Alte Wache 17 https://www.tiefgang.net Wed, 30 Jan 2019 09:03:27 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Es braucht Räume! https://www.tiefgang.net/es-braucht-raeume/ Fri, 25 Jan 2019 23:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4818 [...]]]> Gleich drei Anträge stehen für kommenden Dienstag auf der Agenda des Harburger Bezirksparlaments. Spät aber endlich.

Am Dienstag (29. Jan, 17.30h im Großen Saal des Harburger Rathauses) tagt die Bezirksversammlung Harburg und gleich drei Anträge fordern Kulturräume  für Musik und Kunst ein.

Die Neuen Liberalen, Die Linke und die SPD greifen das Thema auf. Unter Tagesordnungspunkt 5.3 der Agenda wird es wohl heißt her gehen.

Bei den Neuen Liberalen heißt es:

„Die Bezirksverwaltung wird beauftragt, sich nachdrücklich dafür einzusetzen, dass die von der kurzfristigen Kündigung ihrer Probenräume betroffenen sechs Musikbands zeitnah geeignete räumliche Alternativen in Harburg finden. Dabei soll insbesondere geprüft werden, ob und inwieweit das ehemalige Toilettenhäuschen am Schwarzenberg/Ecke Bissingstraße gegenüber der TUHH, das ehemalige Toilettenhäuschen an der B73 und die ehemaligen Räume des Zentrums für Umwelttechnik an der Buxtehuder Straße als Probenräume in Frage kommen. Ggf. ist auch auf provisorische Lösungen zurückzugreifen, um den betroffenen Bands zügig zu helfen.“ 

Bei der Linken:

„Wie nun der lokalen Presse (Hamburger Abendblatt v. 9. Jan 2019) zu entnehmen war, fallen kurzfristig für rund 60 Musiker*innen Proberäume in der Alten Wache, Nöldekestraße 17 fort. Seit mehr als sieben Jahren bemängelt zudem die Initiative SuedKultur einen erheblichen Mangel an Proberäumen für Musiker und hatte deshalb bereits im März 2011 die Initiative ergriffen, die damals leerstehende ehemalige Polizeiwache Nöldekestraße zu Proberäumen umzufunktionieren, was wegen Verkaufs an einen Privatinvestor ins Leere lief. Im Juni 2015 stellte selbst die Bezirksversammlung Harburg (s. Drs. 20-0769.01) fest, dass „ein erheblicher Bedarf in Harburg an Probenräumen für Musiker besteht.“ Dieses wird sowohl durch die Initiative SuedKultur als auch im Jan. 2017 durch die Verwaltung bestätigt. „Laut Aussage des RockBüro Hamburg e.V. würden 20 – 50 weitere Räume in Harburg die Übungsraumsituation erheblich entspannen und gemäß Betreiber von bandnet.de, der ebenfalls eine kleine Umfrage durchgeführt hat, sei Harburg schlecht abgedeckt und es suchten 13 Bands einen Proberaum in Harburg. Das Frauenmusikzentrum in Ottensen sowie der Betreiber von cdhamburg.de (Carajo Distorsion Hamburg) in Veddel teilten jeweils mit, dass dort auch Harburger probten, weil sie in Harburg nichts gefunden hätten.“ Passiert ist aber im Grunde wenig oder nichts. Laut unserer Großen Anfrage zur Situation und Entwicklung der Kultur in Harburg (Drs. 20-4112.01) sind in den letzten Jahren weder Bedarfe erfasst noch Bemühungen unternommen worden, um dem Proberaummangel sowohl für Musiker*innen als auch für Ateliers für die Bildenden Kunst entgegenzuwirken. (Siehe S. 5 und S. 18) Seite: 2/3 Dies aber ist festgelegter Bestandteil der Globalrichtlinie Stadtteilkultur: „Mit der Förderung sollen insbesondere folgende Ziele erreicht werden:

  • Kunst und Kultur auf der Basis einer lokalen, räumlich und organisatorisch entwickelten Infrastruktur anzubieten und zu vermitteln.
  • Menschen und Gruppen zu ermöglichen, sich künstlerisch und kulturell zu betätigen und kulturelle Angebote selbst zu organisieren.“

