Heike Duisberg-Schleier https://www.tiefgang.net Tue, 08 Jul 2025 14:22:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Kunststätte Bossard wird digital – und überrascht mit Tiefe https://www.tiefgang.net/kunststaette-bossard-wird-digital-und-ueberrascht-mit-tiefe/ Fri, 04 Jul 2025 22:54:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12050 [...]]]>

Manchmal ist es ein leises Summen im Hintergrund, ein Hauch von Zukunft in historischen Gemäuern, der die Magie eines Ortes neu belebt. Im Museum Kunststätte Bossard ist dieses Summen nun unüberhörbar – und erlebbar.

Wer den prächtigen Eddasaal betritt, dem fällt sie sofort ins Auge: eine Medienstation, transparent, hochformatig, schwebend wie ein modernes Artefakt, das sich nahtlos in die imposante Ausstattung des Raumes fügt, ohne je von ihr abzulenken. Ein Hauch von Hightech im Herzen eines Gesamtkunstwerks – und der sichtbare Beweis, dass das Kulturerbe im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Dieser innovative Zugang zur Kunst des Künstlerehepaares Bossard ist das Herzstück des erfolgreich abgeschlossenen Projekts „Neustart Kunststätte Bossard“. Mit einer großzügigen Förderung von 100.000 Euro durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen von „Pro*Niedersachsen – Kulturelles Erbe“ wurde eine „echte Vermittlungsoffensive“ gestartet, wie Heike Duisberg-Schleier, die begeisterte Leiterin der Kunststätte Bossard, betont: „Wir sind digital geworden.“

Die Vision ist klar: Jeder Besucherin und jedem Besucher soll es ermöglicht werden, „außerhalb einer Führung in seinem Tempo und mit seinem Wissensanspruch das Museum Kunststätte Bossard zu verstehen.“ Das bedeutet nicht nur die Auseinandersetzung mit den Werken selbst, sondern auch mit dem authentischen Ort, der das Leben der Künstler in fünf Zeitepochen lebendig werden lässt.

Zwischen Vergangenheit und Diskurs: Forschung trifft Vermittlung

Hinter dieser digitalen Transformation steckt die akribische Arbeit der Historikerin Dr. Eva Lütkemeyer, die das Projekt über ein Jahr hinweg umsetzte. „Durch die kritische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte und den zeithistorischen Kontexten auf Grundlage neuer Forschungsergebnisse erfährt das Museum Kunststätte Bossard neben seiner kunsthistorischen Bedeutung eine Neubewertung als Ort mit einem komplexen Kulturerbe“, erklärt Dr. Lütkemeyer. Dieser Ansatz ermöglicht es, nicht nur die Kunst zu präsentieren, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen und Raum für konstruktiven Austausch zu bieten. Denn, so führt sie weiter aus, „Schwerpunkt des Konzeptes ist die inhaltliche Implementierung der Forschung hier vor Ort, niedrigschwellig und dennoch wissenschaftlich fundiert.“

Die sichtbaren Ergebnisse dieses ambitionierten Projekts sind vielfältig: Neben der bereits erwähnten Medienstation im Eddasaal, die komplexe Bildprogramme und Hintergrundinformationen leicht zugänglich macht, gibt es einen Glaskorpus, der sich sensibel dem umstrittenen Hakenkreuz-Mosaik im Eddasaal widmet und den Umgang damit thematisiert.

Das Museum in der Hosentasche: Die Bossard-App

Ein weiteres Highlight, das sich aktuell in der technischen Abschlussphase befindet und über den renommierten Anbieter Bloomberg Connects realisiert wird, ist die neue Museums-App. Sie verspricht ein „umfangreiches Hintergrundwissen zu allen Museumsinhalten“ – von den Biografien der Bewohner*innen der Kunststätte über das umfassende Bildprogramm bis hin zu überraschenden Details wie Kochrezepten der Bossards. Die App ist als ideale Ergänzung zum Rundgang gedacht, bereichert die bestehende Beschilderung und bietet eine tiefere Immersion, ohne die beliebten Themenführungen zu ersetzen. Eine Fachtagung zu Jahresbeginn und ein in Arbeit befindlicher Tagungsband unterstreichen zudem den wissenschaftlichen Anspruch und die Weiterentwicklung des Hauses als Lernort.

Die Umsetzung dieser neuen Vermittlungswege durch Dr. Eva Lütkemeyer ist ein „Riesenschritt in der analog-digitalen Vermittlungsarbeit des Museums“, ein fortlaufender Prozess, der in den kommenden Jahren stetig weiterentwickelt und ausgebaut werden soll. Begleitet wurde das Projekt vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD), dessen denkmalfachliche Expertise die besondere Bedeutung der Kunststätte für die Denkmalpflege hervorhebt.

Die Kunststätte Bossard beweist eindrucksvoll, wie ein historisches Gesamtkunstwerk den Sprung in die Moderne wagen kann, ohne seine Seele zu verlieren. Im Gegenteil: Durch die neuen digitalen Angebote wird die Vergangenheit lebendiger und zugänglicher denn je. Ein Besuch verspricht nun noch mehr Einblicke in ein einzigartiges Kulturerbe, das Haltung zeigt und zum Nachdenken anregt.

