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Collage Biografiearbeit  

Manche Vorfahren hinterlassen Briefe, Fotografien und Erzählungen, die sich wie Spuren durch die Zeit ziehen. Andere verschwinden aus den Familienchroniken und sind kaum mehr als ein Name. In jeder Biografie begegnen uns Leerstellen, verbunden mit Unausgesprochenem, das unter der Oberfläche wirksam bleibt.

von Ulrike Hinrichs

Transgenerational wird auch das Schweigen weitergegeben. Familien entwickeln unausgesprochene Regeln darüber, worüber gesprochen wird und worüber nicht. Besonders häufig finden sich Brüche in der Ahnenreihe rund um Themen wie uneheliche Geburt, psychische Krisen, Gewalt, Flucht, Armut oder Suizid.

Wo Wissen endet, beginnt die Imagination

In der künstlerischen Biografiearbeit eröffnen sich Möglichkeiten, die eigene Beziehung zu diesen Leerstellen zu erforschen. Wir können verborgenen Familiengeschichten besonders gut über die Arbeit mit Collage auf die Spur kommen. In einer Collage können Fotografien, Fragmente, Farben, Symbole und Fundstücke miteinander in Beziehung treten. Beim Durchblättern von Zeitschriften, Büchern oder Illustrierten lassen wir uns von Worten und Bildern intuitiv finden. Diese Prozesse aktivieren unsere Intuition. So entsteht ein Bild, das eine innere Beziehung zur Vergangenheit gestaltet. Diese Werke müssen nichts beweisen, sie dürfen Fragen stellen.

Kunst ist eine Brücke zwischen Erinnerung und Nichtwissen

In meiner Familienchronik ist es meine Ururgrußmutter Katharina Hinrichs, die Namensgeberin meiner Familie, deren Spuren ich folge. Sie „verschwand“ 1865 im Alter von 27 Jahren und hinterließ ein uneheliches Kind, meinen Urgroßvater. Zu dieser Zeit war eine uneheliche Geburt mit starker sozialer Stigmatisierung verbunden. Frauen und Kinder konnten dadurch rechtlich und wirtschaftlich an den Rand der Gemeinschaft gedrängt werden. Schande, Ausschluss und moralische Verurteilung prägten solche Lebensgeschichten. Niemand in meiner Familie weiß irgendetwas über meine Ururgroßmutter. Mein Urgroßvater wuchs bei Pflegeltern auf.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe [1] haben wir mit Collage gearbeitet. In meinem Werk erscheint meine Ururgroßmutter fast wie eine Madonna, die wie eine Hüterin über meinem Großvater wacht. Die künstlerische Arbeit kann keine historischen Wahrheiten herstellen, doch sie kann einen Raum öffnen, in dem Erinnerung, Sehnsucht, Verlust und Verbundenheit sichtbar werden. Vielleicht liegt genau darin eine ihrer größten Kräfte: dem Schweigen eine Form zu geben und denjenigen ein Gesicht, die großes Leid getragen und aus der Familiengeschichte verschwunden sind.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Wenn es in deiner Familiengeschichte Menschen gibt, über die kaum etwas bekannt ist, können folgende Fragen hilfreich sein:

Mehr dazu in meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit [5] lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen [5]

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance | 22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com [6]


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