Die Linke Harburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 10 Jun 2025 09:14:40 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Spurensuche im Schatten der Vergangenheit https://www.tiefgang.net/spurensuche-im-schatten-der-vergangenheit/ Fri, 13 Jun 2025 22:13:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11970 [...]]]>

Harburg, ein Stadtteil Hamburgs, dessen industrieller Herzschlag und lebendige Gegenwart das Auge auf den ersten Blick fesseln. Doch hinter den geschäftigen Straßen und modernen Fassaden verbirgt sich eine Geschichte, die tief in der Vergangenheit verwurzelt ist.

Eine Geschichte, die nicht immer bequem ist, aber unerlässlich, um die Identität des Bezirks wirklich zu begreifen: die Verflechtungen mit dem Kolonialismus. Um diese oft unsichtbaren Fäden sichtbar zu machen und zur Diskussion anzuregen, lädt Heiko Langanke von der Linken Harburg zu einem spannenden Rundgang durch Harburgs Hafen ein.

Man spaziert entlang des Harburger Binnenhafens, vorbei an ehemaligen Werkshallen, die heute neue Zwecke erfüllen, und ahnt kaum, welche globalen Verbindungen hier einst geknüpft wurden. Im 19. Jahrhundert erlebte Harburg eine Blütezeit, maßgeblich angetrieben von der aufstrebenden Öl- und Gummiindustrie. Doch diese scheinbar rein lokale Erfolgsgeschichte hatte globale Wurzeln, die sich bis in die Kolonien erstreckten. „Von den Phoenix-Werken, der Hamburg-New Yorker Gummiwarenfabrik oder der Harburg-Freudenberger Maschinenfabrik und den Thörl-Werken – Harburgs Geschichte ist sehr aufschlussreich, wie Globalisierung, Industrie, Handel und Politik ineinandergreifen und unser alltägliches Leben bestimmen“, erklärt Heiko Langanke, der den Rundgang leiten wird.

Der Rundgang ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine lebendige Spurensuche. An historischen Orten werden die komplexen Zusammenhänge von Industrie- und Sozialgeschichte sowie die kolonialen Verbindungen erläutert. Man erfährt, wie Rohstoffe aus fernen Ländern – Kautschuk aus Lateinamerika oder Palmöl aus Afrika – über den Hafen nach Harburg gelangten und hier zu Produkten verarbeitet wurden, die weltweit vertrieben wurden. Diese globalen Lieferketten, die wir heute als selbstverständlich erachten, hatten ihren Ursprung oft in kolonialen Ausbeutungsverhältnissen, die tiefgreifende Auswirkungen auf die betroffenen Regionen und Menschen hatten.

Doch es geht nicht nur um Vergangenes. Ein zentraler Aspekt des Rundgangs ist die Frage, welche Auswirkungen diese historischen Gegebenheiten bis in die Gegenwart haben. Fragen nach globaler Ungleichheit, nach den Lasten der Geschichte und nach der Verantwortung, die aus solchen Verflechtungen erwächst, werden dabei nicht ausgeklammert. „In Harburg können wir allein durch einen Spaziergang durch unsere eigene Geschichte lernen und begreifen, was uns auch in der Gegenwart beschäftigt“, resümiert Langanke. Es ist ein Aufruf zur kritischen Reflexion, zur Auseinandersetzung mit unbequemen Wahrheiten und zum Verständnis, dass Geschichte eben nicht nur in Büchern, sondern auch in den Mauern und Straßen unserer Städte weiterlebt.

Die Rundgänge dauern etwa 1,5 bis 2 Stunden und sind kostenfrei, Spenden sind jedoch willkommen. Eine Anmeldung ist nicht explizit erwähnt, aber bei solchen Führungen oft ratsam, um die Gruppe überschaubar zu halten. Website der Partei: linksfraktion-hamburg-harburg.de. Interessierte sind herzlich eingeladen, an diesem lehrreichen Spaziergang teilzunehmen und die verborgene Geschichte Harburgs zu entdecken – eine Geschichte, die uns alle angeht.