Museum Kunststätte Bossard | Bossardweg 95 | 21266 Jesteburg

 

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Bossards verständlich machen https://www.tiefgang.net/bossards-verstaendlich-machen/ Thu, 28 Mar 2024 23:29:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10715 [...]]]> Was ist notwendig, damit sich die Kunststätte Bossard in ihrer außergewöhnlichen Kombination aus Denkmal, Kunst und Kontroverse ihren Besucherinnen und Besuchern als Museum erschließt?

Mit dieser umfassenden Aufgabenstellung startet die Historikerin Dr. Eva Lütkemeyer jetzt ein Forschungsprojekt an der Kunststätte Bossard, welches über das Förderprogramm „Pro*Niedersachsen – Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen“ durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit 100.000 Euro unterstützt wird. Das Besondere an diesem Programm: die Kunststätte Bossard hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) als Partner und öffentliche Einrichtung an ihrer Seite.

„Wir freuen uns sehr über die Förderung des Projekts Neustart Kunststätte Bossard aus Mitteln des Landes Niedersachsen“, so Dr. Ulrich Knufinke, Leiter der Abteilung Baudenkmalinventarisation und landesweite Spezialgebiete beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. „Die Geschichte und Bedeutung dieses einmaligen Ensembles mit all seinen komplexen historischen Facetten neu zu präsentieren, ist auch für die Denkmalpflege eine wichtige Aufgabe. Die Kunststätte Bossard spiegelt über ihren künstlerischen Wert hinaus auch weltanschauliche und politische Haltungen wider, die wir kritisch betrachten und offen darstellen müssen.“ Er betont bei seinem Besuch in Jesteburg, dass diese Darstellung nur an einem Denkmal geschehen kann, das vollständig und unbeeinträchtigt überliefert ist und damit immer wieder neu befragt werden kann – wie eben an der Kunststätte.

Die Projektphase des Forschungsvorhabens ist jetzt angelaufen. Heike Duisberg-Schleier, Leiterin der Kunststätte Bossard, und Dr. Ulrich Knufinke begleiten Dr. Eva Lütkemeyer an ihrem ersten Arbeitstag auf dem Museumsgelände. „Wir wünschen uns über das Forschungsprojekt die direkte Umsetzung einer digitalen und schriftlichen niedrigschwelligen Vermittlung des Gesamtkunstwerkes“, formuliert Heike Duisberg-Schleier. Und ergänzt: „Dabei geht es um die Kunst des Künstlerehepaars Bossard, aber auch um diesen authentischen, im Original erhaltenen Ort, an dem wir das Leben der Künstler in mindestens fünf Zeitepochen darstellen können.“

Dr. Eva Lütkemeyer wird die nächsten 12 Monate intensiv an der Umsetzung arbeiten. „Durch die kritische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte und den zeithistorischen Kontexten auf Grundlage neuer Forschungsergebnisse erfährt die Kunststätte Bossard neben ihrer kunsthistorischen Bedeutung eine Neubewertung als Ort mit einem schwierigen Kulturerbe“, fasst die Historikerin ihre ersten Eindrücke zusammen. „Der daraus entstehende große Vermittlungsbedarf soll mit einem Konzept abgedeckt werden, das Anstöße für gesellschaftlichen Diskurs bietet und Räume des Austauschs schafft.“ Die Entwicklung und Umsetzung eines neuen digital-analogen Vermittlungskonzepts für die Kunststätte Bossard eröffnet die Möglichkeit, komplexe Aspekte von Geschichte zu thematisieren und zielgruppenorientiert in den Zusammenhang zu stellen, ist sich die Wissenschaftlerin sicher.  Nicht zuletzt sieht sie vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftspolitischer Entwicklungen die Notwendigkeit zur Sensibilisierung für Werte und Haltungen, die in einer demokratischen Gesellschaft wichtig sind.

Die Kunststätte Bossard hat mit dem NLD einen Partner mit denkmalfachlicher Expertise, die auch den Umgang mit den zahlreichen Denkmalen aus der (Vor-)Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Ideologie in Niedersachsen greift, gefunden. Die Kunststätte könnte mit der Realisierung des Forschungsprojektes zu einem deutschlandweit einmaligen Beispiel für diese Form der Präsentation werden und repräsentativ für den Umgang mit Künstlern, die bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gelebt und gewirkt haben.

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Bossards grafisches Hauptwerk https://www.tiefgang.net/bossards-grafisches-hauptwerk/ Fri, 02 Feb 2024 23:12:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10548 [...]]]> Das Museumsjahr 2024 an der Kunststätte Bossard steht im Zeichen des 150. Geburtstages des Künstlers Johann Michael Bossard.

