Suchergebnisse für „futuremusic“ – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 06 Jul 2018 15:19:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Hamburg für Kulturraumschutz bereit! https://www.tiefgang.net/hamburg-fuer-kulturraumschutz-bereit/ Fri, 06 Jul 2018 22:18:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3880 [...]]]> Es musste erst wieder laut werden, um eben über das Thema Urbanität, Clubs, Lärmschutz und kulturelle Infrastruktur ernsthaft reden zu können.

Denn während London, Paris oder Amsterdam längst ernsthafte Planungen zum Umgang mit Tourismus, Clubkultur, Anwohnerschaft und städtischem Leben in den explodierenden Metropolen unternehmen, fragt sich Hamburg noch, ob ein G20-Gipfel nochmal denkbar wäre. Dabei geht es längst um ganz andere Werte. Was ist eine Stadt wert, wenn die Einwohner nichts mehr von ihr haben? Wenn sie sich den Interessen von Tourismus, Schönrederei und Eigentumsinteressen unterzuordnen hat. „Clubs und Kultur finde ich gut, aber bitte nicht in meiner Straße“ – ist ja nicht nur im Berliner Prenzlberg, der stark nach schwäbischer Dorfidylle anmutet, ein geflügelter Ausspruch von betuchten Neubewohnern.

Daher startete der Hamburger Dachverband von Live-Musik-Clubs, das Clubkombinat, zum Jahreswechsel die Kampagne „#FutureMusicCityHH“ und hängte zugleich eine Petition an. Die Forderungen waren konkret und auch auf Dialog ausgerichtet:

KONKRET BENÖTIGEN WIR:
#1. Ein Dialogforum für „Kultur(frei)räume“
#2. Mehr Open Air-Flächen für Musiknutzungen
#3. Fonds für Lärmschutz & grüne Energie
#4. Möglichkeiten, Gewerbeleerstände kreativ zu nutzen
#5. Bezahlbare Werbeflächen
#6. Keine Pflichtgebühren für unnötige Parkplätze
#7. Ausbau der Strukturförderung für Musikspielstätten & Veranstalter

Nun zieht der Verband seine Bilanz und diue kann sich sehen lassen: „Die Petition ist bereit zur Übergabe“ heißt die zentrale Botschaft, denn mehr als 10.000 Unterschriften wurden „für einen aktiven Kulturraumschutz“ gesammelt.

Auch Prominenz unterstützte das Bitten um Gehör: Olivia Jones, Madsen, DJ Mad, Rantanplan, Deniz Jaspersen (Herrenmagazin) und Deine Freunde riefen aktiv zur Kampagne und unter den Erstunterzeichnern fanden sich Namen wie Fatih Akin, Frank Otto, Lilo Wanders, Ina Bredehorn, Bernd Dopp, Deichkind, Chefboss, Sophia Kennedy, Lotto King Karl, Oke Göttlich und Reinhold Beckmann & Band.

Gesammelt wurden die Unterschriften online aber auch „per Hand“ in den Clubs. „Die Kampagne, bei der die Club- und VeranstalterInnenszene in Hamburg zunehmend existenzbedrohende Arbeits- und Rahmenbedingungen beklagt, verzeichnete eine bundesweite Beteiligung. Die größte Aufmerksamkeit wurde in den direkten Nachbarländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen erzeugt, gefolgt von Nordhrein-Westfalen und Berlin. Innerhalb Hamburgs erhielt die Petition in den Bezirken mit der höchsten Club- und Veranstaltungsdichte Altona und Mitte, den größten Zuspruch. Insgesamt gaben 34% der Online-UnterzeicherInnen an, dass sie direkt von der Situation betroffen sind“, ist nun vom Clubkombinat zu vernehmen.