  • Rundgang: Harburgs koloniales Erbe entdecken | Führung mit Heiko Langanke (Die Linke Harburg)
  • Termine: Freitag, 20. Juni, 18 Uhr & Sonntag, 29. Juni, 12 Uhr
  • Treffpunkt: Herbert- und Greta-Wehner-Platz (ehem. Karstadt), Endpunkt: Harburger Hafen am Dampfschifffahrtsweg
  • Dauer ca. 1,5 bis 2 Stunden, Kostenfrei (Spenden willkommen)

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Harburgs Karstadt-Geister https://www.tiefgang.net/harburgs-karstadt-geister/ Fri, 25 Apr 2025 22:24:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11701 [...]]]> Ein Gespenst geht um in Harburg – das Gespenst der verpassten Möglichkeiten.

Seit der Schließung des Karstadt-Hauses klafft eine Wunde im Herzen des Stadtteils, ein leerstehender Gigant, der mehr sein könnte als nur eine Erinnerung an vergangene Konsumzeiten. Längst kursieren lebendige Visionen für eine kulturelle Wiederbelebung: Theaterbühnen, die sich entfalten, Kinoleinwände, die Geschichten erzählen, Literatur, die zum Austausch einlädt, Tanz, der den Beton zum Beben bringt, Musik, die die Stille durchbricht, und Kunst, die neue Perspektiven eröffnet. Ein pulsierendes Zentrum für Kultur, mitten in Harburg.

Doch die Realität scheint diesen Träumen einen kalten Wind entgegenzublasen. Die Fraktion der Linken in Harburg hatte dringende Fragen zur geplanten Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes an die Finanzbehörde gerichtet (Drs. 22-0561.01) – und die Antworten, die kamen, scheinen mehr Nebel zu werfen als Licht ins Dunkel. „Die Antwort der Finanzbehörde offenbart eine bemerkenswerte Intransparenz und lässt ein schlüssiges Konzept zur kostendeckenden Nutzung schmerzlich vermissen“, konstatiert die Partei.

Ein Kernproblem kristallisiert sich heraus: die Betriebskosten. Bereits Ende 2024 räumte die Sprinkenhof GmbH im Stadtentwicklungsausschuss ein, diese noch nicht zu kennen. Und die aktuelle Stellungnahme der Finanzbehörde? Sie schweigt sich weiterhin aus. Ohne eine klare Kalkulationsbasis aber, so argumentieren Kritiker, gleicht die mögliche Kostenumlage für potenzielle Zwischennutzer einem Blindflug.

Simon Dhemija, der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion Harburg, spitzt die Problematik zu: „Denn die pauschale Aussage, dass die Betriebskosten von der Anzahl und Art der Nutzungseinheiten abhängen, ist irreführend. Die explizite Frage nach der separaten Steuerung von Lüftungs-, Heizungs- und Wasseranlagen wird nämlich negativ beantwortet. Oder anders gesagt: man stellt Karstadt an oder aus.“ Diese „Alles-oder-Nichts“-Strategie in Bezug auf die Gebäudetechnik aber, so Dhemija, schränkt die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit einer Teilnutzung erheblich ein. „Eigentlich müsste der Tenor lauten: umso mehr Fläche genutzt wird, um so effizienter!“

Auch die Kostenumlage für bereits erfolgte, temporäre Nutzungen wie des Museums oder den Flohmarkt Anfang März bleibt im Dunkeln. Statt detaillierter Abrechnungen werden lediglich „pauschale Vereinbarungen“ erwähnt, was eine nachvollziehbare Kostenverteilung unmöglich macht. Ebenso wenig wird transparent, welche Einnahmen durch diese Zwischennutzungen generiert wurden. Einblicke in die Wirtschaftlichkeit? Fehlanzeige.

Besonders brisant erscheint die Weigerung, den Berechnungsmodus für zukünftige Zwischennutzer offenzulegen. Die pauschale Verweisung auf „jeweilige Verträge“ und die Vereinbarung von „Pauschalen“ nährt den Verdacht, dass hier Intransparenz Methode hat. Eine nachvollziehbare Grundlage für eine faire Kostenbeteiligung? Scheint Mangelware.

Die abschließende Begründung der Finanzbehörde, aus Gründen des „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisses“ von weiteren Informationen abzusehen, wirkt angesichts der Bedeutung einer öffentlichen Immobilie und dem Wunsch nach einer lebendigen kulturellen Zwischennutzung wenig stichhaltig. Hier geht es schließlich nicht um Wettbewerbsvorteile eines privaten Unternehmens, sondern um die Gestaltung öffentlichen Raumes und die Förderung kultureller Vielfalt.