„Wir würdigen Johann Michael Bossard in einer Reihe von Veranstaltungen und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Künstler und seiner Zeit. Folgerichtig liegt der Fokus unserer drei Sonderausstellungen in diesem Jahr auf der Vielfalt seiner Arbeiten, seiner Schaffenskraft und seinem Leben an der Kunststätte“, so Heike Duisberg-Schleier bei der Eröffnung der ersten Sonderausstellung im Neuen Atelier in diesem Jahr.

„Das Jahr – Ein Kreis von Bildern und Gedichten von Johann Bossard“ Teil 1 zeigt 70 Werke, größtenteils Kunst auf Papier, von Johann Michael Bossard, aber auch eine Arbeit von Jutta Bossard. Im Mittelpunkt steht Bossards grafisches Hauptwerk, der Zyklus „Das Jahr“ mit insgesamt 53 Blättern, die den Kreislauf des Lebens anhand der Jahreszeiten thematisieren. Die ausgestellten Entwürfe, Studien, Skizzen, Druckplatten und Grafiken erlauben einen Einblick in die detailreiche Arbeitsweise des Künstlers. „Die Besucherinnen und Besucher erleben eine besondere Ausstellung mit Werkstattcharakter, denn sie können den Prozess der Entstehung der Grafiken vom Entwurf bis zum fertigen Werk nachverfolgen“, wie Heike Duisberg-Schleier hervorhebt.

Bossards Bilderzyklus „Das Jahr“ ist über den langen Zeitraum von 1903 bis 1921 entstanden. Die Kunststätte Bossard zeigt ihn erstmals vollständig in einer zweiteiligen Sonderausstellung. In Teil 1 sind vorwiegend die frühen Arbeiten um 1903 und 1904 zu sehen, sowie weitere Arbeiten aus dem Frühwerk des Künstlers. „Die Ausstellung zeigt akademisch anmutende Arbeiten. Johann Bossard hat gerade sein Studium beendet und war dabei, sich als freier Künstler zu etablieren“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Katharina Groth. „Bossards Arbeitsweise und Stil haben sich in den rund 20 Jahren bis zur Fertigstellung des Zyklus weiterentwickelt. Ein Prozess, den wir in unserer Sonderausstellung dank des umfangreichen Sammlungsbestandes aus dem Nachlass des Künstlers herausarbeiten können.“

Neben Wandtexten vermitteln Objektschilder Wissenswertes zu den ausgestellten Arbeiten und geben Querverweise zu Werken an der Kunststätte Bossard selbst. Ergänzt werden sie durch Ausstellungsstelen, in denen die Texte des Zyklus‘ nachzulesen sind. Diese hat Bossard selbst verfasst und in einer eigenen, nicht leicht zu lesenden Typografie gesetzt.

In einem Kuratorenvortrag am Donnerstag, dem 15. Februar 2024, führt Katharina Groth in das grafische Hauptwerk ein und ermöglicht einen intensiven Einstieg in die ausgestellten Arbeiten der Sonderausstellung. Beginn ist um 18 Uhr. Die Sonderausstellung ist täglich außer montags bis zum 25. Mai 2024 zu sehen. Teil 2 startet am 17. November 2024. www.bossard.de

 

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Freundschaft, die hilft https://www.tiefgang.net/freundschaft-die-hilft/ Fri, 10 Mar 2023 23:36:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9796 [...]]]> Der Freundeskreis Kunststätte Bossard e.V. feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. 20 Jahre auch der Unterstützung.

Weit über 300 Mitglieder zählt der Freundeskreis aktuell – eine respektable Zahl für ein so kleines Museum. Aber Dr. Björn Hoppenstedt, Vorsitzender des Vereins, wünscht sich für das Geburtstagsjahr viele neue Mitglieder. „Die Kunststätte Bossard ist seit sehr langer Zeit eng mit der Gemeinde und Samtgemeinde Jesteburg verbunden. Ich würde mir wünschen, dass der Geburtstag des Freundeskreises ein Anlass ist, das die Jesteburger dem Netzwerk beitreten und sich mit diesem besonderen Museum in der Heimatgemeinde identifizieren und sich für seinen Erhalt einsetzen.“

Das Team der Kunststätte Bossard schätzt den aktiven Austausch mit dem Freundeskreis und das finanzielle und ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder im Museumsalltag. „Unser Freundeskreis ist eine wichtige und sehr bedeutende Stütze für den Museumsbetrieb“, so Heike Duisberg-Schleier, Leiterin der Kunststätte Bossard. „Der Freundeskreis unterstützt uns häufig da, wo unsere finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind. In den vergangenen beiden Jahren ist vor allem die Förderung der Generalsanierung des Kunsttempels und die Unterstützung bei der Finanzierung der externen Forschung zur Geisteshaltung des Ehepaars Bossard während der NS-Zeit hervorzuheben.“ Als Dankeschön für diese Verpflichtung der besonderen Art erhalten Freundeskreismitglieder unter anderem ganzjährig freien Eintritt in die Kunststätte Bossard, auch an Aktionstagen.

