Hamburg bekommt eine neue Adresse für die Kultur, Kunst und Bildung. Und zur WM geht´s mit Schattenseiten des Fußballs los.
Während andernorts Flächen für Kultur oft nur schwer zu finden oder temporäre Provisorien sind, wächst im Johann Kontor am Klosterwall ein Ort heran, der langfristig überzeugen will. Ab Juni 2026 öffnet das „Kultur Kontor Hamburg“ seine Pforten – eine 700 Quadratmeter große Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche, die sich mitten im Herzen der Stadt, unweit der Kunstmeile, als neuer kultureller Anlaufpunkt etablieren soll.
Es ist ein ungewöhnliches Konstrukt: Die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) agiert hier als Hauptnutzerin, unterstützt von der Kulturbehörde. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk die Fläche als Mieter durch einen Mieterlass fördert, zeigt zudem, wie moderne Stadtentwicklung und Kulturförderung Hand in Hand gehen können.
Kultursenator Dr. Carsten Brosda findet für diese neue Allianz klare Worte: „Mit dem Kultur Kontor bekommt Hamburg eine weitere Kulturfläche in zentraler Lage. Es bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen.“ Flexibilität ist hier das Schlagwort. Das Kontor soll keine statische Galerie sein, sondern ein atmender Raum. Die SHMH wird die Fläche nutzen, um Einblicke in ihre Großprojekte zu geben – allen voran das mit Spannung erwartete Deutsche Hafenmuseum.
Was das Projekt besonders macht, ist seine Diversität. Einmal im Jahr gehört die Bühne der Behörde für Kultur und Medien, die hier Arbeiten der Edwin-Scharff-Preisträger*innen präsentiert. Damit schlägt man eine direkte Brücke zur Hamburger Kunstszene und gibt zeitgenössischen Positionen einen Raum, der weit über die Grenzen klassischer Museumswände hinausreicht.
Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor der SHMH, unterstreicht den Anspruch: „Die SHMH möchte diese Fläche im Zentrum der Stadt für Präsentationen und Veranstaltungsformate zu verschiedenen ihrer aktuellen Großprojekte nutzen.“ Es geht um Transparenz, um den Arbeitsprozess hinter der Museumsarbeit und darum, die Stadtgesellschaft teilhaben zu lassen an dem, was hinter den Kulissen entsteht.
Die Eröffnung am 9. Juni markiert den Startschuss. Mit dem Johann Kontor gewinnt Hamburg eine Fläche, die architektonisch in die Moderne passt und inhaltlich genau das bieten will, was die Innenstadt so dringend braucht: einen Ort des Innehaltens, der Information und der ästhetischen Überraschung. Ein Kontor, in dem nicht mit Containern, sondern mit Ideen gehandelt wird.
Architektur trifft auf kulturellen Anspruch
Die architektonische Einbettung des Kultur Kontors ist dabei weit mehr als nur eine gefällige Unterbringung im Erdgeschoss. Von Beginn an war die kulturelle Nutzung als integraler Bestandteil des Johann Kontors fest im städtebaulichen Vertrag verankert. Frank Holst, Geschäftsführer von AUG. PRIEN Immobilien, betont: „Für uns war diese Entscheidung ein zentraler Aspekt unserer Planung und Durchführung.“
Das Ergebnis: eine bestens ausgestattete, barrierefreie Fläche, die durch ihre prominente Lage direkt am Klosterwall eine Brücke zwischen geschäftlichem Treiben und kultureller Reflexion schlägt. Es ist ein Raum, der durch seine moderne Transparenz einlädt – ein „atmender Raum“, wie es Kultursenator Dr. Carsten Brosda treffend formulierte. Dass ein internationaler Logistik-Riese wie Maersk als Hauptmieter den Standort durch einen Mieterlass fördert, unterstreicht die Rolle des Kontors als gesellschaftliches Engagement mitten in der Innenstadt.
Fußball, Masse und Macht
Passend zur anstehenden Fußballweltmeisterschaft der Männer im Sommer 2026 schlägt das Kultur Kontor mit seiner Eröffnungsausstellung ein Kapitel auf, das weit über den Sport hinausgeht. Ab dem 9. Juni 2026 wird die Wanderausstellung „SPORT. MASSE. MACHT. Fußball im Nationalsozialismus“ präsentiert.