Parallel zur laufenden Kampagne wurden zu den verschiedenen Themenfeldern einige behördenübergreifende Gespräche geführt. Und auch auf politischer Ebene konnten (Teil)Erfolge verzeichnet werden: Ein Antrag der rot-grünen Regierungskoalition zur Stärkung der Hamburger Clubszene fand in der Bürgerschaft noch vor der Sommerpause regierungsübergreifend eine Mehrheit. Demnach fließen in den kommenden zwei Jahren (2019-2020) wie im Vorjahr 250.000 € pro Jahr für Strukturförderungen privater Musikbühnen in den Live Concert Account. Zusätzlich werden einmalig 50.000 € für Planungskosten von Sanierungsvorhaben bereitgestellt. Die Behörde für Kultur und Medien erhält einen Prüfauftrag für ein Hamburger Club-Kataster, ein bereits in Berlin etabliertes Tool zur Erfassung von Kultur(frei)räumen.

Wenn mehr und dauerhaft über die Arbeit des Clubkombinats informiert werden möchtet, kann den Newsletter (Versand ca. zwei Mal pro Jahr) bestellen: newsletter.clubkombinat.de/

Bleibt nur noch zu wünschen, Politik bräuchte nicht immer erst lauten Widerstand, um zu re-agieren, sondern wäre vorausschauend und eben agierend tätig. Aber das ist nicht nur in Hamburg eben ein Traum.

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Zum Brunch bei Maria https://www.tiefgang.net/zum-brunch-bei-maria/ Fri, 18 May 2018 22:53:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3633 [...]]]> Das Clubkombinat Hamburg lädt einmal im Monat seine Mitglieder zum Branchen-Brunch. Jetzt war es in Harburg im Marias Ballroom. Wir haben mal reingeschaut.

Einmal im Monat findet der sogenannte Club-Brunch statt und am liebsten in jeweils einem anderen Club, um auch mal einen expertiven Blick hinter die Kulissen werfen zu können. Diesmal im Phoenixviertel, denn der Süden ist eine echte Hausnummer in Sachen Hamburger Clublandschaft geworden. Unter den mittlerweile 150 Mitgliedern des seit 2004 existierenden Dachverbands der Hamburger Clubbetreiber*innen und Partymacher sind etliche Clubs im Süden, wie es ja jährlichs choin die Music-Night belegt. Sei es das Stellwerk, die Inselklause, der Old Dubliner, die Fischhalle, die Kulturwerkstatt oder eben Marias Ballroom. Glaubt man der verbandsinternen Statistik ist der Süden der Stadt drittstärkster Live-Club-Bezirk der Metropole. Und so ist es fast folgerichtig, dass auch im Vorstand des Verbandes sich (wieder) ein Harburger findet. Heimo Rademaker vom Ballroom in der Lasallestraße.

Und er lud vergangenen Mittwoch zum Branchen-Brunch. Neben Kaffee, Brötchen und Bacon-Eggs dient der Brunch immer auch zum „Netzwerken“, sich kennen- und voneinander lernen und Neues erfahren.

Neu war einiges in Sachen Ökologie. So stellte sich eine Initiative des Vereins Clubkinder vor mit dem kompakten Namen und Programm „fuckstraws!“.

Ihr Begehren: „Plastik in den Weltmeeren. Plastik in der Elbe. Plastik in unserem Trinkwasser. Täglich erreichen uns neue spektakuläre Bilder und eindrucksvolle Zahlen. Leider. Wir finden Müll in Korallenriffen, in Walen, Schildkröten, Vögeln und in unserem Körper. Immer mehr Länder besteuern oder verbieten Plastiktüten oder Einweggeschirr. Endlich. DEN GRÖSSTEN SCHRITT KÖNNEN WIR SELBER MACHEN. TAGTÄGLICH NUTZEN WIR VIEL ZU VIEL PLASTIK. LASST UNS DAS LASSEN!“

Über im Flüssig (Foto: Alexas_Fotos / Pixabay)

Kurzum: Ideen werden gesammelt und umgesetzt, möglichst jeden Plastikmüll im Nachtleben zu meiden. Back to Stroh-Halm im wahrsten Sinne. Die Trinkröhren gibt es übrigens mittlerweile auch edel aus Glas – aber unpraktisch und teuer im Club-Alltag. Ein Tipp an die Clubs war so aber auch: Halme für Drinks überhaupt erst auf Nachfrage rauszugeben.