Ein außergewöhnlicher Museumstag in diesem Jahr ist zum Beispiel das „Museumsfest“ am Sonntag, dem 2. Juli 2023, welches das Team der Kunststätte Bossard zu Ehren und zusammen mit dem Freundeskreis ausrichtet. Zum Festakt sind alle Mitglieder des Freundeskreises in den Kunsttempel eingeladen. Weitere Termine für Freundeskreismitglieder in diesem Jahr sind zum Beispiel die Exkursion zur Herbert Gerisch-Stiftung Neumünster am 6. Mai oder der Fachvortrag des Freundeskreises „Vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit: Franz Radziwill“ am 8. Oktober mit der Kuratorin des Radziwill Hauses, Mara-Lisa Kinne.

Weitere Informationen zum Freundeskreis der Kunststätte Bossard und zur Mitgliedschaft unter www.bossard.de oder bei Ute Ina Kroll unter Telefon 0 41 83 / 51 12 oder freundeskreis@bossard.de.

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Bossard und der Nationalsozialismus https://www.tiefgang.net/bossard-und-der-nationalsozialismus/ Fri, 14 Oct 2022 22:06:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9394 [...]]]> Bossard, die Kunststätte Bossard in Jesteburg und der Nationalsozialismus – eine Ausstellung erstmals gibt Einblicke in den Forschungsstand …

Nachdem die Sonderausstellung „Reden wir über Bossard“ über ein Jahr lang an der Kunststätte Bossard für Besucher geöffnet war und zum Mitdiskutieren einlud, wird im Seecontainer auf dem Museumsgelände ab sofort eine neue Ausstellung gezeigt. Anschaulich zusammengefasst werden die Zwischenergebnisse des aktuellen Vorgutachtens zur Frage des Verhältnisses von Johann Michael Bossard und Jutta Bossard zum Nationalsozialismus präsentiert.

Zur Historie: Die Kunststätte Bossard hat 2021 das Institut für Zeitschichte (IfZ), München-Berlin mit der Erstellung des Vorgutachtens beauftragt. Die Forschungsarbeit hat Dr. Tobias Hof, Historiker und Experte für Neuere Deutsche Geschichte, übernommen und seine Zwischenergebnisse im März 2022 vorgetragen. Dr. Hof stützte sich auf den schriftlichen Nachlass des Künstlerehepaars (vor allem private Briefkorrespondenz), ihren Bibliotheksbestand sowie auf ihr Netzwerk aus Freunden und Förderern.

In der neuen Sonderausstellung wird Johann M. Bossards Biografie mit dem Zeitgeschehen kontextualisiert, es wird seine Weltanschauung hinterfragt und auf die Strömungen geblickt, die diese beeinflusst haben. Eine Medienstation bietet zudem ein weitergehendes Glossar und kurze Interviews. Zu Wort kommen hier Dr. Tobias Hof, Prof. Dr. Magnus Brechtken (Institutsleiter und Stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin), Rainer Rempe (Landrat des Landkreises Harburg und Vorsitzender der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard) sowie Heike Duisberg-Schleier (Leiterin der Kunststätte Bossard).

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Kunststätte Bossard Dienstag bis Sonntag zu sehen. www.bossard.de

KUNSTSTÄTTE BOSSARD,Bossardweg 95, 21266 Jesteburg

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1 Tag – 1 Ticket – 2 Museen https://www.tiefgang.net/1-tag-1-ticket-2-museen/ Fri, 01 Jul 2022 22:15:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9193 [...]]]> Mit einem (leider zeitlich nur sehr begrenzten) Kombiticket können nun seit dem 1. Juli sowohl das Museum Kiekeberg als auch die Kunststätte Bossard besucht werden. Kunst und Geschichte, Natur, Tiere und Technik – diese Mischung macht den besonderen Reiz aus, die beiden beliebten Museen im Landkreis Harburg, das Freilichtmuseum am Kiekeberg und die Kunststätte Bossard, zu besuchen.

„Beide Museen verbindet eine gemeinsame Geschichte. Bis 2009 wurde die Kunststätte Bossard über das Museumsmanagement des Freilichtmuseums am Kiekeberg geführt“, erklärt die Leiterin der Kunststätte Bossard, Heike Duisberg-Schleier. Die langjährige Verbundenheit greifen beide Museen auf und bieten ab sofort ein Kombi-Eintrittsticket für Besucher an. „Die Idee dazu ist in den vergangenen Monaten gereift“, so der Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg, Stefan Zimmermann. „In den beiden Corona Jahren war der Museumsbetrieb für uns nur unter schwierigen Bedingungen möglich. Ein Schulterschluss mit anderen Einrichtungen ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der regionalen Museumslandschaft.“

Wer das Kombiticket kauft, erfährt ein museales Kontrastprogramm und besucht ein familienfreundliches Museum zum Anfassen, um anschließend in die Kunst einzutauchen oder anders herum. Beide Museen befinden sich in einer Entfernung von zirka 20 Kilometer zueinander und sind mit dem Auto in zirka 25 Minuten zu erreichen.