Und ausdrücklich heißt es dort hinsichtlich der Aufgaben des Bezirkes: „Die Bezirksämter gestalten den Planungsprozess zu Perspektiven der Stadtteilkulturförderung des jeweiligen Bezirks (…) Die Bezirksämter erfassen diese Bedarfe und Potenziale regelhaft und schreiben sie fort. (…) Parallel dazu werden im Rahmen eines offenen kulturpolitischen Dialoges auf Bezirksebene zwischen bezirklichen Gremien, der Bezirksverwaltung und Einrichtungen bei Bedarf bezirkliche Ziele/Teilziele zur Entwicklung der Stadtteilkultur formuliert. Sie konkretisieren den Zielrahmen der Globalrichtlinie Stadtteilkultur und treffen Aussagen zu spezifischen Sozialräumen, Zielgruppen oder Bereichen der Stadtteilkulturarbeit. Dabei wird sich die Spannung zwischen Zielvorgaben der Fachbehörde (Globalrichtlinie), Planungsvorgaben auf Bezirksebene und den Zielsetzungen der Einrichtungen und Akteure nicht vollständig auflösen lassen.“

Damit das bezirkliche sowie städtische Ziel, Ateliers und Musik-Proberäume zu schaffen erreicht werden kann, ist es dringend notwendig, kurzfristig als auch mittelfristig einen Entwicklungsplan zu erarbeiten.

Petitum/Beschlussvorschlag: Die Bezirksversammlung spricht sich für die Schaffung von Ateliers und Proberäumen im Bezirk Harburg aus sowie um die Einhaltung der Globalrichtlinie Stadtteilkultur und bittet:  Die Verwaltung möge ein Konzept erarbeiten, aus dem kurz-, mittel- und langfristige Lösungen ersichtlich sind, wie der akuten Not und dem steigenden Bedarf an

  • Proberäumen Rechnung getragen wird. Die Verwaltung möge prüfen, ob das ehemalige WC-Häuschen am Schwarzenberg (gegenüber der TUHH) kurzfristig als Proberaum umnutzbar ist und welche
  • Kosten dafür erforderlich sind. Die Verwaltung möge prüfen, ob das ehemalige WC-Häuschen am unteren
  • Schwarzenberg (Buxtehuder Straße) kurzfristig als Proberaum umnutzbar ist und welche Kosten dafür erforderlich sind. Die Verwaltung möge regelmäßig die Bedarfe ermitteln. Dabei kann der Hinweis
  • laut Drs. 20-4112.01, „eine Erfassung (sei) niemals vollständig herstellbar“ kein Argument sein, sich der Bedarfserfassung nicht anzunehmen. Seite: 3/3 Die Verwaltung möge unverzüglich die Kreativgesellschaft Hamburg konsultieren
  • und um Unterstützung bitten, da diese u.a. für Raumbedarfe für Kreative eigens von der Stadt Hamburg gegründet und eingesetzt wurde. Die Verwaltung möge ggf. einen Runden Tisch mit den Betroffenen einrichten,
  • diese zum Gespräch einladen und nachfolgend der Bezirksversammlung miteilen, in wie weit weitere Optionen für den Bezirk Harburg denkbar sind. Die Verwaltung möge prüfen, ob eine feste Anlaufstelle für Kulturschaffende benennbar ist, bei der Suchende sich ebenso melden können, Bedarfe erfasst sowie Angebote gesammelt und weiter gereicht werden.
  • Über die Ergebnisse soll in der Bezirksversammlung oder im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit regelmäßig berichtet werden.“

Und bei der SPD:

„Für Musiker und Bands ist es erforderlich auf Probenräume zugreifen zu können, die ihnen einerseits die Möglichkeit geben unter guten Bedingungen zu proben, andererseits aber auch die Beeinträchtigung des Umfelds möglichst gering zu halten. Das macht die Suche nach geeigneten Räumen schwierig. Zumal in einer wachsenden Stadt auch ein entsprechender Preisdruck entsteht, der die Kosten für Räume jeglicher Art steigen lässt. Das ist oftmals für Hobbymusiker aber auch Profis eine enorme Belastung.

Nun sind aktuell auch noch Mietverträge für Probenräume von sechs Bands in der alten Wache Nöldekestraße kurzfristig gekündigt worden, da dort ein Wohnprojekt starten soll. Auch hier hat seitens des Eigentümers eine Interessenabwägung stattgefunden, die zu diesem Entschluss geführt hat.