Mehr Infos dazu: #FCKPLASTIC; fckplastic.org; facebook.com/fckplastic.org

Ebenso interessant ein Vortrag von Vertretern von Greenpeace Energy. Ein Ableger des Umweltvereins, der aber auch Clubs u.a. beim Energiesparen unterstützt. Und das reicht vom Handtrockner über die Glühbirne, dem Bewegungsmelder bis zum Kühlschrank. Man lernt und spart eben nie aus.

Auch konnte freudig für Verbandsmitglieder wieder die ein oder Partnerschaft mit satten Rabatten im Einkauf verkündet werden wie auch der Service des Kombinats ohnehin kaum eine Frage offen zu lassen scheint: clubkombinat.de/mitglieder/service

Harburg ist also mittendrin im urbanen Club-Geschehen, das noch kurze Zeit zur Aktion #FutureMusicCityHH (´Tiefgang` berichtete mehrmals) uns zur gleichnamigen Petition aufruft. Und auch steht fest: Hamburger Musikveranstalter*innen ohne Mitgliedschaft im Clubkombinat ist wohl nur schwer zu helfen. Alle anderen nutzen sie schon.

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Den Clubs gehen die Töne aus https://www.tiefgang.net/den-clubs-gehen-die-toene-aus/ Fri, 02 Mar 2018 23:35:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3149 [...]]]> Die Musikstadt Hamburg kränkelt. Das zumindest zeigt die Bilanz des Hamburger Clubkombinats. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Das Clubkombinat, der Zusammenschluss der Club- und Veranstalterlandschaft in Hamburg, veröffentlichte seine Bilanz für das Jahr 2016/2017. Berücksichtigt werden Schließungen, Neugründungen, Betreiberwechsel und Umzüge innerhalb der Hamburger Clublandschaft.

Während im Vergleichszeitraum 2014/2015 noch ein Zuwachs von neun Musikbühnen verzeichnet werden konnte, weist die aktuelle Berechnung einen Rückgang von acht Musikbühnen (ca. 5,7 Prozent) aus. Insgesamt stehen sieben Neugründungen und Programmausweitungen 15 temporären Programmpausen und dauerhaften Schließungen gegenüber. (´Tiefgang` berichtete mehrfach)

Thore Debor, Geschäftsführer Clubkombinat Hamburg e.V., ist beunruhigt über die Entwicklung:
“In der Vergangenheit konnten wir durch gemeinsam mit Politik und Behörden entwickelte Maßnahmen wie z.B. die temporäre Erhöhung der Infrastrukturförderung und erste Projekte im Sanierungsfonds eine stabilisierende Wirkung auf die Situation der Hamburger Kulturbetriebe erzielen. Der jetzige Rückgang an Musikbühnen zeigt einmal mehr, wie notwendig der Einsatz für eine vielfältige Club- und Musiklandschaft in Hamburg ist.” Vor allem Faktoren wie Nachverdichtung, Mieterverdrängung und kostspielige Auflagen seien laut Debor Gründe für den derzeitigen Verlust an Musikspielstätten. Von einem Clubsterben, wie es in den Medien häufig zu lesen ist, spricht Debor aber noch nicht. Trotzdem merkt er an: “Die Rahmenbedingungen für Clubbetreiber verschärfen sich. Möchte Hamburg weiterhin eine der vielfältigsten und lebendigsten Live-Musikszenen in Deutschland beherbergen, bedarf es dringend zusätzlicher Unterstützung in den politischen Entscheiderkreisen”.

2017 konnten erstmals über das Jahr laufende Veranstaltungsprogramme erfasst werden. Von den 103 Musikspielstätten, die bis Ende 2017 im Clubkombinat organisiert waren, wurden Veranstaltungsdaten von durchschnittlich 82 Musikclubs verzeichnet. Das Ergebnis waren 11.222 Veranstaltungen, davon 5.876 Konzerte (inkl. OpenStage; 52,4 Prozent) und 3.892 Parties (34,7 Prozent). Diese Ausgangswerte erlauben eine Prognose von hamburgweit ca. 20.000 Musik-Veranstaltungen pro Jahr, im Durchschnitt knapp 55 Veranstaltungen pro Tag.