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg liegt in den Schwarzen Bergen südlich von Hamburg im idyllischen Rosengarten. Über 40 historische Gebäude und Gärten auf einem zwölf Hektar großen Freigelände erzählen von der Kultur und der Lebensweise der Menschen in der Winsener Marsch und der nördlichen Lüneburger Heide. Mit dem Agrarium geht das Freilichtmuseum am Kiekeberg den Weg von der Vergangenheit zur Gegenwart. Es ist Deutschlands einzige Ausstellungswelt zu Landwirtschaft und Ernährung gestern, heute und morgen.

Ganz anders präsentiert sich die Kunststätte Bossard. Zwischen Jesteburg und Lüllau, auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück mitten im Wald, verwirklichten die Künstler Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen. Die Kunststätte Bossard ist ein einzigartiger Ort, an dem expressionistische Wandmalerei und Raumausstattung im ursprünglichen Zusammenhang erhalten geblieben sind. Die Kunststätte Bossard setzt sich zurzeit aktiv mit der Vergangenheit des Ehepaares Bossard und seiner Einstellung zum Nationalsozialismus auseinander und plant eine umfassende Vermittlung der Forschungsergebnisse.

Das Kombiticket ist ab dem 1. Juli 2022 zum Preis von 15 Euro für jeweils einen Besuch im Freilichtmuseum am Kiekeberg und an der Kunststätte Bossard erhältlich. Kinder bis 18 Jahre haben in beiden Museen freien Eintritt. Das Kombiticket ist mit dem Tag des Erwerbs 10 Tage lang gültig.

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Verfugt, ersetzt und gefestigt https://www.tiefgang.net/verfugt-ersetzt-und-gefestigt/ Fri, 24 Jun 2022 22:34:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9162 [...]]]> Im Mai 2021 hüllten Gerüstbauer den Kunsttempel an der Kunststätte Bossard mit einem Baugerüst ein. Genau ein Jahr später wird dieses Gerüst nun wieder abgebaut. Die Generalsanierung am Herzstück der Anlage ist abgeschlossen.

Der Kunsttempel ist für Besucher ab sofort wieder geöffnet.  Rund 688.000 Euro hat die Generalsanierung am Bauwerk aus den 1920er Jahren gekostet und wurde fast vollständig über öffentliche Fördergelder finanziert. „Wir sind bei diesem komplexen Projekt in unserem geplanten Kostenrahmen geblieben, auch wenn sich die Fertigstellung verzögert hat“, freut sich die Leiterin der Kunststätte Bossard, Heike Duisberg-Schleier. Die umfassenden Konservierungs- und Sanierungsarbeiten an der Außenfassade und im Inneren des Kunsttempels wurden von Diplom-Restauratoren unterschiedlicher Fachbereiche, wie Mauer, Wand/Stein, Holz mit gefasster Oberfläche sowie Glas, ausgeführt und immer mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der langjährigen Restauratorin der Kunststätte Bossard, Stefanie Nagel, abgestimmt.

Sanierungsarbeiten innen und außen 

Am Kunsttempel arbeiteten die Restauratoren teilweise parallel im Inneren und Außen. An der Außenfassade wurden alle Fugen kontrolliert, schadhafte Fugen ausgebaut und in bauzeitlicher Technik neu verfugt. Intakte Fugen aus vorhergehenden Sanierungsarbeiten in den 1970/1980er Jahren blieben, um Schäden zu vermeiden. Restauratorin Stefanie Nagel erklärt: „Die Zusammensetzung der historischen Fugenmasse wurde per Labor geprüft. Für die jetzt verwendete Fugenmasse wurde in Abstimmung mit dem Denkmalamt eine Farbigkeit festgelegt, die die alte Fugenfarbe am besten repräsentiert.“  

Die Restauratoren haben alle Klinker des Mauerwerkes geprüft und konserviert. Schadhafte, nicht klebbare Klinker wurden durch Klinker ersetzt, die der Optik der Originale des Kunsttempels entsprechen. „Die Fassade ist wie eine Skulptur zu betrachten. Jeder entnommene Stein muss wieder an die ursprünglich gesetzte Stelle. Dafür ist eine vorherige Kartierung notwendig“, erklärt die Restauratorin die Herausforderungen. Alle der über 300 Bauplastiken aus Keramik im Fassadenbereich wurden gereinigt, wenn nötig abgenommen und am Ursprungsort neu gesetzt. Intakte Keramiken wurden direkt an der Fassade konserviert und gereinigt.

Im Inneren des Kunststempels bezogen sich die Arbeiten neben der partiellen Festigung des Putzfrieses und der Reinigung der liegenden Glasdecke vor allem auf die Fenster. Alle Holzrahmen der Fenster wurden ausgebaut, konserviert bzw. Instand gesetzt, fehlende Teile wurden ergänzt. Die Rahmen und der Kit der Fenster werden im historischen Originalton neu gefasst. Die Scheiben, insgesamt immerhin 640 Stück, wurden dafür entnommen. Die Malschichtfestigung aus 1998 der innen liegenden farbig gefassten Scheiben wurde kontrolliert und partiell nachgefestigt sowie die äußeren Strukturglasfenster gereinigt. Derzeit wird um den Kunsttempel herum ein Traufstreifen angelegt, um Spritzwasser und Verschlammung am Mauerwerk und den Fenstern zu vermeiden und um Oberflächenwasser abzuführen.