Petitum/Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird gebeten, dem Ausschuss für Kultur, Freizeit und Sport einen schriftlichen Bericht zu der aktuellen Kündigung zu geben. Ferner darin aufzuzeigen, welche Möglichkeiten zur Nutzung von Proberäumen derzeit bestehen, welche Unterstützungen der Bezirk bei der Findung von Probenräumen derzeit gibt bzw. welche darüber hinaus möglich wären und geeignete Probenräume im Bezirk auch unter Nutzung von Gebäuden in öffentlicher oder gemeinnütziger Hand zu identifizieren und die dazu erforderlichen Voraussetzungen und Vergabemöglichkeiten zu erläutern.“

 

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Und jetzt die Nöldekestraße https://www.tiefgang.net/und-jetzt-die-noeldekestrasse/ Fri, 11 Jan 2019 23:27:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4764 [...]]]> Eine Große Anfrage zum Stand der Kultur in Harburg offenbarte, in welch´ desaströsem Zustand die Kultur im Süden wirklich ist. Nun kracht es wieder mächtig. (Teil 3)

Seit Jahren fordert die Initiative SuedKultur Ateliers und Proberäume für Kulturschaffende. Ohne Erfolg. Ob Musikproberäume oder Ateliers – seit Jahren verschlechtert sich die Situation. Und nun nimmt die Not mit der Aufkündigung der Proberäume in der Alten Wache in der Nöldekestraße 17 noch akut zu. Gleich rund vierzig Musiker stehen schon in den nächsten Wochen vor einem massiven Problem.

Die Initiative SuedKultur erhielt Ende der vergangenen Woche einen Hilferuf aus der Nöldekestraße 17 in Harburg. Die einstige Polizeiwache wurde vor einigen Jahren an einen privaten Investor veräußert, der dort auch Proberäume für etliche Harburger Musiker*innen  zuließ. Nun ändern sich in weiten Teilen des Gebäudes die Mietverhältnisse und den Bands wurde kurzerhand gekündigt. Der Vermieter versuchte durchaus Alternativen zu finden. Aber Musikproberäume sind so einfach nicht: es braucht Schalldämmung nach innen und außen. Und bei der aktuellen überhitzten Immobiliensituation ist eh wenig zu bekommen.

Dabei fordert SuedKultur seit Jahren, dass der Bezirk seiner Pflicht nachkommen möge, Proberäume zu er- und vermitteln. So jedenfalls sieht es die Richtlinie für Stadtteilkultur als Aufgabe des Bezirks: „Die Bezirksämter erfassen diese Bedarfe und Potenziale regelhaft und schreiben sie fort.“

Schon 2015 stellte selbst die Bezirksversammlung Harburg fest, dass „ein erheblicher Bedarf in Harburg an Probenräumen für Musiker besteht“ und um konkret zu helfen, startete SuedKultur eine Umfrage unter Harburger Musiker*innen, die auch in der Bezirks-Drucksache 20-0769.01 einfloß. Dort hieß es dann im Januar 2017 – also vor genau zwei Jahren:

„Ergebnis der umfangreichen Recherche ist, dass es im Bezirk Harburg nur vereinzelte Proberäume gibt. Diese sind alle vermietet und es werden Wartelisten geführt. Im Internet auf Vermittlungsportalen sowie auf ebay-kleinanzeigen.de gibt es keine Einträge für Proberäume in Harburg. Daher kann keine Gesamtanzahl an Proberäumen mitgeteilt werden. Es ist auch zu vermuten, dass viele Musiker in privaten Räumen proben. Ermittelt wurden einzelne Proberäume

  • beim Verein Elbdeich e.V. in Moorburg,
  • in drei ehemaligen öffentlichen Toiletten und
  • im Kellergeschoss des Gebäudes Nöldekestraße 17.

Zudem hat SuedKultur eine nicht repräsentative Umfrage durchgeführt, an der 48 Musiker/innen bzw. Bands teilgenommen haben. Von den 48 Teilnehmern/innen der Umfrage probten 19 – 27 (die Angaben waren nicht eindeutig) in Harburg. Die genaue Lage der weiteren Proberäume konnte nicht ermittelt werden.“

Seither sind sowohl die öffentlichen Toiletten als eben jetzt auch das Kellergeschoss in der Nöldekestraße nun hinfällig. Also weniger Proberäume statt mehr. Aber Musik machende Menschen sind es mehr statt weniger geworden.

Nun also stehen weitere 10 Bands mit rund 60 betroffenen Musikern nun unmittelbar vor einem massiven Problem. Denn wo kann geprobt werden? Ohne Proben keine Auftritte. Ohne Auftritte keine Konzertmöglichkeit. Ein harter Schlag für Harburgs Kulturlandschaft.

Bands wie Yellow Carpet, Trashkat, Stillleben, die Betty Ford House Band, A Life in a Minute, die zuweilen auch zum Programm der jährlichen SuedKultur Music-Night beitragen aber auch ein afghanisches Musikprojekt stehen vor dem Aus.