Das Fazit der Linken fällt entsprechend deutlich aus: „Die Antwort der Finanzbehörde wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.“ Die fehlende Transparenz bei den Betriebskosten, die unklaren Umlageschlüssel und die Weigerung, zukünftige Berechnungsmodelle zu erläutern, deuten entweder auf ein anhaltendes Fehlen belastbarer Daten oder gar auf ein mangelndes, durchdachtes Konzept für eine kostendeckende Zwischennutzung hin.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Bleibt zu hoffen, dass in den zuständigen Behörden doch noch ein Umdenken stattfindet, dass die Chance erkannt wird, das ehemalige Karstadt-Gebäude in Harburg in einen pulsierenden Ort der Kultur zu verwandeln. Denn eine lebendige Innenstadt braucht mehr als nur Handel – sie braucht Orte der Begegnung, der Inspiration und der kulturellen Teilhabe. Harburg hätte es verdient, dass die Geister des leerstehenden Kaufhauses endlich einer lebendigen, kulturellen Zukunft weichen.

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Highlight 10. Meridian https://www.tiefgang.net/highlight-10-meridian/ Fri, 13 Sep 2019 22:01:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5773 [...]]]> Was tut sich in Harburgs Kulturpolitik? Wir halten auf dem Laufenden …

Die FDP sieht den 10. Meridian – also Längengrad – als Kulturereignis. Daher stellte sie für einen möglichen kommenden Kulturausschuss jetzt einen Antrag (Drucksache 21-0121), in dem sie feststellt, „der zehnte Meridian verläuft auch durch Harburg“.

Daraus folgert sie: „Der zehnte Meridian sticht in Langenhorn in die Stadt, er überwindet den Flughafen, durchschneidet die Alster und die Mönckebergstraße und trifft in der Hafencity das Maritime Museum. Genau dort soll es eines Tages eine Messingmarkierung geben, um sichtbar zu machen, dass man sich spannenderweise mitten auf dem zehnten Längengrad befindet. Natürlich bricht dieser Längengrad nicht nördlich der Elbe ab, er führt auch durch Harburg, in Rönneburg verlässt er die Stadt nämlich wieder. An mehreren Orten in Hamburg befinden sich bereits Denkmäler, wie zum Beispiel auf der Kennedybrücke und in der Mönckebergstraße. Am Winterhuder Marktplatz befindet sich ebenfalls eine Markierung. Um dem Bezirk Harburg ein weiteres Highlight hinzuzufügen, soll es auch hier ein Denkmal für den zehnten Längengrad geben. Dadurch wird Harburg in eine Liste von Meridiandenkmälern aufgenommen und erhält gesteigerte Aufmerksamkeit.

Die Verwaltung wird aufgefordert zu prüfen, inwiefern der zehnte Meridian in Harburg, an einer geeigneten Stelle, als Denkmal sichtbar gemacht werden kann. In dem für Kulturthemen zuständigen Ausschuss soll bis spätestens 31. Januar 2020 berichtet werden.“

Die Linke hingegen fragt in einer kleinen Anfrage die Bezirksverwaltung, wie es um den jährlichen Angleich der Stadtteilkulturmittel stünde (Drucksache 21-0122). „Seit 2018 erhöht der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Mittel für Stadtteilkultur jährlich um 1,5 Prozent mit der Begründung, jährliche Kostensteigerungen zumindest in Ansätzen auszugleichen. Diese Gelder sind auch an den Bezirk Harburg geflossen.“

Daher fragt sie,

Sind diese Mittel zum Ausgleich inflationärer Kostensteigerungen im Bezirk Harburg an Kulturschaffende weitergegeben worden? Wenn nein, warum nicht?

  1. Sind insbesondere die mit Festbetrag finanzierten sogenannten „institutionellen Förderungen“ automatisch um 1,5% erhöht worden?
    1. Wenn ja, in gleichem Maße (also an alle institutionell Geförderten) oder unterschiedlich verteilt?
    2. Wenn ja, bitte mit Aufschlüsselung der erhöhten Fördersummen.
    3. Wenn nein, warum nicht?
    4. Wenn in Bearbeitung, bitte mit Zeitrahmen der Umsetzung und des Geldflusses sowie Angabe der angedachten Förderzahlen (in % und Realsummen).
  2. Ist geplant, diese Erhöhungen wie vom Senat beabsichtigt jährlich und automatisiert weiterzugeben?
    1. Wenn nein, warum nicht?
    2. Wenn nein, was ist dann mit den jährlich erhöhten Mitteln angedacht?“

Eine Antwort wird binnen wenigen Tagen zu erwarten sein.