Dass der Startschuss gerade in einem so neuen, offen gestalteten Raum erfolgt, ist kein Zufall. Die von der what matters gGmbH und dem Sportmuseum Berlin kuratierte Schau stellt die Frage, wie der Sport – und speziell der Fußball – zur Stabilisierung und Propagierung nationalsozialistischer Ideologie instrumentalisiert wurde. In Hamburg wird diese Ausstellung gemeinsam von der SHMH sowie der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte realisiert. Sie ist ein dringliches Angebot an das Publikum, die populärste Sportart der Welt einmal nicht nur unter Aspekten von Sieg und Niederlage zu betrachten, sondern als ein gesellschaftliches Feld, in dem Machtansprüche und ideologische Massenmobilisierung eine verheerende Allianz eingingen.
Die Ausstellung ist ein Auftakt, der verdeutlicht, welchen hohen Anspruch das Kultur Kontor Hamburg an sich selbst stellt: Hier soll nicht nur geschaut werden, hier soll diskutiert werden.
Ausstellungsdetails & Führungen
Für Interessierte, die sich tiefergehend mit den Inhalten der Ausstellung „SPORT. MASSE. MACHT.“ auseinandersetzen möchten, werden begleitende Führungen angeboten.
- Eröffnung: 9. Juni 2026, 14.00 Uhr
- Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt: Frei
- Führungstermine: Informationen zu den aktuellen Terminen finden Interessierte auf der offiziellen Website: www.shmh.de/praesentationen/sport-masse-macht/
- Vertiefende Infos zum Ausstellungsthema: sport-masse-macht.de
Ein Raum mit vielen Gesichtern
Die SHMH ist organisatorisch für das Programm verantwortlich. Man darf gespannt sein, welche weiteren Perspektiven sich hier in den kommenden Monaten eröffnen werden.
Das Programm des Kultur Kontors scheint klug konzipiert, um verschiedene Facetten der Hamburger Kulturlandschaft sichtbar zu machen. Denn die Stiftung Historische Museen Hamburg nutzt die Fläche künftig nicht nur als Galerie, sondern als aktive Plattform. Besonders spannend ist dabei der Fokus auf das Deutsche Hafenmuseum, das sich hier in einer intensiven Aufbauphase befindet. Besucher*innen erhalten die exklusive Möglichkeit, Einblicke in die Konzeption, die Objektauswahl und die komplexen Arbeitsverfahren dieses Großprojekts zu gewinnen – eine Art „Museum hinter den Kulissen“, das den Transformationsprozess unserer Stadtgeschichte erlebbar macht.
Edwin-Scharff-Preisträger*innen im Fokus
Ein weiterer Höhepunkt im Jahreskalender ist die jährliche Präsentation der Preisträger*innen des Edwin-Scharff-Preises, eine renommierte Auszeichnung Hamburgs, die seit 1955 jährlich an herausragende Künstler*innen für ihr Schaffen vergeben wird. Die Behörde für Kultur und Medien nutzt das Kultur Kontor dann für einen Monat, um diese herausragenden Leistungen in der bildenden Kunst ins Scheinwerferlicht zu rücken. In unmittelbarer Nähe zur Hamburger Kunstmeile entsteht so eine spannende Wechselwirkung: Die unmittelbare Nachbarschaft zu etablierten Institutionen schafft einen Dialog zwischen der arrivierten Kunstwelt und den frischen, preisgekrönten Positionen.
Ausblick:
Das Kultur Kontor versteht sich als „atmender Raum“. Die Mischung aus wechselnden Präsentationen der SHMH zu ihren Großprojekten und Modernisierungsvorhaben, temporären Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durch Preisträger*innen und Informationsangeboten zum Deutschen Hafenmuseum sorgt für eine stete Dynamik, die dazu einlädt, öfter am Klosterwall vorbeizuschauen. Es ist diese bewusste Öffnung zur Stadtgesellschaft hin, die den besonderen Reiz ausmacht. „Das Kultur Kontor bietet uns die großartige Möglichkeit, die Fläche flexibel zu bespielen“, betonte Kultursenator Dr. Carsten Brosda – und genau diese Flexibilität scheint der Schlüssel zu sein, um aus einem reinen Ausstellungsort einen Ort der Begegnung zu machen.
Wer sich über das aktuelle Programm auf dem Laufenden halten möchte, findet alle Informationen unter www.shmh.de/kultur-kontor-hamburg. Das Kultur Kontor beweist schon jetzt, dass es nicht nur ein Raum für Exponate ist, sondern ein Ort, an dem die kulturelle Zukunft Hamburgs aktiv mitgestaltet wird.
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