Mittlerweile hat SuedKultur selbst Kontakte zu potenziellen Investoren, um etwa Gebäude zu kaufen und langfristig zu Proberäumen umzubauen. Zudem in anderen Städten wie Dresden oder Köln man hervorragende Beispiele findet, wie man mit Gebäude allein für Proberäumen gar noch ein Geschäft mache kann. Aber all das verpufft, wenn es seitens des Bezirkes weder ein Bewusstsein oder gar eine grundlegende Unterstützung gibt.

Weder zeigte sich der Bezirk bisher in der Lage, Eigentümer leerstehender Gebäude zu ermitteln, wie das alte ZEWU-Gebäude an der Stader Straße. Noch bringt er die Fantasie auf, eigenen Leerstand sinnvoll nutzbar zu machen. Sei es das alte WC-Häuschen am Schwarzenberg-Campus, Ecke Bissinger Straße oder zum alten Häuschen an der Buxtehuder Straße gegenüber des neuen MÖMAX-Centers (siehe aktuelle Drs. 20-4317 der Neuen Liberalen).

Dabei wäre die Bezirksverwaltung wohl gut beraten, möglichst zeitnah einen Runden Tisch einzuberufen und ernsthaft an Problem-Lösungen statt –verschiebungen zu arbeiten. Denn wie will man seit Jahren vom Senat mehr Geld für Stadtteilkultur einfordern, wenn man seinen (wenn auch nicht rechtsverbindlichen) Aufgaben und Pflichten nicht nachkommt?

Und leider betrifft es ja nicht nur Proberäume für Musik sondern auch Ateliers etwa die für Bildende Kunst. Das Thema stiefmütterlich zu behandeln ist grob fahrlässig. Denn im Grunde sind es die Arbeitsplätze von Kulturschaffenden. Man muss sich mal vorstellen, sie bekämen ihre Büros gekündigt, sollen aber weiter Arbeitsergebnisse produzieren.

Neben den rund 60 Musikern, die nun durch die Aufkündigung der Proberäume in der Nöldekestraße betroffen sind, fällt auch die Raumnutzung eines St.-Pauli-Fanclubs und des Tischkickervereins Sidekick e.V. weg, zu dem weitere 60 aktive Mitglieder zählen.


siehe auch:

 

 

 

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Stillstand beim Leerstand https://www.tiefgang.net/stillstand-beim-leerstand/ Sat, 20 May 2017 05:00:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1141 [...]]]> Die Initiative SuedKultur feiert in diesem Jahr ihre 10jährige Existenz – Grund genug, in einer lockeren Folge auf einige Ereignisse zurück zuschauen. So auch auf den Kampf um Räume …

In den 10 Jahren, die es die Initiative SuedKultur nun gibt, ging es immer auch um freie und bezahlbare Räume für Kreative. Auch in Harburg herrscht ein eklatanter Mangel an Ateliers für bildende Künstler*innen, Proberäume für Musik oder Tanz oder Theater. Räume selbst gibt es – aber selbst städtischer Besitz – so die Erfahrung – wird lieber leer stehen gelassen, als ihn – und sei es nur vorübergehend –  als kreative Arbeitszimmer nutzbar zu machen.

2011 war so ein erwähnenswertes Jahr der Leerstandsdiskussion. Vorausgegangen waren einige Preistreibereien, die zu schmerzhaften Verdrängungen künstlerischer Freiräume führten und spektakulär mit der Besetzung des Gängeviertels in der Hamburger City bundesweit für Aufmerksamkeit sorgten.

Einigen Kreative hatten die neue Digitaltechnik geschickt zu nutzen gewusst und erstmals eine Internetplattform geschaffen, in der leerstehende Gebäude gemeldet werden konnten und so wurde schnell die Größe der Misere sichtbar (mittlerweile unter leerstandsmelder.de/hamburg zu finden und selbst heute, im Mai 2017, werden 1.073 (!!!!)  Leerstände konkret benannt).

Nicht nur, dass lieber Gebäude leer stehen gelassen wurden und werden als zu vermieten – im Süden Hamburgs Harburg nicht nur das „Harburg Center“ am Ring sondern auch am anderen Ring-Ende die Gebäude am Lüneburger Tor. Es wurde auch recht augenfällig, wie groß die Zahl städtischer Gebäude dabei ist. Und da erschließt sich nicht wirklich, warum diese nicht zumindest kulturell genutzt werden.

In Harburg waren besonders vier Gebäude in öffentlicher Hand und für eine kulturelle Nutzung attraktiv: die alte Polizeiwache in der Nöldekestraße 17, daneben das ehemalige Gebäude des Freizeitzentrums Nöldeke, der Hochbunker in der Lasallestraße sowie die Schule in der Bunatwiete.