Mjt der Wiedereröffnung des Kunsttempels beträgt der reguläre Museumeintritt wie vor den Sanierungsmaßnahmen 8 Euro für Erwachsene, Kinder bis 18 Jahren und Mitglieder des Freundeskreises haben freien Eintritt. Bereits am Sonntag, dem 19. Juni 2022, wird der Kunsttempel imposanter Mittelpunkt der Veranstaltung „Land.Lust.Lecker.“ sein.  

KUNSTSTÄTTE BOSSARD – Bossardweg 95, 21266 Jesteburg 

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Die Geisteshaltung des Künstlerpaares Bossard https://www.tiefgang.net/die-geisteshaltung-des-kuenstlerpaares-bossard/ Fri, 01 Apr 2022 22:32:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8903 [...]]]> Über die Vergangenheit des Künstlers Joann Bossard  im Nationalsozialismus wurde lange geflüstert oder ganz geschwiegen. Damit ist nun auch in Jesteburg Schluss.

In einer Pressemitteilung der Kunstsätte Bossrad heißt es nun:

„Vor dem Hintergrund einer seit 2019 kontrovers geführten Debatte über die Vergangenheit des Künstlers Johann Bossard hat die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard das Institut für Zeitgeschichte (IfZ), MünchenBerlin mit einem ersten Gutachten zum Verhältnis der Bossards zum Nationalsozialismus beauftragt. Im September des vergangenen Jahres begann Privatdozent Dr. Tobias Hof mit seiner Forschungsarbeit im Rahmen dieses Gutachtens. Die Ergebnisse präsentiert der Historiker jetzt an der Kunststätte Bossard einer interessierten Öffentlichkeit.

Eine durch einen externen Wissenschaftler unabhängige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage zur Geisteshaltung des Ehepaares Bossard zur Zeit des Nationalsozialismus schafft die Möglichkeit der professionellen Distanz aller mit der Thematik beteiligten Personen im Umfeld der Kunststätte Bossard. „Der Stiftungsrat der Kunststätte und das Museumsteam sehen die externe Forschung als Chance, wichtige positive Impulse für die museale Weiterentwicklung zu erhalten“, so der Landrat des Landkreises Harburg und Stiftungsratsvorsitzender Rainer Rempe.

Privatdozent Dr. Tobias Hof legt mit seinem Vorgutachten eine rund 100 Seiten umfassende Abhandlung vor, die drei thematische Schwerpunkte setzt. Es geht um die Person Johann Bossard und seine Lebensstationen, sein Werk und seine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, um Bossards Weltanschauung sowie seine politischen Äußerungen. Über die Untersuchung im Zeitraum des Nationalsozialismus hinaus, wirft Hof auch einen Blick auf die Nachkriegszeit und die Frage nach dem Umgang der Deutschen mit dem Erbe des Nationalsozialismus.

„Bossards Position ist ambivalent zu sehen“, fasst Tobias Hof die Ergebnisse seiner Vorstudie zusammen. „Einerseits steht er zweifelsfrei in einer Denktradition und Vorstellungswelt, aus der sich auch der Nationalsozialismus bediente. Bossards völkisch-mythische Weltbilder sind in hohem Maße anschlussfähig an entsprechende Vorstellungswelten des Nationalsozialismus. Auch hoffte er, dass es den Nationalsozialisten gelingen werde das „deutsche Volk“ zu „neuer Größe“ zu führen – ein Prozess, an dem er sich 1933/34 auch selbst aktiv beteiligen wollte. Andererseits war Bossard kein aktiver Unterstützer der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Mit Blick auf die zentrale Frage des Holocaust konnte in den bislang eingesehenen Dokumenten weder Anzeichen gefunden werden, dass Bossard den rücksichtslosen Ausbau zur Diktatur noch eine Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, und damit einen der Kernpunkte nationalsozialistischer Ideologie, befürwortete. Zugleich blieb Bossard seiner völkisch, national-konservativen Weltanschauung verbunden, in der auch antisemitische Tendenzen üblich waren.“

Für dieses erste Forschungsprojekt wurde ein Bearbeitungszeitraum von drei Monaten veranschlagt. Dr. Tobias Hof sieht aus diesem Grund das Gutachten als einen ersten Zugang zur Fragestellung, den es im Rahmen weiterer Detailforschungen zu erweitern gilt. Für die Studie konzentrierte er sich auf eine umfassende Sichtung der für Bossard relevanten Literatur zur Geschichte der Kunst und Kultur im Nationalsozialismus, zur Geschichte des Okkultismus und der völkischen Bewegung im deutschsprachigen Raum sowie zum Leben und Wirken von Bossard selbst. Er stellt heraus, dass es schwierig sein wird, weiteres relevantes Quellenmaterial in anderen Archiven in großer Anzahl zu finden. Dennoch sieht es Dr. Tobias Hof als wichtig an, Bossards Werk und sein Weltbild konsequent in einen breiteren gesellschaftlich-politischen Kontext einzubetten und ebenfalls die Person Jutta Bossard in eine Forschung mit einzubeziehen.