Insgesamt existierten 2017 109 Musikclubs, die Live-Musik in Hamburg präsentierten. 78 Prozent dieser Musikclubs berechnen einen Eintritt für ihre Veranstaltungen. Die geschätzte Gesamtzahl aller Musikspielstätten inklusive Musikkneipen liegt bei über 140.

Hintergründe der Erhebung

Ob Golem, Kleiner Donner oder klubsen – bei fast jeder prominenteren Club-Schließung geistert das Wort “Clubsterben” durch die Medien. Dieser Begriff wird wiederholt bei aktuellen Bedrohungslagen oder konkreten Schließungen von Musikclubs verwendet. Für einen faktenbasierten Diskurs erhebt das Clubkombinat Hamburg seit 2014 kontinuierlich die Entwicklungen in der Hamburger Clublandschaft und zieht alle 24 Monate Bilanz.

Es handelt sich hierbei jedoch nur um einen Ausschnitt des Gesamtgeschehens, denn die Menge der Clubs sowie die Vielzahl der Aktivitäten in dieser Szene lassen sich nur schwierig in ihrer Gesamtheit erfassen. Die Ausführungen erheben somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, konzentrieren sich jedoch auf die wichtigsten Ereignisse der Clubszene.

Das Clubkominat ruft mit einer Petition #FutureMusicCityHH die Stadt Hamburg zum Handeln auf: openpetition.de

Quelle: www.clubkombinat.de

 

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London Calling https://www.tiefgang.net/london-calling/ Fri, 29 Dec 2017 23:22:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2775 [...]]]> Die Metropolen ändern sich rasant. Wachstum, Platzmangel, Preissteigerungen. Darunter leiden auch die Live-Musikclubs. Hamburg startete eine Petition, London erklärt Live-Clubs zur Chefsache. Was ist da los?

In wenigen Jahren ist das passiert, was 2009 bei der Kampagne „not in our name“ in Hamburg prognostiziert wurde: „Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedelungsgebiet für diese „kreative Klasse“ zu werden. Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer „Image City“ unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: Das Bild von der „pulsierenden Metropole“, die „ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur“ bietet.“ (siehe „Manifest“ der Initiative „not in our name“, 2009)

Dabei war das nicht mal neu. In seinem Buch Le droit à la ville von 1968 (!) entwarf der französische Philosoph und Soziologe Henri Lefebvre das Recht auf Stadt als ein Recht auf ein transformiertes, erneuertes urbanes Leben. Darin thematisierte er schon früh die sozialen Probleme, die durch die rasche Urbanisierung der Nachkriegszeit, insbesondere durch den Massenwohnungsbau entstanden. Lefebvre beklagte zahlreiche Qualitätseinbußen, die mit dem Urbanisierungsprozess einhergingen. Stadt als Ort der kreativen Schöpfung werde zunehmend dem Tauschwert und der industriellen Verwertungslogik unterworfen werde und für ihre Bewohnerinnen und Bewohner schließlich in den Zwang münde „sich in Schachteln, Käfigen oder ,Wohnmaschinen‘ einschließen zu lassen“.

Nun ganz so ist es nicht gekommen. Jedenfalls nicht so und auch noch nicht. Aber das sich da was zusammen braut, zeigen jüngste Initiativen wie in Amsterdam. Dort wurden ab Herbst 2017 reine Tourismusläden nicht mehr zugelassen und das Stadtmarketing gleich ganz eingestampft. Der Widerstand der Stadtbevölkerung gegen einen touristischen Ausverkauf wurde zu groß. Paris hat frühzeitig verschiedene Schwerpunkte im urbanen Gebiet geschaffen, um das direkte Zentrum nicht zum Pulverfass und touristischen Disneyland werden zu lassen. Ob es reicht, kann man bezweifeln.

Jetzt hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan mit dem „London Plan 2018“ die sogenannten Grassroots Music Venues (dt. etwa wie Kleinstmusikbühnen) zur Chefsache erklärt. In einem Masterplan sollen die Themen Stadtentwicklung und Kulturräume künftig strukturell verbunden und behandelt werden.