Leerstand für fast 3.000 € im Monat

Ohne lange Diskussion war ein Termin mit Leuten der Kulturbehörde, der noch recht jungen Kreativgesellschaft Hamburg und SuedKulturlern zur Besichtigung gefunden. An einem März-Tag 2011 durchgingen wir die Räume und waren erstaunt. Die Polizeiwache Nöldekestraße war außer Dienst gestellt worden, da ein neu errichtetes Gebäude an der Buxtehuder Straße gebaut worden war. Und so stand es einfach nur leer, wurde aber beheizt, war vollkommen intakt und kostete die Stadt Hamburg so monatlich rd. 2.800,- € statt etwas einzubringen. Und das schon über mehrere Jahre.

… und immer noch gut in Schuss!                    (Foto: S. Schnell)

Der Vertreter der zuständigen städtischen Firma Hamburger Vermögens-Verwaltung GmbH (HVG) teilte uns mit, dass die Handesstadt das Gebäude verkaufen will. Auf die Frage, was es denn kosten solle, wollte er sich aber nicht äußern. Kann man ein Gebäude verkaufen, wenn man den Preis nicht nennt?!? Natürlich nicht. Es war aber vielmehr die typische Einschätzung, dass Kulturschaffende eben eh kein Geld haben und so als Kaufinteressenten nicht infrage kommen. Daher wohl unnötig, ihnen auch nur ungefähre Preise zu nennen.

Wir erstellten dennoch Pläne der immerhin mehr als 2.500 qm Nutzfläche, die ideal als Proberäume für Musik nutzbar wären. Und nicht nur für die berühmte Feierabend-Mucke. Denn bei mehr als 5 Musicals in Hamburg ist das Potenzial an Profimusiker*innen, die Arbeitsräume tagsüber brauchen, groß. Letztlich sind es so etwas wie ihre Büros.

Gut 40 Räume, die – wenn man sie mit einer geschickten Raum-in-Raum-Isolation herrichtete – ein wahres Musik-Mekka bilden könnten. Gute Anbindung über Stadtautobahn wie auch Bahnhof-Nähe, Parkplätze sind vorhanden, Anwohnerbelästigung auszuschließen, ein großes Café im Eingangsbereich sowie 2-3 Räume für Events wie Tanzveranstaltungen oder andere kulturelle Nutzungen, im Keller evtl. noch zwei Tonstudios. Und das zu einem stündlichen Mietpreis von 5-7 € je Raum. Online-Reservierung und Rechnungsstellung heute kein echtes Problem mehr. Das ist bezahlbar – so denn eben kein runtergekommenes Moloch. Immerhin: die Betriebskosten wären locker wieder reingekommen. Aber Unterstützung, wie man diese Immobilie dahin bekommen könnte? Keine.

Nicht ganz, denn immerhin hatte der Eisenbahn-Bauverein Interesse bekundet. Der Kaufpreis wäre zwar nicht so hoch gewesen, aber dafür war angedacht, die kulturelle Nutzung aus eigenen Mitteln zu finanzieren (siehe HAN-Artikel „Leerstand für 2.800 Euro im Monat“). Das Interesse städtischer und auch bezirklicherseits aber war veschwindend gering.

Letztlich kaufte 2012/13 das Gebäude ein Harburger Geschäftsmann, der durchaus an einer kreativen Nutzung Interesse hat. Doch der Zeitlauf sorgte erst einmal dafür, dass die Wache seit einigen Jahren nun als Unterkunft unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge genutzt wird. An eine nachfolgende kulturelle Nutzung wird aber weiterhin gedacht (siehe wache17.de). SuedKultur bleibt dran.

               Innenansichten (Foto: S. Schnell)

Und die anderen Gebäude? Die Schule Bunatwiete wird seit Jahren immer zu als Ausweichquartier renovierbedürftiger Schulen genutzt, der Bunker Lasallestraße wird als Lagerraum vermietet und das ehemalige Freizeitzentrum Nöldekestraße ist zur Musikschule Klangfabrik geworden. Immerhin.

Sechs Jahre sind vergangen. Die Proberäume wurden eher weniger als mehr. Wer jetzt und akut nach Proberäumen sucht, ist leider nach wie vor auf  sich selbst gestellt. Denn ein weiterer Versuch das Thema anzugehen, scheiterte erneut (s. Tiefgang-Artikel „Probt doch in alten Luftschutzräumen“ vom 6. Mai 2017)

Immerhin an- und nachfragen aber kann man beim Verein elbdeich e.V. und auf der Veddel bei Carajo Distorsion Hamburg

Wer Proberäume oder Ateliers zur Verfügung stellen kann, kann sich gerne unter kontakt(at)sued-kultur.de melden. Der Bedarf ist da.

 

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