Quelle: sitzungsdienst-harburg

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Klause, Kohle, Klo https://www.tiefgang.net/klause-kohle-klo/ Sat, 07 Sep 2019 14:24:45 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5757 [...]]]> Das neue Bezirksparlament steht, aber ob es einen – geschweige denn eigenen – Kulturausschuss geben wird, steht noch in den Sternen. Themen aber werden schon benannt. Eine aktuelle Übersicht.

Die Linke etwa fordert in der Drucksache 21-0100 vom 30. Aug. 2019 die vorläufige Erhöhung der Stadtteilkulturmittel aus Bezirksmitteln der Wohnungsbauprämie. „Der Senat der Freien und Hansestadt hat auch für das Jahr 2018 über den „Vertrag für Hamburg“ dem Bezirk Harburg eine Prämie für zugelassene Wohnungsbauten in Höhe von 276.000 € zugesprochen. Diese können vom Bezirk Harburg frei verwendet werden. Zugleich liegt die Förderung der bezirklichen Kulturarbeit durch den Senat (Stadtteilkulturmittel) im Pro-Kopf-Vergleich 1,85 € unter dem Hamburger Durchschnitt. Es fehlen also mehr als 300.000 € an Kulturmitteln. Dabei ist ein rasant wachsender Bezirk auch darauf angewiesen, die kulturelle Infrastruktur für die zahlreichen Neubürger*innen ausbauen zu können. Um zumindest aus Harburger Kraft heraus eine Milderung der desaströsen Zustände im Bereich der Kulturförderung abzumildern, sollte es der Bezirk Harburg nicht bei Forderungen an den Senat belassen, sondern aus eigenen Mitteln zumindest eine Eigenleistung erbringen“, heißt es dort. Und so soll die Bezirksversammlung zum einen bekräftigen, „dass es an erheblichen Mitteln fehlt, um im Durchschnitt der Hamburger Stadtteilkulturförderung zu stehen. Dabei gilt als Zielmarke die Anpassung an den Hamburg weiten Durchschnitt von 3,63 € (Harburg liegt 2020 bei 1,78 € – nötig ist also ein Plus von 1,85 € je Harburger Einwohner*in“ und bis dahin sollten aus der jährlichen frei verfügbaren Prämie für Wohnungsbaugenehmigungen 10% dem Topf für Stadtteilkultur zugeschlagen werden.

Die CDU nimmt sich in der Drucksache 21-0112 vom 6. September 2019 der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark an bzw. der dort fehlenden WC-Anlage. “Um die Nutzung des Areals in einem für die Parklandschaft verträglichen Maße zu halten und gleichzeitig den Besuchern ein zeitgemäßes Umfeld zu bieten, das auch dem besonderen Charme der Freilichtbühne in einer Grünanlage Rechnung trägt, sollte die (Nutzungs-)Anpassung moderat erfolgen. Zudem besteht in diesem Bereich des Parks Handlungsbedarf, da bislang an der Außenmühle nur eine WC-Anlage auf der anderen Seite des Parks am Gotthelfweg vorhanden ist. Im Einzugsgebiet einer zweiten sanitärer Anlage befände sich neben der Freilichtbühne auch der Wasserspielplatz, eine Liegewiese mit Grill-Möglichkeit und die Bushaltestelle „Rabenstein“ der Linien 142, 145 und 245.“

Daher fordert sie von der Bezirksverwaltung Vorschläge für einen geeigneten Standort in Nähe der Freilichtbühne und eine Kostenkalkulation mit Anschaffungs- und Unterhaltungskosten für eine WC-Anlage analog zu der am anderen Ende der Außenmühle: 1x Urinal/ 1x Unisex-WC behindertengerecht, barrierefrei mit Trinkbrunnen, E-Bike Ladestation, Reifenfüllstation, Wickeltisch, optional digitale Infovitrine, sowie zusätzlich ein Wasser-Anschluss außen (gesichert gegen Missbrauch)

Und die FDP nimmt sich in der Ducksache 21-0120 vom 6. September 2019 der Inselklause und der nicht gestatten Open-Air-Konzerte an.