Auszüge aus dem London Plan:

Das “Agent of Change”-Prinzip verlagert die Verantwortung für die Abschwächung der Auswirkungen von bestehenden lärmerzeugenden Aktivitäten oder Nutzungen auf die neu geplante lärmsensitive Nutzungen.
„Die Bezirke sollten sicherstellen, dass die Planungsentscheidungen das „Agent of Change“-Prinzip widerspiegeln und die bestehenden lärmerzeugenden Nutzungen sensibel berücksichtigen, wenn neue Projekte, insbesondere Wohngebiete, in der Nähe vorgeschlagen werden.
Neue Projektentwickler sollten Lärm und andere potenzielle Belästigungen durch Folgendes steuern:

1) Gewährleistung eines guten akustischen Designs zur Minderung und Minimierung vorhandener und potenzieller Lärmauswirkungen von bestehenden Nutzungen in diesem Gebiet.

2) Ausarbeitung von Minderungsmaßnahmen in einem frühen Stadium der Entwurfsphase, mit notwendigen und angemessenen Vorkehrungen, die durch Planungsverpflichtungen gesichert sind.

3) Neue lärmsensitive Projekte sollten soweit wie möglich von bestehenden lärmerzeugenden Unternehmen durch Entfernung, Abschirmung, Innenausbau, Schalldämmung und Isolierung sowie andere akustische Gestaltungsmaßnahmen getrennt werden.

Neue Entwicklungen sollten so gestaltet sein, dass etablierte lärmerzeugende Veranstaltungsstätten rentabel bleiben und ohne unangemessene Einschränkungen weiter bestehen oder wachsen können.
Neue lärmerzeugende Projekte wie industrielle Nutzungen, Musiklokale, Kneipen, Eisenbahninfrastrukturen, Schulen und Sportstätten, die in der Nähe von Wohngebieten und anderen lärmsensiblen Gebäuden geplant werden, sollten Maßnahmen wie Schalldämmung zur Linderung und Bewältigung von Lärmbelastungen für Bewohner und Unternehmen in der Nachbarschaft ergreifen.
Die Bezirke sollten Entwicklungsvorschläge ablehnen, die nicht eindeutig aufzeigen, wie Lärmauswirkungen gemildert und gemanagt werden.“

Weitere Infos unter: musicvenuetrust.com

Die Petition des Brancheverbandes Clubkombinat Hamburg, das unter dem Namen #FutureMusicCityHH einen Schutz von Live-Musikclubs in Hamburg einfordert (´Tiefgang` berichtete), hat die Diskussion zumindest auch in Hamburg  neu befeuert. Und zumindest darf man gespannt sein, ob das Venedig des Nordens bereit ist, Konzepte und Strategien anderer Metropolen in den Diskurs aufzunehmen.

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Das Recht auf Club! https://www.tiefgang.net/das-recht-auf-club/ Fri, 22 Dec 2017 23:15:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2770 [...]]]> Letzte Woche veröffentlichten wir den Aufruf #FutureCityHH. Darin werden bessere Bedingungen für Musikclubs in der wachsenden Metropole gefordert. Heute zeigen wir die konkreten Bedingungen.

Hamburg wächst rasant, die Mieten steigen und der Verdrängungswettbewerb wird von einkommensstarker Klientel bestimmt. Hamburger Musikclubs kämpfen daher massiv mit Lärmbeschwerden, Mietsteigerungen, wachsenden Behördenauflagen und auch steigenden GEMA-Aufwendungen. In dem Aufruf des Hamburger Branchenverbandes (´Tiefgang`berichtete letzte Woche zum Start der Petition: „Völker hört die Musikclubs!“) heißt es daher: „Wenn wir jetzt nichts tun, gibt es Deinen Lieblingsclub vielleicht bald nicht mehr und die Ausgehviertel werden geprägt von Musik aus der Konserve oder wandern ab an den Stadtrand, wo Mieten eventuell noch bezahlbar sind. Das willst Du nicht? Wir auch nicht! Wir wollen Musikclubs in Hamburg eine Zukunft geben, in der Musikvielfalt das Herzstück bildet. Eine Zukunft, in der sich junge KünstlerInnen auf kleinen, kreativen Bühnen ausprobieren, Neues wagen können und in der Du Abend für Abend und Nacht für Nacht durch die Stadt ziehen und immer wieder etwas Besonderes entdecken kannst.“

Aber wie genau soll das funktionieren? Was genau könnte Politik tun, um der Lage Herr zu werden?

