Kritische Aufarbeitungsarbeit in Jesteburger Kunststätte

Reden über Bossard

Jutta u Johann Bossard vor dem Kunsttempel 1928 (Foto: Kunststaette Bossard)

Das Wirken des Künstlers Johann Bossard im Nationalsozialismus wirft Fragen auf. Also besser man redet drüber. Jetzt mit dem Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas-Frankenthal.

Im Rahmen der Reihe „Reden wir über Bossard“ findet am Dienstag, dem 13. Juli 2021, ein Ateliergespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas-Frankenthal und Hans-Jürgen Börner, Vorstandsmitglied der Stiftung Johann und Jutta Bossard, an der Kunststätte Bossard statt.

In der Abendveranstaltung, die zum ersten Mal in dieser Form an der Kunststätte Bossard stattfindet, lädt Gastgeber Hans-Jürgen Börner seinen Gast Ivar Buterfas-Frankenthal zu einem zwanglosen Gespräch über die Kunststätte Bossard, ihr Künstlerehepaar sowie aktuelle politische und kulturelle Fragestellungen ein. Das Publikum hat die Möglichkeit, mitzureden und den Austausch aktiv zu begleiten.

Im Mittelpunkt des Gesprächsabends stehen unter anderem die zentralen Fragen: Wie lernen wir – Jung und Alt – aus der Vergangenheit für die Zukunft? Gibt es ein Tabuthema, über das wir nicht mehr reden oder sind es die Tabus, über die wir sprechen müssen? Wie schützen wir uns vor Irrtümern und Irrwegen. „Die Kunststätte Bossard stellt sich mit dieser Gesprächsreihe den kontroversen Fragen und der öffentlichen Diskussion“, so Hans-Jürgen Börner. „Wir wünschen uns von unseren Gästen, dass Sie Kritik äußern, Fragen stellen und gern Vorschläge äußern.“

Das Ateliergespräch beginnt um 18 Uhr im Neuen Atelier der Kunststätte Bossard.

Da aufgrund der Corona-Hygiene-Regeln die Platzanzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich. Bei steigender Inzidenzzahl ist es unter Umständen notwendig, einen negativen Corona-Test vorzulegen. Anmeldung bitte ausschließlich per Mail an: schmidt@bossard.de.

Ort: Kunsttätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, www.bossard.de

Gutachten zur Rolle des Ehepaars Bossard zur Zeit der NS-Diktatur

Darüber hinaus hat die Stiftung der Kunststätte angekündigt, dass nun auch die externe Aufarbeitung beginne.

Welche Position nahmen die Künstler Johann Michael und Jutta Bossard zur Zeit des Nationalsozialismus ein? Wie war ihre Einstellung vor und nach dieser Zeit? Diese Fragen beschäftigen die Kunststätte Bossard maßgeblich und sollen nun in einem Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin (IfZ) geklärt werden.

Auf der jüngsten Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard wurde beschlossen, das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin mit einer Vorstudie zur Aufarbeitung der Rolle des Ehepaares Johann Michael und Jutta Bossard zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zu beauftragen. „Es ist außerordentlich wichtig für die Stiftung, dass diese Fragen objektiv und wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet werden“, betont Stiftungsratsvorsitzender Rainer Rempe.

In ersten Gesprächen mit dem Stellvertretenden Direktor des Institutes, Prof. Dr. Magnus Brechtken, wurden jetzt der Zeitplan und der Ablauf des Forschungsauftrages thematisiert und abschließend bestätigt.

Die Leiterin der Kunststätte Bossard, Heike Duisberg-Schleier, erklärt das weitere Vorgehen: „Das Institut für Zeitgeschichte wird im ersten Schritt einen Wissenschaftler benennen, der über eine Forschungszeit von drei Monaten zur ausgeschriebenen Fragestellung forscht, auch vor Ort in Jesteburg. Die Ergebnisse dieser Forschungszeit werden über einen Zeitraum von weiteren zwei Monaten zusammengefasst und als Vorstudie in gedruckter und digitaler Form der Kunststätte Bossard und der Öffentlichkeit vorgestellt.“ Die Ergebnisse der mit 30.000 Euro veranschlagten Vorstudie werden unter anderem im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Bossard“ an der Kunststätte Bossard präsentiert und Basis für eine weitere langfristig angesetzte geschichtliche Aufarbeitung sein.

Das Institut für Zeitgeschichte München−Berlin ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Sie wurde 1949 gegründet, um die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich zu erforschen. Das Arbeitsspektrum des IfZ umfasst heute die gesamte deutsche Zeitgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart im globalen Kontext. Das IfZ wird vom Bund und den Ländern finanziert und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zum Institut gehören Forschungsabteilungen in München und Berlin, eine Aktenedition im Auswärtigen Amt, die Dokumentation Obersalzberg und das Zentrum für Holocaust-Studien.

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