„Die Location Inselklause liegt im Landschaftsschutzgebiet „Hamburger Elbe“, dessen Verordnung besagt, dass aus Gründen des Naturgenusses lärmen, musizieren oder das Anbieten von Waren in dem Gebiet verboten sind. In diesem Einzelfall liegt die Inselklause nicht in Mitten einer Wanderroute an der Elbe entlang, sondern ist das Ziel einer Wanderung und das von vielen Hamburgerinnen und Hamburgern. Die Open-AirKonzerte und die launige Atmosphäre machen die Natur dort zum Genuss und tragen zu der gut funktionierenden Kulturszene vor Ort bei. Das Lokal liegt ausdrücklich nicht in dem Naturschutzgebiet Schweenssand, es besteht also keine Gefahr für Flora und Fauna. Da bisher Open-Air-Konzerte möglich waren, sollten auch jetzt, nach der Renovierung der Inselklause, weiterhin Konzerte möglich sein.“ Sie fordert von der Bezirksverwaltung vor allem um Aufklärung, wie es zu dem Konzertverbot kam, wie und was man zwischen Klause und Verwaltung kommuniziert habe und wie man verblieben sei. Ziel müsse sein, dort Open-Air-Konzerte zu machen.

Quelle: sitzungsdienst-harburg

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Zurück in die Zukunft! https://www.tiefgang.net/zurueck-in-die-zukunft/ Fri, 18 May 2018 22:10:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3644 [...]]]> „Consortium – Programm ohne Grenzen“. Das war der selbstgewählte Titel des früheren Musiklokals in der Neuen Straße 55 in der ersten Ausgabe 2007 des damaligen gedruckten Monatsheftes ´ SuedKultur`. Jetzt gibt es die Idee, es wieder zu beleben.

Das Consortium war eine feste Hausnummer in Harburg. Kneipe, Treffpunkt, Live-Musik. Aber auch schon zuvor konnte das Lokal auf eine lange Geschichte verweisen, die im Grunde nur noch nicht erforscht und erfasst wurde. Bis Mitte 2011 jedenfalls war es neben Old Dubliner, Rieckhof und Jazzclub im Stellwerk DER Live-Club Harburgs. Und dies fast täglich!

In der SuedKultur hieß es:

„Blues, Rock, Jazz, Pop, Klassik, Literatur – die Liste ließe sich noch verlängern. Und sie beschreibt das tägliche Live-Programm vom Consortium. Die Idee ist ebenso einleuchtend wie selten: Weil ein solches Angebot keine besondere Zielgruppe kennt, spricht es alle an: Junge, Alte, Arme, Reiche. Das hat das Consortium zu einem wirklichen Treffpunkt und seine Musik zum Kommunikationsbeitrag gemacht.

Diese besondere Atmosphäre lieben nicht nur die Gäste, auch die Musiker genießen sie und kommen oft von weit her, um an der Neuen Straße zu spielen. So standen neben manchem großen norddeutschen Namen auch schon Musiker aus Dänemark, Schweden, Portugal, Italien, Japan und den Niederlanden auf der Bühne. Getreu dem Motto des Hauses, dass sich als „kultureller Hefeteig“ begreift, der auch überraschende Blasen werfen kann.

Es sind natürlich vor allem norddeutsche Künstler, die im Consortium spielen. Ob Bluesphänomen Abi Wallenstein, die Swing-Urgesteine Günter Fuhlisch und Ladi Geissler, der Boogie-Pianist Jan Fischer oder Harburgs Publikumsliebling Jimmy Cornett, sie alle gehören in den festen Kreis derer, die das Publikum immer wieder aufs Neue begeistern.“

Jimmy Cornett Live im „Cons” im Juli ´09: „Rolling´81-Rhythm of Hells

Das Consortium schloss im Sommer 2011. Im selben Jahr starb Jazz-Gitarrist Ladi Geisler und Jazz-Posaunist Günter Fuhlisch dann 2013. Jimmy Cornett begeistert mittlerweile ganz andere Publikumsscharen und zwar bundesweit. Das „Cons“ schloss nicht, weil das Konzept aus der Zeit gefallen war. Nein. Simpler. Der Hausbesitzer hatte gewechselt. Und der „Neue“ hatte vor, ein Hebammen-Café dort unterzubringen. Das hätte wenig Lärm gemacht und so wäre die über dem Lokal liegende Wohnung (früher waren das nicht zufällig eben die Wirtswohnungen) rentabler Mietraum geworden. Die Parteien (Vermieter/ Mieterin) stritten und unterstellten sich diverses. Auf die simpelste Sache kam man leider zu spät: das Mobiliar der über hundert Jahre alten Gaststätte war „immobil“. Es durfte gar nicht den Räumen entnommen werden, da es unter Denkmalschutz steht. Das konnte unser Harburger Experte und Museumschef der Archäologie, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss bestätigen. Dumm nur: der Tresen samt Gruselköpfen und dunklen Sitzbankeckee waren so gar nicht „Café“-Style. Drum steht das Consortium nun seit eben sieben Jahren leer.