„Kultur(frei)räume“ etablieren

Das Clubkombinat fordert etwa: „Kultur(frei)räume“ und meint damit, dass bestehende Kulturräume besser geschützt und neue Freiräume leichter nutzbar gemacht werden müssten. Ein Abriss wie vor einigen Jahren beim Molotow auf der Reeperbahn jedenfalls wäre vielleicht ebenso verhinderbar gewesen wie die Schließung des Harburger Traditionsclubs ´Consortium`, das zum Hebammen-Café werden sollte. Benötigt würde, so der Verband, eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe “Kultur(frei)räume” mit Vertretern aus der Behörde für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie, Gesundheitsbehörde, Kultur und Medien, Finanzbehörde, Kreativgesellschaft, Bezirksämtern, den Bauämtern und eben des Clubkombinats. Diese soll dann die vielen Handlungsfelder Stück für Stück und konstant voranbringen. In akuten Fällen soll mit der Task-Force auch schnell und behördenübergreifend Hilfestellung geleistet werden. Im Dialog sollen so auch Verfahren für neue Flächenakquisen, die Einrichtung eines Club-Katasters wie in Berlin, Lösungen für ein Beschwerdemanagement, effizientere Genehmigungsprozesse im Bau- und Gewerberecht und eine Vereinfachung von Sonder- und Zwischennutzungen erarbeitet werden. „Eine Folge dieses Austausches sollte auch eine reichhaltige und lebendige Free Open Air-Szene sein, die von vereinfachten Genehmigungsverfahren und vielfältigen Flächenangeboten profitiert“, heißt es.

Mehr Open Air-Flächen für Musiknutzungen

Und so zielt eine weitere Forderung auf mehr Open Air-Flächen für Musiknutzungen. So wollen Hamburgs Musikclubs in einer Gemeinschafts- und Solidaraktion unter dem Arbeitstitel FutureMusicPlaza die wachsenden Umsatzlücken des jährlichen Sommerlochs verkürzen und gleichzeitig das Kulturangebot ausweiten. „Die langfristige Überlassung geeigneter Freiluftveranstaltungsfläche/n mit einem symbolischen (Erbbau)Pachtvertrag zur Selbstverwaltung durch das Clubkombinat ist dafür erforderlich“, so die Forderung.

Fonds für Lärmschutz & grüne Energie

Ja und auch ökologisch verträglich sollen die Musikclubs werden, können es aber aus eigener Kraft kaum stemmen. So solle die Hamburger Politik Zuschüsse in Höhe von jährlich 2 Mio. EUR für zwei niedrigschwellige Förderprogramme gewähren, die eine Landesförderung für dringende Bedarfe von Musikspielstätten für Lärmschutz- und Ressourceneffizienzmaßnahmen vorsehen. Als Abwicklungsstelle könne die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg dienen, die bereits Erfahrungen beim Sanierungsfonds Hamburg 2020 gesammelt hat.

Möglichkeiten, Gewerbeleerstände kreativ zu nutzen

Hamburg benötige, so die Clubmacher, als Stadt mit hoher Bevölkerungsdynamik ein stetiges Monitoring-Verfahren, das die räumlichen Verfügbarkeiten und Entwicklungen von Musikclubs, Bandübungsräumen, Studios und Open Air-Flächen kontinuierlich dokumentiert und in Berichtsform jährlich aufbereitet. „Hierfür erscheint uns die Einrichtung eines „Kultur(Frei)räume-Katasters“ geeignet. Ein derartiges Planungsmonitoring ist erstrebenswert, um Angebote und Nachfrage zu verknüpfen und neue standörtliche Entwicklungstendenzen frühzeitig zu erkennen. Nach Errichtung einer solchen Plattform ließe sich ein Verfahren zur aktiven Flächenausweisung (z. B. durch die Finanzbehörde, LIG und SpriAG) implementieren, das nutzbare Veranstaltungsflächen (Langzeit- und temporäre Zwischennutzungen) auflistet. Zudem erhielten die Behörden auf Bezirksebene für Neubauvorhaben ein Tool, um nach dem Rücksichtnahmegebot umliegende Kulturbetriebe abzuprüfen.“

Radiobeitrag: Thore Debor, Geschäftsführer vom Clubkombinat Hamburg im Gespräch mit Mascha Drost im Deutschlandfunk

Als Beispiele solcher Monitoringverfahren werden das Berliner Clubkataster, die Londoner Grassroot Music Venues, die Initiative OpenBerlin oder auch der Leerstandsmelder angeführt.