Der Historiker schlägt in seiner Studie der Kunststätte vier weitere Forschungsschwerpunkte vor: einerseits die Forschung zum Privatleben des Ehepaares Bossard im Nationalsozialismus, um aus dieser Perspektive heraus ein Verständnis von der nationalsozialistischen Diktatur zu gewinnen, andererseits die Einordnung, welche Rolle Bossards schweizerische Abstammung für sein Weltbild und seine Beurteilung politischer Ereignisse hat. Eine weitere Forschungsperspektive wäre die Erweiterung des Quellenmaterials zu Bossards Netzwerk um seine Freunde Wohlthat und Offergeld sowie die Untersuchung zu Künstlern und Bossard im Besonderen als Teil einer völkisch geprägten Generation.

Das Gutachten dient als Grundlage einer weiterzuführenden Diskussion über Bossards Vergangenheit und Wirkung, die mehr Raum für Differenzierung geben sollte. Stiftungsratsvorsitzender Rainer Rempe bestätigt: „Zum jetzigen Zeitpunkt halten wir die Forschung für nicht abgeschlossen. Sie wird in jedem Fall weitergeführt, orientiert an den von Dr. Hof vorgeschlagenen Schwerpunkten.“ Die Kunststätte Bossard möchte neben der weiteren Forschung insbesondere die Überlegungen zur Vermittlung und Ausstellung der Studienergebnisse einbeziehen. Heike Duisberg-Schleier, Leiterin der Kunststätte Bossard, erklärt: „Wir verfolgen einen multiprofessionellen Ansatz mit einem Forscherteam bestehend aus einem Historiker vom IfZ und weiteren Experten, die sich mit der Erstellung von Ausstellungs- und Vermittlungskonzepten beschäftigen.“

Zurzeit prüft das Team der Kunststätte die Fördermöglichkeiten und Umsetzungschancen dieses Wunsches. „Wir sehen in den Ergebnissen der Forschung die Chance, den Blick auf diese Zeit zu schärfen und die Weltanschauungen und geistigen Strömungen am Beispiel des Künstlerehepaares Bossard vor Ort an der Kunststätte vermitteln zu können“, so Duisberg-Schleier. Bis dahin wird die Ausstellung „Reden wir über Bossard“ im Seecontainer auf dem Gelände der Kunststätte überarbeitet und präsentiert die Ergebnisse der Vorstudie. Ein Umbau ist bis zum Sommer geplant. Des Weiteren wird die Beschilderung auf dem Gelände auf die neuen Forschungsergebnisse angepasst und auch die Themenführungen im Museumsalltag werden um die neuen Erkenntnisse ergänzt. Die im vergangenen Jahr etablierte Diskussionsreihe „Reden wir über Bossard“ wird fortgeführt. Vier weitere Veranstaltungstermine stehen bereits fest. Die Vorstudie von Dr. Tobias Hof ist auf der Homepage der Kunststätte Bossard als Download und in gedruckter Form an der Museumskasse erhältlich.

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Form und Farbe, Bronze und Ton https://www.tiefgang.net/form-und-farbe-bronze-und-ton/ Fri, 24 Sep 2021 22:15:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8412 [...]]]> Uta Falter-Baumgarten gehört zu den wichtigsten von Johann Bossard ausgebildeten Bildhauerinnen. Eine Ausstellung ehrt sie nun. 

Jesteburg.  Die 1924 geborene Künstlerin schuf zahlreiche Plastiken, Porträts sowie Kleinplastiken, viele davon für den öffentlichen Raum. So etwa die Tanzenden Schmetterlinge vor dem Bürgerhaus in Wilhelmsburg oder die Kinderpyramide in der Fußgängerzone von Harburg. Eine Auswahl ihres Schaffens ist jetzt in der Kunststätte Bossard ausgestellt.

„Wir freuen uns, in der dritten Sonderausstellung dieses Jahres die noch letzte lebende Schülerin Johann Bossards zu präsentieren“, so die Leiterin der Kunststätte Bossard, Heike Duisberg-Schleier. „Ihre Kunst hat regional und überregional einen hohen Stellenwert. Trotz ihrer schon 97 Jahre hat sie mit fachlichem Blick die Konzeption und Gestaltung der Ausstellung aktiv begleitet. “

Bei all ihren Werken zeigt die Künstlerin eine individuelle Herangehensweise mit Form, Material und Oberfläche. Im Bereich der Keramik reicht die Bandbreite ihres Schaffens von Terrakotten bis hin zu farbenfroh glasierten Wandfliesen und Gefäßen. Das Gesamtwerk der Künstlerin ist geprägt vom Thema „Mensch“, wandelt sich aber auch hin zum Abstrakten.