Der Dachverband der Hamburger Musikclubs, Clubkombinat Hamburg e.,V., warnte in einer Stellungnahme schon damals: „Wer glaubt, der Club macht zu, aber sicher an anderer Stelle dafür wieder einer auf, der irrt“. Der Grund: „Die Verordnungen und gesetzlichen Auflagen, die ein Musikclub heutzutage zu erfüllen hat, sind für einen privaten Betreiber ohnehin schon schwer zu erfüllen. Abgaben an die GEMA, Künstlersozialkasse, Kosten für Werbung, Booking, Ton- und Lichttechnik lassen kleinen Clubs zudem finanziell kaum noch Spielraum. Dem Eigentümer der Immobilie muss klar sein, dass er leichtfertig ein Stück Hamburger Musikkultur zu Grabe trägt.“  (Vgl. harburg aktuell.de)

Nun denn, hat sich vielleicht die Bezirksfraktion „Die Linke“ gedacht und „sieben Jahre“ ist ja eine der berühmten Zeitspannen, so dass nun am kommenden Dienstag (29. Mai, 17.30h, Großer Sitzungssaal im Harburger Rathaus) ein Antrag in die Bezirksversammlung eingebracht wird. Dieser fordert die Verwaltung auf, mit dem Eigentümer des Hauses zu sondieren wie es um eine Wiedereröffnung stünde. Und wie ´Tiefgang` aus einigen Kreisen bereits erfuhr: es wird von der Kulturszene begrüßt und auch erfahrende Gastronomen wären an Optionen interessiert, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Im Antrag zur Bezirksversammlung heißt es:

„Sachverhalt:

Das Lokal „Consortium“, Neue Straße 55, das im „Abendblatt“ als „Harburgs einzige Musikkneipe mit Kultstatus“ bezeichnet wurde, ist seit Mitte 2011 geschlossen und steht leer. Der Grund: Das Gebäude wechselte den Besitzer und der neue Eigentümer hatte kein Interesse an einer Musikkneipe im Haus. Stattdessen war zunächst geplant, ein Café für junge Mütter dort einzurichten. Dies scheiterte jedoch an den Denkmalschutzauflagen.

Die Einrichtung des Lokals stammt nämlich aus den zwanziger Jahren und ist samt allem Mobiliar noch vollständig erhalten. Die Schnitzarbeiten, z. B. die ausdrucksstarken Köpfe über der Theke, wurden von dem bekannten Harburger Bildhauer Michael Komorowski angefertigt. Deshalb steht die komplette Einrichtung der Gasträume unter Denkmalschutz. Das bewegliche Mobiliar ist noch im Besitz der früheren Betreiber des Lokals, muss aber aufgrund des Denkmalschutzes in den ursprünglichen Räumlichkeiten verbleiben.

Das „Consortium“ fehlt heute schmerzlich in der Harburger Kulturlandschaft – als urige Kneipe, als gemütlicher Treffpunkt, als Veranstaltungsort für Jazz- Folk- und Rockkonzerte oder Kabarett und als „lebendiges Denkmal“. Es wäre unbedingt wünschenswert, auf die/den jetzige/n Eigentümer/in einzuwirken und zu verhandeln, ob die Musikkneipe unter neuer Leitung wieder eröffnen darf, vor allem da die Räume aufgrund der geschilderten Gegebenheiten ohnehin nicht anders denn als Lokal genutzt werden können. 

Petitum/Beschlussvorschlag:

Die zuständigen Stellen des Bezirksamtes mögen Kontakt zu dem/der jetzigen Eigentümer/in des Gebäudes Neue Straße 55 aufnehmen, um darauf hinzuwirken, dass die ehemalige Musikkneipe „Consortium“ als wichtige Harburger Kultur- und Freizeitinstitution wieder eröffnen kann. Über den Erfolg der Bemühungen möge umgehend im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit berichtet werden.“

Quelle: Drucksachen–Nr.: 20-3799

 

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