- Tiefgang - https://www.tiefgang.net -

Marathontraining dank Baustellen

Meine Lieben, legt kurz die Nagelfeile beiseite und holt tief Luft! Ich komme gerade frisch vom Friseur am Sand, und ich sage euch, die Lockenwickler standen heute unter olympischer Hochspannung.

Morgen, am Sonntag, den 31. Mai 2026, ist es nämlich so weit: Ganz Hamburg entscheidet beim großen Bürgerschaftsreferendum, ob wir uns noch einmal an das Abenteuer Olympische und Paralympische Spiele wagen!

Meine Lieben, morgen gilt es: Kreuzchen machen für die fünf Ringe! Die Stadt träumt ja von einer nachhaltigen Modernisierung, besserer Mobilität und internationalem Glanz. Das olympische Dorf soll in die „Science City Bahrenfeld“ einziehen – weit weg im Westen natürlich. Aber meine Friseurin meinte vorhin ganz trocken zu mir: „Mensch Clara, wenn die das mit der Barrierefreiheit und den Sportstätten ernst meinen, dann müssen die doch eigentlich direkt hier bei uns im Süden anfangen!“

Ich musste ja sofort laut loslachen. Überlegt mal, was für ein Potenzial wir hier haben! Warum die Spiele mühsam in Bahrenfeld planen? Nach dem gigantischen Rohrbruch an der Buxtehuder Straße neulich hätten wir die perfekte Regattastrecke für die Ruderer*innen direkt vor der Haustür gehabt. Und die überfluteten Straßen in Marmstorf wären die optimale Kulisse für das olympische Synchronschwimmen gewesen. Wer braucht schon teure Neubauten, wenn Hamburg Wasser uns die Sportstätten ganz spontan und gratis mitten auf den Asphalt zaubert?

Auch für die Disziplin Gewichtheben oder gar die Alchemie hätten wir schon die perfekten Trainingslager. In den oberen Etagen unseres geliebten, leerstehenden Ex-Karstadts – Entschuldigung, „Planet Harburg“ – herrscht schließlich seit Jahren gähnende Leere. Na ja, bis auf die illegale Goldschmelze, die die Feuerwehr neulich dort ausräuchern musste. Die Truppe dort hat beim Schleppen der Schmelztiegel ja schon echte Höchstleistungen gezeigt! Wenn das IOC noch eine neue Disziplin im „Heimlichen Goldschürfen im Untergeschoss“ sucht – die Goldmedaille ginge direkt an den Harburger Ring.

Und was ist mit der Leichtathletik? Unsere Pendler*innen sind doch eh schon im absoluten Spitzensport-Modus. Wer in den letzten zwei Wochen versucht hat, die gesperrte S-Bahn zu umgehen oder sich durch die Totalsanierungen im Verkehr zu kämpfen, hat das Marathontraining doch quasi im Vorbeigehen absolvert. Wenn das MidSommerland an der Außenmühle wegen der ewigen Bauverzögerungen und Frostschäden voraussichtlich erst im dritten Quartal 2028 wieder öffnet, trainieren die Harburger Vereine und Familien eben im Trockenschwimmen. Auch das erfordert enorme Ausdauer!

Meine Lieben, egal ob ihr morgen mit „Ja“ oder „Nein“ stimmt – eines steht fest: Den olympischen Gedanken des Durchhaltens („Dabeisein ist alles!“) leben wir hier im Hamburger Süden schon lange vor allen anderen. Wenn die Spiele kommen, fordern wir auf jeden Fall die Eröffnungsfeier auf dem Sand. Bis dahin lasse ich mir erst mal die Spitzen nachschneiden.

Bussi, eure Clara!


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

Related Post

Druckansicht [1]     [2]

[3] [4] [5]