Bezahlbare Werbeflächen

Auch um die Werbung und Wahrnehmung von Musikclubs sorgt sich der Aufruf. „Musikclubs benötigen als Kleinstkulturveranstalter mehr bezahlbare Plakatierungsflächen – hauptsächlich in den Szenevierteln Hamburgs. Die Bereitstellung von Finanzmitteln aus dem laufenden Stadtvertrag, u.a. für zusätzliche Kulturflächen durch die Vergrößerung bestehender bezirklicher Werbeanlagen, wäre ein erster Schritt.“ Und auch die Änderung der Hamburger Bauordnung, welche Brückenwerbung für Kultur im Gegensatz zu anderen Städten wie Hannover, Bremen oder Kiel verbiete, sei ein weiteres Ziel.

Keine Pflichtgebühren für unnötige Parkplätze

Ein immer wiederkehrendes Thema ist auch die sogenannte Stellplatzabgabe, die auch Musikclubs an die Bezirke abführen müssen, so sie nicht ausreichend Parkplätze vorhalten können. Konkret: „Clubgänger kommen in den seltensten Fällen mit dem Auto. Fast alle Clubs sind problemlos mit dem ÖPNV zu erreichen. Daher fordern wir – analog wie jüngst beschlossen beim Wohnungsbau – die generelle Abschaffung der Stellplatzabgabe für kulturelle Musikclubs bis zu einer Größe von 1.000qm.“

Ausbau der Strukturförderung für Musikspielstätten & Veranstalter

Und da das Clubkombinat schon in mehreren Bereichen durchaus kulturpolitisch Erfolge aufweisen kann – etwa mit dem „Live Concert-Account“ zur Förderung von Live-Konzerten, wollen die Petitionsinitiatoren dies gewürdigt und ausgebaut wissen. „Die in Hamburg etablierte Infrastrukturförderung für private Musikclubs – der jährliche Live Concert Account (LCA) – gilt es, als Sockelförderung von aktuell 150.000 € auf 1 Million € pro Jahr aufzustocken. So kann künftig in einem Future Music Fonds auch die Förderung für kleine Nachwuchskonzerte und experimentelle Tanzveranstaltungen erreicht und stark ausgeweitet werden. Zielgröße ist eine Fördersumme als Produktionskostenzuschuss von 200 € pro förderfähiger Veranstaltung, um Künstler und Veranstalter gleichwertig zu unterstützen. Damit würden sich die Förderquoten an jahrzehntelange Förderpraxis von Einzelprojekten (z.B. von ca. 3,60 EUR pro Besucher) angleichen und eine gerechtere Verteilung ergeben. Gegenwärtig liegt der Vergleichswert im Live Concert Account für alle beantragenden Musikspielstätten bei ca. 0,20 € pro Besucher.“

Videobeitrag: Thore Debor, Geschäftsführer vom Clubkombinat Hamburg im Gespräch mit Verena Vorjohann von HH1.

Durchaus also alles Forderungen, die zu diskutieren der Stadt Hamburg gut stünde. Und vermutlich kommt man auch dauerhaft nicht drumherum. London, Amsterdam und Paris als ähnliche europäische Metropolen jedenfalls sehen bereist akuten Handlungsbedarf. Wachsen will eben – auch als Metropole – gelernt sein.

Die gesammelten Unterschriften der Petition sollen letztlich dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz übergeben werden. „Es geht um den gesellschaftlichen Wert von Musikclubs als soziale und kulturelle Orte. Wie wollen wir bestehende musikalische Bühnen für Freiräume, Experimente, Kreativität und musikalische Innovationen zu erschwinglichen Preisen erhalten, wie neue Räume schaffen?“, so die entscheidende Frage, die nicht nur von den Clubs beantwortet werden kann.