Form und Farbe, Bronze und Ton bestimmen das Schaffen der Künstlerin und geben der Ausstellung Ihren Titel, die bis zum 9. Januar 2022 im Neuen Atelier der Kunststätte Bossard zu sehen ist. Öffnungszeiten der Sonderausstellung: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, www.bossard.de

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Reden über Bossard https://www.tiefgang.net/reden-ueber-bossard/ Fri, 09 Jul 2021 22:21:06 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8196 [...]]]> Das Wirken des Künstlers Johann Bossard im Nationalsozialismus wirft Fragen auf. Also besser man redet drüber. Jetzt mit dem Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas-Frankenthal.

Im Rahmen der Reihe „Reden wir über Bossard“ findet am Dienstag, dem 13. Juli 2021, ein Ateliergespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas-Frankenthal und Hans-Jürgen Börner, Vorstandsmitglied der Stiftung Johann und Jutta Bossard, an der Kunststätte Bossard statt.

In der Abendveranstaltung, die zum ersten Mal in dieser Form an der Kunststätte Bossard stattfindet, lädt Gastgeber Hans-Jürgen Börner seinen Gast Ivar Buterfas-Frankenthal zu einem zwanglosen Gespräch über die Kunststätte Bossard, ihr Künstlerehepaar sowie aktuelle politische und kulturelle Fragestellungen ein. Das Publikum hat die Möglichkeit, mitzureden und den Austausch aktiv zu begleiten.

Im Mittelpunkt des Gesprächsabends stehen unter anderem die zentralen Fragen: Wie lernen wir – Jung und Alt – aus der Vergangenheit für die Zukunft? Gibt es ein Tabuthema, über das wir nicht mehr reden oder sind es die Tabus, über die wir sprechen müssen? Wie schützen wir uns vor Irrtümern und Irrwegen. „Die Kunststätte Bossard stellt sich mit dieser Gesprächsreihe den kontroversen Fragen und der öffentlichen Diskussion“, so Hans-Jürgen Börner. „Wir wünschen uns von unseren Gästen, dass Sie Kritik äußern, Fragen stellen und gern Vorschläge äußern.“

Das Ateliergespräch beginnt um 18 Uhr im Neuen Atelier der Kunststätte Bossard.

Da aufgrund der Corona-Hygiene-Regeln die Platzanzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich. Bei steigender Inzidenzzahl ist es unter Umständen notwendig, einen negativen Corona-Test vorzulegen. Anmeldung bitte ausschließlich per Mail an: schmidt@bossard.de.

Ort: Kunsttätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, www.bossard.de

Gutachten zur Rolle des Ehepaars Bossard zur Zeit der NS-Diktatur

Darüber hinaus hat die Stiftung der Kunststätte angekündigt, dass nun auch die externe Aufarbeitung beginne.

Welche Position nahmen die Künstler Johann Michael und Jutta Bossard zur Zeit des Nationalsozialismus ein? Wie war ihre Einstellung vor und nach dieser Zeit? Diese Fragen beschäftigen die Kunststätte Bossard maßgeblich und sollen nun in einem Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin (IfZ) geklärt werden.

Auf der jüngsten Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard wurde beschlossen, das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin mit einer Vorstudie zur Aufarbeitung der Rolle des Ehepaares Johann Michael und Jutta Bossard zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zu beauftragen. „Es ist außerordentlich wichtig für die Stiftung, dass diese Fragen objektiv und wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet werden“, betont Stiftungsratsvorsitzender Rainer Rempe.

In ersten Gesprächen mit dem Stellvertretenden Direktor des Institutes, Prof. Dr. Magnus Brechtken, wurden jetzt der Zeitplan und der Ablauf des Forschungsauftrages thematisiert und abschließend bestätigt.

Die Leiterin der Kunststätte Bossard, Heike Duisberg-Schleier, erklärt das weitere Vorgehen: „Das Institut für Zeitgeschichte wird im ersten Schritt einen Wissenschaftler benennen, der über eine Forschungszeit von drei Monaten zur ausgeschriebenen Fragestellung forscht, auch vor Ort in Jesteburg. Die Ergebnisse dieser Forschungszeit werden über einen Zeitraum von weiteren zwei Monaten zusammengefasst und als Vorstudie in gedruckter und digitaler Form der Kunststätte Bossard und der Öffentlichkeit vorgestellt.“ Die Ergebnisse der mit 30.000 Euro veranschlagten Vorstudie werden unter anderem im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Bossard“ an der Kunststätte Bossard präsentiert und Basis für eine weitere langfristig angesetzte geschichtliche Aufarbeitung sein.

Das Institut für Zeitgeschichte München−Berlin ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Sie wurde 1949 gegründet, um die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich zu erforschen. Das Arbeitsspektrum des IfZ umfasst heute die gesamte deutsche Zeitgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart im globalen Kontext. Das IfZ wird vom Bund und den Ländern finanziert und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zum Institut gehören Forschungsabteilungen in München und Berlin, eine Aktenedition im Auswärtigen Amt, die Dokumentation Obersalzberg und das Zentrum für Holocaust-Studien.

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