zeitgenössische Ästhetiken bis zum klassischen Ballett öffnet die Tanztriennale die universelle Sprache des Tanzes weit in die Gesellschaft hinein und verbindet Menschen und Tanzstile.“ Denn die Tanztriennale soll eine Einladung an alle Hamburger*innen sein, die Welt durch Bewegung neu zu entdecken.

Man spürt die Begeisterung bei allen Beteiligten, von den Profis bis zu den Institutionen. Nicolas Hartmann vom Hamburg Ballett sieht in der gegenseitigen Öffnung der Genres die wesentliche Zukunft des Tanzes. Und diese Zukunft beginnt im Sommer 2026 in Hamburg.

Der Vorverkauf startet am 20. März – ein Datum, das sich alle Tanzbegeisterten und Neugierigen rot im Kalender markieren sollten. Denn man kann davon ausgehen, dass manche Veranstaltungen schnell ausverkauft sein werden. Wer nämlich wissen will, wie sich mutige Schritte und mutige Freude aktuell anfühlen, wird im Juni an Hamburg nicht vorbeikommen. Das Programm unter: www.tanztriennale.de

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