Weiterführender Link: clubkombinat.de  zur Petition: openpetition.de/futuremusiccity

 

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Völker, hört die Musikclubs! https://www.tiefgang.net/voelker-hoert-die-musikclubs/ Fri, 15 Dec 2017 23:16:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2747 [...]]]> Die einen können nicht, die anderen wollen nicht schlafen. Auch als Musikstadt hat Hamburg Aufgaben zu meistern. Das Clubkombinat wird nun laut und fordert die „#FutureMusicCityHH“. Ein Aufruf.

In der Mitteilung des Hamburger Clubkombinats, der Berufsverband der Musikclubs in Hamburg heißt es:

„Leuchtende Musikstadt Hamburg – und dennoch: Lärmbeschwerden von AnwohnerInnen und benachbarten Hotelgästen, Pflichtgebühren für unnötige Parkplätze, Mietsteigerungen, wachsenden Behördenauflagen und GEMA-Aufwänden nagen an der Substanz von Musikclubs.

Wenn wir nichts unternehmen, sind die Ausgehviertel in ein paar Jahren geprägt von eintöniger Konservenmusik oder liegen wahrscheinlich ganz am Stadtrand, wo Mieten eventuell noch bezahlbar sind und niemand sich von den Club-Sounds gestört fühlt. Der Immobilienboom verschärft Konflikt um nutzbare Flächen. Musikclubs können beim Wettbieten häufig nicht mithalten und werden verdrängt. Selten verfolgt Stadtentwicklung einen zielgerichteten Ansatz, um Musikstätten frühzeitig in die Planungen zu integrieren.

Fight um Flächen

Eine der vielfältigsten und lebendigsten Live-Musikszenen in Deutschland zu beherbergen, ist ein Pfund, das mehr in das Bewusstsein der politischen Entscheider verankert gehört. Viele KünstlerInnen starten auf unseren Musikbühnen ihre Karrieren und treten bei uns das erste Mal vor Publikum auf. Live-Musikclubs und kleinere Festivals sind Trendsetter und Brutstätten für die Stars von morgen. Künftig können sich selbst Menschen, mit Leidenschaft und Idealismus nicht mehr leisten in zentraler Lage einen Club zu eröffnen. Künstlerkarrieren wie Bosse, Deichkind, Jan Delay, Kettcar, BOY & Co können sich in Hamburg dann nur noch seltener entwickeln.

Wir sind über 140 Hamburger Musikclubs und Veranstalter, die sich im Clubkombinat Hamburg e.V. vereint haben – u.a. altonale, Cotton Club, Docks, freundlich & kompetent, Hafenklang, Knust, Logo, Moloch, Molotow, Prinzenbar, Uebel & Gefährlich und Waagenbau. Erhebe mit uns Deine Stimme für eine vielfältige und kreative Clublandschaft in Hamburg.

ZUR PETITION – HIER KLICKEN

Im Rahmen unserer Kampagne #FutureMusicCityHH wollen wir die Bedingungen, Anliegen und Perspektiven von Musikspielstätten in Hamburg gemeinsam mit ClubbetreiberInnen, VeranstalterInnen, KünstlerInnen, MusikliebhaberInnen, ClubgängerInnen, PolitikerInnen und JournalistInnen in den Fokus rücken und neue Ideen und Lösungsansätze diskutieren. Es geht um den gesellschaftlichen Wert von Musikclubs als soziale und kulturelle Orte. Wie wollen wir bestehende musikalische Bühnen für Freiräume, Experimente, Kreativität und musikalische Innovationen zu erschwinglichen Preisen erhalten, wie neue Räume schaffen?

Stimmen für Musik

Die gesammelten Unterschriften überreichen wir dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz. Eure Stimmen unterstützen uns in den Gesprächen über die Zukunft der Musikclubs in Hamburg, die wir derzeit intensiv mit der Politik und den Behörden führen.

Verbreite unsere Kampagne auf Facebook (#FutureMusicCityHH)! Schreibe uns einen Blog-Gastbeitrag! Kommentiere unsere Forderungen & debattiere dies in Deinen Freundeskreisen!“

Quelle: clubkombinat.de

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